Steht auf, meine Brüder, und wehrt Euch !

(Bild: suju / pixabay)

Freimaurer, Juden und Jesuiten haben sich gemeinsam verschworen gegen das national gesinnte Deutschtum. Die Freimaurer richten die Menschen ab zum künstlichen Juden.“ So sahen das Weltkriegsgeneral Erich Ludendorff und andere „völkisch Bewegte“ insbesondere in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Freimaurerei wurde als Ausfluss einer volklosen Weltanschauung verunglimpft, wie etwa von Alfred Rosenberg in seiner Schrift „Freimaurerische Weltpolitik im Lichte der kritischen Forschung“. Nein, so weit sind wir noch nicht. Aber: Wenn ich „volklos“ mit „heimatlos“ gleichsetze, gäbe es da Widerspruch bei Pegida-Demonstrationen? Es gibt schon wieder die Aufkleber mit den rot durchgestrichenen freimaurerischen Symbolen. Ähnlich wie „Atomkraft, nein danke!“ bedeutet es dann „Freimaurer, nein danke!“ Wenn so etwas vor dem Logenhaus an Laternenmasten klebt, hat das schon etwas Bedrohliches.

Glaube an die Kraft der Vernunft

Frage: Würden Sie mit einer Mütze mit erkennbaren Freimaurersymbolen an einer Pegida-Demonstration teilnehmen? Genauso wenig, wie Sie als Jude mit Kippa dorthin gingen! Pegida steht als pars pro toto. Ich könnte auch Chemnitz sagen, oder Kandel, oder …? Ist das nicht schlimm? Wir leben im 21. Jahrhundert! Das sollte schon ein Grund sein, über die Rolle nachzudenken, die die Freimaurerei in unserer heutigen Gesellschaft spielt oder spielen sollte.

Wir – damit meine ich jedenfalls die blaue Freimaurerei in den Johannisgraden Lehrling, Geselle und Meister – leiten uns ab von den Gedanken der Aufklärung. Aufklärung war der Wunsch danach, dass menschliche Angelegenheiten von der Vernunft geleitet werden, anstatt durch Religion, Aberglauben oder Offenbarung. Aufklärung bedeutet Glaube an die Kraft der Vernunft, an ihre Fähigkeit, die Gesellschaft zu verändern und das Individuum von den Fesseln der Tradition oder der willkürlichen Autorität zu befreien. So definiert es Dorinda Outram in ihrem Buch „The Enlightenment“.

Unsere Grundideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität kommen aus dieser Tradition. Es muss uns gelingen, diesen Wertekanon heute – und nicht in einer Rückschau auf zweifellos bedeutende freimaurerische Gepflogenheiten oder auch Persönlichkeiten – überzeugend zu leben. Nur so können wir den Beweis erbringen, dass wir auf dem richtigen Weg zum „Tempelbau der Humanität“ sind. Nur so können wir uns überzeugend in die heutige Gesellschaft einbringen, wie es auch Br. Peter Stumpe in seiner Rede „Für die Zukunft einer aufgeklärten, humanitären Freimaurerei“ formuliert, nachzulesen auf der Homepage der Großloge unter www.freimaurerei.de.

Hierzu gehört im Übrigen auch, dass wir auf Esoterik und Okkultismus oder auch mittelalterliche sakrale Magie verzichten. Damit ist natürlich nicht unsere freimaurerische Symbolsprache gemeint; sie hat mit Esoterik und Okkultismus nichts gemein. Esoterik und Okkultismus wollen über Unbekanntes und Verborgenes Aussagen treffen, die unbewiesen, unwissenschaftlich und irreführend sind. Bis zum Beweis des Gegenteils behaupte ich, dass solche Aussagen auch falsch sind. Solche Paraphänomene stehen in fundamentalem Widerspruch zur Methode der heutigen Wissenschaft. Sie haben in der emanzipierten Freimaurerei des 21. Jahrhunderts keinen Platz. Dem Philosophen und elsässischen Schriftsteller Otto Flake ist zuzustimmen, wenn er sagt: „Will man die Welt begrifflich bewältigen, so müssen die Begriffe der Wirklichkeit entnommen werden; das heißt, sie müssen dem Forschen, der kritischen Untersuchung standhalten.“

Wer mit den Wölfen heult, muss sich auch als Wolf behandeln lassen

Zurück zum Thema: Man könnte meinen, die Grundwerte unseres Bundes seien heute Allgemeingut. Kaum jemand wird sich als unmenschlich, intolerant oder freiheitsfeindlich bezeichnen. Die gelebte Realität sieht leider anders aus. Unsere Werte werden in einem erschreckenden Maß mit Füßen getreten. Betrachten wir die gesellschaftliche Entwicklung auch in anderen Ländern wie z. B. der Türkei, Ungarn, Polen, Brasilien oder auch den USA – die Liste ließe sich nahezu beliebig verlängern –, dann sehen wir Menschen an der Macht, die sich keiner unserer Tugenden verschrieben haben. Erschreckenderweise stellen wir jedoch auch fest, dass diese Menschen in vielen Fällen nicht durch Gewalt an die Macht gekommen sind. Sie wurden von Menschen gewählt, denen offensichtlich Werte wie Freiheit, Toleranz, Gleichheit, Brüderlichkeit und Humanität nicht wichtig sind. Nicht akzeptieren kann ich das Argument, man habe ja nicht die Intoleranz gewählt, sondern nur seinem Protest Ausdruck verleihen wollen. Wer mit den Wölfen heult, muss sich auch als Wolf behandeln lassen!

