NS-Raubgut ans Deutsche Freimaurermuseum übergeben

Die Bayerische Staatsbibliothek hat am 4. Dezember 2019 in einem feierlichen Akt und im Beisein des Bayerischen Wissenschaftsministers Bernd Sibler und des Distriktmeisters Bayern, Br. Hannes Brach, dem Deutschen Freimaurermuseum 203 unrechtmäßig erworbene historische Bücher aus ihren Beständen zurückgegeben. Damit führt sie ihre 2003 begonnenen Bemühungen fort, NS-Raubgut an die ursprünglichen Besitzer, Erben oder Rechtsnachfolger zu restituieren.

Gelesen von Arne Heger

Foto: © spaxlax / Adobe Stock

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Bereits im Oktober 1933 standen die SS-Posten vor dem Bayreuther Logenhaus, damals auch Sitz der Großloge „Zur Sonne“. Mehrere Tage plünderten sie nicht nur die Loge, sondern vor allem das seit 1902 errichtete Museum, das bis dahin mit einem Bestand von 88000 Objekten und ca. 12000 Buchtiteln nach den Freimaurer-Museen von London und Philadelphia weltweit das drittgrößte seiner Art war. Was den SA-Schergen wertvoll erschien, wurde abtransportiert, der Rest wurde durch die Fenster hinausbefördert und vernichtet. In kurzer Zeit wurde das Haus umfunktioniert in den Sitz der nationalsozialistischen Schutzstaffel Bayreuths.

In den Jahren 1937/38 hatte die Bayerische Staatsbibliothek über 450 Titel freimaurerischer Literatur von der SS-Schule Haus Wewelsburg im nordrhein-westfälischen Büren übernommen. Es sind Bücher, die zwischen 1933 und 1936 aus verschiedenen Logenbibliotheken beschlagnahmt worden waren, also zweifelsfrei NS-Raubgut. Trotz umfangreicher Recherchen nach den heutigen Rechtsnachfolgern weisen 201 dieser Werke außer Tausch-und Schenkernummern keine weiteren Merkmale zur Provenienz auf. Es handelt sich neben Büchern über Freimaurerei auch um Rituale, Liederbücher, Festschriften und Logenverzeichnisse sowie um poetische und dramatische Werke. In diesen Fällen fungiert das Deutsche Freimaurermuseum als Sammelstelle von Buchbeständen der seit 1933 enteigneten Logen. Exemplarisch genannt seien folgende seltene Werke: Werner Hans Friedrich von Abrahamson: Maurer-Pflichten und den Feyerlichkeiten nebst Maurer-Gedichten, Copenhagen 1785 sowie Ladislaus Fuchs: Moderne freimaurerische Reden aus dem Tale des Nils, Stuttgart, o.J. Zwei weitere Werke aus dem ehemaligen Besitz der Großloge „Zur Sonne“ haben ihren Weg wieder zurück nach Bayreuth gefunden: Carl Nicolai Starcke: Die Freimaurerei, ihre geschichtliche Entwicklung und kulturelle Bedeutung bei den verschiedenen Völkern, Hamburg 1913 sowie die Verfassung der am 21. Januar 1741 gestifteten Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth von 1913. Die Großloge wurde nach ihrer erzwungenen Auflösung 1948 reaktiviert und ging ein Jahr später in der heutigen Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland auf. Auch in diesem Fall ist das Freimaurermuseum rechtlicher Nachfolger.

Im Jahre 1998 verpflichteten sich viele Staaten, nach unrechtmäßig Erworbenem zu suchen, die ursprünglichen Eigentümer bzw. Erben ausfindig zu machen und für die Rückgabe eine gerechte und faire Lösung zu finden. Die Bayerische Staatsbibliothek bekennt sich zu ihrer Rolle und sucht seit 2003 aktiv nach NS-Raubgut in ihren Beständen. Ihre Bemühungen bei der Provenienz-Forschung sind beispielhaft.

Das Deutsche Freimaurermuseum in Bayreuth ist heute wieder ein Zentrum der masonischen Forschung in Europa. Beigetragen hat dazu nicht zuletzt auch die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Freimaurermuseen, Bibliotheken und Archive (AMMLA) im Jahr 1989, dessen derzeitiger Präsident Museumsdirektor Br. Thad Peterson ist. Das Deutsche Freimaurermuseum bietet ein Zuhause für rund 20000 Bücher (ohne Magazine und Journale), rund 15000 Archivdokumente und zahlreiche Autographen. Es ist mit der Universität Poznan und deren 90000 Nummern vernetzt.

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Dieser Beitrag stammt aus dem Heft 2-2020 der HUMANITÄT, dem deutschen Freimaurer-Magazin. Das Heft kann bei der Kanzlei abonniert werden.

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