Gesellschaft der Angst, oder: Die Vertreibung aus dem Paradies

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Zorn und sogar Hass werden immer mehr, insbesondere im Internet, zur Form der politischen Auseinandersetzung. Wir als Freimaurer sind in besonderer Weise gefordert, hier Stellung zu beziehen.

Hasskommentare im Internet, Beschimpfungen und Gewaltandrohungen gegen Migranten, gegen Politiker und Journalisten, in Einzelfällen auch physische Gewalt bis hin zum Mord sind Bestandteil der politischen Auseinandersetzung geworden. Es ist Zeit, sich zu fragen – und hier sind gerade wir als Freimaurer gefordert -: woran liegt es?

Wir leben in einer Zeit des Wandels. Globalisierung mit all ihren Folgen ist nur eines der Stichworte hierfür. Der Fortschrittsglaube nach dem Zweiten Weltkrieg in der Phase des Wirtschaftswunders ist spätestens seit dem Ende der 1980er Jahre gebrochen. Die Gewissheit, im Laufe des Lebens den erreichten sozialen und finanziellen Stand zumindest zu halten, wenn nicht zu verbessern, ist verloren gegangen. Wir stellen eine Veränderung der Gesellschaft fest. Die Schere zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft ist größer und auch offensichtlicher geworden. Eine vergleichsweise kleine Schicht profitiert von diesen Veränderungen und erlebt einen sozialen und finanziellen Aufstieg. Für weite Schichten ist das nicht möglich, sie kämpfen, um den einmal erreichten Stand zu halten oder die Veränderungen bedeuten für sie einen sozialen Abstieg. Allerdings bedeutet Abstieg nicht den Fall ins Elend. Auch die Verlierer bei diesen Veränderungen werden durch soziale Systeme aufgefangen.

Auffallend ist, dass die Wenigsten, die solche Befürchtungen und Ängste äußern, tatsächlich der Gefahr eines Abstiegs ausgesetzt sind. Unzweifelhaft ist jedoch, dass die Gesellschaft – und zwar in allen industrialisierten Ländern – einem starken sozialen Wandel unterzogen ist. Jeder soziale Wandel bedeutet die Vertreibung aus einem Paradies, einem Ort, der im Rückblick als ein Hort von Frieden, Ruhe und Ordnung und Wohlstand gesehen wird. Man kann hier von einem nostalgischen Nationalismus sprechen.

Sicherlich sind die Zeiten der Sorglosigkeit vorbei. Die Politik kann kein sorgenfreies Leben mehr versprechen. Dabei ist die Angst vor der Zukunft keine rein deutsche Erscheinung, auch wenn man im Ausland gerne von der „German Angst“ spricht. Nach Schätzungen tragen mehr als 50 Prozent der Deutschen chronische Ängste mit sich herum. Die gleichen Erscheinungen sind in allen europäischen Ländern und auch in den USA festzustellen. Viele erleben oder empfinden die Globalisierung als kollektiven Kontrollverlust. Wir stellen einen gefühlten Verlust der Zukunftsperspektive fest. Der Glaube an den Fortschritt weicht der Angst vor dem Abstieg. Die politische Linke redet vom Abstieg, die Rechte vom Niedergang, die Mitte schweigt eher. Das bedeutet aber nicht, dass die Mitte keine Angst empfindet. Das Gefühl, dass alles, was vor kurzem noch sicher erschien, ins Rutschen gekommen ist, geht weit über die Vertreter der politischen Extreme hinaus. Das Vertrauen in eine bessere Zukunft ist verloren. Ängstlichkeit und Resignation bei den einen, Misstrauen und Zorn bei den anderen sind die Folge. Oswald Spenglers „Der Untergang des Abendlandes“ hat wieder einen Platz in der politischen Diskussion.

Globalisierungsprozesse im Sinne von Zunahme weltweiter wirtschaftlicher Verflechtungen haben schon im ausgehenden Mittelalter stattgefunden. Damals bildeten sich globale Handels- und Hafenstädte (z.B. die Hanse). Kunst, Handwerk und Wissenschaft waren in der damals bekannten Welt weitgehend vernetzt. Was ist nun das Neue an der modernen Globalisierung? Was macht sie so bedrohlich? Der wichtigste Unterschied ist darin zu sehen, dass die Globalisierung der Frühmoderne kontinuierlich geschah und zur Herausbildung von souveränen Nationalstaaten im Rahmen einer arbeitsteiligen Weltwirtschaft beigetragen hat. Die 1989 eingeleitete Globalisierung zeichnet sich dagegen durch ihren umwälzenden Charakter und die Gleichzeitigkeit des schnellen Wandels von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft aus.

Die Angst vor dem Kontrollverlust über das eigene Leben führt verbreitet zur Sehnsucht nach Geborgenheit und Gemeinschaft. Auffallend ist, dass die Globalisierungsgegner und Angstbürger nicht nur zu den unteren sozialen Schichten gehören, die tatsächlich abstiegsgefährdet sind. Diese Empfindung geht bis tief in die Mittelschicht in allen sozioökonomischen Situationen hinein.

