Ist unser Friede in Gefahr?

Prof. Dr. Herfried Münkler Foto: Stefan Röhl

Die Mannheimer Logen "Kurpfalz" und "Carl zur Eintracht" gestalten die Abschlussveranstaltung der Unterzeichner der "Mannheimer Erklärung" am 26. Oktober 2019, die auch im Internet verfolgt werden kann.

Mannheimer Freimaurerlogen haben die »Mannheimer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt« unterzeichnet. Dadurch sind sie Mitglieder eines Bündnisses von Vereinigungen, die sich im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten gegen Diskriminierung und für ein respektvolles Zusammenleben in Vielfalt engagieren. Die Bündnispartner wollen im Sinne einer freiwilligen Partnerschaft zusammenwirken, um die Kräfte zur Gestaltung eines gleichberechtigten Miteinanders zu verbinden. Das Bündnis veranstaltet jedes Jahr etliche »einander.Aktionstage«, dabei kommt es zu vielen interessanten Begegnungen. In diesem Rahmen gestalten die Mannheimer Logen KURPFALZ und CARL ZUR EINTRACHT im Jahr 2019 gemeinsam mit der Stadt Mannheim die Abschlussveranstaltung, welche am 26. Oktober 2019 stattfindet.

Die freimaurerischen Beweggründe für die Partnerschaft im Bündnis entstehen aus der freimaurerischen Metapher vom »Bau am Tempel der Humanität«, wie sie schon seit Jahrhunderten besteht. Diese Metapher begreifen wir im Sinne einer gesellschaftlichen Mitverantwortung. Wir wollen einen sozialpolitischen Raum mitgestalten, in welchem Unrecht, Not und Elend gemildert werden.

Die Logen konnten als Hauptredner des Abends Prof. Herfried Münkler gewinnen. Der im Oktober 2018 an der Humboldt-Universität zu Berlin emeritierte Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zählt im wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs zu den wirkungsmächtigsten Stimmen. Vor allem bekannt ist er für die Analyse des »Großen Ganzen« der Weltpolitik. Professor Münkler befasst sich damit, wie die Weltpolitik mit den Veränderungsprozessen gesellschaftlicher Ordnung auf nationaler Ebene zusammenhängt.

Prof. Münkler ist Autor zahlreicher bemerkenswerter Werke, u. a. »Kriegssplitter – Die Evolution der Gewalt im 20. und 21. Jahrhundert«, »Imperien« und »Die neuen Kriege«. Er ist Mitglied im Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) und gehörte zu den Experten, die an dem vom Auswärtigen Amt durchgeführten Projekt »Review 2014 – Außenpolitik Weiter Denken« teilnahmen. Prof Münkler hat zahlreiche renommierte Preise erhalten. Viele seiner Bücher wurden auf der »Liste der Sachbücher des Monats« empfohlen.

Der Votrag findet am 26. Oktober 2019 ab 19 Uhr im Mannheimer “Marchivum” statt. Die Veranstaltung kann live über die Internetseite www.humanitas-mannheim.de gestreamt werden.

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Noch Sonderhefte der Zeitschrift “Humanität” verfügbar

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Von Sonderheften der "Humanität", dem deutschen Freimaurermagazin, gibt es noch Exemplare. Logen, Freimaurer und Nichtfreimaurer können bei der Großloge Hefte erwerben.

Einmal jährlich erscheint eine Sonderausgabe der Zeitschrift “Humanität”, die speziell für die Öffentlichkeitsarbeit der Logen gedacht ist. Von den folgenden Ausgaben gibt es noch Hefte, die bei der Großloge bestellt werden können.

Heft 1 / 2004

Grußwort des Großmeisters Jens Oberheide

Vorwort der Redaktion zum Heft, insbesondere dem Schwerpunktthema Lessing.

Übersicht über die wichtigsten Lebensstationen Lessings

Aufklärung, das geistige Projekt des 18. Jahrhunderts und seine Gültigkeit

Zwischen Idee und Wirklichkeit: Lessing und das Theater

1997 wurde die Lessing-Gesellschaft in Hamburg mit dem Ziel gegründet, das Werk Lessings der Öffentlichkeit durch eigene Schrift- und Vortragsreihen sowie Studienfahrten heranzutragen.

