Gamben in der Hoyaer Loge

Motek Leeuwarden
Der Instrumentenbauer Motek Leeuwarden gibt Einblicke in die Handwerkskunst

Am vergangenen Freitag fand in der Freimaurerloge „St. Alban zum Aechten Feuer“ in Hoya ein öffentlicher Vortrag über den „Bau von europäischen Streichinstrumenten“ statt. Der Vortragende, Motek Leeuwarden aus Schwarme, ist ein renommierter Instrumentenbauer, spezialisiert auf historische Streichinstrumente und Bögen.

Hoya (aj). Herr Leeuwarden hatte im vollbesetzten Logenhaus eine kleine Auswahl seiner Werkzeuge, halbfertiger Teile, eine fertige Gambe und eine Violine mitgebracht, so dass die Loge tatsächlich einer Werkstatt glich. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Streichinstrumente stellte der Vortragende plastisch dar, aus welchen unterschiedlichen Schritten sich der langwierige Prozess zusammensetzt, wenn er ein Instrument in der Tradition der alten, weltberühmten Geigenbauer anfertigt.

Da Herr Leeuwarden auf Serienfertigung, fertig eingekaufte Teile und moderne Werkzeuge verzichtet, schafft er es, Instrumente zu bauen, die den großen Vorbildern sehr nahe kommen. Ob er die Zargen von Hand biegt, Boden und Decke aushobelt, die Wirbelt dreh oder die Schnecke von Hand schnitzt, alles ist reine Handarbeit. Besondere Bewunderung erntete er bei den Zuhörern, als er erklärte, wie er hauchdünne Holzstreifen schneidet und als Intarsien in Decke und Boden der Instrumente einlässt. Sogar den Lack für seine Instrumente stellt er selber her, indem er bestimmte Harze von Hand mörsert, in reinem Alkohol auflöst, filtert, und dann in zahllosen hauchdünnen Schichten auf die Instrumente aufträgt und zum Schluss poliert.

Zum Abschluss gab es noch eine rege genutzte Fragestunde über den Umgang mit Instrumenten.

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Auf den Spuren der Mannheimer Freimaurer

Foto domeckopol / pixabay

Das Großlogentreffen vom 29. bis 31. Mai in Mannheim ist der Höhepunkt des Maurerjahres für unsere Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Im 70. Jahr ihres Bestehens treffen sich die Vertreter der Mitgliedslogen, um über die Aufgabe und Rolle unseres Bruderbundes in einer sich immer stärker verändernden Welt zu beraten.
Mit Mannheim wurde ein auch für Freimaurer sehr geschichts- und symbolträchtiger Veranstaltungsort gewählt.
Br. Alexander John, Meister vom Stuhl der gastgebenden Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ Nr. 31, hat sich auf die Spuren der masonischen Geschichte Mannheims begeben.

Seit wann Freimaurerei in Mannheim existiert, ist nicht eindeutig belegt. Gesichert ist 1756 als Gründungsjahr der Loge „Charles de l’Union“, mitten in der Regentschaft des Kurfürsten Karl Theodor, dem gemeinhin eine Nähe zur Aufklärung nachgesagt wird. Indes finden sich Spuren, die dafür sprechen, dass in Mannheim gar die erste Loge im deutschsprachigen Raum 1727 gegründet wurde. Die Spuren sind allerdings nicht sehr konturreich. Ausgangspunkt ist ein kurpfälzisches Dekret von Kurfürst Karl Philipp vom 21. Oktober 1737. In ihm verbietet der Kurfürst bei Strafe der Amtsentsetzung allen in Zivil- und Militärdienst stehenden Personen, in die „sogenannte Brüder- oder Gesellschaft der franc macons ein[zu]treten“ – mithin Freimaurer zu werden. Und wo die Mitgliedschaft verboten wird, müsste doch eigentlich eine Loge existieren …

Liegen in Mannheim die Wurzeln der deutschen Freimaurerei?

Ein späteres Quellenzeugnis, der Brief von Ignaz Freiherr von Reibelt an seinen Bruder Uriot aus dem Jahr 1769, behauptet, der englische Gesandte am Pfälzer Hof, Graf Albrecht Wolfgang von Schaumburg-Lippe, der erste deutsche Freimaurer überhaupt, habe 1727 eine Loge in Mannheim mit dem Namen „Einigkeit“ gegründet. Doch kennen wir weder den vollständigen Namen noch den Sitz und weitere Mitglieder. Es muss also offenbleiben, ob ab 1727 wirklich eine feste Organisation oder erst noch ein loser Zusammenschluss Gleichgesinnter bestand. Jedenfalls dürfte Kurfürst Karl Philipp – in seiner ganzen Programmatik einem kämpferischen Geist des Katholizismus verhaftet – jegliche Vereinigung von Personen, die hinter verschlossenen Türen eigene Vorstellungen über einen besseren Staat und eine bessere Kirche debattierten, ein Gräuel gewesen sein. Generell kann für das 18. Jahrhundert die These formuliert werden, dass das Verhältnis zwischen der machtvoll wachsenden Zahl an Freimaurern und dem kurpfälzischen Staat in der Tendenz eher kompliziert blieb.

Mannheimer mit guten Manieren und erlesenem Geschmack

Sicheren Boden betreten wir also erst ab 1756, als in Mannheim die Loge „Charles de l’Union“ (Matrikel-Nr. 31) begründet wird, die allerdings nicht nach dem Kurfürsten benannt ist, sondern nach dem Stuart-Prätendenten für den englischen Thron, Charles Edward, da die Loge dem französisch-schottischen Freimaurersystem anhing. Franzosen waren die führenden Persönlichkeiten in der Mannheimer Loge, so etwa der Hofzahnarzt Johann Baptist Drouin oder der französische Schauspieler Le Bauld-de-Nans als erster Meister vom Stuhl. Unter den Gründungsmitgliedern war auch der Jesuit Franz Joseph Seedorf, väterlicher Erzieher, Beichtvater und später einer der engsten Berater des jungen Kurfürsten Karl Theodor. 1774 löste sich die Loge offenbar wegen interner Konflikte auf, was nicht untypisch in der Geschichte der Freimaurerei ist, die immer wieder von inneren Richtungskämpfen erschüttert wurde.

Nachdem Karl Theodor in der Silvesternacht 1777/78 zum Erbe des bayerischen Kurfürstentums wurde und die Residenz von Mannheim nach München verlegt hatte, erstarkten die Bestrebungen zur Wiederbelebung oder gar Neugründung einer Loge in Mannheim. So ersuchte der spätere Theaterintendant Wolfgang Heribert von Dalberg den Kurfürsten um die Zustimmung zur Gründung einer Loge der Strikten Observanz. Karl Theodor lehnte ab. Unabhängig davon lebte 1778 die alte Loge „Charles de l’ Union“ wieder auf, unterstützt vor allem von Offizieren und Mitgliedern der Schauspieltruppe.

Der Florentiner Cosimo Allessandro Collini, eine Persönlichkeit des Hofes, attestierte den Mannheimern Urbanität, Höflichkeit, gute Manieren und Geschmack, insbesondere den „besseren Kreisen“ am Ende des 18. Jahrhunderts. Zu den für neue Ideen offenen Kreisen wie etwa die Deutsche Gesellschaft gehörten vor allem viele Offiziere, Künstler und Theatermitglieder, die wiederum das Gros der Mitgliedschaft in der Mannheimer Freimaurer-Loge stellten. Von 57 ­bekannten Mitgliedern waren 22 höhere Militärs, je sechs Schauspieler und Tänzer, drei Musiker, zwei bildende Künstler, darunter Egid Verhelst, und je zwei Advokaten, Kaufleute und Handwerker. Das heißt, um 1780 dominierten die höfisch-staatlichen Bediensteten in der hiesigen Freimaurerei.

Illuminaten unterwanderten die Logen in der Kurpfalz

Seit 1781 begann sich auch der einige Jahre zuvor gegründete Illuminatenorden in der Kurpfalz zu verbreiten. Zweiter Gründer neben Prof. Adam Weishaupt war Adolf Freiherr von Knigge, der in Heidelberg lebte. Knigges Programm der Unterwanderung und Übernahme der bestehenden Logen durch den Illuminatenorden wurde in Heidelberg, Mannheim und Kaiserslautern angewandt. Dalberg zeigte sich als Anhänger einer fürstlich-gemäßigten Aufklärung und einer eher mystischen, auf jeden Fall staatstragenden Maurerei allerdings als entschiedener Gegner der geheimbündlerischen Illuminaten, denen er etwa in der Deutschen Gesellschaft entgegentrat.

Nach Aufdeckung des Geheimbundes in Bayern ergingen seit 1784 Verordnungen gegen Freimaurer wie Illuminaten, die 1785 zur Auflösung aller Logen in der Kurpfalz führten. Unmittelbar vor ihrer Auflösung hatte die Mannheimer Loge in Karlsruhe noch eine neue Loge unter dem Namen „Karl zur Einigkeit“ gegründet. Der Name war eine direkte Übersetzung des alten Namens der Mannheimer Loge. Dies zeigt, dass die Loge angesichts ihrer drohenden Auflösung ihre Aktivitäten in ein benachbartes Territorium verlegte – eine Strategie, der wir auch in späteren Jahren wieder begegnen. Dennoch herrschte in Mannheim nach wie vor ein vergleichsweise liberales, aufgeklärtes und intellektuelles Klima, bekanntlich verkörpert in Schillers „Räubern“, die hier 1782 ihre gefeierte Uraufführung erlebten.

Als der Kurfürst 1778 nach Bayern abreiste und Mannheim seinen Status als Residenz verlor, war Karl Theodors Abschiedsgeschenk das von Dalberg geleitete Nationaltheater. Diese Spielstätte trat gewissermaßen bis in die frühe badische Zeit, vor allem als die beiden Freimaurer Heribert von Dalberg und Anton von Klein das Theaterleben bestimmten, das Erbe der Aufklärung an. Zwar gelang es nicht, den führenden deutschen Freimaurer Gotthold Ephraim Lessing als Leiter des neuen Nationaltheaters zu gewinnen, der durch die Freimaurergespräche „Ernst und Falk“ 1778 hervorgetreten war. Doch die Mannheimer Theaterszene, ob in der Leitung oder im Ensemble, stand in großen Teilen der Freimaurerei und ihrem Streben nach Weltverbesserung und Menschheitsveredelung nahe. Offiziell wurden die Logen ab 1806, wenn auch nur für kurze Zeit, wieder zugelassen. So erlebte das „Logenhaus“ des Großherzoglichen Hof- und Nationaltheaters am Donnerstag, dem 15. Januar 1818, die Erstaufführung eines Stückes, das den bezeichnenden Titel „Der Freimaurer“ trägt und aus der Feder von August Friedrich Ferdinand von Kotzebue stammt.

Dichter und Freimaurer August von Kotzebue wurde in Mannheim ermordet

Seit 1813 war die Freimaurerei im Staat Baden wieder einmal verboten. Die Mannheimer Freimaurer waren deswegen nach Frankenthal ausgewichen und hielten dort ihre Zusammenkünfte ab. Das Verbot galt in Baden übrigens bis 1830.
Mittlerweile ist das eher seichte Bühnenspiel Kotzebues, wie nahezu alle Stücke des Autors, in Vergessenheit geraten. Der Name Kotzebue ist aus einem ganz anderen Grund bis heute präsent. Seine Ermordung am 23. März 1819 in A 2, 5 – unweit vom Schloss – lieferte bekanntermaßen den Anlass, um mit den Karlsbader Beschlüssen ein restauratives System im Deutschen Reich zu begründen. Die Burschenschaften wurden aufgelöst, missliebige Professoren ebenso wie Journalisten und Redakteure mit Berufsverbot belegt, die Universitäten unter staatliche Aufsicht gestellt. Eine geradezu allgegenwärtige Zensur suchte die Presse mundtot zu machen und jeglichen Freigeist zu ersticken. Versammlungsfreiheit war nicht mehr gegeben. Davon waren wieder einmal auch die Freimaurer betroffen.