Die alltägliche Besorgtheit verdichtet sich zur Sorge. Aus der Sorge wird schließlich Angst: Angst vor der Zukunft, vor dem Neuen, vor dem Fremden. Die soziale Deklassifizierung oder auch nur die Angst hiervor und die damit verbundenen Kränkungen können ein persönlichkeitsänderndes Potential entfalten. Häufig ist es auch die Angst vor einem Verlust sozialer Beziehungen, die Angst vor der Einsamkeit. Der Betroffene steckt häufig in seinen Emotionen fest, weil er der Situation nicht entfliehen kann und dauerhaft ein Gefühl der Unterlegenheit hat. Die persönliche Niederlage wird als unverschuldetes und ungerechtes Schicksal empfunden. Die negative Emotion entwickelt dann häufig ein Eigenleben, es entstehen Gefühle wie Ressentiment oder Zorn bis hin zum Hass. Dies kann durchaus Auswirkungen auf das Persönlichkeitsbild haben und zu politischen Emotionen und Auffassungen heranwachsen. Die empfundene Vereinsamung ist natürlich besonders empfänglich für angebotene Gemeinschaften und kollektive Identitäten.

Ressentiment bezeichnet hierbei einen heimlichen Groll, der entsteht, wenn mächtige Wünsche dauerhaft unerfüllt bleiben. Dies ist eine Art Selbstvergiftung. Ohnmächtig zur Rache am vermeintlichen Verursacher, drückt sich die Aggression im Ressentiment aus. Zum Ressentiment trägt ein starkes Gefühl bei, betrogen worden zu sein. Der Wert der eigenen Person, die eigene harte Arbeit werde nicht ausreichend gewürdigt. Deshalb könne man den Niedergang nicht aufhalten. Anderen Gruppen hingegen (z.B. Migranten, Homosexuellen) werde alles nachgeworfen. Sie erhielten alle Leistungen, die einem „normalen Bürger“ vorenthalten würden und ziehen so sozial und wirtschaftlich an diesem vorbei. Hinsichtlich der Bewältigung von Niederlagen erfüllt das insoweit das Kriterium eines Abwehrmechanismus. Letztlich geht es hier um Neid. Warum erhalten die alles, was mir vorenthalten wird? Aus diesem Neid wird Verachtung, aus der Verachtung kann Hass werden. Unterstützt wird diese Entwicklung durch den Kontakt zu Gleichgesinnten. Sie bestätigen die eigenen Gefühle und verleihen ein Gefühl der Stärke. Angst ist ansteckend. Ressentiments sind insoweit eben auch kollektivstiftende Emotionen. Sie helfen, die individuelle Isolation in einer Wir-Erfahrung zu überwinden. Hinzu kommt, dass das Verbreiten von Angst Aufmerksamkeit sichert.

Es besteht kein Zutrauen mehr in die eigene oder auch die kollektive Zukunft. Die Zuversicht in die Leistungsfähigkeit der bestehenden politischen Ordnung ist entfallen. Deshalb greift man sie auch vehement an, verbunden mit dem Aufruf zur Umkehr. Die Vergangenheit wird als Vorbild und Orientierungsmaske dargestellt. Ob der behauptete Verlust nationaler Handlungsmöglichkeiten in eine indifferenzierte Kapitalismuskritik oder einen lamentierten Verlust eigener Identität (fremd im eigenen Land) mündet, macht keinen großen Unterschied. Wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Identifizierung von Kapitalismus mit einer angeblichen jüdischen Finanzelite eine lange, unselige Tradition hat und einen der Grundpfeiler des europäischen Antisemitismus darstellt.

Die weitere Folge kann dann der Aufruf zum realen Widerstand gegen die politischen und wirtschaftlichen Eliten und das System sein. Im Kollektiv geäußert, wirkt er besonders bedrohlich. Gleichzeitig bietet das Kollektiv dem Drohenden einen gewissen Schutz in der Anonymität der Masse, was durchaus zu größerer Enthemmung führen kann.

Wogegen richtet sich der Hass? Gegen die etablierte Politik, gegen Politiker als Personen und Parteien, letztlich gegen das bestehende politische System; gegen die Kapitalisten, gegen alle, denen es besser geht, die die sogenannte Großfinanz, die häufig mit „den Juden“ gleichgesetzt wird, demzufolge generell gegen Juden in unserer Gesellschaft; gegen alles, was anders ist: Ausländer, Homosexuelle (letztlich alle, die nicht heterosexuell sind), Migranten, moderne Kunst.

Bemerkenswert ist jedoch, dass die meisten verfügbaren Daten die Krisenszenarien des Abstiegs oder Niedergangs nicht bestätigen. Dies gilt jedenfalls, soweit sie sich auf ein Land in seiner Gesamtheit beziehen, was natürlich Einzelfälle des Abstiegs nicht ausschließt. Bezogen auf die Gesamtheit besteht also ein Widerspruch zwischen vorherrschender Stimmung und tatsächlicher Lage. Auffallend ist, dass auch die meisten als Einzelpersonen befragten ihre Situation eher als positiv empfinden.

