Das große Jubiläum der Freimaurer

(Foto: Thomas Reimer / Fotolia)

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In diesem Jahr feiern viele Logen mit zahlreichen Veranstaltungen den 300-sten Geburtstag der Freimaurerei. Anlass genug, nicht nur über die glorreiche Vergangenheit der Freimaurerei nachzudenken, sondern auch darüber, welche Zukunft sie unter stark veränderten Bedingungen haben kann.
VON UNSEREM GASTAUTOR HANS-HERMANN HÖHMANN

Wie immer wir mit dem Großen Jubiläum der Freimaurerei im kommenden Jahr umgehen, ob wir es auch als unser Jubiläum verstehen und mitfeiern, oder ob wir es eigentlich als das Große Jubiläum der englischen Freimaurerei, und da ist für uns doch eher Zurückhaltung am Platze: Allein schon durch das wachsende Interesse von Öffentlichkeit und Medien sind wir auch hierzulande auf eine herausfordernde Weise mit dem Ereignis 2017 konfrontiert.

Teilweise ist dieses Interesse mit Respekt und Anerkennung verbunden und beruht auf einer – freilich oft ratlos-uninformierten – Wertschätzung der Freimaurerei als Aktivposten der europäischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Oft aber hat die Aufmerksamkeit, mit der wir im Zeichen von 2017 wohl gehäuft zu rechnen haben, einen düsteren und obskuren Hintergrund, und wir haben mit Neuinszenierungen vieler jener entstellenden und verzerrenden Mythen zu rechnen, die uns durch große Teile der Geschichte der Freimaurerei begleitet haben, und die ja auch so prächtig hineinpassen in die Phantasie- und Fabelwelt, die seit dem Einsetzen der Postmoderne reüssiert.

Gerade ist das Oktober-November Heft der Zeitschrift „Hörzu – Wissen“ erschienen, und zwar mit dem bezeichnenden Aufmacher auf der Titelseite: „Die dunkle Macht der Geheimbünde. So lenken Freimaurer, Illuminaten & Co unsere Welt“. Schlagen wir das Heft auf, so finden wir z.B. unter einem Portrait des amerikanischen Freimaurers Albert Pike folgenden Text: „Verdacht. Albert Pike gilt unter Verschwörungstheoretikern als Satanist, der die Weltherrschaft anstrebte.“ Der weitere Text geht dann nicht mehr ganz so weit an der Realität vorbei, doch Thema und Tendenz sind markiert, und Ähnliches wird folgen, ins Jubiläumsjahr hinein und sicherlich auch darüber hinaus.

Die Frage nach den Mythen, den fremden, uns immer wieder übergestülpten, aber auch den eigenen Mythen und Erzählungen wird mich gleich weiter beschäftigen. Doch zunächst ein paar Bemerkungen zu den Möglichkeiten, mit dem Jubiläum der Freimaurerei umzugehen.

Vier unterschiedliche, wenn sich auch teilweise überschneidende Modelle – „Jubiläumstypen“ gleichsam – lassen sich erkennen: Erstens der museale Ansatz, bei dem Freimaurerei dargestellt wird, wie unser Wissen und die uns zur Verfügung stehenden vorzeigbaren Objekte es zulassen. Zweitens der glorifizierende Ansatz, bei dem Freimaurerei als Inbegriff des Guten und Fortschrittlichen gepriesen wird nach dem impliziten oder gar expliziten Motto: Freimaurer waren und sind Weltmeister in Sachen Humanität. Drittens der faktengerechte Ansatz, bei dem Freimaurerei, so wie sie unserem redlich ermittelten Wissen nach war und ist, in ihren Bezügen zu gesellschaftlicher Entwicklung und Zeitgeist mit ihren Höhen und Tiefen beschrieben, analysiert und dokumentiert wird. Schließlich viertens der produktive Ansatz, bei dem auf der Basis einer redlichen Beschreibung und Analyse von Herkunft und gegenwärtigem Zustand Freimaurerei in die Zukunft weitergedacht wird und gefragt wird, welche masonischen Erzählungen für Konzept und Praxis der Freimaurerei im 21. Jahrhundert taugen.

So sehr ich auch dem Ansatz „Freimaurer-Museum“ mit Sympathie begegne, zumal er uns erfreulich häufig mit den öffentlichen Museen und damit einem wichtigen Teil der kulturellen Öffentlichkeit in Berührung bringt, und so sehr ich hoffe, dass die deutschen Freimaurer der Versuchung von Ansatz 2, dem unkritisch-flachen Hochjubeln widerstehen, so sehr liegt mir doch vor allem an einer kreativen Mischung der Ansätze 3 und 4: der sauberen Aufarbeitung masonischer Fakten und dem kreativen Weiterdenken der Freimaurerei.