Moses Mendelssohn zwischen orthodoxen Juden und Christen

Lessings Neugestaltung der historischen Ring-Parabel in “Nathan der Weise”

Vorstellung zweier Gesellschaften, die sich mit Lessing beschäftigen

Lessings “Ernst & Falk”, Gespräche für Freimaurer

Kamenz, hier wurde Lessing geboren, beherbergt ein Lessing-Museum

Heft 1 / 2006

Grußwort des Großmeisters Jens Oberheide

Mozart zum 250. Geburtstag

Zitate von Wolfgang Amdeaus Mozart

Das Rätsel namens Mozart

Aufklärung und Maurerei in Wien

“Man sieht recht wie sehr und immer wieder die Oper steigt.”

Im Deutschen Freimaurermuseum

Mit den Augen des Malers

“Die Zauberflöte – Oper und Mysterium” von Jan Assmann sowie “Von der Säule der Schönheit – Zur ästhetischen Dimension der Freimaurerei”, Quatuor Coronati

Heft 2 / 2018

Herzlich willkommen bei den Alten Freien und Angenommenen Maurern von Deutschland – Begleitwort zur Sonderausgabe der „Humanität“ – Von Großmeister Stephan Roth-Kleyer

16 gute Gründe, ein Freimaurer zu sein. Oder: Warum es sich lohnt, einen Schurz zu tragen. Von Carlos Urban.

“Meine Mutterloge” — Von Rdyard Kipling

Freimaurer … was sind sie, was tun sie, was sind sie nicht und warum gibt es sie? Einge Antworten.

Die Deutschen Logen feierten das Jubiläumsjahr auf vielfältige Weise. Ein Rückblick.

Von den Bauhütten des Mittelalters zur humanitären Freimaurerei – Von Hartwig Kloevekorn, Jens Oberheide und Bastian Salier

Von Klischees und Verschwörungstheorien: „Wo kann man Ihre schwarzen Messen besuchen?“ – Von Thomas Müller
Kann Freimaurerei heute noch etwas bewirken? Gedanken zur Zukunft unseres Bruderbundes – Von Rolf Appel
„Ich wurde sofort auf Augenhöhe angenommen.“ Interview mit einem jungen Bruder

Charity: Tue Gutes und rede darüber …

Frauen und Freimaurerei

Mit dem Mikroskop neue Welten entdecken. Der Fotograf und Freimaurer Karl Deckart.
Alte und neue Pflichten für Freimaurer. Vom Betragen und Umgang unter den Menschen
Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland stellt sich vor
Das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth: Geschichte bewahren und Zukunft sichern.
„Kehr niemals der Not und dem Elend den Rücken“: Das Freimaurerische Hilfswerk e.V.
Quatuor Coronati e. V. – „Die vier Gekrönten“ mit Blick auf die Wissenschaft; Kunst und Kultur: Pegasus – Freimaurerischer Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation e.V.

Hannover / Leipzig / Darmstadt

Regensburg / Wildeshausen / Passau

Eine Wunde wird geschlossen. Statue für den freimaurerischen Reformer Friedrich Ludwig Schröder in Hamburg rekonstruiert.
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4,50 € zzgl. Versandkosten

Ihre Bestellung richten Sie bitte vorzugsweise per E-Mail an die Kanzlei der Großloge unter kanzlei@freimaurerei.de. Postalische Bestellungen bitte an Großloge A.F.u.A.M.v.D., Emser Straße 11, 10719 Berlin. Telefonische Rückfragen unter 030-86422034.

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Anstehende Termine

Foto: Basti93 / pixabay

Die Logen, Distrikte und Großloge haben viele Veranstaltungen im Jahr, viele davon öffentlich. Schauen Sie, ob etwas für Sie dabei ist. Die Logen freuen sich über Ihren Besuch.

November

18Nov19:00Magdeburg: Heine, Marx und Maurerei19:00 Bischofssaal im Ratskeller Magdeburg, Alter Markt 6, 39104 Magdeburg Organisator: Harpokrates Öffentlich:Anmeldung erbeten,Öffentlich

23Nov11:00Meißen: Lichteinbringung "Krone im Elbtal"11:00 Organisator: Krone im Elbtal Öffentlich:Intern

23Nov17:00Helmstedt: Warum Papageno kein Freimaurer wurde17:00 Aula der Alten Universität(Juleum), Collegienplatz 1 , 38350 Helmstedt Organisator: Julius zu den drei Helmen Öffentlich:Öffentlich

23Nov(Nov 23)19:0024(Nov 24)03:00Jever: 1. Friesischer Freimaurerball19:00 - 03:00 (24) Schützenhof, Jever Organisator: Blücher Öffentlich:Anmeldung erbeten,Intern

