Zukunft — Quo vadis?

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Unser Gastautor Fritz Bründer hat sich anlässlich eines Vortrages in der Hoyaer Loge “St. Alban zum Æchten Feuer” mit den Zukunftsfragen “Was ist morgen? Was bringt mir die Zukunft? Wie wird das Wetter? Wie alt werde ich? Bleibe ich gesund?” beschäftigt, die eine rege Diskussion auslösten.

Alles Fragen in die Zukunft; Fragen, die wir gerne beantwortet haben möchten, die aber keiner beantworten kann. Und das ist gut so, sonst würde es Menschen geben, die mit Geld und Gewalt diese Fragen für sich positiv beantworten würden.

Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit und Komfort. Arbeit ist für viele ein lästiges Übel. Sie vergessen dabei, dass Arbeit und Leistung etwas sehr Gutes sind. Es ist eine Gnade, wenn wir arbeiten können und etwas schaffen, das erhöht unser Selbstwertgefühl und gibt uns die Würde und Achtung für und in unserem Leben und fördert die Wahrheit für den Verstand. Weiter gehört zu unserer Zukunftsfähigkeit und zu unserem Dasein genügend Luft, Wasser, Nahrung, Kleidung und Wohnung, ausreichende Bewegung, Erziehung und Ausbildung. Das alles sind entwicklungswichtige Ziele. Junge Menschen müssen ständig durch praktische Übungen wie Selbstbeherrschung, Menschenliebe, Umsicht, Tatkraft, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit ausgebildet werden. Die Führenden in Politik und Wirtschaft und auch Kirchen müssten für unfähige und bewusst lebenswichtige Entscheidungen und Handlungen zur Rechenschaft gezogen und haftbar gemacht werden. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt – aber es geht noch ein bisschen weiter.

Der Strukturwandel oder die Globalisierung sind in unserem Leben feste Größen. Aufgeregte Diskussionen lohnen nicht. Das Problem ist, dass wir nicht mehr für alle Menschen auf dieser Welt genügend Arbeit haben, und zwar geht es um die bezahlte und bezahlbare Arbeit. Es wird immer wieder Menschen geben, die bereit sind für weniger Geld die gleiche Leistung zu erbringen. Ein Personalwechsel wird aber oft durch Tarifkartelle verhindert. Zunächst ist das richtig. Temporären Entwicklungen läuft das aber entgegen, da der jetzige Stelleninhaber immer mehr Prozentanteile seines Einkommens mit den Erwerbslosen teilen muss. Eine Umverteilung von Leistung und Entgelt und Nichtleistung und Entgelt sichert daher im Moment den sozialen Frieden in unserer Gesellschaft. Also zukünftig Lohn runter und ohne Arbeit kein Lohn?

Ein weiterer Gedanke. Politiker erzählen vor der Wahl, nach der Wahl wird Alles besser. So lügt sich fast jeder an die Spitze. In Europa sind die Staaten zu Reparaturbetrieben des Kapitalismus verkommen; wie lange geht das noch gut? Wirtschaftswundergeschichten schreiben andere. China ist ein neuer Industriegigant, der Rohstoffe und Investitionskapital ansaugt und so zur „Fabrik für die Welt“ heranwächst – unter Missachtung des einzelnen Menschen. Eine Arbeitsteilung zwischen den Staaten ist nicht durchführbar, d.h. jeder produziert und exportiert das, was er am besten kann – der eine Wein, der andere Soja und veredelte Textilien und so weiter. Die Globalisierung hat diese Idee längst entscheidend verändert, weil ehemalige Dritte-Welt Staaten sich mit diesem Status nicht abfinden wollen. Sie wollen nicht nur Grundstoffe verkaufen, sondern auch daraus veredelte Produkte.

Die einstigen Technologieführer müssen neue Produkte und effizientere Fertigungsverfahren entwickeln, damit sie im Wettbewerb nicht zurückfallen und verarmen. Sie müssen eine innere Dynamik entwickeln, sparsam wirtschaften und nicht mehr Geld ausgeben als sie haben. Die besten Bedingungen für einen kreativen Wettbewerb und eine kreative Entwicklung ist nur zwischen kleinen Einheiten, also zwischen den einzelnen Ländern, möglich; ähnlich wie inhabergeführte Geschäfte oder Unternehmen, die wie in manchen Weltunternehmen den Erfolgsleidensdruck kennen. Die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist dafür der beste Beweis. Das hohe Ansehen – „Made in Germany“ – ist ein Prestige, auf das alle stolz sein können, die daran ein Jahrhundert mitgearbeitet haben. Mit diesem Pfand kann man wuchern. Er darf nicht ersetzt werden durch ein „Made in Europa“.

Bei alledem dürfen wir nicht vergessen, dass wir in einer endlichen Welt leben und unser Leben endlich ist. D.h. die natürlichen Ressourcen unserer Welt sind begrenzt, wir müssen damit haushalten. Ein richtiger Weg ist die Produktion von Transgenik – weniger Pflanzen unter strengem Controlling. Künstliche Chemie – Nutzung der natürlichen Abwehrkräfte der Pflanze. Das schont die Umwelt und fördert die Ansiedlung von Tierarten und Pflanzen, die vorher durch die Chemie dezimiert worden sind. Dieses Beispiel zeigt uns auch, wie wichtig die Wissenschaft im Allgemeinen und die technische Entwicklung im Besonderen für die Menschheit ist. Diese Entwicklungen sind wiederum nur von Großunternehmen zu leisten und auch möglich, da viele Konzerne mit ihren Gewinnen nicht Produktives anzufangen wissen. Man bedenke: Um die 360 Milliarden Euro lagern in der Karibik.

Marktwirtschaftler gehen in ihren Theorien immer nur von Konsum und Nachfrage aus. Hoher Verdienst des Konsumenten bedeutet hohe Nachfrage nach Konsumgütern, das wiederum heißt hohe Produktionswerte von Konsumartikeln. Ist die Nachfrage gering, muss dann der Saat eingreifen und den Konsum anheizen. Dazu braucht er Geld, das er meistens nicht hat. Also leiht er sich Geld – ein Teufelskreis. Bisher hat dieses System funktioniert, weil wir noch genügend Ressourcen haben und wenig Wohlhabende auf Kosten vieler Unvermögender leben. Das Ende der Ressourcen und das Ende des Stillhaltens der Ärmeren kommt mit zunehmender Globalisierung immer näher. Diese Hypothek für unsere Kinder wird immer größer, wie auch die Zahl der Menschen beständig wächst.

Eine Lösungsmöglichkeit ist die sinnvolle Information des Einzelnen über andere Länder und Kulturen und über die absolute Endlichkeit unserer natürlichen Ressourcen. Parallel dazu müssen wir mehr in die Bildung der Menschen investieren. Nur kluge Menschen mit Lebenserfahrung sind in der Lage, die tägliche Situation zu definieren und zu verstehen. Politiker sind dazu in der Regel ungeeignet, weil sie meistens nur Machtbesessen sind, dies aber in Abrede stellen!

Die Frage ist nämlich, ob unsere Industriegesellschaft der Macht; die sie in der Natur gewonnen hat, sittlich, geistig und politisch gewachsen ist. Wenn nicht, könnte sich das deutsche Märchen vom armen Fischer und seiner Frau wiederholen, als das Drama unserer Industriegesellschaft: Aus der Hütte in das Häuschen, vom Häuschen in den Palast, vom Palast auf den Königsthron, vom Königsthron auf den Stuhl vom Papst. Wer diesen Weg hinter sich hat, wird schließlich auch noch die Macht des Schöpfers für sich haben wollen. Dann aber führt dieses Wachstum an den Ausgangspunkt zurück, sofern es den dann noch gibt. Was wir brauchen ist ein Gemeinschaftsgefühl aller Menschen dieser Erde, ohne dieses Gefühl haben wir alle keine Zukunft.

Bedenken wir, das Kapital hat einen Horror vor wenig oder keinem Profit. Mit Profit erwacht das Kapital:  bei 10% Profit wird es noch mal sicher,  bei 20% lebhaft,  bei 50% positiv waghalsig,  bei 100% stampft es die menschlichen Gesetze unter seinen Fuß, bei 300% gibt es kein Verbrechen, da es nicht existiert und als allgemein gültig angesehen wird. Aber im Moment geht die Entkopplung des Geldsystems von der realen Wirtschaft fröhlich weiter. Das Feuer heutiger Staatsfinanzen wird nicht mit Wasser gelöscht, sondern mit dem Brennstoff, der auch Finanzkrisen auslöst – mit geliehenem Geld. Die Ungleichheit geht weiter, der sogenannte Gini-Koeffizient sagt: Er liegt bei null, wenn Alle das Gleiche verdienen und steigt auf hundert, wenn einer das gesamte Einkommen kassiert und alle Anderen leer ausgehen. Seit Mitte der 80erJahre nahm er zu von 29% auf 32%. Es gibt kaum ein Land, in dem in diesem Zeitraum bis heute die Ungleichheit zurückgegangen ist.