Wenn dieses aber das Ziel ist, so haben wir nach den leeren Feldern unseres Wissens zu fragen, auf Wunschdenken und gefällige Erfindungen zu verzichten, ernsthaft zu forschen und zur Füllung der Leerstellen auch intensiv mit der externen Forschung zu kooperieren. Des weiteren haben wir uns mit den Unterschieden, Widersprüchen und Konflikten in der Freimaurerei zu beschäftigen, die die maurerischen Wirklichkeiten durch drei Jahrhunderte hindurch nachhaltig bestimmt haben und heute noch bestimmen. Und schließlich müssen wir den verschiedenen Bilderwelten und Mythen kritisch nachgehen, die die Entwicklung der Freimaurerei begleitet haben, und die – oft von uns mit verschuldet – in verzerrter Form auf uns zurückkommen.

Dies alles bedeutet unter anderem auch, dass wir aufhören müssen, Freimaurerei als Einheit, als etwas Einheitliches gar zu verstehen und darzustellen.

Sicherlich gibt es durch die Geschichte hindurch den beschreibbaren, organisatorisch-kulturellen Formenkreis „Freimaurerei“, – angesiedelt um Elemente wie Logengruppe, Initiation, Bausymbolik und moralische Lehren. Aber innerhalb dieses Formenkreises waren und sind viele Freimaurereien möglich, die sich unterscheiden und die sich auch oft gar nicht so geliebt haben und lieben, wie es dem Gebot der Bruderliebe entspricht. Und dies hängt wiederum nicht zuletzt mit den widersprüchlichen Mythen und Erzählungen der Freimaurerei zusammen, die den Weg des Bundes begleitet haben.

Wenn wir uns diese Mythen anschauen, so stoßen wir insbesondere auf drei Erzählstränge, die sich zwar oft vermischt haben, sich aber trotzdem voneinander unterschieden, ja im Konflikt zueinander gestanden haben. Erstens die hermetisch-esoterischen Erzählungen von uralter Weisheit und geheimnisvollen symbolischen Codes, mit denen sich die Geheimnisse der Welt entschlüsseln lassen, zweitens die gnostisch-christlichen Erzählungen von der Nachfolge Jesu, des Obermeisters der Freimaurerei, und von der durch ihn offenbar gewordenen, stufenweise erkennbaren Weisheit und drittens die humanistisch-aufklärerischen Erzählungen vom Menschen und seinen mitmenschlichen Pflichten im hier und jetzt, vom Freimaurer, der allein dem Sittengesetz verpflichtet ist.

Im Verständnis nach Innen, aber auch im Auftreten der Freimaurer gegenüber der Öffentlichkeit gehen diese – mit sehr verschiedenen Formen von Freimaurerei verbundenen – Erzählstränge oft unreflektiert und verwirrend durcheinander. Resultat sind dann nicht selten diffuse organisatorische Strukturen, Ideen und Rituale. Und dieses Durcheinander der Mythen begegnet uns wieder in den Geschichten, die andere in Form von obskuren Phantasien und Verschwörungsgeschichten, oft schön gruselig bebildert und filmisch in Szene gesetzt, über uns erzählen.

Hier liegt die Wurzel vieler unserer Probleme: Wir werden missverstanden, weil wir selber nicht so richtig wissen, was und wer wir sind, und weil wir die „Arbeit am Mythos“ – um es mit einem Begriff des Philosophen Hans Blumenberg zu sagen – so sträflich vernachlässigen, dass uns klare Aussagen gegenüber der uns umgebenden Gesellschaft und der sich für uns interessierenden Öffentlichkeit nicht gelingen. „Arbeit am Mythos“ ist also nötig, und „Arbeit am Mythos“ hieße für die deutsche Freimaurerei der Gegenwart zunächst einmal zu ordnen, zu klären, zu unterscheiden und auszuwählen. Gleichzeitig hieße „Arbeit am Mythos“, Vergangenes zu prüfen im Hinblick auf Orientierungstauglichkeit für Gegenwart und Zukunft. Dabei geht es um Wertschätzung und Kritik zugleich. Zukunft braucht Herkunft, gewiss. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, verfehlt die Zukunft, und wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen.

Vergangenheit darf nicht fesseln, Wurzeln müssen sich mit Flügeln verbinden und beim Neuaufbruch muss es erlaubt sein, Veraltetes und Überholtes hinter sich zu lassen.

Das heißt: Mit der Beschwörung vergangenen Zaubers, mit dem Erzählen früherer Geschichten und mit der gebetsmühlen-artigen Benennung alter Helden kommen wir heutzutage nicht aus. Die freimaurerischen Erzählungen für die Gegenwart bedürfen einer neuen Struktur, und haben sich vor allem auf Wirksamkeit, auf Deutlichkeit, auf Wahrnehmbarkeit in der Gesellschaft und auf Praxis zu konzentrieren, und zwar jeweils in und aus der Sicht der unterschiedlichen freimaurerischen Lehrarten.

Für mich als humanitären Maurer steht die Konzentration auf Konzept und Praxis einer humanitären Freimaurerei im Zentrum, die – aufbauend auf den alten Erzählungen von Freiheit, von Selbstbestimmung, von Wert und Würde des Menschen – einen neuen Humanismus und eine selbstkritische, reflexive Aufklärung zur Grundlage hat.

