Ein Fest für die Ohren in Altenburg

Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera (Foto: Sabina Sabovic)

Philharmonisches Orchester Altenburg-Gera (Foto: Sabina Sabovic)

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten der Altenburger Loge “Archimedes zu den drei Reißbretern” gibt es ein Konzert im Theater Altenburg mit Sinfonien von freimaurerischen Komponisten (Hummel, Lortzing und Mozart).

Die Altenburger Freimaurerloge „Archimedes zu den drei Reißbretern“ wurde 1742 gegründet und gehört damit zu den ältesten Logen Deutschlands. Sie war außerdem die erste deutschsprachige Loge. Das 1804 eingeweihte Logenhaus hat große Tradition als kulturelles Zentrum der Stadt. Da das Freimaurertum auch in der Musikgeschichte eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist es uns eine Ehre, den dreitägigen Festakt zum 275. Jubiläum der Loge musikalisch eröffnen zu dürfen!

Als selbst begeisterter Freimaurer komponierte Albert Lortzing 1841 seine Jubelkantate „Hört, des Hammers Ruf ertönet“, die zum 100. Stiftungsfest der Loge „Minerva“ in Leipzig uraufgeführt wurde. Danach wurde das Werk von der Loge verschlossen und ging in den Wirren des Zweiten Weltkriegs verloren. Erst 2013 wurde diese Vertonung von August Ludwig Mothes symbolträchtigem Text, die Lortzing als eines seiner besten Werke bezeichnete, wiederentdeckt.

Berühmt ist die Weimarer Loge „Amalia“, weil ihr Johann Wolfgang von Goethe angehörte. Aber auch Johann Nepomuk Hummel wurde dort 1820 initiiert, als er Hofkapellmeister in Weimar war. Sein Trompetenkonzert, in seiner virtuosen Brillanz eines der wichtigsten und bekanntesten dieser Gattung, komponierte er 1803, als gerade die Klappentrompete erfunden wurde, die dem Instrument ganz neue Spielmöglichkeiten eröffnete.

Eine besonders enge Bindung von Musik und Freimaurertum stellt das Werk von Wolfgang Amadeus Mozart dar, der mit seiner Zauberflöte die Freimaureroper schlechthin schuf. Die Sinfonie Nr. 39 ist vor allem durch die Tonart Es-Dur mit der Zauberflöte verbunden. Schon romantisch scheinender, verhangener Klang, kammermusikalische Feinheit und sinfonische Größe sind hier spannungsreich ausbalanciert.

Gespielt werden „In diesen heil’gen Hallen kennt man die Rache nicht“ (Sarastro in “Die Zauberflöte”), Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791): Ouvertüre zu Die Zauberflöte, Albert Lortzing (1801-1851): Jubelkantate LoWV 49, Johann Nepomuk Hummel (1778-1837): Trompetenkonzert E-Dur, Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543.

Freitag, 7. April, 18.45 Uhr mit einer Einführung durch den Generalmusikdirektor Laurent Wagner. Landestheater Altenburg, Theaterplatz 19, Altenburg. Ticketbuchungen hier: http://bit.ly/2obNYF8

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Düsseldorfer Nacht der Museen großer Erfolg

Düsseldorf bei Nacht (Foto: alexgres, fotolia)

Düsseldorf bei Nacht (Foto: alexgres, fotolia)

Seit 17 Jahren gibt es die “Nacht der Museen” in Düsseldorf. Zu ungewöhnlicher Zeit öffnen Museen, Kirchen, Kunst- und Kulturstätten für einen attraktiven Preis ihre Türen. Zum ersten Mal nahmen auch die Düsseldorfer Logen teil, mit großem Erfolg.

Viele Mitglieder der neun Düsseldorfer Logen waren am Samstag präsent, als das Logenhaus zur Düsseldorfer Nacht der Museen geöffnet wurde. Rund 20 Freimaurerinnen und Freimaurer besetzten pro Stunde die drei verschiedenen Stationen und leiteten die Führungen durch das Haus. Hauptprogrammpunkte waren eine Einführung mit Musik im Mozartsaal, eine Besichtigung und Erläuterung der freimaurerischen Werkstätte, auch Tempel genannt, sowie ein freimaurerisches Wechselgespräch im Heinesaal. Daneben gab es Schautafeln und Exponate. Trotz guter Vorplanung konnten Wartezeiten für die Besucher nicht vollständig vermieden werden. “Mit einem solch großen Interesse haben wir nicht gerechnet” sagte Ronaldo Brüning, Freimaurer und Organisator des Abends, “über den gesamten Abend hatten wir ein volles Haus.” Brüning zeigt sich beeindruckt von den Fragen der Gäste. “Mit großer Offenheit und echtem Interesse wurde gefragt und diskutiert, so, wie wir es auch bei den regelmäßig stattfindenden öffentlichen Abenden in kleinerem Kreis erleben.”