Ziel unseres Handelns als Freimaurer muss es sein, nach einem Vernunftgesetz von Schröder zu handeln: Wahrheit für den Verstand, Recht für den vernünftigen Willen, Bruderliebe für das Herz oder die gesellige Neigung. Auf diesen Zweck, ehrliche Leute aus Überzeugung zu vereinigen und zu bilden, muss die Freimaurerei sich einschränken. Wir sind Menschen, weiter nichts; wir kennen keine Würde, als die, der Mensch sich selbst gibt.

Abschließend: Wir brauchen keine Wissenschaftler, die sagen: Wir haben die Fakten geliefert. Wir brauchen keine Politiker, die sagen: Wir haben die Fakten gehört.

Wir brauchen Menschen mit Moral!

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Lehre uns bedenken

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Im November werden in in der Logen sogenannte Trauerlogen gehalten. Das sind dem Anlass entsprechend abgewandelte rituelle Zusammenkünfte, bei denen den verstorbenen Brüdern gedacht wird. Als Vortrag wird ein Nekrolog gehalten, der sich mit dem zuletzt verstorbenen Bruder oder allgemein mit dem Themen Tod und Vergänglichkeit beschäftigt. Nachstehender Vortrag wurde dieser Tage in einer Loge gehalten.

“Gespräche über Tod und Sterben sind für viele auch im engsten Familienkreis ein Tabuthema. Gerne werden Themen wie Testament, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht in Ehen oder Familien verdrängt. Niemand mag solche brisanten Dinge ansprechen.

Umso erstaunlicher war es, dass ich mit der Ehefrau eines Bruders auf unserem Logenausflug im September auf das Thema Tod zu sprechen kam. Ich sagte ihr, wie wichtig es ist, dass wir sterben müssen. Da fragte sie, ob ich Bestatter sei. Nein, das bin ich nicht. Über meine Antworten bei diesem Gespräch kam ich zu meinem heutigen Thema: Auf sehr vielen Beerdigungen höre ich aus dem Psalm 90 „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. Und diesen Satz halte ich es für Wert, ihn zu diesem Anlass in Erinnerung zu rufen.

Jedes Lebewesen fürchtet sich instinktiv vor dem Tod. Diese Abwehr ist tief in uns verwurzelt. Das ist sinnvoll, denn sie macht uns sorgsam im Umgang mit dem Leben. Die Angst vor dem Tod hat eine biologische Funktion. Sie stärkt unseren Lebenswillen. Die Furcht vor dem Tod blenden wir immer wieder aus, solange wir mitten im Leben stehen und es uns gut geht. So wie es ist, denken wir, kann es immer bleiben. Aber der Tod ist biologisch in uns verwurzelt und nicht etwa eine Fehlfunktion. Denn stellt euch vor, ihr würdet ewig leben. Wäre das wirklich erstrebenswert?

Wäre unser Leben unbegrenzt, so wäre es nur eine endlose Wiederholung, eine Dauerschleife. Wir könnten einen schönen Zustand endlos in die Länge ziehen oder immer wieder neu herbeirufen, um ihn auf ewig zu erhalten. Doch irgendwann wird auch das leckerste Essen fade. Kein Augenblick und keine Entscheidung hätte Bedeutung; was heute nicht ist, wäre morgen oder übermorgen oder über-übermorgen oder irgendwann. Wir könnten Entscheidungen immer wieder auf morgen verschieben und würden sie vielleicht nie fällen.

Aber Leben heißt auch Veränderung. Es gibt Jahre im Leben, die plätschern so dahin. Im Rückblick jedoch erinnern wir uns mehr an die Zeiten, die ereignisreich waren: Erste Liebe, Hochzeit, Geburten, Krankheiten, Todesfälle, wegweisende Entscheidungen und, und, und. Also immer an Phasen im Leben, in denen etwas geschah, in denen wir etwas erlebt haben. Würden wir ewig leben, wären diese besonderen Herausforderungen und Ereignisse nicht zwangsläufig zahlreicher. Wir würden sie lediglich quasi in einem Schneckentempo erleben, oder wie ein Stein im Wasser, der sich im Laufe der Jahrhunderte nur sehr langsam verändert.

Der Tod füllt unser Leben mit Sinn, denn ohne seine Lebensgrenze verlöre alles in unserem Leben seine Farbe, seinen Geschmack, seine besondere Bedeutung. Die Endlichkeit unseres Lebens verleiht ihm Einmaligkeit. Jeder unwiederbringliche Moment hat einen besonderen Wert. In die Unendlichkeit verlängert würde unser biologisches Leben dagegen ‘tödlich’ langweilig. Alles hat darum seine Zeit – seine angemessene Zeitspanne.

Leben beschreibt eine Qualität und ist an der Zeitdauer, der Länge nicht angemessen zu messen. Es ist nicht entscheidend, wie lange wir leben, ob 60, 70, 80 oder 90 Jahre. Wichtig ist, dass wir unser Leben mit Leben füllen. Diese Erfahrung machen viele Menschen, gerade wenn sie an die Grenze des Lebens kommen. So beschreiben Menschen, die sich auf Grund einer schweren Erkrankung der Endlichkeit ihres Lebens stellen mussten, dass sie darauf hin viel intensiver gelebt und einen Blick für das Wesentliche entdeckt haben. Sie leben viel bewusster, versuchen sich noch alle unerfüllten Wünsche zu erfüllen und versäumte Beziehungen zu ihren Mitmenschen in Ordnung zu bringen.

Geboren werden und sterben – Leben und Tod gehören zusammen. Der Blick auf die Grenze des Lebens schärft unsere Wahrnehmung für die Lebensmitte. Mit dem Gedanken an den Tod können wir unserer Zeit bewusst mehr Bedeutung geben. Wir dürfen unsere Zeit nicht einfach verplempern, sondern müssen sie nutzen. Wenn die Zeit da ist, etwas zu machen, was uns wichtig ist, müssen wir es auch tun. Vielfach hört man den Satz „Wenn ich erst einmal in Rente bin, dann mache ich …“ Das ist falsch. Jetzt ist die Zeit, jetzt muss man anpacken, was man sich vornimmt. Man weiß nie, ob sich jemals noch die Möglichkeit, Fähigkeit oder Kraft dazu ergibt.

Jeder von uns hat viele Anlässe im Laufe der Zeit, die uns Gelegenheit geben, uns mit der Begrenztheit des Lebens auseinanderzusetzen. Da sind vor allem Begegnungen mit anderen Menschen zu nennen, die schwere Krankheiten erleben, mit alten Menschen, mit Trauernden. Solche Erlebnisse können sehr intensiv sein. Manche dieser Menschen werden für uns zu Lehrenden. Sie zeigen uns, wie lebensbejahend es sein kann, dem Tod zu begegnen. Sie lehren uns, den Blick auf die wesentlichen Dinge des Lebens zu richten.

Und das bedeutet eben nicht nur, Geld, Macht und Wohlstand anzuhäufen. Im Angesicht des Todes lässt sich leichter unterscheiden, was wirklich kostbar ist: Die Menschen, das Erlebte, Freude und Trauer, Höhen und Tiefen. Man muss loslassen lernen, nicht nur materielle Werte, sondern auch Dinge, die uns belasten. Man muss wahrnehmen, was jetzt ist, mit der Vergangenheit müssen wir abschließen, sie ruhen lassen.

Als Freimaurermeister lernen wir, den Tod als Teil von uns anzunehmen und das Leben davor bewusster zu leben. Wir werden mehrfach ermahnt „Denk an den Tod“. Insofern sind wir auf einem guten Weg, aber wir müssen beständig daran arbeiten.

Lehre uns Bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.”

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Freimaurer werden — Was habe ich davon?

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In einem fiktiven Dialog zwischen einem gestandenen Freimaurer und einem jungen Interessenten, beide offenbar befreundet oder näher bekannt, beleuchtet der Autor, warum man seiner Meinung nach Freimaurer werden sollte und dass es unterschiedliche Zugänge zur Freimaurerei gibt.

Bernd: Schön, dass du wieder zu uns kommst, mein Freund, bestimmt hast du über meine Frage, ob du dich uns, den Freimaurern, anschließen willst, nachgedacht.

Lars: Da konnte ich gar nicht viel nachdenken: Erstens hatte ich keine Zeit, du weißt: Familie und Beruf, und zweitens weiß ich auch nichts Konkretes von den Freimaurern.

