36. Walkenried-Masonicum im August

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Die Südharzer Loge "Porta patet cor magis" lädt zum 36. Walkenried-Masonicum und Johannisfest in die historische Klosteranlage Walkenried ein.

Walkenried (pw). In diesem Jahr findet vom 9. bis 11. August das 36. Walkenried-Masonicum wieder in klassischer Form nach dem Güttler-Ritual mit Abmessung des Teppichs unter Auflegung realer Werkzeuge statt. Es ist zugleich die erste Wiederkehr des Stiftungsfestes der Südharzer und Walkenrieder Johannisloge PORTA PATET COR MAGIS. “Im Namen der Bruderschaft dieser Johannisloge lade ich herzlich zu unserer ganz besonderen Festarbeit ein, die wie bisher im doppelten Kreuzgang des UNESCO Welterbes Kloster Walkenried stattfindet”, teilt der Meister vom Stuhl der Loge mit.

Das Rahmenprogramm wird nach der überaus positiven Aufnahme in den letzten beiden Jahren in Qualität und Umfang wieder an 2017 und 2018 anknüpfen, um den mitreisenden Partnern und Freunden eine Harzreise schmackhaft zu machen. Wie schon 2017 und 2018 sind auch diesmal die Schwestern zu einer Arbeit im ersten Grad eingeladen, die im Zaubersaal des Klosters (parallel zur Arbeit der Brüder im Kreuzgang) stattfindet.

Es wird um eine kurzfristige Anmeldung gebeten. Details sind unter der Mailadresse walkenried@null.net zu erfragen.

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Humanität Heft 4 erscheint Anfang Juli

Das aktuelle Heft beschäftigt sich in erster Linie mit dem Großlogentreffen 2019 in Mannheim. Neben einem Bericht finden sich die Ansprache des Großmeisters, die Festzeichnung und die Beiträge der Referenten: “Alte und neue Konflikte in unserer Welt” von Prof. Dr. Thomas Meyer, “Humanismus als politischer Auftrag der Freimaurerei” von Prof. Dr. Dieter Binder, “Vernetzte Intelligenz — Freimaurer in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts” von Thomas Forwe sowie “Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland im 21. Jahrhundert” von Karl-Henning Kröger. Diese Texte werden nach und nach auch auf dieser Website erscheinen.

Daneben sind wichtige Themen 100 Jahre Bauhaus und Parallelen zur Freimaurerei, eine Betrachtung der Symbolik der Notre Dame de Paris nach der Brandkatstrophe. Beiträge mit Themen wie “Wandel und Beständigkeit”, “Ein gelingendes Leben” und “Freimaurerei ist Jazz” runden das umfangreiche Heft ab, natürlich ergänzt um Neuigkeiten aus der Freimaurerei im Allgemeinen und den Logen im Besonderen.

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Mannheimer Großlogentreffen mit kulturvollem Rahmenprogramm

„Die Brüder haben ein sehenswertes Rahmenprogramm in der Stadt der Quadrate zusammengestellt“, fasst Br. Ralph Meixner, der Distriktmeister Baden-Württemberg, ­zusammen und ruft alle Brüder unserer Großloge auf: „Nutzt dieses Großlogentreffen für Begegnungen der Freundschaft und den persönlichen Gedankenaustausch mit Gleich­gesinnten, um neue Impulse mit nach Hause zu nehmen.“

Die Großloge A.F.u.A.M. von Deutschland lädt vom 29. bis 31. Mai zu ihrem Großlogentreffen nach Mannheim ein. Es findet unter dem Motto „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ im Jubiläumsjahr der Großloge statt, die ihren 70. Geburtstag feiert. Gemeinsam mit der Kanzlei der Großloge haben die gastgebende Loge „Carl zur Eintracht“ und der Distrikt Baden-Württemberg ein spannendes Rahmenprogramm für die drei Tage zusammengestellt.

Die 1756 gegründete Loge „Carl zur Eintracht“ ist die älteste aktive Freimaurerloge Baden-Württembergs. „Die Brüder unserer wie auch einiger verwandter Logen – wir sind die ‚Mutter‘ zahlreicher Logen in und um Mannheim – werden in bewährter Teamarbeit alles daransetzen, dass Ihr Euch in Mannheim wohlfühlen und ein gut organisiertes, schönes und erkenntnisreiches Großlogentreffen in Erinnerung behalten werdet“, verspricht der Mannheimer Meister vom Stuhl, Br. Alexander John.

Mittwoch, 29. Mai: Begrüßungsabend

Los geht es am Mittwochabend mit einem Empfang im Haus der Loge „Carl zur Eintracht“. Das gemütliche „Come together“ mit Speisen und Getränken wird von der Loge und dem Distrikt Baden-Württemberg organisiert. Brüder der Rhein-Neckar-Logen holen die Teilnehmer jeweils um 17.45 Uhr von den Hotels Dorint und Leonardo Royal ab und begleiten sie auf dem kurzen Spaziergang zum Logenhaus.

Das hat übrigens eine sehr eigenwillige Adresse, nämlich: L 9,9. Die hufeisenförmige Innenstadt Mannheims zwischen Rhein und Neckar ist nämlich als Gitter angelegt, wodurch die sogenannten „Mannheimer Quadrate“ entstehen. Die Bismarckstraße verläuft vor der Front des Schlosses und verbindet die Enden der Ringstraßenabschnitte miteinander. Dazwischen liegen rechtwinklig angelegte Straßenzüge, die bis heute keine Namen tragen. Die Häuser sind deshalb aus einer Kombination von Buchstabe und Zahl benannt. Das Logenhaus trägt somit die Nummer L9, 9. Die Planung dieses Straßennetzes geht auf Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz um 1600 zurück.

