Vom Schenken

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Als Kind war für mich Weihnachten weniger das Fest Christi Geburt. Vielmehr war es die Spannung, was sich wohl in dem abgedunkelten Wohnzimmer, dessen Läden ge- und dessen Zugangstür verschlossen war.

Und auch wenn ich mir noch solche Mühe gab: Ich konnte keinen Blick erhaschen, hatte keinen Hinweis, was sich dort verbarg, in diesem für wenige Tage nahezu hermetisch abgeriegelten Bereich, zu dem nur meine Mutter und der Weihnachtsmann Zutritt hatten.

Zu Heiligabend wurden die Kerzen am Baum entzündet, meine Mutter spielte die Weihnachtplatte ab und mein Bruder und ich wurden in das weihnachtlich geschmückte Zimmer gerufen. Ein schneller Blick auf den Baum, ein kurzes Mitsummen mit der Musik und schon ging mein Augenmerk auf die unter dem Baum liegenden Pakete und Päckchen. Da meine Mutter uns weihnachtliche Stimmung verordnete, wurde vor der Bescherung ein Weihnachtslied gesungen und /oder eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen.  Während des Zuhörens entglitten meine Gedanken und ich fragte mich, welche der Geschenke meines manchmal doch recht üppigen Wunschzettels sich in den Päckchen verbarg.

Freude und Enttäuschung lagen manchmal sehr eng beieinander. 

Dann war der Spuk mit dem Weihnachtsmann vorbei, ich musste mich bei einer Reihe von Menschen, beginnend bei Mutter, Vater, Großmutter – und Onkel, Tanten und diversen anderen lieben und weniger liebenswerten Verwandten und Bekannten artig bedanken. Und damit begann auch meine eigene Schenk-Karriere.

Im Laufe der Jahre änderte sich meine Einstellung zum Schenken gewaltig.

War es zu Anfang noch die Erwartung und der Wert der Geschenke, die mich elektrisierten, so merkte ich schon früh, dass es auch Freude bereitete, selber zu schenken. Und je näher mir die Person war, um so mehr Gedanken und Mühe gab ich mir, nahm jeden kleinen Hinweis auf die Vorlieben und Wünsche des von mir zu Beschenkenden auf, zerbrach mir tage- wochenlang den Kopf, womit ich meinem Gegenüber eine Freude machen konnte. Und wenn dann auch noch der wohlige Zustand der Verliebtheit hinzukam, konnte es schon mal zu kuriosen Aktionen kommen.

Schenken und beschenkt werden stärkt die soziale Bindung. Es kommt nicht darauf an, dass wir uns gegenseitig beschenken, sondern ob wir in der Lage sind, uns gegenseitig etwas zu geben. Das Geben wie das Schenken und Helfen ist von der Frage der Persönlichkeitsstruktur des Sendenden bestimmt und welche Motive ihn treiben. Macht es ihn glücklich? Versteckt sich eine bestimmte Absicht hinter dem Geschenk? Ist es eventuell gar nicht so gut gemeint, wie es scheint?

„Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“ Vergil, der Autor dieses Zitats, war ein römischer  Dichter und Epiker, der mit diesem Ausspruch auf das Geschenk eines hölzernen Pferdes, das die Danaer, bzw. Griechen, bei ihrem scheinbaren Abzug von Troja zurückließen und mit dessen Hilfe sie dann Troja eroberten.

Schenken will gelernt sein. Und der ein oder andere kann abendfüllende Geschichten erzählen, von Geschenken, die enttäuschten, die zum Disput, zum handfesten Streit oder auch dem Zerbrechen einer Beziehung führten. Die positive Situation, nämlich, dass der Schenkende wie auch der Beschenkte sich gleichfalls über das Geschenk freuen, ist der Idealfall.

