Ein Basketball-Riese mit Herz für die Kleinen

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Shaquille O‘Neal ist ein Multitalent. Er hat sich als Sportler, Musiker, TV-Moderator und Schauspieler einen Namen gemacht. Zudem führt er einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Und er ist bekennender Freimaurer.

Am 6. März 1972 kam Shaquille O’Neal im Bundesstaat New Jersey zur Welt. Sein Stiefvater war Sergeant der US-Army und einige Jahre im unterfränkischen Wildflecken stationiert, weshalb Shaq teilweise in Deutschland aufwuchs und in Fulda zur Schule ging. Seine Zeit in Deutschland bezeichnete er in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ als „prägend“. Zurück in den USA avancierte O’Neal zum Starspieler der Cole Highschool in San Antonio, auch während seines Studiums wurde er innerhalb kürzester Zeit zum herausragenden Spieler der College-Liga.

Vom Sport zu Musik und Schauspiel

Mit 2,16 Metern Körpermaß und der Schuhgröße 60 nach europäischem Maß war er prädestiniert für den Basketballsport und begann 1992 eine beeindruckende Profikarriere, während der er mehrmals das Team wechselte. Trotz seiner 150 Kilogramm Körpergewicht zeichnete er sich nicht nur durch außergewöhnliche Kraft, sondern auch durch hohe Beweglichkeit aus. Als einer der besten Spieler der National Basketball Association (NBA) und damit einer der besten Spieler weltweit, gehörte er 15 Jahre lang zur Auswahl der All-Star-Games. 1996 wählte man ihn zu einem der 50 besten NBA-Spieler aller Zeiten. 2011 trat Shaquille O’Neal vom Profisport zurück. Erst im vergangenen Jahr wurde er in die Hall of Fame der Basketball-Weltorganisation FIBA aufgenommen und seine ehemalige Trikotnummer 32 wird bei den Miami Heat nicht mehr vergeben.

O’Neal ist dem Basketball in anderer Hinsicht treu geblieben. Seit 2011 zeichnet er für das TV-Format „Shaqin a Fool“ verantwortlich, das zum festen Bestandteil der Sendung „Inside the NBA“ gehört. Er ist auch in anderen Belangen ein Mann der Superlative. So arbeitete er als Rapper mit der obersten Liga dieser Musikrichtung zusammen und verkaufte sein erstes Album „Shaq Diesel“ über eine Million Mal. O’Neal hat zudem in 15 Spielfilmen mitgewirkt.

Moslem und Freimaurer

Doch der gewichtige Mann hat durchaus eine intellektuelle und spirituelle Seite. So erwarb er 2012 an der Barry University in Florida einen Doktortitel in Bildungswissenschaften. Er ist zudem gläubiger Muslim und wurde 2011 in den Bund der Freimaurer aufgenommen. Er gehört seither der Bostoner Bauhütte „Widow‘s Son Lodge No. 28“ an. Ebenfalls 2011 wurde er Prince-Hall-Mason und damit Mitglied der ältesten und größten Loge mit Brüdern vorwiegend afroamerikanischer Herkunft. O‘Neal hat verschiedentlich für Hilfswerke und philantropische Zwecke gespendet, setzt sich etwa für die Boys & Girls Clubs of America ein. Auch arbeitet er als Reserve-Polizist in Los Angeles, Miami und Phoenix. Außerdem hat er in Orlando eine Organisation gegründet, die Hausbesitzer vor der Zwangsvollstreckung schützt.

Eine hübsche Geschichte, die weltweit von den Medien aufgegriffen wurde, spielte sich im Jahre 2016 ab. Der Polizeibeamte Bobby White hatte in Gainesville/Florida am helllichten Tag einen Anruf von einem Anwohner erhalten, der sich beschwerte, dass Kinder in seiner Straße zu laut Basketball spielten. Daraufhin fuhr der Polizist an den „Tatort“, aber nicht, um das Spiel zu untersagen, sondern um selbst mitzuspielen. Auch Shaq, wie O’Neal von seinen Fans genannt wird, bekam von dem Vorfall Kenntnis, flog nach Gainesville zu dem berühmt gewordenen „Basketball-Cop“. Der nahm den Star mit zu dem Basketball-Court, ging auf die Kinder zu und sagte augenzwinkernd: „Ich habe euch doch gesagt, dass ich Verstärkung anfordern werde.“ Großer Jubel brach aus, als der ehemalige NBA-Riese aus dem Polizeiwagen stieg und sich auf eine Partie mit den Kids einließ.

