Die “Bauhüttensonate” wurde in Dessau uraufgeführt

Die Mitwirkenden der „Bauhaus-Sonate“ (v.l.n.r.): Frank Richter, Thomas Bierling, Gabrielle Heidelberger, Cornelius Rinne, Jens Oberheide (Foto: Bastian Salier)

Am 5. Oktober 2019, fand in Dessau eine viel beachtete Uraufführung statt: Die „Bauhütten-Sonate“ setzte im Rahmen der Feierlichkeiten zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“ einen höchst eigenwilligen, tiefgründigen kammermusikalischen Markstein.

Die ausverkaufte öffentliche Abendveranstaltung rief ein großes Echo auch in der regionalen Presse hervor. Altgroßmeister Jens Oberheide, allseits bekannt auch durch sein hartnäckiges Recherchieren von historischen Zusammenhängen mit masonischem Bezug, untersuchte akribisch, inwieweit sich Bauhäusler und Freimaurer – unabhängig voneinander – von den Grundgedanken der alten Bauhütten inspirieren ließen. Und in der Tat, er wurde fündig, entdeckte etliche Querverbindungen aus Zitaten von Walter Gropius und anderen Bauhaus-Lehrmeistern zum Wertekanon der Freimaurerei als „geistig gleichgesinnte Werkleute …“ (Gropius). Für Jens Oberheide war das der kreative Ansporn, seine Erkenntnisse in eine „symbolspielerische Collage vom Bauen und Denken“ zu verdichten. Der Autor und Dramaturg gewann für sein Bühnenprojekt Mitwirkende aus dem Kreise von PEGASUS, dem freimaurerischen Verein für Kunst und Kommunikation: Thomas Bierling (Komposition und Musik), Gabrielle Heidelberger (Gesang), Cornelius Rinne (Illustration) und Jens Oberheide (Moderation/Rezitation).

Die Uraufführung der Sonate fand im Dessauer „Kornhaus“ statt, einem original im Bauhausstil erhaltenen Gebäude mit einer kleinen Theaterbühne, in dem die Bauhäusler eigene Bühnenbearbeitungen aufführten – welch ein symbolträchtiger Zusammenhang!
Zunächst erläuterte Jens Oberheide dem Publikum seine Grundgedanken zur „Bauhütten-Sonate“, die Symbole aus der Welt des Bauens vertont, gezeichnet und mit „ethisch-praktischem Doppelsinn“ darstellt. Er führte das Auditorium in die historische Entwicklung einer Hütte (engl. lodge, franz. loge) bzw. Bauhütte ein. Im Verlauf seiner Moderation und Rezitation benannte er aus dem Bereich des Bauens Begriffe wie Bleiwaage, Fundament, Maß und Zahl sowie 24-zölliger Maßstab und zitierte den Bauhäusler Oskar Schlemmer: „Architektur ist edelste Baukunst.“ Er verwies außerdem auf die architektonische Formel von Shaftesbury aus dem 17. Jahrhundert: „Wisdom – Strength – Beauty“ (Weisheit – Stärke – Schönheit), sowie auf weitere Bausymbole, die über den direkten handwerklichen Bezug hinaus Ausdruck entsprechender Sinnbilder für menschliche Befindlichkeiten und Lebensformen in einer Baugemeinschaft als Manifestation von hoher Handwerkskultur und ethisch-sozialer Hinwendung waren, ebenfalls ganz im Sinne des Bauhäuslers Gropius: „Jedes Gebilde wird zum Gleichnis eines Gedankens.“

Die beziehungsreichen Textsequenzen fanden ihre virtuose Interpretation durch die Kompositionen von Thomas Bierling als spritzige Chansons und Couplets, Jazz-Stücke und mitreißendem Swing, bis hin zu Zwölfton-Elementen in Anspielung auf die musikalischen Experimente des Bauhauses. Als kongeniale Partnerin überzeugte die temperamentvolle Sopranistin Gabrielle Heidelberger mit unverhohlener Leidenschaft und zog den Saal in ihren Bann. Texte aus der alten Kölner Bauhütten-Ordnung, Verse von Ringelnatz und Morgenstern, Bauhaus-Zitate ihrer Lehrmeister und Erläuterungen des Altgroßmeisters Jens Oberheide schossen wie ein musikalisches Feuerwerk ins begeisterte Publikum.

