Chemnitzer Brüder verdienen Solidarität

Das Karl-Marx-Monument in Chemnitz

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"Gemeinsam gegen Menschenverachtung, Intoleranz und Hass": Die Brüder der Freimaurerloge "Zur Harmonie" i. O. Chemnitz nehmen mit deutlichen Worten Stellung zu den Geschehnissen in ihrer Stadt.

Von Br. S.L., Redner der Osnabrücker Loge "Zum Goldenen Rade"

In ihrer Erklärung betrauern sie den Chemnitzer, der bei einer Auseinandersetzung auf dem Stadtfest sein Leben verloren hat, verwahren sich aber dagegen, dass sein schrecklicher Tod für Hasskampagnen missbraucht wird.

Die Erklärung der Chemnitzer Brüder macht deutlich, dass die Werte der Freimaurerei gerade jetzt orientierende Kraft entfalten können und dass es angesichts der krawallartigen Szenen, die sich in Chemnitz und zuletzt auch in Köthen zugetragen haben, wieder Mut erfordert, sich zu ihnen zu bekennen. Denn der Aufruf zu Toleranz und Mäßigung bedeutet, sich denen in den Weg zu stellen, die noch aufzuklärende Todesfälle zum Anlass nehmen, um zum Hass aufzurufen, Menschen auf offener Straße zu bedrängen und, wie in Köthen geschehen, in Sprechchören nach einem neuen Nationalsozialismus zu rufen.

Das freimaurerische Bekenntnis zur Humanität mag noch vor wenigen Jahren für manche Beobachter nach bequemer Allgemeinheit geklungen haben. Jetzt erweist es sich als dringlich. Die Chemnitzer Brüder verdienen allen Respekt und jede brüderliche Unterstützung dafür, dass sie sich in diesen Tagen so klar positionieren.

Dabei kann es nicht um parteipolitische Statements gehen, kann das Für und Wider der Migrations- und Flüchtlingspolitik nicht im Mittelpunkt stehen. Freimaurern geht es um das von Respekt, Toleranz und gegenseitiger Hilfe geprägte Zusammenleben der Menschen. Sie fassen dieses Ziel im Symbol des Tempelbaus der Humanität zusammen. Freimaurer leben in ihren Logen vor, wie Menschen unterschiedlicher Weltanschauungen, Bekenntnisse und Herkünfte respektvoll miteinander umgehen und sich in gemeinsamer Arbeit für eine bessere Zukunft vereinigen können. Die so mit Leben erfüllte Bauhütte ist der Aufriss für eine gesellschaftliche Wirklichkeit, in der Hass, Angst, Intoleranz und Gewalt keinen Platz haben. 

In diesem Sinn sollten gerade Brüder Freimaurer aktiv für Freiheit, Respekt und Gewaltlosigkeit eintreten und sich dabei gegenseitig ermutigen und unterstützen. Dieses Signal der Unterstützung gilt aktuell den Chemnitzer Brüdern – und weiter all jenen Freimaurern, die sich gerade dort für Menschenliebe engagieren, wo Hassparolen gegrölt werden. Das gesellschaftspolitische Klima wird in unserem Land mehr und mehr von hässlichen Kontroversen geprägt, mit denen am Ende niemandem geholfen ist. Das Engagement gegen gesellschaftliche Spaltung ist gefragt. Wir Brüder Freimaurer haben darin unsere derzeit dringlichste Aufgabe.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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Arbeitstagung der Forschungsloge in Hannover

"Nanas" der Künstlerin Niki des Saint Phalle an Hannovers Leineufer

© Blickfang / Adobe Stock

Vom 12. bis 14. Oktober findet in Hannover die 54. Arbeitstagung der Forschungsloge "Quatuor Coronati" statt. Thema ist "Zwischen anhaltender Gegnerschaft und zunehmender Akzeptanz".

“Das Freimaurerbild in der deutschen Öffentlichkeit und die Präsenz des Bundes im öffentlichen Raum”, so der Untertitel der dreitägigen Veranstaltung ändert sich, verharrt aber nach wie vor zwischen Gegnerschaft, Vorurteilen und Unkenntnis auf der einen und zunehmender Akzeptanz und einem guten Ruf bei Teilen der Bevölkerung auf der anderen Seite.

Etliche interessante Vortäge werden den Besuchern im Logenhaus in der Lemförder Straße in Hannover geboten. Nach der Begrüßung und Eröffnung durch Thomas Forwe, den Meister der Forschungsloge referiert Hans-Hermann Höhmann über “Das ‘Geheime’ und das ‘Öffentliche’ in den Diskursen der Freimaurer, gefolgt von einem Vortrag von Christian Meier über den “Wandel zum Positiven? Die deutsche Presse und die Freimaurerei.” Helge Björn Horrisland aus Kristiansand berichtet über “Die ‘völkische Freimaurerei’ in Deutschland und ihren Einfluss auf die internationalen freimaurerischen Beziehungen”. Die ehemalige Großmeisterin der Frauen-Großloge, Helga Widmann, schildert die Wahrnehmung der Freimaurerinnen in der Öffentlichkeit und von Henk Masselink erfahren die Besucher etwas über den Großosten der Niederlande und sein gesellschaftliches Umfeld. Ein weiterer Blick über die Grenzen kommt von Alain de Keghel in seiner “Fallstudie Frankreich”. Den Haupttag beschließt Reinhard Markner unter dem Thema “Eine Freimaurerei der Mittelmächte” mit einem Blick auf die Berliner Konferenz 1918.