Vor allem der Blick in die freimaurerische Werkstätte regte zu Fragen an: Was ist das für ein Stab? Ein Zeremonienstab. Warum ist der Raum so aufgebaut? Eine Tradition, die sich aus den mittelalterlichen Bauhütten der Kathedralenbauer ableitet und sich danach natürlich weiterentwickelt hat. Warum gibt es bei den Freimaurern Lehrlinge, Gesellen und Meister? Weil wir die Freimaurerei als Handwerk verstehen, das langsam und sorgfältig erlernt werden will. Der Lehrling beobachtet und fragt, der Geselle kann schon was und der Meister sorgt für die Weitergabe und trägt Verantwortung für die Loge.

“Das ist ja alles gar nicht so geheim!” Über diesen Satz eines Besuchers freut sich Antje Hansen, Freimaurerin und Pressekoordinatorin. “Wir leben im Jahr 2017, Freimaurer und Freimaurerinnen stehen mit beiden Beinen im Leben und bemühen sich um eine aktive Lebensgestaltung für mehr Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit.” Dass die Freimaurer ihr Haus geöffnet hätten zeige, dass die Freimaurer selbst den Mythos des Geheimnisses nicht beförderten. “Nicht vermittelbar ist jedoch das individuelle Erleben eines jeden Freimaurers. Wenn Sie so wollen, bleibt das ein Geheimnis.”

Von Januar bis Juni 2017 haben die Düsseldorfer Logen gemeinsam über 20 öffentliche Veranstaltungen geplant. Nach einem Neujahrsempfang in der Tonhalle folgen Lesungen, Konzerte und Vorträge bis zur Jahresmitte. Wer am Samstag keine Gelegenheit zu einem Besuch hatte, kann alle weiteren geplanten Events mit aktuellen Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu den einzelnen Logen auf einer Veranstaltungs-Webseite einsehen.

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Rauer Stein und Ringparabel

Prof. Klaus-Jürgen Grün

Prof. Klaus-Jürgen Grün

Er ist einer der profiliertesten deutschen Freimaurer: Klaus-Jürgen Grün. Bis 2016 stand er der freimaurerischen Forschungsloge Quatuor Coronati vor. Seit 1991 ist der Mitglied der Frankfurter Freimaurerloge „Zur Einigkeit“. Mit meinungsstarken Beiträgen tritt er für eine konsequent humanitäre Freimaurerei in der Nachfolge der Aufklärung ein.

Klaus-Jürgen Grün spricht am 20. April 2017 um 20 Uhr als Gast der Osnabrücker Freimaurerloge Zum Goldenen Rade im Lortzinghaus zum Thema „ Rauer Stein und Ringparabel – Warum ist Freimaurerei ein symbolischer Bund?“. Dieser Vortrag steht für den Besuch der Öffentlichkeit frei.

Grün entwickelt seine Gedanken im Ausgang von der Praxis der Aufklärung, die Wahrheit alter Dogmen in Metaphern zu betreiben. Insbesondere das religiöse Bewusstsein habe sich gegen die Auslegung von Glaubensinhalten in bloßen Metaphern gesperrt, sagt Grün zu seinem Vortrag. Seiner Ansicht nach gewinnt die Freimaurerei auf dem Hintergrund der Texte von Gotthold Ephraim Lessing die Rolle einer künstlerischen Praxis, die „den Menschen daran gewöhnt, dass seine heiligsten Werte vorwiegend Symbolcharakter haben“.Diese Einübungspraxis schleift religiöse Alleinvertretungsansprüche ab. Dieser Zug der Freimaurerei gewinnt nach den Worten Grüns auf dem aktuellen Hintergrund neuer religiöser Fundamentalismen eine unerwartete Aktualität.

Klaus-Jürgen Grün ist außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. Er betreibt ein philosophisches Kolleg für Führungskräfte und ist als Vortragsredner aktiv. Mehrfach hat er die Anliegen der Freimaurerei in den Medien vertreten. Grün studierte Philosophie, Mathematik und Geschichte in Frankfurt. Sein philosophischer Lehrer Alfred Schmidt war selbst ein profilierter Freimaurer. Zu den wichtigen Publikationen Grüns im Themenfeld der Freimaurerei gehören die Bücher „Philosophie der Freimaurerei – eine interkulturelle Perspektive“ und „Menschenähnlichkeit: Zum Unterschied zwischen humanitärer Freimaurerei und Religion“.

20. April 2017 um 20 Uhr im Lortzing-Haus der Osnabrücker Freimaurerloge “Zum Goldenen Rade”, An der Katharinenkirche 3. Der Vortrag ist öffentlich, Eintritt wird nicht erhoben.

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Reutlinger Freimaurer arbeiten auf Bauernhof

Reutlinger Freimaurer arbeiten für einen guten Zweck auf dem Bauernhof

Reutlinger Freimaurer arbeiten für einen guten Zweck auf dem Bauernhof

Freimaurer folgen dem Aufruf zu sozialem ehrenamtlichem Engagement und packten auf einem Biolandhof der Bruderhaus-Diakonie kräftig an.