Währenddessen stand der PEGASUS-Vorsitzende Cornelius Rinne vor seinem Reißbrett und zeichnete in treffsicheren Strichen die Bausymbole aufs großformatige Papier, um Gedanken und Worte, Gesungenes und Konzertiertes für alle „sichtbar“ zu machen. Für diese Vielfalt der Ausdrucksformen mag ein weiteres Zitat von Walter Gropius stehen, der im Bau „… die Auseinandersetzung zwischen den gestalterischen Möglichkeiten von Mensch und Raum“ sah.

Am Ende der Aufführung betrat Oberbürgermeister a. D. Klemens Koschig die Bühne. Er dankte im Namen der Stadt Dessau für die gelungene „Bauhaus-Sonate“ und hob die enge Verbindung zur Freimaurerei hervor, die ihren Ausdruck 2012 mit der Uraufführung des Bühnenstücks „Mein lieber Moses …“ im Bauhaus-Theater erfuhr und seither intensiv weiter gepflegt worden ist. Er beglückwünschte die Dessauer Loge „Zu den drei Säulen“ auch zum 25-jährigen Jubiläum ihrer Wiedergründung. Dieses Jubiläum wurde am darauffolgenden Tag mit einer Festarbeit unter der Leitung des Meisters vom Stuhl, Uwe Dorand, und anschließender Tafelloge gefeiert.

Nach der Aufführung war die Abendgesellschaft zu einem Buffet geladen. Mit angeregten Gesprächen fand die „Bauhaus-Sonate“ somit einen überaus angenehmen Ausklang. Man kann nur jeder Bauhütte empfehlen, weitere Aufführungen dieser Sonate zu ermöglichen, denn sie ist ein absolutes Highlight an freimaurerischer Öffentlichkeitsarbeit – von intelligentem Witz und mitreißender Kraft. So konnte der Besucher nach diesem Abend viele Bausteine nach Hause tragen, auch wenn es nicht für ein ganzes Bauhaus reichen mag, so waren es dennoch mehr als genug.

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Wettbewerb der Gymnasien im Landkreis Nienburg

Alle Preisträger des Logenwettbewerbs

Die Nienburger Loge "Georg zum Silbernen Einhorn" und die Hoyaer Loge "St. Alban zum Æchten Feuer" vergaben gemeinsam Preise und Urkunden für die besten Facharbeiten an den Gymnasien im Landkreis Nienburg.

Nienburg. (dh) Insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler der Nienburger Gymnasien, des Gymnasiums Stolzenau und des Johann-Beckmann-Gymnasiums Hoya haben mit 18 Facharbeiten an dem bereits zum 5. Male ausgeschriebenen Wettbewerb der Freimaurerlogen „Georg zum silbernen Einhorn“ und „St. Alban zum Aechten Feuer“ teilgenommen.

Die Themen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 11. und 12. Jahrgangsstufe beworben haben, reichen von Untersuchungen der Bedeutung von Filmmusik über Auswirkungen des Massentourismus bis zur Realisierung eines Digitaltrainers für Schülerversuche oder zur Anwendung eines Drucksensors in modernen Kommunikationsgeräten.

Alles sehr anspruchsvolle Themen, für deren Ausarbeitung sich die Schülerinnen und Schüler sehr spezielle Kenntnisse angeeignet haben. Dabei mussten die nicht alltäglichen Fragen umfassend recherchiert und analysiert, fachlich korrekt beschrieben und gleichzeitig allgemein verständlich in einer Facharbeit aufbereitet werden.

Von den betreuenden Fachlehrern war zu erfahren, dass die Begeisterung und der Einsatz der Schüler jeweils überdurchschnittlich gewesen ist und deutlich über das geforderte Maß für eine Facharbeit hinausgehen. Die Freude an selbstständigem, wissenschaftlichem Arbeiten spiegelt sich dann auch eindrucksvoll in allen Arbeiten wider.