Am Sonntag schließt die Akademietagung mit dem gewohnten zweistündigen Abschlussgespräch, moderiert von Thomas Forwe.

Anmeldungen sind bis zum 24. September 2018 an den Sekretär unter sekretaer@quatuor-coronati.org zu richten, der gerne weitere Fragen zur Veranstaltung beantwortet.

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ wurde 1951 mit Sitz in Bayreuth gegründet. Sie gehört den Vereini­gten Großlogen von Deutschland an (Matrikelnummer 808). Die Loge ist inzwischen auf rund 1600 Mitglieder allein aus deutschen Großlogen angewachsen und wurde damit zum bedeutendsten Träger freimaurerischer Forschung in Deutschland. Tätigkeitsfeld ist neben Grundlagen­for­schung auch angewandte Forschung, die der freimaurerischen Praxis dienen soll.

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Die Juden in den deutschen Logen

Guntram B. Seidler: "Die Juden in den deutschen Logen"

“Sicherlich wird auch die vorliegende Schrift über die Geschichte der Juden in den deutschen Logen für den Freimaurerbund als Institution und seine Brüder nicht erfreulich sein.”, schreibt der Autor Guntram B. Seidler in seinen Vorbemerkungen.

Am Beispiel des Umgangs mit Juden erfahren wir Wesentliches über die geistige Verfasstheit der deutschen Freimaurer vor allem am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Guntram B. Seidler ist in seinem Werk der Frage nachgegangen, wie sich Antisemitismus, aber auch Weltoffenheit, in deutschen Freimaurerlogen seit Jahrhunderten artikuliert. Dabei wird deutlich, “dass die Bundung der Freimaurerei an die christliche Konfession eine Komplizenschaft mit dem Nationalsozialismus zur Ausgrenzung und Verfolgung von Juden begünstigte”, wie Thomas Forwe, derzeitiger Meister der Forschungsloge “Quatuor Coronati”, in seinem Geleitwort bemerkt.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste beschäftigt sich mit den Junden in den Freimaurerlogen, der Rolle der Religion in der Freimaurerei und der Juden zur Freimaurerei, insbesondere aber mit dem Ringen der verschiedenen Großlogen um die “Judenfrage” und den frühen Kampf für und gegen die Zulassung von Juden in den Logen mit eigenen Kapiteln für verschiedene Großlogensystem von liberalen bis hin zu den Altpreußischen Großlogen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem “Uabhängigen Orden B’nai B’rith”, der oft fälschlich als “jüdische Freimaurerei” bezeichnet wird, mit den Wurzeln, der Organisation in Deutschland und vielen anderen wissenswerten Themen.

Es handelt sich um ein akribisch recherciertes Werk von rund 500 Seiten, das aber bewusst keine wissenschaftliche Aufarbeitung sein will, um für eine breite Öffentlichkeit lesbar und nachvollziehbar zu bleiben. Die Beschäftigung mit diesem Thema passt in eine Zeit, in der auch einzelne Freimaurer nicht gefeit sind vor den um sie bestehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

Guntram B. Seidler, “Die Juden in den deutschen Logen”,Hardcover 17 x 24 cm, 512 Seiten, 29,00 €. Erschienen im Salier-Verlag unter der ISBN 978-3-943539-62-2.

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Die erste Stunde

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Der Autor beschäftigt sich in mehreren Zusammenhängen mit "der ersten Stunde" und mahnt wie einer der Logengründer nach der "dunklen Zeit" des Unrechts, die Erkenntnisse der Freimaurerei zu nutzen statt sie zu verspielen.

Von Br. Bernd Soyke aus der Loge “Zur königlichen Eiche” in Hameln

Wer kann sich kann sich an seinen ersten Lebensmoment erinnern? An den ersten Augenblick unseres Lebens, das erste Licht und unseren allerersten Atemzug können wir uns nicht entsinnen. Die schützende Hand der Eltern, den warmen ruhigen Atem der Mutter und die Freude um uns herum haben wir vielleicht gespürt, sie hat uns möglicherweise auch geprägt, aber eine aktive Erinnerung an unseren ersten Schritt ins Leben haben wir nicht.

An die erste Stunde einer Aufnahme zum Freimaurer wohl aber schon. Und diese Erinnerung wird jedes Mal aufs Neue geweckt, wenn ein Suchender hereingeführt und dem in diesem Raum, der für uns eine ganz besondere Bedeutung hat, ebenfalls das Licht gegeben wird. Und mit dieser Initiation ein neuer Bruder in unserem Bunde seine Aufnahme erlangt.