Der Beitrag erschien zuerst in der schweizerischen Zeitschrift „Alpina“ Ausgabe April/2016 und wurde für die „Humanität“ ergänzt und aktualisiert.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Freimaurerei im postfaktischen Zeitalter

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Seit 18 Jahren bin ich nun Freimaurer. Inzwischen kann ich diese Zeit grob in zwei Perioden einteilen. Die erste, in der ich mich in einem Bund von höchst unterschiedlichen, aber auf einer bestimmten Abstraktionsebene auch gleichgesinnten Menschen wähnte. Die zweite heißt „Facebook“.

Ich bin dem vielgeschmähten sozialen Netzwerk dafür sehr dankbar. Es hat mich auf eine drastische Weise desillusioniert, wie es keine hundert Logenbesuche geschafft hätten. Viele Jahre war ich der irrigen Ansicht, dass Menschenliebe, Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit eine gemeinsame Minimalbasis bildeten. Aber Facebook ist gnadenlos. Es verhilft jedem dazu, seine dunkelsten Seiten hemmungslos und freiwillig offenzulegen. Da wird geholzt, was das Zeug hält: Ausländer, Moslems, Flüchtlinge — immer feste druff. Die postfaktischen Wutbrüder verbreiten gerne und oft Fake-News und wildeste Verschwörungstheorien aus dubiosesten Quellen. Kritische Reflexion? Sorgfältige Abwägung? Ach was, das trifft schon die Richtigen. Erst schießen, dann fragen. Wo kämen wir denn da hin, und überhaupt wird man das ja wohl noch sagen dürfen! Die Würde des Deutschen ist jedenfalls unantastbar. Sofern er nicht zu den „linksgrünversifften Merkel-Untertanen“ gehört.

Ihr meint, ich übertreibe? In der Tat handelt es sich um einen ganz persönlichen und subjektiven Eindruck. Seriös quantifizieren könnte ich es nicht. Aber es ist mehr als auffällig, wie viele der auf Facebook aktiven Brüder sich in dieser Weise äußern. Die Koordinatenverschiebung nach rechts hat inzwischen auch unsere Bruderschaft erfasst. Dass die Grenzen des Sagbaren durchlässig geworden sind, ist schlimm genug. Aber wenigstens erfährt man dadurch, was viele wohl schon immer gedacht haben.

Aber Moment: „Grenzen des Sagbaren“? Ich höre schon die Rufe, dass wir politisch neu­tral seien, und die Toleranz gegenüber anderen Meinungen sei doch ein hohes Gut. Will ich etwa andere, konservative Meinungen unterdrücken? So, wie es die „systemkonforme Lügenpresse“ tut?

Nun, es besteht immer noch ein deutlicher Unterschied zwischen Meinung und Unfug. So, wie die Leugnung des Holocausts eben keine Meinung darstellt, ist auch offen verbreiteter Rassismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Leider sind offenbar einige Brüder den rhetorischen Tricks der Neuen Rechten inzwischen auf den Leim gegangen, wo sich rein rassistische Motive hinter vorgeschobenen scheinbaren Problemen verbergen. Das ist alles, aber bestimmt nicht konservativ. Wie soll ich als Freimaurer solche „Meinungen“ tolerieren, die den Boden jeder Humanität längst verlassen haben? Dazu muss man auch nicht links sein, Mensch genügt.