Was aber heißt das konkret und im Detail? Diese Frage müssen wir ja stellen, dringlich stellen, denn die in meiner Großloge üblich gewordene Aussage „Wir stehen in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung“ ist ja längst zu einem zwar herzerwärmenden, doch konzeptionell dürftigen Mantra geschrumpft. Der Humanismus der modernen Freimaurerei ist für mich ein Humanismus, der Aufgaben im hier und jetzt begründet, ein säkularer Humanismus, ein Denken und Fühlen, das sich an der Würde des heutigen, konkreten, einzelnen Menschen orientiert, das den Aufbau humaner Lebenswelten zum Ziel erklärt und das sich durch moralisches Handeln in humanitäre Praxis umsetzt.

Freilich wäre dieser Humanismus ohne die spirituelle Dimension des freimaurerischen Rituals einseitig, flach und sowohl emotional als auch intellektuell verkürzt. Freundschaft, Ethik und Ritual – so habe ich immer wieder zu begründen versucht – gehören untrennbar zusammen. Freimaurerei ist ein Gesamtkunstwerk, und wenn es etwas gibt, das Wesen, Charme und Alleinstellung der Freimaurerei ausmacht, so ist es dieses „Drei-in-eins“ von Gemeinschaft, ethisch-moralischer Orientierung und ritueller Spiritualität.

Unter den Prinzipien, die Humanismus und Aufklärung für die Gegenwart begründen, scheinen mir die folgenden von besonderer Bedeutung, die ich als Anstoß für Überlegung und Diskurs in fünf Thesen zusammengefasst habe: 1. Leben, Wohlergehen, Freiheit und Glück jedes einzelnen heutigen Menschen sind Ziel und Maßstab des individuellen wie des gesellschaftlichen Handelns. 2. Anerkennung der Menschenwürde anderer wie der eigenen Würde ist Grundbedingung menschlicher Kultur und Gemeinschaft. 3. Förderung der schöpferischen Kräfte des Menschen ist Grundlage dafür, dass die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und an der Gesellschaft voran gebracht werden kann. 4. Ausrichtung von Denken und Handeln am Maßstab der Redlichkeit, Vernunft und Wahrheitssuche ist vorrangiges Grundelement menschlicher Orientierung. 5. Schließlich: Das Prinzip Aufklärung hat auch heute noch zu gelten, verbunden freilich mit der Einsicht, dass nur eine reflektierte Vernunft und eine selbstkritische Aufklärung als tragfähige Grundlagen menschlicher Lebensführung und sozialer Gestaltungsprozesse tauglich sind.

Diese fünf Orientierungen bestimmen allerdings nur den Rahmen für freimaurerisches Denken und Handeln. Wenn wir uns nicht mit Schlagwörtern, Allgemeinplätzen und Platituden begnügen wollen, so ist es höchste Zeit dafür, diesen Rahmen im Diskurs der Brüder mit konkreten, zeitbezogenen Vorstellungen zu füllen, und hierzu mag das „Laut denken mit dem Freunde“, das Lessing empfohlen hat, auch für den Maurer von heute eine vorzügliche Methode sein.

Ihr betont säkularer Charakter bedeutet gleichzeitig, dass sich eine humanistisch orientierte Freimaurerei sowohl gegenüber den hermetisch-esoterischen als auch gegenüber den christlich-gnostischen Traditionen und Mythen der Freimaurerei skeptisch verhält. Gewiss können freimaurerische Rituale auch in der Humanistischen Freimaurerei esoterisch verstanden werden, und die Freimaurerei kann Ort esoterischer Diskurse sein. Diese dürften um so fruchtbarer ausfallen, je mehr man sich von der in alten Ritualen geronnenen, oft wenig authentischen Esoterik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts befreit und den heute zugänglichen ursprünglichen Quellen der Esoterik zuwendet und auch Nutzen zieht aus den mittlerweile beachtlichen Resultaten der Esoterikforschung. Die Beschäftigung mit Esoterik als einer Denktradition und überlieferten religiösen Sichtweise bedeutet jedoch nicht, dass die Verheißung einer Entschlüsselung geheimer Codes und „verlorener Symbole“ im Mittelpunkt der Freimaurerei und ihrer Rituale stehen dürfte.

Denken wir in diesem Sinne kreativ nach, so können wir durchaus darauf hoffen, dass es zum Auslösen notwendiger Aktivitätsimpulse kommt: Impulse für überzeugende freimaurerischen Konzepte, Impulse für eine gute Gruppenqualität der Bruderschaft sowie Impulse für eine überzeugende humanitäre Praxis nach innen und außen.

Und ich bin davon überzeugt, dass Erfolge möglich sind, wenn wohl überlegt daran gearbeitet wird, die mannigfaltigen Substanz- und Vermittlungsprobleme zu überwinden, die uns bisher blockieren, und wenn wir gleichermaßen deutlich und sensibel genug sind, mit kreativen Gedanken in den gegenwärtigen Diskursen der Gesellschaft präsent zu sein. Denn wichtiger als ein Sich-Anhängen an die Bedeutung anderer – durch Preisverleihungen etwa oder durch Einladungen prominenter Nicht-Freimaurer als Redner zu unseren Veranstaltungen – wäre es, mit eigener Stimme in der Gesellschaft vernehmbar zu sein.

