Dr. Charlotte Knobloch erhält die Wertheimer-Schloß-Medaille

Dr. Charlotte Knobloch mit der Verleihungsurkunde

Zum dritten Mal hat am 1. Dezember 2019 die Nürnberger Loge „Zur Wahrheit“ die Wertheimer-Schloß-Medaille verliehen, eine Auszeichnung benannt nach den beiden jüdischen Mitgliedern der Loge, Br. Moritz Wertheimer und Br. Dr. Siegfried Schloß, die in der Dunklen Zeit deportiert und im Konzentrationslager ermordet wurden.

Die Wertheimer-Schloß-Medaille wurde von der Loge 2007 anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens ins Leben gerufen, um einerseits das Gedenken an die beiden ermordeten Brüder aufrecht zu erhalten, andererseits Menschen zu ehren, die sich im Sinne der beiden Brüder in besonderer Weise humanitär engagieren.

Als Preisträgerin 2019 haben sich die Brüder der Loge für Dr. Charlotte Knobloch entschieden. Sie ist Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München und war von 2006 bis 2010 auch Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Ausgezeichnet wurde mit der Übergabe der Medaille auch das von der Kultusgemeinde ins Leben gerufene „Café Zelig“, mit dem 2016 ein Ort der Begegnung für die noch lebenden Shoa-Überlebenden geschaffen wurde. Mit dieser Einrichtung soll einer zunehmenden Vereinsamung dieser Menschen, von denen es alleine in München noch etwa 1200 gibt und die oft seelisch und finanziell beeinträchtigt sind, entgegengewirkt werden. Bei vielen entsteht erst jetzt im Alter das Bedürfnis, darüber sprechen zu wollen. Das „Café Zelig“ will Raum für diese Gespräche geben. Einmal pro Woche bietet es die Möglichkeit der Kommunikation, eine sozialpädagogische Fachkraft steht zur Unterstützung und Vermittlung von Hilfsangeboten zur Verfügung.

Die Medaille ist mit einer Geldspende verbunden, die dieses Mal aufgrund der Unterstützung durch das Freimaurerische Hilfswerk (FHW) und der Großloge A.F.u.A.M.v.D. deutlich höher ausfallen konnte als in früheren Jahren. Der Preisträgerin konnte ein Scheck über 5000 Euro überreicht werden. Geld, das das „Café Zelig“ für seine Arbeit dringend benötigt.
Dass eine solche Preisverleihung auch im Bewusstsein des wieder ansteigenden Antisemitismus in der Gesellschaft und der spätestens mit den Ereignissen in Halle für jeden sichtbar gewordenen Bedrohungslage für hier lebende jüdische Menschen ihren Stellenwert hat, wurde schon bei der Begrüßung der Anwesenden durch den Meister vom Stuhl, Br. Wieland Walther, deutlich. In Erinnerung an die Aufforderung im Ritual, „Wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt!“, stellte er fest, dass wir über das „Wehret den Anfängen!“ längst hinaus sind, wenn jüdische Kinder in Schulen wieder verhöhnt werden und dies von Pädagogen hilflos als „hinzunehmen“ charakterisiert wird. Und wenn es wieder Menschen gibt, „die von nichts wissen, nichts gewusst haben, nichts sehen, nichts sehen wollen“.

Marcus König (CSU), der stellvertretend für den Oberbürgermeister das Grußwort für die Stadt Nürnberg sprach (und dessen Großvater, wie er verriet, Mitglied der ältesten Nürnberger Loge „Joseph zur Einigkeit“ war), berichtete über nationalistische Töne, die es im Stadtrat wieder gebe. Deshalb sei der Zusammenhalt wichtig. Im Hinblick auf die AfD sei es Zeit, aufzustehen und laut zu werden. „Aus unserer Stadt“, so König, „soll nur noch Frieden ausgehen, dafür kämpfen wir tagtäglich!“
In seiner sehr persönlich geprägten Ansprache berichtete der Zugeordnete Großmeister, Br. Hasso Henke, über seine Kindheit in einem Drei-Generationen-Haus, in dem seine Mutter bedauerte, dass es die „Kraft-Durch-Freude“-Urlaubsfahrten leider nicht mehr gäbe, seine Großmutter regelmäßig darauf hinwies, welcher Moderator, Journalist oder Schauspieler, der gerade im nun für viele erschwinglichen Fernsehgerät zu sehen war, ein Jude sei, den man mitunter auch mal „wohl vergessen“ habe. Als Nazi, das habe er im Nachgang begriffen, werde man nicht geboren, sondern man werde dazu gemacht.