Und die Karlsbader Beschlüsse führten mit dazu, dass sich das Urteil des zeitgenössischen Malers Wilhelm von Kuegelgen (1802–1867) im kollektiven Geschichtsbild durchsetzte, wonach der Freimaurer Kotzebue „ein literarischer Giftmischer, ein russischer Spion, ein Vaterlandsverräter und Abgrund alles Verderbens“ gewesen sei. Dagegen habe, so Kuegelgen, der „Heldenjüngling“ Sand – Kotzebues Mörder – „diesen Höllenpfuhl mit seinem Pestqualm geschlossen, sich selbst als ein anderer Curtius fürs Vaterland und seine heiligsten Interessen opfernd“. Insofern hat im heutigen Geschichtsbild eine merkwürdige Rollenverdrehung stattgefunden: der Freimaurer Kotzebue erscheint als der geistige Täter der deutschen Unfreiheit, hingegen Karl Ludwig Sand als das heldenhafte Opfer, als Bannerträger von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ und damit gleichsam als ein „Freimaurer im Geiste“.

Bürgerlich-demokratische Positionen prägten Mannheim im 19. Jahrhundert

Die Stadtpolitik wurde zu jener Zeit vom bürgerlichen Flügel der Fortschrittspartei und der daraus erwachsenden Deutschen Volkspartei geprägt, die im politischen Spektrum als linksliberal etikettiert werden kann. Bedeutende Freimaurer haben in ihr eine gewichtige Rolle gespielt: Zum einen der Kaufmann Karl Nestler, Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ von 1852 bis 1854 und Bürgermeister der Stadt Mannheim von 1849 bis 1869. Zum anderen Eduard Moll, der erstmals 1870 als Stadtoberhaupt gewählt und 1875 und 1885 wiedergewählt wurde. Er trug in dieser Funktion den Titel des Ersten bzw. dann des Oberbürgermeisters. Von 1852 bis 1865, mithin dreizehn Jahre, stand er als Meister vom Stuhl der Johannis-Loge „Carl zur Eintracht“ vor.

Karl Nestler wie auch Moll prägten nahezu vier Jahrzehnte das lokalpolitische Geschehen der rasch wachsenden Handels- und Industriestadt Mannheim, in der 1886 der Benzwagen patentiert und im gleichen Jahr mit dem Bau des Wasserturms begonnen wurde. In ihrer politischen Grundhaltung verkörperten beide eine eigenständige, stark vom Geist der 1848er-Revolution bestimmte bürgerlich-demokratisch Position, die auf die strikte Trennung von Staat und Kirche pochte, worin sich beispielhaft ihre freimaurerische Grundhaltung widerspiegelte. Doch sollten die von ihnen repräsentierten Demokraten in Mannheim ab den 1870er Jahren zwischen den nun heraufziehenden führenden Antipoden, den Nationalliberalen und den Sozialdemokraten, allmählich zerrieben werden, so dass ihre dominierende Ära mit Eduard Molls Rücktritt im August 1891 endete.

Moll bot jeglicher politischen und religiösen Hetze – auch dem im deutschen Kaiserreich wieder anwachsenden Antisemitismus – energisch die Stirn. Das war auch Ausdruck seines Verständnisses von Humanität oder, wenn man so will, Ausdruck seiner freimaurerischen Überzeugungen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass führende jüdische Intellektuelle und Bürgersöhne, wie z. B. Bernhard Herschel, der Loge „Carl zur Eintracht“ angehörten. Und die 1877 von der Badenia-Loge abgespaltene Spinoza-Loge rekrutierte ihre Mitglieder sogar überwiegend aus jüdischen Kreisen.
Es waren auch Mannheimer Freimaurer, die um den Erhalt der ersten deutschen Republik kämpften und für eine Aussöhnung mit dem Nachbarn Frankreich warben.

„Carl zur Eintracht“ ist die Mutterloge der Mannheimer Freimaurerei

Pfingsten 1929 – am 200. Geburtstag von G. E. Lessing – fand die neunte „Internationale Freimaurerische Friedensmanifestation“ in Mannheim statt. Aber auch hier scheint die lokale Szene noch gespalten gewesen zu sein, denn fünf Mannheimer Logen nahmen an der Kundgebung offiziell nicht teil. 1929 haben verschiedene Redner, darunter der Ludwigshafener Logenbruder Dr. Friedrich Wilhelm Wagner, auf die deutsch-französische Verständigung abgehoben. Den Faschismus sahen Wagner wie andere Redner schon als Bedrohung für Europa. Man traf sich bezeichnenderweise im Logenhaus der „August-Lamey-Loge“ des befreundeten jüdischen B’nai-B’rith-Ordens in C 4, 2, ferner bei einer Vorstellung im gerade erst zwei Jahre zuvor eröffneten Planetarium im Luisenpark und – wie könnte es anders sein – im Nationaltheater bei Mozarts Freimaueroper „Zauberflöte“.

In den 30er Jahren zog die Diktatur auf, und bereits im Winter 1932/33 waren die meisten Logenhäuser verkauft. Während es bei den altpreußischen Großlogen Versuche der Anbiederung gegenüber der NS-Diktatur gab, scheint es im Südwesten von Anfang an einen klaren Willen zur Selbstauflösung gegeben zu haben. So auch bei der Loge „Carl zur Eintracht“, die am 22. April 1933 nach eingehender Aussprache einstimmig die Selbstauflösung beschloss.

Nach 1945 erfolgte die Wiederbelebung der Freimaurerei bemerkenswert schnell und unaufgeregt, auch wenn die Rückgabe und Entschädigungsfrage des im Zweiten Weltkrieg zerstörten, einst unter Eduard Moll 1885 gebauten Logenhauses in L 8, 3 auf sich warten ließ. Mit dem neuen Haus in L 9, 9, geweiht am 2. März 1952, fand die älteste Mannheimer Loge „Carl zur Eintracht“ eine würdige neue Heimstatt. Aus ihr gingen im Laufe der Jahre zahlreiche Freimaurerlogen als Tochterlogen hervor. „Carl zur Eintracht“ ist somit die „Mutter“ aller Freimaurerlogen in Mannheim.

Inzwischen gibt es mit der 1981 gegründeten „Unitas“ nicht nur eine Loge für Freimaurerinnen in Mannheim und Umgebung, sondern auch gemischte Logen. Die Vielzahl und die Selbstverständlichkeit, mit der die Logen innerhalb der Stadt wirken, ist durchaus ein Indiz für das Maß an liberaler Toleranz von Stadt und Gesellschaft insgesamt und Spiegel einer gelebten ethisch-sozialen wie integrativen Praxis, in der Brüderlichkeit und Geschwisterlichkeit keine verstaubten Begriffe aus der Mottenkiste sind.

Der gekürzte Aufsatz ist eine für die Drucklegung überarbeitete Festrede, die der Verfasser Prof. Ulrich Nieß, Leiter des Marchivums in Mannheim, am 16. Juni 2017 anlässlich der Veranstaltung „300 Jahre Freimaurerei“ hielt, ausgerichtet von der Interessengemeinschaft Rhein-Neckar-Logen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 3-2019.

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Eutiner Freimaurer spenden für “Kinder dieser Welt”

Landrat Reinhard Sager, Hans-Peter Kirscht und Uwe Muchow von der Freimaurerloge (v. lks.)

Foto: candy1812/ Adobe Stock

Gemeinsam mit dem Freimaurerischen Hilfswerk und aus Sammlungen aus den Schlossgartenführungen durch den Eutiner Schlossgarten konnte der Meister vom Stuhl Hans-Peter Kirscht eine ansehnliche vierstellige Geldbeträge überreichen.

Eutin. (hps) “1000 Schulen für unsere Welt”, dieses Themas haben sich die Landräte der Bundesrepublik angenommen. Unter der Schirmherrschaft von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller wollen sie 1000 Schulen in den Entwicklungsländern finanzieren. Eine Schule in den Entwicklungsländern bekommt man für „schon“ 50.000 Euro, so Ostholsteins Landrat Reinhard Sager, der zugleich auch Präsident des Deutschen Landkreistages ist. Wenn wir die Schulen finanziert haben, so Sager weiter, verpflichtet sich das jeweilige Land, die Lehrer sowie das Lehrmaterial zu stellen. Dies ist ein guter Ansatz, um den Flüchtlingsstrom aus diesen Ländern zu bremsen; den Kindern dort wo sie wohnen eine Perspektive zu geben, damit diese nicht als Jugendliche auf die Flucht gehen müssen. Das alles wollen die Landräte aus privaten Spenden finanzieren und bitten um Mithilfe. 

Reinhard Sager bedankte sich bei der Freimaurerloge aus Eutin mit den Worten, dass mit der Spende der humanitäre Gedanke der Freimaurer sichtbar wird. 

Mathias Iseke-Vogelsang und Hans-Peter Kirscht von der Freimaurerloge mit Schuldirektorin Swantje Poppdreyer (v. lks.)

Selbstbewusste Kinder zu kleinen, starken Persönlichkeiten zu machen ist das Ziel der Gewaltpräventionsstunden in der Grundschule in Süsel. Seit einigen Jahren wird dieses Ziel durch besondere Unterrichtsstunden angestrebt, berichtet Direktorin Swantje Poppdreyer voller Stolz. Zunächst durch die Elterninitiative im Schulverein angestoßen, gelang es in den vergangenen Jahren mehrfach durch großzügige Spenden diese Unterrichtsstunden zu finanzieren. Für das kommende Schuljahr unterstützt die Freimaurerloge Zum Goldenen Apfel aus Eutin das Vorhaben. 

Das Thema Gewalt in der Gesellschaft hat in den vergangenen Jahren zusätzliche Relevanz erfahren, beschreibt der mittlerweile pensionierte und erfahrene Schuldirektor Matthias Isecke-Vogelsang das Problem. Das wirke sich auch auf die Verhaltensweisen der Kinder in der Schule aus, die ein Spiegelbild der Gesellschaft aufzeigt. Wenn es auch nicht die Masse der Kinder ist, die sich auffällig zeigt, so wird doch das große Gute dadurch überlagert. Weil das Verhalten der Kinder jedoch die Basis für gutes Lernen darstellt, ist dieser Unterricht immens wichtig, unterstreicht Schuldirektorin Swantje Poppdreyer die Argumentation und betont, dass die Süseler Schule als Vorreiter der Integration und Gewaltpräventation gilt. 

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Für das Leben – Rückkehr in eine kleine Stadt in Bosnien (3)

Der Weg der Flüchtlinge nach Europa führt an Minenfeldern vorbei, oder mitten durch. Wer weiß das schon? Sie kennen sich hier nicht aus. Es ist ein Spiel. Mit der kroatischen Polizei und dem Leben.

Der Krieg ist vorbei. Migranten sind die neuen Notleidenden. Auch hier wird geholfen. Und auch dem Autor, dessen neue Bilder sich über die alten legen. An der Säule zur Linken habe er seinen Lohn empfangen, sagt er. Und er sei zufrieden.

Jeder Staat darf illegale Migranten abweisen. Das ist jedoch u.a. durch die „Europäische Menschenrechtskonvention“ an Bedingungen geknüpft. Das EU Mitglied Kroatien hält sich nicht daran. Illegale „Push Backs“ nennt sich das. Dazu kommt, dass die kroatische Polizei beim Vorsichhertreiben von Flüchtlingsgruppen bosnisches Territorium nicht betreten dürfte. Dass sie es doch tut, kümmert in der EU offensichtlich auch niemanden. Der Preis für die unsichtbare Mauer an der EU Außengrenze ist ein denkbar hoher: die Menschenrechte fallen, jeden Tag.