Wie kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten?

Freimaurerei ist ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft – so weit so gut. Wie aber kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten? Das ist eine der Grundfragen heutiger Freimaurerei. Denn neben manchen hausgemachten Schwierigkeiten sind es ja eben diese Strukturwandlungen der Gesellschaft, die einer dynamischen Entwicklung der Freimaurerei im Wege stehen. Ich gebe ein paar Beispiele dafür: So setzt etwa die gegenwärtige Heterogenität der Gesellschaft die alten, sehr erfolgreichen Rekrutierungsmuster der Freimaurerei – Mitgliedergewinnung in vertrauten sozialen und familiären Milieus – weitgehend außer Kraft; so vermittelt die zunehmende freiwillige oder erzwungene Mobilität der Berufs- und Arbeitswelt wenig Motivation zum Eintritt in den Lebensbund Loge, so bringt die veränderte Struktur der Geschlechterbeziehungen die Freimaurerei als Männerbund unter Begründungs- und Anpassungszwang, denn sie beeinflusst nicht nur die Bindungsbereitschaft der Männer, sondern sie stellt ja auch die traditionellen Legitimierungen des Männerbundes in Frage; so bringen die zunehmenden Optionen, soziale Beziehungen einzugehen, sich unterhalten zu lassen und Geselligkeit zu erleben, die Freimaurerei unter einen erhöhten Konkurrenzdruck; so führt – schließlich – die Kultur der Postmoderne mit ihrem Event- und Erlebnishunger auch zu neuen Formen der Anti-Freimaurerei. Das Dan-Brown-Syndrom geht um und füllt die Regale der Buchläden mit ausschweifenden Romanen und mit Sach- und Enthüllungsbüchern niedrigsten Niveaus. Diese Skala von Fragen und Bedenken sorgfältig abzuarbeiten scheint mir Voraussetzung für Erfolg bei der Umsetzung freimaurerischer Zukunftsziele.

Doch ich bin bei aller Skepsis davon überzeugt, dass es verfehlt wäre, in den unbeständig-flüchtigen Verhältnissen der heutigen Moderne nicht auch günstige Voraussetzungen für die Arbeit der Logen auszumachen. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, müssen allzu rasche und gedankenlose Anpassungen an die Strukturen der Gegenwart vermieden und Chancen gleichsam „quer zum Zeitgeist“ ergriffen werden. Moderne heute bedeutet ja auch Individualisierung: Nicht alle Menschen sind gleich, und die Zahl derer, die sich den nivellierenden Trends und Tendenzen der Gesellschaft zumindest partiell entgegenstellen, ist groß genug, um die Mitgliederzahlen der Logen kräftig anwachsen zu lassen. Viele Beobachtungen und Analysen zeigen es doch immer wieder: Menschen suchen auch, ja gerade heutzutage Freundschaft, Einbindung und Orientierung; Menschen suchen einen Raum, um sich zu öffnen, Probleme auszutauschen, Hilfe zu finden; Menschen interessieren sich für Werte, Aufklärung und intelligenten Diskurs; Menschen wollen ihre persönlichen Verantwortungen überdenken; Menschen sind aufgeschlossen für symbolische und rituelle Erfahrungen; Menschen wollen teilhaben an besonderen, gruppengeschützten und gruppengestützten Erfahrungsmöglichkeiten für gesellige Kultur und Lebenskunst.

Insgesamt: Es gibt sie doch, die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Kontemplation, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, kurz nach Strukturelementen der Freimaurerei.

Auf dieser Basis und im Hinblick auf diese Zielgruppe kann und muss die Freimaurerei ihre konzeptionellen Grundlagen überdenken, auf dieser Basis kann sie die Stimmigkeit ihrer inneren Strukturen überprüfen, ihre Spannungen und Eitelkeiten überwinden und von hierher kann sie auch ihr Verhältnis zu Politik und Gesellschaft auf eine überzeugende Weise klären.

Angesichts der Tatsache, dass die von der Freimaurerei und um die Freimaurerei herum entwickelten Werte – Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz – längst politisch-gesellschaftliches Allgemeingut geworden sind, besteht der besondere Wert des Bundes nicht mehr im Propagieren lieb gewonnener Parolen. Er besteht in der Methode einer fortgesetzten Arbeit an den faktischen und an den konzeptionellen Details, sowie in einer beständigen Einübung in eine wertverpflichtete Praxis. Die Loge ist keine politische Aktionsgruppe, aber sie kann – wie es im Ritual meiner Loge heißt – zu einer „sicheren Stätte“ werden „für Menschen, die Wahrheit suchen“, für Menschen, die in einem konzentrierten, wertorientierten und sensiblen Diskurs Klarheit über sich selbst und über die handlungsrelevanten Fakten und Optionen in der Welt von heute und morgen suchen.