Br. Henke forderte dazu auf, unserer Vergangenheit vorurteilslos entgegenzutreten; „Wenn Kultusminister, Lehrplangestalter oder Lehrer irgendwann in den vergangenen fast 75 Jahren seit Ende des Zweiten Weltkriegs den Mut und die Einsicht gehabt hätten, den 8. Mai 1945 nicht mehr länger als Tag der Niederlage zu bezeichnen oder gar anzusehen, sondern als Tag der Befreiung von der Herrschaft einer Diktatur, die einen Genozid nicht nur in Kauf nahm, sondern zum politischen Ziel hatte, dann wäre für jeden von uns Deutschen — Nachgeborene oder nicht — der Umgang mit Menschen jüdischen Glaubens sehr viel leichter gewesen.“ Die Menschen, die die Shoa überlebt haben, so Hasso Henke, „und denen mit dem Café Zelig ein Treffpunkt und eine Stätte der Kommunikation angeboten werden, gehören zu den letzten Überlebenden dieses geplanten Völkermords. Sie sind vielleicht die Letzten, die noch Zeugnis ablegen können (…). Wir brauchen diese Menschen und ihr Zeugnis, um uns erinnern zu können. Erinnerung ist das einzige, womit wir die Opfer dieser mörderischen Zeit noch ehren können.“

Br. Andreas Hornig, Redner der Loge, brachte in seiner Laudatio seine Traurigkeit darüber zum Ausdruck, dass es bislang in unserem Land nicht gelungen sei, das unmenschliche Gedankengut der Nazis und mit ihnen den Rassismus und den Antisemitismus ein für alle Mal aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben. Nicht durch Gewalt, sondern durch beste Bildung und Ausbildung und durch ein besonderes gelebtes Vorbild freier Menschen von gutem Ruf, ein Vorbild, das an allen Staatszielen unserer Verfassung ausgerichtet sei, die auch unsere freimaurerischen Ziele sind: Freiheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Mitmenschlichkeit. „Als wir in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts unsere Wertheimer-Schloß-Medaille erdachten, als Preis für eine menschliche Tat, geschah dies zugleich, um der Opfer der Unmenschlichkeit in Gestalt unserer beiden Brüder zu gedenken und um dazu beizutragen, dass die beständige Mahnung wach bleibt: Nie wieder.“

Als eine „besondere Auszeichnung“ bezeichnete die Preisträgerin selbst die Medaille, die mit den Werten der beiden Namensgeber Wertheimer und Schloß verbunden sei. Sie sei sich bewusst, dass gerade diese Medaille nicht nur Auszeichnung, sondern auch Auftrag sei. Mit der Benennung der Medaille werde die Erinnerung an zwei Menschen wachgehalten, die treue Bürger Nürnbergs waren und dennoch ausgegrenzt, verfolgt, verschleppt und ermordet wurden. Jüdische Menschen wurden über Nacht zu Ausgestoßenen. Die Verfolgung ging zwar von den Nazis aus, so Knobloch, aber sie war stets auf die fehlende Gegenwehr der Gesellschaft angewiesen. Es habe nicht nur eine Machtübernahme gegeben, sondern die Regierten hätten der Regierung nicht ernsthaft Paroli geboten und seien untätig geblieben, als der Holocaust begann.