Bihac ist erneut Brennpunkt. Die Stadt wurde während des Krieges allein gelassen. Heute passiert Ähnliches. Hier werden die Flüchtlingsströme in Richtung EU komprimiert und niemanden kümmert es. Die kroatische Polizei macht mit ihren Schlagstöcken die Drecksarbeit für die EU. Deshalb kommt kaum noch ein Flüchtling in Deutschland an. Nicht, weil es keine Flüchtlinge mehr gibt. Europäische Politiker feiern das im christlichen Abendland als „erfolgreiche Flüchtlingspolitik“.

Emmanuel und die beiden anderen Schwarzafrikaner stehen noch nicht auf „Mamas Liste“, deshalb bekommen sie erst beim nächsten Mal vollgepackte Plastiktüten. Unübersehbar frieren die drei, Hunger scheinen sie auch zu haben. Ich verabschiede mich von Emmanuel und nutze den Handschlag, um ihm unsichtbar ein bisschen Geld in die Hand zu legen. „For you three“, sage ich leise. Er nickt: „Ok Sir“. „No Sir“, sage ich. „Emmanuel, my name is Dirk“. Ich lasse mir seine Telefonnummer geben. Um die Handykarten bezahlen zu können, verkaufen sie auf dem Markt Lebensmittel, die sie von der IOM bekommen. Die Smartphones sind ihr einziger Besitz und der notwendigste, um ihr Ziel zu erreichen. „Mama“ macht ihren Job hervorragend. Auf Augenhöhe spricht sie mit den Flüchtlingen, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, notiert akribisch neue Namen für ihre Liste und die Dinge, die jeder einzelne neben Lebensmitteln für sich braucht.

Zemira Gorinjac hat eine Liste, auf der sie notiert, wer etwas Besonderes braucht. Zum Beispiel Medikamente, ein Ladekabel für das Handy oder einen Schlafsack. Bei nächster Gelegenheit bringt sie die Dinge mit. Die Flüchtlinge aus Afghanistan, dem Irak und Nigeria nennen sie „Mama“.

Nach einer Stunde fahren wir zurück. Bei dieser Frau bin ich genau richtig gelandet. Deshalb gestehe ich ihr: „Ich habe nur die halbe Wahrheit gesagt. Ich will nicht nur über Dich schreiben. Ich habe Geld dabei. Wir gehen zusammen einkaufen“. „Mama“ weiß, was die Flüchtlinge meinen, wenn sie vom Krieg in ihren Heimatländern sprechen. Sie war damals auch hier. „Ich habe viel geschrieben in dieser Zeit“, erzählt Zemira. „Nach dem Krieg habe ich alles verbrannt. Ich wollte nicht mehr daran denken“.

Am nächsten Morgen lade ich die Kleiderspenden der Brüder in „Mamas“ Garage ab und wir fahren mit zwei Autos, dem Volontär Rasim und Husnijas Enkel Melis in einen Supermarkt. Vier volle Einkaufswagen schiebe ich wie eine fette Schlange vor mir zur Kasse. Danach geht es in weitere Supermärkte. „Mama“ nutzt mehrere Läden, je nach Angeboten, um möglichst viele Lebensmittel kaufen zu können. Ein Laden hat Schlafsäcke im Angebot. Wir kaufen gleich zwanzig Stück und bringen alles in ihre Garage. Der Großteil des Geldes der Brüder ist jetzt gut investiert. Der Volontär Rasim beginnt sofort Plastiktüten voll zu packen. „Willst Du wieder mitkommen zum Verteilen?“, fragt mich „Mama“. „Nein“, antworte ich, „Du machst das schon. Ich kümmere mich um die drei Jungs aus Nigeria, die von gestern Abend“.

Es ist die Säule zur Linken, an der ich meinen Lohn empfange. Ich bin zufrieden.

Ich rufe die Drei an und treffe mich am Supermarkt mit ihnen. Sie brauchen Schuhe, warme Pullis, dicke Socken und Lebensmittel. Melis kennt die Läden in der Stadt. Er weiß, wo Schuhe am günstigsten sind. „Ihr sucht aus, was ihr braucht. Ich bezahle an der Kasse“, sage ich und schiebe den Einkaufswagen vor mir her. Die Wahl zu haben ist würdevoller, als sie nicht zu haben. Deshalb ist es besser, nicht für sie, sondern mit ihnen einkaufen zu gehen. „Hey brother, do you see chicken“, ruft einer von ihnen in der Lebensmittelabteilung. „Yes, it’s there“ rufe ich zurück. Statt „Sir“, jetzt „Brother“. Das ist gut so. Wir kochen ja alle mit dem selben Wasser. Natürlich kann man denken, dass diese Form der Hilfe nur ein Tropfen auf einen heißen Stein ist. Man kann aber auch denken: „Stell Dir vor, Du selbst bist dieser Stein. Wäre es dann nur ein Tropfen?

Wir laden die drei in der Nähe der Fabrikhalle ab. Melis hatte mir von zwei bosnischen Familien erzählt, die kaum genug zu Essen haben. Ich drücke ihm die letzten 100 Euro des Geldes in die Hand. Er kümmert sich darum. Bei dem Großvater wundert es mich nicht, dass auch er das mit Leidenschaft macht. Am Abend bekomme ich die Quittungen und Fotos der Familien von Melis. Auch als Privatinitiative ist der Papierkram notwendig.

Es ist ein Samstagabend. Zum ersten Mal in Bihac achte ich darauf, saubere Klamotten zu tragen. Ich bin zu einer Party eingeladen. Die Rocker von Bihac wollen feiern. Ja, ich bin selbst überrascht. Rockerparty in Bihac? Was wird das denn? Mein Ticket zu dieser Feier habe ich vor 25 Jahren geschossen, als das serbische Militär versuchte, die Stadt zu erobern. Es ist ein Foto von einer Mutter mit einem Säugling auf dem Arm. Ich hatte wohl Lebensmittel in ihre Wohnung gebracht. Man sieht auf dem Bild nur die dunklen Umrisse von Mutter und Kind, dahinter ein Fenster mit Klebebandstreifen auf dem Glas, damit die Splitter nicht wie Geschosse in den Raum fliegen, wenn die Druckwelle einer Granate sie trifft. Ich habe das Bild vor einem halben Jahr bei Facebook gepostet.

Eine Mutter mit ihrem Säugling im „Kessel von Bihac“. Auf den Fensterscheiben sind Klebestreifen. Sie sollen verhindern, dass Glassplitter schon bei leichten Druckwellen durch Granateinschläge selbst zu Geschossen werden.

Es dauerte kaum eine Stunde und dann stand darunter: „Das bin ich“. Anes Zulic, heute 25 Jahre alt und Schlagzeuger der Band „Start“. Ich habe die einzigen Babybilder von ihm. Jetzt hat er sie auch. Vor ein paar Tage habe ich mich ihm und seiner Mutter für das zweite Foto getroffen.

Das sind Anes Zulic und seine Mutter Leyla, die Beiden vom vorherigen Bild. 25 Jahre liegen zwischen den Fotos. Anes arbeitet heute für die Justiz in Bihac und ist Schlagzeuger einer Band. Auch der Vater hat den Krieg überlebt.

An diesem Abend sehe ich ihn wie ein Wahnsinniger auf seinem Schlagzeug spielen. Manchmal schreit er dabei. Ich lehne mich an eine Säule, die nur wenige Meter neben dem Schlagzeug steht und sehe mir das an. Gänsehaut! Meine Kinder von damals – sie leben, und wie! Als mir ein Kerl so groß wie ein Schrank gerade einen Whisky nachkippt, brüllt Anes mit aller Kraft und lachend in meine Richtung: „Ich liebe Dich“!  Es ist die Säule zur Linken, an der ich meinen Lohn empfange. Lehrling bleiben wir ja immer. Ich bin zufrieden. Der Schrank kommt plötzlich auf mich zu. Er will ein Selfie mit mir und muss dafür in die Knie gehen, um auf meine Kopfhöhe zu kommen. „Der ist Serbe“, ruft mir einer von der Theke lachend rüber. „Aber heute interessiert das keinen mehr. Wir sind alle Bihac Biker“. Gegen 4 Uhr ist die Party zu Ende. Anes hat nichts getrunken und nimmt mich mit nach Hause. Als wir gerade gehen wollen steht plötzlich eine Frau sehr dicht vor mir und sieht mir direkt in die Augen. Blonde Haare, Mitte 30 und Tränen laufen an ihren Wangen runter. Sie nimmt mich in den Arm. Ich sie auch. Warum auch immer? Als sie mich wieder loslässt, frage ich: „Was ist los?“. „Ich war Anfang 1994 im Krankenhaus, schwer verletzt. Irgendwer hat mir gesagt, dass ein Deutscher hier war und das gebracht hat, was sie für die OP brauchten. Gerade habe ich erfahren: Das warst Du“! Jetzt weinen wir beide. Jetzt muss ich sie in den Arm nehmen. Es gibt tausende Augenblicke aus meiner Zeit in Kroatien und Bosnien, über die ich oft gedacht habe: „Das werde ich nie vergessen, nie“. Jetzt ist es wieder einer mehr. Der aber riecht nach Liebe und Leben, nicht nach Hass und Tod und er ist jetzt auch unter meiner Haut.

Die Abreise naht. Am vorletzten von 13 Tagen feiert die Stadt Bihac ihren 759. Geburtstag. Heute soll ich in das „Haus der Kultur“ kommen, eine Art Bürgerhalle. Das Stadtparlament hat entschieden mir die „Plakette der Stadt“ zu übergeben. Ich habe überlegt, ob ich das überhaupt annehmen soll. Das abzulehnen wäre jedoch unhöflich. Also gehe ich hin. Husnija ist natürlich dabei, die ganze Familie. Es ist die höchste Auszeichnung der Stadt. Mit mir auf der Bühne steht Aldijana. Sie war 13 Jahre alt, als wir uns kennen lernten. Ich hatte ihr eine gefütterte Jacke gegeben, als sie trotz des extrem kalten bosnischen Winters keine hatte.

Jedes Mal nach der Ankunft kamen ein ganzer Haufen Kinder an unsere Lkw, um Schokolade zu bekommen. Eines dieser Kinder war die damals 13jährige Aldijana. Sie hat mir erzählt, dass ich ihr nach diesem ersten Foto im schneidend kalten Winter eine dicke Jacke gegeben habe. Ich wusste das nicht mehr.

Ich hatte das vergessen. Sie hat mir das erzählt. Seitdem stand sie jedes Mal am Lkw, wenn wir abluden und bekam immer Schokolade, wie alle anderen Kinder auch. Sie ist heute Moderatorin des bosnischen Fernsehens und kümmert sich um 2500 Kinder in ganz Bosnien, für die medizinische Behandlungen finanziert oder Medikamente gekauft werden müssen.

Aldijana Hadzihajdarevic ist heute verheiratet, hat zwei Kinder und ist Moderatorin beim bosnischen Fernsehen in Bihac. Außerdem hat sie eine Privatinitiative gegründet und kümmert sich um Kinder, die medizinische Hilfe brauchen. Als Journalistin setzt sie sich in ihren Kommentaren für die Flüchtlinge in Bihac ein.

