„Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit dem Ziel, die Zivilcourage zu verbessern.“

Brücke über den Neckar in Mannheim (Foto: Lutz Peter / pixabay)

Ansprache des Großmeisters der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Br. Stephan Roth-Kleyer, zur Festarbeit beim Großlogentreffen in Mannheim

Liebe Brüder alle,

im Namen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland begrüße ich Euch herzlich und brüderlich zu unser Tempelarbeit im Lehrlingsgrad des Großlogentages 2019 in Mannheim und heiße Euch willkommen. Schön, dass Ihr Euch von nah und fern auf den Weg gemacht habt, um bei unserer Tempelarbeit anlässlich des Großlogentreffens 2019 mit dabei zu sein.

Zunächst danke ich der Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 11 für die Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung unseres Großlogentreffens 2019 in Mannheim. Somit geht der Dank insbesondere an den Ehrwürdigen Meister vom Stuhl, Bruder Alexander John, und an Bruder Hans-Michael Höhle, ebenfalls Bruder der Loge „Carl zur Eintracht“. Ich danke Euch stellvertretend für alle Brüder, die mitwirkten und mitwirken, und das auch im Namen der versammelten Bruderschaft. Die Brüder, mit denen ich bereits über den gestrigen Abend sprechen konnte, waren alle über das hohe Maß an Gastfreundlichkeit beeindruckt. Auch ich kann diesen Eindruck nur bestätigen. Danke dafür.

Wir haben auch dieses Großlogentreffen am Donnerstagnachmittag um 14.00 Uhr mit der Tempelarbeit begonnen. Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der Königlichen Kunst. Um dieses zu würdigen, meine Brüder, wurde die Tempelarbeit bewusst wiederum auf den Donnerstagnachmittag, auf den Beginn des Großlogentages gelegt. Das auch mit der Intention, dass die erbauliche Wirkung der Tempelarbeit uns den Großlogentag über begleiten möge. Das wünsche ich Euch und das wünsche ich mir.

Der Zweijahresbericht des Großmeisters ist anlässlich der Großlogentage der Bruderschaft zu erstatten. Meinen Bericht werdet Ihr, wie in der „Freimaurerischen Ordnung“ so auch vorgesehen, 2020 im Rahmen unserer vereinsrechtlichen Versammlung in Stuttgart entgegennehmen können. Unser Großlogentreffen in Mannheim dient in erster Linie der Profilschärfung unserer Großloge, dem Gespräch, der Information, dem Austausch und nicht zuletzt der Geselligkeit.

Ein erfreuliches Thema möchte ich doch ansprechen: In diesem Jahr, liebe Brüder, jährt sich die Gründung unserer Großloge, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, zum 70. Mal. Oder anders gesagt: Unsere Großloge wird am 19. Juni 2019 70 Jahre alt. Unsere Großloge ist damit die jüngste deutsche Großloge.

Unsere Großloge kann auf 70 gute Jahre zurückschauen. Das sind 70 Jahre, in denen unsere Großloge – der in der Verfassung festgelegten Zweckbestimmung folgend – ihre aktuell 281 Mitgliedslogen kooperativ in der Öffentlichkeit und gegenüber anderen Großlogen vertreten hat. Weiterhin hat sie die Arbeit der Logen auf der Grundlage der freimaurerischen Grundsätze gefördert und gesichert. Darüber hinaus gibt sie Anregungen für die Tätigkeit der Mitgliedslogen zu gemeinnützigen, kulturellen und ethischen Zwecken, aber auch zur alltäglichen Logenführung. Das war und ist das Selbstverständnis der Großloge. Das war und das ist der Auftrag an unsere Großloge und damit der Auftrag an die für die Großloge tätigen Brüder, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei. Diese Zielsetzung, meine Brüder, ergibt sich aus Art. 7 unserer Verfassung.

In unseren 281 Mitgliedslogen wird nach zehn unterschiedlichen zugelassenen Ritualen gearbeitet, etwa 80% unserer Mitgliedslogen arbeiten nach den A.F.u.A.M.v.D.-Ritualen I bis III. Diese soeben angesprochene begrüßenswerte Ritualvielfalt spiegelt sich unter anderem in Artikel 1 unserer Verfassung wider. Hier heißt es: „Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist ein Zusammenschluss von Freimaurerlogen. In ihrer Bruderschaft lebt die Überlieferung früherer deutscher Großlogen fort.“

Die Rahmenbedingungen und die Zielsetzung der Arbeit unserer Mitgliedslogen sowie der Großloge ergeben sich aus den Artikeln 2 und 3 unserer Verfassung.  Artikel 2 lautet: „In den Mitgliedslogen der Großloge arbeiten Freimaurer, die in bruderschaftlichen Formen und durch überkommene rituelle Handlungen menschliche Vervollkommnung erstreben. In Achtung vor der Würde jedes Menschen treten sie ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit und für Brüderlichkeit, Toleranz und Hilfsbereitschaft und Erziehung hierzu. Glaubens-, Gewissens- und Denkfreiheit sind den Freimaurern höchstes Gut. Freie Meinungsäußerung im Rahmen der Freimaurerischen Ordnung ist Voraussetzung freimaurerischer Arbeit.“  Artikel 3 lautet: „Die Freimaurer sind durch ihr gemeinsames Streben nach humanitärer Geisteshaltung miteinander verbunden; sie bilden keine Glaubensgemeinschaft. Sie sehen im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit. Dieses alles verehren sie unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten.“

Meine Brüder, wir können nicht die Welt retten, das ist für uns ein bis zwei Nummern zu groß. Wir können jedoch zu Besserungen beitragen, wenn wir die soeben zitierten Artikel 2 und 3 leben.

Bisweilen werde ich gefragt, ob wir denn kein Leitbild hätten. Man wäre gerne bereit, ein solches für die Großloge zu erarbeiten. Meine Brüder, unser Leitbild ist in unserer Verfassung niedergelegt. Soeben zitierte ich daraus. Unsere Freimaurerei muss nicht neu erfunden werden, es gilt jedoch, unser Profil zu schärfen und Akzente zu setzen. Damit beschäftigen wir uns unter anderem anlässlich unserer Fachtagung.