27Nov20:0022:00Berlin: Bauhütte, Loge, Bauhaus oder: Baukunst und Lebenskunst20:00 - 22:00 Logenhaus Emser Straße, Goethesaal, Emser Straße 12, Berlin Organisator: Verein Royal York zur Freundschaft Öffentlich:Öffentlich

Dezember

11Dez19:30Bielefeld: Festlicher Abend im Advent mit Eike Wilm Schulte19:30 Lessinghaus, Lessingstr. 3, 33604 Bielefeld Organisator: Armin zur Deutschen Treue Öffentlich:Anmeldung erbeten,Öffentlich

21Dez16:30Bielefeld: 175-jähriges Stiftungsfest der Loge "Arnim zur Deutschen Treue"16:30 Lessinghaus, Lessingstr. 3, 33604 Bielefeld Organisator: Armin zur Deutschen Treue Öffentlich:Anmeldung erbeten,Intern

Eine vollständige Übersicht können Sie unter https://freimaurerei.de/termine/ abrufen.

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Das Symbol des 24-zölligen Maßstabs

© annca / Pixabay

Von den Puhdys, einer ostdeutschen Kultband, stammt der Soundtrack zu dem 1973 veröffentlichten Film „Die Legende von Paul und Paula“. Das Lied „Wenn ein Mensch lebt“ besitzt dabei einen außergewöhnlich bewegenden Text, geschrieben von Ulrich Plenzdorf.

Von Paul Franke

„Jegliches hat seine Zeit,
Steine sammeln, Steine verstreuen,
Bäume pflanze, Bäume abhauen,
Leben und Sterben und Streit.“

Die Vorlage dazu findet sich jedoch schon im Alten Testament in den Texten des Predigers Salomo:
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit;
abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat eine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“

Die Zeit mit Weisheit einzuteilen, das ist die Forderung, die das Symbol des 24-zölligen Maßstabs an uns stellt. Jeder von uns denkt und redet mehrmals am Tag über die Zeit: „Ich habe keine Zeit“ oder „ich habe heute Zeit“ für dieses oder jenes. Aber wenn ich mich frage: Was ist denn eigentlich die Zeit?, dann gerate ich schon ins Stocken. Gut, es ist eine physikalische Größe, man kann mit ihr rechnen. Die Wirtschaft, der Verkehr, die Arbeit, ja unser ganzes Leben ist danach und von ihr eingeteilt, also gibt es sie. Das wird niemand bestreiten. Aber was weiß ich denn wirklich über sie, über die Zeit? Ich kann Zeit nicht schmecken, nicht hören, nicht sehen, nicht fühlen und nicht anfassen. Ja, wir können die Zeit nicht einmal direkt messen, so wie man zum Beispiel eine Menge abwiegen kann. Wir messen die Zeit nur indirekt, indem wir die Menge der Sandkörner in einer Sanduhr messen oder die Bewegung des Zeigers auf dem Zifferblatt einer Uhr oder die scheinbare Bewegung der Sonne oder des Mondes am Firmament. Und von dem Messen dieser verschiedenen Abstände des sich bewegenden Gegenstandes schließen wir auf die Zeit, die vergangen ist. Das ist nach allen unseren Erfahrungen auch richtig und führt zu überprüfbaren Ergebnissen. Aber die Zeit, die tatsächliche Zeit können wir nicht messen. Ja wir wissen nicht einmal, ob die Zeit kommt und vergeht oder ob sie nicht vielmehr einfach da ist. Zieht die Zeit an uns vorüber, wie der ständige Strom eines Flusses? Oder bewegen wir uns an der Zeit entlang und die Zeit steht wie ein stabiler Strang von einer Ewigkeit zur anderen Ewigkeit?

Früher fuhren auf vielen Flüssen Kettendampfer. Auf dem Grunde des Flusses zog sich eine sehr lange Kette entlang, die am Bug des Dampfers über eine Welle aufgenommen und am Heck wieder hinabgelassen wurde. Das Schiff zog sich an dieser Kette gewissermaßen bergauf. Ziehen wir uns in unserem Leben gewissermaßen auch an einer Kette entlang, deren einzelne Glieder wir jeweils Gegenwart nennen, einem unbekannten Ziel entgegen? Sozusagen von einer Gegenwart zur nächsten Gegenwart?