Die Versicherungen weigern sich oft, das zu bezahlen. Dafür bekommt sie heute diese verdiente Ehrung. Nach der sehr feierlichen Übergabe der „Plakette“ mit etwa 500 Gästen lädt uns der Bürgermeister zum Essen ein. Aldijana ist jetzt 38 Jahre alt. Es ist die Frau mit den zwei Kindern, die mich vor ein paar Tagen „Freund bis zum Ende Lebens“ genannt hatte. Im Restaurant sitzt Kameramann Muhammed neben ihr. Die beiden sprechen über Aldijanas humanitäre Aktionen für kranke Kinder. „Ich hatte einen guten Lehrer“, sagt sie und ruft dann laut, während sie mit dem Finger auf mich zeigt: „Er ist schuld“. „Das freut mich“, rufe ich zurück. „Der Virus kann ansteckend sein, ich hätte Dich warnen müssen“.

Muhammed will das letzte Interview vor der Abfahrt mit mir. In seine Dokumentation will er viel Archivmaterial aus Bihac einbauen. Auch Videofilme, die ich damals gedreht habe und einige der Bilder. Ich bitte Aldijana in einen anderen Raum zu gehen. Wenn sie neben mir steht, dann bekomme ich keinen Ton raus, ohne dass es mit den Tränen schon wieder losgeht. Ihr geht es genauso. Deshalb versteht sie das. Natürlich. Hier versteht das jeder. „Ok“, sagt Muhammed“, „ich frage Dich nichts. Sag bitte etwas, was Du den Menschen in Bihac noch sagen möchtest? Bitte in unserer Sprache“. Ich muss es so formulieren, wie ich es mit meinen beschränktem Bosnisch hinbekomme: „Die jungen Leute denken vielleicht, wir brauchen die Erinnerungen nicht. Die Älteren wollen sie nicht mehr. Das verstehe ich. Aber wir brauchen sie: Wenn eines Tages die Politiker wieder sagen der Krieg muss wiederkommen, dann muss jeder Einzelne sagen: „Nein“. Dafür brauchen wir die Erinnerungen.“

Am nächsten Morgen steht meine bosnische Familie auf dem Hof vor dem Haus. Abschied! Eigentlich wollte ich längst unterwegs sein, aber alle fünf Minuten kommen Menschen und bringen selbstgebrannten Slivovic für mich und Geschenke für mein Enkelkind. „Alisa, so viele Menschen haben sich bei mir bedankt für etwas, das schon lange her ist. Jetzt muss ich mich bei Euch bedanken für die letzten 13 Tage. Heute habt ihr mir geholfen. Die Reparatur, Du verstehst was ich meine“. Sie nickt. Ich steige ein und der Wagen rollt an. Ein gutes Dutzend Menschen fängt an zu winken und ich trete noch mal voll auf die Bremse, lasse das Fenster herunter und rufe aus dem Fenster Husnija zu: „Opet spremni“. „Immer bereit“ heißt das. Mein „bosnischer Vater“ und der Rest meiner Familie wissen, was ich damit meine.

Als ich mit zwölf Pullen Schnaps im Auto auf die EU Grenze in der Ebene vor Bihac zu Rolle fällt mir eine bemerkenswerte Kleinigkeit auf. Die Fenster im Auto sind oben. Ich habe sie nicht mehr heruntergelassen, um zu hören was draußen passiert. Auf dem Rückweg Richtung Deutschland merke ich, das es funktioniert hat: Ich denke an Husnija und seine Frau Visa. Aldijana mit ihren zwei Töchtern und Alisa mit einer riesen Portion Kuchen in der Hand. Sie arbeitet bei einem Bäcker und hat mich vollgestopft damit.

Die neuen Bilder haben sich über die alten gelegt. Sie sind jetzt vorne.

Enkelsohn Melis, Husnija und Visa Kapic an einem der fröhlichen Abende im Februar 2019. Die neuen Bilder haben sich über die alten gelegt.
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Für das Leben – Rückkehr in eine kleine Stadt in Bosnien (2)

Am UN-Checkpoint zwischen Kroaten und Serben unterwegs nach Bihac war Fotografieren verboten. Der Hanomag Lkw war mit Panzerglas ausgestattet. In den Türen Polykarbonat zum Schutz vor Splittern.

"Im Paradies braucht es Jahre, bis tiefe Freundschaften wachsen. In der Hölle geht das schneller", vermerkt der Journalist Dirk Planert in seinem Tagebuch. Und dann verteilt er die Spenden seiner Loge "Zur Alten Linde".

Von Br. Dirk Planert

Den ersten Termin habe ich beim Direktor des Stadtarchives. Eine Korrespondentin der ARD ist dabei. Ihr Studio in Wien will eine Geschichte machen; über den humanitären Helfer, der nach 25 Jahren zurückkehrt. Eldina heißt sie und hat Sarajevo erlebt. Das ist praktisch. Sie weiß Bescheid. Auch ein Kameramann des örtlichen Fernsehens und eine Redakteurin sind dabei. Der Direktor freut sich sehr und erklärt mir, dass es das noch nie gegeben habe, dass jemand Material für das Archiv bringe und kein Geld dafür haben wolle. Ich greife in die Hosentasche, nehme die Sticks mit meinem Archiv heraus und reiche sie ihm in die Hände. In mir wird es sofort leichter. Als würde ich etwas weggeben, loslassen, loswerden. Es fühlt sich gut an, sehr gut sogar. „Lass uns eine Fotoausstellung mit Deinen Bildern machen“, sagt er begeistert. „Nein“, antworte ich. „Auf keinen Fall. Ich will nicht, dass Menschen sich das ansehen und mit schweren Herzen nach Hause gehen. Ich habe eine andere Idee. Ich mache jetzt das zweite Foto. Ich suche die Menschen, die ich auf Bildern habe und fotografiere sie noch mal. Es liegen genau 25 Jahre dazwischen. Wir können einen Teil ihrer Geschichte mit zwei Bildern erzählen. Dem alten Foto und dem neuen.“ Jetzt ist der Direktor noch mehr begeistert und wir schlagen ein. Deal! Im Sommer soll die Ausstellung stattfinden.

“Plötzlich bin ich selbst die Geschichte. Es geht nicht um mich.
Es geht um Liebe, Menschlichkeit, Brüderlichkeit.”

Ohne dass ich das vorher wusste, habe ich im Anschluss einen Termin beim Bürgermeister. Das haben wohl die Journalistenkollegen organisiert. Eigentlich wollte ich hier in Ruhe meine Hilfsgüter verteilen und die Situation mit den vielen Flüchtlingen recherchieren. Plötzlich bin ich selbst die Geschichte. Es hat sich auch unter den hiesigen Journalisten herumgesprochen, dass ein ehemaliger Humanitärer Helfer zurückgekommen ist. Ein Radiokollege interviewt mich. Nach einer Weile wird mir das alles zu bunt und ich erkläre ihm mit einem „Feuer“ das mich an früher erinnert: „Es geht nicht um mich. Es geht um die Idee, die damals dahinterstand und das bis heute tut. Es geht um Liebe, Menschlichkeit, Brüderlichkeit. Es geht darum füreinander da zu sein, wenn es notwendig ist. Es geht darum, sich nicht auf die Politik zu verlassen, sondern selbst etwas zu tun. Ganz einfach, die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Das kann jeder in seinem direkten Lebensumfeld. Dafür muss man nicht in einen Krieg fahren“. Nach dem Interview tippt mir die Redakteurin des Lokalfernsehens auf die Schulter und sagt: „Ich habe einen kleinen Beitrag für heute Abend geplant. Ich habe Dir gerade zugehört. Wir müssen das größer machen. Ich möchte gern, das Dich mein Mann, unser Kameramann Muhamed, so oft es geht begleitet, während Du hier bist. Ich will eine Doku über Dich machen, die dann im bosnischen Fernsehen läuft“. „Ich bin’s doch nur, macht doch nicht so ein Theater“, antworte ich. „Doch, ich will, dass die Menschen hören was Du sagst“, erwidert sie. Ich denke mir: „Na gut, in einem Land, in dem es noch immer eine Menge Hass gibt, von Liebe, Zusammenhalt und Menschlichkeit zu sprechen, das kann nicht falsch sein.“ Außerdem spielt es mir in die Karten. Je besser mein Standing in der Stadt ist, desto leichter lassen sich Dinge bewegen. Arbeitsplätze sind notwendig, Mehr als die Hälfte der Menschen haben keinen Job, deshalb verlassen die Jungen die Region. Wenn es so weitergeht, ist Bihac in fünf Jahren ein Altenheim. Vielleicht lässt sich das ändern? Am Abend läuft der erste Beitrag im lokalen Fernsehen und ich poste Bilder bei Facebook, um die Menschen darauf zu finden. Das funktioniert. Sehr schnell sogar. Die Bosnier sind facebooksüchtig, es wird geteilt, was das Zeug hält. Am nächsten Tag sitze ich vor Sabina Arzic. Bis gestern wusste ich ihren Namen nicht. Ich habe sie damals im Krankenhaus fotografiert, als sie gerade ihr Bein verloren hatte.

Eine von vielen Verletzten im Krankenhaus von Bihac. Im Februar 94 hatte die 20jährige die Windeln ihres Neugeborenen vor dem Haus gewaschen, als eine Granate kam und ihr Bein zerfetzte.

Sie war vor dem Haus und wusch die Windeln ihres neugeborenen ersten Sohnes, als die Granate kam. Heute hat sie drei Kinder, ein Enkelkind und eine Prothese. Sie ist schüchtern, aber ihr Lächeln ist ein Geschenk. Ich habe sie nicht vergessen, ab und an habe ich an sie gedacht. Sie jetzt so zu sehen, das ist für mich wie ein Wunder

Sabina Arzic im Februar 2019. Heute lebt sie noch immer in Buzim, in der Nähe von Bihac. Sie hat zwei weitere Kinder, ein Enkelkind und eine Prothese. Ihr ältester Sohn lebt noch immer bei ihr.

Ab jetzt passiert so etwas mehrmals am Tag.  Ich habe fürchterliche Zahnschmerzen, schon seit einigen Tagen. Auf dem Weg zum Zahnarzt höre ich, wie Passanten in der Innenstadt tuscheln: „Das ist er!“ Merkwürdig ist das. Mit dem Hund an der Seite werde ich leicht erkannt. Meine Gefährtin Sam war ja auch im Fernsehen. Ab und an kommen wildfremde Passanten auf mich zu, reichen mir die Hand und die Gespräche beginnen fast alle mit: „Danke für das, was Du für uns getan hast“. Es dauert ein wenig, zum Zahnarzt zu kommen. Als mir der „Direktor des privaten Kriegsmuseums“ über den Weg läuft und er hört, dass es meinen alten Stahlhelm noch gibt, will er ihn für sein Museum haben. So lange ist das schon her? Museumsreif!

„Hier vergeht das Leben so schnell wie der Rauch einer Zigarette“

Eine halbe Stunde später sind zwei Zähne raus. Jetzt liegen mehr davon in einer Schachtel in meiner Wohnung in Dortmund als ich noch im Original im Mund habe. Vielleicht habe ich mir doch ein wenig zu oft „auf die Zähne“ gebissen.

Mit der ARD-Journalistin treffe ich mich in einem Café. Sie braucht ein paar kleine Geschichten aus der Zeit damals. Ich schlage ihr vor, zu einem der Häuser zu fahren, in dem ich dachte, dass ich jetzt sterben werde. Ein paar Minuten später stehe ich auf einem 40 mal 40 Zentimeter großen Stück Teer, einem Flicken für ein Loch in einer Straße. Kurz nachdem mein Freund und Übersetzer Abdullah Kadic damals diesen Satz sagte: „Hier vergeht das Leben, so schnell wie der Rauch einer Zigarette“, war an dieser Stelle eine von mehreren Panzergranaten eingeschlagen. Wir saßen damals nur ein paar Meter entfernt in einer Wohnung. Sie hält mir das Mikro vor das Gesicht, ich erzähle und währenddessen fühlt es sich an, als hätte mir etwas oder jemand den Rest meines Lebens geschenkt. Ich stehe die ganze Zeit auf dem Teerflicken.  Ohne dieses Geschenk wäre ich jetzt schon 25 Jahre tot. Schön ist das. Glück gehabt. Tatsächlich. Leben oder Sterben, das war nur eine Frage von Glück oder Pech. Man wusste nie, wo die nächste Granate einschlägt.

