Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

70 Jahre Forschungsloge Quatuor Coronati

© Serg Zastavkin / stock.adobe.com

70 Jahre Forschungsloge Quatuor Coronati

Von Thomas Forwe

„Ehrwürdigster Großmeister! Am 22. April dieses Jahres haben zehn Brüder beim Großmeistertag und Großbeamtenrat der Vereinigten Großloge von Deutschland den Beschluss gefasst, eine der historischen Forschung gewidmete Loge mit dem Namen Quatuor Coronati zu gründen. Auf ein diesbezügliches Gesuch hin hat die Vereinigte Großloge von Deutschland die Konstitution genehmigt. Es fehlt unserer jungen Loge, um auch rituell arbeiten zu können, die Einbringung des maurerischen Lichtes in unseren Tempel. Ich bitte Sie deshalb im Namen der Loge Quatuor Coronati, diese Lichteinbringung heute zu vollziehen!“

Mit diesen Worten wurde am 9. September 1951 die Forschungsloge installiert und Dr. Bernhard Beyer zu ihrem ersten Stuhlmeister gewählt.
Gründungsmitglieder waren: Dr. Theodor Vogel (zum Gründungszeitpunkt auch VGLGroßmeister), Dr. Karl Manecke, Karl Nückeli, Josef Haudeck, Alfred Buss, Ferdinand von Cles, Dr. Alfred Seeberger, Dr. Bernhard Beyer, Dr. Karl Demeter.
In seiner Rede erinnerte Bernhard Beyer an die Mitglieder des ehemaligen Geschichtlichen Engbundes. Sie legten, so Beyer, das Fundament für die Forschungsloge Quatuor Coronati. Er formuliert es so:
„Nach langer Schmerzensnacht nun Waldes Morgenpracht. Dieser Wort gewordene Gedanke des Amfortas, des jungen Gralskönigs in Wagners Parsifal-Oper, erfüllt auch uns Brüder heute. Die Nacht des Nationalsozialismus, die auch den Geschichtlichen Engbund des Bayreuther Freimaurermuseums zur Einstellung des Wirkens und Forschens zwang, liegt hinter uns. Die uns wieder erstandene Freiheit der Forschung begrüßen wir als Waldesmorgenpracht und wollen mit allen unseren Kräften bestrebt sein, in den Bahnen der Brüder des früheren Geschichtlichen Engbundes zu wandeln.“

Das Interesse der Bruderschaft an der Forschung wecken

Die Forschungsloge Quatuor Coronati feiert damit in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Ich fühle mich sehr geehrt, in einer Reihe mit sehr verdienten Brüdern, namentlich Karl Demeter, Konrad Kapp, Reinhold Müller, Hans-Otto Bock, Peter von Pölnitz, Heinz C. Lott, Hellmut Steuer, Klaus W. Müller, Hans-Hermann Höhmann und Klaus-Jürgen Grün zu stehen und die Forschungsloge seit 2016 als Meister der Loge zu leiten.
Obwohl die Loge ein vollständiges Patent besitzt und damit sowohl aufnehmen, befördern als auch erheben kann, nimmt sie bis heute nur Brüder Meister auf. Sie zählt aktuell rund 1400 persönliche Mitglieder und ca. 180 Mitgliedslogen. Sie alle stammen aus verschiedenen Großlogen und kommen auch aus verschiedenen Ländern.
Die Forschungsloge ist den heutigen Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGL) direkt unterstellt (seit 1960/1963). Damit steht sie für Freimaurer aller Mitgliedsgroßlogen der VGL offen.
Bei der Gründung schaute man durchaus nach England, wo die wohl älteste Einrichtung dieser Art von Mitgliedern der United Grand Lodge of England gegründet und am 28. November 1884 konstituiert wurde. Aufgabe dieser Loge sollte sein, das Interesse der Bruderschaft an der Forschung zu wecken und diese zu ermuntern, sich mit Tatsachen der freimaurerischen Geschichte zu befassen, aus Büchern über die Geschichte des Bundes in der Loge vorzulesen und über das Gelesene zu diskutieren und, wenn es angebracht ist, auch Kritik zu üben, die Aufmerksamkeit der Bruderschaft auf sich zu ziehen und für die Zusammenarbeit von freimaurerischen Wissenschaftlern in aller Welt einzutreten. Dies war für damalige Verhältnisse eine ganz neue Form der Kommunikation.
Auch für die deutsche Forschungsloge waren und sind dies immer noch wichtige Aufgaben und sie bilden die Basis unserer vielfältigen freimaurerischen Aktivitäten.