Natürlich gibt es Branchen, deren Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden oder der Digitalisierung zum Opfer fallen. Das kann zwar eine gespaltene Stimmungslage erklären, nicht aber den vorherrschenden negativen Grundton. Was wir brauchen, ist ein mentaler und politischer Neuanfang. Dies kann nur durch Reformmaßnahmen geschehen. Allerdings brauchen Reformen Zeit. Die Angst- und Wutbürger behaupten, diese Zeit stehe nicht mehr zur Verfügung. Zur Abwendung einer Katastrophe müsse sofort gehandelt und unmittelbar wirkende Maßnahmen ergriffen werden. In der Ablehnung des bestehenden demokratischen Systems wird dies dann häufig mit dem Ruf nach dem „starken Mann“ verknüpft. Derartige Szenarien entwerfen das Bild des politischen Führers, der weiß und umsetzt, was das Volk zu seiner Rettung bedarf. Gleichzeitig werden vorliegende Reformvorschläge oder eingeleitete Reformmaßnahmen mit Hohn und Spott überzogen. Die Anwürfe werden zunehmend persönlich. Es ist häufig eine Art Eskalationsschema festzustellen: Was als Kritik an Politik und Politikern beginnt, steigert sich zum Vorwurf der moralischen Verkommenheit und Korruption.

Was hat das alles mit der Freimaurerei zu tun?

Wir sind gefordert, meine Brüder! Wir müssen der unbegründeten Angst und insbesondere der Aggression entgegentreten. Auf der Ebene der Gesamtgesellschaft kann dies eigentlich nur durch Bildung und Vermittlung von Wissen erfolgen. Wenn wir als Freimaurer uns der Tradition der Aufklärung und der Toleranz und Menschenliebe verpflichtet fühlen, dürfen wir uns solchen irrationalen Ängsten und Vorurteilen gegenüber nicht tolerant zeigen. Auch wenn Vertreter dieser Positionen möglicherweise demokratisch legitim in politische Positionen gewählt werden, bedeutet dies nicht, dass wir uns dem anschließen müssen oder es auch nur zu respektieren haben. Wir müssen den Mund aufmachen gegenüber solchen Auffassungen, die den freimaurerischen Idealen zutiefst widersprechen. Ich wiederhole mich: „Steht auf meine Brüder und wehrt Euch!“.

Gerade auch soweit die Freimaurerei unmittelbar betroffen ist, können Ansichten, die eigentlich auf die Müllkippe der deutschen Geschichte gehören, nicht achselzuckend unter Hinweis auf freimaurerische Toleranz hingenommen werden. Populistische Weltbilder, Intoleranz, Hass und Fremdenfeindlichkeit sind keine Ausdrucksformen, die in einer Freimaurerloge Platz haben. Sie sind mit unserem Weltbild nicht kompatibel. Hier ist jede Loge gefordert. Wir dürfen nicht schweigen, sondern müssen darüber reden. Insbesondere dürfen wir es auch nicht dulden!

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Stuttgarter Freimaurer unterstützen “KinderHelden”

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Die „Humane Welt e.V.“, der humanitäre Arm der Freimaurerloge „Furchtlos und Treu“ Stuttgart, sponsorte einen Ausflug des Vereins „KinderHelden gemeinnützige GmbH“ Stuttgart zur Experimenta nach Heilbronn.

Der Verein KinderHelden fördert Kinder mit schwierigen Startbedingungen mit Mentoring-Programmen.

Für 18 KinderHelden-Tandems ging es 26. Oktober gut gelaunt los. Nach der gemeinsamen Zugfahrt von Stuttgart nach Heilbronn startete der Ausflug im “Science Dome”, einer weltweit einzigartigen Kombination aus Planetarium und Theater mit einem 700 qm großen Kuppelscreen. Die Tandems konnten dort eine spektakuläre 3D Reise über den Traum des Fliegens erleben und staunten nicht schlecht.

Im Anschluss ging es in die Entdeckerwelt, welche mit über 275 interaktiven Exponaten spannende wissenschaftliche Phänomene aus Wissenschaft und Technik erlebbar und begreifbar macht. Gerade das spielerische Erkunden der Exponate war für jedes Tandem eine perfekte Gelegenheit, das eigene Wissen und Geschick zu prüfen und gemeinsam Neues zu erkunden. In den gläsernen Studios konnten die Tandems daraufhin selbst kreativ werden und unter anderem ein Fahrzeug basteln, einen eigenen Film produzieren oder zusammen Musikstücke komponieren. All dies ganz nach dem Motto der Experimenta: Erleben schafft Wissen.

Die Experimenta bot den Tandems die Möglichkeit, ganz individuell den eigenen Interessen nachzugehen und Neues gemeinsam auszuprobieren. Beim Aufbruch zurück nach Stuttgart war die einhellige Meinung der Mentees, dass man doch hätte noch länger bleiben können.

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Großlogen unterzeichnen Unvereinbarkeitserklärung

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Aus gegebenem Anlass veröffentlichten die Vereinigten Großlogen von Deutschland — Bruderschaft der Freimaurer — am 27. November 2019 eine Unvereinbarkeitserklärung.

Die Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD) und die ihnen angehörenden Großlogen und Logen fußen auf der verfassungsrechtlichen Grundordnung unseres Landes.