Bei Tagesanbruch zeigen sich die Einschläge der Granaten der vergangenen Nacht. Diese war in unmittelbarer Nähe des Hauses der Familie Kapic detoniert. Splitter und Dreck flogen dann an die Hauswände und die Holzbalken vor den Fenstern.

Nach ein paar Tagen Interviews und Arbeiten an den „zweiten Fotos“ werde ich langsam unruhig. Als „verlängerter Arm“ der “Alten Linde” habe ich ja noch etwas zu tun. Die Hilfsgüter verteilen und das Geld sinnvoll ausgeben.

Doch vorher steht noch etwas Anderes an. Eldina von der ARD und der Kameramann Muhammed haben mich gebeten, dabei sein zu dürfen, wenn ich die Kinderabteilung des Krankenhauses besuche. Ich will das und habe gleichzeitig Angst davor. Hier hat sich damals alles Schreckliche verdichtet. Niemals davor oder danach habe ich etwas Schlimmeres gesehen, als eine Kinderstation während einer Offensive. Ich habe keine Ahnung, was mit mir passieren wird — und dann noch die Kameras der Journalisten? Damals habe ich mir geschworen, mich für meine Tränen niemals zu schämen. Dann sollte das, was viele Jahre galt, auch jetzt so sein. Wir fahren durch die Stadt zum Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin tauchen Bilder auf: Das Funkgerät und Dieters Stimme: „Go, gib Gas, Mann!“ Dann Krankenschwestern, die hektisch unsere Hilfsgüter ausladen, ein junger Soldat mit Kopfschuss in der Leichenhalle des Krankenhauses, dessen Gehirn offen liegt, ein kleines Mädchen schreiend und schwerstverletzt.

Die Leichenhalle des Krankenhauses während der Februaroffensive 1994.

Das geht alles blitzschnell und die Bilder vermischen sich mit Gerüchen, Geräuschen und erzeugen ein Gefühl. Das lässt sich mit einem Wort beschreiben: Schmerz. Ich meine den Schmerz, den der Krieg hinterlässt, wenn er vorbei ist. Das tut so weh, das der Körper reagiert. Der Magen zieht sich zusammen, der Hals schwillt zu, Wasser bildet sich in den Augen, die Körperhaltung verändert sich. Mein Atem wird schneller, viel zu schnell.

Ich muss runterkommen, raus aus diesem Strudel und im jetzt sein. Jetzt will ich funktionieren. Außerdem muss ich da durch, wegen der Reparatur und dem Enkelkind, das noch nicht geboren ist. Ich verdränge die alten Bilder und hole kurz das des Tempels der „Alten Linde“ in mir hervor. Ich höre den Meister vom Stuhl am Ende des Rituals sagen: „Und nun geht hinaus in die Welt und bewährt Euch als Freimaurer…“. Was das ist, diese Bewährung, das muss jeder für sich selbst wissen. Für mich ist es jetzt: ruhig atmen, grade stehen und nur in diesem Augenblick sein. Ich will diese Chance nutzen. Es hat lange genug gedauert, bis die Zeit gekommen war, hierhin zurück zu kehren.

Ich öffne die Tür zum Treppenhaus. Das muss ich drei Mal machen, wegen des Kameramanns. Er braucht die Bilder. „Journalisten können einem ganz schön auf die Nerven gehen“, sage ich zu Muhammed. Wir lachen beide. Ich bin selbst Radio- und Fernsehjournalist. Er weiß das, deshalb kann ich das sagen, ohne unhöflich zu sein. Eine Etage hoch und da ist sie: die Kinderstation des Krankenhauses Bihac. Ein gottloser Ort, damals. Als ich das erlebt habe, stellte sich kurz die Frage: „Wo ist Gott?“ Die Antwort lag vor mir: „Hier jedenfalls nicht“. In meinen Tagebuchaufzeichnungen steht: „Allah, warum hast Du diese Stadt verlassen?“. Die Tür ist abgeschlossen und wir klingeln. Eine Schwester kommt. Ich kenne sie nicht. Sie lässt uns nicht rein. Großartig! Das ist Normalität. Diese Frauen sind einfach fantastisch, immer noch. Was hat ein Fremder in der Kinderabteilung eines Krankenhauses zu suchen? Nichts! Wir verschieben den Besuch auf den nächsten Tag. Dann habe ich sowieso einen Termin mit dem Direktor.

Am Abend sitze ich mit Alisa in der Küche. Ich wusste gar nicht, dass wir im gleichen Alter sind. Als sie damals aus Dieters Versteck in dem gelben Post Lkw kletterte, waren wir 26. Jetzt sind wir 51. Das nicht zu wissen, ist symptomatisch. Wir haben damals nur im hier und jetzt gelebt. Es gab keine Vergangenheit, für die Zukunft nur den Traum vom Frieden und die Hoffnung, dass wir alle überleben. Nach dem Krieg hatte ich sogar vieles vergessen. Kindheit, Jugend und das Studentenleben waren verschwommen. Das kam erst viele Jahre später alles zurück. Alisa sagt an diesem Abend zu mir: „Das wirst Du nicht glauben, wir haben seit über zehn Jahren nicht darüber gesprochen. Du bist der einzige, der noch so oft an den Krieg denkt“. „Das ist doch logisch“, erwidere ich. „Ihr seid hier, ihr habt gesehen, dass neue Kinder geboren werden, neue Häuser gebaut wurden, Bäume wachsen, sich alles verändert. Ich habe all das nicht gesehen. Ich habe noch die alten Bilder im Kopf.

Die Straße Casima Cehajica in Bihac. Die Stadt lag unter Beschuss, während französische UN-Soldaten patrouillieren.

Wenn ich zurückfahre, werde ich neue Bilder haben. Von den selben Menschen oder den selben Orten, die auf den alten Bildern zu sehen sind. Auf meiner Festplatte im Computer und in meinem Kopf. Das ist der Plan.

Die Straße Casima Cehajica heute. Ein junges Paar geht spazieren. Leyla zieht in ein paar Wochen um, nach Nauheim bei Frankfurt. Sie hat dort etwas gefunden, was es in Bihac nicht gibt: Einen gut bezahlten Job in der Altenpflege. Ihr Freund Melis will ihr folgen, sobald er Arbeit im IT Bereich gefunden hat. Melis ist Alisa`s Sohn, der Enkel von Husnija.

Mal sehen, ob es funktioniert. Immerhin habe ich keine Albträume mehr, seit ich hier bin. Das ist doch ein gutes Zeichen. Alisa versteht das. Jeder hier versteht das. Hier machen diese Erfahrungen nicht einsam. Hier haben sie zusammengeschweißt. Diese Naht hat gehalten. Eines „meiner Kinder“ von damals, heute selbst Mutter von zwei Kindern, hat vor ein paar Tagen in einem Interview mit der ARD-Journalistin gesagt: „Mi smo Prijatel do kraja zivota“. „Wir sind Freunde, bis zum Ende des Lebens.“ Im Paradies braucht es Jahre, bis tiefe Freundschaften wachsen. In der Hölle geht das schneller.

Am nächsten Morgen stehen die ARD-Journalistin Eldina, Kameramann Muhammed und ich wieder vor der Tür der Kinderabteilung. Dieses Mal hat uns der Direktor angemeldet und wir dürfen rein. Es riecht nach Babyöl. Der bittere Geruch von Schweiß und der süßliche von Blut und Tod sind verschwunden. Die Wände sind hell gestrichen. Bunte Kinderbilder hängen an den Wänden. Die Betten sind sauber und sogar ohne Rost. Durch das Fenster kommt Licht herein, weil keine Holzbalken mehr davorstehen. Ich mache Fotos von einer jungen Mutter mit ihrem Kind im Arm. Als ich das in diesem Raum schon einmal gemacht habe, hat hier niemand gelächelt.

Eine Mutter mit ihrem Baby in der Kinderabteilung des Krankenhauses Bihac 1994. Draußen vor der Tür schlagen Granaten ein. Die Frau hat Todesangst.

Jetzt ist das anders.

Genau 25 Jahre später im Februar 2019. Es ist derselbe Ort, die Kinderabteilung. Aber eine völlig andere Welt. Es riecht anders, keine Spur von Panik. Stattdessen gibt es Geborgenheit für Mutter und Kind.

Ich bekomme schon wieder Wasser in den Augen. Im Flur stehen die Schwestern und zeigen sich gegenseitig ein Bild von damals, das eine bosnische Zeitung vor kurzem gedruckt hat. Es zeigt mich mit einem behinderten Kind auf dem Arm. Jasmin Zahid Alicic hieß der Kleine. Ich habe ihn oft im Arm gehabt. Jedes Mal wenn ich hier war. Die Schwestern hatten dafür meist keine Zeit. Seine Eltern hatten ihn, vermutlich wegen der Hirnschädigung, einfach im Krankenhaus liegen lassen und sind gegangen.

Der damals sechsjährige Jasmin Zahid Alicic und der Autor in Bihac 1993. Seine Eltern hatten Jasmin nach der Geburt im Krankenhaus zurückgelassen. „Durch ihn hatte ich zum ersten Mal eine Ahnung von dem, was Agape bedeutet.“

Die Journalisten sprechen mit den Schwestern, ich gehe langsam von einem Raum zum anderen und sehe durch die kleinen DIN-A4-Blatt-großen Fenster in den Türen kurz hinein. Im letzten Zimmer rechts, mit Jasmin auf dem Arm, hatte ich zum ersten Mal eine Ahnung von dem, was das griechische Wort Agape bedeutet. „Bedingungslose Liebe“ soll eine unzureichende Übersetzung sein. Das Licht kommt aus der Dunkelheit. Da ist was dran.

Wir verabschieden uns und beim Hinuntergehen auf den Treppenstufen sind meine Knie so weich, das ich aufpassen muss nicht hinzufallen. Nicht weil es unerträglich wurde. Ganz im Gegenteil. Jetzt kann ich es besser tragen. Ich bin nicht einfach erleichtert. Ich habe Tonnen an Gewicht verloren, jetzt gerade, in diesen paar Minuten. Ich habe sie dort gelassen. Ich muss an Friedrich Nietzsche denken: „Jetzt bin ich leicht, jetzt fliege ich…“.

Nun wird es Zeit, das zu verteilen, was mir die Brüder mitgegeben haben. Ganz so einfach ist das nicht. Mittlerweile weiß ich, das etwa 2500 Flüchtlinge in einer Fabrikhalle untergebracht sind. Die IOM (Internationale Organisation für Migration) hat die Halle gemietet. Darin sollen Container und Zelte stehen. Ich kann mich schlecht davorstellen und den Kofferraum aufmachen. Chaos und Probleme brauche ich nicht.  Bürgermeister Surhed Fazlic hatte mir erzählt, dass er ein humanitäres Desaster befürchte, wenn der Winter ende und wieder Bewegung in die Flüchtlingsrouten komme. Kaum ein Flüchtling kann Bihac verlassen.  Seine Befürchtung ist, dass Tausende dazu kommen. Die EU schicke Geld für die Flüchtlinge nach Sarajevo, sagt er. „Aber in Bihac kommt davon kein Cent an“. Als im vergangenen Sommer plötzlich mehrere tausend Menschen in Bihac ankamen, bildeten sich lokale Initiativen, die deren Versorgung managten. Mittlerweile sind einige große Organisationen hier, die das übernommen haben. Die Hilfsindustrie hat hier Arbeit gefunden. Das Frühstück der heutigen Flüchtlinge sieht noch genauso aus wie damals, im Transit Camp in Karlovac. Eine Scheibe Brot, ein Hauch Butter und ein Löffel Marmelade. Auf den Straßen sieht man viele junge Männer mit Rucksack. In der Innenstadt halten sie aber nur wenige auf. Die Polizei schickt sie zurück in die Lager. Frauen und Kinder sind in zwei Hotels untergebracht. Auch in Velika Kladusa, einem Ort nördlich von Bihac, sollen viele sein. Es sind Menschen aus Afghanistan, Pakistan, dem Irak und Afrika. Seit Anfang vergangenen Jahres werden diese Menschen auf ihren Wegen durch die Balkanstaaten nach Bosnien geschickt und Sarajevo leitet sie weiter nach Bihac. Manchmal kommen ganze Züge aus Sarajevo an.