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung könnte der Eindruck entstehen, die Freimaurerei sei eine Art Antithese zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Ist sie ein Relikt der alten Zeiten einer im Prinzip bürgerlichen Gesellschaft, ein Anachronismus alter Männer? Die Frage tut weh! Es genügt jedoch nicht, große Reden von hehren Idealen zu schwingen oder sich nur über bedeutende Freimaurer in vergangenen Jahrhunderten auszulassen. Wir müssen da schon konkreter werden. Was können, sollen oder müssen wir tun?

Man kann nicht schweigend für etwas eintreten

Der Großredner unserer Großloge, Br. Wolfgang Kreis, hat anlässlich des Großlogentages 2016 in Darmstadt eine Zeichnung aufgelegt mit dem Titel „Müssen wir schweigen oder müssen wir handeln?“ Das genau ist die Frage, die uns alle heute umtreiben muss.

Beginnen wir mit der ersten Alternative: „Müssen wir schweigen?“ Das Wort „müssen“ suggeriert, es sei unsere freimaurerische Pflicht zu schweigen. Woraus sollte sich das ergeben? Nein, wir schauen nicht in die „Alten Pflichten“. Sie sind in diesen Fragen zu sehr von der damaligen innenpolitischen Situation in England geprägt. Schauen wir zunächst in die Verfassung unserer Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. In Artikel 2 heißt es:

„In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten sie (die Freimaurer) ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für Brüderlichkeit, Toleranz und Hilfsbereitschaft und Erziehung hierzu. Glaubens-, Gewissen- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“

Bedeutet die Verpflichtung auf Gewissens- und Denkfreiheit auch, dass ich als Ergebnis der Denkfreiheit und möglicherweise als Ausdruck meiner Toleranz respektieren muss, wenn jemand die fundamentalen Werte unseres Bundes und damit auch der Verfassung unseres Staates ablehnt? Müssen wir dann aus Gründen der Toleranz schweigen? Das kann nicht sein. Artikel 2 der Verfassung führt aus, die Freimaurer treten ein u. a. für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für Toleranz. Ich kann nicht schweigend für etwas eintreten. Also muss ich in diesen Fällen reden oder handeln.

Ein Aufklärungsbund ist zutiefst politisch

Es wird unter Brüdern immer wieder behauptet, Fragen der Religion oder der Politik dürften in der Loge nicht behandelt werden. Die „Alten Pflichten“ würden dies verbieten. Diese allgemeine Interpretation ist nicht zutreffend. Die „Alten Pflichten“ Andersons führen in Abschnitt III aus: Wir Maurer „sind entschieden gegen politische Erörterungen, die noch nie zur Wohlfahrt der Loge gereicht haben und nie reichen werden“. Im englischen Original heißt es hier „politics“. Die Historikerin Margaret Jacob erläutert zum politischen Umfeld der Entstehung der „Alten Pflichten“ in England: „Wenn sie von ‚politics‘ spricht, so meint die freimaurerische Konstitution die Parteipolitik, das Wüten der Partei, wie es durch die Schaffung einer neuen politischen Nation entstand, als Ergebnis der Revolution von 1688/89. Politik war der Kampf um die Macht zwischen Whigs und Tories, zwischen Hof und Land.“

Die Aussage, Gespräche über Politik seien in der Loge verboten, ist schlichtweg falsch. Aus gutem Grund reden wir nicht über Parteipolitik. Aber ein Bund, der sich die freiheitlichen Ideale der Aufklärung auf die Fahnen geschrieben hat, ist zutiefst politisch, nicht parteipolitisch, aber eben gesellschaftspolitisch. Darüber wollen und müssen wir sprechen und Position beziehen. Auch die „Alten Pflichten“ verbieten nicht, über Politik zu reden. Wir dürfen uns nicht über Politik streiten; das ist etwas ganz anderes, so interpretierte es auch Br. Wolfgang Kreis auf dem Großlogentag in Darmstadt.