„Die Jury der beiden Logen hat sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht“, sagte der Vorsitzender der Nienburger Loge, Dr. med. Wilhelm Cohrs. „Wir wollten in jedem Fall die Arbeit, die sich diese jungen Menschen gemacht haben, wertschätzen. Ich hoffe, dass uns das gelungen ist. Außerdem haben wir etliche Impulse für uns selbst gewinnen können – herzlichen Dank dafür!“.

Der ebenfalls anwesende Stuhlmeister der Hoyaer Loge, Andreas Jonda, wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung von Bildung, Wissensgewinn, Persönlichkeitsbildung und lebenslangem Lernen hin. „Stay hungry!“ ermunterte er die Schülerinnen und Schüler.

Die vierköpfige Jury aus Mitgliedern der Logen in Nienburg und Hoya hat bei der Bewertung etwas andere als nur rein schulische Maßstäbe zugrunde gelegt. Besonderes Augenmerk wurde gelegt auf einen guten Aufbau der Facharbeiten, eine klare und logische Struktur. Entscheidend war auch, ob das Thema von Bedeutung ist für die Gesellschaft und für den Leser.

„Als ein Bund mit ausgeprägter humanistischer Zielsetzung wollen die Logen bei jungen Menschen besonders auch kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit negativen Umgangsformen für unser Zusammenleben fördern“, sagte Dr. Cohrs. „Dafür öffnen sich die Freimaurerlogen auch stärker als in der Vergangenheit, denn sie wollen ihre wesentlichen Ziele, wie Toleranz und humanitäres Miteinander, einer breiten Öffentlichkeit und eben auch jungen Menschen näherbringen.“

Für die Erstplatzierten gab es jeweils 300 Euro und eine Urkunde. Die weiteren Preisträger erhielten Urkunden und Bücher. Als bestes der fünf teilnehmenden Gymnasien wurde das Johann-Beckmann-Gymnasien aus Hoya mit einer Extra-Urkunde und einem Sonderpreis geehrt.

Preisträger, Lehrkräfte, Eltern, Freunde und Mitglieder der beiden Logen blieben noch für geraume Zeit im Nienburger Logenhaus in der Cretschmarstraße zu angeregten Gesprächen.

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Ein Vorbild für alle Brüder

v.l.n.r: Doris Schröder Köpf, Abayomi Oluyombo Bankole, Boris Pistorius (Foto Christian Kunze / www.alles-kunst.de)

1972 flüchtete Abayomi Oluyombo Bankole aus dem von Unruhen und Militärdiktaturen geprägten Nigeria nach Deutschland. Am 4. Dezember 2018 verlieh der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius „Yomi“ das Verdienstkreuz am Bande. Doch wie kam es dazu?

(Hannover. ck) Abayomi Bankole, in Nigeria Luftwaffenpilot, sah 1972 sein Leben in Nigeria bedroht. Über England flüchtete er nach Deutschland und ließ sich in Hannover nieder, wo bereits ein Cousin von ihm lebte. Doch der Anfang war schwer: So forderte der Sachbearbeiter im Amt ihn auf, innerhalb von drei Monaten deutsch zu lernen, ansonsten würde man ihn nach Nigeria zurückschicken.

Das war für Abayomi der initiale Anstoß. Er las Bücher und er schaute, so erzählt er es heute gerne, Bundestagsdebatten und sprach alles nach was dort gesagt wurde. Besonders die Reden von Willi Brandt gefielen ihm, weil dieser deutlich und langsam sprach. So brachte in gewisser Weise Willi Brandt Abayomi Bankole Deutsch bei. Als er nach den drei Monaten wieder im Amt vorsprechen musste, hatte er so viel Deutsch gelernt, dass der Mitarbeiter des Amtes sehr erstaunt war. Abayomi durfte bleiben.