Bei alldem und insgesamt müssen die jeweiligen Strukturen und Prinzipien der deutschen Großlogen klarer herausgearbeitet werden. Im Falle meiner eigenen Großloge, der Großloge AFuAM etwa muss deutlicher werden, was Humanismus und Aufklärung heute für sie bedeuten, als den bestimmenden Eigenschaften der deutschen Großloge, die sowohl fest in der Tradition der humanitären deutschen Freimaurerei steht als auch in der von den „Alten Pflichten bestimmten Tradition der Weltfreimaurerei.

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ gehört unmittelbar zur VGLvD, und deshalb können wir – im quasi eigenen Haus – einmal ganz entspannt feststellen: Ob wir es wollen oder nicht: die „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ sind ein Dachverband mit begrenzten Wirkungsmöglichkeiten. Die VGLvD dürfen folglich weder aus der Bruderschaft heraus überfordert werden, noch dürfen sie sich selbst an Aufgaben überheben, für die sie nicht geschaffen sind und die sie auch nicht lösen können. Die Vereinigten Großlogen von Deutschland sollten aus der Not, sich nicht einmischen zu dürfen in Organisation, Selbstverständnis und Rituale der Vertragspartner, eine Tugend machen und sich vor allem als Raum begreifen, der Freiheit gibt. In diesem Raum der Freiheit müssen die Maurer der einzelnen Partner-Großlogen selber sagen, wer sie sind und wie sie sein wollen. Dabei können – wie gesagt – die Wege auseinander gehen. Doch klares Profil ist gefragt, masonischer Schmusekurs hilft nicht weiter und ein Jubiläum des Jubels reicht nicht aus. Ein Jubiläum innerer und äußerer Profilierung ist erforderlich.

Insgesamt – davon bin ich vollkommen überzeugt – hat die deutsche Bruderschaft viele Möglichkeiten, den alten Zauber des „Gesamtkunstwerks Freimaurerei“ trotz des kräftigen Zeitgeist-Gegenwinds auch zukünftig nach innen und außen wirken zu lassen. Dass die deutsche Freimaurerei entgegen vielen historischen Hoffnungen keine Einheit ist, dass in ihr unterschiedliche, ja gegensätzliche Meinungen vertreten werden, ist kein Nachteil. Nachteilig wäre, wenn so getan würde, als gäbe es diese Unterschiede nicht und wenn sich die deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr als eine „Freimaurerei des als ob“ präsentierte. Ihre Vielfalt sollte sichtbar werden, und auf die Freiräume sollte sie stolz sein können, die für die Weiterentwicklung dieser Vielfalt zur Verfügung stehen.

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Von England in die Welt

Gut besuchter Vortrag von Hans-Hermann Höhman in der Ingolstädter Loge

Gut besuchter Vortrag von Hans-Hermann Höhman in der Ingolstädter Loge "Theodor zur festen Burg"

„Freimaurerei war immer“, mit diesen Worten Gotthold Ephraim Lessings begann der Vortrag von Hans-Hermann Höhmann im Hause der Ingolstädter Loge “Theodor zur festen Burg”.

“Gegenüber mancherlei Mythen und Legenden ist der Freimaurerbund ein Produkt der Moderne. Er entstand – Formen, Ideen und Symbole aus seiner Vorgeschichte aufnehmend – zu Beginn des 18. Jahrhunderts und blickt inzwischen auf eine Entwicklung von 300 Jahren zurück. Stichtag für den Übergang von der Vorgeschichte zur Geschichte der Freimaurerei ist der 24. Juni 1717, als sich vier Londoner Logen zur ersten Großloge der Welt zusammenschlossen”, so Hans-Hermann Höhmann, ein profunder Kenner der Geschichte und inneren Strukturen der Freimaurerei.

Er wies darauf hin, dass zum Zeitpunkt des genannten Gründungstages bereits seit einiger Zeit Logen existierten, somit die Geschichte der Freimaurerei durchaus älter als die in diesem Jahr allgemein gefeierten 300 Jahre sei. Gleichwohl war die Londoner Gründung nach seiner Meinung von ausschlaggebender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Freimaurerei, weil mit der Großloge von London und Westminster ihre logenübergreifende Institutionalisierung und inhaltliche Ausrichtung begann.

“Nach der Gründung der ersten Londoner Großloge im Jahre 1717, zu der 1751 eine zweite, die „Grand Lodge of Ancients“ hinzukam, erfolgte eine stürmische Entwicklung der Freimaurerei. In England, Schottland und Irland – als den Heimatländern der modernen Freimaurerei – wuchs die Zahl der Logen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf über 1000 an.” Weiter ging die Ausbreitung zunächst in den “überseeischen Gebieten Großbritanniens”, den amerikanischen Kolonien und auf dem europäischen Kontinent.

Höhmann klärte seine Zuhörer auch über wichtige inhaltliche und strukturell Besonderheiten der Freimaurerei auf, beispielsweise gruppenbildende Komponenten, schützende, soziale und integrative Funktionen, die die nachhaltige Begeisterung für den Bund begründen und ihn auch in Deutschland erfolgreich machten. Insbesondere die Rolle im Bürgertum stellte Höhmann heraus und widmete dem Thema einen wesentlichen Teil seinen Vortrages. Weiter schilderte er neben der geschichtlichen auch die aktuelle Situation und ging sowohl auf Probleme, als auch auf Chancen und Möglichkeiten der modernen Freimaurerei, insbesondere in Deutschland, ein.