Ich werde immer wieder gefragt, ob die Aufforderung, klar Position zu beziehen, nicht im Widerspruch zum freimaurerischen Postulat nach Toleranz im Umgang miteinander stehe. Diese Frage lässt sich mit einem eindeutigen „Nein“ beantworten. Toleranz bedeutet nicht Beliebigkeit der eigenen Meinung. Es besteht immer noch ein deutlicher Unterschied zwischen Meinung und Unfug, wie Br. Thomas Bierling in seinem Zwischenruf unter dem Titel „Freimaurerei im postfaktischen Zeitalter“ in der „Humanität 6/2018“ schreibt. Man könnte auch formulieren: Es besteht ein Unterschied zwischen Meinung und Unwahrheit. Das kann nicht nur, das muss in der Loge deutlich angesprochen werden. Freimaurerei war immer ein Rahmen, in dem vieles möglich ist, so sieht es die Historikerin Monika Neugebauer-Wölk. Ein Rahmen ist immer zugleich auch eine Begrenzung. Wer sich außerhalb dieser Grenzen aufstellt, hat keinen Anspruch auf freimaurerische Toleranz.

Freimaurer müssen Wortführer des Aufschreis sein

Die Freimaurerei muss die Unverbindlichkeit und Verschwommenheit ihrer althergebrachten Wertvorstellungen überwinden und sich sowohl geistig als auch in ihrer gesellschaftlichen Aktivität als humanitäre, soziale, demokratisch-pluralistische und antiideologische Kraft profilieren. Diese Forderung stellte Br. Hans-Hermann Höhmann, der als wichtiger Vordenker der humanitären Freimaurerei gilt, bereits in den 70er Jahren und plädiert bis heute dafür.

Die Zeichnung des Großredners, Br. Wolfgang Kreis, hätte zutreffend als Titel haben können: „Dürfen wir schweigen oder müssen wir handeln?“ Auch das ist eine rhetorische Frage, natürlich müssen wir handeln! Wenn missbilligte Politiker „entsorgt“ werden sollen, ein entfesselter Mob zur Seenotrettung von Flüchtlingen „Absaufen“ grölt, bei menschengefährdender Brandstiftung Beifall geklatscht wird, bei Demonstrationen symbolische Galgen für andersdenkende Menschen oder Politiker mitgeführt werden, die Abschaffung bzw. das Verbot der angeblichen Lügenpresse gefordert wird und Journalisten bei ihrer Arbeit körperlich bedroht und behindert werden, für Flüchtlinge und Asylbewerber eine Eisenbahnfahrkarte (ohne Rückfahrt) nach Ausschwitz gefordert wird, dann ist der Freimaurer in besonderer Weise gefordert, Position zu beziehen. Die Freimaurer müssen zumindest Wortführer des Aufschreis sein, der durch unsere Gesellschaft hallt oder leider besser gesagt hallen sollte!
Was bedeutet das konkret? Durch den Tempel hallt der Ruf „Zu den Waffen, meine Brüder“? Oder sollen wir Barrikaden errichten? Natürlich wäre das Unfug. Niemand verlangt, dass ein Bruder sich oder seine Familie gefährdet. Aber einfaches Schweigen, das dann auch noch als Zustimmung missverstanden wird, kann es nicht sein. Mitgehen zur Demonstration nur als Zeichen des Protests (gegen was auch immer?) unter Distanzierung von etwaigen Auswüchsen? Man stand zwar dabei, hat aber nicht „Absaufen“ gegrölt und ist deshalb ein guter Freimaurer? So geht es auch nicht! Wir kennen den Spruch: „Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“, juristisch nennt man das im Zweifel Mittäterschaft.

Innere Emigration war noch nie glaubwürdig. Wir müssen den Mund aufmachen und Position beziehen. Wir bedeutet nicht „die Großloge“ oder ein abstrakter Begriff wie „die Freimaurer“. Wir heißt ganz konkret „Du“ und „Ich“! Position beziehen vielleicht nicht in einer potenziell gewaltbereiten Demonstrationsumgebung, aber im privaten Umfeld und vor allem auch in der Loge.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Neujahrsempfang der Wolfsburger Loge “Carl zur siegenden Wahrheit”

Stuhlmeister Mike Morris, Bürgermeister Matthias Neulich, Herr Plot, Altstuhlmeister Lutz Dietrich bei der Scheckübergabe

Anlässlich des gut besuchten Neujahrsempfanges der Wolfsburger Loge "Carl zur siegenden Wahrheit" spendete die Bruderschaft 3.500 € an den Gifhorner Kinderfonds "Kleine Kinder immer satt".

(Wolfsburg/ld) Der Neujahrsempfang der Freimaurerloge „Carl zur siegenden Wahrheit“ im Hoffmannhaus in Fallersleben war trotz ungünstigen Wetters gut besucht. Aus dem Einzugsbereich waren der Gifhorner Bürgermeister Matthias Nehrlich und der Samtgemeindebürgermeister Herr Metzlaff aus Isenbüttel erschienen. Der Altstuhlmeister der Loge Lutz Dietrich stimmte die Gäste und Logenmitglieder auf das Programm ein mit Informationen über die Inhalte und ethischen Wertvorstellungen der Freimaurer als Grundlage für Mitmenschlichkeit, Toleranz und Wohltätigkeit. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Herren Peter Boenisch und Zlatko Baban von der Kreismusikschule Gifhorn.