Eine Ausbildung zum Verkehrspiloten konnte er sich leider damals nicht leisten, eine Stelle als Maschinenschlosser versuchte er über das Arbeitsamt zu bekommen. Aber immer waren die Stellen gerade vergeben worden. Eine Zeit lang verdiente er sein Geld als Taxifahrer, bis er auf die Idee kam, sich in einem „typisch deutschen“ Geschäftsfeld selbständig zu machen. Bankole wurde erfolgreicher Versicherungsmakler.

Am 11. März.1997 wurde Abayomi in der Loge Baldur in Hannover aufgenommen. Seitdem ist er ein wichtiges Glied in der Bruderkette.

Ein Ereignis veranlasste ihn 2007 den „Afrikanischen Dachverband Norddeutschland“ (http://adv-nord.org) zu gründen. Kurz vorher war er Zeuge geworden, wie eine Polizeistreife einen Afrikaner, der mit dem Fahrrad unterwegs war, anhielt und von diesem eine Quittung für dessen Fahrrad verlangte.

Der Verein wurde gegründet, um sich für ein demokratisches Miteinander einzusetzen, gegen Rassismus und Intoleranz zu kämpfen und afrikanischen Bürgern eine hilfreiche und beratende Stütze zu sein. Die Förderung der Integration, Beratung und Mitwirkung in Fragen Stadtentwicklung, Kultur und Umwelt, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und Beratung in Interkulturellen Angelegenheiten gehören zu den Zielen des Dachverbandes.

2007 initiierte „Yomi“ Bakole „Kicken gegen Vorurteile“, ein Fußballturnier mit Polizisten, Afrikanern und Interessierten, um Vorurteile abzubauen. Von 2008 – 2015 war Abayomi Mitglied des Integrationsrates der Landeshauptstadt Hannover. 2011 erhielt Bankole den Integrationspreis des Gesellschaftsfonds. 2013 wurde Abayomi Bankole in die Kommission des Niedersächsischen Landtages für Integration und Teilhabe berufen. 2015-16 war Abayomi im Niedersächsischen Beirat für Migration und Teilhabe und übergab Ministerpräsident Weil in diesem Rahmen Empfehlungen für ein Einwanderungsgesetz. Es würde zu weit führen alle Aktivitäten, die Bruder Bankole in den letzten 20 Jahren initiiert hat aufzuführen, aber eines ist sicher: Abayomi hat sich immer für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Humanität und Toleranz eingesetzt.

Aber letztlich führte Ihn sein Engagement am 4. Dezember 2018 in das Gästehaus der niedersächsischen Landesregierung. Die anwesenden ca. 40 Gäste aus Politik, Kultur, Freundeskreis,  der Familie und Bruderschaft der Loge konnten erleben, wie ein sichtlich bewegter Innenminister eine großartige Laudatio auf Abayomi Bankole hielt. Besonders würdigte der Minister das hervorragende, jahrelange und ehrenamtliche Engagement gegen Rassismus und für Integration von Herrn Bankole.

Es war ein bewegender Moment als Pistorius Bankole das Verdienstkreuz ansteckte und gratulierte. Sichtlich bewegt hielt Bruder „Yomi“ eine Dankesrede, in der er sich auch bei den Brüdern der Loge bedankte, die ihn bei seiner ehrenamtlichen Arbeit unterstützt hätten.

Ich denke ich übertreibe nicht, wenn ich schreibe: Die Brüder der Loge Baldur sind stolz darauf mit „Abayomi Oluyombo Bankole“ einen Bruder zu haben, der die Grundwerte der Freimaurerei in die profane Welt trägt.

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Neujahrsempfang der Nienburger Freimaurerloge

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Die Nienburger Freimaurerloge „Georg zum silbernen Einhorn“ hatte zu Beginn des neuen Jahres zum traditionellen Neujahrsempfang eingeladen.

(Nienburg/dh) Der Meister vom Stuhl Dr. med. Wilhelm C.F. Cohrs begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen Henning Onkes, Bürgermeister der Stadt. Neben weiteren Vertretern aus Politik und Wirtschaft fanden sich Präsidentinnen und Präsidenten der in der Stadt und im Landkreis aktiven Serviceclubs Lions und Rotary, des Heimatbundes, der Historischen Gesellschaft und weiterer Vereine ein. Auch Brüder und Schwestern befreundeter Logen aus Stadthagen, Hoya, Celle und Hannover trugen sich in das Anwesenheitsbuch ein.