Aber nicht nur auf politischem Gebiet, auch entlang der Großlogengrenzen tun sich die alten Bruchlinien wieder überdeutlich auf. Wenn man als Bruder der Großloge A.F.u.A.M.v.D. gelegentlich eine Loge des Freimaurerordens besucht, so überwiegt in der persönlichen Begegnung doch der brüderlich-gesellige Aspekt, gepaart mit Verwunderung über eine etwas fremdartige Ritualfolklore. Die tiefgreifenden weltanschaulichen Unterschiede lernt man aber bei Facebook schonungslos kennen. Nun wäre die Tolerierung ebensolcher Unterschiede eigentlich als freimaurerische Kernkompetenz zu verstehen. Dachte ich jedenfalls. Wenn man aber als atheistisch oder agnostisch denkender Bruder in schöner Regelmäßigkeit die Regularität abgesprochen bekommt, dann ist das mehr als grenzwertig. Es wird jeder Glaube toleriert — sofern es sich um den christlichen handelt. Die unsägliche Diskussion nebst der hanebüchenen Reaktion auf das jüngste Buch von Br. Klaus-Jürgen Grün wäre ohne die Facebook-typische Empörungsspirale sicherlich etwas milder verlaufen.

Für Kopfschütteln sorgt bei mir — neben diesen inhaltlichen Komponenten — auch der Stil der Diskussionen. Man kann sich sicher sein, dass spätestens beim dritten Kommentar zu einem kontroversen Thema die Sachebene verlassen und durch Beschimpfungen ersetzt wird. Wenn nicht die reine Sachfrage bereits als persönliche Beleidigung aufgefasst wurde.

Deshalb halte ich es sogar für erfreulich, dass sich unsere Großloge aus den sozialen Medien heraushält. Die Beiträge und Kommentare der Brüder wären voraussichtlich die beste Möglichkeit, uns vor aller Öffentlichkeit komplett zu blamieren. Ganz offensichtlich sind auch wir nur ein Spiegel der Gesellschaft unserer Zeit. Ich verspüre sehr deutlich, dass die allgemein bemerkbare Polarisierung und Radikalisierung auch viele von uns erfasst hat. Noch steht eine politische Entwicklung wie in Polen oder Ungarn nicht unmittelbar vor der Tür. Aber sollte es in Deutschland je wieder zu einer rechtsextremen Regierung kommen, bleibt zu hoffen, dass nicht, wie schon einmal in der Geschichte, zu viele Brüder den opportunistischen Weg der Anpassung gehen.

Dann hätte unser Bund versagt.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Prioritäten setzen durch Selbsterkenntnis

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Von Stefan Lohr

Endlich! Die „dunkle Zeit“ ist vorbei und ein neues Maurerjahr liegt vor uns. Wie ein abweichendes Wirtschaftsjahr eines Unternehmens hat das Maurerjahr mit dem Kalenderjahr nicht viel gemein. Auch unsere höchsten Feste liegen nicht auf den höchsten Festen des gregorianischen Kalenders und manchmal stehen unsere Prioritäten sogar im Konflikt mit den terminlichen Anforderungen des profanen Lebens. Wer kennt zu Hause nicht die Frage: „Ach, gehst Du wieder in die Loge? Aber wir wollten doch heute Abend …?!

Und jeder von uns kennt das Dilemma, sowohl im profanen, als auch im Freimaurerleben: Eigentlich müssen wir etwas Wichtiges erledigen: Steuererklärung, die Präsentation für das Meeting, die nächste Agenda, die nächste Zeichnung vorbereiten, Garteneinsatz am Logenhaus etc. Man macht es schon irgendwann, bloß eben jetzt noch nicht – denn es ist ja noch Zeit … Lieber blättert man durch die scheinbar unendlichen Bilderreihen von Instagram, hangelt sich von einem Wikipedia-Artikel zum nächsten, schaut die 527. Staffel einer schlecht synchronisierten US-Krimiserie oder geht sogar lieber zum Zahnarzt, als für eine anstehende Prüfung zu lernen oder an einer Facharbeit zu schreiben.

Aufschieben heißt auch Auszeiten verschaffen

Für diese „Aufschieberitis“ gibt es ein schönes Fremdwort: Prokrastination, die sichere Basis für Stress, Überstunden, Verzweiflung, Nachtschichten und Lebensgrundlage von Kindermädchen und Management-Gurus. So weit, so bekannt. Doch kann man dieses Phänomen auch sehr elegant ins Positive drehen: Prokrastination ist nämlich nicht verwerflich, sondern oft gut. Denn in einer Welt, in der hinter jeder erledigten Aufgabe, ob in Beruf oder Privatleben, immer gleich die nächste wartet und jede beantwortete SMS von zwei neuen ersetzt wird, ist Aufschieben eine wichtige Form des Priorisierens.