Der Festvortrag von Prof. Dr. Bauer über Sprache im 21. Jahrhundert beleuchtete in kurzweiliger und informativer Form viele Facetten dieser menschlichsten aller Ausdrucksformen, ihrer verbindenden und trennenden Funktion, ihrer klärenden und verschleiernden Möglichkeiten, ihre anregende, ruhigstellende oder manipulative Bedeutung bis hin zur Anstiftung zu Liebe oder Hass. Die Aufforderung zur Nutzung der Sprache als Instrument zur Förderung der Humanität wies in die Zukunft.

Im Anschluss wurde im Rahmen des sozialen Engagements der Loge durch den Stuhlmeister Mike Morris an Herrn Bürgermeister Matthias Nerlich und Herrn Ploog vom Gifhorner Kinderfonds „Kleine Kinder immer satt“ eine Spende von 3.500 € überreicht. Es handelte sich um eine Spende der Brüder in Höhe von 2.500 €, die durch das Freimaurerische Hilfswerk um 1.000 € aufgestockt wurde.

Nach Dankesworten von Herrn Ploog wurden beim anschließenden Buffet Meinungen ausgetauscht, Gedanken vertieft und Aktionen für das neue Jahr angestoßen.

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Logenspende — damit das Mittagessen allen Schülern schmeckt

v.l. Altstuhlmeister Matthias Volk, Dieter Weis, Christel Schwebel, Christine Weyrich, Stuhlmeister Dieter Heusel

Die Odenwälder Freimaurerloge "Zu den drei Sternen" spendete an den Förderverein der Theodor-Litt-Schule, um allen Schülern die Teilnahme am Schulmittagessen zu ermöglichen.

(Michelstadt/es). Seit genau einem Vierteljahrhundert gibt es den Förderverein der Theodor-Litt-Schule. Seit genau einem Vierteljahrhundert tragen Mitgliederbeiträge und Spenden dazu bei, dass sich die TLS als „Toller Lebensraum Schule“ eines guten Rufes erfreut. Mit Fördervereinsgeld finanziert werden viele Projekte, für die staatliche Mittel nicht zur Verfügung stehen. Das gilt für die Anschaf-fung von elektronischen Schultafeln über den Kauf von Musikinstrumenten bis hin zur Unterstützung von Schülern, die sonst an Studien- oder Klassenfahrten aus Geldmangel nicht teilnehmen könnten. Denjenigen Schülern zugewandt hat sich jetzt die Odenwälder Freimaurerloge „Zu den drei Sternen“, die aus pekuniären Gründen auf ein Schulmittagessen verzichten müssen. Speziell für sie bestimmt ist der Zuschussbetrag in Höhe von eintausend Euro, den Stuhlmeister Dieter Heusel und Altstuhlmeister Matthias Volk an Schulleiter Dieter Weis, die für den Schulsozialfonds zuständige Christel Schwebel und die in der Schulküche Regie führende Fachlehrerin Christine Weyrich überreichten.

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Eine Bruderschaft, die unter die Haut geht

Von René Schon

„‚Ich bin ein Meisterwerk.‘ Sein massiger Körper war rasiert und glatt. Mal’akh schaute zuerst auf seine Füße, die mit den Schuppen und Klauen eines Falken tätowiert waren; dann bewegte sein Blick sich hinauf zu seinen muskulösen Beinen, die als gemeißelte Säulen gestaltet waren – das linke Bein spiralförmig, das rechte mit vertikalen Streifen. Seine Lenden und sein Magen bildeten einen verzierten Torbogen, und seine mächtige Brust war mit dem doppelköpfigen Phönix geschmückt … jeder Kopf im Profil zur Seite gewandt, sodass Mal’akhs Brustwarzen das jeweilige Auge bildeten. Schultern, Hals, Gesicht und der rasierte Kopf waren vollständig mit einem verschlungenen Muster von alten Symbolen und Zeichen bedeckt. ‚Ich bin ein Artefakt … ein sich entfaltendes Bild.‘“ (aus: Dan Brown „Lost Symbol – Das verlorene Symbol“)

Dan Brown hat sich in seinem Buch „Das verlorene Symbol“, in dem es – mit der Absicht, Spannung zu erzeugen – um geheime Riten und seltsame Bräuche der Freimaurerei geht, auch mit dem Thema Tattoos auseinandergesetzt. Im Buch wird beschrieben, wie eine der Hauptfiguren ihren Körper mit freimaurerischen Symbolen und Motiven verziert hat.

Selbstverständlich wird man bei der Aufnahme in den Bund der Freimaurer nicht etwa mit einer Tätowierung versehen, allerdings entschließen sich manche Brüder, mit einem Tattoo ihre Zugehörigkeit zum Bruderbund nach außen zu tragen. Dies bedeutet aber auch ein gleichzeitiges Verlassen der Deckung. Der Bruder „outet“ sich. Je nach Motiv kann ein Bruder so auch in der Öffentlichkeit als Freimaurer identifiziert werden. In einigen Fällen geht dies sogar so weit, dass sich mehrere Brüder einer Loge ein gemeinsames „Logen-Tattoo“ stechen lassen. Doch warum lassen sich Menschen freiwillig unter Schmerzen „bemalen“?

