Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Bewahren Sie Zuversicht und Gelassenheit

Stephan Roth-Kleyer

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„In der Krise beweist sich der Charakter.“ Dieses Zitat unseres Alt-Kanzlers Helmut Schmidt, dem unsere Großloge im Januar 2015 die Gustav-Stresemann-Medaille verlieh, möchte ich meinem Grußwort voranstellen.

Ich hoffe, dass Sie und die Ihren gesund den Umständen entsprechend und gut durch diese außergewöhnliche Zeit gekommen sind. Jetzt sind es wenige Tage bis Weihnachten und bis zum Jahreswechsel. Es ist die Zeit, in der man innehalten will, das nahezu vergangene Jahr Revue passieren lässt und dem kommenden Jahr vielleicht nachdenklich, vor allem aber hoffnungsfroh entgegensieht.

Das Jahr 2020 wird mit der Corona-Pandemie in die Menschheitsgeschichte eingehen. Alle Lebensbereiche sind betroffen, auch die Freimaurerei: So musste der von den Stuttgarter Brüdern mit der Kanzlei sorgfältig und gut vorbereitete Großlogentag „Stuttgart 2020“ abgesagt werden. Im März empfahl ich dringend, alle freimaurerischen Aktivitäten, die mit Zusammenkünften verbunden sind, mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres einzustellen oder zeitnah zu verschieben oder abzusagen.

Viele Logen hielten online Kontakt. Es ist ermutigend zu sehen, wie Brüder sich mit ihnen teilweise bislang unbekannten Technologien arrangieren, die es ermöglichen, virtuelle Treffen, Gästeabende, Kerzengespräche und vieles mehr zu gestalten, um auch auf Distanz diese Treffen gemeinsam zu erleben und in Kontakt zu bleiben. Das zeigt, wie schnell und pragmatisch unsere Bruderschaft auf veränderte Bedingungen reagieren kann. Dennoch, eine auch noch so gut arrangierte Videokonferenz kann uns einen gewohnten Logenalltag nicht ersetzen. Brüderliche Nähe ist, wenn überhaupt, leider nur bedingt videokompatibel.

Arbeiten, Johannis- und Stiftungsfeste mussten abgesagt oder verschoben werden. Des Öfteren kam der Wunsch auf, die Rituale in eine videokonforme Form zu bringen. Unsere Rituale sind, wie schon häufig festgestellt, unser Alleinstellungsmerkmal, unser wahres Geheimnis, unsere Würde. Sie spiegeln unsere anerkannten spezifischen maurerischen Verhaltensformen und Gebräuche wider. Sie stiften Gemeinschaftsgefühl und vermitteln uns jedes Mal erneut die Grundpfeiler der “Königlichen Kunst”. Unsere Rituale erfordern Präsenz und Anteilnahme. Ihr Zauber entfaltet sich im Moment ihrer Durchführung und ist nur persönlich erlebbar.

Corona zeigte auch positive Entwicklungen. So berichten zahlreiche unserer Logen, dass viele Interessierte den Kontakt zu den Logen suchen. Und in den schwierigen Zeiten des „Lockdowns“ achten und sorgen Brüder in beispielhafter Weise verstärkt füreinander.

Die Nachrichten der letzten Tage bezüglich der Entwicklung und Verteilung geeigneter Impfstoffe stimmen zuversichtlich. Die Chancen für einen Impfstoff und für geeignete Medikamente sind aufgrund weitreichender Erkenntnisse und technischer Möglichkeiten größer als je zuvor.

Da wir keinem Zwang unterliegen, können wir mit guter Geduld die Phase der Impfung aller impfbereiten Bürger abwarten, auch wenn es ggf. erst zum Herbst hin einen Neustart geben sollte. Das wird im Nachgang eine weitgehend präsenzlose Zeit für viele unserer Logen sein. In den letzten Jahrhunderten gab es deutlich schlimmere Anlässe für weitgehend präsenzlose Zeiten. Dessen sollten wir uns bewusst sein. Am Ende bleiben wir doch im Herzen vereint. Der Umstand „Zeit ohne Körperkontakt“, verbunden mit einer längeren „Ritualpause“, sollte in Anbetracht unserer mehr als dreihundertjährigen Geschichte eher nachrangig bewertet werden.

Jetzt heißt es, weiterhin durchzuhalten und Geduld aufzubringen. Es heißt Geduld zu haben mit der Situation, mit anderen und mit uns selbst. Das ist eine charakterbildende und zugleich herausfordernde Konstellation. Ich wünsche uns allen viel Erfolg dabei. Kommen Sie gut durch diese Zeit mit Einschränkungen, bleiben Sie gesund und solidarisch! Verlieren Sie nicht Ihre Zuversicht und Ihre Gelassenheit!

Die Jahreswende ist auch die Zeit, Dank auszusprechen. So danke ich allen Brüdern in ihren Logen für ihr gutes Wirken und ihr Engagement. Ich danke den Stuhlmeistern für die Fort- und Weiterentwicklung unserer Logen. Ich danke den Arbeitskreisen, Ausschüssen, Gremien und Kollegien unserer Großloge für ihre Arbeitsergebnisse. Ich danke den Großbeamten und Mitgliedern des Großlogenrates sowie den Mitgliedern des Vorstandes für ihre guten und zielführenden Beschlüsse auf solider Basis und ich danke nicht zuletzt unserer Kanzlei für die kontinuierliche Bearbeitung der Anfragen und Arbeitsaufträge aus der Bruderschaft sowie für ihre stete Unterstützung bei all meinen Aktivitäten.

Ihnen allen, Ihren Familien und Freunden wünsche ich ein besinnliches und stimmungsvolles Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein privat wie beruflich erfolgreiches sowie friedvolles Jahr 2021. Dies verbinde ich mit der Hoffnung, dass auch Sie über die Feiertage Gelegenheit finden, abseits der Hektik des Alltags neue Kraft für das vor uns liegende Jahr mit all seinen vielfältigen Facetten und Herausforderungen zu schöpfen. Und damit unser aller Arbeit nicht vergeblich ist, wünschen wir für uns und für unsere Mitwelt ein friedliches Miteinander! Lassen Sie uns auch künftig mit Vernunft, Gelassenheit und Zuversicht die kommenden Herausforderungen angehen und bestehen. Bei all unserem Tun sollten wir weiterhin achtsam bleiben. Das wünsche ich Ihnen und das wünsche ich mir.

In der Hoffnung, dass Sie alle gesund sind und gesund bleiben werden, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen

Dr. Stephan Roth-Kleyer
(Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland)

Leserbriefe

Danke für die aufbauenden Worte. Ich wünsche uns allen viel Glück und Kraft. Uwe Knauth, Bad Lauchstädt

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