Die ARD-Journalistin Eldina Jasarevic hatte mir von einer Frau erzählt, die als Privatinitiative Flüchtlingen hilft. Ich verabrede mich mit ihr und sage am Telefon nur, das ich Journalist bin, nicht dass ich Geld dabeihabe. Es erscheint mir am Vernünftigsten, gewachsene lokale Strukturen und deren Erfahrung zu nutzen und nicht blauäugig irgendwo den Kofferraum zu öffnen. Die zehn Schlafsäcke hat Husnija bereits verteilt. Er kennt einige Flüchtlinge von der Straße vor seinem Haus. Obwohl er nur eine Hungerrente hat, gibt er, was er geben kann. Auch daran hat sich nichts geändert.

Die Frau heißt Zemira Gorinjac, ihre Privatinitiative „Udruzenje gradana Solidarnost“, also Bürgervereinigung Solidarität. Als ich an ihrem Haus ankomme, steht die Garage offen. Auf dem Boden stehen Pappkartons. Sie sind zu einem Drittel gefüllt mit Reis, Nudeln und Dosenfisch. Zemira Gorinjac packt Lebensmittel in Plastiktüten. Viel ist es nicht, was sie in den Kisten hat.

Zemira Gorinjac hat die Privatinitiative „Bürgervereinigung Solidarität“ gegründet und hilft Flüchtlingen in Bihac. Die Stadt ist zum Brennpunkt der Balkanroute geworden. In ihrer Garage packt die Bosnierin Lebensmittelpakete für die spätere Verteilung.

Ihr Volontär Rasim, ein Flüchtling aus Pakistan, steht vor der Garage und telefoniert: „In fünf Minuten am Supermarkt. Sag den anderen Bescheid“. Rasim ist vor Sprengstoffanschlägen in seiner Heimat geflohen. „Ich wollte nicht sterben“, sagt er. Jetzt hängt er seit sechs Monaten in Bihac fest. „Mama, wir können los“, ruft er und meint Zemira Gorinjac. Alle Flüchtlinge nennen sie so. Wir laden auch in meinen Wagen ein paar Plastiktüten und fahren los.

Drei Minuten später halten wir vor einem Einkaufszentrum. „Mama“ fährt nicht zu der Fabrikhalle, um ihre Hilfsgüter zu verteilen. Das gäbe Ärger mit dem IOM, der Polizei und all jenen, die nichts bekommen. Deshalb lässt sie Rasim telefonieren und er lotst dann kleine Gruppen an wechselnde Orte. Aus der einbrechenden Dunkelheit kommen etwa 20 Männer.

Um große Menschenansammlungen zu vermeiden, lotst „Mama“ ihre Flüchtlinge in kleinen Gruppen an wechselnde Orte. Hier bekommen sie Lebensmittel, Kleidung und wenn es sein muss einen Besuch beim Zahnarzt.

Einige haben blaue Flecken im Gesicht, dünne Kleidung hält sie nicht warm genug. Wieder sind es „geschundene Gestalten“.

Geschundene Gestalten, die aus der Dunkelheit auf uns zukommen. Manche haben blaue oder schwarze Flecken an ihren Körpern. Sie sagen, die Flecken stammten von den Knüppeln kroatischer Polizei.

Ein etwa 18jähriger zeigt „Mama“ stolz ein Loch zwischen seinen Zähnen. Gestern wurde ein Zahn gezogen. Er hatte Schmerzen, „Mama“ hat den Arzt bezahlt. Drei Schwarzafrikaner stehen am Rand. Sie erzählen, dass sie „the game“ über zehn Mal versucht haben. Gemeint ist der Versuch, über die Grenze in die EU zu gelangen. Der Weg führt durch die Wälder, vorbei oder mitten durch Minenfelder, wer weiß das schon.

Der Weg der Flüchtlinge nach Europa führt an Minenfeldern vorbei, oder mitten durch. Wer weiß das schon? Sie kennen sich hier nicht aus. Es ist ein Spiel. Mit der kroatischen Polizei und dem Leben.

Sie kennen sich hier nicht aus. Es ist ein Spiel. Mit der kroatischen Polizei und mit dem Leben. „Wir hatten es nach Kroatien geschafft“, sagt einer. „Dann sind sie gekommen und haben uns mit ihren Knüppeln verprügelt. Überall hatte ich blaue Flecken und Schmerzen. Dann haben sie unsere Smartphones zerschlagen. Sie wissen, dass wir die für unsere Navigation brauchen. Wir mussten unsere Schuhe ausziehen und wegwerfen. Dann haben sie uns nach Bosnien zurückgetrieben wie Vieh“. Emmanuel ist vor zwei Jahren vor dem Krieg in Nigeria geflohen. „Ich hatte keine Wahl, glaubst Du ich würde hier sitzen, wenn ich eine gehabt hätte? Hier will ich auch nicht sein. Ich will nach Deutschland, oder Italien. Ich will leben, ich will arbeiten. Ich will mich wieder als Mensch fühlen.“

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Traunsteiner Freimaurer unterstützen örtliches Brauchtum

"Landsknecht" beim Georgiritt am 22.04.2019 in Traunstein

Die Traunsteiger Loge "Zu den drey Huegeln an der Traun" spendete neben den sonst karitativen Anlässen an zwie örtliche Vereine, um die regionale Verbundenheit der Freimaurer zu fördern.

Traunstein (er). Neben karitativen Spenden hat die Traunsteiner Loge „Zu den drey Huegeln an der Traun“ i.O. Traunstein in Oberbayern auch Zuwendungen an besonders traditionelle gemeinnützige Vereine in Traunstein geleistet, um die Verbundenheit mit der Einwohnerschaft auszudrücken.

Die Bruderschaft der Loge hat sich für die Unterstützung des örtlichen Brauchtums ausgesprochen und 900,- € an den St. Georgs-Verein e.V. Traunstein gespendet. Anlass war ein Spendenaufruf des Vereins, um die alten abgenutzten Landsknechtsuniformen durch neue zu ersetzen, deren handwerkliche Anfertigung aufwändig ist. Der St. Georgs-Verein mit ca. 600 Mitgliedern aus allen Gesellschaftsschichten ist ein Traditionsverein, der den überregional bekannten Georgiritt jährlich am Ostermontag durchführt und seit 2016 anerkanntes „Immaterielles Kulturerbe“ der UNESCO ist.

Die Loge hat weitere 1.000,- € an den Turnverein Traunstein 1864 e. V. gespendet im Zuge des Abrisses und Neubaus der Turnhalle. Dieser im Jahre 1864 gegründete Verein ist einer der größten und ältesten in der Stadt.

“Mit diesen Spenden werden wir Freimaurer als Teil der Gesellschaft in Traunstein und Umgebung wahrgenommen”, teilt der Meister vom Stuhl der Loge mit.

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Für das Leben – Rückkehr in eine kleine Stadt in Bosnien (1)

Das vierjährige Mädchen durfte die Wohnung drei Jahre kaum verlassen. Die Mutter hatte Angst, dass es in der "UN-Schutzzone“ vor der Haustür von Granaten getötet oder verletzt wird. Dutzenden Kindern ist das passiert.

Der Journalist und Bruder Dirk Planert erzählt in einer bewegenden dreiteiligen Reportage von seiner Rückkehr nach Bosnien, von seinen humanitären Einsätzen vor 25 Jahren, den traumatischen Erlebnissen und vom Wiedersehen.

Von Br. Dirk Planert

1200 Kilometer liegen vor mir. Früh an diesem Februarmorgen ist es noch dunkel. Meine Heimatstadt Dortmund habe ich gerade verlassen. Der Wagen rollt die ersten Kilometer über die A 45 Richtung Frankfurt. Ich bin glücklich und rufe meinem Hund im Kofferraum zu: „Sam, endlich geht es los, nach Hause“! Der Rauch meines Tabaks schwebt langsam in Richtung Tacho. Der zeigt entspannte 120 km/h an. Unser Weg führt nach Osten, dem Licht entgegen. Vor mir geht jetzt die glutrote Sonne auf. In mir höre ich einen alten Freund sagen: „Hier vergeht das Leben so schnell, wie der Rauch einer Zigarette“. Ich sehe ihn, diesen Satz sagend vor mir stehen. Wenige Sekunden später hockten wir zitternd in einem Flur. Um uns herum drei Frauen und ein Kind. Ich meine nicht das leichte Zittern, das jeder kennt, der mal fast einen Autounfall hatte. Ich meine das Zittern, das so stark ist, dass man kein Glas mehr halten kann, ohne dass der Inhalt verloren geht. Es entsteht bei Todesangst. Das war an einem von 13 Tagen in einem Februar. Diese Tage waren alle so. Das Kind hieß Dzenana, ein Mädchen und gerade mal vier Jahre alt. Ich höre jetzt wie sie nach Schutz suchend meinen Namen ruft. In meinen Augen sammelt sich Wasser, der Magen zieht sich zusammen, ich beiße mir auf die Zähne, höre das Knirschen und versuche an etwas anderes zu denken.

Im April werde ich Großvater. Als ich das vor ein paar Monaten erfahren habe, hatte ich auch Wasser in den Augen. Aber die guten Tränen, die man hat, wenn man glücklich ist. Das ist der Auslöser für diese Reise. Ich möchte nicht Opa sein, und noch immer diese Bilder im Kopf haben. Ich will das reparieren, erträglicher machen. Zumindest soweit es geht. Und das wird, wenn überhaupt, nur dort gehen, wo sie entstanden sind. 25 Jahre liegen zwischen diesen Februartagen. Deshalb weiß ich das.

Und noch einen Grund gibt es für diese Reise. Es gibt Bilder, die lagen jungfräulich als Negative über 20 Jahre in meinem Keller. Vor einem Jahr habe ich sie hervorgeholt, digitalisiert, beschriftet und sortiert. 4000 aus drei Jahren Krieg, 1200 allein aus Bihac in Bosnien. Die habe ich jetzt auf Sticks dabei. Die anderen Bilder, die in meinem Kopf, sind auch in meiner Nase, meinen Ohren und unter meiner Haut. Die auf dem Stick möchte ich dem Direktor des Stadtarchives übergeben. Ich denke sie gehören den Menschen in Bihac, die all das erleben mussten. Diese Bilder sind ein Teil ihrer Geschichte. Die anderen werde ich vielleicht auch los, oder zumindest ein paar davon? Uspomena heißt es im Bosnischen, die Erinnerungen.

Die UN wurden in Bosnien Icemen genannt, weil sie herumstanden wie Eisverkäufer und nichts taten. Drei Jahre lang haben die Vereinten Nationen zugesehen, wie 120.000 Menschen mit Granaten beschossen wurden.