Die Geschichte des Tattoos

Schon vor Jahrtausenden haben Menschen verschiedene Möglichkeiten genutzt, um ihre Körper zu verzieren. Meist wurde damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder zu einem bestimmten Lebensabschnitt ausgedrückt. Die Hautbilder erfüllten eine wichtige soziale Rolle in einzelnen Kulturen und waren oft Bestandteile von Ritualen.

Lange Zeit galten die Tattoos aus dem alten Reich der ägyptischen Hochkultur als die ersten ihrer Art. Um 2000 vor Christus gelangten Tattoos schließlich nach China und später nach Griechenland. Die Verbreitung der „Körperkunst“ war nicht mehr aufzuhalten. Mit der Zeit erreichte sie schließlich auch Japan. Dort wurden Tattoos vor allem bei religiösen und zeremoniellen Ritualen verwendet. Und vor allem auf Borneo galten Frauen als große Tattoo-Künstlerinnen. Sie schufen die Designs, die den einzelnen Lebensabschnitten zugeordnet waren und die die Stammeszugehörigkeit darstellten.

Auch wenn Tattoos sehr beliebt waren, so waren sie zu dieser Zeit häufig mit Infektionen verbunden, die oftmals tödlich endeten. Steriles Arbeiten und Desinfektion spielten damals keine Rolle. Die Wunden, die dem Körper beim Tätowieren zugefügt und mit Kohlepulver eingefärbt wurden, entzündeten sich schwer und vernarbten. Das „Überstehen oder Überleben“ dieser gefährlichen Tortur gilt bis in die heutige Zeit bei einigen Kulturen als Zeichen des Erwachsenwerdens und der Gunst der Götter.

Im Jahre 1765 führte der britische Kapitän James Cook das Wort „Tattoo“ in die englische Sprache ein. In seinen Aufzeichnungen während der Reisen nach Polynesien beschrieb Cook Menschen, die ihre Körper mit Farbe bemalten und die diese Motive als „Tattoo“ bezeichneten.

Einer der ältesten archäologischen Funde eines Menschen mit Tattoos ist sicherlich die Gletschermumie Ötzi. Er trägt mehr als 60 überwiegend geometrische Figuren sowie Linien und Punkte auf seinem Körper. Diese wurden, wie es auch heutzutage bei einigen Naturvölkern üblich ist, in die Haut geritzt und mit Kohlepulver eingefärbt. Umstritten ist hierbei allerdings die Bedeutung. Einige Forscher sehen es als „reine Körperbemalung“, andere erkennen darin eine Art Schmerztherapie, ähnlich der Akupunktur.

Der Sprung in die Neuzeit erfolgte durch die neuen Möglichkeiten der Elektrizität und Feinmechanik. Wurden die Motive bis dato noch mit Nadeln und Schnitten unter die Haut gebracht, revolutionierte ein Mann namens Samuel O’Reilly das Tätowieren. Er hatte am Chatham Square in New York einen Laden eröffnet, in dem bereits elektrische Tattoo-Maschinen benutzt wurden. Diese Maschine beruhten auf der elektrischen Nadel von Edison, bei der eine Nadelspitze einen Durchschlag erzeugt. Die elektrische Tattoo-Maschine bestand aus beweglichen Windungen, einer Nadelstange und einer Spule. Bis heute sind diese Teile nach wie vor noch die gebräuchlichsten Komponenten einer Tattoo-Maschine. Dieses auch als „Gun“ (also „Pistole“) bezeichnete Werkzeug ist die bis heute gängigste und effizienteste Methode, seine Haut mit einem Bild zu verzieren.

Asozial und kriminell?

Weit bis ans Ende des letzten Jahrhunderts galten tätowierte Menschen noch als „asozial“ und „kriminell“. Die Ursache ist sicherlich darin zu sehen, dass Mitglieder verschiedener Gangs und krimineller Gruppierungen ihre Zugehörigkeit durch Tattoos sichtbar machten. Etwa die bekannteste japanische Mafia-Organisation, die Yakuza, deren verschiedene Banden sich durch unterschiedliche Symbole abgrenzen.

Diese Assoziation führt heutzutage zu kuriosen Begebenheiten. Menschen, die großflächige Tätowierungen auf ihrem Körper tragen, wie ich selbst, dürfen etwa in Japan keine öffentlichen Bäder aufsuchen. Die Verbindung zu den Yakuza ist hier zu stark im Bild der Gesellschaft verankert.