Bernd: Ich habe dir aber eine Schrift mitgegeben, da sind die Ziele doch benannt, nämlich Hinführung zu brüderlichen Denken und humanen Verhalten.

Lars: Nimm es mir nicht übel: was da drin steht, ist in meinen Augen alles ziemlich nebulös und unscharf. Mit „brüderlich denken“ und „human handeln“, wie es dort steht, konnte ich nicht viel anfangen. Was soll das denn eigentlich sein?

Bernd: Das finde ich sehr schade, wenn Du damit nichts anfangen konntest. „Brüderlichkeit“ und „Humanität“ sind doch sehr tiefsinnige Begriffe.

Lars: Für Dich vielleicht, für mich sind sie ohne Inhalt, also Bla-Bla. Also ich bitte Dich: Rede nicht dauernd so geschwollen wie ein Politiker mit allgemeinen Begriffen herum, sondern sage mir klipp und klar und konkret: Was habe ich davon, wenn ich Freimaurer werde?

Bernd: Jetzt muss ich nachhaken: Wie meinst du das: „etwas von etwas haben“?

Lars: Nun, ich meine: Wie profitiere ich davon?

Bernd: Meinst du das im beruflichen oder materiellen Sinne? Meinst du Geld oder Chancen für dein berufliches Wohl?

Lars: Ja, so ungefähr. Ihr faselt immer von Ideen und der Geschichte, aber ich bin jung und will Karriere machen, ich brauche Förderung. Ohne das große „B“ der Beziehungen läuft doch heute nichts mehr. Wenn ich diesbezüglich bei Euch profitieren kann, wenn Ihr mir helft, nutzbringende Beziehungen anzuknüpfen, wenn einflussreiche Leute bei Euch Mitglied sind, dann komme ich sofort.

Bernd: Es ist schön, dass du dich um deine Zukunft im Beruf sorgst. Und Beziehungen sind gut und wichtig, wenn auch – wie ich meine – nicht allein ausschlaggebend. Ich glaube aber kaum, dass die Freimaurer dir da helfen können, zumindest ist das nicht ihr Ziel. Per Zufall kann sich höchstens eine Möglichkeit ergeben, auch beruflich einen Kontakt zu knüpfen oder einen Rat zu bekommen. Aber auf die direkte Frage: Habe ich berufliche Vorteile von der Freimaurerei?, müßte ich sagen: Zunächst einmal nicht! Doch überlege: Ist der Beruf alles, was dein Leben ausmacht?

Lars: Natürlich nicht: Da ist der Urlaub, da sind die Frauen, der Spass auf den Partys, die Reisen, mein Sport, das Leben halt eben, ich lebe doch nicht nur für meinen Job.

Bernd: So sage mir doch bitte einmal, nach welchen Kriterien du deinen Beruf gewählt hast, warum hast Du diesen Beruf gewählt.

Lars: Nun, so groß ist heute das Angebot ja nicht, aber: Er soll mir gutes Geld einbringen, möglichst krisenfest sein und mich interessieren und mir liegen.

Bernd: Was heißt „mich interessieren“?

Lars: Er soll auch nach Jahrzehnten nicht langweilig sein. – Ich will wirklich Verantwortung für eine Sache haben. Auch will ich ihn wirklich gerne tun.

Bernd: Du meinst also, um etwas gerne zu tun, muß man sich verantwortlich fühlen können und dürfen.

Lars: Ja, sonst lebe ich doch stumpfsinnig.

Bernd: Das mit der Verantwortung erkläre mir noch genauer.

Lars: Ich will in meinem Beruf mich selbst fordern müssen. Wenn man mir alles vorschreibt, habe ich nichts zu denken.

Bernd: Ich erkenne: Verantwortung und Denken gehören zur Entwicklung deines Lebensplanes. Das sind positive Eigenschaften, dazu gratuliere ich. Aber: Lass mich noch einmal nachfragen: Wem gegenüber fühlst du dich verantwortlich?

Lars: Allem, meinem Betrieb, meiner Arbeit, meinen Kunden, meiner zukünftigen Familie, meinem Leben.

Bernd: Also auch dir selbst! – Du fühlst Dich Dir selbst auch verantwortlich?

Lars: Das ist doch klar.

Bernd: Wenn das so klar ist, dass Du dir gegenüber verantwortlich bist, dann verstehe ich wiederum nicht, warum du nicht zu uns Freimaurern kommen möchtest.

Lars: Den Zusammenhang verstehe ich nun nicht.

Bernd: Nun, ich stelle dir eine These auf: Wer sich freimaurerisch betätigt, der lernt, mit sich und anderen verantwortungsvoll umzugehen.

Lars: Das klingt gut, überzeugt mich aber nicht: Um verantwortlich zu handeln, muß ich einen Maßstab haben.Ich muß erkennen, ob ich gute Arbeit leiste. Das zahlt sich beispielsweise in meinem Beruf in klingender Münze aus. Ich muß erkennen, ob ich mich richtig verhalte. Das zahlt sich in sozialen Kontakten aus. Ich muß erkennen, ob ich ankomme. Mein Erfolg bei den Mädchen beweist mir das. – Mein Bankkonto wächst, ich bin gut versichert, meine Freundeskreis ist groß, ich habe eine tolle Frau kennengelernt, die ich vielleicht einmal heirate, was soll ich mit den Freimaurern?

Bernd: Ganz richtig, nur hast du eines vergessen: Du bist beruflich, sozial und mental abhängig von deiner Umwelt und du bist nicht ewig jung. Laß mich etwas ausholen. Die Freimaurerei stammt aus einer Zeit, in der Menschen unfrei waren: sie waren es geistig und viele waren es körperlich, waren es politisch. Die Freimaurer erkannten, dass man erst dann körperlich oder politisch frei werden kann, wenn man vorher geistig frei geworden war. Der körperlichen Freiheit ging also immer die geistige Befreiung voraus. Das erkannt und durchgesetzt zu haben, ist die geschichtliche Leistung der Freimaurer.

Lars: Gut, aber wir sind heute frei, was soll das also?

Bernd: Glaubst du das wirklich? Glaubst du wirklich und nach innerster Überzeugung, du seist frei?  Ist dein Kopf wirklich frei? Frei von aufgezwungenem Lebensstil? Frei von Klischees über das schöne Leben? Frei von Konsumzwang? Frei von aufgezwungenen Bildern? Frei von Gewinnterror? Frei von Manipulation? Frei von Materialismus? Frei von Vorurteilen? Hast du wirklich über dein Leben und deine Vorstellungen entschieden, oder hast du dein Unterbewusstsein von denen entscheiden lassen, die uns manipulieren?

Lars: Äh, jetzt bringst du mich wirklich in Verwirrung, aber ich will darüber nicht nachdenken, das ist mir zu kompliziert.

Bernd: Das ist der Punkt, mein Freund, Du willst nicht denken, weil es Dir zu anstrengend ist, zu kompliziert vorkommt. Natürlich ist es einfach und bequem, Andere für sich denken zu lassen, aber Du sagtest doch selbst, Dass Du Dein Leben entscheidend selbst gestalten möchtest. So wirst Du sicher erkennen, dass wir zwar die allgemeine Freiheit erreicht haben, dass aber doch die Methoden der Unterdrückung, der geistigen Unterdrückung, subtiler geworden sind, dass sie kaum noch durchschaubar für uns sind. Wenn wir nicht mehr denken wollen, sind wir genau da, wo man uns hinhaben will: Wir sind dann nämlich gedankenlose zahlende Objekte der Spaß- und Konsumindustrie. Und nur als solche wertvoll und interessant. Und deshalb sage ich dir: Wenn Freimaurerei heute eine Aufgabe hat, dann ist es die, uns Menschen das Denken zu erhalten und zu lehren. Wohlgemerkt: Denken in einem ethischen Sinn: Selbstverantwortung zu lernen und damit auch Verantwortung gegenüber dem Anderen und der Umwelt. So wie früher die politische Befreiung erst nach der geistigen Befreiung kommen konnte, so kann heute ein verantwortungsvoller Umgang mit der Welt, in der wir leben, erst dann kommen, wenn jeder einzelne gelernt hat, mit sich selbst verantwortlich umzugehen. Und dazu verhilft uns die Freimaurerei!

Lars: Wie denn?

