Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Rückgabe an Büchern aus NS-Raubgut

Im Rahmen einer Feierstunde hat die Bayerische Staatsbibliothek am Freitag, den 8. November 2013, eine Reihe von Büchern und Schriften aus NS-Raubgut an den Distrikt Bayern der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland übergeben.

Seit zehn Jahren sucht die Bayerische Staatsbibliothek in den Beständen, die sie zwischen 1933 und 1945 erwarb, nach NS-Raubgut. Sie orientiert sich damit an der Verpflichtung, die alle öffentlichen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland 1999 in einer gemeinsamen Erklärung zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz eingegangen sind.

Die Förderung durch die Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und Provenienzforschung am Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz ermöglicht es nun, ihre Recherchen zum Abschluss zu bringen und Rückgaben durchzuführen.

Der aus 136 Titeln bestehende Buchbestand stammt von der bis zum Jahr 1933 in München existierenden Loge “Zum aufgehenden Licht an der Isar”. Der gerichtlich bestellte Liquidator bot damals die Büchersammlung zum Spottpreis von 65 Reichsmark zum Kauf an. Zur Sammlung zählte eine größere Anzahl von Büchern und Zeitschriften überwiegend freimaurerischen und philosophischen Inhalts aus dem frühen 19. bis 20. Jahrhundert. Die Loge wurde im Sommer 1933 aufgelöst.

1933 kam es wenige Wochen nach der Machtübernahme Hitlers zu ersten Ausschreitungen gegen Freimaurer in Deutschland. Ihr Zweck war es, die Brüder einzuschüchtern und zur Selbstauflösung ihrer Logen zu bewegen. Im August 1935 wurde die Schließung aller Logen angeordnet und die Freimaurerei verboten. In München bestanden Anfang 1933 zehn Freimaurerlogen mit insgesamt über 800 Brüdern. Sämtliche Münchner Logen hörten noch im Lauf des Jahres 1933 auf zu existieren, darunter die „Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“. Der gerichtlich bestellte Liquidator bot die Büchersammlung dieser Loge zum Kauf an. Zum Spottpreis von 65 Reichsmark erwarb die Bayerische Staatsbibliothek daraufhin 186 Bände und arbeitete sie in den eigenen Bestand ein.

Hinweise auf die Bücher und Zeitschriften aus dem Besitz der „Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“ ergaben sich zum einen aus den Akten der Generaldirektion, zum anderen aus den Publikationen selbst: Die Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek fertigten damals eine Liste an, welche Werke sie übernommen hatten; darüber hinaus ist die Mehrheit der Titel mit einem Exlibris gekennzeichnet, das die Aufschrift trägt: „Eigentum der Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“. 136 Bücher und Zeitschriften gelang es nun im Rahmen der NS-Raubgutforschung zu identifizieren. Da die „Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“ nach dem Ende des Nationalsozialismus nicht neu gegründet wurde, erfolgt die Rückgabe der Publikationen an den Distrikt Bayern der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland als übergeordneter Einrichtung. Dieser beabsichtigt, die Bücher und Zeitschriften dem Deutschen Freimaurermuseum in Bayreuth zu überlassen.

Die Bayerische Staatsbibliothek freut sich, die Bücher und Zeitschriften restituieren zu können. Sie kehren damit in ein ihnen angemessenes Umfeld zurück. Die Bayerische Staatsbibliothek bedauert zutiefst die Hintergründe und Umstände, wie sie 1933 ins Haus gelangten, ebenso die damalige Verstrickung des Hauses in das geschehene Unrecht. Weitere Rückgaben von NS-Raubgut werden derzeit vorbereitet, neben anderen Freimaurerlogen aus Deutschland und Österreich vor allem auch an jüdische Vorbesitzer sowie an den Verband katholischer Religionslehrer und Religionslehrerinnen an den Gymnasien in Bayern, an die Zeugen Jehovas und an Organisationen der Arbeiterbewegung.

Generaldirektor Dr. Rolf Griebel, sprach sein Bedauern über die lange Wartezeit bis zur jetzt erfolgten Restitution aus. Projektmitarbeiterin Susanne Wanninger betonte den Willen der Bayerischen Staatsbibliothek, das Unrecht zu dokumentieren und dadurch die Erinnerung als Mahnung wach zu halten.

Da die Loge “Zum aufgehenden Licht an der Isar” nach 1945 nicht wieder gegründet wurde, übergab Dr. Rolf Griebel den Bestand an den Alt-Distriktmeister Bayern und Sachsen, Klaus Kastin. Der Distrikt reichte die Bücher zum endgültigen Verbleib an die Bibliothek des Deutschen Freimaurermuseums in Bayreuth weiter.

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