Der Stuhlmeister tat einen Rückblick auf das vergangene Jahr und gab einen Einblick in die Herausforderungen des neuen Jahres für die Nienburger Freimaurer: „Wir arbeiten an uns, für unsere Loge und für unsere Gesellschaft. Freiheit, Brüderlichkeit, Menschlichkeit und Toleranz, sind dabei die bestimmenden freimaurerischen Grundhaltungen“.

Festredner war Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün, der einen Vortrag über die Arbeit der Freimaurer und über die Aufgabe und Wirkung von Ritualen hielt. Der Referent ist selbst seit vielen Jahren bekennender Freimaurer. Er widmete sich dem Studium der Philosophie, Mathematik sowie mittlerer und neuerer Geschichte, aber auch Geschichte der Naturwissenschaften sowie alte Philologie in Frankfurt am Main. Klaus-Jürgen Grün ist apl. Professor für Philosophie, Unternehmensberater und Ethik-Experte. Er bietet regelmäßig Lehrveranstaltungen in Philosophie gemeinsam mit Managern und Studenten an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main an. Seit Sommer 2001 ist Klaus-Jürgen Grün Leiter des von ihm gegründeten Philosophischen Kollegs für Führungskräfte. Er ist Mitglied in verschiedenen Forschungsgesellschaften und Ehrenmeister der Forschungsloge Quatuor Coronati.

Freimaurerei kann, so Prof. Grün, als ein Gesamtkunstwerk betrachtet werden. So wie die Kunst sich in den Schüben der Aufklärung emanzipierte von der Zwanghaftigkeit, eine bloße analoge Abbildung und Wiederholung der Gegenstände der Welt zu sein, verrücken die Rituale der Freimaurer die elementaren Symbole der Arbeit aus dem Kontext ausbeuterischer Lohnarbeit heraus.

Durch ihren Symbolcharakter bereitet die Freimaurerei einen Boden, auf dem man sich bewusst machen kann, dass Vieles in Zukunft eine vollkommen andere Bedeutung gewinnen kann, als es unserer Gewohnheit entspricht. Menschen werden durch die Kunst wie auch durch die Freimaurerei daran gewöhnt, dass auch ihre heiligsten Werte vorwiegend Symbolcharakter haben.
Angesichts einer Gegenwart, in der Auflösungserscheinungen religiöser Dogmen sich in Sprengstoffgürtel verwandeln, hat die rituelle Einübungspraxis in das Verständnis von Metaphern und Symbolen eine ungewollte Aktualität erhalten.

Nicht die Verkündigung einer unabänderlichen Wahrheit trägt die Hoffnung auf eine menschlichere Zukunft, sondern die Gewöhnung der Menschen daran, dass die Zukunft stets offen ist und durch Arbeit – auch an sich selbst – gestaltet werden kann.
Die anwesenden Gäste bedachten den anspruchsvollen, abwechslungsreichen und mit Witz frei vorgetragenen Festvortrag mit herzlichem Beifall. Ralf Winkelmann, Lehrer an der Musikschule Nienburg, begleitete den Empfang einfühlsam und ausdruckstark auf seiner Gitarre und wurde ebenfalls mit herzlichem Beifall belohnt.

Viele Gäste nutzten die sich anschließende Möglichkeit, bei einem kleinen Buffet Neujahrsgrüße und Gedanken in den Logenräumen auszutauschen.

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Neujahrsempfang der Wolfsburger Loge “Carl zur siegenden Wahrheit”

Stuhlmeister Mike Morris, Bürgermeister Matthias Neulich, Herr Plot, Altstuhlmeister Lutz Dietrich bei der Scheckübergabe

Anlässlich des gut besuchten Neujahrsempfanges der Wolfsburger Loge "Carl zur siegenden Wahrheit" spendete die Bruderschaft 3.500 € an den Gifhorner Kinderfonds "Kleine Kinder immer satt".

