Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ – unverzichtbar!

Hans-Hermann Höhmann

© sveta / stock.adobe.com

Die Forschungsgesellschaft (Forschungsloge) „Quatuor Coronati“ – gegründet im Jahre 1951 und heute über 1200 persönliche Mitglieder zählend – will in drei Erscheinungsformen für die Bruderschaft der deutschen Freimaurer wirken: als Forschungsloge, als Wissensloge und als Kommunikationsloge.

Teil 3 eines Beitrages über Entwicklung und Arbeitsfelder der Freimaurerforschung

Forschungsloge: Als Forschungsloge fasst „Quatuor Coronati“ Brüder aus allen deutschen und aus befreundeten europäischen Großlogen zusammen, die freimaurerische Forschung betreiben und/oder sich für die Ergebnisse freimaurerischer Forschung interessieren. Quatuor Coronati soll dafür den Rahmen schaffen, Kommunikationsmöglichkeiten öffnen (auch mit der „profanen“ (besser: „externen“ Freimaurerforschung) und Publikationsorgane (TAU, Quatuor-Coronati-Jahrbuch für Freimaurerforschung) bereitstellen. Diese Forschung soll redlich und solide sein, denn Forschung ist nun einmal Forschung. Diese Forschung soll aber auch Freude machen, soll etwas vermitteln vom Charme jenes kreativen Spiels, das Freimaurerei als Königliche Kunst ja auch ist. Die Forschungsarbeit unserer Brüder soll sich auf viele Felder erstrecken, die für die Entwicklung der Freimaurerei von Bedeutung sind und die immer wieder neu abzustecken sind. Für mich als Sozialwissenschaftler sind dabei Fragen aus den Spannungsfeldern „Loge und Gesellschaft“ sowie „Bruder und Loge“ besonders wichtig, zumal wir zweifellos zu wenig darüber wissen.

Aber schon für die Gründer der Forschungsloge war ganz klar, dass sich „Quatuor Coronati“ vor allem mit Geschichtsforschung zu befassen habe, wobei Ritualistik für mich Bestandteil geschichtlicher, genauer kulturgeschichtlicher Forschung ist. Warum ist historische Forschung so wichtig? Die Antwort kann nur lauten: Vor allem aus den Gegenwartsbedürfnissen der Freimaurerei heraus. Freimaurerei kann sich – gerade, wenn sie im heute leben und kein erstarrtes Relikt der Vergangenheit sein will – nur von ihren historischen Fundamenten her, nur aus ihrer – zuweilen auch schmerzlich gebrochenen – Geschichte heraus entwickeln.

Nur Geschichte liefert der Gegenwartsfreimaurerei Legitimation, nur Geschichte schafft Identität, nur Geschichte bietet Zukunftsorientierung, Orientierung auch für die notwendigen Prozesse der Veränderung, vor denen wir stehen. Das Wort des Bielefelder Historikers Jörn Rüsen: „Historische Erinnerung ist ein Lebenselixier“ gilt für die Freimaurerei ebenso wie die Feststellung des englischen Historikers F. Powicke, dass Menschen ohne „konstruktiven Ausblick auf die Vergangenheit entweder dem Mystizismus oder dem Zynismus verfallen“. Wir Freimaurer brauchen weder dem Mystizismus noch dem Zynismus zu verfallen. Wenn wir historisch ausblicken, so können wir mit Stolz eine Feststellung des polnischen Philosophen Leszek Kolakowski auf unseren Bund beziehen: „Glücklich sind die, denen ihre eigene Tradition den Glauben an die Gemeinschaft der menschlichen Gattung, den Glauben an Toleranz, die Bereitschaft zum Zusammenwirken und den Kritizismus überliefert hat. Andere haben aus der Tradition den National- und Rassenhass, den Fanatismus, den Kult der Gewalt übernommen.“

Doch Geschichte als Lebenselixier, als Legitimationsgrundlage, als Identitätsstifter und als Gegenwartsorientierung kann nicht von uns nach dem jeweiligen Gegenwartszweck neu erfunden werden. Bedarfsgerecht gemalte historische Kulissen, zweckorientierte Geschichtslegenden und flache „Geschichtspolitik“ spenden ebenso wenig Kraft wie das unreflektierte Verbreiten von Listen mit den Namen prominenter Freimaurer. Kraft im Sinne von Lebenselixir entsteht nur durch ein solides und redliches Bemühen um historische Wahrheit.