„Es gibt eine interessante Studie von der Harvard Business School, die sich mit diesem Thema, dem Schenken, beschäftigt. Es wurden verschiedene Versuche gemacht, mit Erwachsenen, mit Kindern, sowie mit Primaten. Untersucht wurde vor allem die „Geberlaune“, das heißt, die Gründe, aus denen Menschen anderen Menschen Gutes tun, und zwar unter dem Aspekt der jeweils eigenen Interessen der Gebenden. Die Verfasser der Studie und des zugrunde liegenden Papiers beziehen sich auf eine Reihe von Beispielen, die untersucht wurden, und stellten fest: Glückliche Menschen geben mehr als unglückliche Menschen. Sie stellten außerdem fest, dass diese Menschen sich, nachdem sie etwas für andere getan oder ihnen etwas geschenkt hatten, tatsächlich noch glücklicher fühlten. Das legt durchaus die Vermutung nahe, dass es sich dabei um einen Kreislauf handelt: Der Schenkende ist glücklich und möchte diese positive Grundstimmung behalten und gibt aus diesem Grund gerne, weil er spürt, dass ihn das glücklich macht. Es legt allerdings auch die Vermutung nahe, dass die Beweggründe, etwas für andere Menschen zu tun, unter Umständen nicht in der Motivation zu suchen sind, anderen eine Freude zu machen, sondern sich mit dem Geben vor allem selbst glücklich zu machen. „Altruismus“ ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort.“ (Zitat aus „Die Psychologie des Gebens und Schenkens…“ von Ernst Ferstl).

Verschiedene Studien belegen, dass glückliche Menschen mehr zu geben haben, mehr geben wollen, weil sie sozusagen innerlich angeheizt sind durch ihre eigene, sehr positive Glücksstimmung. Und es zeigte sich, dass Männer sehr großzügig sind, wenn das Geben für sie nicht allzu teuer wird. Bei Frauen hingegen darf es schon mal etwas mehr sein. Wenn diese Versuche beispielhaft sind, dann ist es offenbar so, dass Männer gerne geben, wenn Dinge nicht viel kosten und das eigene Einkommen wenig belasten. Frauen hingegen entscheiden sich offenbar häufiger für teurere Geschenke.

Schenken, um die eigene Reputation zu verbessern? Auch das gibt es. Und natürlich den Zusammenhang zwischen Reputation und des Geschenkwertes, bei dem beides parallel steigt, bzw. fällt. Gleichzeitig kann der Schenkende seinem sozialen Umfeld seinen Reichtum mitteilen, ohne Zahlen zu nennen. Spenden, die ebenfalls eine Form des Schenkens sind, haben positiven Einfluss auf das Prestige des Gebenden. Und die Veröffentlichung des Gebenden bringt ihm nicht nur Anerkennung, sondern verleitet ihn ggf. auch dazu, weiter und mehr zu spenden. Bedeutet das auch, dass diese Menschen ein besonderes Mitgefühl haben? Man kann hier zweifeln.

Etwas Gutes zu tun, ob nun als Geschenk oder der Bereitschaft, seine Freizeit für ein Engagement zu geben, ist eine Gesellschaftskomponente. Organisationen haben die Bedeutung erkannt und betreiben ein „Sozialmarketing“. Der Erfolg des Marketings setzt die Kenntnis des Spenderverhaltens, wie beschrieben, voraus. Das Leid der Menschen, die von der Spende profitieren sollen, wird vom Spender als unangenehm empfunden. Leid, mit dem man durch die Medien täglich konfrontiert wird und an dem kaum ein Mensch vorbeischauen kann. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit. Durch eine Geld- oder Sachspende hat der Spender das Gefühl, etwas geleistet zu haben, um diesem Elend und Leid entgegenzuwirken. Er hat das tatkräftige Handeln, das ihm verwehrt ist, ersetzt und fühlt sich nach der geleisteten Spende besser. Sehr geschickt arbeitet das Sozialmarketing nicht mit Schuldgefühlen, sondern mit der Dankbarkeit der Menschen, denen es so viel besser geht, um sie zum Geben und Spenden zu motivieren.

Das Schenken und Geben unter Freunden und Verwandten unterliegt einer Besonderheit: Je näher uns ein Mensch, ein Freund ein Verwandter steht, um so mehr machen wir uns Gedanken. Es gibt aber auch Menschen, die nie etwas schenken. Wie sieht hier die Sozialbeziehung aus? Kann man davon ausgehen, dass die Person, die nie beschenkt wird, der Person, die sie nie beschenkt, vollkommen gleichgültig ist?