(Wolfsburg/ld) Der Neujahrsempfang der Freimaurerloge „Carl zur siegenden Wahrheit“ im Hoffmannhaus in Fallersleben war trotz ungünstigen Wetters gut besucht. Aus dem Einzugsbereich waren der Gifhorner Bürgermeister Matthias Nehrlich und der Samtgemeindebürgermeister Herr Metzlaff aus Isenbüttel erschienen. Der Altstuhlmeister der Loge Lutz Dietrich stimmte die Gäste und Logenmitglieder auf das Programm ein mit Informationen über die Inhalte und ethischen Wertvorstellungen der Freimaurer als Grundlage für Mitmenschlichkeit, Toleranz und Wohltätigkeit. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch die Herren Peter Boenisch und Zlatko Baban von der Kreismusikschule Gifhorn.

Der Festvortrag von Prof. Dr. Bauer über Sprache im 21. Jahrhundert beleuchtete in kurzweiliger und informativer Form viele Facetten dieser menschlichsten aller Ausdrucksformen, ihrer verbindenden und trennenden Funktion, ihrer klärenden und verschleiernden Möglichkeiten, ihre anregende, ruhigstellende oder manipulative Bedeutung bis hin zur Anstiftung zu Liebe oder Hass. Die Aufforderung zur Nutzung der Sprache als Instrument zur Förderung der Humanität wies in die Zukunft.

Im Anschluss wurde im Rahmen des sozialen Engagements der Loge durch den Stuhlmeister Mike Morris an Herrn Bürgermeister Matthias Nerlich und Herrn Ploog vom Gifhorner Kinderfonds „Kleine Kinder immer satt“ eine Spende von 3.500 € überreicht. Es handelte sich um eine Spende der Brüder in Höhe von 2.500 €, die durch das Freimaurerische Hilfswerk um 1.000 € aufgestockt wurde.

Nach Dankesworten von Herrn Ploog wurden beim anschließenden Buffet Meinungen ausgetauscht, Gedanken vertieft und Aktionen für das neue Jahr angestoßen.

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Für ein neues Verständnis der Freimaurerei

Der Philosoph und Freimaurer Klaus-Jürgen Grün

„Der symbolische Bund der Freimaurer“: Unter diesem Titel hatte Klaus-Jürgen Grün, Philosoph, Freimaurer und ehemaliger Meister vom Stuhl der Forschungsloge Quatuor Coronati, seinen Vortrag im Lortzinghaus am 29. November 2018 angekündigt.

(Osnabrück / rm) Der Abend ging über diesen Titel deutlich hinaus – mit einem vehementen Plädoyer für die Eigenverantwortung des Menschen und einer Auffassung von Freimaurerei, die weniger auf Tradition statt auf Neuerfindung setzt. Grün führte dieses Verständnis unter anderem mit einer prägnant neuen Definition des Begriffes Arbeit vor. Arbeit sei im Verständnis der Freimaurer nicht einfach Verbrauch von Kraft, sondern im Gegenteil eine Erweiterung. Der Tempel werde erst durch Tätigkeit zu etwas besonderem, plädierte Grün für ein aktives Verständnis der Freimaurerei.

Der Referent untermauerte seine Thesen mit ausführlichen Exkursionen in die Geschichte der Philosophie und der Wissenschaften. Dabei unterschied er grundsätzlich zwischen Entdeckung und Erfindung der Welt, zwischen dem, was er analoges und digitales Denken nannte. Wer die Welt entdeckt, setzt sie als etwas von ihm unabhängig existierendes voraus, wer sie erfindet, bringt Welt überhaupt erst hervor, durch Worten und Taten. Diese Opposition bezog Grün auch auf ethische Konzepte. Wer analog denke, mache für sein Handeln eine übergeordnete Instanz verantwortlich. Wer sie erfinde, übernehme für seine Handlungen Verantwortung. Grün schilderte – ein krasses Beispiel – das Verhalten von Tätern des Dritten Reiches, die für ihre Handlungen nicht selbst die Verantwortung übernommen, sondern auch übergeordnete Instanzen der Partei oder des Staates verwiesen hätten. Pflichterfüllung als Paradigma der systematischen Verantwortungslosigkeit: Grün ließ keinen Zweifel daran, wo er den Ort für den selbstständigen und verantwortungsvollen Menschen sieht.