Donnerstag, 30. Mai, vormittags: Ausflug zum Schwetzinger Schloss und Park

Am Donnerstagmorgen steht – parallel zur Sitzung des Großlogenrates – für alle Gäste eine Fahrt zum Schwetzinger Schloss mit fachkundiger Führung durch Schloss und Park auf dem Programm. Das Schloss Schwetzingen diente vor allem den pfälzisch-bayerischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz. Besonders der Freimaurer Karl Theodor förderte die Aufklärung in seinem Land, empfing Voltaire und Mozart. Zwischen 1975 und 1991 wurde das Schloss restauriert und im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Der Schlossgarten gliedert sich in einen französischen und einen englischen Teil, wobei zwischen dem „Garten der Allegorien“ und dem „Garten der Vernunft“ unterschieden wird. Zum „Garten der Vernunft“ zählen Minerva- und Merkurtempel, Moschee, Apollotempel, ein Tempel der Botanik, das römische Wasserkastell sowie das Arboretum, als jene Gartenteile, in denen im Sinne aufklärerischen Denkens die Vernunft gefeiert wird.

Die Abfahrt ist um 9 Uhr am Dorint Hotel. Die Führung dauert etwa zwei Stunden, die Rückkehr zum Dorint Hotel ist für 13 Uhr geplant.

Donnerstag, 30. Mai, nachmittags: Führung durch die Kunsthalle Mannheim

Um 14 Uhr beginnt dann für alle Brüder die Tempelarbeit im Lehrlingsgrad im Beethoven-Saal I und II des Dorint-Hotels. Für die Vorbereitung der Brüder sind die beiden Räume „Haydn/Orff“ und „Bach“ in unmittelbarer Nähe vorgesehen. Hier gibt es Ablagetische für Taschen.

Parallel dazu sind alle Gäste eingeladen, ab 15 Uhr an einer Führung durch die Kunsthalle Mannheim teilzunehmen. Sie prägt seit 110 Jahren das kulturelle Leben der Stadt. 1909 gegründet, ist sie eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit. Das Spektrum der Ausstellung reicht von Édouard Manet bis Francis Bacon und setzt einen Schwerpunkt auf Skulpturen – von Auguste Rodin und Wilhelm Lehmbruck über Henry Moore und Marino Marini bis zu Mario Merz und Richard Long. Am 1. Juni 2018 wurde der Neubau des Museums mit seiner außergewöhnlichen architektonischen Struktur eröffnet. An das zentrale Atrium docken sieben individuell gestaltete Kuben an, die sich nebeneinander reihen, übereinander stapeln und ineinander verschränken. Dazwischen gibt es immer wieder Freiräume, die als Wege, Blickachsen und Dachterrasse dienen. Eine durchlässige Hülle aus Metallgewebe umhüllt die Kunsthalle und hält ihre Einzelteile formal zusammen.

Der Treffpunkt für einen kurzen Spaziergang zum Museum ist um 14.45 Uhr am Dorint-Hotel oder um 15 Uhr direkt an der Kunsthalle (Friedrichsplatz 4). Es ist eine Führung durch die Sonderausstellung „Henri Laurens – Wellentöchter“ und eine Sammlungs-Präsentation zur Architektur der Kunsthalle vorgesehen.

Donnerstag, 30. Mai, abends: geselliges Beisammensein im Technoseum

Ab 18.30 Uhr lädt die Großloge zu einem geselligen Beisammensein im Technoseum (Museumsstraße 1). Das Technoseum bietet Anschauuungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. Für Speisen und Getränke ist gesorgt und die „Blue Note Jazz Company“ liefert den angenehmen musikalischen Hintergrund mit einem Bogen von klassischem New-Orleans-Jazz bis zum eleganten Swing der 30er und 40er Jahre.

Der Weg zum Technoseum ist ein angenehmer Spaziergang von etwa 2,5 Kilometern Länge über die Mannheimer Kunstmeile. Auch diesmal werden Brüder der Rhein-Neckar-Loge die Gäste von den Hotels Dorint und Leonardo Royal abholen. Treffpunkt ist um 18 Uhr vor den jeweiligen Hotels.

Möglich ist auch die Fahrt mit der Straßenbahn (Linie 6 – vom Wasserturm zur Haltestelle Luisenpark/Technoseum) und es fährt ab 17.45 Uhr ein kleiner Pendelbus zwischen Dorint-Hotel und Technoseum. Die Rückfahrt ist zwischen 22 und 22.45 Uhr mehrmals im Pendelverkehr geplant. Die Kapazität ist leider begrenzt und sollte deshalb nur Gästen vorbehalten sein, die weniger gut zu Fuß sind.

Freitag, 31. Mai: Ausflug nach Heidelberg

Während am Freitagvormittag, ab 9 Uhr, das Großlogentreffen unter der Fragestellung „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ mit Vorträgen und Diskussionen zur Freimaurerei in einer veränderten Welt weitergeht, können Gäste an einem Ausflug ins nahe gelegene Heidelberg teilnehmen. Dort ist eine Stadt- und Schlossbesichtigung vorgesehen und ein gemeinsames Mittagessen im Alt-Heidelberger „Brauhaus Vetter“. Anschließend ist Zeit für einen individuellen Bummel durch die Stadt mit der ältesten Universität Deutschlands. Um 9 Uhr fährt der Bus ab Dorint-Hotel. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten. Für 15.30 Uhr ist die Rückkehr nach Mannheim geplant.