Was hat all das mit Freimaurerei zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Betrachten wir allerdings Vorträge und Zeichnungen als Geschenke an die Loge, an die Brüder, müssten wir auch unsere Sozial- und Freundschaftsbindung zum Nebenmann, zum Gegenüber überprüfen.

Aber ich glaube, das schenk ich mir an dieser Stelle.

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Mozart am Montag

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Unter dem verheißungsvollen Motto "Mozart am Montag" veranstaltete am 21. Oktober 2019 die Freimaurerloge „Roland“ in Hamburg einen Konzertabend im Goethe-Saal des Logenhauses Welckerstraße.

Eingeladen war ebenfalls die Öffentlichkeit, was sich erfreulich am guten Besuch niederschlug – kaum ein Stuhl blieb im Goethe-Saal unbesetzt.

Die russische Meisterpianistin Alina Kabanova, mehrfach mit international renommierten Preisen ausgezeichnet, spielte an diesem Abend die zwei Mozart-Klaviersonaten in D-Dur KV 570 und A-Dur KV 331, wobei die A-Dur-Sonate vor allem im 3. Satz beim Publikum wegen des besonderen Bekanntheitsgrades besonders stürmischen Beifall auslöste.

Bevor aber die hinreißende Veranstaltung begann, begrüßte der Meister vom Stuhl Axel Kienast das erwartungsfrohe Publikum und stellte neben der Konzertierenden den Moderator des Abends vor – Altgroßmeister Jens Oberheide, der seine Kompetenz unter dem Aspekt „Freimaurerei und Musik“ mehrfach in Publikationen sowie als Buchautor unter Beweis gestellt hat. In spannungsreicher Wechselfolge des Programms zwischen den beiden Mozart-Sonaten am Konzertflügel und dem Referat des Moderators über die Wesensverwandschaft von Musik und Freimaurerei konnte das aufmerksame Auditorium an diesem eindrucksvollen Kulturabend teilhaben.

Beides – Musik und Freimaurerei – dringt nur nachhaltig in die Empfindungstiefe des Menschen durch eigenes Erleben! Das Studium von Noten und Partituren und andererseits seriöses Aufklärungsmaterial über Freimaurerei mögen als Information für ein besseres Verständnis dienlich sein, reichen aber keineswegs an die Teilhabe durch eigenes Hören der Musik bzw. durch die innere Erlebniswelt als Freimaurerbruder heran.

Eine wohldurchdachte Pause zwischen den zwei Klaviersonaten förderte an der Getränkebar im Logenhaus-Foyer das angeregte Gespräch unter den Zuhörern, die über die aufschlussreiche Moderation von Altgroßmeister Jens Oberheide und die konzertante Darbietung der Pianistin Alina Kabanova einen lebhaften Gedankenaustausch pflegten.

Als Facit dieser geglückten öffentlichen Veranstaltung der Loge „Roland“ lässt sich feststellen, dass die vorbildliche Logen-Initiative über den Hörgenuss hinaus einem guten sozialen Zweck diente, nämlich der Förderung des Musikunterrichts für Kinder in Hamburg mit einem ansehnlichen Spendenbetrag, der sich an diesem eintrittsfreien Abend ergab. Die begeisterten Besucher zeigten sich pekuniär großzügig als Dank für eine wunderbare Veranstaltung.

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Jahrestreffen der „Masonic Biker Süd“

Aufstellung der Biker nach der letzten Ausfahrt

Vom 30. August bis 1. September 2019 trafen sich bei herrlichem Spätsommerwetter 35 Brüder und Schwestern in Bayreuth zum 2. Treffen der „Masonic Biker Süd“.

Die Teilnehmer kamen aus nah und fern und absolvierten ein perfekt organisiertes Touren- und Kulturprogramm. Sehr beeindruckend war die Teilnahme von elf rumänischen Brüdern, die die bei weitem längste Anreise auf sich genommen hatten. Dies zeugt von tiefer Verbundenheit mit der Idee der „Masonic Biker“ und macht deutlich, dass die Kette für die Biker-Brüder auch weit über die Landesgrenzen hinaus zu funktionieren scheint. Aber auch weit gereiste Brüder und Schwestern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland haben das Treffen durch ihre Teilnahme bereichert. Für vorzeitig Angereiste ging es bereits am Freitag mit einem interessanten Vorprogramm los, das zunächst eine kleinere Tour in die Umgebung von Bayreuth vorsah. Mit einer Besichtigung des Freimaurer-Museums in Bayreuth unter fachkundiger Führung des Leiters, Br. Thad Peterson, und der anschließenden Besichtigung des Freimaurer-Tempels fand der erste Tag seinen Abschluss.