Weiterhin werde ich des Öfteren gefragt, ob sich Freimaurerei nicht kürzer, prägnanter, möglichweise in Form eines Slogans definieren ließe. Slogans bergen stets die Gefahr, Inhalte und Aussagen zu „verkürzen“ und sie damit ggf. ungewollt zu verändern. In Kenntnis der vorgenannten Gefahren will ich dennoch versuchen, eine – ich betone: eine – wesentliche Facette der Freimaurerei, wie ich sie verstehe, in Form eines kurzen Slogans wiederzugeben: „Freimaurerei ist eine humanistische Vereinigung mit der Zielsetzung der Verbesserung der Zivilcourage“. Elementare humanistische Tugenden wie Humanität, Solidarität, Toleranz, Vertrauen, Kooperationsbereitschaft, Mut zum Widerspruch, bis hin zum Zuhören können sind unsere Tugenden, das wiederum als Erweiterung dazu. Mehr dazu werdet Ihr morgen anlässlich unserer Fachtagung hören und erfahren können.

2019 begeht unsere Großloge, die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, ihren 70. Geburtstag. Dazu gratuliere ich herzlich und brüderlich und danke all denen, die in den vergangenen 70 Jahren unsere Großloge zu dem entwickelten, was sie heute ist – das mit großer Kompetenz, dem nötigen zähen Willen und hinreichend Energie.

Last but not least: Jetzt bin ich bei einem mir ganz wichtigen Punkt: Es gilt „Danke“ zu sagen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement. Ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen. Liebe Brüder, die Ihr heute und hier Eure Logen repräsentiert und vertretet: Eure Arbeit und Eure Tatkraft stellt eine der tragenden Säulen unserer elf Distrikte wie auch unserer Großloge dar.

Den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge danke ich für ihre fundierten Arbeitsergebnisse. Ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis. Ich danke unseren sehr aktiven Altgroßmeistern für ihre stete Unterstützung. Und ich danke nicht zuletzt unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft und für ihre zuverlässige Mitwirkung und Unterstützung bei meinen Aktivitäten.

Heute gilt mein besonderer Dank unseren beiden musizierenden Brüdern. So danke ich Dir lieber Bruder Peter Schüler, Bariton, und Dir lieber Bruder *, Flügel, für die hervorragenden musikalischen Beiträge zu dieser TA. Danke, dass Ihr diese Festarbeit so herrlich bereichert und mitgestaltet.

Heißt es doch in der Werklehre vor der Schließung: „Bist Du für Deine Arbeit bezahlt worden?“ So lautet die Antwort: „Ich bin zufrieden.“ Ich hoffe, dies trifft für alle zu, die sich in ihren Logen, Gremien und Ausschüssen eingebracht und engagiert haben. Danke an Euch alle für all Euer Tun.

* Name aus Deckungsgründen nicht genannt

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Was war, was ist, was bleibt – das Zeitlose in der Freimaurerei

(Foto: moritz320 / pixabay)

Festzeichnung des Großredners der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Br. Wolfgang Kreis, zum Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“, lautet das Motto unseres diesjährigen Großlogentreffens. „Es muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist“, schrieb Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896–1957), ein italienischer Schriftsteller in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, schrieb Friedrich Schiller (1759–1805) Ende des 18. Jahrhunderts.

Das sind Sprüche, die wir alle mehr oder weniger kennen. Bei genauerer Betrachtung sehen wir schnell, dass diese Aussagen nicht wörtlich genommen werden können. Denn auf den ersten Blick hören sie sich gut an, auf den zweiten ergeben sie aber keinen Sinn. Sie sind also nur im übertragenen Sinn zu gebrauchen.
Vieles, was mit der Zeit ging, ist schnell wieder verschwunden.
Vieles, was nicht mit der Zeit ging, ist geblieben.

Was hat sich in der Freimaurerei mit der Zeit alles verändert, was ging mit der Zeit, was wurde bewusst aufgegeben, was ging schleichend verloren?

Symbole helfen, uns zu erden und zu norden

Es geht mir hier darum, beispielhaft aufzuzeigen, was sich in der Freimaurerei als dauerhaft erwiesen hat — den Kern sozusagen —, das, was Freimaurerei ausmacht, das Herz der Freimaurerei — und um das Außen, die Hülle sozusagen — das, was sich verändert, neu hinzukommt, wieder verschwindet — das Flüchtige, das, was aber gebraucht wird, damit Freimaurerei auf Dauer weiterbestehen kann.

Der Umgang miteinander, die maurerische Gesprächskultur, die Art, wie wir einen Diskurs führen, wird oft von Außenstehenden bewundert, aber diese Art einfach nachmachen oder kopieren, funktioniert nicht. Es muss also mehr dahinter stecken, als nur eine Technik oder eine Methode, die wir gut anwenden können. Meines Erachtens spielt das Ritual hier eine große Rolle, da es uns hilft, unsere Werte einzuüben und uns auch selbst zu reflektieren. Ob im Ablauf des Rituals oder als längerfristige Folge der Wiederholung dieser besonderen Umstände auch und im Besonderen außerhalb der Loge, ist hier eine dauerhafte Veränderung in den Ausführenden und Teilnehmenden möglich.

Das Ritual ist auch ein Leuchtturm oder eine Landmarke in einer aufbrausenden See, in einer sich beschleunigenden Gegenwart, in der wir auch einmal den Überblick verlieren können oder in der wir in einen Sog gezogen werden können, in den wir gar nicht hinein wollten. In unseren unruhigen Zeiten helfen uns die Symbole und symbolischen Handlungen, uns wieder zu erden oder zu norden. Sie helfen uns zu sehen, wo wir mit unseren nicht nur moralischen Ansprüchen im Alltag und im Berufsleben stehen. Manchmal ändern wir dann auch die Richtung, ändern unseren Sinn.