Anmeldung bis 25. März über die Kanzlei der Großloge

Anmeldungen zum Großlogentreffen 2019 in Mannheim sind über das an alle Stuhlmeister versendete Formular oder direkt über die Kanzlei der Großloge – kanzlei@freimaurerei.de – bis zum 25. März möglich.

Das Tagungshotel ist das Dorint Kongresshotel Mannheim am Friedrichsring 6. Es liegt im Zentrum Mannheims, unweit des Bahnhofs. Von dort sind es nur ein paar Schritte zur Einkaufsmeile und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. So liegt eine der schönsten Jugendstilanlagen Europas gleich neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem Mannheimer Wasserturm. Im Dorint-Hotel ist für die Teilnehmer des Großlogentreffens ein Kontingent von 120 Zimmern reserviert. Weitere 100 Zimmer sind im 300 Meter entfernten Leonardo Royal Hotel reserviert und können ebenfalls von den Teilnehmern abgerufen werden. Die Reservierung und Bezahlung der Zimmer wird von den Teilnehmern individuell vorgenommen und kann nicht über die Großloge erfolgen.

Wer nach dem offiziellen Ende des Großlogentreffens am Freitag noch weiter in Mannheim verweilen möchte, ist ab 18 Uhr herzlich eingeladen zum Ausklang-Dinner mit einem 4-Gänge-Menü und ausgesuchten Weinen in der „Badischen Weinstube Keller’s“ in Mannheim. Für maximal 40 Gäste ist die Teilnahme zum Preis von 45 Euro (inkl. Menü und Wein) möglich. Die Anmeldung erfolgt in diesem Falle bis zum 31. März über den Sekretär der Loge „Carl zur Eintracht“ unter der E-Mail-Adres­se sekretaer@carlzureintracht.de.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Humanität 2-2019 erscheint Anfang März

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Freimaurerei begreifen

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Von Alexander Walter

Heute steht eine Tempelarbeit auf dem Arbeitsplan, mit deren Entwurf ich vor etwa einem halben Jahr begonnen habe. Ich freue mich. Ein Abend im Kreise der Brüder, ein Abend voller Inspiration, vielleicht mit etwas Reibung, möglicherweise mit viel Harmonie, ein Abend, an dem mich die Zeichnung eines Bruders mitnimmt in eine andere Wahrnehmung, in ein anderes Fühlen und ein anderes Denken, ein Abend, an dem durch das Ritual eine positive Verbindung zwischen höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten weiter vertieft und gestützt wird.

Heute gehe ich dort hin, wo ich als Erwachsener bisher wahrscheinlich am meisten habe lernen können und dürfen, heute geht es in die Loge. Viele Vorbilder kann man hier erblicken, Menschen, zu denen es sich gut aufschauen lässt. Auch wenn man blind ist.

Nicht immer ist meine Vorfreude auf die Tempelarbeit so groß wie aktuell. Manchmal, nach sehr anstrengenden Arbeitstagen mit viel Stress, fällt es schwer, sich zu den Brüdern aufzumachen, ist es geradezu eine Überwindung, obwohl die Erfahrung immer die gleiche ist: Es lohnt sich stets. An solchen Tagen ist der Kontrast zwischen alltäglicher Hetze und maurerischer Ruhe besonders groß, die Entschleunigung besonders heilsam.

Heute aber sind die Bedingungen optimal. Kein Patient, der sich in letzter Minute meldet und unbedingt noch versorgt werden will, keine Buchhaltung und kein Schreiben von Rechnungen, wenn ich aus der Loge zurück bin, und keine Hausarbeit mehr, bevor ich am nächsten Morgen in die Praxis muss. Meine Einstimmung auf das gemeinsame Ritual beginnt schon mit dem Ankleiden. Ob auf Reisen, in der Praxis oder zu Hause, der schwarze Anzug, die schwarzen Schuhe, das weiße Hemd und die weiße Krawatte bringen mich bereits in eine feierliche Stimmung, vielleicht auch, weil ich im profanen Leben eher selten festlich gekleidet bin.

„Mein Gang erinnert mich an das musivische Pflaster.“

Also auf zum Bus. Nach rund 40 Minuten, in denen ich meistens bei einem Hörbuch entspannen kann, steige ich nahe unseres Logenhauses aus. Fünf Minuten Fußweg durch eine Querstraße und schon stehe ich davor. Mein Gang erinnert mich an das musivische Pflaster. Mit einem Blindenstock pendelt man reziprok. Links also den schwarzen Schuh vorne, rechts den weißen Blindenstock, dann rechts den schwarzen Schuh und links den weißen Blindenstock. Letztlich muss man Symbole nicht nur wahrnehmen, spüren und bedenken, letztlich muss man sie leben. Eine im Wind flatternde Plane oder etwas Ähnliches – ich bin nicht ganz sicher – weckt im Vorbeigehen Assoziationen an meine Aufnahme. Ich muss wieder aus den Gedanken finden, mich konzentrieren auf den Stock in der Hand und die Geräusche, sonst wird die gedankenverlorene Unaufmerksamkeit gefährlich, auch wenn es nur eine Spielstraße ist, die ich entlangschreite.