Bernd: Das kann ich genauso wenig rational erklären wie ich den Glauben erklären kann. Man muss eine Voraussetzung mitbringen: Die Überzeugung, dass wir überhaupt etwas verändern oder aufhalten können. Und wir brauchen das Wissen und die Geduld dafür , dass das ein historischer Prozess ist, so wie die Aufklärung auch ein Prozess war von 400 Jahren, nämlich seit dem 14. Jahrhundert, seit der Renaissance. Es genügt meiner Meinung nach schon, wenn Menschen in unserer Zeit bewusst sagen: Wir glauben an das Gute im Menschen. Wir glauben an die Geistigkeit des Menschen. Wir glauben an die Selbstverantwortung des Menschen. Wir glauben an die Sozialverantwortlichkeit des Menschen. Wir glauben, dass es Werte gibt, die erhalten und unseren Mitmenschen und unseren Kindern überliefert werden müssen und wir glauben schließlich, dass der Mensch ein tiefes Bedürfnis nach innerem Erleben und nicht nur äußerer Zerstreuung hat. Das müssen wir als Freimaurer sagen, immer wieder sagen, und immer wieder vorleben, das ist zunächst und heute unsere Aufgabe und unsere Pflicht!

Lars: Ich glaube, ich sehe nun, was Du willst.

Bernd: Nicht ich will, wir Freimaurer wollen das. Aber das ist noch nicht alles. Meinst du nicht, mein Freund, du hättest einen Gewinn für dich und für dein Leben und auch für deinen Beruf: weil Du Dich selbst erkannt hast und weil Du gelernt hast, Dich als Dich selbst anzunehmen, weil du lieber lebst, weil du fröhlicher lebst, weil du bewußter lebst, weil du wahre Freunde hast, weil du mit deinen Problemen nicht alleine gelassen wirst, weil Du gesehen, nein selbst erfahren hast, wie groß die Fülle des inneren Reichtums in unseren Herzen sein kann?

Lars: Moment, Moment, das geht zu schnell, wiederhole mir das bitte noch einmal: Also: ich lebe lieber, weil ich Freimaurer bin?

Bernd: Das ist zwar richtig, aber es wäre eine zu simple Reduzierung. Du lebst lieber, wenn Du bewusster lebst; Du lebst lieber, wenn du innerlicher lebst; Du lebst lieber, wenn Du Brüder, d.h. Freunde hast; Du lebst lieber, wenn Du das Ich zurücknimmst und dich dem Du zuwendest; Du lebst lieber, wenn du weißt, dass du eine geschichtliche Tradition fortsetzt, die eine der bedeutendsten geistigen Leistungen der Menscheitsgeschichte darstellt. Und wenn du nun dieses Ganze bewußt mit den Erscheinungen deiner – unserer Zeit vergleichst: Meinst du nicht, du hättest etwas davon, wenn du mehr siehst fühlst, erkennst und durchschaust als andere?

B. Das mag schon sein, ja ich glaube, dass ich das auch will. Aber ich kann schließlich das alles auch vollbringen, ohne gleich in einen Verein eintreten zu müssen.

Bernd: Natürlich, theoretisch kann das jeder, und du musst ja nicht eintreten, aber: Gemeinsamkeit hilft und macht stark, und ein „Verein“ ist eine Freimaurerloge nur im rechtlichen Sinne. Die Loge ist eine Bruderschaft, ein freier Freundesbund, die sich von der Bauhüttentradition, d.h. den Versammlungsorten der Dombaumeister im späten Mittelalter, wo man das freie Wort schätzte, herleitet. Sie bietet aber auch vielerlei mehr, glaube bloß nicht, dass wir hier nur ernst herumsitzen und philosophieren – nein, eine Loge, das ist auch eine gelebte Geselligkeit mit vielerlei Anregungen und Veranstaltungen aller Art. Sie ist – und jetzt komme ich wieder zu den von Dir kritisierten Allgemeinplätzen – ein Ort der geistigen Weiterbildung, der sittlichen Erneuerung, der gelebten Humanität. Aber alles das muss man erfahren, kann man nicht einfach so erklären.

B. Nach allem, was ich gelesen hatte, hatte ich mir die Freimaurerei so nicht vorgestellt.

Bernd: Das ist so ähnlich, wie wenn Du in einem Prospekt von einem tollen Auto liest und meinst, du kennst es jetzt. Aber erst dann, wenn Du es länger gefahren hast, erkennst Du seine Stärken.

Lars: Und seine Schwächen.

Bernd: Ganz richtig: überall da, wo Menschen zusammen kommen, gibt es Stärken und Schwächen. Freimaurer bemühen sich, den Dir genannten Zielen zuzustreben, sie sind keine besseren Menschen, sondern Menschen, die bewusster mit sich und der Umwelt umgehen wollen. Sie nennen ihre Ziele pauschal den „Tempel der Humanität“. Aber sie wissen, dass sie sich immer wieder aufs neue um seinen Bau bemühen müssen.

Lars: So wie Sisiphus den Stein immer wieder auf den Berg schiebt – auch wenn er wieder herunter rollt?

Bernd: Ja, ganz richtig – aber wir glauben doch, dass er immer etwas weiter oben liegen bleibt. Und nun will ich dir noch etwas sagen, etwas, das deine Spassfreunde auf deinen Partys betrifft: Wo werden sie sein, wenn du sie nicht mehr amüsierst? Mit wem von ihnen kannst du ein Gespräch in seelischer Not führen? Wo hast du denn eine geistige Heimat? In der Disco oder auf dem Tennisplatz etwa? Wer sitzt an deinem Bett, wenn du krank oder alt bist? Wer lehrt dich, auch angesichts des Todes nicht zu verzweifeln? Mein Freund, lass uns zum Ende kommen: Wenn Du immer noch meinst, du hättest nichts davon, ein Freimaurer zu werden, dann lass die Finger davon. Wenn aber in unserem Gespräch irgend etwas Dich angesprochen hat, wenn eine Saite in Dir geklungen hat, die Du vorher nicht gehört hast, dann folge diesem Klang.

Lars: Ich muß über alles das erst nachdenken, gibst du mir noch etwas Zeit?

Bernd: So viel du immer willst

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Brüderliche Hilfsaktion für Flüchtlinge

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Etliche Freimaurer setzen sich humanitär für Flüchtlinge ein. Besonders deutlich wird die Not in den Lagern in Griechenland. Ein Bruder einer süddeutschen Loge mit jahrelangen Kontakten nach Griechenland nutzte seine beruflichen und privaten Kontakte und gründete ein privates Hilfsnetzwerk. Er wirbt angesichts der humanitären Notlage um weitere Unterstützung von Logen und Einzelpersonen. Hier sein Bericht.

“Seit einigen Tagen bin ich von einer meinen Griechenland-Reisen wieder zu Hause. Und nein: Es war wieder keine Urlaubsreise. Doch ich will weiter vorn beginnen.

Von einem Freund hörte ich im September 2015 von den Zuständen in den Flüchtlingscamps in Europa und den Bedingungen, unter denen Flüchtlinge unterwegs waren. Ich sprach mit Berufskollegen, Kunden, Lieferanten und Freunden über die Situation. Daraus ergab sich eine private Initiative von Freiwilligen, die dort hilft, wo Hilfe gebraucht wird; eine “Bruderschaft” von Menschen guten Willens. Weil mein Ingenieurbüro gewissermaßen die Keimzelle dieser Initiative war, bekam sie den Namen “The Protec Bros.”

Schnell konnten wir ein gut funktionierendes Netzwerk aufbauen, an dem sich auch andere Gruppen von Freiwilligen, viele Freunde, aber auch einige meiner Kunden und Lieferanten aktiv beteiligen. Meine Kunden sind im Wesentlichen Schokoladehersteller. So konnten wir als Sofortmaßnahmen, beginnend mit einem Hilfstransport nach Kroatien im Oktober 2015 bis heute fast 2 Tonnen Schokolade als hochenergetische Nahrungsergänzung zu den Menschen an verschiedenen Brennpunkten bringen. Das bereits erwähnte Netzwerk ermöglichte unseren Teams, immer wieder dringend benötigte Dinge an die Orte des Geschehens entlang der sogenannten Balkan-Route und in Nordfrankreich zu bringen.

Nachdem jetzt die Grenzen geschlossen sind und die Menschen – unter größtenteils unwürdigen Bedingungen – in den Camps festsitzen, haben wir den Schwerpunkt unserer Arbeit auf die Ernährung gesetzt. So konnten wir dabei helfen, die von Freiwilligen aufgebaute und weitestgehend von Geflüchteten betriebene Küche im “EKO-Camp” bei Polikastro in Nordgriechenland so zu erweitern, dass jeden Tag mehr als 2.000 Essen zubereitet werden konnten und alle Menschen ausreichend versorgt wurden. Glücklicherweise war unter den Geflüchteten ein Koch aus Syrien, der mit seinen Gerichten aus der Heimat ein wenig “Wohlfühlen” erreichen konnte – so gut man sich in so einem Camp wohl fühlen kann. Des Weiteren organisierten wir für dieses Camp die Versorgung der Kleinkinder und Mütter mit Milch, Babynahrung, Windeln, Hygieneartikeln etc.