Prokrastination kann zudem eine Auszeit verschaffen, die es einem erlaubt, den mentalen Akku wieder aufzuladen. Mehr noch: Wer eine kreative Aufgabe aufschiebt, kommt dabei manchmal auf ganz neue Ideen, schreibt zum Beispiel die „Wirtschaftswoche“ in einem „ada – Brief aus der Zukunft“. Ich freue mich schon auf meine nächste Rechtfertigung gegenüber meiner Frau, wenn ich wieder einmal vergessen habe, den Rasen zu mähen und dann sage: „Schatz, ich priorisiere!“

Also sollten wir uns beim Priorisieren auch Gedanken darüber machen, welche Themen, welche Menschen, welche Arbeiten in unserem Leben an erster, zweiter oder auch an letzter Stelle stehen sollten.

„Technostress“ belastet den modernen Menschen

Wie lässt sich im Lärm der Welt ein Moment der Stille finden? Wie im Chaos des Alltags ein Moment der inneren Ordnung? Wie kann ich die Arbeit an meinem Rauen Stein parallel in meinen Alltag, meine Arbeitswelt, meine Familie, meinen Freundeskreis integrieren? Das sind nicht nur die Fragen, die Trans­zendental-Gurus sich selbst und ihren Anhängern stellen. Sie entscheiden auch über unsere Zukunft. Alle Mitmenschen sind laufend in Betrieb, aber keiner weiß so richtig warum? Die Organisation, die Familie, das Unternehmen dreht im Leerlauf und der Einzelne dreht bald durch. Wenn im Kopf Reizklima herrscht, gibt‘s im Umfeld Gewitter. Meditation und Yoga als Mittel zu mehr Produktivität und Wohlbefinden in Organisationen und Unternehmen sind ja derzeit der absolute Renner. Große Unternehmen und Konzerne haben das längst begriffen und bieten ihren Managern und Mitarbeitern entsprechende Programme und Seminare an. So langsam sickert diese Erkenntnis auch in der Managementlehre durch, beobachtet das Managerblatt „Wirtschaftswoche“. Ein eindrückliches Beispiel lieferte die diesjährige Konferenz der „Academy of Management“ in Chicago. Dort beschäftigten sich überraschend viele Vorträge und Workshops mit „Technostress“, der immer häufiger durch die Informations- und Reizüberflutung einem guten, ausgeglichenen und selbstbestimmten Leben im Wege steht. Natürlich wäre es für Unternehmen nicht notwendig, sich damit zu befassen, hätten sie nicht bemerkt, dass durch „Technostress“ das Wohlbefinden und somit auch Produktivität, Kreativität und Gewinnmaximierung leiden. Dafür haben aber die neuen selbsternannten Management-Gurus eine tolle Lösung parat: das „Inner Engineering“ – der neueste Trendbegriff, die nächste Sau, die Geld generierend durchs Dorf der einkommensmaximierenden Managementberater getrieben wird. Ein Raum voller Führungskräfte, die konzentriert mit geschlossenen Augen atmen und meditativ ihre Muskulatur dehnen, während sie laute „Ommmms“ an die Decke singen? Natürlich funktioniert so etwas, auch ohne sich dabei zum Idioten zu machen. Nämlich dann, wenn man einmal für eine Stunde unerreichbar für Chefs, Kollegen und Internet-Freunde ist, das Smartphone weglegt und sich auf sich selbst einlässt. Dann entsteht doch tatsächlich tief im Innern eine spürbare Veränderung – und eine innere Ruhe findet ihren Platz in unserem Universum. Mensch, was für eine Erkenntnis, die uns zeigt, dass das „Inner Engineering“ der modernen Gurus doch nur sehr teurer alter Wein in noch älteren Schläuchen ist …

Kampf dem Selbstbetrug!