Nicht selten bin ich als erster Bruder am Haus. Heute habe ich entspannt die Zeit, alle Türen und Läden zu öffnen, ich muss nichts anderes mehr organisieren. Habe ich diese Zeit einmal nicht, so sitze ich oft mit Kopfhörern in einem völlig dunklen Haus, was hervorragend geeignet ist, den nach mir eintreffenden Bruder ordentlich zu erschrecken, wenn er sich Licht anmacht. Nach und nach kommen weitere Brüder ins Logenhaus.

Neben der Freimaurerei und den Büchern ist auch Whisky ein Hobby von mir, dem ich einige Zeit widme – mit ein paar Freunden betreibe ich den Blog Whiskygraphie.de. Erlaubt es also der Zeitplan, dann verkoste ich mit dem einen oder anderen Bruder noch einen guten Tropfen vor der Arbeit. Doch diese Gelegenheiten sind rar gesät, denn als Redner seiner Loge hat man fast immer noch etwas zu regeln oder zu organisieren.

„Ich mag das dröhnende Donnern des Zeremonienstabes.“

Die drei Schläge des Zeremonienmeisters kündigen an, dass wir aufgefordert sind, uns maurerisch zu bekleiden, dass der Meister vom Stuhl zur Arbeit ruft. Die Regalien habe ich bereits angelegt, das Band des Bijous diesmal auf Anhieb richtig herum, das des Amtsabzeichens auch, reine Glückssache, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 4 eintritt. Ruhe kehrt ein, eine sehr angenehme Stille. Es ist eine Ruhe, in der Kraft liegt, eine Stille, die heilsam ist. Es ist jene innere Lautlosigkeit, wie wir sie in der dunklen Kammer erlebt haben. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich, in ebendieser sitzend, erstmals den Widerhall des dröhnenden Donnerns des Zeremonienstabes vernommen habe. Seitdem mag ich dieses mächtige Geräusch.

Ich kann nicht genau begründen, warum – aber unseren Tempel betrete ich ohne Blindenstock. Tatsächlich könnte ich ihn auch an der Stelle, wo ich ihn am ehesten brauche, nicht wirklich gut einsetzen, am Eingang. Wie sollte man wohl pendeln, bei den Schritten, mit denen wir den Tempel betreten? Ich muss mich also gut konzentrieren, sonst laufe ich eine Säule im Westen um. Aber es ist mir wichtig, mit den maurerischen Schritten den Tempel zu betreten, es ist mir wichtig, mich vor dem Osten zu verneigen, es ist mir wichtig, im Sonnenlauf meinen Platz einzunehmen. Ich kann mich darauf verlassen, dass mich meine Brüder dabei sehen und dass sie hilfreich eingreifen, sollte es nötig sein.

Nachdem ich das Licht empfangen und die brennende Kerze vorsichtig auf dem Rednerpult abgestellt habe, setzt die Musik ein und die übrigen Brüder ziehen in den Tempel ein. Selbst nach mehr als fünf Jahren in unserer Bauhütte in Koblenz fallen mir noch immer Aspekte auf, kommen mir neue Gedanken bei der sich nun anschließenden Öffnung der Loge. Immer gleich und doch immer anders, das fasziniert mich bis heute. Das Ritual ist wie die Bruderschaft, eine Einheit aus gleich und ungleich zugleich.

„Freimaurerei ist das, was wir daraus machen.“

Stimmen füllen den Raum, geben sinnlich sinnstiftend Sinnhaftes zum Ausdruck, Musik untermalt die Stimmung und schafft Raum für den Blick des Lehrlings, der wir immer bleiben, nach innen. Auch die Schließung der Loge ist vertraut und erscheint doch immer wieder in einem leicht anderen Licht. Wir werden zum Punkt im Kreis und zum Teil des Kreises, der als Bruderkette den Rauen Stein umgibt. Energie und Stärke fließen und werden von Hand zu Hand geleitet. Die Kerzen erlöschen. Dabei wird ihr Wachs deutlich im ganzen Tempel riechbar. Ein klares Signal, ein Zeichen, dass sich die Bewegungsrichtung des Inneren aus dem gehetzten profanen Leben in die maurerische Ruhe umgekehrt hat, dass es wieder zurückgeht in den Alltag.

Nachdem die Brüder aus dem Tempel ausgezogen sind, das Licht an seinen Ursprungsort zurückgekehrt ist und wir entlassen worden sind von der Arbeit, mache ich mich auf dem Weg nach draußen, auf die Suche nach dem Beutel des Gabenpflegers. Rituell der Menschen gedacht, denen es nicht so gut geht wie mir, die sich in Not befinden, mache ich mich dann auf zum gemeinsamen Brudermahl.

Man mag die Freimaurerei unterschiedlich leben und interpretieren, aber für mich ist sie immer, wie es auch in den „Alten Pflichten“ geschrieben steht, ein Mittel zum Stiften von Freundschaft zwischen Menschen, die sich sonst nicht begegnet wären. So sitze ich beim Brudermahl nicht nur umgeben von Brüdern, sondern auch von vielen Freunden. Zu hören sind Erfahrungen von Menschen, die ihr Leben reflektieren, die bewusst den Berufsalltag und das Privatleben bedenken. Zu einem großen Teil ist Freimaurerei auch das, was wir Freimaurer daraus machen. Bei uns ist das die vertraute und vertrauensvolle Nähe.