Stille herrschte, als Charlotte Knobloch die Anwesenden an ihrer Kindheitserinnerung teilhaben ließ, als sie die brennende Synagoge in der Münchner Herzog-Straße sah. An der Erinnerung an die Großmutter, die sich von ihr verabschiedete, vorgebend, auf Kur zu fahren. An der Erinnerung, dass sie überlebte, weil sie von einer fränkischen Bauernfamilie aufgenommen und als deren uneheliches Kind ausgegeben wurde. Diese Familie, die nicht so gehandelt hat, wie es für sie bequem gewesen wäre, sondern wie es das Richtige war. Dieser Anstand sei es gewesen, so Charlotte Knobloch, der Deutschland nach 1945 wieder aufleben ließ. Es gelte, nicht wegzusehen, wenn Unrecht geschieht. Die Angriffe, die es heute wieder gibt, seien beschämend, es handle sich um Angriffe auf das demokratische Fundament unseres Landes. Es brauche mehr als die Stimmen der jüdischen Gemeinschaft, nötig sei ein Aufschrei der gesamten Gesellschaft, die sich gegen ihre Feinde zur Wehr setzen muss.

Die Loge „Zur Wahrheit“, so Charlotte Knobloch, sei beispielgebend. Auch ihr Vater, so gab sie preis, sei Mitglied einer Freimaurerloge gewesen. Die mit der Medaille verbundene Geldzuwendung an das „Café Zelig“ sei ein richtiges Signal.
Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung durch Br. Christoph von Weitzel (Bariton) und Br. Manuel Quesada (Flügel).
Zu einem besonderen Ereignis wurde die Preisverleihung nicht zuletzt auch dadurch, dass Nachfahren der Brüder Wertheimer und Schloß, Enkel und Urenkel, der Veranstaltung beiwohnten und hierfür extra aus Großbritannien, den USA und Israel nach Nürnberg gereist waren. Alleine dies wird den Tag für die Brüder in Nürnberg unvergesslich machen.

SPD-Stadträtin Diana Liberova, Dr. Charlotte Knobloch, Joachim Hamburger (Fotos: Kurt O. Wörl)

Die Namensgeber der Wertheimer-Schloss-Medaille

Br. Moritz „Fritz“ Wertheimer

wurde am 15. Juli 1884 in Bruchsal (Baden) geboren und war der dritte Meister vom Stuhl der 1907 gegründeten FzaS-Loge „Zur Wahrheit“ i.Or. Nürnberg. Da er als Rechtsanwalt überwiegend Klienten aus dem linken politischen Spektrum vertrat, befand er sich bereits ab 1933 auf der Liste der potenziellen Staatsfeinde. Von den Nazis wurde ihm zusammen mit 42 weiteren jüdischen Rechtsanwälten die Anwaltszulassung entzogen. 1938 wurde er durch die Nazi-Justiz wegen „Devisenvergehens“ zu 100000 Reichsmark Geldstrafe und sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Es kann vermutet werden, dass er seine Auswanderung vorbreitete und deswegen versuchte, sein Vermögen vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Von 1938 bis 1942 war er im Zuchthaus Amberg inhaftiert, wurde von dort aus 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 18. Mai 1944 nach Auschwitz. Er ist seither verschollen. Als gesichert kann angesehen werden, dass er wie viele andere in Auschwitz ermordet wurde.

Br. Dr. Siegfried Schloß

wurde am 3. März 1880 in Nürnberg geboren. Er war verheiratet mit Helene, geb. Wallersteiner, und Vater von drei Töchtern. Als Jurist war er von 1907 bis 1938 in Nürnberg tätig, wurde 1928 zum Justizrat ernannt. Er war als Unteroffizier Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg, SPD-Mitglied, Mitglied des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“ und des „Bundes Akademischer Sozialisten“. Ferner war er Gründer und Vorsitzender des „Volksbundes zur Befreiung der Kriegsgefangenen“, Vorsitzender der Nürnberger „Kriegsgefangenenheimkehrerstelle“. Die „Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsgefangener“ ernannte ihn zum Ehrenmitglied, die Ortsgruppe Nürnberg der „Kriegsgräberfürsorge“ zu ihrem Vorsitzenden. Versah er all diese Ämter ehrenamtlich, so galt sein hauptamtliches Engagement, als Syndikus des Mietervereins Nürnberg, von 1918 bis 1933 dem Interessenschwerpunkt Mietsachen, denen er darüber hinaus Vorträge, Gutachten und Publikationen widmete. Ab 1933 vertrat er hauptsächlich jüdische Mieter und Hausbesitzer.
Der von den Nazis inszenierte und als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte eingegangene Pogrom vom 9. November 1938 traf die Familie von Schloß in voller Härte: Die Wohnung wurde von SA-Barbaren völlig demoliert. Um die Jahreswende 1939/40 wurde er zum inzwischen fünften Mal verhaftet und später in das KZ Sachsenhausen deportiert. Am 10. März 1940, kurz nach seinem 60. Geburtstag, wurde seine Frau zur Polizei vorgeladen. Dort wurde ihr die Asche ihres zwei Tage vorher in Sachsenhausen ermordeten Mannes ausgehändigt.