Freimaurerische Tattoos

Die Geschichte der freimaurerischen Tätowierungen liegt weitgehend im Dunkeln. Es finden sich keinerlei Aufzeichnungen unserer Vorfahren dazu. Es ist also ein vergleichsweise neues Phänomen. Wir wissen jedoch von Aussagen älterer Brüder, die während des Zweiten Weltkriegs an den europäischen Fronten kämpften. Ähnlich wie bei Seeleuten fanden sich bei Soldaten durchaus freimaurerische Motive auf der Haut.

Mit der gestiegenen Akzeptanz tätowierter Haut in den vergangenen 20 bis 30 Jahren nahm auch die Anzahl an Menschen mit Tätowierungen in der Gesellschaft sprunghaft zu. Bald galten sie nicht mehr als Kennzeichen einer bestimmten eingeschworenen Gruppe – etwa von Seeleuten oder Gefängnisinsassen. Tattoos wurden ein Lifestyle-Phänomen. Menschen möchten sich mit Motiven schmücken, die für sie selbst eine tiefere Bedeutung haben. Zeichen, die dem Träger persönliche Kraft und Glauben schenken.

Vor allem bei Brüdern in den USA sind freimaurerische Motive als Tattoos sehr beliebt und haben in den vergangenen Jahren auch immer stärker Liebhaber in Deutschland gefunden. Teilweise handelt es sich um kleine, diskrete Zeichen, teilweise um großflächige Bilder, die sehr kunstvoll designt und ausgeführt sind.

Motive und Motivationen

Ich selbst besaß bereits vor meinem Eintritt in die Bruderkette einige Tattoos. Unmittelbar nach meiner Aufnahme kam das typische Winkel-und-Zirkel-Motiv auf meinem Unterarm dazu. Damals sehr traditionell von einem Tattoo-Künstler in Thailand ausgeführt, mit Bambus-Nadeln und ohne Maschine. Schon kurze Zeit später kam von einigen Brüdern meiner Mutterloge die Idee auf, ein gemeinsames Tattoo in Anlehnung an den „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ zu entwerfen und es sich auch im Rahmen eines gemeinsamen Besuches in einem Tattoo Studio stechen zu lassen. Entweder man belässt es bei einem Tattoo oder man macht damit immer weiter. Dann wird es fast wie eine Sucht. Schlussendlich sind meine beiden Arme und mein oberer Rückenbereich mit Motiven unseres Bundes versehen. Ich selbst stehe dazu, auch in der Öffentlichkeit. Ich setze mich gerne für unsere Werte und Ideale ein, womit ich auch versuche, Aufklärungsarbeit zu leisten, wenn ich auf meine Motive und die Freimaurerei im Allgemeinen angesprochen werde. Weg von „Verschwörungstheorien und Mystik“ hin zu einem festen Fundament an Tatsachen über den Bruderbund.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Ein Basketball-Riese mit Herz für die Kleinen

Foto: eks / Adobe Stock

Shaquille O‘Neal ist ein Multitalent. Er hat sich als Sportler, Musiker, TV-Moderator und Schauspieler einen Namen gemacht. Zudem führt er einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Und er ist bekennender Freimaurer.

Am 6. März 1972 kam Shaquille O’Neal im Bundesstaat New Jersey zur Welt. Sein Stiefvater war Sergeant der US-Army und einige Jahre im unterfränkischen Wildflecken stationiert, weshalb Shaq teilweise in Deutschland aufwuchs und in Fulda zur Schule ging. Seine Zeit in Deutschland bezeichnete er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ als „prägend“. Zurück in den USA avancierte O’Neal zum Starspieler der Cole Highschool in San Antonio, auch während seines Studiums wurde er innerhalb kürzester Zeit zum herausragenden Spieler der College-Liga.

Vom Sport zu Musik und Schauspiel

Mit 2,16 Metern Körpermaß und der Schuhgröße 60 nach europäischem Maß war er prädestiniert für den Basketballsport und begann 1992 eine beeindruckende Profikarriere, während der er mehrmals das Team wechselte. Trotz seiner 150 Kilogramm Körpergewicht zeichnete er sich nicht nur durch außergewöhnliche Kraft, sondern auch durch hohe Beweglichkeit aus. Als einer der besten Spieler der National Basketball Association (NBA) und damit einer der besten Spieler weltweit, gehörte er 15 Jahre lang zur Auswahl der All-Star-Games. 1996 wählte man ihn zu einem der 50 besten NBA-Spieler aller Zeiten. 2011 trat Shaquille O’Neal vom Profisport zurück. Erst im vergangenen Jahr wurde er in die Hall of Fame der Basketball-Weltorganisation FIBA aufgenommen und seine ehemalige Trikotnummer 32 wird bei den Miami Heat nicht mehr vergeben.

O’Neal ist dem Basketball in anderer Hinsicht treu geblieben. Seit 2011 zeichnet er für das TV-Format „Shaqin a Fool“ verantwortlich, das zum festen Bestandteil der Sendung „Inside the NBA“ gehört. Er ist auch in anderen Belangen ein Mann der Superlative. So arbeitete er als Rapper mit der obersten Liga dieser Musikrichtung zusammen und verkaufte sein erstes Album „Shaq Diesel“ über eine Million Mal. O’Neal hat zudem in 15 Spielfilmen mitgewirkt.