Gedankengut, das dieser Ordnung und den demokratischen Grundprinzipien unseres Landes entgegensteht, ist mit den Grundgedanken, Prinzipien und Tugenden der Freimaurerei nicht vereinbar.

Dies ist insbesondere der Fall bei Erklärungen und Handlungsweisen, wie sie seit einiger Zeit seitens gewisser Gruppierungen und ihrer Sympathisanten (u.a. UNITER e.V., Reichsbürger) publiziert und praktiziert werden.

Die VGLvD und ihre Großlogen rufen ihre Logen zu erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber den beschriebenen Tendenzen und erforderlichenfalls zu personellen Konsequenzen auf.

Christoph Bosbach, Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland

Die Unvereinbarkeitserklärung wurde unterzeichnet von allen in den Vereinigten Großlogen zusammengeschlossenen Großlogen, vertreten durch die Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln, der American Canadian Grand Lodge und der Grand Lodge of British Freemasons Germany.

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Karlsruher Loge veranstaltet Themenabend Demokratie

Links der Gastredner Prof. Kirchberg, rechts der Meister vom Stuhl Michael Dietrich

Die Karlsruher Freimaurerloge "Leopold zur Treue" lud zu einem Themenabend zur Demokratie in Deutschland ein. Es ging um Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde.

Karlsruhe (md). Der renommierte Verfassungsrechtler Herr Prof. Dr. Christian Kirchberg sprach über „Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde“. Anschaulich berichtete er den interessierten geladenen Gästen, darunter auch mehrere Stadträte und ein Richter des BGH, aus der Praxis.

Die Verfassungsbeschwerde ermöglicht insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern, ihre grundrechtlich garantierten Freiheiten gegenüber dem Staat durchzusetzen. Besonders beeindruckend ist die hohe Anzahl der jährlichen Beschwerden (über 6.000), von denen nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz erfolgreich ist. Der dahinterstehende Arbeitsaufwand für das Bundesverfassungsgericht, das Gericht und Verfassungsorgan zugleich ist, ist jedoch enorm. Wird ihm damit doch eine herausragende Stellung als Hüter des Grundgesetzes zuteil zum Schutze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Viele bekannte Juristen finden sich in den historischen Mitgliederlisten der Loge. Daher beschäftig sich die Loge regelmäßig mit dem gesellschaftlichen Vermächtnis dieser Brüder. Auch dem Meister vom Stuhl, Br. Michael Dietrich ist es wichtig, dass die Freimaurerei klar Stellung bezieht für ihre Ideale: Toleranz und Menschenliebe, für Grundrechte und Demokratie sowie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Die Geschichte der Loge “Leopold zur Treue” ist eng mit der Entstehung der badischen Verfassung und den ersten demokratischen Strömungen in Deutschland verbunden. Karl Friedrich Nebenius, der Schöpfer der badischen Verfassung von 1818, deren Entstehung sich vergangenes Jahr das 200. Mal jährte, war Mitglied der Loge. Im Jahr 1813 musste er, wie alle badischen Beamten, auf Drängen von Großherzog Karl aus der Loge austreten. Im selben Jahr erfolgte das generelle Verbot. Einige Jahre später war es vor allem seinem Einsatz zu verdanken, dass die “Leopold zur Treue” unter dem Protektorat von Großherzog Leopold im Jahr 1847 wiedereröffnet werden konnte, die sich ihm zu Ehren umbenannte (von „Carl zur Einigkeit“).

Seine Verfassung war die modernste seiner Zeit. Als erste demokratische Verfassung Deutschlands war sie geprägt von freimaurerischen Idealen. Insbesondere enthalten war ein Katalog von Grundrechten für alle Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht war sie noch etwas zu fortschrittlich im damaligen gesellschaftlichen Zusammenhang. So setzten bereits 1819 die Karlsbader Beschlüsse die in der Verfassung enthaltenen Grundrechte wieder außer Kraft. Bis zur Ausrufung der Republik in Deutschland sollten dann noch 100 Jahre (1918) vergehen. Die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen jährte sich letztes Jahr erst zum 70. Male. Nebenius kann aus heutiger Sicht als Vordenker, Visionär und Wegbereiter angesehen werden. Er setzte die Ideale der Freimaurerei und damit der Aufklärung um und integrierte sie in seinen Entwurf der badischen Verfassung.

Sein Ehrengrab besuchten die Brüder der Loge erst kürzlich.

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Neues Wagen und beim Alten bleiben

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"Alles muss sich ändern, damit es bleibt, wie es ist.“ Dieses Zitat des italienischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Giuseppe Tomasi di Lampedusa wird aktuell immer wieder gerne wiederholt.

Egal, in welchen gesellschaftlichen Bereich man schaut, überall wird Wandel und Veränderung gefordert: in der Europapolitik, in der Wirtschaft, in der Energieerzeugung, in der Kirche, im Sozialstaat, in der Kommunikation, in der Mobilität, in der IT … – die Liste ließe sich endlos fortsetzen.