Die Bruderhaus Diakonie ist eine christlich-diakonische Einrichtung und geht zurück auf Gustav Werner (1809-1887), Theologe, Diakoniepionier und Industriegründer in Reutlingen. Sie setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Benachteiligungen nicht an den Rand gedrängt werden. Die Bruderhaus Diakonie bietet verschiedene Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung oder Krankheit sowie für Menschen, die aufgrund beruflicher oder sozialer Schwächen nicht oder noch nicht auf dem ersten, normalen Arbeitsmarkt arbeiten können.

Zum Gedenken an Gustav Werner lädt die Bruderhaus Diakonie jedes Jahr zur Mitarbeit in ihren sozialen Einrichtungen ein. In diesem Jahr sind Mitglieder der Freimaurer sowie der Service-Clubs Rotary, Lions und Inner Wheel dieser Einladung gefolgt. Die Arbeiten auf dem Alb Bioland Hofgut Gaisbühl der Stiftung sind vielfältig und erfordern engagiertes Zupacken. Das übernahmen acht Brüder und Schwestern der Reutlinger Freimaurerloge “Glocke am Fusse der Alb” in verschiedenen Arbeitseinsätzen – gemeinsam mit Prälat Christian Rose, dem Schirmherrn und Initiator des Gustav-Werner-Tages. Dazu gehörten fachgerechtes Ernten und verkaufsfertige Verarbeiten von Feldsalat, die Obstbaumpflege, die Produktion von Dörrobst ebenso wie Schafe und Alpakas auf die Weide bringen, Pferde tränken und Stall ausmisten. Die Mithelfer arbeiteten dabei Seite an Seite mit den von der Stiftung betreuten Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen.

Die Reutlinger Freimaurer dankten für die Möglichkeit zur Mitarbeit, die für alle eine bereichernde Erfahrung war. Die Logenmitglieder waren beeindruckt von dem großen Einsatz der dort Betreuten und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hofguts Gaisbühl.

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Gut besuchte Feierlichkeiten in Fürth

Rund 150 Gäste im Festsaal des Fürther Logenhauses

Rund 150 Gäste im Festsaal des Fürther Logenhauses

Am 11. und 12. März 2017 fand der gut besuchte Höhepunkt der über das ganze Jubiläumsjahr verteilten Veranstaltungen der Fürther Loge „Zur Wahrheit und Freundschaft“ statt.

Der Festakt, für den Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung die Schirmherrschaft übernommen hatte, fand am 12. März im Festsaal des Logenhauses statt. Rund 150 Gäste nahmen daran teil. Neben dem stellvertretenden Großmeister Karl Deckart und Distriktmeister Hannes Brach waren Personen aus dem öffentlichen Leben (MdL Petra Guttenberger, Bezirksrat Michael Maderer, Stadträte) sowie viele Freimaurer aus nah und fern vertreten. Nach seinem Grußwort überreichte Oberbürgermeister Jung einen Scheck in Höhe von 1000 € für Arbeiten am Logenhaus. Auch Bundesminister Christian Schmidt sandte der Loge eine schriftliche Grußbotschaft, die verlesen wurde. „Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen ist die Geisteshaltung der Freimaurer heute wichtiger denn je“ betonte Minister Schmidt.

Andreas Plöger aus der Loge “Zu den Drei Pfeilen” trug für den erkrankten Festredner Jean Manuel Pauli den Vortrag mit dem Titel „Freimaurerei ist ein eigenartiges System…, oder: Die vielen Wurzeln einer diskreten Gesellschaft“ vor. Nach einer Pause mit Imbiss moderierte Hannes Kohlmaier professionell das Podiumsgespräch „Warum Freimaurerei? – Warum ich Freimaurer wurde und noch immer bin?“. Erika Nahr-Grinda, Vorsitzende der Frauenloge „Zum freien Geist“, sowie die Andreas Plöger, Ernst Jahn, Christian Heine und Dr. Markus Algner wussten auf die Fragen des Moderators und des Publikums profund zu antworten und machten deutlich, welche der vielen Facetten der Freimaurerei sie besonders faszinieren und an den Bruderbund binden.

Die musikalische Umrahmung des Festakts am Piano erfolgte durch Manuel Quesada.

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Das große Jubiläum der Freimaurer

(Foto: Thomas Reimer / Fotolia)

(Foto: Thomas Reimer / Fotolia)

In diesem Jahr feiern viele Logen mit zahlreichen Veranstaltungen den 300-sten Geburtstag der Freimaurerei. Anlass genug, nicht nur über die glorreiche Vergangenheit der Freimaurerei nachzudenken, sondern auch darüber, welche Zukunft sie unter stark veränderten Bedingungen haben kann.
VON UNSEREM GASTAUTOR HANS-HERMANN HÖHMANN

Wie immer wir mit dem Großen Jubiläum der Freimaurerei im kommenden Jahr umgehen, ob wir es auch als unser Jubiläum verstehen und mitfeiern, oder ob wir es eigentlich als das Große Jubiläum der englischen Freimaurerei, und da ist für uns doch eher Zurückhaltung am Platze: Allein schon durch das wachsende Interesse von Öffentlichkeit und Medien sind wir auch hierzulande auf eine herausfordernde Weise mit dem Ereignis 2017 konfrontiert.