Wir teilen unsere Zeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein. Die Vergangenheit ist das, was hinter uns liegt und woran wir uns, wenigstens teilweise und meist sehr subjektiv, erinnern können. Zukunft liegt vor uns und ist uns von der Erfahrung her noch unbekannt. Sie ist der Ort der Hoffnungen und Befürchtungen. Soweit ganz einfach. Aber was ist nun eigentlich die Gegenwart? In dem Moment, in dem ich diesen Satz denke und aufschreibe, ist er schon Vergangenheit und nicht mehr Gegenwart. Die Gegenwart scheint fast unmessbar kurz zu sein, denn kaum ist sie da, vergeht sie sofort und wird Vergangenheit.

Es kann ja sein, dass das fast unnütze Gedanken sind, „ohne Nährwert“, würde meine Großmutter sagen, aber vielleicht doch bedenkenswert. Leibniz schreibt: „Die Zeit ist die Ordnung des nicht zugleich existierenden. Sie ist somit die allgemeine Ordnung der Veränderungen.“ Das klingt einleuchtend, aber bin ich deshalb wirklich klüger? „Zeit ist eine Erscheinung, die sich in Form von Tag und Nacht darstellt“, schrieb Sextus Empiricus im zweiten Jahrhundert, aber bringt uns das weiter?

Augustinus schrieb in seinen Confessiones: „Was also ist ‚Zeit‘? Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich es; will ich es einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht.“ Dieser Satz kommt meinem Gefühl der Zeit gegenüber deutlich am nächsten.
Und warum ist die Wahrnehmung der Zeit in unserem eigenen Leben, in unseren Lebensabschnitten so unterschiedlich?

Rasend schnell ist die Zeit vorbei, wenn wir in einer angeregten und zufriedenen Runde miteinander sind. Scheinbar lang und ewig erstreckt sie sich in einem langweiligen Vortrag. Als ganz furchtbar empfinde ich, dass man im Alter des Lebens die Zeit als rasend schnell vorübergleitend wahrnimmt. Ehe man es sich versieht, ist schon wieder ein Jahr vorüber. Als Kind dagegen schien mir die Zeit vom 20. Dezember bis zum Heiligen Abend überhaupt nicht zu vergehen. „Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die Zeit vorüber, in der man kann“, sagte Marie von Ebner-Eschenbach. Manchmal sprechen wir von einer Beschäftigung als von einem „Zeitvertreib“. Eigentlich ein schlimmer Begriff, denn haben wir so viel Lebenszeit, dass wir sie auch noch vertreiben möchten? Wohl kaum, denke ich. Auch Seneca schrieb dazu: „Nein, nicht gering ist die Zeit, die uns zu Gebote steht; wir lassen nur viel davon verloren gehen!“

Die Zeit erscheint wie ein riesiger feststehender Fels, neben dem alles andere herum winzig und in ständiger Bewegung ist. Ist die Zeit ewig? Und noch zaghafter gefragt: Ist die Zeit vielleicht Gott? Oder eine Erscheinungsform von Gott?

Mir ist bewusst, dass diese Gedanken höchst unfertig sind. Ich habe den Versuch unternommen, über etwas nachzudenken, was eigentlich nicht zu fassen ist. Daher muss es notwendigerweise unvollkommen bleiben. Und dennoch scheint mir die Zeit als etwas, über das es sich lohnt nachzudenken, denn wir alle sind immer mitten in der Zeit. Letztendlich ist unsere Lebenszeit das einzige, was wir wirklich besitzen.

Wie oft sagten oder dachten wir schon: „Die Zeit vergeht.“ Welch ein Irrtum! Nicht die Zeit vergeht – wir sind es, die vergehen. Die Zeit bleibt.

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Der Freimaurer Alphonse Mucha

„Omladina“ aus dem „Slawischen Epos“ von Mucha, 1926 © mit freundlicher Genehmigung von „Praga Masonica“

Der tschechische Jugendstilmaler Alphonse Mucha erlangte um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in Paris weltweite Berühmtheit. Seine Plakate für die Schauspielerin Sarah Bernhardt brachten ihm Anerkennung, ebenso wie später die zahlreichen Aufträge und Arbeiten in dem Stil, der manchmal „Le Style Mucha“ genannt wurde.

Obwohl er im Zentrum der Weltkunst aktiv war, blieb er ein Patriot seines Landes, was er mit seinem Zyklus „Slawisches Epos“ (Slovanská epopej) demonstrierte, der eine Reihe von großformatigen Gemälden mit bedeutenden Ereignissen aus der tschechischen und slawischen Geschichte darstellt. Mucha hatte aber auch eine kosmopolitische Seite, die sich durch seine lebhaften Aktivitäten in der Freimaurerei bemerkbar machte, die er als einen Weg ansah, um universellen Frieden, Brüderlichkeit und Glück zu erreichen.

