Not und Elend auf der Müllkippe

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Gerade hatte der Bruder Dirk Planert seinen persönlichen Frieden geschlossen mit einer Hilfsaktion während des Bosnien-Krieges, dessen Bilder und Erlebnisse ihn 25 Jahre verfolgt hatten. Nun bricht das nächste Elend über ihn hinein und er kann nicht wegsehen. Seit mehr als hundert Tagen hilft er auf einer Müllkippe.

Tag 86 auf der Müllkippe”, so begann eine der ersten E-Mails von Dirk Planert, die mich zum Thema erreichten. Und es folgten detaillierte Schilderungen von den unsagbaren Zuständen.

Aber der Reihe nach. Dirk Planert hatte während des Bosnien-Krieges privat Hilfstransporte organisiert und vor Ort mitten im Kampfgeschehen verteilt. Die Bilder ließen ihn nicht los und so reiste er nach 25 Jahren wieder nach Bihac, um mit neuen Bildern und Begegnungen in der wieder aufgebauten Stadt seine Bilder im Kopf “wie eine Festplatte zu überschreiben, wie er es nannte. In Bihać gibt es offenbar das gleiche Bedürfnis und so wird der Journalist eingeladen, eine Ausstellung mit Bildern von damals und heute zu gestalten.

Im Umfeld der Ausstellung erfährt er zufällig, dass Flüchtlinge in der Stadt aufgegriffen und in ein eilends angelegtes Behelfslager transportiert worden, wo sie weitgehend sich selbst überlassen wurden. Nur das Rote Kreuz ist vor Ort, hat Zelte aufgestellt und verteilt zweimal am Tag Essen. Die Stadt Bihać ist mit der Situation überfordert. Zwar gib es finanzielle Hilfen für die Flüchtlingsunterbringung, die kommt aber in Bihać​ nicht an. Die Situation in der Stadt eskaliert und so entschließt man sich, hastig ein Lager einzurichten, das sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt.

Dirk Planert ist Journalist und neugierig, ahnt aber auch, was dort geschieht. Er fährt den Bussen nach und muss feststellen, dass die Flüchtlinge zu einer ehemaligen Müllkippe gebracht werden, die gerade einmal notdürftig mit einer dünnen Schicht Kies und Schotter überzogen wurde. Es stinkt, angeblich steigen aus dem Boden Methangase auf, wie ihm Anwohner berichten. Dirk Planert sieht verletzte Menschen und kann nicht anders: Er packt seinen kleinen Verbandkasten aus und hilft. Und er bleibt, sammelt bei seinen Brüdern und anderen Freunden Geld ein, kauft vor Ort ein, was gebraucht wird: Schlafsäcke, Kleidung, Verbandmaterial. Medikamente.