Doch auch wenn mancher von uns diesen Augenblick mit einer „zweiten Geburt“ vergleicht, ist doch so vieles verschieden. Gleich wie unser junger Bruder, der eben aufgenommen wurde, haben auch wir voller Hoffnung und Erwartungen auf jenem Stuhl Platz genommen, der dem Jüngsten unter uns vorbehalten ist. Und zwar vollkommen bewusst über unser Tun, die konsequente Umsetzung einer reiflich überlegten Entscheidung. Ich denke, uns war in diesem Moment klar, daß diese Stunde unser Leben ändern wird.

Überwältigt von vielen Eindrücken, deren tieferer Sinn sich uns erst zu einem späteren Zeitpunkt erschließt, haben wir uns – bewußt oder unbewußt – manche Fragen gestellt. Werden meine Erwartungen und Wünsche erfüllt, was wird von mir erwartet, kann ich dem allem gerecht werden? Und auch in den Kolonnen stellt mancher Bruder sich ähnlichen Fragen: Wurden meine Erwartungen erfüllt, konnte ich den Anforderungen meiner Brüder gerecht werden, was bleibt zu tun?

Nun, im Laufe unserer freimaurerischen Entwicklung lernen wir vor allem Eines: uns selbst zu erkennen! Diese recht einfache Aufgabenstellung, doch oft diese so schwer zu erlangende Erkenntnis, kann durch brüderliche Hilfe unterstützt werden. Oftmals stellen wir fest, daß diese Selbsterkenntnis eine recht widerspenstige Persönlichkeit besitzt, sie wandelt sich und versteckt sich gerne in den Wirren des Alltags. Wir können aber das Licht nutzen, welches uns an einem Tag wie dem heutigen gegeben wurde und, Diogenes gleich, den Menschen in uns suchen. Selbsterkenntnis setzt die Achtung vor sich selbst voraus, ich muß mit mir im Reinen sein, um das Licht nutzen zu können. Und wenn ich dann bei mir einkehren kann, meinen Tempel in mir aufsuche, dann habe ich die Kraft, die Aufgabe anzugehen.

Vielleicht hatten die Brüder, welche im Jahr 1778 in Hameln die Loge „Zur Eiche“ gründeten ähnliche Absichten. Eventuell aber waren es ganz andere Beweggründe, welche die Brüder Avenarius, Brauns und Andere dazu bewogen haben, nun auch in Hameln eine Freimaurerloge zu gründen. Es war jene Zeit der Aufklärung, in welcher die Freimaurerei ihre erste große Entwicklung nahm. Vieles, was wir heute als selbstverständlich annehmen war damals noch völlig im Ungewissen. Neben den Aufklärern tat sich mancher Scharlatan hervor und so wurde kurz nach der Lichteinbringung in unserer Bauhütte ein Kongreß in Wilhelmsbad einberufen, welcher der Freimaurerei ihre Würde zurückgab.

Zweimal noch mußte das Licht in die Hamelner Loge wieder eingebracht werden, weil die politischen Umstände ein zeitweises Ruhen der Arbeiten erforderlich machen. Zu Beginn des Jahres 1946, also gleichsam in der „Stunde Null“ Deutschlands, kamen die Hamelner Brüder wieder zusammen und erlebten hier ihre „erste Stunde“ der Freimaurerei nach all dem Grauen. Und da legte Bruder Wilhelm Fischdick seine Zeichnung auf, welche glücklicherweise erhalten geblieben ist. Dieser als „Bußzeichnung“ uns vorgehaltene Spiegel beeindruckt noch heute durch die Kraft der Worte und Tiefe des Sinns. Vor allem aber durch die in weiten Teilen durchaus aktuelle Mahnung an die Brüder, sich stets dem tieferen Sinn von Ritual und der Arbeit an uns selbst zu vergewissern.

Wir leben in guten Zeiten. Und gute Zeiten machen sorglos und träge.

Heute stehen wir als Bauhütte wieder „in vollem Saft“, die Loge arbeitet im besten Sinne, unser Haus steht gut bestellt da und bietet den Brüdern eine komfortable Heimstatt für unsere Zusammenkünfte. Jedoch möchte ich gerade deshalb Bruder Fischdick zitieren: „Was haben wir noch aus eigener Anschauung gewusst von der Gegnerschaft alter Zeiten, so daß man zu geheimer Stunde um Hochmitternacht, auf der Flucht vor der Sonne des Tages, in den Bauhütten zusammenkommmen mußte, zu einer Gemeinsamkeit, die gerade darum aus Verschwiegenheit ihren festen Bestand schöpfte?“

Wir leben in guten Zeiten. Und gute Zeiten machen sorglos und träge. Die Geschichte unserer eigenen Loge sei uns hierbei Lehre und Richtschnur. Ich wünsche mir, daß auch die nachfolgenden Generationen unser Arbeiten als würdig achten. Dazu gehört auch, daß wir unsere Wünsche und Träume beizeiten – also zu Lebzeiten – umsetzen.