Bihac war „der Kessel von Bihac“, eine von sechs sogenannten „UN-Schutzzonen“ während des Krieges im ehem. Jugoslawien.  Das Wort Schutzzone verspricht etwas, das nie gehalten wurde. 120.000 Menschen waren von serbischem Militär eingeschlossen. Artilleriegeschütze, Panzer, Raketenwerfer und Mörser, auf Zivilisten ausgerichtet. Sie schossen in die Stadt rein. Ich war regelmäßig in der „UN-Schutzzone“ um humanitäre Hilfe hinein zu fahren. Aber so schlimm wie während der Februaroffensive ’94 hatte ich es noch nie erlebt. 2.000 Granaten am Tag, sagte die Statistik der Stadt damals. Das macht 13 mal 2.000, also etwa 26.000 Granaten. Ich hatte Glück, denn ich habe nicht mal einen Kratzer abbekommen. Andere hatten dieses Glück nicht. „Krieg ist, wenn Stahl Fleisch durchschlägt“, hat mal irgendwer geschrieben. Mir ist das zu platt. Mein Freund Andy Spyra, Kriegs- und Krisenfotograf, sagte während einer unserer nächtlichen Diskussionen: „Krieg ist das Fundamentalste das ein Mensch erleben kann“. Damit hat er vermutlich Recht.

Heute ist Bihac Brennpunkt der Balkanroute. In 18 Kilometern Entfernung liegt die Grenze zu Kroatien und damit zur EU. Von dort soll für mehrere tausend Flüchtlinge ein Weiterkommen extrem schwierig sein. Die meisten hängen fest. Die kleine Stadt mit ihren heute knapp 50.000 Einwohnern ist überfordert. Es soll an vielem fehlen. Mit einem leeren Auto zu fahren wäre also Verschwendung von Ressourcen. Zwei Wochen vor der Abfahrt habe ich deshalb meine Brüder der ehrwürdigen Loge „Zur alten Linde“ während eines Clubabends um das Wort gebeten und sehr kurz erklärt, dass ich Geld, Winterkleidung und Schlafsäcke brauche, um sie vor Ort zu verteilen und Lebensmittel oder andere Notwendigkeiten kaufen zu können. Am selben Abend kam ein Bündel Geld zusammen. Eine Woche später legten weitere Brüder nach und in der Loge lagen zehn Schlafsäcke und ein gutes Dutzend Taschen mit Winterkleidung bereit zur Abholung.  Brüderliches Vertrauen ermöglicht kurze Wege. Der Wagen ist also vollgepackt. Außerdem habe ich 1.700 Euro dabei, mehr als die Hälfte von Brüdern anvertraut.

Zwischen den Fronten kurz vor dem „Kessel von Bihac“. Von beiden Seiten hatten serbische Scharfschützen ein freies Schussfeld und Minen lagen auf der Straße. Deshalb wurde der UN Checkpoint mit Sandsäcken geschützt.

20 Kilometer noch. Die Landschaft ist in der Nähe des Naturparks Plitvicer Seen ist wundervoll, die Sonne strahlt und vor mir liegt die lange Ebene vor Bihac. Ich halte an, steige aus. An dieser Stelle war damals der letzte serbische Checkpoint. In der Mitte der Ebene die Pink Zone, die Pufferzone mit dem durch Sandsäcke geschütztem Checkpoint der UNPROFOR und dahinter bosnisches Territorium. Wenn wir es damals mit unseren Lkw voll mit humanitärer Hilfe bis hier hingeschafft hatten, immerhin lagen dann schon 100 Kilometer durch die serbisch okkupierte und „ethnisch gesäuberte“ Krajina und etwa zehn serbische Checkpoints hinter uns, dann wurde es jetzt besonders kritisch. Von links mögliche Scharfschützen der Krajina Serben, von rechts mögliche Scharfschützen der Karadzic Serben und auf der Straße Minen. Die Strecke hatte eine Länge von zwei bis drei Kilometern und ob die bosnische Seite dann am anderen Ende kapiert, das wir das sind, also humanitäre Hilfe anrollt, und nicht „die Cetniks“ (radikale Serben), das wusste man auch erst, wenn man durch war.

Die Häuser waren mit Holzbalken provisorisch gesichert, damit die Splitter der Granaten nicht durch die Fenster schlagen. Während der Offensive im Februar 94 traute sich kaum jemand vor die Tür.

Heute ist in der Mitte der Ebene die EU Außengrenze mit einem riesigen, modernen Gebäude. Kurz heult mein Motor auf. Das ist die Gewohnheit, der Fuß will das Gaspedal durchtreten. Das lasse ich lieber. Man muss sich jetzt an Tempolimit und Verkehrsregeln halten. In der Stadt sind Menschen unterwegs. Niemand rennt um sein Leben, es sind keine Löcher in den Häusern, nirgendwo stehen Sandsäcke oder Holzbalken schräg vor den Fenstern. Es ist ruhig. Ich habe instinktiv die Fenster runtergelassen. Jetzt erst merke ich warum. Um besser zu hören was draußen passiert. Das sitzt auch nach 25 Jahren noch. Kinder spielen am Straßenrand. Das reicht schon wieder für Tränen. Herrgott im Himmel, ist das schön: Frieden! Ich habe Gänsehaut, die Zigarette zwischen meinen Fingern zittert. Es ist das gute Zittern, wie wenn man fast einen Autounfall hatte und nichts passiert ist.

Noch ein paar Meter und ich bin dort, wo mein Herz geblieben ist. Zu Hause! Es klingt paradox, ich weiß das. Wie kann man etwas zu Hause nennen, das man seit Jahrzehnten nicht gesehen hat? Ganz einfach: Ich habe diese Menschen geliebt und tue das noch immer. Die Familie, bei der ich übernachten werde, die Nachbarn in den umliegenden Häusern, jeden Menschen dieser Stadt und besonders meine Kinder. Also alle, die damals im Krankenhaus von Bihac lagen. Für mich waren das meine Kinder. Viele mit Granatsplittern im Körper, zerfetzten Beinen oder Armen. Die anderen lagen in der Leichenhalle nebenan oder schon auf einem der Friedhöfe.

Auf der Kinderstation des Krankenhauses hatten die meisten Patienten Kriegsverletzungen. Die Versorgungslage war sehr schlecht. Ohne humanitäre Hilfe von außen hätten die Ärzte kaum arbeiten können.

Eigentlich hätte ich im Februar ’94 in der Uni gesessen und mein Studium abgeschlossen. Ich bin Deutscher, war damals, als alles begann, 25 Jahre alt und habe vor dem Krieg nie irgendetwas mit Jugoslawien zu tun gehabt. Bis zu einem Nachmittag im Juni 1992. Ich studierte Germanistik, Philosophie, Politik und Geschichte, wollte später Journalist werden und arbeitete bereits für eine Zeitung und einen kleinen Radiosender. Krieg kannte ich nur aus den Erzählungen meiner Oma und meiner Mutter. Sie war drei Jahre alt, als sie Halbwaise und Flüchtlingskind wurde. Um 16 Uhr war eine Vorlesung zu Ende und beim Verlassen der Uni fiel mir ein Infostand einer christlichen Organisation auf, an dem Unterschriften gegen den Krieg im ehemaligen Jugoslawien gesammelt wurden. Ausgestellt waren Bilder von zerbombten Städten und Kindern in Krankenhäusern, die offensichtlich nicht anständig versorgt werden konnten.

Im kroatischen Gospic spielen Kinder 1993 vor einem ausgebombten Hotel in der Innenstadt.

Als ehemaliger Zivildienstleistender habe ich selbstverständlich unterschrieben und bin weitergegangen. Nach zwanzig Metern hat mich ein Gedanke festgehalten: „Da muss jemand etwas tun!“ Ich blieb stehen, drehte mich um und sah mir das an. Da standen fünf junge Männer mit verschränkten Armen hinter ihrem Tapeziertisch und warteten auf Unterschriften. „Das ist geistige Onanie, was ich hier gerade gemacht habe“, ging mir durch den Kopf. Der Einzige, der von meiner Unterschrift etwas hat, das bin ich selbst. Das gute Gefühl, gegen einen Krieg zu sein, über den ich rein gar nichts wusste, nicht einmal, dass es Kroaten, Serben und Bosnier gab. Mit dem Papier dieser Unterschriftensammlung kann man sich vermutlich im Krieg den Hintern abputzen oder ein Feuer machen, sonst nichts. Hatte vorher in einer Vorlesung nicht irgendein Professor Karl Jaspers zitiert? „Die Verantwortung der Welt liegt in der Hand des Einzelnen“, oder Sartre mit seinem Gedanken „der Mensch ist das, was er tut“. Was nutzt diese ganze Auseinandersetzung mit Philosophie, wenn sie nicht gelebt wird, im realen Leben keine Anwendung findet? Nichts! Sarajevo war schon seit fast drei Monaten eingekesselt und wurde täglich mit Granaten beschossen. Völkermord und Konzentrationslager – bis dato hieß es doch immer wieder, so etwas dürfe nie wieder passieren? Die internationale Politik, die UN, die europäische Gemeinschaft, niemand tat etwas. Man ließ die Menschen verrecken.

Ich definierte zwei Probleme. Das erste war der Krieg. Da wusste ich nicht, was ich dagegen tun könnte. Das zweite Problem: Massive Unterversorgung der Menschen. Ich befand mich zu dem Zeitpunkt in einer Welt der massiven Überversorgung. Eine Lösung ist also, eine Brücke zu bauen, zwischen diesen beiden Welten. Logistik ist das Zauberwort, das den Mörtel bildet. Die Steine dieser Brücke sind die Menschen, die eben eines nicht mehr wollen: Zusehen und nichts tun! Als mir das klar wurde, entschied ich mich, jetzt nicht mehr zu reden, sondern anzupacken. Erst noch eine Nacht drüber schlafen.

Am nächsten Morgen hatte sich nichts verändert. Ich war davon überzeugt, dass es jetzt das Richtige ist und das es funktionieren kann. Ich begann meinen ersten Hilfstransport zu organisieren, stand 15 Tage später das erste Mal in einer ausgebombten Stadt und verteilte Lebensmittel an Menschen, die keine hatten. Eine alte Frau ging vor mir auf die Knie und küsste meine Füße, weil ich ihr eine Bananenkiste voll mit Essen und Hygieneartikeln gegeben hatte. Ich schämte mich in Grund und Boden, wusste aber auch, dass dies nicht der letzte Transport sein wird. Ich musste effektiver werden. Über Zeitungsartikel schlossen sich 32 Studentengruppen im ganzen Bundesgebiet an. 400 ehrenamtliche Helfer sammelten in Deutschland Lebensmittel, Kleidung, Medikamente und Geld.

Zur Strategie gehörte, ein Netzwerk in Deutschland aufzubauen: Hat eine Gruppe einen LKW und eine andere eine Ladung, muss man sie nur miteinander verbinden und schon rollt ein Transport. Im Copyshop bastelte ich eine „Vereinszeitung“ zusammen, um die „Filialen“ zu informieren, wer über welche Kapazitäten und Pläne verfügt. Das Internet gab es ja noch nicht. Der Verein „Aktion Soforthilfe e.V.“ expandierte. Ich verlegte mein „Hauptquartier“ vom Studentenwohnheim im Siegerland in ein Kloster in der kroatischen Hafenstadt Rijeka, außerhalb des Kampfgebietes. Sechs Monate nach besagtem Nachmittag und meiner vermutlich sinnlosen Unterschrift waren bereits 19 Hilfstransporte angekommen, danach habe ich aufgehört sie zu zählen.

Die Caritasstelle in dem Kloster wurde geleitet von Don Ivan Pajtak, einem kroatischen Priester, der gern Schnaps trank und unter dem Fahrersitz seines VW Busses gelegentlich eine Scorpiona Maschinenpistole liegen hatte. Ein verrückter Kerl und wundervoller Mensch, mit dem eine tiefe Freundschaft entstand.

Don Ivan Pajtak war Priester und leitet die Caritasstelle in Rijeka. Mit ihm fuhr ich humanitäre Hilfe durch das Kriegsgebiet. Bis hinunter nach Mostar kannte man uns in jedem größeren Krankenhaus.