Das hat Konsequenzen für unsere Arbeit: Wir müssen uns an wissenschaftliche Standards heranarbeiten, auch wenn diese vielleicht gelegentlich unbequem sind; wir sind zu ernsthafter Selbstprüfung und kritischem Diskurs innerhalb unserer Forschungsloge verpflichtet; wir müssen auf die Gefahren ideologischer Entstellungen der historischen Wahrheit hinweisen und zugleich Verzicht leisten, selbst Ideologien oder Legenden zu schaffen; wir brauchen das intensive Zusammenwirken mit der „profanen“ (externen) Forschung.

Wissensloge: Wenn es richtig ist, dass die Lebenskraft der Freimaurerei nicht zuletzt aus ihrem historischen Bewusstsein kommt, und wenn es wiederum zutrifft, dass historisches Bewusstsein auf geschichtliches Wissen und zwar richtiges, geprüftes Wissen angewiesen ist, dann hat, so folgt für mich daraus, dass „Quatuor Coronati“ gewissermaßen als „Wissenloge“ die Aufgabe hat, wesentlich daran mitzuwirken, ein solches Wissen in der deutschen Bruderschaft zu verbreiten. Das können wir über unsere Publikationen und unsere Tagungen (nicht zuletzt unsere Arbeitstagungen) tun, das kann über unsere örtlichen Arbeitszirkel erfolgen, das kann in den Logen über alle unsere Mitglieder geschehen, auch wenn nicht jeder von uns selbst aktiv forscht.

Seien wir ehrlich: Der Bestand an wirklich verlässlichem Wissen über das Wie und Woher der Freimaurerei ist in der deutschen Bruderschaft relativ niedrig. Historische Erinnerung als Lebenselixier – um noch einmal Jörn Rüsens Kennzeichnung zu verwenden – ereignet sich viel zu wenig. Das bedeutet aber auch, dass wir wesentliche Ressourcen unserer Lebens- und Überlebenskraft nur unzureichend nutzen: nämlich zu wissen, wer wir sind und wohin wir gehen, weil wir wissen, wer wir waren und woher wir kamen!

Es ist in der Vergangenheit oft die Frage gestellt worden, ob „Quatuor Coronati“ „programmatisch“ werden, ob die Forschungsloge Entwürfe freimaurerischer Zukunft liefern solle. Ich bin hier außerordentlich skeptisch, nicht nur, weil wir als Forschungsloge nicht in den Entscheidungsbereich von Logen und Großlogen eingreifen können und dürfen, sondern vor allem, weil nicht ein Defizit an Thesen, Programmen und Aufrufen für die in der Tat offenkundigen Entwicklungsprobleme der deutschen Freimaurerei verantwortlich ist, sondern die zu wenig kernige und kraftvolle Identität der deutschen Bruderschaft insgesamt.

Hier ist aber genau der Platz, wo wir als Quatuor Coronati-Brüder wirken können, wirken können als eine zwar indirekte, aber doch wichtige Kraft (wobei ich beides betone: „indirekt“ und „Kraft“): durch unsere Beiträge zu einer produktiven Kultur des historischen Erinnerns, die Identität und Orientierung der deutschen Bruderschaft fördert; durch unsere Beiträge zu den bereits von Lessing unverbesserbar klar gestellten Grund- und Lebensfragen unseres Bundes: „Was und Warum die Freimaurerei ist, wann und wo sie gewesen, wie und wodurch sie befördert oder gehindert wird“.

Kommunikationsloge: Schließlich, aber nicht zuletzt besteht die Arbeit der Forschungsloge im Vermitteln einer intensiven Kommunikation (Quatuor Coronati als „Kommunikationsloge“). Das bedeutet:

Kommunikation der Quatuor Coronati-Brüder untereinander:
Durch Arbeitstagungen, durch das Wirken der Zirkel, durch Kommunikation im Internet. Insgesamt geht es um immer neue Ansätze zum „laut denken mit dem Freunde“ (Lessing). Die Parallelität von Forschungsloge und Forschungsgesellschaft, wie sie unsere neue Satzung vorsieht, und die Öffnung der Mitgliedschaft in der Forschungsgesellschaft über den Kreis der Freimaurermeister hinaus, führen hier zu neuen, bereichernden Möglichkeiten.