"Am 14. Juni wurden die ersten Flüchtlinge hier nach Vucjak deportiert. Seitdem wächst das illegal von den bosnischen Behörden errichtete Camp stetig. Zum Glück hat der türkische rote Halbmond (red cross) die Zelte geschickt. Sie sind auch bei Regen meist dicht. Täglich werden neue Flüchtlinge von der Polizei hier her deportiert. Ebenso brechen täglich Gruppen Richtung EU auf. Sie müssen knapp hinter dem Camp an den Minenfeldern vorbei."
"Eine Entzündung im Knie. Der Eiter musste raus. Trotz lokaler Betäubung mussten wir den Patienten zu Viert festhalten. Jetzt kann er wieder gehen. Die Alternative: Im schlimmsten Fall Verlust des Beines. Unter den unhygienischen Umständen in Vucjak geht es sehr schnell, das aus kleinen Wunden eine lebensgefährliche Sepsis werden kann."
"Der junge Mann links im Bild gehört zu unserem dreiköpfigen Kernteam. Er ist Slowene, Ex-Soldat mit Einsatzerfahrung und Ausbilder für Militärsanitäter. Er ist 23, medizinisch hochkompetent. Unsere Ärzte, die für Tage oder Wochen hier waren, hat er zum Staunen gebracht. Meist ist die „Klinik“ bis tief in die Nacht geöffnet. Notfälle sind in der Regel vor Erschöpfung zusammengebrochene Menschen."
"Das Kind hat 39 Fieber. Die Mutter trägt es den Berg hoch, der von Bihac City nach Vucjak führt. Die Lufttemperatur an dem Tag: 38 Grad. Kein Wasser. Wir haben immer alles Notwendige im Wagen. Für das Kind auch. Es gibt zuerst ein Lächeln und ein „Assalam u Aleikum“, wenn der fremde Mann im Auto plötzlich anhält. Es folgt medizinische Versorgung am Straßenrand, Kopflampen für die Nacht, Wasser, Honig oder Süßes für die Kinder und Sprühpflaster."
"Alltag in Vucjak. Ursache: die Krätze. Eine Seuche aus dem Mittelalter grassiert im Camp. Wir können die Wunden behandeln und das Wachsen der eitrigen Wunden verhindern. Was wir hier nicht können: Medikamente oder Salben gegen die Krätze nutzen. Dafür müssten die Menschen ihre Kleidung und Decken waschen können. So gibt es keine Chance."
"So gut wie täglich kommen Delegationen großer Hilfsorganisationen, Politiker oder Journalisten. Sie reden, sie gehen, sie kommen nicht mehr wieder. Die Meisten sprechen nicht mit den Menschen, die hier überleben müssen und trauen sich gerade mal die ersten 20 Meter in das Camp. Im Bild ist ein Teil einer 25-köpfigen Delegation des Red Cross aus verschiedenen Ländern zu sehen."

Er macht etliche Medien auf die unglaublichen Zustände vor Ort aufmerksam. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber etwa 700 oder 800 Flüchtlinge, manchmal mehr, befinden sich im Lager, ohne ausreichende Verpflegung, anfangs ohne jede medizinische Versorgung, die auch später nur durch Freiwillige improvisiert werden kann. Täglich versuchen Flüchtlinge über die nahe gelegene Grenze in das EU-Land Kroatien zu gelangen. Sie werden daran gehindert oder nach verschiedenen Medienberichten illegal zurückgeschoben. Es wird von Gewalt gegen Flüchtlinge berichtet, die am nächsten Morgen verletzt im Lager Bihać zurückkommen.

Auch im Lager spitzt sich die Situation angesichts der Enge und schlechten Versorgung zu. Vor wenigen Tagen gab es eine Messerstecherei mit einem Toten und mehreren Verletzten. Die internationalen Hilfsorganisationen, die vor Ort bereits andere Lager betreiben und keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, fühlen sich nicht zuständig und die Europäische Gemeinschaft schaut weg, beklagt Dirk Planert. Immerhin ist es ihm mittlerweile gelungen, neben etlichen größeren Medien auch die ersten Politiker zu sensibilisieren. Höchste Zeit, denn zwischenzeitlich ist die Hilfsaktion zu einem Politikum geworden. Heute Morgen sind die freiwilligen Helfer durch das Büro für Ausländer ausgewiesen worden, wie Dirk Planert telefonisch berichtete. Er selbst war gerade für ein paar Tage in Österreich, um von dort einige Dinge zu organisieren und weiß noch gar nicht, ob er überhaupt wieder in Bosnien-Herzegowina einreisen darf. Auch wie es weitergeht, ist im Moment noch unklar. Aber dass es weitergeht, irgendwie, dass weiß er genau.

Interview mit Dirk Planert

Einige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung bin ich informiert worden, das Busse der Polizei an einem Flüchtlingslager vorfahren und die Menschen gezwungen werden einzusteigen. Deportationen also. Es saßen die Menschen in den Bussen, die im Camp der IOM (International Organisation for Migration/UN) nicht mehr aufgenommen worden waren. Sie hatten bis zu dem Zeitpunkt auf einer Wiese „gelebt“. Ich bin den Bussen hinterhergefahren. 10 Kilometer außerhalb der Stadt mussten die Flüchtlinge aussteigen und noch etwa einen Kilometer einen Feldweg entlanglaufen. Dann landeten wir auf der ehemaligen Müllhalde Vucjak. Ich machte meine Arbeit, habe Fotos gemacht und mit der Kamera gedreht. Dann hielt ein kleiner Polizeibus und mir wurde ein schwerstkranker Mann, vermutlich Blinddarm, aus dem Bus heraus vor die Füße geworfen. Mir wurde in dem Augenblick klar, was da passierte: Menschen wurden weggeworfen wie Müll. Ich entschied, zu bleiben. Das ist jetzt über 100 Tage her. Aus der kleinen Tasche mit Erste-Hilfe-Material, die ich immer dabeihabe, ist seitdem ein Feldlazarett mit 200 Patienten täglich geworden.