Am Samstag begaben sich die Teilnehmer dann auf große masonische Rundreise durch die schöne Fränkische Schweiz, die mit dem „Biker-Zeremoniell nach Kauli“ eingeleitet und auch wieder beendet wurde. Vor dem Mittagessen in einem urigen fränkischen Landgasthof führten die Biker in einer wild-romantischen Höhle ein spezielles Zeremoniell in Anlehnung an das Freimaurerritual durch, das noch einmal die brüderliche und obödienzübergreifende Verbundenheit aller Biker-Brüder bekräftigte. Atmosphärisch war das ein absolutes Highlight des diesjährigen Treffens, das wohl jeden Bruder zutiefst berührt haben mag.

Ein Stopp bei dem weithin bekannten Motorradtreff „Kathi Bräu“ in der Gemeinde Aufseß stand auch auf dem Programm. Ihren Ausklang fand die Tour mit der Besichtigung der Bayreuther Katakomben. Eine deftige fränkische Brotzeit in einem Traditionslokal beendete das Programm am Samstag. Am Sonntag verabschiedeten sich die Teilnehmer in großer Dankbarkeit und wünschten sich eine gute und unfallfreie Heimreise.

Die „Masonic Biker Süd“ sind Ende 2017 auf Initiative einiger Brüder aus Ingolstadt nach dem Ende der Aktivitäten der „Masonic Biker“ in Thüringen entstanden. 15 erfolgreiche Treffen der „Masonic Biker“ in Thüringen und die daraus entstandenen Gruppen in der Schweiz, Österreich und in vielen anderen europäischen Ländern unterstreichen die Erfolgsgeschichte dieser Idee. So sollte diese Tradition hier im Süden Deutschlands fortgeführt werden, wozu eine lokale Gruppe gegründet wurde, die sich schlicht „Masonic Biker Süd“ nennt.

Natürlich sollte das Rad dabei nicht neu erfunden werden und so setzten die Organisatoren auf der schönen Tradition der „Masonic Biker“, die von Br. Dietmar Jürgen vor etlichen Jahren ins Leben gerufen wurde, auf. Es wird dabei bewusst auf jegliche hierarchisch gegliederte Organisationsstruktur verzichtet und alles vermieden, was die „Masonic Biker Süd“ in die Nähe eines rockermäßigen Motorradclubs rücken könnte. Es gibt somit keine Funktionen und Begriffe, die der MC-Szene entlehnt sind. Entschieden wird von einem Kernteam engagierter Brüder. Die Aktivitäten beschränken sich auf den süddeutschen Raum und Ziel ist es, in jedem Jahr ein neues attraktives Reiseziel anzubieten.

Die Schwestern sind selbstverständlich immer mit dabei und verleihen den Treffen durch ihre Teilnahme einen ganz besonderen Charme. Auch der Charity-Aspekt sollte weiter in den Vordergrund rücken und so haben sich die „Masonic Biker Süd“ entschieden, das „Kinderhospiz St. Nikolaus“ im Allgäu, das sich der Begleitung von Familien mit unheilbar und lebensverkürzend erkrankten Kindern während der Krankheits-, Sterbe- und Trauerphase verschrieben hat, nachhaltig zu unterstützen. So konnten dem Hospiz im Jahre 2018 anlässlich eines Charity-Runs erstmalig 1500 Euro übergeben werden. Diese Summe konnte 2019 mit 2000 Euro sogar noch übertroffen werden.

Brüder, die mehr über die „Masonic Biker Süd“ erfahren wollen, wenden sich bitte an Br. Michael Schubert (schubox@gmx.de) oder an Br. Bernhard Dimmelmeier (bdimmelmeier@t-online.de). Das nächste und 3. Meeting der „Masonic Biker Süd“ findet vom 28. bis 30. August 2020 in Füssen/Neuschwanstein statt.