Zu den wichtigsten zählen:

Arbeitstagungen: Zweimal jährlich (im März und Oktober) finden Arbeitstagungen statt. Kompetente Referenten — sowohl Freimaurer, Freimaurerinnen als auch profane Wissenschaftler teilen hier mit anderen ihre Forschungsergebnisse oder auch Gedanken zu vielfältigen Themen. Diese Arbeitstagungen sind offen für alle Freimaurer und Freimaurerinnen aller Grade und Obödienzen. Themen der letzten Jahre waren u.a.:

  • Das „Große Jubiläum“ der Freimaurerei und was es für den Bund bedeutet (2016)
  • Das internationale und interkulturelle Spektrum der deutschen Freimaurerei (2017)
  • Humanismus und Aufklärung als Grundlagen der Freimaurerei in Deutschland: Vorgaben der Tradition, Sichtweisen der Gegenwart (2017)
  • „Drum lebe vorerst die Geselligkeit“. Die soziale Dimension der Freimaurerei (2018)
  • Zwischen anhaltender Gegnerschaft und zunehmender Akzeptanz – Das Freimaurerbild der deutschen Öffentlichkeit und die Präsenz des Bundes im öffentlichen Raum (2018)
  • Metaphern, Symbole, Allegorien – Struktur der Kommunikationsformen der Freimaurerei (2019)
  • Britische und Angloamerikanische Freimaurerei in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg (2019)
  • Baustellen der Freimaurerei (2021, virtuelle Tagung mit ca. 150 Teilnehmern)

Jahrestagungen: Jährlich im Juli an unterschiedlichen Orten finden die Jahrestagungen statt, bei denen es um vereinsrechtliche Angelegenheiten (Mitgliederversammlung) geht. Umrahmt wird die Jahrestagung von einem kleinen Vortragsprogramm, einem Zeremonial für Schwestern und Brüder sowie einer Tempelarbeit für Brüder. Besonderheit dieser Tempelarbeiten: Es wird jedes Jahr ein anderes Ritual für die Durchführung genutzt. So z.B. 2017 das Wilhelmsbader Ritual oder 2019 das Mozart-Ritual der Großloge von Österreich.

Regionale Arbeitszirkel: Deutschlandweit und auch in der Schweiz gibt es sog. regionale Arbeitszirkel, deren Aufgabe darin besteht, einen Wissens- und Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern zu fördern. Dabei gibt dies auch Raum für vornehmlich regionale Themen und Interessensgebiete. Ursprünglicher Gedanke war es, den Brüdern die weite und oft teure Fahrt zu den Jahrestagungen zu ersparen und ein persönliches Kennenlernen zu ermöglichen.
Bruder Alfred Buss, Gründungsmitglied der Forschungsloge, gründete am 24. Februar 1956 den ersten regionalen Zirkel, den Zirkel Hamburgensis.

Publikationen: Das Jahrbuch für Freimaurerforschung ist mittlerweile in ganz Europa zu einer wichtigen Quelle geworden. Im Jahrbuch werden u.a. die Beiträge aus den Arbeitstagungen publiziert und damit auch einem breiten Empfängerkreis, darunter viele Freimaurerforscher und -forscherinnen, zugänglich gemacht. Halbjährlich erscheint die Mitgliederzeitschrift TAU, die u.a. interessante Zeichnungen und weitere Beiträge von Brüdern enthält. Das TAU in seiner heutigen Bedeutung (Vorläufer war ein Mitteilungsblatt mit üblichen Vereinsmitteilungen) wurde von Peter von Pölnitz 1975 eingeführt. Er kommentierte die Ablösung mit folgenden Worten:
„Schon der neue Titel unserer QC-Zeitschrift soll zum Ausdruck bringen, dass diese ein Werkzeug sein soll, um die brüderlichen Bindungen von Land zu Land, von Stadt zu Stadt und von Bruder zu Bruder noch enger zu knüpfen und mitzuhelfen, dass wir immer mehr zusammenwachsen, um das zu werden, was wir sein wollen: Eine Loge von Brüdern, die die Wahrheit suchen, über Länder und Meere verbunden, durch ein erlebtes Geheimnis: Maurerei! Nicht die ‚Hohe Wissenschaft‘ soll in dieser internen ‚Handschrift‘ zu Wort kommen – dafür ist das Jahrbuch bestimmt – sondern Zeichnungen allgemein interessierender maurerischer Themen, aktuelle Nachrichten und Berichte aus der Bruderschaft. Auch das Schmunzeln über sich selbst steht dem Freimaurer gut an, deshalb sei auch hier der Humor behutsam gepflegt! So möge denn diese Schrift in die Welt hinausgehen in der Hoffnung auf ein brüderliches Echo.“

Förderung freimaurerischer Forschung: Quatuor Coronati fördert und unterstützt die Herausgabe wissenschaftlicher Monographien und quellenkundlicher Studien. Oftmals werden diese auch direkt von der Quatuor Coronati als Jahresgabe herausgegeben. So z.B. Guntram Seidler: Die Juden in den deutschen Logen, 2016; Tjeu van den Berg: Das Wiener Logenbild, 2019; Siegfried Schildmacher (Hrsg.): Die Geheimnisse freimaurerischer Landschaftsparks, 2020.
Alle Mitglieder erhalten diese Buchgaben (Jahrbuch, TAU und Jahresgabe) im Rahmen ihrer Mitgliedschaft kostenfrei.