Am 13. Juni 2016 wurde von offizieller Seite entschieden, dieses Camp zu schließen. Die Menschen wurden mit Bussen in ein Militärcamp in der Nähe von Thessaloniki gebracht. Die Bedingungen sind dort in jeder Beziehung deutlich schlechter als im jetzt aufgelösten EKO-Camp. Sauberkeit, Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Hygiene etc. sind völlig unzureichend. Wir möchten die dort gestrandeten Menschen weiterhin so gut wie möglich unterstützen. Wir möchten helfen, dass auch im neuen Camp die Versorgung mit ausreichend Lebensmitteln von guter Qualität sichergestellt wird. Auch wollen wir uns wieder mit den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Mütter beschäftigen.

Alles, was in Griechenland zu beschaffen ist, kaufen wir dort. Dennoch gibt es gelegentlich größere Mengen an Waren, die hier in Deutschland gespendet werden. Dann müssen wir einen Transport organisieren und finanzieren. Die Problematik vor Ort wird in letzer Zeit in den Medien nur noch selten thematisiert. Das hat direkte Auswirkungen auf die Bereitschaft, für humanitäre Projekte zu spenden. Der Bedarf ist aber nicht in gleichem Maße wie die abnehmende Berichterstattung geringer geworden – im Gegenteil.

Ich wende mich an euch, die Bruderschaft wie auch alle anderen hilfsbereiten Menschen, mit der dringenden Bitte, uns bei unseren humanitären Aktivitäten vor Ort mit Geldspenden zu unterstützen. Jeder kleine wie größere Betrag ist herzlich willkommen und ermöglicht uns, den in den Camps festsitzenden Menschen – davon sind ca. 40% Kinder, Säuglinge oder im Camp Geborene – das Leben ein bisschen zu erleichtern. Möglicherweise möchte sogar jemand vor Ort aktiv werden, besonders Medizinerinnen und Mediziner werden dringend benötigt, oder möchte Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial spenden; dann nehmt bitte mit uns Kontakt auf. Wir freuen uns auch über Hilfsangebote von Lkw-Besitzern oder Spediteuren, die für uns Hilfsgüter kostenlos transportieren möchten.

Mehr Informationen über unsere Arbeit gibt es auf unserer Facebook-Seite unter www.facebook.com/theprotecbros. Für interessierte Gruppen bin ich gerne bereit, von der Situation der Geflüchteten zu berichten.

Kontaktaufnahme bitte über die E-Mail-Adresse theprotecbros@posteo.eu

Spenden erreichen uns über

The Protec Bros
IBAN DE23 7016 9509 0000 8205 63
BIC: GENODEF1PEI

oder

PayPal: theprotecbros@posteo.eu

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Über die Orden

Gold and silver sport medals

Manche Themen sind zeitlos. Die nachfolgende unterhaltsame Polemik wurde bereits im Jahre 1989 in der zwischenzeitlich nicht mehr existenten norddeutschen Loge “Klar Kimming” als Zeichnung aufgelegt. Klar Kimming heißt übrigens soviel wie “klarer Horizont”. Den hat der Autor sicher gehabt.

“Angeblich gab es einmal eine Zeit, da waren alle Menschen gleich. Von der weiß ich nichts zu erzählen. In der Zeit, von der ich euch berichten will, war es genau umgekehrt: Die Menschen lebten in scharf voneinander getrennten Schichten, Klassen und Gruppen. Es gab sehr hohe und sehr niedere, weniger hohe und weniger niedere, und eine Unzahl von Zwischenstufen. Jede Schicht war sorgsam darauf bedacht, sich von den anderen deutlich abzugrenzen.Die Menschen legten sich schmückende Titel, Abzeichen und prunkvolle Gewänder zu. Mit ihnen stellten sie an hohen Festtagen sich und ihresgleichen stolz vor aller Welt zur Schau und erfreuten sich ihrer Würde und Wichtigkeit.

Und alle waren zufrieden.

Da aber kam die Kirche und redete ihnen ins Gewissen. Es ist nicht recht, sagte sie, dass ihr so eitel und gefallsüchtig seid. Lebte nicht unser aller Herr und Meister arm und enthaltsam? Ihr reitet auf stolzen Rossen — er aber ritt auf einer Eselin nach Jerusalem ein und starb für uns, für unsere Sünden und Dummheiten am Kreuz. Darum, ihr Menschen: Folgt ihm nach und seid bescheiden!

Das sahen die Menschen ein und richteten sich fortan danach.

In ihrer Dankbarkeit machten sie jene, die ihnen so viel Weisheit beigebracht hatten, zu hochwürdigsten Prälaten und Domkapitularen, zu Excellenzen und Eminenzen, und den Obersten der Kirche nannten sie gar Euere Heiligkeit oder Heiliger Vater. Nicht nur klingende Titel, Reichtum und Macht gaben sie ihnen, sie schmückten sie auch mit kostbaren Kleidern, mit Orden und Zeptern und anderen sichtbaren Insignien ihrer Herrlichkeit. Und wenn jetzt so ein großer Mann durch die Gegend kam, dann rannten die Mütter herbei und hielten ihm ihre Kinder entgegen, dass er sie segnen solle.

Auch dies ging eine Zeitlang gut, da kamen Männer, die an der bestehenden Kirche Kritik übten und sie erneuern wollten. Unser Herr lebte in evangelischer Armut, sagten sie, und nun seht euch mal an, wie satt und feist und selbstherrlich unsere geistlichen Würdenträger ihr Amt versehen! Wollt ihr euch das noch länger gefallen lassen?  Nein, das wollten die Menschen nicht, und so erneuerten sie die Kirche aus wahrhaft evangelischem Geiste heraus. Diejenigen, die ihnen dabei mit gutem Beispiel vorangingen, machten sie zu Oberkonsistorialräten und Konsistorialpräsidenten, zu Dompröpsten, Landesbischöfen und Generalsuperintendenten. Und um aller Welt von der Würde dieser bedeutenden Männer Kenntnis zu geben, verlieh man ihnen kostbare silberne Kreuze, mit denen sie nun ihre Brust schmückten — zum ehrenden Andenken an jenen Mann, der auch einst sein Kreuz getragen hatte, wenn auch unter etwas anderen Umständen.

Wie in der Kirche, so machten es die Menschen aber auch in der übrigen Gesellschaft. Besonders vornehme Leute wurde adelig genannt; sie hatten Anspruch auf ehrfurchtsvolle Anreden wie Durchlaucht oder Erlaucht, fürstliche oder gräfliche Gnaden usw. Wer länger als andere zur Schule gegangen war, der wurde zum Magister, zum Doktor oder Professor, oder gar zur Spektabilität und Magnifizenz. Und selbstverständlich blieben weder ihm noch den Adeligen die prunkvollen Gewänder und Orden vorenthalten. Über die Staatsdiener goss sich ein wahres Füllhorn wohlklingender Titel aus, vom Regierungskanzleisekretär bis zum Leitenden K, u. K Obermilchdirektor. Und nun gar erst das Militär! Was es da alles an Rängen und Rangabzeichen, an Orden und Medaillen gab, das übersteigt fast unsere Vorstellungskraft.

Aber wieder kam eine Zeit, da wurden die Menschen dieser ganzen Spielerei überdrüssig. Muss denn das alles überhaupt sein? fragten sie. Da behaupten wir immer, dass alle Menschen vor Gott gleich seien — und tatsächlich lassen wir keine Gelegenheit aus, um bestehende Unterschiede zwischen uns herauszustellen und neue zu erfinden! Wie viel Streit und Unfriede ist dadurch schon entstanden! Lasst uns doch endlich versuchen, sagten die Leute, auf alle diese Mätzchen zu verzichten und in unserem Nächsten nur den Menschen, den Mitmenschen zu sehen! Vielleicht kommt er dann tatsächlich, der ewige Friede, von dem wir alle träumen!

Eine Gruppe war dabei, die ging noch weiter als die anderen.

Lasst uns einen Bund von Männern bilden, sagten sie, in dem die Vorrechte der Geburt oder der gesellschaftlichen Stellung nichts sehr gelten sollen. Bei uns soll nur die Würde gelten, die jedem von uns als Mensch zukommt. Im übrigen sind wir unter uns völlig gleich. Zum Zeichen dieser Gleichheit nennen wir einander Brüder. Mit Feuereifer gingen sie ans Werk. Viele freie Männer von gutem Ruf traten dem Bund bei; sie waren begeistert von den Gedanken, die sie hier hörten und die für die damalige Zeit so unerhört neu waren. So wuchs der Bund und ward groß und ansehnlich; aus Hunderten von Mitgliedern wurden Tausende und aus diesen Zehn- und Hunderttausende.