60 Zuhörer verfolgten den interessanten Vortrag im vollbesetzten Saal und sparten nicht mit Applaus.

 

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Traunsteiner Ausstellung zieht viele Besucher an

Spendenübergabe in Traunstein: von links: Florian Seestaller, Leiter Bürgerhilfsstelle, Landrat Siegfried Walch, Meister vom Stuhl Englbert Rottenmoser, Oberbürgermeister Christian Kegel, Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer

Spendenübergabe in Traunstein: von links: Florian Seestaller, Leiter Bürgerhilfsstelle, Landrat Siegfried Walch, Meister vom Stuhl Englbert Rottenmoser, Oberbürgermeister Christian Kegel, Stadtkämmerer Reinhold Dendorfer

In der „Alten Wache“ des Rathauses am Stadtplatz veranstaltet die Traunsteiner Loge „Zu den drey Huegeln an der Traun“ ein öffentliche Ausstellung über Ursprung, Geschichte und heutige Wahrnehmung der Freimaurerei vom 14. bis 19. März 2017.

Die Ausstellung „300 Jahre Freimaurer“ der Freimaurerloge Traunstein wurde am 14. März 2017 um 11:00 Uhr in der „Alten Wache“ des Rathauses Traunstein eröffnet. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Englbert Rottenmoser sprachen Oberbürgermeister Christian Kegel und Landrat Siegfried Walch ihre Grußworte zu den zahlreichen Besuchern. Anschließend übergab Englbert Rottenmoser je einen Spendenscheck über 2.500 € an die Traunsteiner Aktion „Die im Dunklen sieht man nicht“ und an die „Bügerhilfsstelle“ des Landratsamtes.

Durch die zentrale Lage am Stadtplatz konnte und kann die Loge täglich zwischen 11:00 und 18:00 Uhr viele „profane“ Besucher begrüßen. Diese zeigen sich sehr interessiert und aufgeschlossen. Die meisten hatten nur sehr vage Vorstellungen von der Freimaurerei und finden die Präsentation der Ausstellung sehr ansprechend und informativ. Die Loge erstellte dazu eine 40-seitige Broschüre zum Mitnehmen, auch der Büchertisch mit Freimaurerliteratur findet regen Zuspruch.

Das erfreuliche Fazit der Loge: “In Südostbayern – im katholischen Stammland – ist die Freimaurerei zwar wenig präsent, aber die Besucher zeigen sich sehr interessiert und erstaunlich aufgeschlossen.”

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Von Fundamentalisten und freien Geistern

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Die Hoyaer Freimaurerloge “St. Alban zum Æchten Feuer” in Hoya lud anlässlich ihres ersten Salonabends zu einem Vortrag von Jens Oberheide zum Thema “Welt(ein)sichten – von Fundamentalisten und freien Geistern”. Viele Gäste kamen und die Loge erlebte ein volles Haus.

Nach einer kurzen Begrüßung des Vorsitzenden A. Jonda mit einigen Worten über die Freimaurerei und die Hoyaer Loge begann Jens Oberheide seinen Vortrag mit der Feststellung “Fundamentalismus gab es immer”.  Die Beispiele blieb er nicht schuldig: Ob Religionen aller Colour, absolutistische Herrscher, dogmatische Weltbilder aus allen Zeiten, und er verwies zur näheren Betrachtung auf die Geschichtsbücher, denn “die erzählen mehr über die Macht als über Geist”. “Heute kommen uns beim Thema Fundamentalismus oft islamische Positionen in den Sinn”, erinnerte Oberheide, verwies aber auch auf die in gleicher Form geführte Geschichte der dogmatischen Kirchen und der Kreuzzüge. “Die Geschichte kennt viele Fundamente, die mit Macht und Gewalt behauptet wurden”, so Oberheide. “Die Autorität der Kirche berief sich auf die Autorität der Bibel, und alles, was solche Fundamente auch nur antastete, war jahrhundertelang Verrat am Grundverständnis des Glaubens”, und weiter: “Auch heutige Missionare aus anderen Kulturkreisen haben einen ‘Gottesstaat’ im Sinn. Damals wie heute ging es um den vorgeblich einzig wahren Glauben, und wer ihn nicht hatte, war ‘im Irrtum'”.