Ohne Bewährung in der Welt ist Freimaurerei nur Zeitvertreib

Interessant wäre einmal eine Untersuchung, ob nicht jede Generation glaubt, dass sie in unruhigen Zeiten lebt, und dass das zum Menschsein oder zum Leben einfach dazugehört.

In der humanitären Freimaurerei geht es darum, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, an sich zu arbeiten, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen. Früher hieß das Selbstvervollkommnung, ein Begriff, den wir heute noch im Ritual verwenden. Zeitgenössischer wäre der Begriff Persönlichkeitsentwicklung, vielleicht auch Unterstützung bei der freien Entfaltung der Persönlichkeit, wie es das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland vorsieht, das übrigens vergangene Woche seinen 70. Geburtstag feierte.

Parallel zu dieser Arbeit an sich selbst sollte aber der nächste Schritt nicht vergessen werden — die Mitarbeit in der Gemeinschaft, auch und insbesondere außerhalb der Bruderschaft. Der Auftrag, uns in der Welt draußen zu bewähren, ist ein dauerhafter Auftrag, den jeder Bruder im Rahmen seiner Möglichkeiten zu erfüllen hat. Ohne diesen Auftrag und seine Erfüllung wäre Freimaurerei nur Zeitvertreib und das Ritual ein Kinderspiel.

Im Ritual ist das Symbol des Tempelbaus etwas Dauerhaftes, wir finden es schon früh darin. Insbesondere bauen wir den Tempel der Humanität. Die Ausgestaltung dieses Tempelbaus war vor 300 Jahren eine andere als heute oder in der Zeit vor und nach den Weltkriegen. Dies können wir deutlich erkennen, wenn wir uns die Zeichnungen unserer Brüder dieser Zeiten ansehen. Bitte seid aber nicht zu kritisch bei der Beurteilung, versucht euch eher in die Zeit zu versetzen, soweit das überhaupt möglich ist, und versucht zu erkennen, was die Brüder damals sagen wollten. Das ist lehrreicher für uns heute, als es heute besser zu wissen.

Symbole sind zeitlos, aber nicht dauerhaft

Was wären nun Beispiele für das Flüchtige, das, was mit der Zeit verschwand oder das, was neu hinzukam?
Der berittene Bote wird heute nur noch selten genutzt und wenn, dann hat er sein Pferd gegen eine viele Pferde starke Karosse ausgetauscht. Das meiste geht heute aber elektronisch. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als zu Sitzungen mit Postkarten eingeladen wurde, eine mühsame Arbeit für den Sekretär. Hier sind wir mit der Zeit gegangen. Auch nutzen wir das Internet und die modernen Medien intensiv, damit zeigen wir auch die modernen Möglichkeiten der Freimaurerei, ohne unseren Kern zu verlieren.

Es gibt auch Symbole, die aus den Ritualen verschwanden. In früheren Zeiten scheint der Bienenstock eine symbolische Bedeutung gehabt zu haben, denn wir können ihn auf vielen alten Bildern und Stichen sehen. Mir ist er als rituelles Symbol nicht bekannt.

In einem lehrreichen Beitrag für unsere Forschungsloge Quatuor Coronati beschreibt unser kürzlich verstorbener Bruder Alfried Lehner die Entwicklung und Entstehung unseres aktuellen Rituals. In dem Beitrag erklärt er auch, warum Symbole, wie z. B. der Spiegel und die Geldstücke, heute hierin nicht mehr zu finden sind.

Symbole sind zeitlos, was sie aber nicht davor schützt, nicht dauerhaft zu sein. Hier hat eine geänderte Intention, was das Ritual betraf, dazu geführt, dass die eben erwähnten Symbole keinen Platz mehr hatten.

Wenn Symbole auch zeitlos sind, so kann sich die Interpretation der Symbole mit der Zeit verändern. Jeder Bruder sollte sich eine eigene Interpretation der Symbole erarbeiten. Hier spielt dann auch der Zeitgeist eine wichtige Rolle.

Wir müssen wissen, was wir eigentlich wollen

Wir haben aber keine vollkommene Wahlfreiheit bei der Interpretation der Symbole. Der Hammer bleibt ein Hammer, er lässt sich nicht in einen Zirkel uminterpretieren. Das wäre eine falschverstandene Interpretation. Der Winkel als Symbol der winkelrechten Lebensführung lässt uns aber die Freiheit zu interpretieren, was eine winkelrechte Lebensführung ist — und hier gibt es wohl sehr unterschiedliche Sichtweisen und Überzeugungen. Ein brüderlicher Austausch zwischen den verschiedenen Generationen in der Loge zu diesem Thema z. B. wäre sehr erleuchtend.

„Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“, um diese Frage beantworten zu können, müssen wir auch wissen, was wir wollen.

Br. Viktor Frankl (1905–1997), Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, beschäftigte sich viel mit Sinnfragen. Er meinte dazu: „Im Gegensatz zum Tier sagt dem Menschen kein Instinkt, was er muß, und im Gegensatz zum Menschen in früheren Zeiten sagt ihm keine Tradition mehr, was er soll, und nun scheint er nicht mehr recht zu wissen, was er eigentlich will.“

Wolfgang Kreis

Wolfgang Kreis

Wolfgang Kreis ist seit 2014 Großredner der Großloge A.F.u.A.M.v.D. und Co-Moderator des Collegium Masonicum in Saarbrücken. Er wurde 2008 in den Bruderbund aufgenommen und ist Altstuhlmeister der Loge „Bruderkette zur Stärke und Schönheit“ in Saarbrücken.

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Großlogentreffen 2019 in Mannheim

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Etwa 300 Teilnehmer hatten sich für das Großlogentreffen angemeldet. Eine stattliche Beteiligung für eine Großlogenveranstaltung, bei der es keine vereinsrechtlichen Themen und keine Vorstandswahlen gab, wie sonst auf den alternierend stattfindenden Großlogentagen.