„Die with memories, not with dreams“ sagt man in England. “Sterbe mit Erinnerungen, nicht mit Träumen” heißt auch, daß es unsere Taten sind, die zählen. Selbst ein noch so gut gefaßter Vorsatz bleibt ein Traum, wenn wir es unterlassen, ihn zu realisieren. Arbeiten wir daran – in uns, mit unseren Brüdern – und besser heute noch als morgen!

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Der gekochte Frosch

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Unsere gesellschaftlichen Werte erodieren zusehends. Vielleicht bemerken wir es, aber wir handeln nicht konsequent. Br. B.F. hat es bemerkt und mahnt mit einer Ritualaufforderung: "Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt."

Stellen wir uns vor, man wirft einen Frosch in einen Topf mit brühendheißem Wasser. Der Frosch wird die Veränderung seiner Umwelt rasch bemerken und versuchen, so schnell wie möglich wieder heraus zu kommen. Was passiert aber, wenn man ihn in einen Topf mit lauwarmen Wasser wirft? Der Frosch wird sich wohlfühlen. Erwärmt man nun das Wasser langsam, sagen wir stündlich um jeweils 1° C, so passiert überraschenderweise zunächst gar nichts. Der Frosch fühlt sich weiter wohl und bemerkt die lebensbedrohliche Temperaturerhöhung nicht. So bekommt er nicht rechtzeitig mit, dass er gekocht wird. Sobald er es bemerkt, bekommt er eine Hitzestarre und kann dann nicht mehr fliehen. Er ist verloren!

Zugegeben eine böse Geschichte, aber sie zeigt Parallelen zu unseren derzeit stattfindenden gesellschaftlichen Prozessen. Wir erkennen offensichtlich nicht, wie bedrohlich die gegenwärtige gesamtgesellschaftliche Situation für uns alle ist. Am Ende kann es uns ergehen, wie dem armen Frosch; wir begreifen erst was geschehen ist, wenn es zu spät ist.

Worum geht es?

Unübersehbar drängen solche gesellschaftlichen Kräfte in die Zentren der Macht, die grundlegende Veränderungen herbeiführen wollen. Längst überwunden geglaubte nationalistische Strömungen werden von Konservativen, Rechtspopulisten und Rechtsextremisten wieder hoffähig gemacht (… man wird ja wohl noch sagen dürfen.) Eine offene, pluralistische Gesellschaft, die in allen Bereichen vorhandene Vielfalt von Gruppen, Organisationen, Institutionen, Meinungen, Ideen, Werten und Weltanschauungen gleichberechtigt nebeneinander zulässt, wird propagandistisch und dort wo möglich auch operativ massiv bekämpft. Grundwerte, die weitgehenden verfassungsrechtlichen Schutz in Europa hatten, stehen bereits zur Disposition, oder wurden bereits abgeschafft. Im EU-Staat Polen wird die Legislative entkernt und dem Willen der Exekutive unterstellt, also faktisch abgeschafft. In einem EU-Land wird die Gewaltenteilung beseitigt und die europäischen Staaten zeigen sich völlig apathisch bis zur resignativen Handlungsunfähigkeit.

Rechte Bewegungen, Organisationen oder Parteien mögen sich an der sogenannten Migrationsfrage, an Grenzkriminalität und Asylbewerberproblemen abarbeiten, doch das sind nur die Symptome. Die eigentliche Krankheit geht sehr viel tiefer. Es geht um die grundlegende Veränderung unserer Gesellschaft, um Abschaffung einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft und die Etablierung einer autoritären, obrigkeitsstaatlichen „gottgewollten“ Ordnung. Alain de Benoist, einer der führenden Köpfe der französischen Neuen Rechten Bewegung erklärt dazu folgendes: „Mein Hauptgegner ist der Kapitalismus in ökonomischer Hinsicht, der Liberalismus in philosophischer und das Bürgertum in soziologischer Hinsicht.“ Wenn ein namhafter deutscher Politiker davon spricht, man brauche eine „konservative Revolution“, dann meint er genau das, nämlich eine autoritäre, obrigkeitsstaatliche Ordnung. Das ist keine Entgleisung, wie ein Kommentator in der „Süddeutschen Zeitung“ meinte, nein! Das politisches Ziel.