„Nichts ist beständiger, als der Wandel.“ Diese alte Lebensweisheit wird dem griechischen Philosophen Heraklit zugesprochen. Die Beständigkeit des Wandels wird uns in fast allen Facetten des täglichen Lebens gepredigt — nein, sie wird uns förmlich um die Ohren gehauen. Aber hat sich in den vergangenen 2500 Jahren an dieser Wahrheit wirklich nichts geändert? Sind wir zu einer stetigen Veränderung verdammt? Müssen wir uns blind dem herrschenden Zeitgeist, den aktuellen Gegebenheiten und den damit einhergehend geforderten Veränderungen unterwerfen? Oder gilt es nicht, auch einmal wie der Fels in der Brandung zu sein, wie ein Monolith, der den Strömungen der Zeit entgegensteht und das Bewährte bewahrt? Müssen nicht gerade wir, liebe Brüder, dieser Stein, dieser unbehauene Stein sein?

Was wir früher hatten, wünschen wir heute oft zurück.

Sicher, Veränderungen der Zeit fordern auch Veränderungen an Althergebrachtem — aber dann doch bitte immer mit Prüfung und Weitsicht. Denn einmal veränderte Gegebenheiten können später durchaus auch als schmerzlicher Verlust empfunden werden. An einem aktuellen Beispiel aus der Verkehrspolitik möchte ich es verdeutlichen: In den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde alles darangesetzt, den Güterverkehr von der Schiene auf die Straße zu verlagern. Die Bahn war — aus damaliger Sicht — nicht mehr zeitgemäß. Zudem sollte der Staatskonzern privatisiert werden und an die Börse gehen. Strukturen wurden verschlankt, Bahnstrecken zurückgebaut, Gütertransportkapazitäten zurückgefahren, Gü­ter­bahn­höfe in zentraler City-Lage stillgelegt, die Gebäude abgerissen, das Gelände verkauft. „Just in time“ liefern konnte aus damaliger Sicht nur der LKW, denn die Autobahnen und Straßen waren frei. Noch. Aber heute erleben wir genau das Gegenteil: Der Lkw- und Pkw-Verkehr verstopft die Autobahnen und stößt viel CO2 aus. Die Bahn wäre — auch um die Pariser Klimaziele zu erreichen — die Alternative und Lösung. Aber: Infrastruktur fehlt, ebenso wie Flächen und Anschlüsse. Das, was wir früher hatten, wünschen wir uns heute wieder.

Ebenso erging es beispielsweise Straßenbahnen im Öffentlichen Personennahverkehr: Sie galten nicht mehr als zeitgemäß, heute sind die Städte glücklich, die sich seinerzeit nicht dem aktuellen Zeitgeist angepasst haben.
Oder werfen wir in der Sozialpolitik einen Blick auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften: Sie wurden verkauft, weil sie nicht als „Kerngeschäft“ der Städte galten. Heute wird sozialer Wohnungsbau wegen der steigenden Miet- und Immobilienpreise immer mehr gefordert.

Warum ich diese Beispiele bringe? Weil ich die Befürchtung habe, dass auch wir Freimaurer in der Gefahr sind, uns einem aktuellen Zeitgeist zu unterwerfen und in Entscheidungen drängen zu lassen, die wir mindestens sorgfältig prüfen, aber besser noch kritisch hinauszögern sollten, damit wir sie später nicht bereuen. Ich meine die immer weitere Öffnung unserer Logen und die immer größere Öffentlichkeit und Transparenz unserer Bruderschaft.

Was unterscheidet uns vom Stammtisch?

Sicherlich benötigt die heutige Zeit gewisse Information und Kommunikation — neudeutsch auch Public Relations genannt. Aber, so frage ich, wie weit darf diese Öffnung gehen? Was wollen wir von unserer Arbeit, von unserem Tun und unseren Ritualen nach außen tragen? Ich meine, dass wir aufpassen müssen, getrieben durch den Zeitgeist nicht in der Beliebigkeit zu landen. Was unterscheidet uns dann von einem Service-Club, wenn wir nur noch Spenden übergeben, uns öffentlich treffen und vernetzen? Was unterscheidet uns von einem Stammtisch, wenn wir für jeden zugänglich miteinander sprechen und diskutieren? Was unterscheidet uns von einer Kirche, wenn wir Rituale öffentlich durchführen, ausführlich erklären und dann doch immer wieder auf Unverständnis stoßen?