Von Br. Bastian Salier

Mannheim. Die Stadt Mannheim birgt so manches Geheimnis und so manche Eigentümlichkeit. Nicht zuletzt sind es die in Quadrate eingeteilten Straßennamen der Innenstadt, die den Besucher verwirren, obwohl alles seine logische Ordnung hat. Das Logenhaus der Loge „Carl zu Eintracht“, Gastgeber des diesjährigen Großlogentreffens vom 29. bis 31. Mai, hat zum Beispiel die Adresse L 9,9. Dort begann das Großlogentreffen am Mittwochabend mit dem traditionellen „Get together“ der bereits angereisten Brüder und Schwestern. Denn immerhin hatten viele schon einen arbeitsreichen Tag hinter sich, tagten doch zahlreiche Gremien, wie etwa der Verwaltungsrat des Deutschen Freimaurermuseums, das Ritualkollegium, die Distriktmeister, der Großlogenvorstand sowie das Obere Ehrengericht.

Festarbeit im Lehrlingsgrad

Während am nächsten Morgen der Großlogenrat tagte – bestehend aus dem Vorstand und den Distriktmeistern der Großloge –, begann gleichzeitig das Damen- und Gästeprogramm mit der Besichtigung des freimaurerisch geprägten Schlosses und Gartenparks Schwetzingen. Am Nachmittag konnten die Gäste die „Neue Kunsthalle“ in Mannheim besuchen.
Die Brüder trafen sich zu ihrer Festarbeit im Lehrlingsgrad, dem eigentlichen feierlichen Beginn des Großlogentreffens, im großen Saal des Tagungshotels Dorint. Dazu bemerkte der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer in seiner Ansprache, die in diesem Heft im vollen Wortlaut abgedruckt ist: „Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der Königlichen Kunst. Um dieses zu würdigen, meine Brüder, wurde die Tempelarbeit bewusst wiederum auf den Donnerstagnachmittag, auf den Beginn des Großlogentages gelegt. Das auch mit der Intention, dass die erbauliche Wirkung der Tempelarbeit uns den Großlogentag über begleiten möge.

300 Brüder folgen während der würdig ausgestalteten Tempelarbeit diesen Ausführungen, unter ihnen auch der Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, Br. Christoph Bosbach, sowie der Großmeister der Großloge von Luxemburg, Br. Jean Schiltz, und weitere Ehrengäste aus dem In- und Ausland.

Mehrere Brüder wurden vom Großmeister für ihr Wirken um die Freimaurerei ausgezeichnet. Das „Ehrenzeichen der Großloge“ als Würdigung ihrer besonderen Verdienste um die Großloge erhielten Br. Hans-Michael Höhle, Br. Peter Lohr und Br. Norbert Schmidt, Distriktmeister in Berlin. Br. Peter Lauber erhielten das „Goldene Ehrenzeichen“ in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die deutsche Freimaurerei.

Festlicher Abend im Mannheimer „Technoseum“

Das Mannheimer „Technoseum“ ist ein beeindruckender Ort, an den zum festlichen Abend geladen wurde. Wegen der großen Beteiligung mussten noch weitere Räume mit Bestuhlung zur Verfügung gestellt werden, was zwar für die Ansprachen etwas hinderlich war, aber der guten Stimmung und brüderlichen Atmosphäre des Abends keinen Abbruch tat.

Als Ehrengäste begrüßte der Großmeister, Br. Stephan Roth-Kleyer, unter anderen die Vertreter der „Orientalischen Musikakademie Mannheim e. V.“, kurz genannt „OMM“, Johannes Kiefer, Mehmet Ungan und Ali Ungan sowie die Künstler der „OMM“, die mit ihrer Percussion-Performance für einen interessanten Einstieg ins Programm sorgten. In Absprache mit der Mannheimer Loge erhielt der Verein, der sich in hohem Maße um die Kinder- und Jugendarbeit verdient macht, die diesjährige Großlogenspende in Höhe von 10.000,- Euro. Ein Betrag, mit dem sich sicherlich einiges bewirken lässt, wie der Großmeister anmerkte, um Multikulturalität und kulturelle Vielfalt zu unterstützen: „Jedes Gemeinwesen ist neben der staatlichen und kommunalen Fürsorge auch auf mitmenschliche Hilfe angewiesen“, so der Großmeister. „Seit Gründung der ersten Großloge (1717) haben sich die Logen und Großlogen in Einzelaktionen und institutionalisiert um Mitmenschen gekümmert, die Hilfe brauchten und brauchen. Wir haben dabei nicht gefragt, ob der Adressat Freimaurer ist oder nicht. Mildtätigkeit ist für Freimaurer eine selbstverständliche Pflicht.“

Außerdem wurde die Gabensammlung aus der Festarbeit im Lehrlingsgrad von der Großloge auf den Betrag von 5.000,- Euro aufgestockt und auf Wunsch der Mannheimer Loge für den karitativ tätigen Verein „Mannheimer Frauenhaus e. V.“ verwendet. Die Spende wird von der Loge „Carl zur Eintracht“ zu geeigneter Zeit im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit übergeben werden.
Neben diesen großzügigen Gesten durfte jedoch nicht vergessen werden, dass die Großloge in diesem Jahr einen runden, ihren 70. Geburtstag feiert. Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer sagte am Ende seiner Ausführungen: „Schön wäre es, wenn Sie mit mir das Glas auf das Wohl unserer Großloge, der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland erheben würden. Sie soll wachsen, blühen und gedeihen. Möge sie allzeit gastfreundlich und offen für die Pflege der Freundschaft und der Brüderlichkeit sein. Möge bei der Suche nach Lebensqualität und Sinn die Lebensfreude nicht zu kurz kommen und möge die Großloge mit ihren nunmehr 281 Tochterlogen ein Hort des Friedens sein und bleiben. Möge sie stets eine Heimstatt sein, in der dieser Geist gedeihe. Zum Wohle.“