Der Ethnopluralismus soll die homogenen Völker in ihren eigenen Räumen halten, wobei Liberalismus, Toleranz und Pluralismus durch die Souveränität der Nationalstaaten ferngehalten werden soll. Der Begriff Raum ist hier sowohl als territorialer Raum, wie auch als Überbau eines gemeinsamen geistigen Raumes zu verstehen. Vergleichbare Ziele verfolgen die politische Linke und [ man beachte!] der Islamismus. Auch die politische Linke will den Kapitalismus, den Liberalismus und das Bürgertum [Bourgeoise] durch eine eigene sozialistische Gesellschaftsform ersetzen. Dabei ist das Versagen der Linken besonders kläglich, denn an Stelle des Kampfes gegen ökonomische Ausbeutung ist der Kampf gegen kulturelle Diskriminierung getreten. Die derzeit vehement betriebene Identitätspolitik vieler Linker entfernt sich in gleichem Maße vom Universalismus der Aufklärung, wie die Neue Rechte. Auch der politische Islamismus verfolgt die gleichen Ziele, weil die derzeitige Gesellschaftsform nicht „gottgewollt“ ist. Ziel der Islamisten ist der Errichtung eines Gottestaates.Die Gesellschaftsform, in der wir leben, wird also z.Zt. von drei Seiten, die sich in ihren Zielen kaum voneinander unterscheiden bedroht. Die Neue Rechte, die den größten Zulauf findet und permanent wächst, die politische Linke, die in meiner Wahrnehmung jedoch weitgehend domestiziert ist und der politische Islamismus, dessen Entwicklung schwer vorhersehbar ist. Sowohl die Neue Rechte, als auch die Linken benutzen dabei jeweils ein Opfernarrativ. Sieht die Neue Rechte die ethnische Reinheit [Rasse], das Volk, den Lebensraum, aber auch eine kulturelle Unterwanderung als Bedrohung, so sieht die Linke eher Ausbeutung, Unterdrückung und ökonomischen Imperialismus als Hauptgefahr.

Neben dem Dauerthema „Fremde und Überfremdung“ eint die Neue Rechte ein weiterer gemeinsamer Feind: Die Europäische Union. Die EU mit einer multikulturellen Gesellschaft ist für die Dansk Folkeparti aus Dänemark, die LEGA Nord aus Italien, die AfD aus Deutschland, die FPÖ aus Österreich, die BREXIT Befürworter in England, die katalanischen Separatisten und den FRONT National in Frankreich, ein internationaler Moloch, der mit Beschlüssen und Entscheidungen die einzelnen Nationen fremdbestimmt und diese letztlich auflösen will. Dieses Feindbild verbindet die gesamte Europäische Rechte.

Nicht wegen tausender Flüchtlinge an den europäischen Grenzen droht die EU zu zerbrechen, sondern weil ihr die Kraft fehlt sich innerlich zu erneuern und den Kerngedanken der europäischen Integration weiter zu entwickeln.
Die „America-first-Politik“ des US Präsidenten ist die amerikanische Version der gleichen Denkart und somit eine Abbildung der Ziele der europäischen Neuen Rechten. Bei der amerikanischen All-Right Bewegung kommt zum nationalistischen ein sehr stark ausgeprägtes rassistisches Moment hinzu. Auch die Annexion der Halbinsel Krim durch Russland beruht auf dem gleichen nationalistischen Weltbild. Der russische Nationalist Alexander Dugin, Lehrstuhlinhaber an der Lomossow-Universität in Moskau, spricht bei einer Zusammenkunft der Neuen Rechten in Wien 2014 dann auch folgerichtig von „russischem Boden, russischem Blut und russischem Raum.“

Wir haben es hier also mit einer breit aufgestellten, supranational agierenden Neuen Rechten-Bewegung zu tun. Wir erleben gegenwärtig die Erosion unserer Gesellschaftsordnung – einer Gesellschaftsordnung, die ihre geistigen Fundamente in der Aufklärung hat und die mit Blut, Schweiß und Tränen von vielen Generationen vor uns mühsam erkämpft wurde.

Transportmittel und Beschleuniger der Werte-Erosion sind die schönen neuen Medien mit den sogen. sozialen Netzwerken. Facebook, Twitter, Instagram und zahlreiche Blogs im Internet sind zu Plattformen von Hassverbreitung, gezielten Falschinformationen, dreisten Lügen und Agitation geworden. Nahezu unkontrolliert kann jedermann zu jeder Zeit an jedem Ort die neuen Medien nutzen, um seine Interessen und Ziele ohne jegliche Rücksichten zu verfolgen.

In Art. 21 GG heißt es u.a.“ Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Die Parteien haben also den verfassungsmäßigen Auftrag, die politische Willensbildung durchzuführen. Aber wo findet heute die politische Willensbildung statt? In Talkshows, in Blogs und in sozialen Netzwerken. Eigentlich ein Skandal, denn unser Grundgesetz wird ausgehöhlt. Das alles geschieht heute vor unseren Augen. Damit sind wir dann auch wieder bei dem „gekochten Frosch“. Bis sich eine gesellschaftlich relevante Gegenbewegung aufgebaut hat und wirkungsvoll agiert, ist es vielleicht für uns und unsere Kinder zu spät. Unsere Gesellschaftsordnung, die sich auf Liberalität, auf Recht und Gleichberechtigung gründet wird in diesen Tagen zerstört. Wir verspielen unser Werte.