ie Freimaurerei, der alte europäische Bruderbund weltoffener Humanität, kann mittlerweile auf eine wechselvolle Geschichte von über dreihundert Jahren zurückblicken. Viele bedeutende Männer gehörten ihm an, mancher Anstoß zu politischen und gesellschaftlichen Reformen ist von ihm ausgegangen. Wir Freimaurer haben aber nicht nur eine Tradition, wir haben auch ein Alleinstellungsmerkmal, das viele andere nicht haben. In der Marketingsprache heißt das USP – unique selling proposition: Wir sind ein Bund von Gleichgesinnten, der die traditionsreichen Werte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität in den Mittelpunkt seines Handelns stellt. Wir sehen uns als raue, unvollkommene Steine. Wir wollen an uns arbeiten, um uns zum Kubus zu wandeln, damit wir beim symbolischen Tempelbau, der freimaurerischen Utopie einer harmonischen Vereinigung aller Menschen als Brüder, als passender Teil in das Gesamtkunstwerk eingefügt werden können. Der selbstkritische Freimaurer wird sich sein Leben lang als rauer Stein begreifen, denn Vollkommenheit ist uns Menschen nun mal leider nicht gegeben. Die Freimaurerei vereint Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. Und sie zeichnet sich aus durch Brüderlichkeit und Verschwiegenheit. Dabei bezieht sich die von uns Freimaurern geübte Verschwiegenheit auf einige Einzelheiten der freimaurerischen Bräuche und ist das Symbol für den in jeder Gemeinschaft notwendigen Schutz des persönlichen Vertrauens. Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit, dem Datenschutz sowie dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche nicht nach außen zu tragen. Dies soll intern den freien Ideen- und Meinungsaustausch ermöglichen. Nur so können wir frei und untereinander offen an uns arbeiten, um vom unbehauenen Stein zum Kubus zu werden. Das gegenseitige Versprechen zur Verschwiegenheit dient nicht der Geheimniskrämerei, sondern soll Privatsphäre bieten. Mit keiner Art von Verschwörung hat die Freimaurerei etwas zu tun.

Freimaurerei ist hochmodern, weil sie zeitlos ist

Und wir sind auch keine Versammlung Ewiggestriger. Wir stehen in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung. Dieses Erbe ist eine Verpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Immerhin dürfen wir nicht ganz unbescheiden feststellen, dass einige definierte Ziele der Freimaurer, zum Beispiel Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, zumindest teilweise in Erfüllung gegangen sind. Es war die unter anderem nicht zuletzt durch einzelne Freimaurer geprägte Fortschrittsidee, die den Glauben hervorbrachte, dass Gesellschaften, die mit materiellem Wohlstand gesegnet sind, automatisch bessere Lebensbedingungen hervorbringen. Selbst wenn wir längst an die Grenzen des Wachstums gestoßen sind, bedeutet das doch nicht, dass es sich nicht lohnt, für eine gerechtere Verteilung zu kämpfen. Oder wie es in einem unserer Ritualtexte heißt: „Geht hinaus in die Welt und bewährt euch als Freimaurer, seid wachsam auf euch selbst, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken.“

Der deutsche Philologe, Literaturhistoriker, Kritiker, Hochschullehrer und Schriftsteller Walter Jens hat einmal gesagt: „Die entscheidenden Veränderer der Welt sind immer gegen den Strom geschwommen.“ Das sollte auch unsere Maxime sein. Wir als Freimaurer, als unbehauene Steine, haben immer die Aufgabe, uns selbst zu prüfen und nach der Perfektion zu streben, wissend, dass diese wohl nie komplett erreicht werden kann. Ebenso muss es mit unserem Denken und Handeln sein: Wir sind aufgefordert, unseren Mann in der sich verändernden Welt zu stehen, auch gegen die Strömungen und Stürme des Zeitgeistes. Denn der Fels, der uns festen Untergrund in der Brandung gibt, besteht aus unseren Werten, die ewig gelten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie alleine sind die Richtschnur unseres Handelns.

Ich wage die These aufzustellen: Die Freimaurerei, ihre Werte und Ideale, sind hochmodern, weil sie zeitlos sind. Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität verlieren niemals an Aktualität.

Eines steht fest: Die Welt ist technischer und rationaler geworden. Im Wandel der Zeiten änderten sich Weltbilder und Wertmaßstäbe. Die Fortsetzung der Verwirklichung unserer Werte kann — nein, sie wird unserer Gesellschaft in der heutigen Zeit guttun. Oder wie es der Schriftsteller Wilhelm Raabe sagte: „In der jetzigen Zeit ist es mal was Neues, beim Alten zu bleiben.“

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 4-2019.

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Vom Schenken

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Als Kind war für mich Weihnachten weniger das Fest Christi Geburt. Vielmehr war es die Spannung, was sich wohl in dem abgedunkelten Wohnzimmer, dessen Läden ge- und dessen Zugangstür verschlossen war.

Und auch wenn ich mir noch solche Mühe gab: Ich konnte keinen Blick erhaschen, hatte keinen Hinweis, was sich dort verbarg, in diesem für wenige Tage nahezu hermetisch abgeriegelten Bereich, zu dem nur meine Mutter und der Weihnachtsmann Zutritt hatten.

Zu Heiligabend wurden die Kerzen am Baum entzündet, meine Mutter spielte die Weihnachtplatte ab und mein Bruder und ich wurden in das weihnachtlich geschmückte Zimmer gerufen. Ein schneller Blick auf den Baum, ein kurzes Mitsummen mit der Musik und schon ging mein Augenmerk auf die unter dem Baum liegenden Pakete und Päckchen. Da meine Mutter uns weihnachtliche Stimmung verordnete, wurde vor der Bescherung ein Weihnachtslied gesungen und /oder eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen.  Während des Zuhörens entglitten meine Gedanken und ich fragte mich, welche der Geschenke meines manchmal doch recht üppigen Wunschzettels sich in den Päckchen verbarg.