Teilweise ist dieses Interesse mit Respekt und Anerkennung verbunden und beruht auf einer – freilich oft ratlos-uninformierten – Wertschätzung der Freimaurerei als Aktivposten der europäischen Gesellschafts- und Kulturgeschichte. Oft aber hat die Aufmerksamkeit, mit der wir im Zeichen von 2017 wohl gehäuft zu rechnen haben, einen düsteren und obskuren Hintergrund, und wir haben mit Neuinszenierungen vieler jener entstellenden und verzerrenden Mythen zu rechnen, die uns durch große Teile der Geschichte der Freimaurerei begleitet haben, und die ja auch so prächtig hineinpassen in die Phantasie- und Fabelwelt, die seit dem Einsetzen der Postmoderne reüssiert.

Gerade ist das Oktober-November Heft der Zeitschrift „Hörzu – Wissen“ erschienen, und zwar mit dem bezeichnenden Aufmacher auf der Titelseite: „Die dunkle Macht der Geheimbünde. So lenken Freimaurer, Illuminaten & Co unsere Welt“. Schlagen wir das Heft auf, so finden wir z.B. unter einem Portrait des amerikanischen Freimaurers Albert Pike folgenden Text: „Verdacht. Albert Pike gilt unter Verschwörungstheoretikern als Satanist, der die Weltherrschaft anstrebte.“ Der weitere Text geht dann nicht mehr ganz so weit an der Realität vorbei, doch Thema und Tendenz sind markiert, und Ähnliches wird folgen, ins Jubiläumsjahr hinein und sicherlich auch darüber hinaus.

Die Frage nach den Mythen, den fremden, uns immer wieder übergestülpten, aber auch den eigenen Mythen und Erzählungen wird mich gleich weiter beschäftigen. Doch zunächst ein paar Bemerkungen zu den Möglichkeiten, mit dem Jubiläum der Freimaurerei umzugehen.

Vier unterschiedliche, wenn sich auch teilweise überschneidende Modelle – „Jubiläumstypen“ gleichsam – lassen sich erkennen: Erstens der museale Ansatz, bei dem Freimaurerei dargestellt wird, wie unser Wissen und die uns zur Verfügung stehenden vorzeigbaren Objekte es zulassen. Zweitens der glorifizierende Ansatz, bei dem Freimaurerei als Inbegriff des Guten und Fortschrittlichen gepriesen wird nach dem impliziten oder gar expliziten Motto: Freimaurer waren und sind Weltmeister in Sachen Humanität. Drittens der faktengerechte Ansatz, bei dem Freimaurerei, so wie sie unserem redlich ermittelten Wissen nach war und ist, in ihren Bezügen zu gesellschaftlicher Entwicklung und Zeitgeist mit ihren Höhen und Tiefen beschrieben, analysiert und dokumentiert wird. Schließlich viertens der produktive Ansatz, bei dem auf der Basis einer redlichen Beschreibung und Analyse von Herkunft und gegenwärtigem Zustand Freimaurerei in die Zukunft weitergedacht wird und gefragt wird, welche masonischen Erzählungen für Konzept und Praxis der Freimaurerei im 21. Jahrhundert taugen.

So sehr ich auch dem Ansatz „Freimaurer-Museum“ mit Sympathie begegne, zumal er uns erfreulich häufig mit den öffentlichen Museen und damit einem wichtigen Teil der kulturellen Öffentlichkeit in Berührung bringt, und so sehr ich hoffe, dass die deutschen Freimaurer der Versuchung von Ansatz 2, dem unkritisch-flachen Hochjubeln widerstehen, so sehr liegt mir doch vor allem an einer kreativen Mischung der Ansätze 3 und 4: der sauberen Aufarbeitung masonischer Fakten und dem kreativen Weiterdenken der Freimaurerei.

Wenn dieses aber das Ziel ist, so haben wir nach den leeren Feldern unseres Wissens zu fragen, auf Wunschdenken und gefällige Erfindungen zu verzichten, ernsthaft zu forschen und zur Füllung der Leerstellen auch intensiv mit der externen Forschung zu kooperieren. Des weiteren haben wir uns mit den Unterschieden, Widersprüchen und Konflikten in der Freimaurerei zu beschäftigen, die die maurerischen Wirklichkeiten durch drei Jahrhunderte hindurch nachhaltig bestimmt haben und heute noch bestimmen. Und schließlich müssen wir den verschiedenen Bilderwelten und Mythen kritisch nachgehen, die die Entwicklung der Freimaurerei begleitet haben, und die – oft von uns mit verschuldet – in verzerrter Form auf uns zurückkommen.

Dies alles bedeutet unter anderem auch, dass wir aufhören müssen, Freimaurerei als Einheit, als etwas Einheitliches gar zu verstehen und darzustellen.