Die metaphysische Aufladung und die mythische Überhöhung aller dieser genannten Begriffe der Neuen Rechten (Volk, Umvolkung, ethnische Reinheit, Raum, Lebensraum, Blut, etc.), aber auch die abstoßende Verrohung der Sprache durch Hetzparolen wie Asyltourismus oder Abschiebeindustrie stehen in diametralem Widerspruch zu einer aufgeklärten Gesellschaftsform, die sich auf freie Information, auf Wissen und Erkenntnis bezieht und daraus unverzichtbare Werte wie Toleranz, Offenheit und Brüderlichkeit ableitet. Es widerstrebt meinem moralischen Kompass und meinem freimaurerischen Ethos zutiefst, dass die Errungenschaften der Aufklärung, die auch unsere freimaurerischen Ideale sind, auch deshalb zerstört werden, weil wir sie unseren Feinden überlassen.

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Osnabrücker Freimaurer öffnen Besuchern besonderen Raum

Ein Raum im Raum: Die symbolische Stille Kammer

Auch in diesem Jahr öffneten die Osnabrücker Freimaurer im Rahmen der alljährlichen Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018 für einen Abend ihr Logenhaus der Öffentlichkeit. Über 250 Besucher nutzten die Möglichkeit, sich in einer symbolischen Stillen Kammer grundsätzliche Fragen zu stellen.

(Osnabrück/ck) Ein besonderer Höhepunkt der Loge zum Goldenen Rade war die erneute Teilnahme an der Osnabrücker Kulturnacht am 25. August 2018. Das vom städtischen Kulturbüro vorgegebene Motto der diesjährigen Veranstaltung war der „Raum“ und so öffneten dutzende Kulturträger, Museen, Ateliers, Vereine und sonstige Institutionen des öffentlichen Lebens einen Abend lang ihre Pforten für die Öffentlichkeit, um sich mit dem Leitmotiv „Raum“ künstlerisch auseinanderzusetzen.

So ergab sich die Gelegenheit, der Öffentlichkeit einen sehr speziellen freimaurerischen Raum etwas näher zu bringen, der immer schon geheimnisumwoben war und gleichzeitig so oft wie kein zweiter porträtiert wurde: die Stille Kammer.

Dabei ging es nicht darum, eine Hausführung anzubieten (was nicht geschah), sondern sich dem Kern einer stillen Kammer symbolisch zu nähern. Zentraler Baustein war also ein Würfel mit 2,5 Meter Seitenlänge, der nur aus den Kanten bestand und somit einsehbar war. Ein Tisch, ein Stuhl, musivisches Pflaster als Untergrund und das bekannte Vanitas-Stillleben auf dem Tisch komplettierten die Installation und schufen einen Raum im eigentlichem Raum, dem großen Saal des Osnabrücker Lortzinghauses.

Jeder Besucher bekam durch ausgehängte schriftliche Erläuterungen vor Betreten der Installation die Handlungsempfehlung, er solle den Saal betreten, sich an den Rand setzen, den Kubus betrachten, sich vorstellen, er säße auf dem Stuhl und sich dann fragen, wer er selber sei, was ihm wichtig sei und was er noch erleben möchte.

Das Konzept ging perfekt auf und fast alle Besucher verharrten lange Minuten in tiefen Gedanken versunken und die würdevolle Atmosphäre aufsaugend auf ihren Plätzen. Sie beschäftigten sich dabei implizit mit einem Kern der Freimaurerei, dem “Erkenne Dich selbst”, ohne dass man es Ihnen explizit erklären musste oder irgendein Arkanum verriet.

Hinter dem Ausgang des Saals war ein kleiner Get Together Bereich aufgebaut und mehrere Brüder und Schwestern standen bei Wein, Wasser und Grissini für Rückfragen jeder Art zur Verfügung. Es entwickelten sich unzählige spannende Konversationen und die Rückmeldungen der Besucher waren uneingeschränkt positiv. Wieder einmal zeigte sich, dass lokale Logen durch ein maßvolles und zugleich würdevolles Öffnen und Erklären Ihrer Inhalte sehr viel für eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit tun und wie selbstverständlich als kulturelles Prisma einer Stadt wirken können.

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Metanoia und Miraculix

Foto: © Madeleine/ Adobe Stock

Eine etwas ungewöhnliche Zeichnung zum Johannisfest - ist die Loge tatsächlich mit einem kleinen gallischen Dorf vergleichbar? Der Br. Peter Welke fand in seinem Vortrag zum Johannisfest Parallelen.

Das Johannis-Fest ist ein besonderes Ereignis unter unseren alljährlichen Arbeiten. Es beendet und beginnt das Logenjahr. Es findet statt um die Zeit der Sommersonnenwende, des längsten Tages eines jeden Kalenderjahres. Das ist ein Tag voller Licht, der von allen Völkern und Religionen des Erdkreises besonders begangen wird, jedenfalls auf der Nordhalbkugel, und dort mit zunehmender Intensität mit wachsender nördlicher Lage. Das ist nachvollziehbar, denn in südlicheren Ländern schwindet der Unterschied in den Tageslängen von Sommer und Winter.