„Der Austausch mit reisenden Brüdern ist eine Quelle der Inspiration.“

Beim Brudermahl sitze ich fast immer am gleichen Platz. Das hat sich einfach so ergeben. Es hat aber einen interessanten Effekt. Die Tafellogen finden im selben Raum statt und bei ihnen nehme ich stets einen anderen, sich variierenden Platz ein. Die Platzwahl empfinde ich tatsächlich als sehr wesentlich im Falle von Blindheit. Die akustische Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit endet ein bis zwei Plätze weiter. Es ist von großer Bedeutung, wer sich in diesem eher kleinen Wahrnehmungsfenster aufhält. Außerdem ist zu bedenken, dass ich es selbst nicht wählen kann. Während sich also sehend Brüder zusammenfinden, die auch zusammensitzen wollen, bringe ich da immer ein wenig Unordnung hinein.

Was ich in diesem Zusammenhang sehr bedaure, ist, dass mir aufgrund der fehlenden visuellen Fähigkeiten nicht die Möglichkeit gegeben ist, mich adäquat um Gäste und reisende Brüder in unserer Bauhütte bemühen zu können. Ich bin sehr an Brüdern und Praktiken in anderen Logen interessiert, genieße den wertschätzenden Austausch, weil ich auch ihn als Quell der Inspiration betrachte. Überdies sehe ich die Gastfreundschaft als eine Pflicht an, die in der Maurerei für mein Empfinden teilweise etwas seltsam anmutend interpretiert wird. Da wird mit der Historie der eigenen Loge geprahlt, peinlich genau auf jedes Detail des Rituals geachtet, aber vergessen, weitgereisten Brüdern etwas zu trinken anzubieten. Und hier meine ich Wasser und nicht Whisky.

Ein Bruder hat sich an diesem Abend auf einer seiner Gesellenreisen bei uns eingefunden. Er ergreift die Gelegenheit und richtet einige der typischen Fragen an mich in Bezug auf meine Behinderung. Darf man sich von einem Blinden mit den Worten „auf Wiedersehen“ verabschieden? Er bekommt meine Standardantwort, die umfasst, dass es vollkommen unmöglich ist, alle Begriffe, die sich etymologisch und semantisch an das Wortfeld der visuellen Wahrnehmung anlehnen, aus der Sprache zu verdammen.

Ich erlaube mir hier ganz ehrlich zu sein. Solche Fragen berühren mich keineswegs unangenehm oder verletzen mich. Aber, da ich sie so häufig höre, langweilen sie mich. Und doch, der Bruder hat vorbildlich alles richtig gemacht, was meiner Auffassung nach im Umgang mit blinden Menschen zu beachten ist. Er war aufmerksam, interessiert, aufrichtig und höflich. Tatsächlich sind im Umgang mit blinden Menschen dieselben Dinge zu beachten, die es im menschlichen Miteinander stets zu beachten gilt. Wir sind Individuen, der eine Blinde unterscheidet sich von dem anderen Blinden ebenso stark, wie der eine Maurer vom anderen. Uns blinden Menschen mögen sich analoge Probleme stellen, aber wir lösen sie vollkommen unterschiedlich.

„Freimaurerei ist nicht exklusiv, sondern inklusiv!

Ich erlaube mir, von der Blindheit auf die nächsthöhere Ebene der Behinderung zu generalisieren: Ein großer Fehler, den man im Umgang mit behinderten Menschen machen kann, ist sehr verbreitet: das Unterschätzen. Ich gebe das ungerne preis, denn es ist häufig sehr vorteilhaft, unterschätzt zu werden. Ein noch gravierenderer Fehler ist es, überhaupt nicht mit behinderten Menschen in Kontakt zu kommen und umzugehen. Genau an dieser Stelle spielt die Freimaurerei mit ihren Werten und ihrem Geheimnis, das für mich in der Kraft der menschlichen Begegnung liegt, ihre volle Stärke aus. Im Bewusstsein, dass es durchaus Brüder gibt, die der folgenden Bemerkung sehr kritisch bis ablehnend gegenüberstehen, behaupte ich, dass die Freimaurerei durch und durch inklusiv und nicht exklusiv ist.

Unser Bruderbund ist eine Menschenkette und Ketten sind bekanntlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Da eine Behinderung ungefähr wie ein Boxkampf ist, sind viele behinderte Menschen sehr kampferprobt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass sie das schwächste Glied einer Kette darstellen, ist recht gering. Warum Boxkampf? Nun, ob man behindert ist oder nicht, sucht man sich nicht aus. Allerdings, wie man behindert ist. Wir werden also gezwungen, in den Ring zu steigen, welche Figur wir dort aber abgeben, entscheiden wir selbst. Man kann gut oder schlecht boxen, fair oder unfair, als Gewinner oder Verlierer. Wir wollen gut und fair kämpfen und den Ring als Gewinner verlassen.

Wie macht man das? Zunächst einmal sind es die Nehmerqualitäten, die einen guten Boxer auszeichnen. Man muss einstecken können. Auch muss man eine Runde verlieren können und daran wachsen. Man braucht Ausdauer, Disziplin, Kenntnis der Regeln, Kraft, Motivation, Überwindung, Mut, Technik und eine gute Strategie. Vielleicht ist es mehr der Geist als der Körper, der einen Boxer einen Kampf gewinnen lässt. Als behinderter Bruder bedarf es genau dieser Fähigkeiten. Die Analogie mag paradox erscheinen, aber es ist ein Kampf, in dem man selbst der größte Gegner ist – aber den zu gewinnen sich lohnt, weil das Preisgeld Wärme, Liebe und Freundschaft ist. Gerade der behinderte Bruder boxt gegen den Lehrling in sich, und wer ihn aufmerksam dabei beobachtet, der kann von ihm lernen, wie man gut kämpft.