Sicherlich gibt es durch die Geschichte hindurch den beschreibbaren, organisatorisch-kulturellen Formenkreis „Freimaurerei“, – angesiedelt um Elemente wie Logengruppe, Initiation, Bausymbolik und moralische Lehren. Aber innerhalb dieses Formenkreises waren und sind viele Freimaurereien möglich, die sich unterscheiden und die sich auch oft gar nicht so geliebt haben und lieben, wie es dem Gebot der Bruderliebe entspricht. Und dies hängt wiederum nicht zuletzt mit den widersprüchlichen Mythen und Erzählungen der Freimaurerei zusammen, die den Weg des Bundes begleitet haben.

Wenn wir uns diese Mythen anschauen, so stoßen wir insbesondere auf drei Erzählstränge, die sich zwar oft vermischt haben, sich aber trotzdem voneinander unterschieden, ja im Konflikt zueinander gestanden haben. Erstens die hermetisch-esoterischen Erzählungen von uralter Weisheit und geheimnisvollen symbolischen Codes, mit denen sich die Geheimnisse der Welt entschlüsseln lassen, zweitens die gnostisch-christlichen Erzählungen von der Nachfolge Jesu, des Obermeisters der Freimaurerei, und von der durch ihn offenbar gewordenen, stufenweise erkennbaren Weisheit und drittens die humanistisch-aufklärerischen Erzählungen vom Menschen und seinen mitmenschlichen Pflichten im hier und jetzt, vom Freimaurer, der allein dem Sittengesetz verpflichtet ist.

Im Verständnis nach Innen, aber auch im Auftreten der Freimaurer gegenüber der Öffentlichkeit gehen diese – mit sehr verschiedenen Formen von Freimaurerei verbundenen – Erzählstränge oft unreflektiert und verwirrend durcheinander. Resultat sind dann nicht selten diffuse organisatorische Strukturen, Ideen und Rituale. Und dieses Durcheinander der Mythen begegnet uns wieder in den Geschichten, die andere in Form von obskuren Phantasien und Verschwörungsgeschichten, oft schön gruselig bebildert und filmisch in Szene gesetzt, über uns erzählen.

Hier liegt die Wurzel vieler unserer Probleme: Wir werden missverstanden, weil wir selber nicht so richtig wissen, was und wer wir sind, und weil wir die „Arbeit am Mythos“ – um es mit einem Begriff des Philosophen Hans Blumenberg zu sagen – so sträflich vernachlässigen, dass uns klare Aussagen gegenüber der uns umgebenden Gesellschaft und der sich für uns interessierenden Öffentlichkeit nicht gelingen. „Arbeit am Mythos“ ist also nötig, und „Arbeit am Mythos“ hieße für die deutsche Freimaurerei der Gegenwart zunächst einmal zu ordnen, zu klären, zu unterscheiden und auszuwählen. Gleichzeitig hieße „Arbeit am Mythos“, Vergangenes zu prüfen im Hinblick auf Orientierungstauglichkeit für Gegenwart und Zukunft. Dabei geht es um Wertschätzung und Kritik zugleich. Zukunft braucht Herkunft, gewiss. Wer seine Vergangenheit nicht kennt, verfehlt die Zukunft, und wer seine Wurzeln vernichtet, kann nicht wachsen.

Vergangenheit darf nicht fesseln, Wurzeln müssen sich mit Flügeln verbinden und beim Neuaufbruch muss es erlaubt sein, Veraltetes und Überholtes hinter sich zu lassen.

Das heißt: Mit der Beschwörung vergangenen Zaubers, mit dem Erzählen früherer Geschichten und mit der gebetsmühlen-artigen Benennung alter Helden kommen wir heutzutage nicht aus. Die freimaurerischen Erzählungen für die Gegenwart bedürfen einer neuen Struktur, und haben sich vor allem auf Wirksamkeit, auf Deutlichkeit, auf Wahrnehmbarkeit in der Gesellschaft und auf Praxis zu konzentrieren, und zwar jeweils in und aus der Sicht der unterschiedlichen freimaurerischen Lehrarten.

Für mich als humanitären Maurer steht die Konzentration auf Konzept und Praxis einer humanitären Freimaurerei im Zentrum, die – aufbauend auf den alten Erzählungen von Freiheit, von Selbstbestimmung, von Wert und Würde des Menschen – einen neuen Humanismus und eine selbstkritische, reflexive Aufklärung zur Grundlage hat.

Was aber heißt das konkret und im Detail? Diese Frage müssen wir ja stellen, dringlich stellen, denn die in meiner Großloge üblich gewordene Aussage „Wir stehen in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung“ ist ja längst zu einem zwar herzerwärmenden, doch konzeptionell dürftigen Mantra geschrumpft. Der Humanismus der modernen Freimaurerei ist für mich ein Humanismus, der Aufgaben im hier und jetzt begründet, ein säkularer Humanismus, ein Denken und Fühlen, das sich an der Würde des heutigen, konkreten, einzelnen Menschen orientiert, das den Aufbau humaner Lebenswelten zum Ziel erklärt und das sich durch moralisches Handeln in humanitäre Praxis umsetzt.