Das Rote Kreuz Bihac hat nicht die Kapazitäten, mehr zu tun, als zwei Mahlzeiten am Tag zu verteilen. Morgens eine Scheibe Brot, nachmittags einen Eintopf mit Brot, der von der Menge der einer Vorspeise entspricht. Die großen Organisationen weigern sich, dort zu arbeiten. Sie sagen, das sei ein illegal von den bosnischen Behörden errichtetes Camp. Thema erledigt. In Kürze beginnt die ertragreichste Zeit für Hilfsorganisationen, die Weihnachtszeit. Möglicherweise kommt dann irgendeine der bekannten Organisationen, um das „Weihnachtsgeschäft“ mitzunehmen. 1.000 Menschen auf einer Müllhalde, das hat eine Wirkung in der PR. Wundern würde mich das nicht. Alle großen Organisationen waren schon hier, um sich alles anzusehen. Niemand hat etwas getan.

In den ersten zweieinhalb Monaten habe ich tagsüber in der Ambulanz gearbeitet und nachts die Kommunikation gemacht. Mein Ziel war, nicht nur den Menschen direkt zu helfen, sondern eine Veränderung auf politischer Ebene zu erwirken, die diesen Menschen helfen wird. Also habe ich sehr viel an Medien und die Politik geschrieben, dazu die Mails, Facebook-Nachrichten usw. von Spendern, die Informationen wollten. Mehr als drei oder vier Stunden Schlaf waren nicht machbar. Zurzeit ist das Team so gut und stabil, dass ich tagsüber diese Dinge erledige und dann nicht im Zelt mitarbeite. Das Basisteam sind zwei junge Männer und ich, dazu kommen zurzeit eine ungarische Ärztin, eine deutsche Notfallsanitäterin und eine Studentin. Zum Basisteam gehört ein junger Slowene, der Ausbilder für Militärsanitäter war. Er ist großartig und bringt auch Ärzte, die für ein paar Tage kommen, zum Staunen. Wir arbeiten jeden Tag. Alle etwa zwei oder drei Wochen gehen wir mal in einem Restaurant essen. Ab und an, wenn wir früh genug fertig sind, trinken wir abends Bier und bosnischen Schnaps. Ich hole dann schon mal die Gitarre raus.  Meistens arbeiten wir. Hilfslieferungen müssen sortiert werden, Einkäufe in der Apotheke beschafft werden usw. Es ist schon ein Haufen Arbeit.

Ja. Noch in der Nacht, als es anfing mit der Müllhalde als Camp, habe ich meine Brüder der Loge „Zur Alten Linde“ in Dortmund angeschrieben. Zwei Tage später hatte ich fast 2.000 Euro und konnte damit in Apotheken und Supermärkten einkaufen. Bei Feierlichkeiten oder Tempelarbeiten sammeln die Brüder Geld und überweisen es. Einige Brüder schicken auch unabhängig davon Geld auf das Spendenkonto. Großartig ist das. Auf meine Brüder ist Verlass. Der Kreis der Spender ist nach über drei Monaten natürlich viel größer geworden. Aber die Brüder sind ein verlässliches Fundament. Abgesehen davon, dass ich diese Spenden brauche, um diese Arbeit machen zu können ist das natürlich emotional ein Geschenk für mich persönlich. Gelebte Brüderlichkeit. Ich bin auch sehr dankbar für das Vertrauen meiner Brüder. Selbstverständlich ist das alles sicher nicht.