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Trauerkultur als Teil unseres Lebens

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Es gibt Grundmuster des menschlichen Verhaltens, die in allen Kulturen gleich sind: Freude, Trauer, Wut, Ekel, Überraschung und Angst. Diese Grundemotionen sind in jedem Menschen angelegt, es gibt aber große Unterschiede in Stärke und Ausdruck. Deshalb sollten wir nicht vorschnell von unserem eigenen Empfinden auf das Empfinden anderer Menschen schliessen.

Zeichnung zur Trauerloge "St. Alban zum Æchten Feuer", Hoya

Besonders wichtig halte ich dies bei trauernden Menschen. Jeder von uns hat sich schon einmal in einer solchen Situation befunden und seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht, die anderen oft nur schwer zu vermitteln sind. Vielleicht möchte man das anderen ja auch gar nicht vermitteln – zumindest für mich gab es Zeiten, in denen das so war.

Der November ist in unserer Kultur klassischer Trauermonat, in denen die Gesellschaft der Toten gedenkt. Das Wetter bildet einen passenden Rahmen: der Herbst wird dunkel und unwirtlich, und schon dieser Umschwung führt manche Menschen in eine gewisse Schwermut. Für mich ist es immer ein bisschen schwierig: trauern, weil der Kalender das so vorsieht.

Emotionen entstehen eben nur begrenzt aus solchen Vorgaben. Genauso, wie Freude manchmal einfach da ist, ist auch die Traurigkeit nicht herbei zu zitieren, sondern stellt sich ein – oder auch nicht.

Trotzdem ist diese Art der Trauerkultur Teil unseres Lebens, und vielleicht ist ein solcher Anlass zu Nachdenken über das Werden und Vergehen in unserer Welt auch gar nicht mal so schlecht. Das Bild von den Brüdern, die uns in den ewigen Osten vorausgegangen sind, möchte ich heute nicht bemühen. Vielmehr möchte ich einen Blick werfen auf die unmittelbaren, sozusagen profanen Auswirkungen, die der Tod auf uns haben kann.

Die meisten Menschen fürchten Tod und Trauer, bedeutet doch beides einen Ausnahmezustand, der viel Schmerz verursacht. Trauernde ziehen sich meistens in sich zurück, weinen, sind verzweifelt bis hin zum Gefühl, nicht mehr weiterleben zu können. Stresshormone werden ausgeschüttet, das Immunsystem leidet, sogar die Sterberate von trauernden Menschen soll erhöht sein.

Der Verlauf dieser Phase ist höchst unterschiedlich. Die einen realisieren sofort, dass der geliebte Mensch tot ist, andere brauchen sehr lange dafür. Auch die Intensität der Gefühle unterscheidet sich stark. Bei manchen Menschen fällt die Trauer milde aus, andere erleben sie als sehr schmerzvoll und langwierig. Eine große Rolle spielt auch, ob jemand unerwartet oder sehr jung gestorben ist. Ein Kind oder einen noch jungen Partner zu verlieren, führt meist zu einer längeren und schmerzhafteren Trauer als der Verlust eines alt gewordenen Elternteils.

Wenn wir uns vornehmen, einem trauernden Angehörigen, Freund oder Bekannten beizustehen, ist das oft schwerer als gedacht. Tiefe Traurigkeit überträgt sich meist innerhalb von wenigen Minuten, was dazu führen kann, dass man sich wieder abwenden möchte.

Gleichzeitig verunsichert der Umgang mit Trauernden. Soll man einen trauernden Freund oder Verwandten in Ruhe lassen oder versuchen, ihn irgendwie aufzumuntern oder abzulenken? Oft wird empfohlen, die Trauernden zu fragen, was ihnen gut tun würde. Einfach gesagt, aber schwergetan. Ich bin nicht gut in so etwas, mir erscheint das unpassend. Aber das ist auch nicht meine Profession und Gott sei Dank habe ich zu wenig Gelegenheit, besser darin zu werden – man möge mir verzeihen.

Trauerschmerz kann ein überwältigendes und irrationales Gefühl sein, dem man wehrlos ausgeliefert ist. Dann weinen die Menschen oder wüten und wollen nicht wahrhaben, was sie eigentlich wissen.