Freilich wäre dieser Humanismus ohne die spirituelle Dimension des freimaurerischen Rituals einseitig, flach und sowohl emotional als auch intellektuell verkürzt. Freundschaft, Ethik und Ritual – so habe ich immer wieder zu begründen versucht – gehören untrennbar zusammen. Freimaurerei ist ein Gesamtkunstwerk, und wenn es etwas gibt, das Wesen, Charme und Alleinstellung der Freimaurerei ausmacht, so ist es dieses „Drei-in-eins“ von Gemeinschaft, ethisch-moralischer Orientierung und ritueller Spiritualität.

Unter den Prinzipien, die Humanismus und Aufklärung für die Gegenwart begründen, scheinen mir die folgenden von besonderer Bedeutung, die ich als Anstoß für Überlegung und Diskurs in fünf Thesen zusammengefasst habe: 1. Leben, Wohlergehen, Freiheit und Glück jedes einzelnen heutigen Menschen sind Ziel und Maßstab des individuellen wie des gesellschaftlichen Handelns. 2. Anerkennung der Menschenwürde anderer wie der eigenen Würde ist Grundbedingung menschlicher Kultur und Gemeinschaft. 3. Förderung der schöpferischen Kräfte des Menschen ist Grundlage dafür, dass die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit und an der Gesellschaft voran gebracht werden kann. 4. Ausrichtung von Denken und Handeln am Maßstab der Redlichkeit, Vernunft und Wahrheitssuche ist vorrangiges Grundelement menschlicher Orientierung. 5. Schließlich: Das Prinzip Aufklärung hat auch heute noch zu gelten, verbunden freilich mit der Einsicht, dass nur eine reflektierte Vernunft und eine selbstkritische Aufklärung als tragfähige Grundlagen menschlicher Lebensführung und sozialer Gestaltungsprozesse tauglich sind.

Diese fünf Orientierungen bestimmen allerdings nur den Rahmen für freimaurerisches Denken und Handeln. Wenn wir uns nicht mit Schlagwörtern, Allgemeinplätzen und Platituden begnügen wollen, so ist es höchste Zeit dafür, diesen Rahmen im Diskurs der Brüder mit konkreten, zeitbezogenen Vorstellungen zu füllen, und hierzu mag das „Laut denken mit dem Freunde“, das Lessing empfohlen hat, auch für den Maurer von heute eine vorzügliche Methode sein.

Ihr betont säkularer Charakter bedeutet gleichzeitig, dass sich eine humanistisch orientierte Freimaurerei sowohl gegenüber den hermetisch-esoterischen als auch gegenüber den christlich-gnostischen Traditionen und Mythen der Freimaurerei skeptisch verhält. Gewiss können freimaurerische Rituale auch in der Humanistischen Freimaurerei esoterisch verstanden werden, und die Freimaurerei kann Ort esoterischer Diskurse sein. Diese dürften um so fruchtbarer ausfallen, je mehr man sich von der in alten Ritualen geronnenen, oft wenig authentischen Esoterik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts befreit und den heute zugänglichen ursprünglichen Quellen der Esoterik zuwendet und auch Nutzen zieht aus den mittlerweile beachtlichen Resultaten der Esoterikforschung. Die Beschäftigung mit Esoterik als einer Denktradition und überlieferten religiösen Sichtweise bedeutet jedoch nicht, dass die Verheißung einer Entschlüsselung geheimer Codes und „verlorener Symbole“ im Mittelpunkt der Freimaurerei und ihrer Rituale stehen dürfte.

Denken wir in diesem Sinne kreativ nach, so können wir durchaus darauf hoffen, dass es zum Auslösen notwendiger Aktivitätsimpulse kommt: Impulse für überzeugende freimaurerischen Konzepte, Impulse für eine gute Gruppenqualität der Bruderschaft sowie Impulse für eine überzeugende humanitäre Praxis nach innen und außen.

Und ich bin davon überzeugt, dass Erfolge möglich sind, wenn wohl überlegt daran gearbeitet wird, die mannigfaltigen Substanz- und Vermittlungsprobleme zu überwinden, die uns bisher blockieren, und wenn wir gleichermaßen deutlich und sensibel genug sind, mit kreativen Gedanken in den gegenwärtigen Diskursen der Gesellschaft präsent zu sein. Denn wichtiger als ein Sich-Anhängen an die Bedeutung anderer – durch Preisverleihungen etwa oder durch Einladungen prominenter Nicht-Freimaurer als Redner zu unseren Veranstaltungen – wäre es, mit eigener Stimme in der Gesellschaft vernehmbar zu sein.

Wie kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten?

