Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

“Die Neuen Pflichten für Freimaurerer:innen”

Die Neuen Pflichten für Freimaurer:innen

Sylvio J. Godon

Erschienen im Salier-Verlag, Leipzig

128 Seiten, Format 11 x 15,5 cm, Hardcover mit Kapitälchenband, ISBN 978-3-962850-44-9, 12,00 €

Silvio J. Godon unternimmt den Versuch, den "Alten Pflichten" von 1723 und folgenden "Neue Pflichten" entgegenzusetzen bzw. das traditionelle Werk um zeitgemäße Pflichten zu ergänzen. Dies wurde mehrfach versucht, bislang mit überschaubarem Erfolg. Das Buch soll keine Streitschrift sein, schreibt Godon, sondern Impuls. Vielleicht ist das der richtige Ansatz für einen Gedanken, der Zeit braucht.

Es ist an der Zeit, dass die in der Welt bestehenden freimaurerischen Organisationen unter Beibehaltung ihrer Vielfalt die Fesseln ihrer Historien und ihrer Strukturen zu lösen beginnen und sich auf das ihnen innewohnende Wesentliche zu besinnen, auf den gemeinsamen Kern ihrer Lehren: Auf das Bewahren und Retten der Erde als ein bestandteil der Schöpfung, auf das Einhalten und Verteidigen der Menschenrechte und auf das Ausüben der Menschenpflichten.

Silvio J. Godon

Der Autor geht große Themen an, die er der Freimaurerei zutraut: Klimaschutz, Bekämpfung des Terrorismus, Migration, künstliche Intelligenz, Seuchen, Holocaust, Rassenhass, Religionskriege – um nur die wichtigsten seiner Anliegen zu nennen. "Der Freimaurerei kommt eine Schlüsselrolle dabei zu, die Menschheit um ihrer selbst willen in dieser Hinsicht zu Einen und einen neuen Weg in eine friedliche, dem Planeten und den Menschen auf ihm zuträgliche Zukunft zu führen."

Ob er damit die Bruderschaft(en) überzeugen kann, ist fraglich. Auch deshalb, weil seine "Neuen Pflichten" wenig Freiräume lassen, sondern imperativ formuliert sind – auch bei Themen, deren Für und Wider diskutiert werden, die die Gesellschaft verhandeln muss. Auch einige Schlüsselworte werden dem einen oder anderen Bruder Sorgen bereiten, so spricht Godon immer wieder von der "Schöpfung", einem Begriff, der in der Freimaurerei sehr unterschiedlich betrachtet wird; insbesondere dann, wenn Godon "Religionen als von Grund auf gut" definiert. Ebenso die Notwendigkeit und Wichtigkeit einer "Weltfreimaurerei", die bislang nicht existiert, dürfte der Großteil der Bruderschaft mit eher gemischten Gefühlen sehen.

Gleichwohl finden sich in dem Buch interessante Gedanken und Anregungen, die das Lesen lohnenswert machen. Es ist keine Frage, dass die "Alten Pflichten" heute mehr ein historisches Dokument sind, das man zur heutigen Verwendung aufmerksam lesen und interpretieren muss. Ob Godons Vorschläge der Neuen Pflichten zur Ablösung der Alten Pflichten taugen, muss jeder für sich entscheiden.

4 Antworten

  1. Axel Genschow sagt:
    Auch mich stört der Titel ungemein. Abgesehen von der Respektlosigkeit gegenüber Frauen empfinde ich es als eine Verhunzung unserer schönen deutschen Sprache. In Abänderung zum Kommentar Dr. Montgomeries zum Verhalten bei der Corona Pandemie kann ich nur sagen: “Wir unterwerfen uns der Tyrannei von Minderheiten”.

  2. Neben der Zustimmung zu Udo Gerscher’s Beitrag möchte ich noch anmerken, dass der Titel in meiner Wahrnehmung unterschwellig impliziert, es gäbe „Neue Pflichten“. M.W. gab und gibt es keine abgestimmte Version solcher „Neuen Pflichten“ – mir ist nicht einmal ein offizieller Entwurf bekannt.
    Schon der Titel – und ich kenne den Inhalt des Buches nicht – widerspricht für mich bereits Silvio Gordons Aussage: “Das Buch soll keine Streitschrift sein, sondern Impuls.“ Wäre es da nicht wünschenswerter, dies in dem Buchtitel deutlich zu machen?

    Ein Freimaurer äußerte sich kürzlich mir gegenüber kritisch über die Alten Pflichten und forderte ihre Überarbeitung in „Neue Pflichten“. Als Beispiel für ihre Reformbedürftigkeit nannte er mir, dass kein körperlich versehrter oder behinderter Mensch Freimaurer werden könne. Da ich dieses Argument in den vergangenen Wochen bereits mehrfach gehört habe möchte ich hier einen Einwand vorbringen:

    1. Die körperliche Unversehrtheit ist KEINE Voraussetzung
    In den Alten Pflichten ist hierzu nachzulesen: “Ein Meister soll einen Lehrling nur dann annehmen, wenn er ausreichende Beschäftigung für ihn hat, wenn er ein völlig gesunder junger Mann ist, keine Verstümmelung oder sonst ein körperliches Gebrechen an sich hat, die es ihm unmöglich machen, die Kunst zu erlernen, dem Bauherrn seines Meisters zu dienen, ein Bruder zu werden, nach gehöriger Zeit auch Geselle, sobald er die bestimmte Anzahl von Jahren gedient hat, wie es der Brauch des Landes vorschreibt.“
    Angemerkt sei zunächst, dass es sich hier um eine KANN-, nicht um eine MUSS-Regelung handelt. Wie sollten wir auch sonst 60-, 70- oder gar 80-jährige Männer in den Bund aufnehmen können. Diese (i.d.R. nicht mehr völlig gesunden) Männer können m.E. auch nicht mehr als JUNG bezeichnet werden. Weiterhin ist festzuhalten, dass die genannten Einschränkungen nicht alleine durch ihr Vorhandensein ein Hinderungsgrund darstellen; nur wenn ihre Auswirkungen dazu führen würden, dass „… (sie) es ihm (dem Kandidaten) unmöglich machen, die Kunst zu erlernen,…“ läge ein Hinderungsgrund vor. Dies gilt allerdings in gleicher Weise auch bei vollkommen gesunden und nicht-behinderten Menschen!

    2. Ehrenhafte Abstammung
    Die Kritik an den Alten Pflichten richtete sich auch gegen die dort angeblich festgelegte Voraussetzung einer Ehrenhaften Abstammung. Wie bereits unter 1. ausgeführt, handelt es sich auch bei dem Satz “Auch soll er von ehrenhaften Eltern abstammen…“ richtigerweise um eine KANN-Bestimmung. Oder wollten wir tatsächlich den Menschen eine Veränderung aus ihren Umfeldern absprechen?

  3. Schon der Titel mit der Unterstellung, dass es eine Pflicht sein könnte, eine Anrede mit der Unterstellung, dass er oder sie nicht weiß, was für ein Geschlecht da ist, macht mich neugierig. Ich möchte bitte nicht mit :innen angesprochen oder angeschrieben werden und empfinde es als respektlos, eine Frau auf :innen zu reduzieren.

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