Neben den Kirchen legten aber auch absolutistische Herrscher, undemokratische Staaten, Diktatoren und auch ständische Gesellschaftstrukturen Fundamente. Von alledem erleben wir heute, zum Teil unter wohlklingenderen Namen, muntere Wiedergeburten. So stellt sich in dem Zusammenhang die Frage nach den angekündigten “freien Geistern”. Auch sie gab es immer, bekräftigte der Referent. Es gab sie in unterschiedlichen Gruppierungen, aber als früherer Vorsitzender der Großloge (Alt-Großmeister) bezog sich Jens Oberheide natürlich vornehmlich auf die Freimaurer, deren Geschichte er gut zu beurteilen weiß. Und er bezieht sich auf die Freimaurer, weil ihre Idee sich als eine dauerhafte und praktische anwendbare erwiesen hat. “Freimaurerei war angetreten als die Idee des sinnvollen Bauens und Gestaltens von Zeit und Raum.” Sie entzog sich mit ihrem Selbstverständnis den engen Grenzen des Ständedenkens und der Feudalherrschaft, indem sich ihr Mitglieder auf gleicher Ebene begegneten; beginnend in den rasant wachsenden Logen, dann griffen die zunächst nur persönlich erlebten neuen Verhaltensmuster auf größere Teile der Gesellschaft über. “Die Freimaurerei hat schon in ihrer Gründungsphase den mündigen Menschen gemeint, und nichts anderes meint sie heute”, bekräftigte Oberheide.

Nun stellt sich die Frage, wo bleiben die freien Geister? Auch Oberheide fragt danach, und eine rechte Antwort will erst einmal ausbleiben. Aber er wirbt, eindringlich und überzeugend, für mehr Toleranz, für mehr Mündigkeit, für die Suche nach Wahrheit, für Gleichberechtigung zwischen Religionen und Weltanschauungen. Er wirbt mit Kant und dessen Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, wirbt mit Lessings “Recht sehr zu wünschen …” (“Ernst & Falk, Gespräche für Freymäurer”), tritt ein für Moral, Mitverantwortung für die Welt, Wertevorstellungen. Und immer wieder Toleranz. “Lasst uns nicht müde werden, uns an Idealen und Werten zu orientieren,” schloss er seinen Vortrag. “Aber: Lasst uns auch das Machbare des Denkbaren tun.”

Und so wurde klar: Es gibt keine Organisation der “freien Geister”, die uns vor dem Unrecht beschützt und das Gute bewahrt. Wir selbst sind es, die freien Geister, ob Freimaurer oder nicht. Und in diesem Bewusstsein nahmen, wie sich den anschließenden Gesprächen entnehmen ließ, viele der Anwesenden den Vortrag wahr und fühlten sich gleichermaßen aufgefordert und motoviert. Recht sehr zu wünschen, möchte man hinzufügen, dass die Vorsätze auch den Alltag bestimmen, bei den anwesenden Freimaurern wie auch den Gästen.

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Vielfältiges Jubiläumsprogramm in Celle

Das Celler Schloss (Foto: Fotolia)

Das Celler Schloss (Foto: Fotolia)

Ritualarbeit nach historischem Ritual, Eigeninszenierung eines Theaterstückes, Tafel mit Gästen und Spendenübergaben – die Celler Freimaurer haben sich zum 300-jährigen Jubiläum etwas einfallen lassen.

Zunächst zur internen Veranstaltung. Nach dem ältesten bekannten englischen Ritual von 1730 wird um 10.45 Uhr beginnend eine Arbeit im Lehrlingsgrad durchgeführt. Dieses Ritual ist einer sogenannten Verräterschrift entnommen, die die einzige schriftliche Überlieferung aus dieser Zeit darstellt. Für die danach in Deutschland entstandenen Logen waren es die einzigen Quellen, nach denen sie ihre Zusammenkünfte ausrichten konnten. Schirmherr der Veranstaltung ist der niedersächsische Distriktmeister Rainer Koch, die Festzeichnung hält Jürgen Gansäuer, ehemaliger Landtagspräsident.

Ebenfalls im Rittersaal des Celler Schlosses führen Brüder der Celler Loge “Zum hellleuchtenden Stern” um 16 Uhr eine szenische Lesung nach eigener Idee durch. Im ersten Akt diskutieren Goethe und Schiller über die Entstehungsgeschichte der Freimaurerei in England und die Motive der “Alten Pflichten” sowie über weitere Themen ihrer Zeit. Im zweiten Akt trifft der Politiker und Freimaurer Gustav Stresemann auf Johann Wolfgang von Goethe. Der realpolitischen Verantwortung Stresemanns stellt Goethe freimaurerische Ideale gegenüber. In einem Zwiegespräch des dritten Aktes zwischen einem erfahrenen Bruder und einem an der Freimaurerei Interessierten wird das Gedankengebäude der Freimaurerei ebenso dargestellt wie das aktuelle Logenleben.

Bei einer anschließenden Tafel für geladene Gäste werden insgesamt drei Spenden übergeben. Zur Anschaffung von kindgerechten Instrumenten erhält die CJD Musikschule Celle (www.cjd-musikschule-celle.de) eine Spende von € 2.000. Zur Anschaffung eines Operationsmikroskop für das Neurochirugische Team in Eritrea/Afrika wird die Loge € 5.500,– (4000 Loge, 1500 Freimaurerisches Hilfswerk) übergeben. Für Patenschaften von Kindern und deren Familien in Uganda/Afrika sowie für die Ausbildung von Optikern (ebenfalls in Uganda/Afrika) übergeben wir den Organisationen “Celebrate Hope Ministries” und ‘Augenweide Vision Aid Project’ ebenfalls € 5.500,– (4000 Loge, 1500 Freimaurerisches Hilfswerk).