Moslem und Freimaurer

Doch der gewichtige Mann hat durchaus eine intellektuelle und spirituelle Seite. So erwarb er 2012 an der Barry University in Florida einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Er ist zudem gläubiger Muslim und wurde 2011 in den Bund der Freimaurer aufgenommen. Er gehört seither der Bostoner Bauhütte „Widow‘s Son Lodge No. 28“ an. Ebenfalls 2011 wurde er Prince-Hall-Mason und damit Mitglied der ältesten und größten Loge mit Brüdern vorwiegend afroamerikanischer Herkunft. O‘Neal hat verschiedentlich für Hilfswerke und philantropische Zwecke gespendet, setzt sich etwa für die Boys & Girls Clubs of America ein. Auch arbeitet er als Reserve-Polizist in Los Angeles, Miami und Phoenix. Außerdem hat er in Orlando eine Organisation gegründet, die Hausbesitzer vor der Zwangsvollstreckung schützt.

Eine hübsche Geschichte, die weltweit von den Medien aufgegriffen wurde, spielte sich im Jahre 2016 ab. Der Polizeibeamte Bobby White hatte in Gainesville/Florida am helllichten Tag einen Anruf von einem Anwohner erhalten, der sich beschwerte, dass Kinder in seiner Straße zu laut Basketball spielten. Daraufhin fuhr der Polizist an den „Tatort“, aber nicht, um das Spiel zu untersagen, sondern um selbst mitzuspielen. Auch Shaq, wie O’Neal von seinen Fans genannt wird, bekam von dem Vorfall Kenntnis, flog nach Gainesville zu dem berühmt gewordenen „Basketball-Cop“. Der nahm den Star mit zu dem Basketball-Court, ging auf die Kinder zu und sagte augenzwinkernd: „Ich habe euch doch gesagt, dass ich Verstärkung anfordern werde.“ Großer Jubel brach aus, als der ehemalige NBA-Riese aus dem Polizeiwagen stieg und sich auf eine Partie mit den Kids einließ.

Der Beitrag erschien zuerst in der schweizerischen Zeitschrift „Alpina“ Ausgabe April/2016 und wurde für die „Humanität“ ergänzt und aktualisiert.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Erfurter Freimaurerloge unterstützt Herzblatt e.V.

Meister vom Stuhl Jürgen Siefert (m.) Leiterin Herzblatt e.V, Frau Svenia Stietz (re.)

Die Brüder der Loge Alpha Ori spendeten gern. Mit Hilfe des Freimaurerischen Hilfswerks konnten 1000 € an den Freundeskreis der Kinderorthopädie übergeben werden.

(Erfurt/tp) Am 2. Dezember 2018 übergab der Meister vom Stuhl der Loge Alpha Ori i.Or. Erfurt, Br. Dr. Jürgen Siefert, eine Spende an den Verein “Freundeskreis Kinderorthopädie HERZBLATT e.V.” im Marienstift Arnstadt. Der von den Brüdern der Bauhütte gesammelte Betrag wurde durch das Freimaurerische Hilfswerk auf 1.000 EUR aufgestockt.

Die Vorsitzende des Vereins, Frau Stietz, war bei der Übergabe der Spende sehr erfreut darüber, dass die Arbeit des Herzblatt e.V. für Kinder zum Zweck ihrer schnelleren Genesung, so weitere Unterstützung findet. Das Geld wird für Anschaffungen verwendet werden, die nicht strukturell zur Ausstattung der Kinderorthopädie gehören. So „engagiert“ der Verein die Medi-Stift-Clowns auf der Kinderstation, die den kleinen Patienten einmal wöchentlich ein Lächeln in das Gesicht zaubern.

Während eines Rundganges auf der Station, konnte man sich überzeugen, wie aufopferungsvoll die kleinen Patienten umsorgt werden. Danke an alle Brr. der Loge und an das Freimaurerische Hilfswerk für diese großartige Unterstützung des Vereins.

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Freimaurerei im postfaktischen Zeitalter

© blackdogvfx / Adobe Stock

Seit 18 Jahren bin ich nun Freimaurer. Inzwischen kann ich diese Zeit grob in zwei Perioden einteilen. Die erste, in der ich mich in einem Bund von höchst unterschiedlichen, aber auf einer bestimmten Abstraktionsebene auch gleichgesinnten Menschen wähnte. Die zweite heißt „Facebook“.