Mucha wurde am 25. Januar 1898 in die zum Grand Orient de France gehörende Loge „Les Inséparables du Progres“ in Paris aufgenommen. Der Slogan der Französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ inspirierte ihn; er sah eine Stärke in der Freimaurerei, die auch seinem Land Freiheit bringen konnte, das damals Teil der Habsburger Monarchie war. Während dieser Zeit lebte und arbeitete Mucha im Ausland, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in die Heimat gestaltete Mucha 1910 die Bürgermeisterhalle im Prager Gemeindehaus aus, in der auf dem Wandtriptychon neben patriotischer Symbolik auch verborgene Freimaurersymbole zu sehen sind. Auch auf einigen Leinwänden des „Slawischen Epos“ sind Verbindungen zur Freimaurerei zu erkennen.

Mucha war Mitbegründer der ersten tschechisch-sprachigen Loge „Jan Amos Komenský“, die 1918 in Prag von einer Gruppe tschechischer Maurer gegründet wurde, die Mitglieder ausländischer Logen waren. Der Direktor des Nationaltheaters und Rusalka-Opernlibrettist Jaroslav Kvapil war ebenfalls sehr aktiv an der Gründung dieser Loge beteiligt. Mucha war fest davon überzeugt, dass die Freimaurerei das Rückgrat für den Aufbau einer jungen demokratischen und freien Republik sein würde. 1922 wurde Mucha zum Oberbefehlshaber des tschechischen schottischen Ritus gewählt. In den Jahren der Ersten Republik (1918–1938) galt er als höchster Vertreter der tschechoslowakischen Freimaurerei. Von dieser Position aus unterstützte er die Gründung der Nationalgroßloge der Tschechoslowakei im Jahr 1923, der Dachorganisation der dortigen Freimaurerei.

Mucha besuchte oft das Schloss Zbiroh, wo er am „Slawischen Epos“ arbeitete. Von dort hatte er es nicht weit bis Pilsen, wo er die „Dobrovsky“-Loge besuchte und unterstützte. Zum 10-jährigen Bestehen der Tschechoslowakischen Republik (1928) wurde er Mitbegründer der Loge „Pravda vítězí“ (Die Wahrheit siegt) in Prag. Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde er zum Ehrenmitglied aller Freimaurerlogen unter der Obödienz der Nationalen Großloge der Tschechoslowakei ernannt. Trotz seines Patriotismus war er auch offen für die deutschsprachigen Freimaurer im Land und entwickelte eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit ihnen. Dank dieser Aktivitäten wurde er 1930 zum Ehrenmitglied der deutschen Großloge „Lessing zu den drei Ringen“ in Prag ernannt. Mucha vertrat die tschechoslowakischen Maurer auch im Ausland. Beispielsweise war er 1926 aktiver Teilnehmer der „Internationalen Freimaurer-Friedenskonferenz“ in Belgrad. Er pflegte auch eine enge persönliche Freundschaft mit J. H. Cowles, dem amerikanischen Großkommandeur des Schottischen Ritus in Washington.

Als Künstler war Mucha auch maßgeblich an der Schaffung verschiedener Artefakte für die tschechoslowakischen Logen beteiligt. Er entwarf zum Beispiel das Design für die Briefpapiere des Schottischen Ritus und der Nationalen Großloge sowie die Grafiken auf der Titelseite der Zeitschrift „Svobodný zednář“ (Der Freimaurer). Muchas Entwürfe von freimaurerischen Bijous wurden weltweit populär. Diese Bijous zeigen seinen unverwechselbaren Stil mit den unverkennbaren Jugendstil-Schwüngen und angenehmen farbigen Nuancen. Die Bijous sind immer flach, aus Bronze und mit farbigem Emaille gefüllt. Er kombinierte nationale und freimaurerische Elemente zu Formen, die die Mission einer bestimmten Loge zum Ausdruck brachten. Sein Gespür für dekorative Effekte drückte sich sowohl in der Darstellung des Schmuckstücks selbst als auch in den ungewöhnlichen Formen aus. Sein erster Entwurf war für die Loge „Jan Amos Komenský“ bestimmt. Das Bijou zeigt das Datum 1918, das Gründungsjahr, und das Jahr 1919, das Weihejahr. Es folgten Bijous für die Logen „Dílo“, „Dobrovský“, „Pravda vítězí“ und „Vyšehrad“ (Vierter Grad des Schottischen Ritus). Die Verzierungen der Schurze für den 4. und 18. Grad zeigen ebenfalls deutlich Muchas Stil, ähnlich wie der Hammer und die Aufbewahrungsbox für das „Buch des heiligen Gesetzes“ und wichtige Dokumente der Loge „Dobrovský“. Er malte ein Bild eines Maurers mit dem Titel „Poslední dílo“ (Letztes Werk) für den Freimaurertempel in der Dittrich-Straße in Prag.