Die Wertheimer-Schloß-Medaille

Die Medaille besteht aus einem runden Kristall-Glas, in das die Portraits der beiden Brüder Wertheimer und Schloß eingraviert sind. Die Loge hat sich für Glas entschieden, da es ein zerbrechliches und ohne Schutz hoch gefährdetes Material ist, so gefährdet und schutzlos, wie es die beiden ermordeten Brüder waren. Das Glas der Medaille ist von einem Silberring umschlossen, der die Lebensdaten der beiden Brüder trägt. Er soll das Glas vor dem Zerbrechen schützen.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger: 2007 Karl Rebele, 2014 Sophie Anuth, 2019 Dr. Charlotte Knobloch

Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 1-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

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Rostocker Loge lädt zur Podiumsdiskussion

Blick auf die Hansestadt Rostock © SeanPavonePhoto / Adobe Stock

Einen ungewöhnlichen Weg der Öffentlichkeitsarbeit geht die Rostocker Loge "Zu den drei Sternen" mit einer Podiumsdiskussion.

Für den 28. Februar 2020 lädt die Rostocker Loge zu einem öffentlichen Informationsabend mit Podiumsdiskussion über Freimaurerei ein. “Auch wenn Freimaurerei ein offenes Geheimnis ist, bleibt ein Mythos, etwas Geheimnisvolles,
weil die Rituale nur schwer verständlich sind und Freimaurerei immer in geschützten Räumen stattfindet, sich nie vermarktet, nie in den Vordergrund spielt und doch seit Jahrhunderten die Weltgeschichte im Sinne von Humanität, Freiheit und Toleranz maßgeblich mitgeprägt hat”, so der Text der Einladung. Wofür Freimaurer seit Jahrhunderten stehen, ist und bleibt ein gesellschaftliches Thema. Humanität, Freiheit und Toleranz haben heute wieder mächtige Gegner. Ein Grund, warum sich die 1760 gegründete altehrwürdige Loge „Zu den drei Sternen“ in Rostock, öffnet und das offene Geheimnis um die Freimaurerei gern mit Gästen diskutieren möchte.

Nach einer Einführung über Freimaurerei durch den amtierenden Meister vom Stuhl Thomas Born diskutieren Annegret Mahn, Prof. Dr. Rüdiger Templin und Thomas Born und beantworten die Fragen der Besucher, die Moderation führt Dr. Ulrich Vetter. Die Veranstaltung findet am 28. Februar 2020 ab 19 Uhr in der Aula / Konzilzimmer der Universität Rostock statt. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter loge-gaestabend@web.de wird gebeten.

Schwester Annegret Mahn (Dipl.-Psychologin, Geschäftsführerin, Freimaurerin seit 2005, Loge „Zur Humanität und Beständigkeit“ Berlin, der ersten Loge der Frauen-Großloge von Deutschland. 2012 Mitbegründerin der Loge „Märkisches Mosaik“ Potsdam, der ersten Freimaurerinnenloge in den neuen Bundesländern. Großaufseherin der Frauen-Großloge von Deutschland von 2016 bis 2019. Gründung einer schwerpunktmäßig Englisch sprechenden Loge in Berlin)