Freude und Enttäuschung lagen manchmal sehr eng beieinander. 

Dann war der Spuk mit dem Weihnachtsmann vorbei, ich musste mich bei einer Reihe von Menschen, beginnend bei Mutter, Vater, Großmutter – und Onkel, Tanten und diversen anderen lieben und weniger liebenswerten Verwandten und Bekannten artig bedanken. Und damit begann auch meine eigene Schenk-Karriere.

Im Laufe der Jahre änderte sich meine Einstellung zum Schenken gewaltig.

War es zu Anfang noch die Erwartung und der Wert der Geschenke, die mich elektrisierten, so merkte ich schon früh, dass es auch Freude bereitete, selber zu schenken. Und je näher mir die Person war, um so mehr Gedanken und Mühe gab ich mir, nahm jeden kleinen Hinweis auf die Vorlieben und Wünsche des von mir zu Beschenkenden auf, zerbrach mir tage- wochenlang den Kopf, womit ich meinem Gegenüber eine Freude machen konnte. Und wenn dann auch noch der wohlige Zustand der Verliebtheit hinzukam, konnte es schon mal zu kuriosen Aktionen kommen.

Schenken und beschenkt werden stärkt die soziale Bindung. Es kommt nicht darauf an, dass wir uns gegenseitig beschenken, sondern ob wir in der Lage sind, uns gegenseitig etwas zu geben. Das Geben wie das Schenken und Helfen ist von der Frage der Persönlichkeitsstruktur des Sendenden bestimmt und welche Motive ihn treiben. Macht es ihn glücklich? Versteckt sich eine bestimmte Absicht hinter dem Geschenk? Ist es eventuell gar nicht so gut gemeint, wie es scheint?

„Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“ Vergil, der Autor dieses Zitats, war ein römischer  Dichter und Epiker, der mit diesem Ausspruch auf das Geschenk eines hölzernen Pferdes, das die Danaer, bzw. Griechen, bei ihrem scheinbaren Abzug von Troja zurückließen und mit dessen Hilfe sie dann Troja eroberten.

Schenken will gelernt sein. Und der ein oder andere kann abendfüllende Geschichten erzählen, von Geschenken, die enttäuschten, die zum Disput, zum handfesten Streit oder auch dem Zerbrechen einer Beziehung führten. Die positive Situation, nämlich, dass der Schenkende wie auch der Beschenkte sich gleichfalls über das Geschenk freuen, ist der Idealfall.

„Es gibt eine interessante Studie von der Harvard Business School, die sich mit diesem Thema, dem Schenken, beschäftigt. Es wurden verschiedene Versuche gemacht, mit Erwachsenen, mit Kindern, sowie mit Primaten. Untersucht wurde vor allem die „Geberlaune“, das heißt, die Gründe, aus denen Menschen anderen Menschen Gutes tun, und zwar unter dem Aspekt der jeweils eigenen Interessen der Gebenden. Die Verfasser der Studie und des zugrunde liegenden Papiers beziehen sich auf eine Reihe von Beispielen, die untersucht wurden, und stellten fest: Glückliche Menschen geben mehr als unglückliche Menschen. Sie stellten außerdem fest, dass diese Menschen sich, nachdem sie etwas für andere getan oder ihnen etwas geschenkt hatten, tatsächlich noch glücklicher fühlten. Das legt durchaus die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Kreislauf handelt: Der Schenkende ist glücklich und möchte diese positive Grundstimmung behalten und gibt aus diesem Grund gerne, weil er spürt, dass ihn das glücklich macht. Es legt allerdings auch die Vermutung nahe, dass die Beweggründe, etwas für andere Menschen zu tun, unter Umständen nicht in der Motivation zu suchen sind, anderen eine Freude zu machen, sondern sich mit dem Geben vor allem selbst glücklich zu machen. „Altruismus“ ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort.“ (Zitat aus „Die Psychologie des Gebens und Schenkens…“ von Ernst Ferstl).

Verschiedene Studien belegen, dass glückliche Menschen mehr zu geben haben, mehr geben wollen, weil sie sozusagen innerlich angeheizt sind durch ihre eigene, sehr positive Glücksstimmung. Und es zeigte sich, dass Männer sehr großzügig sind, wenn das Geben für sie nicht allzu teuer wird. Bei Frauen hingegen darf es schon mal etwas mehr sein. Wenn diese Versuche beispielhaft sind, dann ist es offenbar so, dass Männer gerne geben, wenn Dinge nicht viel kosten und das eigene Einkommen wenig belasten. Frauen hingegen entscheiden sich offenbar häufiger für teurere Geschenke.

Schenken, um die eigene Reputation zu verbessern? Auch das gibt es. Und natürlich den Zusammenhang zwischen Reputation und des Geschenkwertes, bei dem beides parallel steigt, bzw. fällt. Gleichzeitig kann der Schenkende seinem sozialen Umfeld seinen Reichtum mitteilen, ohne Zahlen zu nennen. Spenden, die ebenfalls eine Form des Schenkens sind, haben positiven Einfluss auf das Prestige des Gebenden. Und die Veröffentlichung des Gebenden bringt ihm nicht nur Anerkennung, sondern verleitet ihn ggf. auch dazu, weiter und mehr zu spenden. Bedeutet das auch, dass diese Menschen ein besonderes Mitgefühl haben? Man kann hier zweifeln.