Diese Erkenntnis hatten Freimaurer nämlich bereits vor 300 Jahren (zwar ohne Handy und Internet, aber dafür mit anderen Problemen ihrer Zeit konfrontiert). Und auch heute kann ich als Freimaurer sagen, dass ich diese ganzen Lebensbereicherungs-, Zeitmanagement-, Persönlichkeitsentwicklungs- und BlaBla-Seminare getrost in die Ecke werfen kann, wenn ich die Loge besuche, mich mit Gleichgesinnten auf der Winkelwaage treffen und mich in der Tempelarbeit auf mich selbst einlassen kann. Hier kann ich mich für eine gewisse Zeit vom Irrsinn der Welt zurückziehen, kann angesichts unserer Symbole, des Arbeitsteppichs und des Rituals über mein Leben, mein Verhalten, meine Stellung in der Loge, der Welt und im Universum, über meinen Rauen Stein reflektieren und meditieren. Ich kann mir die Fragen stellen: Hast Du Deine Zeit mit Weisheit eingeteilt? Hast Du ausreichend an Deinem Rauen Stein gearbeitet? Hast Du so am Tempelbau der Humanität mitgewirkt, wie Du es als Freimaurer solltest? Bist Du zufrieden? Hast Du zum Wohl Deiner Loge im Besonderen und der Freimaurerei im Allgemeinen gehandelt? Warst Du ein Vorbild für Deine Brüder, Deine Kinder, Deine Freunde und Kollegen? Waren wir Meister den Lehrlingen und Gesellen ein Vorbild und haben wir Lehrlinge und Gesellen an den uns gestellten Aufgaben unseres Grades ausreichend gearbeitet? Wenn ja, dann gut – aber wenn nein, wieso nicht? Was hat mich davon abgehalten? Waren es Dinge, die mir in dem Moment wichtiger waren? Habe ich richtig „priorisiert“? Ausreden finden wir viele, doch als Freimaurer haben wir uns auch der Wahrheit verpflichtet. Wir alle sollten also dem Selbstbetrug den Kampf ansagen und uns ernsthaft fragen, was gut, aber auch was schiefgelaufen ist und was wir im kommenden Maurerjahr besser machen können!

Sokrates und seine drei Siebe

Zur Anregung eine kleine Geschichte: Einst wandelte Sokrates durch die Straßen von Athen. Plötzlich kam ein Mann aufgeregt auf ihn zu und rief: „Sokrates, ich muss dir etwas über deinen Freund erzählen, der …“
„Warte einmal“, unterbrach ihn Sokrates, „bevor du weitererzählst: Hast du die Geschichte, die du mir erzählen möchtest, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Die drei Siebe? Welche drei Siebe?“, fragte der Mann überrascht.
„Lass es uns ausprobieren“, schlug Sokrates vor. „Das erste Sieb ist das Sieb der Wahrheit. Bist du dir sicher, dass das, was du mir erzählen möchtest, wahr ist?“
„Nein, ich habe gehört, wie es jemand erzählt hat.“
„Aha. Aber dann ist es doch sicher durch das zweite Sieb gegangen, das Sieb des Guten? Ist es etwas Gutes, das du über meinen Freund erzählen möchtest?“
Zögernd antwortete der Mann: „Nein, das nicht. Im Gegenteil …“
„Hm“, sagte Sokrates, „jetzt bleibt uns nur noch das dritte Sieb. Ist es notwendig, dass du mir erzählst, was dich so aufregt?“
„Nein, nicht wirklich notwendig“, antwortete der Mann.
„Nun“, sagte Sokrates lächelnd, „wenn Du von der Geschichte, die du mir erzählen willst nicht weißt, ob sie wahr ist, sie nicht gut ist und sie nicht notwendig ist, dann vergiss sie besser und belaste mich nicht damit!“
Diese drei Siebe entstammen der Apologie des Sokrates, nach der die menschliche Weisheit und das Wissen in wenigen fundamentalen Aspekten begründet liegen, nämlich der Nichtigkeit menschlichen Wissens. Denn nur die Götter sind weise und die menschliche Weisheit ist nichts im Vergleich zur Weisheit des Universums. Ein weiser Mensch, der das erkennt! Doch den meisten Menschen fehlt diese Einsicht, denn Problembewusstsein, Bewusstsein der eigenen Grenzen, Bewusstsein des Nicht-Wissens und die vielen offenen Fragen sind der Anfang der Selbsterkenntnis. Wir müssen für die Seele sorgen, dass sie nicht verarmt, sondern möglichst reich wird, während die in unserer Gesellschaft so hoch bewerteten materiellen Dinge wie Geld, Besitz, Ehre, Macht und Ruhm in Wahrheit erst an zweiter Stelle stehen sollten. Seid achtsam auf Euch selbst, heißt es im Ritual – und wir sollten dabei nie vergessen, dass der größte Schaden, den wir erleiden können, der Schaden an der Seele ist. Wir Freimaurer sollten das wissen und uns darüber klar werden, immer auf unsere Seele zu achten und darauf, welchen Weg wir nehmen, beziehungsweise genommen haben!