Bruder (Prof. Dr.) Rüdiger Templin (Prof. Dr. med. em., Alt-Großmeister Vereinigte Großlogen von Deutschland, 1997–2000 Meister vom Stuhl der Loge „Zu den drei Sternen“ Rostock, 2002–2006 Zugeordneter Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, 2006–2009 Stellvertretender Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland, 2009–2015 Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland. Mitgliedschaft u.a. in Logen in Havanna, Liepaja, London, Belgrad, Bukarest und Lissabon)

Bruder Thomas Born, (Unternehmensberater, Geschäftsführer, amtierender Meister vom Stuhl. der Loge „Zu den drei Sternen“ Rostock. Aktuell: Mitbegründer einer deutschsprachigen Loge auf Teneriffa)

Bruder (Dr.) Ulrich Vetter, (Geschäftsführer Entwicklungsgesellschaft, Coach)

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Einladung zur freimaurerischen Gedenkveranstaltung

Foto: Komwanix / Adobe Stock

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung Deutschlands von der NS-Diktatur laden die Freimaurer des Distriktes Bremen der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Esterwegen zu einer Gedenkveranstaltung am 9. Mai 2020 ein.

Die Veranstaltung findet zweigeteilt in der Gedenkstätte Esterwegen sowie auf der Begräbnisstätte Bockhorst/Esterwegen statt. Der Ort der Veranstaltung wurde mit Bedacht gewählt. In den Emslandlagern wurden nicht nur die Brüder der Loge „Liberté Chérie“ und der Bruder Carl von Ossietzky gefangen gehalten, auf der Begräbnisstätte Bockhorst/Esterwegen befindet sich zudem ein freimaurerischer Gedenkstein.

Der Beginn der Veranstaltung ist für 12:30 Uhr vorgesehen.  Die Begrüßung erfolgt durch den Zugeordneten Distriktmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und die Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, Frau Dr. Andrea Kaltofen, die auch den anschließenden Vortrag über die Emslandlager hält. Anschließend spricht Ruth Breuer aus Brüssel (Freimaurerein und Übersetzerin) über die Gründung der Freimaurerloge “Liberté Cherie” im KZ Esterwegen. Hasso Henke, Zugeordneter Großmeister, referiert über die Frage “Was uns die Brüder der Liberté Cherie lehren sollten”. Für die musikalische Untermalung sorgen “Die Grenzgänger” mit Stücken aus ihrem Programm “Und weil der Mensch ein Mensch ist — Lager, Lieder, Widerstand”.

Um 14:30 Uhr besteht die Möglichkeit der Besichtigung der Ausstellung sowie des Geländes der Gedenkstätte Esterwegen. Um 17 Uhr findet eine Trauerzeremonie auf der Begräbnisstätte  Bockhorst/Esterwegen statt.

Freimaurerischer Gedenkstein
Freimaurerischer Gedenkstein Foto: Thorsten Lieder

Da die Plätze begrenzt sind, ist eine fristgerechte Anmeldung zwingend notwendig. Diese erfolgt bitte unter der Mailadresse zdm.hb.tl@freimaurerei.de. Der Anmeldeschluss ist der 31. Dezember 2019.

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Stuttgarter Freimaurer unterstützen “KinderHelden”

Foto © Halfpoint / Adobe Stock

Die „Humane Welt e.V.“, der humanitäre Arm der Freimaurerloge „Furchtlos und Treu“ Stuttgart, sponsorte einen Ausflug des Vereins „KinderHelden gemeinnützige GmbH“ Stuttgart zur Experimenta nach Heilbronn.

Der Verein KinderHelden fördert Kinder mit schwierigen Startbedingungen mit Mentoring-Programmen.

Für 18 KinderHelden-Tandems ging es 26. Oktober gut gelaunt los. Nach der gemeinsamen Zugfahrt von Stuttgart nach Heilbronn startete der Ausflug im “Science Dome”, einer weltweit einzigartigen Kombination aus Planetarium und Theater mit einem 700 qm großen Kuppelscreen. Die Tandems konnten dort eine spektakuläre 3D Reise über den Traum des Fliegens erleben und staunten nicht schlecht.

