Quantenphysik und Mystik – Philosoph Quarch in Hamburg

Im großen Goethesaal des Hamburger Logenhauses waren nur noch wenige Plätze frei

Ist der Kosmos intelligent? Gibt es eine ordnende Hand? Auf drei Wegen näherte sich der Philosoph Dr. Christoph Quarch bei einem Vortrag in Hamburg dieser Frage: wissenschaftlich (Quantenphysik), kosmologisch (Platon), mystisch (Meister Eckart). Die Antwort war immer dieselbe: Wäre die Welt nicht beseelt, könnte sie nicht existieren.

Rund 100 Brüder, Schwestern und Gäste waren der Einladung der Hamburg Loge “Die Brückenbauer” in den Goethesaal des Logenhauses an der Welckerstraße gefolgt. Der große Zuspruch war bemerkenswert, weil Quarch seinen Zuhörern einiges abverlante. Seiner These „Die Welt ist beseelt“ näherte er sich auf drei Wegen: wissenschaftlich, kosmologisch/philosophisch und spirituell. Den roten Faden bildete Platons “Timaios” – Quarch ist einer der besten zeitgenössischen Kenner dieses großen griechischen Philosophen.

Quarch, studierter Theologe und Philosoph, führte seine Zuhörer zunächst geschickt und so verständlich es das Thema zuließ, durch die Quantenphysik. Diese „subatomare Energie“ verhält sich anders, als wir es mit unserem wissenschaftlichen Weltbild vermuten würden. Sie ist gleichzeitig vielgestaltig, in ihrem Verhalten nicht vorhersehbar und besitzt keine allgemeingültige Form.

Ausführlich widmete Quarch sich der US-amerikanischen Publizistin Lynne McTaggart, die die Theorie vom „Nullpunkt-Feld“ entwickelt hat. In diesem Feld existiere diese Energie wie „ein schäumender Strudel subatomarer Teilchen, die immer wieder in die Materie eintanken und wieder zurückfallen“. Bei dem „Eintanken“ in die Materie schaffe das Teilchen materiell nachweisbare Phänomene, ohne sich mit diesen zu vereinigen und falle dann wieder zurück. Alles, was wir materiell sehen und messen können, sei also nicht fest, sondern bilde sich permanent in einer unvorstellbaren Geschwindigkeit immer wieder neu.

Das bedeutet, dass diese Energie einen „Sinn“ enthalten muss, der über eine „Prägung“ in die materielle Welt transformiert werden kann. Das ist die Brücke zu Platon und seiner Sinn- oder Ideenlehre. Mit einigen Zitaten aus dem Timaios zeigte Quarch, dass unsere hochaktuellen Theorien von der Quantenphysik von den griechischen Philosophen bereits vorbedacht worden waren.

Und auch die Mystiker kommen auf ihrem, ganz eigenen, Weg zu dem gleichen Ergebnis. Quarch stellte die „negative Theologie“ des Pseudo-Dionysius Areopagita, eines Kirchenlehrers aus dem 6. Jahrhundert, vor. Auch diese Theologie fußt darauf, dass es ein „Nichts“ geben müsse, aus dem alles entstanden sei, dem wir uns aber nur im Wege der Versenkung nähern können. Meister Eckart, der große mittelalterliche Mystiker, hatte ähnliche Schauungen.

In seinem Resümee wies Quarch darauf hin, dass alle drei Wege, die „Seele des Weltalls“ zu finden, zum gleichen Ergebnis führten – dass jeder Weg aber für sich stehe. Als letztes beschäftigte sich Quarch mit der Frage, wer den Anstoß für den „schäumenden Strudel“ eigentlich gebe. Seine Antwort: der Eros. Nur die Liebe mache es möglich, dass wir den Sinn erschließen könnten.

Trotz der hochkomplexen Materie und des dichten Vortrags, der hohe Konzentration erforderte, folgten die Besucher Quarchs Worten wie gebannt. Eine kleine Fragerunde, bei der aufgearbeitet werden konnte, was nicht so recht verstanden worden war und bei der einige Besucher eigene Akzente zu der Thematik setzten, schloss sich dem Vortrag an. Für den Nachhauseweg war jedenfalls ausreichend Denkfutter vorhanden.

Dr. Christoph Quarch (links) erklärt anhand eines Glases die Platon'sche Sinn- oder Ideenlehre: Auch wenn es kein einziges Glas mehr auf der Welt gäbe, bliebe der Sinn der Glases erhalten. Walter Plassmann, MvSt. der Brückenbauer hört interessiert zu.
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