Fachveranstaltung mit Vorträgen

Am Freitag, dem 31. Mai, standen schließlich mit der von Br. Thomas Forwe organisierten Fachtagung vier inhaltsschwere Vorträge auf dem Programm. Doch zunächst begrüßte die Mannheimer Bürgermeisterin für Bildung, Kinder, Jugend und Gesundheit die Teilnehmer des Großlogentages. Sie machte in ihrer Ansprache auf den hohen Stellenwert der Freimaurerei für die Stadtgesellschaft aufmerksam und betonte die historische Kontinuität der Freimaurerei in der Stadt Mannheim.
Br. Stephan Roth-Kleyer, Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, sagte in seiner Ansprache an das Auditorium:

„Unsere Großloge kann auf 70 gute Jahre zurückschauen. 70 Jahre, in denen sie – der in der Verfassung festgelegten Zweckbestimmung folgend – ihre aktuell 281 Mitgliedslogen korporativ in der Öffentlichkeit und gegenüber anderen Großlogen vertreten sowie die Arbeit der Logen auf Grundlage der freimaurerischen Grundsätze gefördert und gesichert hat. Darüber hinaus gibt sie Anregungen für die Tätigkeit der Mitgliedslogen zu gemeinnützigen, kulturellen und ethischen Zwecken, aber auch zur alltäglichen Logenführung. Die Großloge unterstützt die Logen im Bedarfsfall durch Vergabe zweckbestimmter Mittel. Das war und ist das Selbstverständnis der Großloge, das war und das ist der Auftrag an unsere Großloge und damit das Leitbild der für die Großloge tätigen Brüder sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei.
Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland ist mit Abstand die mitgliederstärkste der deutschen Großlogen. Die Anzahl der beitragspflichtigen Mitglieder unserer Großloge betrug zum Stichtag 1. Januar 2019 ca. 9.850 in unseren aktuell 281 Mitgliedslogen. Das Durchschnittsalter der Brüder liegt zurzeit bei 59 Jahren.

Liebe Brüder, unser Großlogentreffen 2019 in Mannheim wollen wir aus gutem Grund dem Thema ‚Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?‘ widmen. Dabei wollen wir uns nicht alleine, wie 2015 anlässlich des Großlogentreffens in Osnabrück, auf die Digitalisierung beschränken. Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896–1957) formulierte wie folgt: ‚Wenn wir wollen, das alles bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert‘.

Heute wollen wir den Fokus auf die sozialen und damit gesellschaftlichen Veränderungen sowie auf die Rolle des Einzelnen, die Funktion und Wirkung der Königlichen Kunst, des Humanismus und der Humanität in der Gesellschaft legen. Es freut mich besonders, dass wir für diese Themen hervorragende Referenten gewinnen konnten und dass wir uns einen ganzen Tag lang diesem spannenden Thema und damit der Zukunft widmen können.

Wie sagte Goethe so schön: ‚Wir haben genug Zeit, wenn wir sie nur richtig verwenden.‘“

Die Referenten des Tages orientierten sich entsprechend an dem Motto des Großlogentages „Die Welt verändert sich dramatisch – und wir?“ Alle vier Vorträge erscheinen in der kommenden Ausgabe der “Humanität” und in den nächsten Wochen im Wortlaut auf der Internetseite der Großloge. Im Anschluss entspann sich eine wichtige Diskussion, an der die Referenten und Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer dem Auditorium Rede und Antwort standen. Die Fragen und Antworten werden in der kommenden Ausgabe der „Humanität“ (Nr. 5/2019 – erscheint im September) auszugsweise veröffentlicht. Moderiert wurde die Fachtagung und die anschließende Podiums- und Plenumsdiskussion vom Zugeordneten Großmeister Br. Stefan Kunnert.

Gäste und Partner, die der Fachtagung nicht beiwohnen wollten, konnten bei einer Fahrt ins nahe gelegene Heidelberg das dortige Schloss und die Altstadt besichtigen.

Großlogentreffen im Mai 2021 in Lübeck

Das nächste Großlogentreffen im Mai 2021 wird in Lübeck stattfinden. Das Programm ist bereits in Planung. Im kommenden Jahr 2020 wird der Großlogentag in Stuttgart durchgeführt werden – dann auch wieder mit vereinsrechtlichen Abstimmungen und Beschlüssen.

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Vortragsveranstaltung „Humanitäre Freimaurerei in Berlin“

Kenan Yilmaz (mittig, MvSt. der Loge Victoria) mit Ulrich Schürmann (evangelischer Vorsitzender der GCJZ) und Jael Botsch-Fitterling (jüdische Vorsitzende der GCJZ)

Fast 100 Gäste erschienen am 23. Mai im Logenhaus der Peter-Lenné-Str. anlässlich der gemeinsamen Veranstaltung der Loge Victoria in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. (GCJZ).

Berlin. (ab) Der Abend wurde dem Schicksal der jüdischen Brüder der Johannisloge Victoria während des nationalsozialistischen Terrors gewidmet. Dies erfolgte im Rahmen der Themenreihe „Freimaurerei und Religion“ im Maurerjahr 2018/2019 und anlässlich der Veröffentlichung der neuen Ausgabe des Gedenkbuches über das Schicksal der Brüder der Loge Victoria im Nationalsozialismus. Begleitet wurde der Abend durch die Klezmer-Band “Klezbanda” aus Berlin unter der Leitung des bekannten Klezmer-Musikers Jossif Gofenberg.

Nach Grußworten des Meister vom Stuhl der Loge “Victoria” Kenan Yilmaz und dem evangelischen Vorsitzenden der GCJZ, Herrn Ulrich Schürmann, leitete Br. Carl C. mit seinem Vortrag zur humanitären Freimaurerei und dem Erbe der Loge Victoria ins Thema ein.