Im Anschluss ging es in die Entdeckerwelt, welche mit über 275 interaktiven Exponaten spannende wissenschaftliche Phänomene aus Wissenschaft und Technik erlebbar und begreifbar macht. Gerade das spielerische Erkunden der Exponate war für jedes Tandem eine perfekte Gelegenheit, das eigene Wissen und Geschick zu prüfen und gemeinsam Neues zu erkunden. In den gläsernen Studios konnten die Tandems daraufhin selbst kreativ werden und unter anderem ein Fahrzeug basteln, einen eigenen Film produzieren oder zusammen Musikstücke komponieren. All dies ganz nach dem Motto der Experimenta: Erleben schafft Wissen.

Die Experimenta bot den Tandems die Möglichkeit, ganz individuell den eigenen Interessen nachzugehen und Neues gemeinsam auszuprobieren. Beim Aufbruch zurück nach Stuttgart war die einhellige Meinung der Mentees, dass man doch hätte noch länger bleiben können.

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Karlsruher Loge veranstaltet Themenabend Demokratie

Links der Gastredner Prof. Kirchberg, rechts der Meister vom Stuhl Michael Dietrich

Die Karlsruher Freimaurerloge "Leopold zur Treue" lud zu einem Themenabend zur Demokratie in Deutschland ein. Es ging um Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde.

Karlsruhe (md). Der renommierte Verfassungsrechtler Herr Prof. Dr. Christian Kirchberg sprach über „Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde“. Anschaulich berichtete er den interessierten geladenen Gästen, darunter auch mehrere Stadträte und ein Richter des BGH, aus der Praxis.

Die Verfassungsbeschwerde ermöglicht insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern, ihre grundrechtlich garantierten Freiheiten gegenüber dem Staat durchzusetzen. Besonders beeindruckend ist die hohe Anzahl der jährlichen Beschwerden (über 6.000), von denen nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz erfolgreich ist. Der dahinterstehende Arbeitsaufwand für das Bundesverfassungsgericht, das Gericht und Verfassungsorgan zugleich ist, ist jedoch enorm. Wird ihm damit doch eine herausragende Stellung als Hüter des Grundgesetzes zuteil zum Schutze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Viele bekannte Juristen finden sich in den historischen Mitgliederlisten der Loge. Daher beschäftig sich die Loge regelmäßig mit dem gesellschaftlichen Vermächtnis dieser Brüder. Auch dem Meister vom Stuhl, Br. Michael Dietrich ist es wichtig, dass die Freimaurerei klar Stellung bezieht für ihre Ideale: Toleranz und Menschenliebe, für Grundrechte und Demokratie sowie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Die Geschichte der Loge “Leopold zur Treue” ist eng mit der Entstehung der badischen Verfassung und den ersten demokratischen Strömungen in Deutschland verbunden. Karl Friedrich Nebenius, der Schöpfer der badischen Verfassung von 1818, deren Entstehung sich vergangenes Jahr das 200. Mal jährte, war Mitglied der Loge. Im Jahr 1813 musste er, wie alle badischen Beamten, auf Drängen von Großherzog Karl aus der Loge austreten. Im selben Jahr erfolgte das generelle Verbot. Einige Jahre später war es vor allem seinem Einsatz zu verdanken, dass die “Leopold zur Treue” unter dem Protektorat von Großherzog Leopold im Jahr 1847 wiedereröffnet werden konnte, die sich ihm zu Ehren umbenannte (von „Carl zur Einigkeit“).

Seine Verfassung war die modernste seiner Zeit. Als erste demokratische Verfassung Deutschlands war sie geprägt von freimaurerischen Idealen. Insbesondere enthalten war ein Katalog von Grundrechten für alle Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht war sie noch etwas zu fortschrittlich im damaligen gesellschaftlichen Zusammenhang. So setzten bereits 1819 die Karlsbader Beschlüsse die in der Verfassung enthaltenen Grundrechte wieder außer Kraft. Bis zur Ausrufung der Republik in Deutschland sollten dann noch 100 Jahre (1918) vergehen. Die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen jährte sich letztes Jahr erst zum 70. Male. Nebenius kann aus heutiger Sicht als Vordenker, Visionär und Wegbereiter angesehen werden. Er setzte die Ideale der Freimaurerei und damit der Aufklärung um und integrierte sie in seinen Entwurf der badischen Verfassung.