Das allerdings machte die Einführung gewisser Unterschiede erforderlich. Einige trugen mehr, andere weniger Verantwortung. Einige waren schon länger dabei, andere erst kurze Zeit. Wieder einige bekleideten ein wichtiges Amt, das andere nicht hatten usw. Wie sollte man die alle auseinanderhalten?

Die Brüder taten das Nächstliegende und einzig Richtige. Sie schufen eine Vielzahl von Orden und Abzeichen, mit denen sie die verdienten Brüder vor allen anderen auszeichneten. So konnte jedermann jederzeit leicht erkennen, wem Ehre zuteil geworden war und wem nicht. Die Brüder schufen aber auch eine Vielzahl von Ämtern, die sie untereinander verteilten; und bunt und vielgestaltig, wie diese Ämter und die mit ihnen verbundenen Abzeichen waren auch die Benennungen, die sie für ihre Amtswalter bereitstellten. Neben den geliebten Brüdern gab es nun würdige, ehrwürdige und ehrwürdigste; es gab leuchtende, hoch- und höchstleuchtende Brüder; und wenn einer was ganz Besonderes geworden war, dann durfte er gar noch vor das Amt, das er nun verwaltete, die Bezeichnung “Groß“ setzen, so dass aus unserem wackeren Beamten nun ein Großbeamter geworden war.

Diese glänzenden Aussichten auf eine bessere Zukunft erfüllten die Brüder mit neuer Schaffensfreude. Kamen sie einander besuchen, so überhäuften sie sich mit schmückenden Auszeichnungen und wussten sich dabei viel Schmeichelhaftes zu sagen. Vor allem aber überbrachten sie einander die herzlichen, herzlichsten und allerherzlichsten Grüße, worauf die von soviel unerwarteter Herzlichkeit ganz überwältigten Gastgeber ihrerseits darum baten, doch auch den Entsendern ganz besonders herzliche Grüße auszurichten. Und alle diese Grußbotschaften wurden in wohltönender Weise untermalt vom liebliches Klang der zahlreichen Orden, die die Brust so manches verdienstvollen Bruders zierten und die dort nun im Chore um die Wette baumelten.

Bei all diesem neuen Glanz vergaßen die Brüder jedoch niemals ihre ursprüngliche Bescheidenheit. Wurde jemand von ihnen vor Gott und Menschen ausgezeichnet, weil er nämlich eine Doktorarbeit geschrieben hatte und sich fortan Doktor nennen durfte, dann setzte er im Bruderkreis diesen Titel bescheiden in Klammern. Das sollte heißen: Ich bin zwar ein Doktor, dass Ihr’s nur wisst und niemals vergesst, aber gleichzeitig bin ich von so edler Gesinnung, dass ich Euch gegenüber so tun will, als wäre ich‘s nicht.

So also kam endlich die Gleichheit aller Menschen zumindest im Bund dieser Brüder wieder in die Welt. Damit bin ich unversehends in die Gegenwart geraten und muss nun sehen, wie ich seine Geschichte zu Ende kriege. Vermutlich hat sie folgenden Ausgang:

Eines Tages kamen die Brüder zusammen, und einige von ihnen sprachen: Hängen wir uns nicht eigentlich zuviel Zierrat an den Hals und um die Brust? Und könnten wir auf unsere Titel und schmückenden Bezeichnungen nicht eigentlich verzichten? Schließlich waren wir es doch, die vor über 250 Jahren nach dem Wert des Menschen und nicht nach dem seiner Ämter und Orden gefragt haben! Zurück also zu den Ursprüngen unseres Bundes!”

Wohl gesprochen, werden daraufhin die anderen antworten, so und nicht anders wollen wir es halten! Es geschehe also! Und die Brüder, die uns die Augen geöffnet und diesen klaren Weg gewiesen haben, sie wollen wir als Zeichen unserer Anerkennung mit einem ganz besonderen Orden ehren!

Und dankend werden die Brüder den Orden annehmen.

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Warum ich die deutschen Farben bei der Europameisterschaft zeige

Deutsche Fahne und Fußballmeisterschaft

Auch die Bruderschaft der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland erlebt derzeit eine Diskussion um die Verwendung der deutschen Flagge. Nicht durch die Logen, sondern durch einzelne Brüder, die sich während der Europameisterschaft als Fans zur deutschen Nationalmannschaft bekennen. Ein Missbrauch eines Staatssymbols sei dies. Peinlich und rückwärtsgewandt, zur Exklusion auffordernd und was nicht noch alles. Außerdem seien die deutschen Farben von Pegida und Konsorten missbraucht worden, so dass sie im Ausland für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus stehen würden.

Ich sehe es anders. Schwarz, Rot, Gold steht seit dem Hambacher Fest für den demokratischen Aufbruch eines einigen Deutschlands. Es waren die Farben der demokratischen Märzrevolution von 1848, es waren die Farben der Weimarer Republik und es sind die Farben des demokratischen Deutschland bis heute. Ja, ich weiß, es waren auch die Farben von Barbarossa und Heinrich Heine mochte sie nicht. Und dennoch, es sind die Farben des Hambacher Festes, von Robert Blum, von Ferdinand Freiligrath und anderen, die für ein einiges und demokratisches Deutschland stritten.

Nun kann man einwenden, das Konzept des Nationalstaats gehöre ins 19. Jahrhundert und es schaffe heutzutage mehr Probleme als es löse. Dem stimme ich nur sehr bedingt zu. Die weitverbreitete Skepsis der EU gegenüber liegt doch auch darin begründet, dass eine solche Zentralgewalt als anonym, intransparent und fragwürdig legitimiert gilt. Ich glaube, dass zwischen Volk und Interessenvertretung eine gewisse Größenrelation nicht überschritten werden darf, ohne dem Gemeinwesen selbst die Legitimation zu entziehen.

Zwar ist es richtig, Staaten trennen Menschen. Lessing beschreibt im 2. Gespräch von Ernst und Falk: „Das ist: wenn jetzt ein Deutscher einem Franzosen, ein Franzose einem Engländer oder umgekehrt begegnet, so begegnet nicht mehr ein bloßer Mensch einem bloßen Menschen die vermögen ihrer gleichen Natur gegeneinander angezogen werden; sondern ein solcher Mensch begegnet einem solchen Menschen, die ihrer verschiedenen Tendenz sich bewusst sind, welches sie gegeneinander
kalt, zurückhaltend, misstrauisch macht, noch ehe sie für ihre einzelne Person das geringste miteinander zu schaffen und zu teilen haben.“ Er macht im Folgenden
deutlich, dass er das Trennende in der bürgerlichen Gesellschaft für immanent hält, dass die bürgerliche Gesellschaft nicht ohne Trennungen funktioniert. Es ist gut, sich dies bewusst zu machen, um von dort zu weiteren Schlüssen zu kommen.

Wir haben erlebt wie die Überbetonung des Trennenden zwischen Staaten in den Abgrund führt. Zwei Weltkriege, unermessliches Leid haben nicht dazu geführt, dass die Menschheit ihr Verhalten grundlegend geändert hätte. Wir erleben im Gegenteil, dass die alte Methode nach wie vor funktioniert. Von den sogenannten Spaziergängen der
Dumpfen von Dresden bis zur Gewalt gegen Fremde, es ist der Sumpf des Nationalismus in dem all das traurige Blüten treibt. Und ja, auch die Freude über das „Fußballmärchen 2006“ und die damit einhergehende Freude am Zeigen der deutschen Fahne hat nicht nur Schönes hervorgebracht. Es ist also nicht nur legitim sondern auch notwendig, wachsam zu sein, denn der große Verführer Nationalismus lauert stets.

Für mich kann das aber nicht bedeuten, dass ich die Fahne den ewig gestrigen überlasse, die besoffen „Deutschland, Deutschland über alles“ grölen oder die sich derzeit, zerfressen von Hass und Neid, gegenseitig an Widerwärtigkeiten überbieten. Sie gehört nicht den Brandstiftern, die sich als besorgte Bürger tarnen, um den blanken Hass zu schüren. Sie alle gehören zu Deutschland – leider! Aber sie sind es nicht. Ihnen gehören diese Farben nicht.

Auch deshalb wende ich mich gegen den Versuch, die Fahnen wieder zu tabuisieren. Im Gegenteil, gerade weil es die Fahne der Freiheit ist, bekenne ich mich zu ihr. Sie steht für die Werte, die mir wichtig sind, sie steht für die Demokratie, den Pluralismus und für ein tolerantes Deutschland. Sie steht für mein Deutschland.

Bert Brecht drückt es in seiner Kinderhymne so treffend aus:

„Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Schönste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.“

Und mit diesem Gefühl freue ich mich an der Europameisterschaft und wünsche der deutschen Nationalmannschaft den Erfolg. Einer Nationalmannschaft übrigens, die so bunt ist wie das Leben in Deutschland. Dieses Bunte macht uns aus, und diese bunte Gesellschaft findet sich für mich auch in den deutschen Farben. Und bei einem Internationalen Wettbewerb zeige ich das auch gerne.

