Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Das Ende des Banns?

Loge und Altar — Über die Aussöhnung von katholischer Kirche und regulärer Freimaurerei

Gelesen von Arne Heger

Foto: © spaxlax / Adobe Stock

00:00
00:00
  • Das Ende des Banns? 00:00

Das Buch beschreibt zuerst das Wesen der Freimaurerei und konzentriert sich dann auf die konfliktreiche Beziehung der Katholischen Kirche mit den Logen seit fast 300 Jahren. Zwar habe sich das im 20. Jahrhundert beruhigt, doch es gebe Probleme bis heute.
Michael Weninger ist ein österreichischer Priester und Vatikandiplomat. Seine Darstellung könnte auf zwei Punkte konzentriert werden.

Erstens: Warum war und ist die Katholische Kirche gegen die Freimaurerei? Natürlich gab es vonseiten der Kirche theologische Einwände, doch die Hintergründe der oft massiven Verurteilungen durch mehrere Päpste seien letztlich mehr politisch gewesen. Im frühen 18. Jahrhundert war es der Kampf um den britischen Thron; dann die Ängste vor Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in der Französischen Revolution; und schließlich im 19. Jahrhundert der Höhepunkt, als der vom Papst regierte römische Kirchenstaat dem neuen italienischen Nationalstaat weichen musste. Da kämpften beide Seiten rücksichtslos gegeneinander: die Garibaldi-Freimaurer mit dem Gewehr und die Päpste mit dem Bannstrahl. Michael Weninger schildert das alles detailreich in einem großen Bogen über die Jahrhunderte hinweg.

Zweitens: Die Kirche übersah und übersieht jedoch: DIE Freimaurerei gibt es nicht. Während italienische, aber auch französische Freimaurer und Großlogen entgegen freimaurerischen Grundprinzipien oft politisch-kämpferisch gegen die Kirche agierten (Weninger nennt sie „Pseudofreimaurer“), treffe das für die englisch ausgerichtete Freimaurerei nicht zu. An dieser orientierten sich aber bis heute die meisten Logen der Welt. Diese sogenannte „reguläre Freimaurerei“ sei politisch sehr zurückhaltend.

Im 20. Jahrhundert ließ die Intensität des Konfliktes nach, und es gab wiederholt Ansätze für eine Verständigung, allerdings nach dem Muster „zwei Schritte vor und einer zurück“. Weninger bei der öffentlichen Vorstellung seines Werks in Wien: „Mein Buch folgt einem pastoralen Anliegen, weil ich viele katholische Freimaurer kenne, die von Gewissensnöten geplagt werden. Daher will ich kirchlichen Kreisen nahebringen, was Freimaurerei wirklich ist, und dass die Logen die Kirche nicht bedrohen. Und bei den Freimaurern will ich Verständnis dafür wecken, warum die Kirche in der Vergangenheit gegen sie war. Kirchenrechtlich ist ja eigentlich alles erledigt. Es bräuchte nur noch ein offizielles Zeichen der Versöhnung.“

Verlag Löcker, Wien, 2020, ISBN 978-3-99098-014-9, 467 Seiten, Hardcover, 39,80 EUR

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 3-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

Nun ist es ja so, dass die Rechtsqualität des Dokuments der Glaubenskongregation von 1983 bis heute - zu Recht - stark umstritten ist und mittlerweile getrost als Ratzingers Privatmeinung angesehen werden darf. Er selbst hat ja auch nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr er uns Freimaurer verachtet. Schon die verschiedensten und zum Teil höchst wilden Interpretationen der Kirchenjuristen machen deutlich, dass diese Erklärung alles andere als zur Klärung beiträgt. Ob die Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge weiterhin eine "schwere Sünde" darstellt, ist letztendlich ein Novum, denn es handelt sich hierbei um einen Begriff der Moral, nicht des Rechts – und dieser moralische Begriff ist in den historischen Verurteilungen ja auch niemals eine Kategorie gewesen. In der Praxis ist es heute so, dass einige Geistliche das Kirchenrecht für verbindlich halten und andere die Erklärung der Glaubenskongregation. Ich denke, solange es einen emeritierten Ex-Papst Ratzinger, Kardinäle wie Müller oder Brandmüller gibt und Konstitutionen wie die Kongregation für die Glaubenslehre, stehen die Chancen für einen erfolgreichen Dialog weiterhin sehr schlecht. Gerwin Spalink, Osnabrück

Die katholische Kirche könnte von der Freimaurerei eine Menge vergessenes wieder neu lernen. Der Anfang dessen, was heute Kirche heißt, war das Mahl vor Jesu Verhaftung und Verurteilung. So geht es aus der Schrift hervor. Der historische Jesus ist unbekannt. Was danach geschah, kann man als Mysterium bezeichnen. Überhaupt stellt das Neue Testament, die einzige Quelle des Jesus Lebens, eine Fülle von Mysterien und Symbolen vor. Die Kirche des 20. und des 21. Jahrhunderts hat dafür noch wenig Sinn und Verständnis und befasst sich, wenigstens in Deutschland, mit einer ausufernden Strukturdebatte. Da aber das Interesse an Esoterik groß geworden ist, könnte sich die Kirche rückbesinnen und mit Symbolik und den Geheimnissen des Glaubens diesem Wunsch entsprechen. Das ist allemal besser als das, was mittlerweile geboten wird. Bernard Seubert, Edingen-Neckarhausen

Kontakt zur Redaktion