Meine Familie steht voll hinter mir. Mein Vater ist Br. Kurt Planert, er gehört zu einer Loge in Kiel. Meine Mutter ist selbst Flüchtlingskind. Meine Töchter sind 26 und 22 Jahre alt, die Enkelkinder sechs Jahre und das „Neue“ gerade mal 5 Monate. Meine jüngere Tochter hat vor ein paar Wochen gesagt: „Papa, wenn Du jetzt nicht bald mal nach Hause kommst, dann weiß Dein Enkelkind nicht, wer Du bist“. Noch in der Nacht habe ich einen Flug gebucht und war für drei Tage bei ihnen. Die Kinder wissen, dass ich in Notfällen immer da bin, wenn sie mich brauchen. Wir telefonieren oft. Ich habe von allen „grünes Licht“. Das ist ok.

Privatleben? Habe ich gerade kaum. Wenn, dann bin ich so kaputt, dass ich nur schlafen und essen möchte. Beruflich bin ich freier Journalist. Ich konnte das also machen, ohne vorher einen Chef nach unbezahltem Urlaub fragen zu müssen. Ich kann manchmal Fotos oder Filmmaterial verkaufen. Eine österreichische NGO zahlt mir eine kleine „Aufwandsentschädigung“. Die haben kapiert, das die ganze Hilfe in Vucjak zusammenbricht, wenn ich abreisen müsste, um Geld zu verdienen. Ich lebe relativ bescheiden. Viel Geld brauche ich also nicht, um Miete und Versicherungen zu bezahlen. Es kommt sehr knapp alles gerade so hin. Was wird, wenn das hier vorbei ist, dass weiß ich nicht. Ich bin zuversichtlich. Es wird weitergehen. Ich werde nicht hungern, meine Wohnung habe ich, wunderbare Töchter und Eltern, gute Freunde. Ich bin zufrieden.

Die Menschen in Vucjak müssen schnellstmöglich in Camps, die dem internationalen Standard entsprechen. Der ist klar definiert. Passiert das vor dem Winter nicht, wird es Tote geben. Ich werde Leichensäcke kaufen müssen. Ich fahre jetzt schon Notfälle mit meinem Wagen ins Krankenhaus. Die Toten würde ich gern vorher „einpacken“, bevor ich sie in meinen Wagen lege. Ich glaube, das ist verständlich.

Es müssten sich nur alle an die bestehenden Gesetze halten. Dann wäre alles anders. Die EU-Gesetze sehen vor, dass ein Flüchtling, der die EU erreicht, ein Recht hat einen Asylantrag zu stellen. Dieses Recht gibt es in der Realität nicht. Die Menschen werden illegal nach Bosnien zurück gepusht. Auffanglager in Kroatien, Slowenien, Österreich und Deutschland müssten geschaffen werden. Dann folgt die Prüfung der Asylanträge und danach Abschiebung oder Bleiberecht. So sieht es das Gesetz vor. Wir reden über gerade mal 12.000 Flüchtlinge etwa, die sich in Bosnien aufhalten. Für eine EU mit 28 Nationen und 580 Millionen Bürgern, mit Verlaub, ist das eine lächerliche Zahl. Die EU verrät ihre eigenen Grundsätze. Mit Zivilisation hat das alles nichts mehr zu tun. Ich sehe täglich die Opfer der verfehlten Politik. Nicht nur Hunger und Elend sind das Ergebnis. Knochenbrüche, Platzwunden, geprügelte Menschen.

Die großen Hilfsorganisationen wie die IOM müssten einen besseren Job machen. Wie kann es sein, dass die UN-Tochter IOM Menschen auf die Straße schickt, weil sie sagen, die Camps seien voll. Das sind die Vereinten Nationen. Da kann man mehr erwarten, theoretisch. Das Hauptcamp in Bihac ist Bira. Da sind 1.500 Menschen. 3.000 würden hineinpassen. Voll ist eine Frage der Definition.  Neben den 10 Millionen Euro der EU, die nach Sarajevo geflossen sind, hat die EU 36 Millionen Euro an die IOM gezahlt. Man soll nicht meinen, dass irgendwer kontrolliert was mit diesem Geld passiert. Die EU verschließt die Augen. Es gibt keine Lösungsansätze. Diese Lösungen zu finden ist Aufgabe der Politik. Nicht meine. Diese Politiker werden bezahlt, um Lösungen für Probleme zu finden. Das tun sie nicht. Sie sind ihr Geld nicht wert.