Neben anderen kunsthandwerklichen Arbeiten mit masonischem Hintergrund gerieten Muchas Freimaurer-Gläser fast in Vergessenheit. Sie wurden um 1930 als repräsentatives Geschenk geschaffen. Gleichzeitig sollten die Verkaufserlöse den Bau eines Freimaurerzentrums in Prag finanzieren.

Viele dieser Stücke waren vom 8. Dezember 2018 bis 30. März 2019 erstmals in einer Ausstellung versammelt. Das „Dačického-Haus“ in Kutná Hora, Tschechien, widmete eine Schau dem „Freimaurer Alphonse Mucha“. Den Hintergrund für dieses Projekt gab das einhundertjährige Bestehen der ersten tschechisch-sprachigen Loge „Jan Amos Komenský“ im Jahr 1918, deren Mitbegründer Mucha war. Die meisten der freimaurerischen Ausstellungsstücke stammten ausschließlich aus privaten Quellen, darunter von Mitgliedern der „Praga Masonica Society“, der Großlogen von Tschechien und vom „Mucha Trust“.

Dieser Beitrag ist im Original in englischer Sprache erschienen in:
Quatuor Coronati Berichte
Wiener Jahrbuch für historische Freimaurer-Forschung
Nr. 39/2019
Salier, Leipzig, 2019
Klappenbroschur, 448 Seiten
ISBN 978-3-96285-029-6
überall im Buchhandel

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Der unterbestimmte Mensch und das freimaurerische Ritual

Foto: Johannes Plenio / Pixabay

In unseren westlichen Philosophien seit der griechischen Antike tritt der Mensch auf als ein Wesen, das wesentlich bestimmt sei.

Von Klaus-Jürgen Grün

Das Wesen des Menschen sei – so Aristoteles – ein zoon politicon. Er widersprach damit Platon, der das Wesen des Menschen als verkörperte Idee des Guten bestimmte. Menschen, die dieser Idee zu wenig entsprachen, sollten mit Methoden der Bildung und Gewalt umerzogen werden. Wo dies nicht zu gelingen schien, riet Platon auch schon einmal zum Töten. Überhaupt erweist sich Platon als Chefideologe der Dogmatiker, seien sie Anhänger der katholischen Inquisition oder der islamistischen Terrormiliz. Wer sein Menschenbild ohne Bezug auf Gott und die Götter schafft, dem soll, wenn ihn auch alle Überredungskunst im Kerker nicht zum Abschwören geführt hat, „von Neuem der Prozeß gemacht und er dann mit dem Tode bestraft werden“ (Platon: Nomoi).

Die vom Platonischen abgeleitete Wesensbestimmung des Menschen im Christentum erklärte den Menschen gottähnlich. Individuen oder ganze Völker, die diesem Ideal nicht entsprachen, sind oftmals pyrotechnisch oder kolonisatorisch entsorgt worden. Aber die zunehmende Unglaubhaftigkeit, dass solcherlei Grausamkeit mit der Gottähnlichkeit vereinbar sein könnte, schuf in der europäischen Aufklärung den Vernunftmenschen, der als die Inkarnation der Vernunft bestimmt war. Aufklärer legten von Anbeginn die Bestimmung des Menschen in die Vernunft. Sie konzipierten den Menschen dabei – meistens verschleiert – als göttliches Wesen, denn die Vernunft des Menschen war strukturiert wie vormals der christliche Gott: Vernunft sei der Sitz von Gut und Böse; sie sei vor jeder moralischen Entscheidung um Rat zu befragen; ihrem Rat sei stets Folge zu leisten; und die Vernunftentscheidung entsprach immer der Wahrheit.

Noch die Väter unseres Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat zu Beginn unserer neuen Republik gingen davon aus, dass der deutsche Wähler ein vernunftbegabter und mündiger Bürger sei. In der Gegenwart allerdings erleben wir, dass die lautesten und barbarischsten Stimmen zur Verteidigung des völkisch orientierten deutschen Wesens des Menschen weder mit Aufklärung noch mit Vernunft etwas zu tun haben wollen.