Sein Ehrengrab besuchten die Brüder der Loge erst kürzlich.

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Mozart am Montag

© Nomad_Soul / Adobe Stock

Unter dem verheißungsvollen Motto "Mozart am Montag" veranstaltete am 21. Oktober 2019 die Freimaurerloge „Roland“ in Hamburg einen Konzertabend im Goethe-Saal des Logenhauses Welckerstraße.

Eingeladen war ebenfalls die Öffentlichkeit, was sich erfreulich am guten Besuch niederschlug – kaum ein Stuhl blieb im Goethe-Saal unbesetzt.

Die russische Meisterpianistin Alina Kabanova, mehrfach mit international renommierten Preisen ausgezeichnet, spielte an diesem Abend die zwei Mozart-Klaviersonaten in D-Dur KV 570 und A-Dur KV 331, wobei die A-Dur-Sonate vor allem im 3. Satz beim Publikum wegen des besonderen Bekanntheitsgrades besonders stürmischen Beifall auslöste.

Bevor aber die hinreißende Veranstaltung begann, begrüßte der Meister vom Stuhl Axel Kienast das erwartungsfrohe Publikum und stellte neben der Konzertierenden den Moderator des Abends vor – Altgroßmeister Jens Oberheide, der seine Kompetenz unter dem Aspekt „Freimaurerei und Musik“ mehrfach in Publikationen sowie als Buchautor unter Beweis gestellt hat. In spannungsreicher Wechselfolge des Programms zwischen den beiden Mozart-Sonaten am Konzertflügel und dem Referat des Moderators über die Wesensverwandschaft von Musik und Freimaurerei konnte das aufmerksame Auditorium an diesem eindrucksvollen Kulturabend teilhaben.

Beides – Musik und Freimaurerei – dringt nur nachhaltig in die Empfindungstiefe des Menschen durch eigenes Erleben! Das Studium von Noten und Partituren und andererseits seriöses Aufklärungsmaterial über Freimaurerei mögen als Information für ein besseres Verständnis dienlich sein, reichen aber keineswegs an die Teilhabe durch eigenes Hören der Musik bzw. durch die innere Erlebniswelt als Freimaurerbruder heran.

Eine wohldurchdachte Pause zwischen den zwei Klaviersonaten förderte an der Getränkebar im Logenhaus-Foyer das angeregte Gespräch unter den Zuhörern, die über die aufschlussreiche Moderation von Altgroßmeister Jens Oberheide und die konzertante Darbietung der Pianistin Alina Kabanova einen lebhaften Gedankenaustausch pflegten.

Als Facit dieser geglückten öffentlichen Veranstaltung der Loge „Roland“ lässt sich feststellen, dass die vorbildliche Logen-Initiative über den Hörgenuss hinaus einem guten sozialen Zweck diente, nämlich der Förderung des Musikunterrichts für Kinder in Hamburg mit einem ansehnlichen Spendenbetrag, der sich an diesem eintrittsfreien Abend ergab. Die begeisterten Besucher zeigten sich pekuniär großzügig als Dank für eine wunderbare Veranstaltung.

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Fürther Freimaurer spenden an Hospizverein

v.l.n.r. Eberhard Reitter, Schatzmeister Hospizverein, Dr. Roland Hanke, 1. Vorstand Hospizverein, Dr. Markus Algner, Stiftungsverwalter, Frau Kerstin Mederer-Gößwein, 1. Stellvertreterin Hospizverein, Frank Emmerich, Vorsitzender Stiftungskuratorium, Esko Fritz, Schriftführer Hospizverein. Foto: Wolfgang Klar

In einem Festakt im Logenhaus Fürth haben am Freitagabend rund 80 Gäste die Arbeit des Hospizvereins Fürth gewürdigt. Anlass war die Übergabe einer Spende in Höhe von 3.000 Euro an den Hospizverein Fürth durch die neu geschaffene Stiftung FreimaurerLoge Fürth.