„Im Wald zwei Wege boten sich mir dar …“

Im Jahre 1916 schrieb der amerikanische Dichter Robert Frost:

Es könnte sein, dass ich dies seufzend einst gedacht,
Wenn Jahre und Jahrzehnte fortgeschritten:
Im Wald zwei Wege boten sich mir dar,
Und ich nahm den, der weniger betreten war.
Und das hat allen Unterschied gemacht.

Wir haben uns als Freimaurer für einen Weg entschieden, den nicht jeder gehen kann. Es ist kein leichter Weg und viele Versuchungen liegen auf ihm, die uns von der Arbeit an unserem Rauen Stein ablenken und sogar abhalten können – da nehme ich mich selbst nicht aus. Genau deshalb ist dieser Weg der weniger beschrittene! Wir haben aber diesen Weg gewählt – und so sollten wir ihn als Freimaurer auch gehen!

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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Grüße des Großmeisters zum Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel

In wenigen Tagen ist Weihnachten und der Beginn eines neuen Jahres steht bevor. Die Zeit des Jahreswechsels ist stets auch eine Zeit der Besinnlichkeit, des Innehaltens, des Rückbesinnens sowie der Konzentration auf künftige Aufgaben.

Wenn wir, somit jeder von uns, den Blick auf die vergangenen zwölf Monate richten, so können wir mit Stolz sagen, dass wir nicht nur unsere zahlreichen Aufgaben in gewohnt hoher Qualität bewältigt, sondern auch so manche zusätzliche Herausforderung gemeinsam in Angriff genommen, professionell vorangebracht und vielfach auch bereits erfolgreich abgeschlossen haben. Dies alles bei einer oftmals hohen Belastung, die wir mit viel Energie, Engagement und Konzentration auf das Wesentliche auf uns genommen haben. Hierfür danke ich allen, die ihren Teil dazu beigetragen haben, herzlich.

Obwohl an dieser Stelle möglicherweise ein Rückblick erwartet wird lassen Sie uns nach vorne schauen, wenn auch viele Ereignisse des Jahres 2018 an dieser Stelle zu würdigen bzw. hervorzuheben wären.

In seinem viel beachteten Buch „Homo deus“ stellt Yuval Noah Harari unter anderem fest, „Algorithmus ist vermutlich der wichtigste Begriff in unserer Welt. Das ist deshalb von großer Bedeutung, … weil das 21. Jahrhundert von Algorithmen beherrscht werden wird.“ Diese These ist uns Freimaurern durchaus nicht neu. Schon 2015 widmeten wir das Großlogentreffen in Osnabrück dem Thema „Freimaurerei im Informationszeitalter – Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der digitalen Welt“.

Spätestens seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden ist klar: Die digitale Überwachung ist allgegenwärtig. Fest steht auch, dass die digitale Kommunikation mit enormer Geschwindigkeit die Welt verändert und zunehmend Einfluss auf unser Leben nimmt. Die globale Überwachung lässt Orwells »Big Brother« ziemlich klein wirken. In Osnabrück tauschten wir uns darüber aus, welche Konsequenzen diesbezüglich für uns, für die Freimaurerei zu erwarten sein werden und erörterten, wie mit diesen Instrumenten zum Wohle der Königlichen Kunst umzugehen ist. Das waren einige Eckpunkte unseres Diskurses in Osnabrück 2015.