„Eine Behinderung ist wie ein Boxkampf.“

Meistens bin ich zufrieden mit dem Urteil der Punktrichter. Die Freimaurerei hat mir jetzt schon so viel gegeben, dass ich, auch wenn ich mich stets bemühe, nicht in der Lage sein werde, für sie so viel zu tun, wie sie für mich getan hat. Das ist auch deshalb ausgeschlossen, weil sie fortwährend positiv auf mich wirkt, Entwicklungskatalysator geblieben ist. Ist alles gut an ihr? Nein. Habe ich auch schlechte Erfahrungen in ihr gemacht? Ja. Freimaurerei ist menschlich, daher unvollkommen, und es gibt noch viel Arbeit an ihr, mit ihr und in ihr zu verrichten. Sie ist auch Ort vieler menschlicher Unzulänglichkeiten. Ich bringe meine Schwächen mit in die Maurerei. Meine Behinderung ist allerdings nicht unbedingt eine Schwäche.

Behinderung bedeutet, wenn man recht mit ihr umgeht, eher Stärke als Schwäche. Das heißt natürlich nicht, dass sie ein Quell der Heiterkeit wäre. Auch im Bruderkreis kann es mitunter sehr anstrengend sein im Ring zu stehen, gerade wenn es einige Brüder wieder mal nötig haben, ihren eigenen Selbstwert mit meistens eher schlechten und fast immer redundanten und daher langweiligen Witzen über meine Behinderung zu erhöhen. Aber ist das schlimm? Nein, ist es nicht. Meine Brüder bringen ihre Schwächen in die Loge mit, ich die meinen. Meine Blindheit meine ich damit nicht, es sind eher Impulsivität, Ungeduld, Arroganz, mangelnde Impulskontrolle, zu wenig Empathie und Diplomatie oder Rechthaberei, an denen ich noch zu arbeiten habe. Und zu meinen Schwächen gehört durchaus auch, dass ich Mitmenschen mit Scherzen kränken kann. Je älter ich werde, desto eher neige ich dazu Konfuzius zuzustimmen: „Es ist kein Unglück, blind zu sein. Es ist nur ein Unglück, die Blindheit nicht zu ertragen.“

„Durch die Freimaurerei ist noch mehr Farbenpracht in mein Leben gekommen.“

Den Rückweg aus der Loge trete ich heute im Auto an. Und nein, diesmal fahre ich nicht selbst. Das Gespräch mit den Brüdern, die teilweise einen erheblichen Aufwand auf sich nehmen, um mich nach Hause zu bringen, schätze ich dabei sehr. Die Freimaurerei hat Freundschaft gestiftet, sie war erfolgreich, ist geglückt. Wie man Menschen nicht auf eine Behinderung reduzieren kann und sollte, so kann und sollte man die Maurerei nicht auf das Ritual reduzieren. Zu den Effekten der Königlichen Kunst in meinem Leben zählt auch, dass ich heute mit Schwestern befreundet bin, dass ich mit den Brüdern am Firmenlauf in Koblenz teilnehme, dass ich Vorträge in der Öffentlichkeit halte und dass ich mit den Masonic Bikern unterwegs bin.

Mein Leben war schon immer bunt, aber die Farbenpracht, die mit der Maurerei hineingekommen ist, ist unvergleichlich und einzigartig. Rückblickend muss ich zugeben, dass ich doch einige Fehler im Leben gemacht habe, dass ich an einigen Weggabelungen die falsche Richtung eingeschlagen habe. Von allen Entscheidungen, die ich bewusst getroffen habe, war diejenige, Freimaurer zu werden, die, von der ich am sichersten bin, dass sie richtig war. Ich hadere nicht mit den Fehlern, die mir auf meinem Lebensweg unterlaufen sind. Fehler zu machen gehört zum Menschsein einfach dazu, auch wenn es sich teilweise um gravierende, höchst bedauerliche Fehler handelt.

Behinderte und nicht behinderte Freimaurer sind Menschen und machen folglich Fehler. Wesentlich ist, dass sie daraus lernen. Weiter wesentlich ist auch, dass sie einander dies erlauben. Zwar verletzen, kränken und zersetzen manche Fehler regelrecht, aber doch müssen in der Maurerei und in der Loge gewisse Fehler toleriert werden. Denn der Fehler, der sich nur im menschlichen Miteinander ergeben kann, ist eine zentrale Kraft der Entwicklung, der Arbeit am Rauen Stein. Insofern gibt es im Umgang mit blinden Brüdern nur das zu beachten, was unter Brüdern ohnehin beachtenswert erscheint. Wir sollten zusammenkommen und uns Kränkungen und Verletzungen verzeihen, nachdem wir bemüht waren, diese bereits auf ein Minimum zu reduzieren. Keine Angst im Umgang mit behinderten Brüdern. Gerade wir können mit Fehlern leben und gerade wir machen auch selbst welche.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Die Farbe Blau

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Von Paul Franke

Blau, die Farbe des Himmels, ist auch die Farbe unseres Bundes. Im Volksmund heißt es auch: „Blau ist die Treue“. So gilt auch das Blümchen Vergissmeinnicht, wie sein Name schon sagt, als mahnende Erinnerung zur Treue. Blau spielt aber – wie alle Farben – auch in der Symbolik der Religionen der Völker eine hervorragende Rolle als Teil des Göttlichen, denn Gott – vielfach als Licht und leuchtend dargestellt – gilt als der Ursprung aller Farben.