Hier nun ist der vorläufige Gipfel der Komplexität erreicht, der jede vormals für einzigartig gehaltenen Bestimmung des Menschen ad absurdum führt. Dass jeder Nazi, jeder Islamist, jeder dogmatische Katholik, aber auch jeder Moralist immer noch der Illusion aufgesessen ist, er oder sie hätte die einzig objektive Bestimmung des Menschen erfasst, widerspricht der hier vertretenen Auffassung nicht. Denn jede dieser Illusionen ist Bestandteil der Komplexität, und sie alle zusammen bestätigen die These der Unterbestimmtheit des Menschen.

Hinzu kommt in der modernen Gesellschaft die Beobachtung, dass man „sehr leicht ohne Religion und vielleicht ohne Kunst leben [kann]. Man kann aber nicht ohne Recht und ohne Geld leben“ (Niklas Luhmann, Archimedes und wir. Interviews, Berlin 1987, S. 79). Keine Bestimmung des Menschen leistet, was sie verspricht, aber alle zusammen strukturieren, was keine der einzelnen wahr haben will: Es gibt keine einzig und allein gültige Bestimmung des Menschen. Von allen Seiten aber reden uns Ideologen mehr oder weniger gewaltsam ein, dass man als Mensch nicht ohne die in der jeweiligen Ideologie für unverzichtbar erklärte Bestimmung des Menschen leben könnte.

Freimaurerei verfährt perspektivisch

Freimaurerei pflegte allerdings von Anfang an einen klugen Umgang mit der Unterbestimmtheit des Menschen. Sie holte die Männer mit unterschiedlichstem Dünkel, was die Bestimmung des Menschen angeht, in die Logen. Dort mussten sie erfahren, dass ihre eigene Religion, ihre eigene politische Überzeugung, ihre eigene Zugehörigkeit zu einem sozialen Stand nichts weiter war als eine von vielen Perspektiven. Sicher war es ein Glück für das Gelingen der Freimaurerei, dass diese Männer nicht gleichzeitig noch überfordert wurden damit, dass auch Frauen eine Perspektive in Bezug auf die Bestimmung des Menschen haben. Die Großloge von England ist ja bis heute noch überfordert damit, dass Frauen als echte Freimaurerinnen in den Logen einen Beitrag zur Offenheit der Bestimmung des Menschen leisten.

Vergleichen wir die Bestimmungen des Menschen in Theologie, Philosophie und Anthropologie mit der Praxis im Ritual der Freimaurerei, so fällt ein deutlicher Unterschied ins Auge. In der Freimaurerei wird keine Theologie, keine Philosophie und keine Anthropologie, die das Wesen des Menschen metaphysisch festgelegt hat, vorausgesetzt. Die Praxis der Freimaurer zelebriert die Unterbestimmtheit des Menschen. Was die Bestimmung des Menschen sein könnte, bleibt wie der unvollendete Bau des symbolischen Salomonischen Tempels stets offen. Die empirischen Tätigkeiten in den rituellen Arbeiten – nicht die Ideologien in den Köpfen vieler individueller Freimaurer und Freimaurerinnen – offenbaren das Bild eines rauen Steines, der in Gesellschaft anderer an sich selbst arbeitet, um sich mit diesen zu einem funktionierenden Sozialverband zu vernetzen. Keine scheinbar an sich feststehenden Tatsachen über den Menschen, sondern die sich stets neu zusammensetzenden Individuen mit unterschiedlichen Perspektiven strukturieren eine vorläufige Vorstellung von der Bestimmung des Menschen. Und sie bleibt immer vorläufig und unvollendet.

Freimaurer und Freimaurerinnen treten zusammen in ihren Tempeln, wo sie das Bild konstruieren, das sich aus Individuen zusammensetzt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie sind in verschiedenen Religionen aufgewachsen, gehören verschiedenen gesellschaftlichen Schichten an, haben verschiedene Bildungswege hinter sich, leben verschiedene Interessen aus, bringen unterschiedlichste Begabungen zum Ausdruck, und vieles mehr an Unterschieden. Von einem einheitlichen Wesen des Menschen oder sogar einer einheitlichen Bestimmung zu sprechen, schließt dieses Bild aus.

Freilich beschleicht manche Menschen panisches Unbehagen, wenn sie sich ihre eigene Unterbestimmtheit vorstellen sollen. Sie konstruieren dann eine Bestimmung des Menschen, indem sie ihre eigene Wahrheit über Religion und Ethik als absolut gültige und als das Ziel der freimaurerischen Arbeit unterstellen. Aber ihre Wahnvorstellung von einer Objektivität ihrer Konstruktionen wird in der Praxis der Tempelarbeit parodiert. Wer hierbei Bauchschmerzen bekommt, der macht sich dann seine eigene Freimaurerei, in der er beschließt, nur Männer oder Frauen eintreten zu lassen, die ihm unentwegt bestätigen, dass seine Perspektive die einzige sei, die der objektiven Wahrheit entspreche. Freimaurerei hat sich jedoch von diesen dogmatischen Sonderwegen nie vereinnahmen lassen.