Das Großlogentreffen 2019 in Mannheim wollen wir aus gutem Grund dem Thema „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ widmen. Dabei wollen wir uns nicht alleine auf die Digitalisierung beschränken. Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 -1957) formulierte „Wenn wir wollen, das alles bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert“ (Der Leopard. Übersetzung von Charlotte Birnbaum. 1. Kapitel (Fürst Salina zu Tancredi). Piper-Verlag, 1959. S. 32).

In Mannheim werden wir den Focus auf die sozialen und damit gesellschaftlichen Veränderungen sowie auf die Rolle des Einzelnen, die Funktion und Wirkung der Königlichen Kunst, des Humanismus und der Humanität in der Gesellschaft legen. Es freut mich besonders, dass wir für diese Themen hervorragende Referenten gewinnen konnten und dass wir uns einen ganzen Tag lang diesem spannenden Thema widmen können.

Großlogentreffen sollten grundsätzlich einen gewissen Kongresscharakter haben, bei denen Inhalte auf der Tagesordnung stehen und nicht Regularien. Unsere Großlogentreffen sollten frei von vereinsrechtlichen Vorgängen sein. Manchmal lässt sich dieses Prinzip leider nicht durchhalten. Wir haben es tatsächlich geschafft, alles Vereinsrechtliche für unser Großlogentreffen in Mannheim zu vermeiden. Es gibt keine Anträge, keine Wahlen. Am Donnerstagnachmittag findet die Tempelarbeit statt, der Freitag dient der Bearbeitung des Themas „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“. Unser Großlogentreffen 2019 dient damit dem Diskurs, dem Gespräch, der Information, dem Austausch, der Meinungsbildung und nicht zuletzt der Geselligkeit. Dieses Großlogentreffen haben wir gezielt auf zwei Tage beschränkt, um so möglichst vielen die Teilnahme zu ermöglichen. Über ein Wiedersehen freue ich mich.

Der Jahreswechsel ist auch die Zeit, Dank auszusprechen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement, ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen, ich danke den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge für ihre Arbeitsergebnisse, ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis und ich danke unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft und für ihre stete Unterstützung bei all meinen Aktivitäten. Und nicht zuletzt möchte ich mich auch bei der Leserschaft unserer Internetseite, unseres Newsletters und unserer Zeitschrift „Humanität“ für das Interesse an unserer Bruderschaft bedanken.

Ihnen allen, Ihren Familien und Freunden wünsche ich ein frohes und stimmungsvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein privat wie beruflich erfolgreiches sowie friedvolles Jahr 2019. Dies verbinde ich mit der Hoffnung, dass auch Sie über die Feiertage Gelegenheit finden, abseits der Hektik des Alltags neue Kraft für das vor uns liegende Jahr mit all seinen vielfältigen Facetten und Herausforderungen zu schöpfen. Für 2019 wünsche ich Ihnen viele schöne Momente und spannende wie erfolgreiche Projekte.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Brad Paisley: „Morgen haben wir die erste leere Seite eines Buches mit 365 Seiten. Machen wir ein gutes Buch daraus.“

 

Stephan Roth-Kleyer
Großmeister der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland

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Freimaurerloge Reuchlin vergibt erstmals Dr.-Gerhard-Häussler-Preis für Humanität

v.l. Dipl.-Psych. Dietrich Wagner, Meister vom Stuhl Till Neumann, Jeff Klotz; im Vordergrund Dorothea und Artur Merkel vom Gitarrenorchester Pforzheim

Die Pforzheimer Freimaurerloge Reuchlin hat am 16. November 2018 im Rahmen einer öffentlichen Feierstunde den neu geschaffenen, mit 5.000 Euro dotierten Dr.-Gerhard-Häussler-Preis für Humanität erstmals vergeben.

(Pforzheim / sm) Preisträger ist das “Haus der seelischen Gesundheit – Lore Perls” in Pforzheim, wo die Mittel einem Wohnprojekt für junge Erwachsene mit psychosozialem Unterstützungsbedarf zugute kommen werden.

Der Preis soll in regelmäßiger Folge einem karitativen Projekt aus Pforzheim und Umgebung zukommen und trägt den Namen eines prominenten und engagierten Mitglieds der Loge, des Alt- und Ehrenstuhlmeisters Prof. Dr. Gerhard Häussler, der in der Region als langjähriger Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald bekannt ist.