„Nach der Nazi-Barbarei und der menschengemachten Menschheitskatastrophe der Schoah, bekam unser Land eine zweite Chance; die Chance, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen“, erinnerte Br. Carl C. anlässlich des Jahrestages des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland, das auf den Tag genau vor 70 Jahren in Bonn verkündet wurde. Vor diesem Hintergrund schilderte er die Geschichte der Loge “Victoria” im Ringen um die Öffnung der preußischen Freimaurerei für Nichtchristen und gegen das Wüten von Vorurteilen. Zwar sei der Zweck der humanitären Freimaurerei die Verstandes- und Herzensbildung im Zusammenhang einer sittlichen Selbsterziehung. Aber dieser Zweck sei auch nicht völlig unpolitisch – zumal in Zeiten, in denen Grundwerte des Humanismus und der Aufklärung erodieren. „In solchen Zeiten muss sich eine symbolische Bauhütte am Menschheitstempel ihres Anspruches und ihrer Verpflichtung erinnern. Allzumal an einem Tag, an dem eine Errungenschaft gefeiert wird, die wieder in Gefahr ist“, wie er in seinem Vortrag betonte.

Bis 1892 war das christliche Bekenntnis die Voraussetzung für die Aufnahme in eine preußische Freimaurerloge. Erst mit der Gründung der Loge Victoria erhielten Juden in Berlin die Möglichkeit Mitglied einer Freimaurerloge zu werden: Die 1892 durch Br. Hermann Settegast und 28 weiteren Brüdern gegründete Victoria war die erste „humanitäre“ Freimaurerloge in Preußen, die als solche freie Männer von gutem Ruf ohne Ansehen der Konfession und Abstammung aufnahm.

„Nach vier Jahrzehnten des Wachstums, der Blüte und der Konsolidierung löste sich die Loge Victoria aber unter dem Druck des nationalsozialistischen Terrors im Mai 1933 auf und für viele ihrer vornehmlich jüdischen Brüder begann eine schreckliche Leidenszeit“, wie Br. Ingo D. in seinem Vortrag über das Schicksal der Brüder der Johannisloge Victoria Nr. 492 im Orient Berlin im Nationalsozialismus berichtete. Für 193 Brüder der »Victoria« begann die Schoah – die „Heimsuchung“ oder „große Katastrophe“, die über die deutsche und europäische Judenheit hereinbrach.

In seinem 45-minütigem Vortrag stellte Br. Ingo D. die neuesten Ergebnisse seiner aufwendigen Recherchen zum Schicksal der Brüder vor, die in der aktuellen Ausgabe seines Gedenkbuches veröffentlicht worden sind. Über fünf Jahre sind seit der letzten Ausgabe im Jahr 2013 vergangen. In dieser Zeit konnte die Loge Victoria dank seiner aufwendigen Recherche in Archiven, aber auch dank moderner genealogischer Datenbanken wie Ancestry weitere Schicksale der jüdischen Brüder der Loge Victoria klären. Bei ihren Nachforschungen wurde die Victoria von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V., deren Geschäftsführer Herrn Grimm und dem Vorstand Herrn Ulrich Schürmann moralisch unterstützt und ermutigt.

„Mögen die tragischen Schicksale unserer Brüder und ihrer Familienangehörigen uns Mahnung für unsere Zukunft sein und uns in unserer Haltung, Toleranz zu üben und zu fördern, bestärken“, mahnte Br. Ingo D. im Schlusswort.

Heute beträgt die Mitgliederzahl der Loge Victoria wieder fast 60 Mitglieder; dabei ist ihre konfessionelle Zusammensetzung heterogener als je zu vor. Ein Beispiel dafür ist der amtierende Meister vom Stuhl Kenan Yilmaz: Er ist Deutscher mit türkischen Wurzeln, aufgewachsen und beruflich nach wie vor aktiv in Berliner „Problembezirken“. “Aufgenommen wurde ich in die Loge Victoria mit weit geöffneten Armen, wofür ich bis heute sehr dankbar bin”, wie er in seinem Grußwort betonte.

Die neue Ausgabe des Gedenkbuches zum Schicksal der Brüder im Nationalsozialismus kann auf der Homepage der Loge heruntergeladen werden.

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Symposium deutschsprachiger Hauptstadtlogen in Berlin

Brandenburger Tor Foto: sbroisov / Adobe Stock

Die Berliner Loge „Avantgarde“ lädt die deutschsprachigen Hauptstadtlogen aus ganz Europa zu einem Symposium vom 21. bis 24. Juni nach Berlin ein.

Berlin (cs).(Das im freimaurerischen Kontext ungewöhnliche Thema des Treffens lautet: „Freimaurerei im rituellen, sozialen und hauptstädtischen Raum“. Kooperationspartner der Tagung sind die “Akademie forum masonicum e.V.” sowie “PEGASUS Freimaurerischer Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation e. V.”

In verschiedenen Arbeitsgruppen sollen sich die Teilnehmer mit der Raumtheorie auseinandersetzen. Unter anderem wollen die Hauptstadtlogen untersuchen, wie durch Stadtplanung die sozialen Räume entstehen und genutzt werden können, in denen sie selbst arbeiten. Zum anderen steht die Fragestellung, wie freimaurerischer Raum strukturiert wird und was diesen in seinen unterschiedlichen Ausformungen ausmacht. Außerdem soll in den Blick genommen werden, unter welchen besonderen Bedingungen Freimaurerlogen in Hauptstädten arbeiten.

Am Freitag, dem 21. Juni, beginnt um 17 Uhr das Programm im „Kabbalah Centre Berlin“ auf dem Gelände des ehemaligen Postfuhramtes Berlin-Schöneberg mit einem Einführungsvortrag durch David Wende. Um 19.30 Uhr wird das Konzert „Lebenslust & Lessinglieder“ aufgeführt, das von den Künstlern Marek Kalbus, Eugene Mursky, Gabrielle Heidelberger und Thomas Bierling gestaltet wird. Moderiert wird die Veranstaltung von Altgroßmeister Br. Jens Oberheide.