Jeder ist Gestalter der Welt und für sein Tun selbst verantwortlich

Freimaurerei arbeitet nicht auf der Basis irgendwelcher Einheitlichkeiten wie der Einheit der Welt. Sie stellt vielmehr eine von unzähligen Möglichkeiten des Zustandekommens solcher Einheiten durch ihr Dasein als ein Gesamtkunstwerk vor. Vollkommen unabhängig von den Vorstellungen jedes Einzelnen zeigt der Vollzug des Rituals, dass in ihm keine außenstehenden Beobachter existieren. Wer an einer freimaurerischen Tempelarbeit teilnimmt, ist niemals ein außenstehender Beobachter. Stattdessen dienen bereits die vorbereitenden Ritualhandlungen dem Erlebnis, dass die Welt der außenstehenden Beobachter für die Dauer einer Tempelarbeit durch „Deckung“ ausgegrenzt wird. Innerhalb des gedeckten Tempels ist jeder einzelne Teilnehmer des Rituals. Keiner ist mehr unbeteiligter Beobachter.

Im Theater und in der Kirche ebenso wie im Museum ist das anders. Im Museum steht der Betrachter vor dem Bild oder der Statue; in der Kirche sind die Profanen auf der einen Seite des Geschehens untertänigst angeordnet – sie verbeugen sich vor dem Priester und empfangen von ihm die Weihe oder die Hostie, und der Priester seinerseits ist geweiht und kann niemals durch einen Profanen ersetzt oder gar durch freie Wahl abgelöst werden. Deutlicher noch sind im Theater die Beobachter von den Handelnden der Handlung getrennt. Sie entrichten ihren Eintritt, verhalten sich ruhig und geben nur dann Zeichen ihres Daseins kund, wenn es die Handelnden vorgesehen haben.

Mit dem Fehlen einer objektiven Bestimmung und dem rituellen Aufbau eines beständig neu konzipierten vorläufigen Bildes des Menschen sowie der Humanität sperrt sich Freimaurerei gegen jede Art völkischer, rassistischer oder religiöser und kirchlicher Festlegungen. Von daher nähert sich die Metapher „Toleranz“ dem Gedanken, dass man es beim Menschen mit etwas sichtlich undurchschaubar Komplexem zu tun hat.

Das überfordert natürlich das Toleranzverständnis der meisten Menschen. Denn hierbei werden „Ungewissheiten unserer Orientierung und die Risiken der Desorientierung … so stark, dass es beruhigt, wenn andere sich ähnlich orientieren“ (Werner Stegmaier, Orientierung im Nihilismus – Luhmann meets Nietzsche, Berlin/Boston 2016, S. 57). Die ähnliche Orientierung stellt aber auch das rituelle Geschehen im Freimaurer-Tempel bereit – und zwar weit ab von der Vorstellung, dass Deutsche nur gegenüber Deutschen tolerant sind; Christen nur gegenüber Christen usw. Sie erleichtert es, bei der Vielfalt der Unterbestimmtheiten den Menschen nicht aus dem Auge zu verlieren. Was für Kommunikationsstrukturen allgemein gilt, gilt für Freimaurerei im Besonderen: „An die Stelle der ‚Einheit des Menschen‘ tritt so ein hochkomplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Systemtypen“ (Stegmeier, Orientierung im Nihilismus, S. 148). Dadurch erfährt Freimaurerforschung einen besonderen Sinn. Sie erweist sich als eine Forschung, die nicht letztgültige Wahrheiten aufzuspüren bestrebt ist, sondern zur Artikulation verschiedener Perspektiven ermuntert.

Die Forschungsloge Quatuor Coronati mit Sitz in Bayreuth untersteht den Vereinigten Großlogen von Deutschland. Sie ist der bedeutendste Träger freimaurerischer Forschung in Deutschland mit insgesamt etwa 1.500 Mitgliedern. Mit ihren Publikationen und Tagungen ist Quatuor Coronati als vereinsrechtlich eingetragene Forschungsgesellschaft auch für Nichtfreimaurer geöffnet und bildet ein einzigartiges internationales Netzwerk.

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