Es gibt aber auch Hinterbliebene, bei denen die Trauer eher milde ausfällt. Das muss nichts damit zu tun haben, ob die Beziehung zu dem Verstorbenen gut oder schlecht war. Es kann auch daran liegen, dass die Menschen mit milden Trauerreaktionen einfach gut mit Veränderungen und Stress umgehen können. Dass sie Gefühle unterdrücken und für sich behalten können, wenn sie meinen, dass es die Situation verlangt. Vielleicht sind sie auch eher in der Lage, den Blick auch auf das Positive zu richten. Dann fällt vielleicht ein Satz wie “ich hätte nie gedacht, dass ich so stark sein kann!”. Diese Resilienz, die psychische Widerstandskraft in Krisensituationen hilft, von Schicksalsschlägen nicht umgeworfen zu werden. Die Resilienzforschung befindet sich in einer spannenden Aufbruchsphase, aber fertige Lösungen und Tipps fürs eigene Durchhalten dürfen seriöserweise daraus noch nicht erwartet werden.

Auch Trauermythen entpuppen sich oft nur als vermeintliche Wahrheiten. Sie besagen beispielsweise, dass Menschen den erlittenen Verlust in Phasen durcharbeiten müssen oder unbedingt ihrem Schmerz Ausdruck geben müssen. Bekannt ist auch die Aufforderung, die Trauer herauszulassen und nicht zu verdrängen. Dazu gab es lange Zeit kaum repräsentative Studien. Auch die allererste Trauertheorie von Sigmund Freud ist von seinen Nachfolgern nie wissenschaftlich überprüft worden. Die empirische Trauerforschung kämpft gegen die Trauermythen an, weil sie trauernde Menschen verunsichern und unter Druck setzen und ihren Trauerprozess behindern können.

Jeder Mensch wird einmal sterben. Das ist sicher. Doch was kommt danach? Ewiges Leben im Himmel? Verdammnis in der Hölle? Eine Wiedergeburt als anderer Mensch – oder sogar als Tier? Wie es nach dem Tod weitergeht, weiß niemand. Die großen Weltreligionen haben teilweise sehr unterschiedliche Vorstellungen davon. Ich bin kein religiöser Mensch und bekenne mich als Agnostiker. Für mich ist die Reise mit meinem Tode ganz einfach zu Ende, aber ich kann mich gut wiederfinden in der schlichten evangelischen Liturgie: “Erde zu Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staube”. Genau so fühlt es sich für mich an, wenn das Ende des irdischen Lebens erreicht ist. Es hat etwas Beruhigendes an sich bis hin zur Vorstellung des Lebenskreises, der sich schließt und damit vollendet.

Die Reise selbst, unser Lebensweg, ist aber wichtiger als das Ende und deswegen möchte ich erinnern an die Worte des Bruders Mehmet Fuat Akev aus Istanbul, die in der Loge Roland i.Or. Hamburg überliefert wurden – ich zitiere sinngemäß:

Das Paradies des Maurers entfaltet sich in seinem Gewissen. Wenn er sich seiner Verantwortung in der Welt bewusst ist, wenn er sich den maurerischen Idealen angenähert hat, wenn er seine Pflichten als Mensch und Maurer erfüllt hat, so gut es ihm möglich war, dann hat er die Welt ein wenig besser gemacht und ist gut darauf vorbereitet, sie zu verlassen.

Mehmet Fuat Akev
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Fürther Freimaurer spenden an Hospizverein

v.l.n.r. Eberhard Reitter, Schatzmeister Hospizverein, Dr. Roland Hanke, 1. Vorstand Hospizverein, Dr. Markus Algner, Stiftungsverwalter, Frau Kerstin Mederer-Gößwein, 1. Stellvertreterin Hospizverein, Frank Emmerich, Vorsitzender Stiftungskuratorium, Esko Fritz, Schriftführer Hospizverein. Foto: Wolfgang Klar

In einem Festakt im Logenhaus Fürth haben am Freitagabend rund 80 Gäste die Arbeit des Hospizvereins Fürth gewürdigt. Anlass war die Übergabe einer Spende in Höhe von 3.000 Euro an den Hospizverein Fürth durch die neu geschaffene Stiftung FreimaurerLoge Fürth.