Lessing hat sich übrigens mit der Erkenntnis des trennenden Elements in der bürgerlichen Gesellschaft nicht zufrieden gegeben. Vielmehr leitet er daraus die programmatischen Sätze ab, die stets am Anfang einer Arbeit meiner guten Loge Lessing in Frankfurt stehen.

„Recht sehr zu wünschen, dass es in jedem Staate Männer geben möchte, die über die Vorurteile der Völkerschaft hinweg wären und genau wüssten, wo Patriotismus Tugend zu sein aufhört. Recht sehr zu wünschen, dass es in jedem Staate Männer geben möchte, die dem Vorurteile ihrer angeborenen Religion nicht unterlägen; nicht glaubten, dass alles notwendig gut und wahr sein müsse, was sie für gut und wahr erkennen.“

Recht sehr zu wünschen, dass es in jedem Staate Männer geben möchte, welche bürgerliche Hoheit nicht blendet und bürgerliche Geringfügigkeit nicht ekelt; in deren Gesellschaft der Hohe sich gern herablässt und der Geringe sich dreist erhebt.

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Ist Gemeinschaft noch zeitgemäß?

Social Gathering Digital Tablet Communication Society Concept

Dieser Vortrag wurde im November 2015 in der Brundbütteler Loge “Ditmarsia” gehalten. Der Autor beschäftigt sich darin mit den Prinzipien der Gemeinschaft, auch mit der Gemeinschaft der Freimaurer und stellt die Frage, wie sich unsere Gesellschaft in der Zukunft entwickeln wird.

Spontan würde jeder von uns antworten: die Gemeinschaft ist das wichtigste Element in unserer Gesellschaft. Richtig! Aber das Gebilde Gemeinschaft hat in unserer so modernen Zeit leichte Risse erhalten – will sagen, dass der Stellenwert der Gemeinschaft in unserer Gesellschaft an Gewicht und Bedeutung verloren hat. Es ist mir deshalb wichtig, mit meinem Vortrag Vergessenes und Verdrängtes in das Bewusstsein zu rücken und die wichtige Rolle der Gemeinschaft in unserer schnelllebigen Zeit herauszustellen.

Dabei beschäftige ich mich mit dem Ursprung und dem Sinn der Gemeinschaft, mit dem Wesen, den Problemen, mit der Thematik Harmonie und Gemeinschaft  und stelle an den Schluss meines Vortrages die Frage: Quo vadis , Gemeinschaft?

Wenn man „Gemeinschaft” kurz und prägnant definieren will, dann geschieht das m.E. am besten mit folgendem Satz: Gemeinschaft ist eine Gruppe, die aufgrund der Übereinstimmung in wesentlichen Verhaltensweisen gemeinsam oder füreinander handlungsfähig ist. Beispiele von Gemeinschaft gibt es, solange es nicht nur Menschen, sondern Kreaturen gibt. In der Tierwelt beweisen dies eindrucksvoll die Völker der Bienen und Ameisen, die Rudel der Wölfe oder die Herden vieler Tierarten. Für mich ist es immer wieder faszinierend, mit welcher Brillanz und Präzision Gemeinschaft in der Natur – vom Instinkt geleitet – funktioniert.

Die Ursprünge der Gemeinschaft bei den Menschen liegen in den Stämmen, den Sippen und in der Familie. Die Einheit einer Gruppe ergibt sich meistens aus der Gemeinsamkeit des Fühlens, des Strebens und des Urteilens. Gemeinschaft bildet sich überall dort, wo gleichartige Inhalte des Lebens oder aber dieselben Schicksale Tiefe und Ganzheit der Persönlichkeit prägen. Als Beispiel für gleichartige Inhalte des Lebens nenne ich Familie, Arbeit, Beruf und Religion, als Beispiele für Schicksale Not und Gefahr.

Was ist das wesentliche Element in der Gemeinschaft?

Der Dreh- und Angelpunkt der Gemeinschaft ist der nichtmonetäre Austausch von Wert, also der Austausch ohne Geld; Dinge, die wir füreinander tun und mit anderen teilen, weil sie uns etwas bedeuten. Gemeinschaft besteht aus dem, was wir nicht zu messen versuchen, über das wir keine Listen führen und für das wir keine Belohnung erwarten: Liebe, Vertrauen, Toleranz und Respekt sind die Werte, die ich meine; ihr Vorrat ist unermesslich und grenzenlos. Diese Werte kann man also nicht messen, so sehr wir uns auch bemühen. Da man sie nicht messen kann, sind sie auch nicht in Euro, Dollar, Barrel oder in Tonnen Getreide auszudrücken. Der unentgeltliche Austausch von Wert beruht nicht allein auf altruistischen Motiven, sondern auf einem tiefen, intuitiven, oft unbewussten Verständnis, dass Eigeninteresse untrennbar mit dem Interesse der Gemeinschaft verbunden ist und dass sich das Wohl des Einzelnen nicht vom Wohl des Ganzen trennen lässt. Bei einer Gemeinschaft geht es nicht um Profit, es geht um das Wohl aller. Beim unentgeltlichen Austausch von Wert unterscheiden sich Geben und Nehmen. Geben und Nehmen kann man nicht auf sinnvolle Weise messen. Ein Geschenk, an das sich eine Erwartung knüpft, ist kein Geschenk. Es ist ein Tauschhandel. Beim unentgeltlichen Wertaustausch sind Geben und Nehmen keine Transaktion.; sie sind Angebot und Entgegennahme. Wenn in der Natur ein geschlossener Kreislauf des Gebens und Nehmens aus dem Gleichgewicht gerät, folgen bald Tod und Zerstörung. In der Gesellschaft ist das nicht anders.

Wenn es um Geld geht, glauben wir, das Leben sei ein Recht, das ein weiteres Recht in sich birgt: nämlich das Recht, Dinge zu bekommen und zu besitzen. Aber das Leben ist kein Recht. Das Leben ist ein Geschenk, das ein weiteres Geschenk in sich trägt, nämlich die Kunst des Schenkens. Und die Gemeinschaft ist der Ort, an dem wir unsere Geschenke verteilen und die Geschenke anderer empfangen

Der unentgeltliche Austausch von Wert ist das effektivste und konstruktivste System, das je entwickelt wurde. Die Evolution und die Natur haben es in Millionen Jahren perfektioniert. Man braucht keine Währung, keine Verträge, keine Regierungen, keine Gesetze, keine Gerichte, keine Polizisten, keine Rechtsanwälte oder Buchhalter. Das System braucht keine diplomierten Experten. Es braucht nur normale, einfühlsame Menschen. Die wahre Gemeinschaft erfordert Nähe, ständigen, direkten Kontakt und die Interaktion zwischen Menschen, Orten und Dingen, aus denen sie sich zusammensetzt.

In der gesamten Menschheitsgeschichte war der grundlegende Baustein der Gemeinschaft die Familie. Dort findet der größte unentgeltliche Austausch von Wert statt. Dort werden die stärksten immateriellen Werte geschaffen und ausgetauscht. Dieser Austausch von Wert bildet die Grundlage jeder Gemeinschaft, und Gemeinschaft ist das Kernelement einer jeden Gesellschaft. Ohne Gemeinschaft kann es also keine Gesellschaft geben. Das Leben, die gesamte Natur und alle irdischen Systeme beruhen – abgesehen von der Energie, die uns die Sonne schenkt -, auf geschlossenen Kreisläufen des Geben und Nehmens.

Was sind Probleme der Gemeinschaft?

Jede Gemeinschaft stellt zunächst nur eine Ansammlung von Einzelmenschen dar, die sich aus unterschiedlichen Motiven, aber alle mit dem gleichen Grundbedürfnis, zu eben dieser Gemeinschaft zusammengetan haben. Keiner kann von sich behaupten, den anderen so gut zu kennen, dass er dessen Motivation, zur Gemeinschaft gehören zu wollen, tatsächlich kennt. Es ist der klassische Irrtum allen menschlichen Miteinanders zu glauben, ein jeder Mensch denke wie der andere, habe also folglich zur gleichen Angelegenheit die gleiche Meinung.