Kommunikation mit den Freimaurerinnen:
Seit der Zeit meines Vorsitzes hat die Forschungsloge ihre Tagungen und Publikationen für Freimaurerinnen geöffnet, vor allem aus dem Kreis der Schwestern der Frauengroßloge von Deutschland. Oft konnten wir Referentinnen, die ihr angehören gewinnen, wobei der Altgroßmeisterin Sr. Helga Widmann besonderer Dank gebührt. Freimaurerei hat sich – historisch gesehen – zwar primär als Bruderbund entwickelt, doch ist sie im Prinzip weder männlich noch weiblich,
sondern menschlich, und menschliche Offenheit muss wie überall in der Forschung auch den Charakter der Arbeit der Forschungsloge bestimmen.

Kommunikation zwischen QC und der deutschen Bruderschaft:
Hier geht es um das Wirken als „Wissensloge“, um Einsatz für Wissensvermittlung, um Sensibilisierung für zentrale Fragen unseres Bundes, um eine Erweiterung der Mitgliederbasis vor allem auch durch die jungen Meister; hier geht es darum deutlich zu machen, dass die Forschungsloge mit ihrer Offenheit für Brüder aller Systeme, mit ihrem Verzicht auf jedes einengende Profil und ihrer Internationalität eine vorzügliche Stätte brüderlicher Begegnung und kreativer Nachdenklichkeit ist.

Kommunikation mit den Großlogen, die die VGLvD bilden, und den VGLvD selber:
Diese sollten mit uns gemeinsam überlegen, wie sie die „Ressource Quatuor Coronati“ noch besser nutzen können, von der sie keinerlei großlogenpolitischen Ehrgeiz zu befürchten haben. Es ist bedauerlich, wie unzureichend die Großlogenleitungen den Wert von „Quatuor Coronati“ erkennen. Es geht ihnen wohl immer noch mehr um Administration und Interessenbewahrung als um inhaltlich-freimaurerische Arbeit.
Verwaltung geht offensichtlich vor Gestaltung. Nur sehr selten sind QC-Vertreter zu Sitzungen des Senats der VGLvD eingeladen worden – obwohl die Forschungsloge mit ihren vielen Mitgliedern die drittgrößte Vereinigung innerhalb der VGLvD ist.

Kommunikation mit den Brüdern von Forschungslogen im Ausland:
Wie groß ist unsere Freude, so viele von ihnen immer wieder unter uns zu haben! Von der Forschung her zum Zusammenwachsen der europäischen Freimaurer beizutragen – auch hierin sehe ich einen wichtigen Aspekt der Arbeit von QC.

Kommunikation mit der „profanen“ (externen) Freimaurerforschung:
Wir brauchen diesen Kontakt zur inhaltlichen Bereicherung der Forschung und als kritisches Korrektiv in methodologischer Hinsicht. Wir brauchen diesen Kontakt auch, weil „externe“ Forscher an manche Frage unbefangener herangehen können als wir selbst. Die Zusammenarbeit sollte über die Geschichtsforschung hinaus zu anderen Disziplinen ausgebaut werden.

Schließlich Kommunikation mit der Öffentlichkeit:
Durch das Veröffentlichen von Forschungsergebnissen, durch öffentliche Vorträge unserer Mitglieder, über eine geeignete Homepage im Internet usw. können wir zur dringend notwendigen Klärung des Freimaurerbildes in der deutschen Gesellschaft beitragen.

Über all dies möchte der Vorstand der Forschungsloge mit allen Brüdern im Gespräch bleiben. Es würde die verantwortlichen Brüder freuen, wenn das Forum brüderlich-schwesterlicher Begegnung, dass die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ bietet, noch besser genutzt würde. Kommt es doch darauf an, durch Forschung, durch das Wecken von Interesse an freimaurerischem Wissen und durch kreative Kommunikation einer erfolgreichen Entwicklung der deutschen Bruderschaft immer wieder neue Impulse zu vermitteln.

Neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind hoch willkommen! Auskunft und Anmeldung bei der Quatuor Coronati Geschäftsstelle, Bosestraße 5, 04109 Leipzig, Tel.: 0341 14 99 01 61, E-Mail: gs@quatuor-coronati.org

Leserbriefe

Sehr große Aufgabe für Quatuor Coronati. Salah Salha, Gifhorn

Leserbriefe geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Wenn Sie einen Leserbrief schreiben wollen, verwenden Sie das Formular “Kontakt zur Redaktion”. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung. Wie behalten uns vor, Leserbriefe zu kürzen.