Am folgenden Tag finden die Vorträge, Arbeitsgruppen und Diskussionen ab 9 Uhr im Spreespeicher in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg statt. Der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Stephan Günzel wird eine Einführung in die Raumtheorie geben, auf die sich die folgenden Debatten und Beiträge stützen werden. Am Abend ist ein Theaterbesuch mit musikalischer Comedy im Tipi-Zelt am Kanzleramt vorgesehen.

Am Sonntag sind die teilnehmenden Brüder Freimaurer zu einer Tempelarbeit im Lehrlingsgrad eingeladen. Der Distrikt Berlin-Brandenburg feiert ab 11 Uhr im Logenhaus Emser Straße in Berlin-Wilmersdorf das Johannisfest. Im Anschluss beginnt gegen 13.30 Uhr eine feierliche Tafelloge. Und schließlich findet am Montag, dem 24. Juni, ebenfalls im Logenhaus in der Emser Straße, ab 19 Uhr das Stiftungs- und Johannisfest der Loge „Avantgarde“ mit Einsetzung des neu gewählten Beamtenrates statt.

Der zugeordnete Großmeister und der Großsekretär der Großloge von Österreich der A.F. u. A.M. sowie der Großzeremonienmeister der Großloge F. und A.M. von Finnland haben sich bereits angemeldet. Darüber hinaus haben Delegationen aus den Städten Wien (mehrere Logen), Bern, Bukarest, Timisoara, Helsinki und Istanbul ihre Teilnahme angekündigt.

Interessenten können sich bis zum 14. Juni für das Symposium oder Teile davon anmelden. Weitere Informationen, das ausführliche Programmheft und Anmeldungen sind erhältlich per E-Mail unter event@avantgarde-loge.de oder unter der Telefonnummer des Stuhlmeisters der „Avantgarde“, Br. Celil Şenman: + 49 172 9879466.

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Über hundert Brüder bei Belgrader Lessingtagen

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Über 100 Brüder aus fünfzehn Bauhütten und aus fünf verschiedenen europäischen Ländern folgten der Einladung des Meisters vom Stuhl der deutschsprachigen Belgrader Loge „Gotthold Ephraim Lessing zum golden Globus“ zu den „Belgrader Lessingtagen 2019“.

Belgrad (fr). Die perfekte Organisation machte die „Belgrader Lessingtage 2019“ vom 16. bis 19. Mai 2019 zu einem unvergeßlichen Ereignis gelebter Weltbruderkette. Zu einem Zeitpunkt, in dem angesichts der bevorstehenden Europawahl vielerorts über den Sinn von Europa diskutiert und an seiner Organisation bisweilen gezweifelt wird.

Im Mittelpunkt der viertägigen Feierlichkeiten stand eine festliche Ritualarbeit I in deutscher Sprache nach Ritual der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Anwesend waren im vollbesetzten Tempel der regulären Großloge Serbiens deren Großmeister, Br. Lukas Rasulic mit einigen seiner Großbeamten, VGL-Altgroßmeister Br. Rüdiger Templin, Distriktmeister und  eine Vielzahl an (Alt-) Stuhlmeistern. Bruder Ranko Pavlovic, Meister vom Stuhl der Loge “Kurpfalz” in Mannheim, regte in seiner Zeichnung die Einrichtung eines nachhaltigen gemeinsamen Netzwerkes an und stellte die Entwicklung einer neuen elektronischen Form der gemeinsamen grenzüberschreitenden Diskussion in Aussicht.  

Die stattliche Sammlung wurde der serbischen Stiftung „Dobar Glas“ gewidmet. Diese fördert die Ausbildung und Entwicklung junger und talentierter serbischer Künstler.

Darüber hinaus fand ein „Schwesternfest“ als weißes Ritual in den historischen Räumlichkeiten des UNESCO-Welterbes „Viminacium“, statt. Jede Dame erhielt eine rote Rose aus der Hand des Meisters vom Stuhl. Viminacium, auch als „Pompeji Serbiens“ bezeichnet, ist heute eine imposante archäologische Ausgrabungsstätte einer ehemaligen römischen Großstadt mit dem Mausoleum des römischen Kaisers Hostillian und einem Mammut-Park.

Weder die Geselligkeit, noch die Möglichkeit zum Kennenlernen, zum Gedankenaustausch oder zum Kontakte knüpfen kam zu kurz an diesen Tagen. Am Begrüßungsabend wurde ein traditionelles Balkanmenü serviert. Danach wurde zu serbischen Melodien getanzt. In den prachtvollen Räumlichkeiten  des Belgrader „Aeroklub“ fand das Festabendessen statt, musikalisch begleitet von Bruder Milan Ignjatovic mit seinem „Duo Moderato“. Das Königliche Schloß „Weisser Hof“ in Belgrad wurde in Begleitung von Mitgliedern des Kronrates besichtigt und beim serbischen Kronprinzenpaar fand eine Audienz statt.

Folgende drei Lessing-Logen waren an den „Belgrader Lessingtagen 2019“ vertreten: “Lessing” aus Frankfurt, “Lessing zum Flammenden Stern” aus München und “Lessing zum Sonnenaufgang” aus Sofia, Bulgarien. Darüber hinaus die Logen “Akazia”,  Winterthur (Schweiz); “Alexander zu den drei Sternen”, Ansbach (Deutschland); “Augusta”, Augsburg (Deutschland); “Concordia”, St. Gallen (Schweiz); “Constantia zur Zuversicht”, Konstanz (Deutschland); Frati Buzesti, Craiova (Rumänien); “Generalul Maikern”, Valcea (Rumänien); “Humanitas zum Libertate”, St. Gallen (Schweiz); “Kurpfalz”, Mannheim (Deutschland); “Zukunft an den Quellen”, Villingen-Schwenningen (Deutschland); “Zur Beständigkeit und Eintracht”, Aachen (Deutschland) und “Zora”, Sofia (Bulgarien).