Ob Erkennen oder Kommunikation – Menschen bilden Welt nicht einfach ab, sie erzeugen sie. Grün bezog sich auf jene Grundverständnisse von Welt und Erkennen, wie sie der Konstruktivismus und die Systemtheorie formuliert haben und zitierte folgerichtig den Kybernetiker Heinz von Foerster und den Soziologen Niklas Luhmann. Besonders wichtig: Menschen nehmen Bedeutungen nicht einfach von außen entgegen, sie kreieren sie als Reaktion auf Wahrnehmung und Kommunikation. Damit zeichnete Grün das Bild einer Welt, die wir nicht einfach vorfinden, sondern in unserem Machen, Sagen und Schaffen ständig neu erschaffen. Menschen sind nicht triviale Maschinen: Mit diesem Terminus umschreiben Systemtheoretiker ihr Bild vom Menschen als einem ständig lernenden und in diesem Sinn produzierenden Wesen, das sich über selbst produzierte Rückkopplungen ständig weiter entwickelt.

Liegt Gott also nicht in einem fernen Jenseits oder Über-Uns, sondern in der Hirnschale des Menschen, also in seiner Kreativität und Produktivität? Grün zitierte dafür Michelangelos Deckengemälde „Die Erschaffung Adams“ aus der Sixtinischen Kapelle in Rom. Er interpretierte den Umriss, in den der Maler die Gestalt Gottes einfügte, als Silhouette der menschlichen Hirnschale und damit als eine implizite Absage des Künstlers an Transzendenz und daraus folgende Konzepte des Menschen. Grün forderte nachdrücklich dazu auf, auf dieser Basis auch das Verständnis der Freimaurerei neu zu denken und dabei auf Eigenverantwortung und Kreativität zu setzen. Die Idee der Humanität sei nur im sozialen Gefüge möglich, sagte Grün. In der Freimaurerei sei alles Resultat der Praxis, formulierte der Philosoph sein Verständnis einer aktiven, auf Weltgestaltung im Hier und Jetzt setzenden Freimaurerei. Dass er seine Ausführungen frei vortrug und sich dabei auf die Kunst der vehementen Ansprache seines Publikums verstand, ist jedem nachvollziehbar, der Klaus-Jürgen Grün einmal erlebt hat. Er ist ein Performer seiner Philosophie.

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Auf Liebe und Tod: Konzert im Lortzinghaus Osnabrück

Der Pianist Florian Krumpäck und der Sänger Marek Kalbus im Lotzinghaus

Sänger Marek Kalbus und Pianist Florian Krumpöck begeisterten mit Liedern von Franz Liszt im Osnabrücker Logenhaus.

(Osnabrück/rm) Spätromantiker und Selbstdarsteller, Tastenlöwe und Megastar, katholischer Abbé und bekennender Freimaurer: Franz Liszt war vieles gleichzeitig. Eines war er nicht – ein Mann der leisen Töne. „Gestorben war ich vor Liebeswonne, begraben lag ich in ihren Armen“: Es sind Texte wie dieser von Ludwig Uhland, die den Komponisten, der vor allem mit prunkenden Klavierkonzerten und sinfonischen Dichtungen wie dem von den Nationalsozialisten missbrauchten „Les Préludes“ berühmt wurde, dazu drängten, Lieder zu komponieren. Liszts Lieder locken in einen Kosmos extremer Gefühle. Der Bassbariton Marek Kalbus und der Pianist Florian Krumpöck machten sich bei ihrem Konzert am Samstagabend im Lortzinghaus auf die Reise durch diese Welt wogender Emotion.