Wie zu anderen vorchristlichen Festen, die in den Völkern fest und unauslöschlich verankert waren, wurde auch dieses Ereignis mit einer christlichen Bedeutung unterlegt. Nicht genau am Tag der Sommersonnenwende, sondern drei Tage später, am 24. Juli genau so, wie dies wohl in analoger Weise zur Wintersonnenwende mit den Saturnalien geschah. Das liegt an der Kalenderreform, die Papst Gegor veranlasst hatte.

Gewissermaßen ein Standard der Zeichnungen und Reden zum Johannisfest ist das berühmte Metanoeite oder Metanoia dieses rebellischen Reformjuden Johannes, der nicht nur Wasser predigte, sondern (statt Wein) dieses auch trank. Der nicht wegen der Verkündung der Wahrheit eingekerkert wurde (und dadurch letztlich auch seinen Kopf verlor), sondern wegen des unbeirrbaren Festhaltens an seiner ureigensten Überzeugung, auch wenn sie damals eben gerade nicht mehrheitsfähig war. Auch wenn er tote Tiere, nämlich Heuschrecken, aß: was für ein prächtiges Vorbild!

Für ihn, Johannes den Täufer, gab es größere Güter als den Frieden. Er war starrköpfig, unbeugsam und bereit, für das Festhalten an seiner Auffassung, an seinem Wertekanon jeden Preis zu zahlen. Welch grausam passendes Ende, dass er seinen Kopf für ein paar Schleiertänze eines Weibes verlor, dessen Familie und Lebenswandel er so scharf kritisiert hatte. Das ist zwar nicht der Johannes unseres Rituals, aber der Johannes, der ein Stückchen weit in jedem Redner stecken muss. Um das zu verdeutlichen, möchte ich, meine Brüder, die eingefahrenen Gleise üblicher Johannis-Zeichnungen verlassen und mich auf das Terrain des Gleichnisses oder vielleicht besser des Vergleiches begeben, ausnahmsweise einmal in das Reich der Comics.

Wir vergleichen unsere Aufgabe gerne mit dem Behauen von Steinen. Der eine Bruder bearbeitet feine, kleine Steine, der andere grobe und große Steine. Ein jeder nach seiner Fasson, ein jeder nach seinen Vorlieben, Fähigkeiten und Stärken oder Schwächen. Der eine Bruder erweist sich als klein und wendig, der andere als groß und beharrend. Trotz aller Verschiedenheiten verstehen sich diese beiden Brüder bei ihrem unterschiedlichen Tun und sind einander zugewandt. Ein gewisser Uderzo hat zwei wunderbare Beispiele für solch brüderliches Verhalten trotz unterschiedlichster Charaktere und Erscheinungsbilder geschaffen, einer von beiden bestreitet sogar seinen Lebensunterhalt durch das Behauen von Steinen, Menhiren, etwas verballhornt sind das Hinkelsteine. Natürlich, meine Brüder, habt Ihr längst erkannt, dass es sich bei diesen Charakteren um Asterix und Obelix handelt. Damit aber sind die Parallelitäten zwischen jenem gallischen Dorf und unserer Loge noch bei weitem nicht erschöpft.

Jedem ist nun klar, dass der ehrwürdige Meister vom Stuhl durch den auf dem Schild stehenden Majestix, im Original übrigens treffender Abraracourcix, also etwa „mit verkürzten Amen“ oder „mit aller Gewalt“, vorzüglich repräsentiert wird. Seine Schildträger sind selbstverständlich der Erste und der Zweite Aufseher. Unser Schatzmeister kann ohne weiteres Anklänge bei Vreneli finden; dass der Musikmeister durch Troubadix dargestellt wird, bedarf keiner Erläuterung, Rohrpostix ist der wahre Name unseres Sekretärs. Unser neugewählter Zeremonienmeister füllt die Figur von Automatix, dem Dorfschmied, aus wie kein anderer! Bleibt noch der Redner, jener Bruder, der, ich zitiere unser Hausgesetz, die Aufgabe hat, die maurerische Tradition der Loge zu pflegen und das geistige Leben der Loge zu fördern. Falls ein Vorbereitender gewählt ist, unterstützt er diesen bei der Unterweisung der Lehrlinge und Gesellen, andernfalls obliegt ihm deren Einführung. Die Instruktionen für die Brüder Meister führt er ohnehin durch. Er muss also den Zaubertrank bereiten, aus dem die Bruderschaft ihre geistige Stärkung, ihr Rüstzeug für den Alltag und die Kraft für das Leben nach unseren Grundsätzen und Überzeugungen ziehen muss. Dazu muss Miraculix mit seiner Sichel nach Misteln auf Eichen suchen, ein mühseliges, zeitaufwändiges und nicht ganz einfaches Unterfangen. Und die Ausgabe seines Tranks dauert manchmal auch länger als eine Viertelstunde, wenn dieser wirken soll.