Große Lkw rollten aus Deutschland an. Wir belieferten mehrere tausend Flüchtlinge und verarmte Rentner in Rijeka und fuhren Hilfsgüter in Don Pajos VW-Bus in die Krankenhäuser und Flüchtlingslager bis hinunter nach Mostar. Der Krieg um mich herum wurde schnell zu meiner Welt. Wenn ich in Deutschland war, um Vorträge zu halten und Spenden einzusammeln, fühlte ich mich oft wie ein Fremder. Je mehr Erfahrung ich sammelte, desto besser und risikobereiter wurde ich in dem Job, aber auch umso einsamer in Deutschland. Wer von meinen Freunden sollte noch verstehen, was in mir vorgeht? Viele haben nicht einmal verstanden, warum ich das tue, obwohl die Antwort eine ganz simple war: „Für das Leben“. Ich liebe das Leben, aber eben nicht nur meines. Hätte mein Fokus darauf gelegen reich zu werden, ich wäre es geworden und niemand hätte gefragt, warum?

Es ist doch merkwürdig. Wir leben im sogenannten “christlichen Abendland” und feiern einmal im Jahr einen Mann, der Zeit seines Lebens von Liebe und Menschlichkeit gesprochen hat, schicken unsere Kinder zum St.-Martins-Umzug, wo sie das Teilen des Mantels erleben und dann werden Leute für verrückt gehalten, deren Fokus eben nicht auf Geld, sondern auf Menschlichkeit liegt? Das muss man nicht verstehen.

Anfang ’93 haben die Kämpfe zwischen Kroaten und Muslimen begonnen. Für die Caritas in Rijeka hieß das: keine Lebensmittel mehr an Serben und Muslime. Für mich hieß das: weitergehen. Ich packte am nächsten Morgen meine Sachen, fuhr drei Stunden in Richtung Front bis nach Karlovac und arbeitete mehrere Monate im sogenannten Transitcamp. 2.500 bosnische Muslime lebten dort, alle aus Konzentrationslagern oder eingekesselten Städten vom roten Kreuz oder den UN evakuiert. Sie warteten auf den „Transit“ in ein Drittland. Männer, Frauen und Kinder. Traumatisiert, vergewaltigt, geschundene Gestalten. Bis zu 100 Menschen schliefen in manchen Räumen. Insgesamt gab es 10 Toiletten.

Das Transitcamp Karlovac war eine alte Kaserne. Hier lebten 2500 Flüchtlinge, die vom roten Kreuz und der UN aus eingekesselten Städten und Konzentrationslager herausgeholt worden waren. Hier warteten sie auf ihre Ausreise in ein Drittland.

Hier in Karlovac, nur 800 Meter vor der Frontlinie und den serbischen Granatwerfern, öffnete sich für mich die Tür nach Bihac. Natürlich hatte ich mich schon überall erkundigt, ob es möglich ist, eine Lieferung in den Kessel zu fahren. Es waren von Karlovac aus „nur“ noch 100 Kilometer. Die UN Konvois wurden oft von den Serben gestoppt, es kamen kaum Lebensmittel nach Bihac, das Krankenhaus war entsprechend unterversorgt. Von der UN, dem roten Kreuz und dem kroatischen Militär hieß es immer, es sei unmöglich, hinein zu kommen. Bis eines Tages ein blauer VW Bus und ein gelber Post-Lkw auf den Marktplatz vor dem Transitcamp ankamen. Ich lernte Tom Sauer und Dieter Höhnel aus Kronach kennen.

Dieter Höhnel und Tom Sauer waren die ersten, die es geschafft haben humanitäre Hilfe nach Bihac hinein zu fahren. Dieter war Trucker, Tom Sozialarbeiter in einer Behinderteneinrichtung in Deutschland.

Die Beiden waren tatsächlich unterwegs nach Bihac und wollten das Unmögliche versuchen. Tom hatte acht Jahre vor dem Krieg auf einem Campingplatz in Zadar den bosnischen Lehrer Husnija Kapic, seine Frau Visa und die Töchter Mira und Alisa kennengelernt. Es entstand eine Freundschaft und als der Krieg losging, wollte Tom Familie Kapic nicht im Stich lassen. Mehrfach versuchte er allein nach Bihac durchzukommen, aber spätestens in Karlovac an der Front zu den Serben war immer das Ende seiner Reise. Bis er den Trucker Dieter mit ins Boot holte. Der hatte bereits in mehreren Kriegen humanitäre Hilfe gefahren und wusste wie es funktionieren könnte. 24 Stunden nach unserem Kennenlernen waren sie zurück aus Bihac. Sie hatten das Unmögliche tatsächlich geschafft und sogar noch „Rückfracht“ dabei. Zum ersten Mal sah ich einen Menschen, der drei Stunden unter Todesangst hinter einer Zwischenwand in einem Lkw gezittert hatte. Nicht das „knapp am Autounfall vorbei“ zittern, ich meine das andere. Die beiden hatten tatsächlich eine junge Frau herausgeschmuggelt. Es war Husnijas Tochter Alisa. Die Versorgungssituation in Karlovac hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt deutlich verbessert. Ich schloss mich also Tom und Dieter an, um beim nächsten Transport nach Bihac dabei zu sein. Tom und Dieter fuhren Lebensmittel. Ich konzentrierte mich auf eine perfekte Ladung für das Krankenhaus. Um all das zu organisieren ging ich nach Deutschland zurück. Von da an fuhren wir alle sechs Wochen im Konvoi nach Bihac.  Auf den Seiten meines alten, aber allradgetriebenem Hanomag stand in riesigen Buchstaben: „Humanitarna Pomoc“ und darüber „Za zivot“. Also „Humanitäre Hilfe“ und „Für das Leben“. Außerdem Originalaufkleber des UNHCR und der Satz: „Mitleid kann niemand essen“. Vorne an der Stoßstange die weiße Fahne und die blaue der UN.

Am UN-Checkpoint zwischen Kroaten und Serben unterwegs nach Bihac war Fotografieren verboten. Der Hanomag Lkw war mit Panzerglas ausgestattet. In den Türen Polykarbonat zum Schutz vor Splittern.

Wir hatten nicht nur Hilfsgüter geladen, sondern etwas, das ebenso wichtig war: Hoffnung. Viele Jahre später hat mir eine Frau aus Bihac geschrieben. Sie war damals, als es passierte, 14 Jahre alt. Heute lebt sie in den USA: „Ihr wart unser Licht. Ihr habt uns gezeigt, dass die Welt da draußen uns nicht vergessen hat“. Eine solche Nachricht zu verarbeiten ist nicht leicht. Zumindest für mich nicht. Die Erinnerungen sind dann wie eine Welle, die einen umreißen kann. Ich habe viel geweint an dem Abend.

Im Januar ’93 war es mir gelungen, eine 16jährige unentdeckt durch elf serbische Checkpoints zu schmuggeln. Am Letzten haben sie uns fast erwischt. Drei Tage später durfte ich erleben, wie sich Mutter und Tochter nach fast drei Jahren Trennung in einem Flüchtlingslager in Deutschland wieder in den Armen halten konnten. Das war der beste Job meines Lebens. Zwei Monate später folgten ein 14-jähriger Junge und eine junge Frau. Insgesamt kommen wir auf sieben Menschen, die wir aus dem Kessel geholt haben. Sieben Leben.

Mein Auto rollt auf das Haus zu, in dem ich meist gelebt habe, wenn ich dort war. Das Haus des Lehrers Husnija. Jetzt ist es nicht mehr der kleine Flachbau, sondern hat zwei Stockwerke. Alisa ist zurückgekehrt nach Bihac und für sie, ihren Mann Mensur und die Kinder haben sie einfach eine Etage oben draufgesetzt. Jetzt wohnt die Familie wieder zusammen. Nur die älteste Tochter Mira lebt noch in Stuttgart. Die euphorische Vorfreude weicht einer wohligen Entspannung. Ich spüre schon bei den ersten Umarmungen nach der Ankunft: es ist wie immer. Ich bin hier kein normaler Gast, sondern Teil der Familie. 25 Jahre, vieles hat sich hier verändert. Das nicht. Tatsächlich war es keine „Wahnvorstellung“. Ich fühle mich zu Hause und angekommen. Nichts in meinem Leben, abgesehen von meinen Töchtern, sitzt tiefer in mir, als diese Menschen, dieser Straßenzug, diese Stadt.

Natürlich war ich als humanitärer Helfer immer in einer Sonderrolle, hatten einen deutschen Pass, einen einigermaßen gepanzerten Lkw, eine schusssichere Weste, Stahlhelm und hätte jederzeit sagen können: ich gehe jetzt nach Hause. Die Bosnier konnten das nicht. Aber im Februar ’94 haben die Granaten nicht gefragt, ob man Helfer oder Bosnier ist. Ich bin dringeblieben, um den Jungen und die Frau herauszubekommen. Das musste vorbereitet werden. In dieser Zeit war ich einer von ihnen. Ich war bereit zu sterben, um diesen Menschen zu helfen. Mehr geben geht nicht. Das klingt lebensmüde, ist es aber nicht. Es ist genau das Gegenteil. Offensichtlich haben sie das nicht vergessen. Wie auch. All das vergisst man nicht, nie.

Alle Nachbarn haben im Februar 1994 im Haus des Schusters Suljo gelebt, schräg gegenüber. Genauer im Wohnzimmer. Es war der sicherste Raum der Straße, denn es gab drei Stockwerke darüber. Da würde ein Treffer nicht bis unten durchgehen, zumindest vermutlich nicht. Es war eng, aber gestört hat das nicht. Ganz im Gegenteil. Wir wussten ja, hier haben wir alle die besten Chancen, nicht von Granaten zerrissen zu werden. Ich schlief an der Außenwand. Die Splitter der Granaten schlugen manchmal in der Hauswand ein und Erde spratzte gegen die Holzbalken, wenn sie 15 oder 20 Meter neben dem Haus explodierten. Das Geräusch, wenn sie sehr nah einschlagen, klingt etwa so als würden 1.000 tollwütige Elefanten auf einen zugerast kommen und das in einem Zeitfester von unter einer Sekunde. In der Not hauen sich die Menschen nicht für das letzte Pfund Mehl oder den sichersten Platz im Raum die Köpfe ein. Zumindest hier nicht. In der überschaubaren Einheit dieser Straße wurde füreinander gesorgt. Das hat sie so stark gemacht. Husnija ist jetzt 73, hört etwas schlecht aber ist noch fit. Ohne ihn und seine Frau Visa wäre unsere humanitäre Hilfe unter diesen Umständen nicht möglich gewesen.

Der Lehrer Husnija Kapic und seine Frau Visa im Februar 94. Draußen schlugen Granaten ein. Die Beiden verteilten unsere Hilfsgüter. Bis zu 1000 Menschen standen dann vor ihrer Haustür. In der Stadt kosteten 25 Kilo Mehl damals 1000 deutsche Mark.

Nur ihm konnten wir vertrauen. Deshalb verteilten die Beiden und ein paar Freunde unsere Lebensmittel. Bis zu eintausend Menschen standen nach unserer Ankunft vor seinem Haus, und hofften auf Mehl, Öl, Zucker und Konserven. Nur im Februar ’94, da stand kaum jemand dort um Lebensmittel zu bekommen. Es gab zu viele Granaten. In Feuerpausen kamen die nah Wohnenden dann schnell vorbei. Manchen habe ich ihre „Bananenkisten“ nach Hause gebracht. Zum Glück ist mir etwas erspart geblieben, das immer eine meiner schlimmsten Ängste war. Der Einschlag einer Granate in einer Gruppe von Menschen in unmittelbarer Nähe.

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