Dr. Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins, betonte in seiner Dankesrede die Parallelen von Hospizarbeit und Freimaurerei. Beide stellen in einer lebensbejahenden Weise stets den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns. Dabei soll die Würde des Menschen gewahrt werden – geleitet von Freiheit, Vernunft, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe. „Der Mensch hat in der Regel keine Angst vor dem Tod, er fürchtet sich aber vor dem Sterben“, so Hanke. Hospizarbeit setzt genau dort an. Hoffnung wird dabei nie infrage gestellt, denn in ihr liegt mehr Kraft als in jeder Medizin. Hoffnung stirbt nie.

Sowohl der Bürgermeister der Stadt Fürth, Markus Braun, als auch Franz Forman, stellvertretender Landrat Landkreis Fürth, bezeichneten den Hospizverein als würdigen Empfänger der Spende. Menschen in Würde sterben zu lassen ist ein Ausdruck humanitären Handelns und demnach eng verbunden mit dem Wesen und Wirken der Freimaurerei. Stiftungsverwalter Dr. Markus Algner verwies in seiner Ansprache auf den Kreislauf des Lebens. Dem neugeborenen Kind wird sehr viel Aufmerksamkeit und Fürsorge zuteil. Die Freude wird von der Familie nach außen getragen. Sterben hingegen ist immer noch viel zu häufig einsam und tabubehaftet. Umso wichtiger ist die „Letzte Hilfe“ durch Hospizarbeit einzuschätzen.

Mit der Spende an den Hospizverein Fürth ist die neu gegründete Stiftung Freimaurerloge Fürth erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. „Dabei wird mit dieser Stiftung eine lange Stiftertradition der Fürther Freimaurerloge fortgesetzt“, erläutert Frank Emmerich, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Es wird wohl kaum eine Bürgerin bzw. einen Bürger Fürths geben, welcher nicht unmittelbar Assoziationen mit dem „Nathanstift“ bzw. der „Volksbildungsstätte Berolzheimeranum“ hegt. Was viele jedoch nicht wissen: Diese und auch zahlreiche weitere Stiftungen des frühen 20. Jahrhunderts gehen auf das Wirken von Freimaurern zurück. All diese Stiftungen gingen aufgrund von Inflationen oder Enteignungen durch das NS-Regime 1933 verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Brüder der Freimaurerloge „Zur Wahrheit und Freundschaft“ weiterhin karitativ betätigt. So etwa im Rahmen der jährlichen Grillenbergerschen Bescherung bedürftiger Kinder oder der seit 1989 existierenden Drs.-Heinz-u.-Eva-v. Plänckner-Stiftung. Letztere verleiht aus ihren Mitteln seit 1993 den „Preis für vorbildliche Mitmenschlichkeit“.

Der Zweck der neu gegründeten Stiftung ist breit gefächert und umfasst die Bereiche Kunst und Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bildung und Erziehung, Heimatpflege und Heimatkunde, Völkerverständigung und allgemein mildtätige Zwecke. Die Stiftung steht als sog. „nicht rechtsfähige Stiftung“ unter Verwaltung der Loge. Die Stiftung Freimaurerloge ist gemeinnützig anerkannt. Hierdurch ergibt sich steuerlich begünstigt die Möglichkeit, Spenden und Zustiftungen zu leisten. Ein siebenköpfiges Kuratorium überwacht und kontrolliert den Stiftungsträger und bestimmt die zu fördernden Einrichtungen bzw. Organisationen. Das Kuratorium ist ebenso ehrenamtlich tätig wie der von der Loge ernannte Stiftungsverwalter. Mit Blick in die Zukunft wurde die Möglichkeit geschaffen, dass sich weitere Stiftungen unter der neuen Stiftung etablieren. Die Stiftung Freimaurerloge fungiert dabei als Dach und bietet Interessenten die Option, Vermögen oder Immobilien auf die Stiftung unter Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs zu übertragen. Auf diese Weise kann so dauerhaft unter eigenem Namen über das eigene Leben hinweg Gutes für die Gesellschaft geleistet werden“, so Emmerich.