Das Denken ist eine höchstpersönliche Sache, zwar durch eine gemeinsam erworbene Sprache irgendwie geformt und auch im Hinblick auf die Gemeinschaft vor-geformt – doch letztlich bleibt es individuell. Persönliche Erfahrungen, Vorbilder, Wünsche und Wertvorstellungen und anderes mehr spielen dabei immer eine Rolle. Und gerade dies wird wohl immer Anlass geben zu Meinungsverschiedenheiten selbst in Gemeinschaften, die sich das Ziel „Gemeinschaft“ als hehres Ziel gesteckt haben, so auch in der Freimaurerei im Allgemeinen und auch in einzelnen Logen im Besonderen. Wir sind also nicht alle gleich oder gleichgeschaltet, jeder bringt seine eigene Persönlichkeit in die Gemeinschaft ein. Und mit eben dieser eigenen Persönlichkeit hat jeder innerhalb der Gemeinschaft seine Aufgabe an seinem Platz. Es wird immer stärkere und schwächere Glieder in einer Gemeinschaft geben, ebenso edlere und weniger edle. Aber alle sollen in Fürsorge füreinander das ganze Leben tragen, mit ihren Stärken und mit ihren Schwächen. Auf die königliche Kunst bezogen bedeutet das, dass die Freimaurerei ihr Ziel einer Gemeinschaftsstiftung und Gemeinschaftserhaltung nur erreichen kann, wenn sie zur Befähigung des Einzelnen führt, sich als Gemeinschaftswesen zu erkennen.

Und wie sieht es aus mit der Harmonie in der Gemeinschaft?

Wenn das Ziel des Einzelnen, sich als Gemeinschaftswesen zu erkennen, erreicht ist, wird ihm sehr schnell klar, dass er sich geborgen fühlen kann. Und es ist ein großartiges, ein starkes Gefühl, Geborgenheit in der Gemeinschaft zu spüren. Probleme des Einzelnen verlieren an Dynamik, wenn man sie gemeinsam erörtert und verarbeitet, man muss es nur tun. Und Freuden potenzieren sich, wenn man sie mit anderen in der Gemeinschaft teilen kann. Aber nicht nur Probleme und Freuden, sondern die ganze Spannweite der menschlichen Existenz – die leibliche, die seelische und die geistige – ist auf das Miteinander und Füreinander in der Gemeinschaft bezogen. Wenn diese Gemeinschaft aus vollem Herzen gelebt wird, dann ist Gemeinschaft auch Harmonie.

Bezogen auf das Gemeinschaftsgefühl in der Freimaurerei hat ein Bruder seine Gefühle nach einem Besuch einer anderen Loge wie folgt beschrieben: „Die Atmosphäre dieser Tage beeindruckte mich sehr. Herzlichkeit, Wärme, Freude und Gastfreundschaft sprachen aus den Brüdern und Schwestern. Ich fühlte mich als Mensch geborgen im Kreise der Brüder- und Schwesternschar. Hier wurde mir besonders bewusst, dass die im profanen Leben so geschätzten und vorgeschobenen Rangordnungsmerkmale wie Besitz, Vermögen, Schichtzugehörigkeit und Bildungsstand bei uns im Bruderkreis überwunden werden. Hier fühlt man sich einfach als Mensch und kann es auch so erleben. Es wird kein Maßstab oder eine Schablone angelegt mit der Absicht, den Bruder von vornherein in Rangordnungen zu pressen, wie es leider viel zu oft im profanen Umfeld des Lebens geschieht.“

Wir alle haben das mehr oder minder auch so oder ähnlich erlebt und empfunden; aber machen wir uns nichts vor, es gab und gibt auch Situationen, wo „Rangordnungsmerkmale“, die der eben zitierte Bruder nur im profanen Leben sah, auch unter Brüdern und in den Strukturen der Freimaurerei praktiziert wurden und werden. Ich habe das einmal – als junger Freimaurer vor gut 30 Jahren – sehr deutlich und später häufiger zumindest ansatzweise erlebt und gespürt. Es beruhigt mich aber, dass dies eher Ausnahmen waren, beweist aber andererseits, dass wir unser Verhalten gegenüber unseren Brüdern immer wieder auf den Prüfstand stellen müssen.

Soviel zu Harmonie in der Gemeinschaft. Eine letzte Frage, meine lieben Brüder, die mich bewegt und mit der ich meinem Vortrag beenden will, ist die Frage nach der Zukunft der Gemeinschaft:

Quo vadis, Gemeinschaft?

Es ist nicht nur mein Empfinden, dass sich in den letzten Jahrzehnten eine sehr starke Tendenz vom Gemeinschaftswesen auf das Einzelwesen entwickelt hat – das haben Wissenschaftler und Verhaltensforscher einvernehmlich festgestellt. Wenn man die Geschichte der letzten Jahrhunderte Revue passieren lässt, kann man das begreifen und nachvollziehen: Die Menschen hatten – noch im 19. Jahrhundert – im wesentlichen nichts anderes, als den einsamen Kampf um das nackte Überleben. Familie, Kinder, Nahrung, Kleidung, Krankheit und Behausung waren die bestimmenden Faktoren, die den Tagesablauf, die Wochen und Monate des Jahres bestimmten. Raum für weitergehende Elemente des Lebens war nicht vorhanden. In dieser Zeit der Not bildeten sich Gemeinschaften in vielfältiger Form, die das Leben ein wenig erträglicher machten und die Sorgen – gemeinsam getragen – leichter erschienen ließen. Man kam aus seiner Isolation heraus, konnte sich mitteilen , konnte teilhaben. Die Not schweißte zusammen, die Gemeinschaften hatten Bestand.

Und heute? Welches Bild vermittelt unsere heutige Gesellschaft im 21. Jahrhundert? Den Menschen in unserem Lande geht es insgesamt immer noch gut – machen offensichtlich zu gut! Sie sind gleichgültiger und bequemer geworden, nehmen immer stärker egozentrische Züge an. Sie wollen viel nehmen und wenig geben (Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass ). Bei der enormen Reizüberflutung der heutigen Zeit kapseln sie sich ein in ihre eigene Anonymität und haben Gemeinsamkeit neu definiert: mit dem Fernseher mit seinen unzähligen Programmen, mit dem PC, dem Internet mit der Konsequenz der fast totalen Isolation. Man nimmt seine Mitmenschen kaum noch wahr, man kennt seine Nachbarn nicht mehr. Einen erschreckenden Beweis lieferte vor einiger Zeit eine norddeutsche Tageszeitung, in der in der Rubrik „Modernes Leben“ unter der Überschrift „Das unbekannte Wesen“ zu lesen war:  „Ein anonymes Deutschland hat sich in einer Umfrage offenbart: Etwa zehn Millionen Bundesbürger kennen ihre Nachbarn nicht oder nur vom Sehen. Ebenso viele zeigten sich ‘froh, wenn ich meinen Nachbarn nicht sehe.’“  Ein zweites Beispiel aus einer Tageszeitung mit der Überschrift: „Wenn das Internet zur Droge wird“: “Ihren 40. Geburtstag feierte Gabriele F. in einem Chatroom ( für PC-Nichtnutzer: virtueller Versammlungsraum im Internet). Leibhaftige Freunde hatten sich da längst von ihr abgewandt. 2 1/2 Jahre lang nutzte sie unter dem Namen „Hexenkuss“ jede freie Minute im Netz, bis sie durch ihr zwanghaftes Dauersurfen den Job verlor. Ihre Online-Sucht hatte sämtliche Zeit und Energie für andere Aktivitäten verschlungen, so die Medientrainerin aus Buxtehude, die als ehemals Betroffene die erste deutsche Selbsthilfegruppe für Onlinesüchtige leitete.” Und noch ein drittes Beispiel. Die „WELT am SONNTAG“ schrieb unter der Überschrift „Gemeinsamkeit am Scheideweg“:  “Gemeinsamkeiten waren vor nicht allzu langer Zeit nahezu unzerstörbar. Gestört , um nicht zu sagen zerstört werden die Gelübde durch ein zeitgeistiges Phänomen: Die Gier nach Selbstverwirklichung läuft dem Prinzip dauerhafter Gemeinsamkeit zuwider, lässt den sozialen Kitt brüchig werden. Organisationen verlieren ihre Mitglieder, in Familien schwindet der Zusammenhalt. Stattdessen suchen die Menschen Begegnungen auf Zeit und lassen sich einfangen vom eventorientierten Beisammensein.”

Zum Abschluss wiederhole ich meine Frage: “Gemeinsamkeit, quo vadis?” Ich sehe die Entwicklung nicht ohne Sorge, aber es gibt sie noch, die Gemeinschaft – es gibt sie noch in vielfältiger Form. Und wir haben ja vernommen, dass der unentgeltliche Austausch von Wert, das Grundelement der Gemeinschaft, das effektivste und konstruktivste System ist, das je entwickelt und von der Evolution und der Natur in Millionen von Jahren perfektioniert wurde. Deshalb wird die Gemeinschaft auch weiterhin Bestand haben. Wir dürfen ihre Entwicklung allerdings nicht aus den Augen verlieren und müssen die Gemeinschaft hegen und pflegen und immer wieder in das Bewusstsein unserer Mitmenschen rufen.

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