Meine Brüder, wir sind nicht Bewohner dieses gallischen Dorfes Loge geworden, weil der Wein des Saingesix oder der Fisch des Verleihnix so trefflich munden. Am heutigen Johannisfest wollen wir uns alle vielmehr daran erinnern, dass das Motto jenes Rebellen Johannes Metanoeite war. Im Freimaurerorden übersetzt der Redner diesen Aufruf mit: „Kehret um zu Gott“. Bei uns aber, in der humanitären Freimaurerei, wählen wir die wörtliche Übersetzung: „Ändert Euren Sinn! Denket um!“

Die Beamtenschaft kann und wird Euch den Zaubertrank bereiten, aber nur Ihr selbst könnt ihn zu Euch nehmen und vor allen Dingen auch verdauen. Versucht es einmal, es wird sich lohnen. Es ist so leicht, Wasser zu predigen, solange man es bei sich selbst beim Weintrinken belässt. Und groß ist die Gefahr, sich in organisatorischen Fragen zu verlieren, ohne die es nicht geht, die aber stets nur Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck sein dürfen. Unsere Rituale sind niemals nur leere Hülle, sondern unverzichtbare Bühne unseres eigentlichen Handelns. Aber schon 1962, als sich der große Einiger der deutschen Freimaurerei, der damals 71jährige Ingenieur Theodor Vogel aus der Großloge Zur Sonne im Orient von Bayreuth bereits jenseits des Zenits seines Wirkens befand, warf ihm nicht ganz ohne Grund die in der Paulskirche von Frankfurt versammelte Bruderschaft vor, sich weniger der praktischen Freimaurerarbeit in der Stille als vielmehr der Freimaurerpolitik zu widmen.

Genau diese Balance zu finden, ist die große Herausforderung der Beamtenschaft. Nicht eine Handbreit abweichen von den vorgezeichneten Pfaden des Rituals, durch engagiertes und mutiges Handeln die Existenz und das wirtschaftliche Gedeihen der Loge zu sichern, aber gleichzeitig unser geistiges Ziel und unsere geistige Aufrüstung nicht nur nicht aus den Augen zu verlieren, sondern gerade innerhalb der Bruderschaft zu fördern und durchzusetzen, seien die äußeren und inneren Widerstände noch so groß.

Meine Brüder, wir wissen alle, dass uns dies in der Vergangenheit oftmals gar nicht oder aber nicht in wünschenswertem Umfange gelungen ist. Das dabei gezahlte Lehrgeld darf aber nicht umsonst gewesen sein. Die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen muss deshalb die Devise des neuen Beamtenrates lauten. Dabei muss und wird er auch unbequem sein dürfen und tatsächlich auch sein. Große und schwierige Aufgaben liegen vor uns, in deren Angesicht wir aber nicht verzweifeln müssen. Sie sind für die Bruderschaft als Ganzes zu bewältigen, aber eben nur als Ganzes. Persönliche Vorlieben und Interessen, liebgewordene Gewohnheiten und eingefahrene Gleise gilt es jetzt zu verlassen. Jeder, ohne Ausnahme jeder ist aufgerufen, auch persönliche Opfer zu bringen.

Das kostbarste Opfer ist die Zeit, die sich ein jeder Bruder zum Wohle seiner Loge abzuringen bereit sein muss. Und zu all diesem muss er auch noch bereit sein, Nachsicht zu üben mit seinem Mitbruder, dessen abweichende Meinung zu tolerieren, zu erdulden und dennoch nicht nachzulassen in seinen Anstrengungen. Sicherlich nicht nur mir deucht dieser Katalog an Forderungen wie eine schier unlösbare, ja fast übermenschliche Aufgabe. Für die geschlossen stehende Bruderschaft ist sie es aber nicht: Seid einig, einig, einig! Die letzten Worte des sterbenden von Attinghausen in Schillers Wilhelm Tell, den älteren unter uns aus dem Schulunterricht unvergessen, sollen uns auch heute Mahnung sein:

Drum haltet fest zusammen-fest und ewig –
Kein Ort der Freiheit sei dem anderen fremd –
Hochwachten stellet aus auf euren Bergen,
dass sich der Bund zum Bunde rasch versammle –
Seid einig – einig – einig –

Die Sprache ist etwas gewählter, aber die Aussage passt wiederum zum kleinen gallischen Dorf, als das ich heute einmal unsere Loge sehe, wenn es sich geschlossen auf macht in den Kampf gegen die Römer, übrigens gestärkt durch den Trank des Miraculix, ohne den kein Kampf gewonnen wurde. Unsere Römer sind Eigennutz, Trägheit, Bequemlichkeit, Konfliktscheu, Ungeduld, Intoleranz, um nur einige unserer „Feinde“ zu nennen.

Ich möchte mit den Worten einer Johanniszeichnung meines Vorgängers an uns alle (ohne jede Ausnahme!) schließen, der genau an dieser Stelle der Bruderschaft vor fünfzehn Jahren die Worte zurief: „Ändert endlich Euren Sinn!“.
Was wäre dem hinzuzufügen?

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