Blau bedeutet: Die Wahrheit, der Intellekt, die Offenbarung, aber auch die Weisheit. Natürlich auch, wie der Volksmund sagt: Die Treue, die Loyalität und die Beständigkeit. Weitere Bedeutungen von Blau sind: Die Keuschheit, die keusche Zuneigung und auch der makellose Ruf. Das erinnert uns an die Antwort bei der Aufnahme eines Suchenden auf die Frage, was man sein muss, um Freimaurer werden zu können: „Ein freier Mann von gutem Ruf”.
Blau bedeutet ferner: Großmut, Klugheit, Frömmigkeit, Frieden und Kontemplation. Zeichnet das nicht auch die Arbeit im Tempel aus?

Blau ist die Farbe der großen Tiefe und auch der Kühle. Es ist die Farbe des weiblichen Prinzips und als Himmelsblau die Farbe der Großen Mutter und der Himmelskönigin. Es ist auch eine lunare Farbe – also eine Farbe, die dem Mond zugerechnet wird.
Es bedeutet aber auch die ursprüngliche Einfachheit und den unendlichen Raum, der alles umfassen kann.
In der christlichen Symbolik ist blau die Farbe der Maria als Himmelskönigin. Sie trägt einen blauen Mantel und sie steht oft auf einer Mondsichel. Blau ist hier auch die Farbe der himmlischen Wahrheit, der Ewigkeit, der Treue und des Glaubens.
Einen blauen Mantel trägt auch Indra im Hinduismus. Im Chinesischen ist es die Farbe des Azurdrachens des Ostens, des Himmels und des Frühlings.

Für den Buddhisten ist blau die Farbe der Kühle des Himmels oben und der Wasser unten, aber auch die Farbe der Weisheit.
Bei den Griechen und Römern gehörte blau als Attribut zu den herrschenden Himmelsgottheiten Zeus und Hera bzw. Jupiter und Juno, aber auch Venus hat unter anderem blau für sich erkoren.

Für die Druiden oder Kelten stand blau für einen Barden oder Dichter, bei den Indianern bedeutet es Himmel und Frieden und in der jüdischen Kabbala steht es für die Gnade.

Einzig und allein bei den Mayas hatte die sonst überall mit Frieden verbundene Farbe Blau mit der Symbolik für „die Niederwerfung eines Feindes“ eine kriegerische Bedeutung.

Blau ist aber nicht nur die Farbe des Bandes unseres Bijous und der Beamtenzeichen – auch einige weltliche Orden haben blau als Farbe der Tugend und der königlichen Würde zur Farbe ihres Ordensbandes erkoren. Um hier nur die berühmtesten zu nennen: Der englische Hosenband-Orden, der dänische Elefanten-Orden, der schwedische Seraphinen-Orden, der altfranzösische Orden des Heiligen Geistes, der polnische Orden des Weißen Adlers und der russische St.-Andreas-Orden.
Blau hat ein weites Spektrum vom tiefen Ultramarinblau bis zum hellen Azurblau und wird von uns ganz verschieden erlebt. Dunkelblau wirkt sehr nah, tief, aber auch undurchdringlich, vielleicht auch unheimlich. Hellblau oder Himmelblau dagegen weit, durchsichtig, leicht und uns öffnend.

Was meint nun die Psychologie zu dieser Farbe. Wir wissen, dass Farben nicht nur eine Bedeutung zugeordnet wird, sondern dass sie auch eine psychische Wirkung auf den Betrachter haben. Psychologisch repräsentiert blau die erregungsfreie Ruhe. Beim Betrachten von blau tritt auch eine messbare vegetative Beruhigung ein. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und die Wachfunktionen werden verringert – genau gegensätzlich wirkt übrigens rot, wie der Volksmund mit der Redewendung „da sehe ich rot“ schon wusste. Bei blau stellt das vegetative Nervensystem den Körper sozusagen auf Schonung und Erholung ein. Bei Kranken oder Erschöpften steigert sich das Bedürfnis nach blau. Blau erhöht die Empfindsamkeit. Was physiologisch das Bedürfnis nach Ruhe ist, ist psychologisch die Befriedigung. Befriedigung ist der Eintritt von Frieden und Zufriedenheit. Wer sich in diesem ausgeglichenen, spannungslos-harmonischen Zustand befindet, fühlt sich eingefügt, verbunden und geborgen. Darum repräsentiert blau die Bindung rund um sich herum, die Verbundenheit. „Blau ist die Treue.“ Blau als entspannte Empfindsamkeit ist die Voraussetzung für die Einfühlung in den Anderen, für ästhetisches Erleben und besinnliches Nachdenken.

Der Philosoph Schelling benutzt lauter Blausymbole, wenn er in der „Philosophie der Kunst“ schreibt: „Die Stille ist der der Schönheit eigentümliche Zustand, wie die Ruhe dem ungestörten Meere.“
Die zu blau gehörende Geschmacksempfindung ist die Süße (blaue Zuckerverpackungen!), die blau entsprechende sinnliche Empfindung ist die Zärtlichkeit, das zugehörige Organ ist die Haut. Blau bedeutet psychisch auch die selige Erfüllung des Ideals der Einheit – daher auch die „blaue Blume der Romantik“. Blau repräsentiert farbpsychologisch die urmütterliche Verbundenheit, die Treue und das Vertrauen, die Liebe und Hingabe, die zeitlose Ewigkeit und steht daher auch für die Tradition.