Dabei teilten die beiden Künstler den Abend in zwei Teile, die einander so spiegelbildlich entgegengesetzt waren wie die Leitbegriffe, die den Komponisten umtrieben: Liebe und Tod. Florian Krumpöck leitete das Programm solistisch ein – mit Liszts Transkription des „Liebestods“ aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Darauf folgten Lieder, die Liebessehnen als Todeserfahrung reflektieren. Den Kontrapunkt setzte zu Beginn des zweiten Teils nach der Pause „O lieb so lang Du lieben kannst“ nach einem Text von Ferdinand Freiligrath, ein flammendes Bekenntnis zur Liebe als Inbegriff der Sehnsucht nach Zuneigung und Leben.

Franz Liszt hat sich von beiden Polen der Liebe aus in sein Liedschaffen wie in ein Meer brandender Klänge gestürzt. Sänger Marek Kalbus und Pianist Florian Krumpöck taten es ihm nach. Dabei agierten die Musiker expressiv und kontrolliert zugleich. Krumpöck spielte mit Finesse und fein dosiertem Anschlag, Kalbus sang ausdrucksstark und phrasierte zugleich geschmackvoll. Wenn es so etwas wie maßvolle Ekstase gibt – den beiden Musikern gelang diese heikle Balance im Lortzinghaus.

Dabei ging gerade Bassbariton Kalbus hohes Risiko. Für die zwei denkbar unterschiedlichen Hälften des Konzerts hatte er eine Fülle unterschiedlicher Klangfarben aufzubieten. Der Sänger bestand diese Probe auf seine Kunst bravourös und hielt sein Niveau auch gegen die Beeinträchtigungen durch eine Erkältung souverän. Glanzpunkte setzte er mit zwei Liedern nach Texten Goethes. „Über allen Gipfeln ist Ruh“ und „Wer nie sein Brot mit Tränen aß“, das Lied des Harfners aus dem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ interpretierte Kalbus höchst differenziert. Ob auffahrender Schmerz oder leise Resignation – der Sänger gestaltete beide Lieder als Gefühlsdramen en miniature differenziert durch und fand sich dabei von Pianist Krumpöck bestens begleitet.

Mit „Weimars Toten“ platzierten die Künstler den Umschlagpunkt des Programms geschickt direkt vor der Pause. Liszt feiert in diesem kurzen Lied, in dessen Text sich Goethe auf Morgenröte reimt, die Größen der Weimarer Klassik als Künder einer neuen Zeit. In diesem Sinn ging es durch die zweite Hälfte des Abends wie durch eine ganz andere Welt euphorischer Gefühle. Liebe als Inbegriff des Lebensglücks – alle Lieder, die Kalbus und Krumpöck nach der Pause sangen, entführten die Zuhörer in Sphären euphorischen Lebensgenusses.

Dabei folgte die Regie des Programms nicht einfach dem Prinzip schlichter Spannungssteigerung. Kalbus und Krumpöck unterlegten die Dramaturgie ihres Auftritts auch mit einem subtil angedeuteten freimaurerischen Programm. Sie nahmen ihre Zuhörer mit auf einen Weg, der durch das Dunkel der Todeserfahrung in das Licht der Liebe und Freundschaft führt und damit bewusst macht, wie mit der Endlichkeit der Existenz bewusst umzugehen ist. Mit ihren Zugaben gaben Kalbus und Krumpöck dieser Linie ihres Programms noch einmal ganz deutliche Kontur. Mit Albert Lortzings Lied „Zwei Sterne“ verbeugten sie sich vor dem Komponisten und unserer gastgebenden Loge, in der Lortzing wirkte, gleichermaßen. Und mit Carl Loewes Lied „Die Uhr“ verwiesen sie auf die Erfahrung der Lebenszeit und ihrer weisen Einteilung als einem zentralen Element der Königlichen Kunst. Die beiden Künstler rundeten damit einen vorzüglichen Konzertabend ab, der Profane und Brüder Freimaurer in gleicher Weise begeisterte. Wie heißt es in Lortzings Lied „Zwei Sterne“? „Selig, ein Maurer zu sein“.

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