Ich bin dem vielgeschmähten sozialen Netzwerk dafür sehr dankbar. Es hat mich auf eine drastische Weise desillusioniert, wie es keine hundert Logenbesuche geschafft hätten. Viele Jahre war ich der irrigen Ansicht, dass Menschenliebe, Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit eine gemeinsame Minimalbasis bildeten. Aber Facebook ist gnadenlos. Es verhilft jedem dazu, seine dunkelsten Seiten hemmungslos und freiwillig offenzulegen. Da wird geholzt, was das Zeug hält: Ausländer, Moslems, Flüchtlinge — immer feste druff. Die postfaktischen Wutbrüder verbreiten gerne und oft Fake-News und wildeste Verschwörungstheorien aus dubiosesten Quellen. Kritische Reflexion? Sorgfältige Abwägung? Ach was, das trifft schon die Richtigen. Erst schießen, dann fragen. Wo kämen wir denn da hin, und überhaupt wird man das ja wohl noch sagen dürfen! Die Würde des Deutschen ist jedenfalls unantastbar. Sofern er nicht zu den „linksgrünversifften Merkel-Untertanen“ gehört.

Ihr meint, ich übertreibe? In der Tat handelt es sich um einen ganz persönlichen und subjektiven Eindruck. Seriös quantifizieren könnte ich es nicht. Aber es ist mehr als auffällig, wie viele der auf Facebook aktiven Brüder sich in dieser Weise äußern. Die Koordinatenverschiebung nach rechts hat inzwischen auch unsere Bruderschaft erfasst. Dass die Grenzen des Sagbaren durchlässig geworden sind, ist schlimm genug. Aber wenigstens erfährt man dadurch, was viele wohl schon immer gedacht haben.

Aber Moment: „Grenzen des Sagbaren“? Ich höre schon die Rufe, dass wir politisch neu­tral seien, und die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sei doch ein hohes Gut. Will ich etwa andere, konservative Meinungen unterdrücken? So, wie es die „systemkonforme Lügenpresse“ tut?

Nun, es besteht immer noch ein deutlicher Unterschied zwischen Meinung und Unfug. So, wie die Leugnung des Holocausts eben keine Meinung darstellt, ist auch offen verbreiteter Rassismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Leider sind offenbar einige Brüder den rhetorischen Tricks der Neuen Rechten inzwischen auf den Leim gegangen, wo sich rein rassistische Motive hinter vorgeschobenen scheinbaren Problemen verbergen. Das ist alles, aber bestimmt nicht konservativ. Wie soll ich als Freimaurer solche „Meinungen“ tolerieren, die den Boden jeder Humanität längst verlassen haben? Dazu muss man auch nicht links sein, Mensch genügt.

Aber nicht nur auf politischem Gebiet, auch entlang der Großlogengrenzen tun sich die alten Bruchlinien wieder überdeutlich auf. Wenn man als Bruder der Großloge A.F.u.A.M.v.D. gelegentlich eine Loge des Freimaurerordens besucht, so überwiegt in der persönlichen Begegnung doch der brüderlich-gesellige Aspekt, gepaart mit Verwunderung über eine etwas fremdartige Ritualfolklore. Die tiefgreifenden weltanschaulichen Unterschiede lernt man aber bei Facebook schonungslos kennen. Nun wäre die Tolerierung ebensolcher Unterschiede eigentlich als freimaurerische Kernkompetenz zu verstehen. Dachte ich jedenfalls. Wenn man aber als atheistisch oder agnostisch denkender Bruder in schöner Regelmäßigkeit die Regularität abgesprochen bekommt, dann ist das mehr als grenzwertig. Es wird jeder Glaube toleriert — sofern es sich um den christlichen handelt. Die unsägliche Diskussion nebst der hanebüchenen Reaktion auf das jüngste Buch von Br. Klaus-Jürgen Grün wäre ohne die Facebook-typische Empörungsspirale sicherlich etwas milder verlaufen.

Für Kopfschütteln sorgt bei mir — neben diesen inhaltlichen Komponenten — auch der Stil der Diskussionen. Man kann sich sicher sein, dass spätestens beim dritten Kommentar zu einem kontroversen Thema die Sachebene verlassen und durch Beschimpfungen ersetzt wird. Wenn nicht die reine Sachfrage bereits als persönliche Beleidigung aufgefasst wurde.

Deshalb halte ich es sogar für erfreulich, dass sich unsere Großloge aus den sozialen Medien heraushält. Die Beiträge und Kommentare der Brüder wären voraussichtlich die beste Möglichkeit, uns vor aller Öffentlichkeit komplett zu blamieren. Ganz offensichtlich sind auch wir nur ein Spiegel der Gesellschaft unserer Zeit. Ich verspüre sehr deutlich, dass die allgemein bemerkbare Polarisierung und Radikalisierung auch viele von uns erfasst hat. Noch steht eine politische Entwicklung wie in Polen oder Ungarn nicht unmittelbar vor der Tür. Aber sollte es in Deutschland je wieder zu einer rechtsextremen Regierung kommen, bleibt zu hoffen, dass nicht, wie schon einmal in der Geschichte, zu viele Brüder den opportunistischen Weg der Anpassung gehen.

Dann hätte unser Bund versagt.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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