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Lichteinbringung in Traben-Trarbach

Lichteinbringung im Blauen Gewölbe

Das „Blaue Gewölbe“ in Trarbach war als Ort der Lichteinbringung gut gewählt, denn es kamen 77 Brüder aus 30 Logen und 4 Ländern. Das erfreute alle Brüder der neu gegründeten Loge „Zum königlichen Berg“ 1090 in Traben-Trarbach.

Am 02. November 2019 erfolgte die feierliche rituelle Lichteinbringung in Anwesenheit des Großmeisters der A.F.u.A.M. Brd. Stephan Roth-Kleyer. Das Amt des Stuhlmeisters der neuen Loge übernahm Brd. Dayfdd Bullock.

Der Redner ging auf seiner Zeichnung auf die „Rückkehr des Lichtes“ ein. Denn schon von 1915 bis Mitte der 30er Jahre gab es eine „Freimaurerische Vereinigung“ in Traben-Trarbach. Am 11. Januar 2019 fand die Gründungsversammlung der Loge „Zum königlichen Berg“ statt.

Das Bijou zeigt die Ruine Grevenburg, die auf dem Berge steht, unter dem sich der Tempel befindet.
Viele Grußbotschaften wurden ausgerichtet, viele Geschenke überreicht und gute Wünsche überbracht.
Für die Schwestern gab es ein interessantes Programm.

Bei der „Weißen Tafel“ im Anschluss zur Lichteinbringung hatte die Brüder und Schwestern die Gelegenheit, sich kennenzulernen und es wurden viele interessante Gespräche geführt. Den Abschluss des Tages bildete eine Weinprobe. Am Sonntag wurden die noch anwesenden Brüder und Schwestern nach einem langen Brunch verabschiedet.

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“Der Zauberberg” im Osnabrücker Lortzinghaus

Robert Brand, Bodo Dannhöfer, Alexander Trettin, Evangelos Tzavaras (v.l.n.r.)

Wortgewand, dramatisch und ideenreich! So haben es die Zuschauer am vergangenen Samstag im Osnabrücker Lortzinghaus erleben dürfen. Frei nach Motiven von Thomas Mann haben vier Freimaurerbrüder eine Lesung der ganz besonderen Art dargeboten. Dabei war Ihnen gerade der Inhalt rund um den Freimaurer Settembrini natürlich nah.

Eindrucksvoll haben die Vier aber auch Gegenpositionen beleuchtet, das Ganze mit visuellen und akustischen Raffinessen abgerundet und so das Publikum schnell in ihren Bann gezogen. Emotionale Dialoge zwischen dem Humanisten und Aufklärer Ludovico Settembrini (Bodo Dannhöfer) und dem zum Katholizismus konvertierten Leo Naphta (Alexander Trettin) haben den Hauptprotagonisten Hans Castorp (Evangelos Tzavarras) wie Salven aus Maschinengewehren befeuert. Die anspruchsvollen und fast 100 Jahre alten Bildungstexte wurden von den Darstellern komplett neu eingekleidet und ausstaffiert. Hilfreich war auch die Navigation durch den Abend durch Hofrat Behrens (Robert Brand) sowohl für Castorp als auch die Zuschauer. Beeindruckend die Gesangseinlage des 82-jährigen Brand, der Peter Vox „Haus am See“ a capella präsentierte. Alexander Trettin hatte speziell für diese Lesung ein eigenes Musikstück komponierte, das zum Denken anregte, aber auch Fragen unbeantwortet ließ. „Falsch, falsch, falsch“ war Kernaussage und Frage zugleich: „Ich bin so falsch! Was mach ich falsch?“

Die anschließende Diskussion machte deutlich, hier kamen auch anwesende Nichtfreimaurer voll und ganz auf ihren Geschmack.

„Wir freuen uns über die große Resonanz, die wir an diesem Abend erzielen konnten und die vielen kulturinteressierten Osnabrücker, die den Weg ins Logenhaus gefunden haben“, bekräftigt Reinhold Menninghaus, Meister vom Stuhl der Osnabrücker Freimaurerloge. „Das Lortzinghaus an der Katharinenkirche soll als öffentliches, kulturelles Kleinod an Abenden wie diesen auch künftig allen Kulturinteressierten seine Pforten öffnen“, so Menninghaus weiter.

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