Wer blau als unsympathische Farbe ablehnt, bei dem sind oft Ruhebedürfnis und Sehnsucht nach vertrauensvoller Bindung unbefriedigt. Die bestehenden menschlichen oder beruflichen Bindungen werden abgelehnt, weil sie dem erwarteten Ideal nicht entsprechen und als langweilig oder lähmend empfunden werden. Die vorhandenen Bindungen belasten und deprimieren, sie werden als belastende Abhängigkeit erlebt.

Blau ablehnen bedeutet, dass man vor der entspannten Ruhe flieht, weil man glaubt, sich jetzt keine Ruhe leisten zu können um nicht auf (vielleicht scheinbar) Wichtiges verzichten zu müssen. Diese Menschen fürchten die entspannte Ruhe, weil sie befürchten, dass die entspannte Ruhe jene Erschlaffung auslösen würde, vor der sie unbewusst Angst haben; ja, die sie als Depression fürchten. Wer auch immer blau in einem psychologischen Farbtest ablehnt, entbehrt der befriedigenden Zugehörigkeit, die er doch so dringend benötigt. Als Gegenreaktion entstehen ruhelose und gespannte Unrast, ein unstetes Getriebensein und das Suchen nach äußeren Reizen, die von der Beziehungsleere ablenken sollen. Oft wird dann der Farbe Rot oder Gelb der Vorzug gegeben.

Eigentlich passt also keine andere Farbe so zu unserem Bund, wie die Farbe Blau, die ja auch, wie wir seit der beginnenden Weltraumfahrt wissen, die Farbe unseres Planeten Erde ist. Ein Astronaut sagte einmal von seiner Umlaufbahn aus über den Anblick unseres blauen Planeten: „Die Erde sieht so wunderschön aus – und so zerbrechlich.”

Mir scheint, auch die durch blau symbolisierte gemütvolle menschliche Bindung, die Freundschaft, ist so etwas Wunderschönes, aber auch Zerbrechliches. Wir müssen alles tun, um sie zu pflegen und zu beschützen, beides – die Erde und die Freundschaft.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 1-2019.

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Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Wasserturm in Mannheim Foto domeckopol / pixabay

Das Großlogentreffen 2019 findet vom 29. bis 31. Mai in Mannheim statt und steht unter dem Motto "Die Welt verändert sich dramatisch — und wir?" Viele Besucher werden erwartet.

Die Großlogentreffen finden alle zwei Jahre in unterschiedlichen Orten statt. Anders als die ebanfalls alle zwei Jahre stattfindenen Großlogentage sind sie keine vereinsrechtliche Zusammenkunft, sondern konzentrieren sich einerseits auf Vorträge und Diskussionen zu Themen der Freimaurerei sowie auf Geselligkeit.

Das inhaltliche Thema dieses Jahres orientiert sich an einem Ausspruch des italienischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi de Lampedusa “Die Welt verändert sich dramatisch — und wir?” In Lampedusas einzigem Roman “Der Leopard” geht es um die Frage der Anpassung an geänderte Verhältnisse. Viele Logen beschäftigen sich mit dem Wandel der Gesellschaft und mit der Frage, wie Freimaurer damit umgehen, etliche Beiträge auch auf dieser Website und in der Zeitschrift “Humanität” spiegeln die Fragen wider. In Mannheim will man sich einen ganzen Tag damit beschäftigen und auf die eine oder andere Frage Antworten finden.

"Unser diesjähriger Gastgeber und Ausrichter, die Loge "Carl zur Eintracht", ist die älteste Freimaurerloge im Rhein-Neckar-Raum. Seit dem Jahr 1756 ist sie gesellschaftspolitisch nicht mehr aus Mannheim wegzudenken. Das ständige Angebot zwischen Tradition und Moderne, Besinnlichkeit und Geselligkeit sowie Kultur und tagesaktuellen Themen ist täglicher Anspruch an alle Brüder."

Ralph Meixner, Distriktmeister Baden-Württemberg

Für die große Zahl an erwarteten Brüdern, Damen und Gästen haben die Organisatoren ein anspruchsvolles Programm geschnürt. So ist beispielsweise für Damen und Gäste eine Führung durch die Kunsthalle Mannheim geplant, die bereits seit mehr als hundert Jahren das kulturelle Leben in Mannheim prägt. 1909 gegründet ist sie eine der ersten Bürgersammlungen der Moderne weltweit. Deutschlandweit zählt sie mit Werken von Édouard Mant bis Francis Bacon und einen Skulpturenschwerpunkt zu den angesehensten bürgerschaftlichen Sammlungen der deutschen und internationalen Moderne bis zur Gegenwart.

Das Technoseum in der Museumsstraße bietet Anschauungsmaterial zur Industrialisierung des deutschen Südwestens in Geschichte und Gegenwart. In dieser Technikatmophäre treffen sich die Teilnehmer des Großlogentreffens zu einem geselligen Beisammensein, die “Blue Note Jazz Company” begleitet die Veranstaltung mit einer Zusammenstellung von New Orleans Jazz bis zum eleganten Jazz der Swing-Zeit.

Während die Brüder Freimaurer sich im Tagungshotel mit den Zukunftsfragen ihres Bundes beschäftigen, können die Damen und Gäste bei einer Führung durch die verwinkelten Gassen die vielen Facetten der Heidelberger Altstadt kennenlernen und mit der Berbahn hinauf zum Schloss fahren.

Detaillierte Informationen liegen jeder Loge bereits vor oder können bei der Kanzlei der Großloge unter kanzlei@freimaurerei.de angefordert werden. Anmeldungen sind bitte an die Kanzlei zu richten.

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