Das “Haus der seelischen Gesundheit – Lore Perls” unter der Trägerschaft des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (BWLV) leistet Unterstützung für Suchtkranke und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Seinen Namen trägt es nach der in Pforzheim geborenen und aufgewachsenen Psychoanalytikerin und Mitbegründerin der Gestalttherapie, Lore (Laura) Perls (1905 – 1990), die als Jüdin und aktive Antifaschistin nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ins Exil fliehen musste und sich nach dem Krieg mit ihrem Ehemann und Kollegen Fritz Perls in den USA niederließ.

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Unterstützung für das Wetzlarer Hospiz Haus Emmaus

Hospizleiterin Monika Stumpf (Mitte) mit Meister vom Stuhl Martin Marx (l.) und Altstuhlmeister Walter Staaden (r.)

Einen Spendenscheck über 2.400 Euro übergaben Wetzlars Freimaurer an das Hospiz Haus Emmaus. Der Betrag wurde im vergangenen Jahr im Anschluss an monatliche Zusammenkünfte der Logenmitglieder gesammelt und durch das in Berlin ansässige Freimaurerische Hilfswerk aufgestockt.

(Wetzlar / mf) Gesetzliche Neuregelungen und Herausforderungen im Dialog mit den Kostenträgern stellen die gegenwärtig 24 in Hessen eingerichteten Hospize immer wieder vor neue Herausforderungen. Das mit acht Gästezimmern eingerichtete Hospiz in der Wetzlarer Spilburg ist so beispielsweise trotz der großen Unterstützung durch einen eigenen Förderkreis auf das jährliche Sammeln von zusätzlichen Spendengeldern in sechsstelliger Höhe angewiesen.

Martin Marx, Meister vom Stuhl und Vorsitzender der Wetzlarer Freimaurerloge, übergab zusammen mit seinem Amtsvorgänger Dr. Walter Staaden den Spendenscheck an Hospizleiterin Monika Stumpf. In einem anschließenden Gespräch informierten sich die Spender über Arbeit und Angebot des Hauses Emmaus und dankten Frau Stumpf für den unermüdlichen Einsatz aller engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Wohle aller Gäste.

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Heinrich Heine – Freier Geist und Rauer Stein

Freier Geist und Rauer Stein

Heinrich Heine – Querdenker, Sinnsucher, Freimaurer

Jens Oberheide

Erschienen im Salier-Verlag, Leipzig

182 Seiten, Format 12 x 19 cm, Sofcover, ISBN 978-3-943539-98-1, 14,00 €

Heinrich Heine, Dichter der Romantik, Pionier des Feuilletons, aufklärerischer Denker, kritischer Jorunalist, Satiriker und Spötter, war für viele ein unbequemer Zeitgenosse, für manche ein bindungsloser Freigeist – und er war Freimaurer.

Ein Querdenker war er allemal, aber er war auch ein Sinnsucher nach idealistischen  Gegenentwürfen zu einer unruhigen Welt: „Weltbürgertum, Humanismus, Freiheit, Sittlichkeit, Liebe und Brüderlichkeit, Gerechtigkeit, Gleichheit der Rechte aller Menschen“. Er hat über diese Werte in Poesie und Prosa nachgedacht, und er hat sie in den philosophischen, religiösen, gesellschaftlichen und politischen Geistesströmungen seiner Zeit gesucht.

Der Autor begibt sich auf die Spur dieser Suche und entdeckt dabei viel vom „unbekannten Heine“, der 1844 in Paris Freimaurer geworden ist.

Die Idee des sinnvollen Bauens und Gestaltens von Zeit und Raum hat Heine fasziniert, und der Wahlspruch seiner Loge entsprach seiner Geisteshaltung: „Bien penser, bien dire, bien faire“ („Gut denken, gut reden, gut machen“). Eine Aufforderung, das Machbare des Denkbaren zu tun.

Freimaurerisch-symbolisch beginnt ein solches „Denken, Reden und Machen“  mit der „Arbeit an sich selbst“, am „Rauen Stein“, dem Sinnbild für den „unfertigen“ Menschen. Freier Geist und Rauer Stein. Kein Widerspruch.

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