Dr. Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins, betonte in seiner Dankesrede die Parallelen von Hospizarbeit und Freimaurerei. Beide stellen in einer lebensbejahenden Weise stets den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns. Dabei soll die Würde des Menschen gewahrt werden – geleitet von Freiheit, Vernunft, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe. „Der Mensch hat in der Regel keine Angst vor dem Tod, er fürchtet sich aber vor dem Sterben“, so Hanke. Hospizarbeit setzt genau dort an. Hoffnung wird dabei nie infrage gestellt, denn in ihr liegt mehr Kraft als in jeder Medizin. Hoffnung stirbt nie.

Sowohl der Bürgermeister der Stadt Fürth, Markus Braun, als auch Franz Forman, stellvertretender Landrat Landkreis Fürth, bezeichneten den Hospizverein als würdigen Empfänger der Spende. Menschen in Würde sterben zu lassen ist ein Ausdruck humanitären Handelns und demnach eng verbunden mit dem Wesen und Wirken der Freimaurerei. Stiftungsverwalter Dr. Markus Algner verwies in seiner Ansprache auf den Kreislauf des Lebens. Dem neugeborenen Kind wird sehr viel Aufmerksamkeit und Fürsorge zuteil. Die Freude wird von der Familie nach außen getragen. Sterben hingegen ist immer noch viel zu häufig einsam und tabubehaftet. Umso wichtiger ist die „Letzte Hilfe“ durch Hospizarbeit einzuschätzen.

Mit der Spende an den Hospizverein Fürth ist die neu gegründete Stiftung Freimaurerloge Fürth erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. „Dabei wird mit dieser Stiftung eine lange Stiftertradition der Fürther Freimaurerloge fortgesetzt“, erläutert Frank Emmerich, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Es wird wohl kaum eine Bürgerin bzw. einen Bürger Fürths geben, welcher nicht unmittelbar Assoziationen mit dem „Nathanstift“ bzw. der „Volksbildungsstätte Berolzheimeranum“ hegt. Was viele jedoch nicht wissen: Diese und auch zahlreiche weitere Stiftungen des frühen 20. Jahrhunderts gehen auf das Wirken von Freimaurern zurück. All diese Stiftungen gingen aufgrund von Inflationen oder Enteignungen durch das NS-Regime 1933 verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Brüder der Freimaurerloge „Zur Wahrheit und Freundschaft“ weiterhin karitativ betätigt. So etwa im Rahmen der jährlichen Grillenbergerschen Bescherung bedürftiger Kinder oder der seit 1989 existierenden Drs.-Heinz-u.-Eva-v. Plänckner-Stiftung. Letztere verleiht aus ihren Mitteln seit 1993 den „Preis für vorbildliche Mitmenschlichkeit“.

Der Zweck der neu gegründeten Stiftung ist breit gefächert und umfasst die Bereiche Kunst und Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bildung und Erziehung, Heimatpflege und Heimatkunde, Völkerverständigung und allgemein mildtätige Zwecke. Die Stiftung steht als sog. „nicht rechtsfähige Stiftung“ unter Verwaltung der Loge. Die Stiftung Freimaurerloge ist gemeinnützig anerkannt. Hierdurch ergibt sich steuerlich begünstigt die Möglichkeit, Spenden und Zustiftungen zu leisten. Ein siebenköpfiges Kuratorium überwacht und kontrolliert den Stiftungsträger und bestimmt die zu fördernden Einrichtungen bzw. Organisationen. Das Kuratorium ist ebenso ehrenamtlich tätig wie der von der Loge ernannte Stiftungsverwalter. Mit Blick in die Zukunft wurde die Möglichkeit geschaffen, dass sich weitere Stiftungen unter der neuen Stiftung etablieren. Die Stiftung Freimaurerloge fungiert dabei als Dach und bietet Interessenten die Option, Vermögen oder Immobilien auf die Stiftung unter Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs zu übertragen. Auf diese Weise kann so dauerhaft unter eigenem Namen über das eigene Leben hinweg Gutes für die Gesellschaft geleistet werden“, so Emmerich.

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