Außerdem muss der Stadt Bihac geholfen werden. Seit zwei Jahren werden die Flüchtlinge aus allen Balkanländern hier hergeleitet. Wie ein Flaschenhals, in den immer mehr hineinläuft, aber kaum etwas heraus. Es ist logisch, dass es eskalieren musste. Sarajevo kassiert das Geld der EU (10 Millionen) für Flüchtlinge, in Bihac ist aber nie etwas angekommen. Die Stadt weigert sich, ein anderes Grundstück für den Bau eines Camps bereitzustellen. Wird Bihac geholfen, könnte sich das ändern.

Gewalt- und Raubstraftaten, dazu kommt Nötigung und vieles mehr. Die meisten Flüchtlinge werden von der kroatischen Grenzpolizei aufgegriffen. Ihnen werden Rucksack und, soweit vorhanden, Schlafsack abgenommen. Beides wird vor ihren Augen verbrannt. Dann werden sie nach Geld durchsucht. Wird welches gefunden, wird es den Menschen von der Polizei gestohlen. Dann werden sie mit Polizeischlagstöcken verprügelt. Bevor sie dann mitten im Wald über die Grenze zurück nach Bosnien getrieben werden, müssen viele vorher ihre Schuhe ausziehen. Sie laufen dann barfuß wieder zurück nach Bihac. Das hat System. Seit dem ersten Tag höre ich täglich solche Geschichten und sehe die Verletzungen. Es ist immer dasselbe. Schaffen sie es bis Slowenien und werden dort aufgegriffen, dann übergibt die slowenische Polizei die Menschen an die Kroaten und die schieben sie dann zurück nach Bosnien. 12 Tage dauert der Fußmarsch bis Italien. Wer bis dahin kommt, der hat es erstmal geschafft. Regelmäßig treffe ich Familien mit kleinen Kindern, die diesen Weg noch vor sich haben. Schrecklich ist das. Das trifft mich sehr. Ich darf dann nicht an meine Töchter und ihre Kinder denken. Dann treibt es mir das Wasser in die Augen. Sie haben die Minenfelder (Kriegsaltlasten) auf dem Weg in die EU und möglicherweise die Gewalt der Polizei noch vor sich. Ich hatte schon Menschen im Ambulanzzelt, auf die Polizeihunde gehetzt worden waren. Paradox ist, das die EU Kroatien den Auftrag gegeben hat, die EU Außengrenzen zu schützen. Der Auftraggeber weiß, dass dann gegen seine eigenen Gesetze verstoßen wird. Vor allem: Gegen die Menschenrechte und das im Auftrag der EU. Das ist alles ein verlogenes Spiel.

Nein. Es gibt aber eine kleine Hoffnung. Drei EU-Politiker haben mich kontaktiert. Diese drei habe ich miteinander verbunden. Sie wollen nun mit MEP Bettina Vollath (Österreich) eine Gruppe aufbauen, die sich im EU Parlament für die Menschen in Vucjak und die Stadt Bihac einsetzen soll. Wir müssen jetzt abwarten, ob es ihnen gelingt, etwas zu bewegen. Ich habe von Anfang an drei Ziele gehabt: direkte Hilfe „am Mann“, Information der Medien in Deutschland und Österreich sowie Information der gesamten EU-Politik. Punkt zwei und drei sind erledigt. Jetzt müssen die Politiker ihren Job machen. Ich arbeite weiter im Ambulanzzelt.

Geld spenden. Das ist das Wichtigste. Ich kann in Bosnien alles kaufen, was wir brauchen und das viel günstiger als in Deutschland.

Sie können die sehr persönliche Geschichte des Journalisten und Freimaurers Dirk Planert über die Aufarbeitung seiner Bosnien-Hilfe mitten im Krieg hier in drei Teilen nachlesen.