Austausch mit anderen Forschungslogen: Quatuor Coronati ist im europäischen Raum ein bedeutender Träger freimaurerischer Forschung geworden. Deshalb pflegen wir auch zu vielen anderen Forschungslogen einen lebhaften Austausch. Zuletzt wurde auf der Jahrestagung 2019 in Kempten eine Freundschaftscharta mit der Schweizer Groupe de Recherche Alpina geschlossen.

Die Forschungsloge Quatuor Coronati versteht sich heute als

Forschungsloge: Wir betreiben freimaurerische Forschung über mehrere Disziplinen hinweg (u.a. Geschichte, Philosophie, Soziologie, Literatur, Musik, Kultur). QC arbeitet hier mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. So gelingt auch die Einbindung von Forschern, die nicht auch Freimaurer sind.

Wissensloge: Wir decken mit den Arbeitstagungen eine große Bandbreite an wichtigen Themen ab – immer mit dem Ziel, einen Diskurs in der Bruderschaft anzustoßen und verbunden mit der Hoffnung, dass diese Themen in den Logen weitergeführt und ebenfalls diskutiert werden. Daher tragen wir die Themen über Logenvorträge u.a. Formate in die Logen hinein und pflegen einen offenen Austausch darüber.

Kommunikationsloge: QC pflegt einen offenen Austausch mit Brüdern und Schwestern und will für wichtige Fragestellungen des Bundes sensibilisieren.

Die Arbeit der Forschungsloge wird unterstützt durch einen Wissenschaftlichen Beirat, der 1992 unter dem damaligen Meister der Loge, Br. Heinz Lott, erdacht und schließlich 1995 auch eingesetzt wurde. Der Wissenschaftliche Beirat ist kein in der Satzung vorgesehenes Organ, er berät aber den Vorstand in Forschungsfragen und begutachtet akademische Arbeiten. Ihm gehören sowohl Freimaurer als auch Profane an. In jedem Fall aber sind diese immer ausgewiesene Experten auf ihren jeweiligen Spezialgebieten. Beispielhaft sei hier Prof. Dr. Dieter Binder erwähnt, kein Freimaurer, Autor des Buches „Die Freimaurer“.
Seit vielen Jahren bereits pflegen Mitglieder und Vorstand der Forschungsloge auch einen Austausch mit Freimaurerinnen, die unsere Arbeitstagungen nicht nur besuchen, sondern durch Beiträge immer wieder aktiv unterstützen. Unsere Satzung erlaubt die Aufnahme von Freimaurerinnen nicht, daher haben wir vor einigen Jahren hierfür einen Freundeskreis geschaffen. Damit steht auch den Freimaurerinnen der Zugang zu allen QC-Publikationen offen und sie werden zu allen Veranstaltungen eingeladen.
Dieser Freundeskreis hat einen historischen Vorläufer. Denn bereits Peter von Pölnitz (Meister der Loge von 1974 bis 1982) hat 1977 den vom Schweizer Br. Otto Zuber 1975 in Zürich gegründeten Freundeskreis QC übernommen. Ziel war es immer, mit freimaurerischer Forschung nahestehenden Personen oder auch profanen Forschern einen aktiven Dialog zu pflegen.
Gut informierte Leser werden vielleicht die Erwähnung der Freimaurerischen Forschungsgesellschaft Quatuor Coronati e. V. vermissen. Heute ist sie mit der Forschungsloge untrennbar verbunden und wird insoweit auch immer in einem Atemzug genannt. Aber das war nicht immer so. Sie wurde erst am 7. Januar 1964 in Bayreuth gegründet (Tag der Eintragung ins Vereinsregister). Über diese Geschichte wird ein anderes Mal zu berichten sein.
Es ist üblich, dass dem Geburtstagskind gratuliert wird. Heute will ich es aber einmal anders machen und sage den Brüdern und Schwestern für ihre langjährige Treue, die finanzielle Unterstützung, ihre Beiträge und auch für den fortwährenden Zuspruch ein herzliches Dankeschön. Allen Amtsträgern gilt mein herzlicher Dank für den großen und doch ehrenamtlichen Einsatz für unsere Königliche Kunst. Und zuletzt bitte ich alle Freunde und Freundinnen unser Forschungsloge: Bleiben Sie uns gewogen.