Etwas Gutes zu tun, ob nun als Geschenk oder der Bereitschaft, seine Freizeit für ein Engagement zu geben, ist eine Gesellschaftskomponente. Organisationen haben die Bedeutung erkannt und betreiben ein „Sozialmarketing“. Der Erfolg des Marketings setzt die Kenntnis des Spenderverhaltens, wie beschrieben, voraus. Das Leid der Menschen, die von der Spende profitieren sollen, wird vom Spender als unangenehm empfunden. Leid, mit dem man durch die Medien täglich konfrontiert wird und an dem kaum ein Mensch vorbeischauen kann. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit. Durch eine Geld- oder Sachspende hat der Spender das Gefühl, etwas geleistet zu haben, um diesem Elend und Leid entgegenzuwirken. Er hat das tatkräftige Handeln, das ihm verwehrt ist, ersetzt und fühlt sich nach der geleisteten Spende besser. Sehr geschickt arbeitet das Sozialmarketing nicht mit Schuldgefühlen, sondern mit der Dankbarkeit der Menschen, denen es so viel besser geht, um sie zum Geben und Spenden zu motivieren.

Das Schenken und Geben unter Freunden und Verwandten unterliegt einer Besonderheit: Je näher uns ein Mensch, ein Freund ein Verwandter steht, um so mehr machen wir uns Gedanken. Es gibt aber auch Menschen, die nie etwas schenken. Wie sieht hier die Sozialbeziehung aus? Kann man davon ausgehen, dass die Person, die nie beschenkt wird, der Person, die sie nie beschenkt, vollkommen gleichgültig ist?

Was hat all das mit Freimaurerei zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Betrachten wir allerdings Vorträge und Zeichnungen als Geschenke an die Loge, an die Brüder, müssten wir auch unsere Sozial- und Freundschaftsbindung zum Nebenmann, zum Gegenüber überprüfen.

Aber ich glaube, das schenk ich mir an dieser Stelle.

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Mozart am Montag

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Unter dem verheißungsvollen Motto "Mozart am Montag" veranstaltete am 21. Oktober 2019 die Freimaurerloge „Roland“ in Hamburg einen Konzertabend im Goethe-Saal des Logenhauses Welckerstraße.

Eingeladen war ebenfalls die Öffentlichkeit, was sich erfreulich am guten Besuch niederschlug – kaum ein Stuhl blieb im Goethe-Saal unbesetzt.

Die russische Meisterpianistin Alina Kabanova, mehrfach mit international renommierten Preisen ausgezeichnet, spielte an diesem Abend die zwei Mozart-Klaviersonaten in D-Dur KV 570 und A-Dur KV 331, wobei die A-Dur-Sonate vor allem im 3. Satz beim Publikum wegen des besonderen Bekanntheitsgrades besonders stürmischen Beifall auslöste.

Bevor aber die hinreißende Veranstaltung begann, begrüßte der Meister vom Stuhl Axel Kienast das erwartungsfrohe Publikum und stellte neben der Konzertierenden den Moderator des Abends vor – Altgroßmeister Jens Oberheide, der seine Kompetenz unter dem Aspekt „Freimaurerei und Musik“ mehrfach in Publikationen sowie als Buchautor unter Beweis gestellt hat. In spannungsreicher Wechselfolge des Programms zwischen den beiden Mozart-Sonaten am Konzertflügel und dem Referat des Moderators über die Wesensverwandschaft von Musik und Freimaurerei konnte das aufmerksame Auditorium an diesem eindrucksvollen Kulturabend teilhaben.

Beides – Musik und Freimaurerei – dringt nur nachhaltig in die Empfindungstiefe des Menschen durch eigenes Erleben! Das Studium von Noten und Partituren und andererseits seriöses Aufklärungsmaterial über Freimaurerei mögen als Information für ein besseres Verständnis dienlich sein, reichen aber keineswegs an die Teilhabe durch eigenes Hören der Musik bzw. durch die innere Erlebniswelt als Freimaurerbruder heran.

Eine wohldurchdachte Pause zwischen den zwei Klaviersonaten förderte an der Getränkebar im Logenhaus-Foyer das angeregte Gespräch unter den Zuhörern, die über die aufschlussreiche Moderation von Altgroßmeister Jens Oberheide und die konzertante Darbietung der Pianistin Alina Kabanova einen lebhaften Gedankenaustausch pflegten.

Als Facit dieser geglückten öffentlichen Veranstaltung der Loge „Roland“ lässt sich feststellen, dass die vorbildliche Logen-Initiative über den Hörgenuss hinaus einem guten sozialen Zweck diente, nämlich der Förderung des Musikunterrichts für Kinder in Hamburg mit einem ansehnlichen Spendenbetrag, der sich an diesem eintrittsfreien Abend ergab. Die begeisterten Besucher zeigten sich pekuniär großzügig als Dank für eine wunderbare Veranstaltung.

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