Die Festveranstaltung findet am 20. Mai 2017 im Rittersaal des Celler Schlosses statt. Anmeldungen und konkrete Informationen bitte über die Mailadresse oder über die Internetseite.

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300 Jahre Freimaurerei – eine Standortbestimmung

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig (Foto: Manuel Schönfelder)

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig (Foto: Manuel Schönfelder)

Anlässlich des Jubiläumsjahres zum 300-jährigen Bestehen der “modernen Freimaurerei” wird im Rahmen einer Matinee eine Podiumsdiskussion stattfinden, zu der der Historiker Prof. Dr. Helmut Reinalter aus Innsbruck, der Philosoph Prof. Dr. Klaus-Jürgen Grün aus Frankfurt am Main und der Künstler Jens Rusch aus Brunsbüttel ihre Teilnahme zugesagt haben. Ziel ist es, gemeinsam mit den Gästen über eine offene und selbstkritische Standortbestimmung der Freimaurerei in der heutigen Zeit zu diskutieren.

Noch immer haftet der Freimaurerei der Ruf des Geheimnisvollen an, gleichzeitig wird sie als Bewahrerin aufklärerischer ethischer Werte, wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität stilisiert. In der Zeit der Aufklärung waren nahezu alle wichtigen Denker, Künstler und Politiker Mitglieder des Freimaurerbundes. Auch heute, im Jahr 2017, sind etwa 6 Mio. Menschen auf der ganzen Welt aktive Freimaurer – doch wie verstehen diese ihr Wirken in der heutigen Zeit? Welche Werte der Freimaurerei sind
inzwischen umgesetzt – welche Werte haben an Bedeutung verloren? Sind technischer Fortschritt, demokratische Gesellschaftsformen, moderne Wissenschaften und Kommunikationsmedien die Früchte der Aufklärung – oder ist im Gegenteil die Aufklärung gescheitert? Was kann freimaurerisches Denken und Handeln in der heutigen Zeit überhaupt noch bewirken?

Neben dem Podiumsgespräch wird es zwei Buchvorstellungen geben, eine kleine Ausstellung sowie musikalische Umrahmung.

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Logen vergeben Preisgelder für Facharbeiten

Preisträgerinnen des Wettbewerbs der Logen in Nienburg und Hoya

Preisträgerinnen des Wettbewerbs der Logen in Nienburg und Hoya

(Nienburg/Hoya) Insgesamt 47 Schülerinnen und Schüler der Kreis Nienburger Gymnasien haben mit 31 Facharbeiten an dem zum dritten Mal ausgeschriebenen Wettbewerb teilgenommen. Neben der Nienburger Loge „Georg zum silbernen Einhorn“ beteiligte sich erstmals auch die Loge „St. Alban zum Aechten Feuer“ in Hoya.

Die Themen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beworben haben, reichen von Heinrich Albert Oppermanns Traum von einer neuen Welt über die Thematik der Klimaflüchtlinge bis zur Bewertung des Einsatzes von antibiotisch wirkenden Pflanzen in der Medizin. Die allesamt sehr anspruchsvollen Themen erforderten für deren Ausarbeitung, dass sich die Schülerinnen und Schüler spezielle Kenntnisse anzueignen hatten, die deutlich über die im Unterricht vermittelten Lehrstoffe hinausgingen.

„ Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dabei mit Begeisterung und überdurchschnittlichem Engagement zu Werke gegangen. Das war den Arbeiten unschwer zu entnehmen. Die Freude an einem selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten spiegelt sich hier eindrucksvoll wider“, so Dr. med. Wilhelm Cohrs, Vorsitzender der Nienburger Loge und Sprecher der Jury. „Die Jury hat sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht. Wir wollten in jedem Fall die Arbeit, die sich diese jungen Menschen gemacht haben, wertschätzen. Ich hoffe, dass uns das gelungen ist“. Die vierköpfige Jury aus Mitgliedern der beiden Logen hat bei der Bewertung etwas andere als nur rein schulische Maßstäbe zu Grunde gelegt. Punkten konnten Arbeiten, die neben einem guten Aufbau, einer klaren und logischen Struktur, vor allem auf die Bedeutung für die Gesellschaft und für den Leser hinweisen.

„Als ein Bund mit ausgeprägter humanistischer Zielsetzung wollen wir bei jungen Menschen besonders auch kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit negativen Umgangsformen für unser Zusammenleben fördern“, sagte Dr. Cohrs. Dafür öffnen sich die Freimaurerlogen auch stärker als in der Vergangenheit, denn sie wollen ihre wesentlichen Ziele, wie Toleranz und humanitäres Miteinander einer breiten Öffentlichkeit und eben auch jungen Menschen näher bringen.

Für die Erstplatzierten gab es jeweils 300 Euro und eine Urkunde. Die weiteren Preisträger erhielten Urkunden und Bücher. Insgesamt wurden 15 Arbeiten prämiert. Bei Kaffee und Kuchen wurden noch viele Gespräche geführt und Fragen zur Freimaurerei an die anwesenden Logenmitglieder gestellt.

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