Die deutschsprachige Loge „Gotthold Ephraim Lessing zum golden Globus“ wurde am 7. Juni 2009 von Gründungs- und Ehren-Altstuhlmeister Miodrag Djordjevic gegründet und besteht derzeit aus 26 Brüdern. Sie ist eine Meisterloge und arbeitet in den 3 Graden nach dem AFuAM-Ritual in deutscher Sprache. Am 6. Juni 2015 hat sie eine Jumelage mit der Mannheimer Loge “Kurpfalz” und der Istanbuler deutschsprachigen Loge „Libertas“ geschlossen.

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Hamburger Freimaurer beteiligen sich an der 20. Europawoche

Foto: sunt / Adobe Stock

Schon zum 20. Mal beteiligt sich der Distrikt Hamburg an der Europawoche der Stadt Hamburg. Der Referent Oberst Prof. Dr. Rogg sprach zum Thema "Die Lichter am Himmel hängen alle schief — 1919 und die Neuordnung der Welt". Er sollte einen Blick auf 100 Jahre Europa geben.

Von Br. Andreas Bolte

Interessant, ja. Aber was haben wir Freimaurer mit der Europawoche zu tun, mag sich mancher fragen. Die Antwort gibt unser Großmeister Br. Stephan Roth-Kleyer in seiner Begrüßungsansprache.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Solidarität, Humanität und Toleranz, das sind die Ziele Europas und das sind auch unsere Ideale, die Ideale der Freimaurer. Alle demokratischen Parteien in Deutschland fördern ein gemeinsames Europa. Das auch, weil es Frieden stiftet und zukunftsfähige Lösungen für nationale wie globale Herausforderungen schafft. Auch wir Freimaurer glauben und arbeiten für ein Europa der Freiheit, der Gleichheit, der Brüderlichkeit, der Humanität, der Solidarität und der Toleranz. Dafür lohnt es sich aktiv einzutreten und das wollen wir auch weiterhin verstärkt tun.

Br. (Prof. Dr.) Stephan Roth-KLeyer, Großmeister

Dies sei heute wichtiger und aktueller denn je und sei ein Ziel für die Zukunft. Inhaltlich deutet unser Distriktmeister Br. Thomas Stuwe in seiner Einführung an, was den Zuhörer erwarten würde: gewaltige Umbrüche in Technik, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Die Relevanz für unsere Zeit würde noch mehr als deutlich werden.

Und unser Referent beginnt gleich, konkret zu werden. Der erste Radiosender, die erste Pandemie in Gestalt der Spanischen Grippe mit geschätzten 100 Millionen Toten — mehr als in beiden Weltkriegen zusammen —, die schrecklichen Kriegserfahrungen, in denen mehr als 50 Milliarden Geschosse produziert wurden. Das sind Ereignisse, die das Bewusstsein der Epoche prägen.

Dazu der erste Tabubruch der Geschichte: Der Einsatz von Giftgas. Heute ist das schon lange geächtet. Heute würden wir sagen, das erste Unwort des Jahres, “Menschenmaterial”. Diese “Entgrenzung der Gewalt” verunsicherte die Menschen tief. Dazu geriet der politische Liberalismus in die Krise und althergebrachte Rollenbilder von Mann und Frau wurden infrage gestellt. Kurzum: “Dieser Verlust der alten Kontrollsysteme führte zu Orientierungslosigkeit und Entheimatung”, so unser Referent. Ein Gefühl, das auch heute Teile der Gesellschaft kennen. Wir denken an die Anhänger von Pegida, AfD und weiteren Gruppierungen, die sich das vermeintliche Idyll der 50er Jahre zurückwünschen, das es aber so nie gegeben hat.

Für weitere Unzufriedenheit sorgte der Versailler Vertrag, der eher einem Diktat gleiche, wodurch Deutschand 13 Prozent seines Staatsgebiets verlor, die Alleinschuld am Krieg wurde Deutschland zugewiesen, die Auslieferung der Handelsflotte an die Siegermächte und Reparationszahlungen in Höhe von 269 Milliarden, was heute dem zehnfachen Betrag entspräche.

Auch geografisch änderten sich altbekannte Strukturen. Das Osmanische Reich zerfiel, die baltischen Staaten entstanden, die Arroganz der Weltmächte, die mit dem Lineal neue Ländergrenzen in Arabien zogen, zeitigt Folgen, unter denen die Weltgemeinschaft bis heute leidet und die die Araber nachhaltig tief verstimmte.

Doch aus Positives sei nachzuweisen. So diente die Weimarer Verfassung in Teilen als Vorlage für unser Grundgesetz, eine ganz neue Kunst mit Dada habe Menschen viel Kraft gegeben, das Bauhaus, das nicht nur mit seiner Architektur, sondern auch mit seinem neuen Menschenbild der großen gesellschaftlichen Komplexität eine neue Einfachheit entgegensetzte, sorgte für einen gewissen Orientierungsrahmen.

Nun könnten hier eine Reihe weiterer Details aufgezählt werden, doch schon jetzt ist offensichtlich, was diese Zeit vor hundert Jahren mit heute zu tun hat. Prof. Rogg: “Der Verlust an Gemeinsamkeit, die Vertrauenskrise der Institutionen und die Suche nach neuer Orientierung.” Ein Blick nach Polen oder Rumänien genüge, um das festzustellen. Generell gelte, unsere Probleme hätten an Komplexität zugenommen. Wer nun vermeintlich einfache Lösungen präsentiere, liege falsch. Hier komme nun die Rolle Europas ins Spiel. Drei wesentliche Aufgaben sehe er. Erstens: Europa müsse als Anker der Stabilität dienen, zweitens Europa müsse Orientierung geben und drittens Europa müsse neue Ideen haben.

Wir hörten einen etwas anspruchsvollen, aber sehr klaren Vortrag, der viele gut belegte Details enthielt. Analysen und Schlussfolgerungen waren übezeugend; sehr angenehm der ruhige Ton des Referenten und seine immer wieder sichtbare Fachkompetenz.

Entnommen aus dem “Hanseatischen Logenblatt”

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