Freimaurerei ist ein Produkt der bürgerlichen Gesellschaft – so weit so gut. Wie aber kann ein bürgerlicher Bund auch in einer nachbürgerlichen Zeit seine Lebendigkeit und Wachstumskraft behalten? Das ist eine der Grundfragen heutiger Freimaurerei. Denn neben manchen hausgemachten Schwierigkeiten sind es ja eben diese Strukturwandlungen der Gesellschaft, die einer dynamischen Entwicklung der Freimaurerei im Wege stehen. Ich gebe ein paar Beispiele dafür: So setzt etwa die gegenwärtige Heterogenität der Gesellschaft die alten, sehr erfolgreichen Rekrutierungsmuster der Freimaurerei – Mitgliedergewinnung in vertrauten sozialen und familiären Milieus – weitgehend außer Kraft; so vermittelt die zunehmende freiwillige oder erzwungene Mobilität der Berufs- und Arbeitswelt wenig Motivation zum Eintritt in den Lebensbund Loge, so bringt die veränderte Struktur der Geschlechterbeziehungen die Freimaurerei als Männerbund unter Begründungs- und Anpassungszwang, denn sie beeinflusst nicht nur die Bindungsbereitschaft der Männer, sondern sie stellt ja auch die traditionellen Legitimierungen des Männerbundes in Frage; so bringen die zunehmenden Optionen, soziale Beziehungen einzugehen, sich unterhalten zu lassen und Geselligkeit zu erleben, die Freimaurerei unter einen erhöhten Konkurrenzdruck; so führt – schließlich – die Kultur der Postmoderne mit ihrem Event- und Erlebnishunger auch zu neuen Formen der Anti-Freimaurerei. Das Dan-Brown-Syndrom geht um und füllt die Regale der Buchläden mit ausschweifenden Romanen und mit Sach- und Enthüllungsbüchern niedrigsten Niveaus. Diese Skala von Fragen und Bedenken sorgfältig abzuarbeiten scheint mir Voraussetzung für Erfolg bei der Umsetzung freimaurerischer Zukunftsziele.

Doch ich bin bei aller Skepsis davon überzeugt, dass es verfehlt wäre, in den unbeständig-flüchtigen Verhältnissen der heutigen Moderne nicht auch günstige Voraussetzungen für die Arbeit der Logen auszumachen. Um diese Möglichkeiten zu nutzen, müssen allzu rasche und gedankenlose Anpassungen an die Strukturen der Gegenwart vermieden und Chancen gleichsam „quer zum Zeitgeist“ ergriffen werden. Moderne heute bedeutet ja auch Individualisierung: Nicht alle Menschen sind gleich, und die Zahl derer, die sich den nivellierenden Trends und Tendenzen der Gesellschaft zumindest partiell entgegenstellen, ist groß genug, um die Mitgliederzahlen der Logen kräftig anwachsen zu lassen. Viele Beobachtungen und Analysen zeigen es doch immer wieder: Menschen suchen auch, ja gerade heutzutage Freundschaft, Einbindung und Orientierung; Menschen suchen einen Raum, um sich zu öffnen, Probleme auszutauschen, Hilfe zu finden; Menschen interessieren sich für Werte, Aufklärung und intelligenten Diskurs; Menschen wollen ihre persönlichen Verantwortungen überdenken; Menschen sind aufgeschlossen für symbolische und rituelle Erfahrungen; Menschen wollen teilhaben an besonderen, gruppengeschützten und gruppengestützten Erfahrungsmöglichkeiten für gesellige Kultur und Lebenskunst.

Insgesamt: Es gibt sie doch, die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit, nach Kontemplation, nach Langsamkeit, nach einem anderen, weniger hektischen Begriff von Zeit, kurz nach Strukturelementen der Freimaurerei.

Auf dieser Basis und im Hinblick auf diese Zielgruppe kann und muss die Freimaurerei ihre konzeptionellen Grundlagen überdenken, auf dieser Basis kann sie die Stimmigkeit ihrer inneren Strukturen überprüfen, ihre Spannungen und Eitelkeiten überwinden und von hierher kann sie auch ihr Verhältnis zu Politik und Gesellschaft auf eine überzeugende Weise klären.

Angesichts der Tatsache, dass die von der Freimaurerei und um die Freimaurerei herum entwickelten Werte – Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz – längst politisch-gesellschaftliches Allgemeingut geworden sind, besteht der besondere Wert des Bundes nicht mehr im Propagieren lieb gewonnener Parolen. Er besteht in der Methode einer fortgesetzten Arbeit an den faktischen und an den konzeptionellen Details, sowie in einer beständigen Einübung in eine wertverpflichtete Praxis. Die Loge ist keine politische Aktionsgruppe, aber sie kann – wie es im Ritual meiner Loge heißt – zu einer „sicheren Stätte“ werden „für Menschen, die Wahrheit suchen“, für Menschen, die in einem konzentrierten, wertorientierten und sensiblen Diskurs Klarheit über sich selbst und über die handlungsrelevanten Fakten und Optionen in der Welt von heute und morgen suchen.

Bei alldem und insgesamt müssen die jeweiligen Strukturen und Prinzipien der deutschen Großlogen klarer herausgearbeitet werden. Im Falle meiner eigenen Großloge, der Großloge AFuAM etwa muss deutlicher werden, was Humanismus und Aufklärung heute für sie bedeuten, als den bestimmenden Eigenschaften der deutschen Großloge, die sowohl fest in der Tradition der humanitären deutschen Freimaurerei steht als auch in der von den „Alten Pflichten bestimmten Tradition der Weltfreimaurerei.

Die Forschungsloge „Quatuor Coronati“ gehört unmittelbar zur VGLvD, und deshalb können wir – im quasi eigenen Haus – einmal ganz entspannt feststellen: Ob wir es wollen oder nicht: die „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ sind ein Dachverband mit begrenzten Wirkungsmöglichkeiten. Die VGLvD dürfen folglich weder aus der Bruderschaft heraus überfordert werden, noch dürfen sie sich selbst an Aufgaben überheben, für die sie nicht geschaffen sind und die sie auch nicht lösen können. Die Vereinigten Großlogen von Deutschland sollten aus der Not, sich nicht einmischen zu dürfen in Organisation, Selbstverständnis und Rituale der Vertragspartner, eine Tugend machen und sich vor allem als Raum begreifen, der Freiheit gibt. In diesem Raum der Freiheit müssen die Maurer der einzelnen Partner-Großlogen selber sagen, wer sie sind und wie sie sein wollen. Dabei können – wie gesagt – die Wege auseinander gehen. Doch klares Profil ist gefragt, masonischer Schmusekurs hilft nicht weiter und ein Jubiläum des Jubels reicht nicht aus. Ein Jubiläum innerer und äußerer Profilierung ist erforderlich.

Insgesamt – davon bin ich vollkommen überzeugt – hat die deutsche Bruderschaft viele Möglichkeiten, den alten Zauber des „Gesamtkunstwerks Freimaurerei“ trotz des kräftigen Zeitgeist-Gegenwinds auch zukünftig nach innen und außen wirken zu lassen. Dass die deutsche Freimaurerei entgegen vielen historischen Hoffnungen keine Einheit ist, dass in ihr unterschiedliche, ja gegensätzliche Meinungen vertreten werden, ist kein Nachteil. Nachteilig wäre, wenn so getan würde, als gäbe es diese Unterschiede nicht und wenn sich die deutsche Freimaurerei im Jubiläumsjahr als eine „Freimaurerei des als ob“ präsentierte. Ihre Vielfalt sollte sichtbar werden, und auf die Freiräume sollte sie stolz sein können, die für die Weiterentwicklung dieser Vielfalt zur Verfügung stehen.

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Von England in die Welt

Gut besuchter Vortrag von Hans-Hermann Höhman in der Ingolstädter Loge

Gut besuchter Vortrag von Hans-Hermann Höhman in der Ingolstädter Loge "Theodor zur festen Burg"

„Freimaurerei war immer“, mit diesen Worten Gotthold Ephraim Lessings begann der Vortrag von Hans-Hermann Höhmann im Hause der Ingolstädter Loge “Theodor zur festen Burg”.

“Gegenüber mancherlei Mythen und Legenden ist der Freimaurerbund ein Produkt der Moderne. Er entstand – Formen, Ideen und Symbole aus seiner Vorgeschichte aufnehmend – zu Beginn des 18. Jahrhunderts und blickt inzwischen auf eine Entwicklung von 300 Jahren zurück. Stichtag für den Übergang von der Vorgeschichte zur Geschichte der Freimaurerei ist der 24. Juni 1717, als sich vier Londoner Logen zur ersten Großloge der Welt zusammenschlossen”, so Hans-Hermann Höhmann, ein profunder Kenner der Geschichte und inneren Strukturen der Freimaurerei.

Er wies darauf hin, dass zum Zeitpunkt des genannten Gründungstages bereits seit einiger Zeit Logen existierten, somit die Geschichte der Freimaurerei durchaus älter als die in diesem Jahr allgemein gefeierten 300 Jahre sei. Gleichwohl war die Londoner Gründung nach seiner Meinung von ausschlaggebender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Freimaurerei, weil mit der Großloge von London und Westminster ihre logenübergreifende Institutionalisierung und inhaltliche Ausrichtung begann.

“Nach der Gründung der ersten Londoner Großloge im Jahre 1717, zu der 1751 eine zweite, die „Grand Lodge of Ancients“ hinzukam, erfolgte eine stürmische Entwicklung der Freimaurerei. In England, Schottland und Irland – als den Heimatländern der modernen Freimaurerei – wuchs die Zahl der Logen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auf über 1000 an.” Weiter ging die Ausbreitung zunächst in den “überseeischen Gebieten Großbritanniens”, den amerikanischen Kolonien und auf dem europäischen Kontinent.

Höhmann klärte seine Zuhörer auch über wichtige inhaltliche und strukturell Besonderheiten der Freimaurerei auf, beispielsweise gruppenbildende Komponenten, schützende, soziale und integrative Funktionen, die die nachhaltige Begeisterung für den Bund begründen und ihn auch in Deutschland erfolgreich machten. Insbesondere die Rolle im Bürgertum stellte Höhmann heraus und widmete dem Thema einen wesentlichen Teil seinen Vortrages. Weiter schilderte er neben der geschichtlichen auch die aktuelle Situation und ging sowohl auf Probleme, als auch auf Chancen und Möglichkeiten der modernen Freimaurerei, insbesondere in Deutschland, ein.

60 Zuhörer verfolgten den interessanten Vortrag im vollbesetzten Saal und sparten nicht mit Applaus.

 

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