Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Steinmetzen und Freimaurer begegnen sich

Internet-Redaktion

Die Meisterschule Aschaffenburg für Steinmetzen und Steinbildhauer führte in Zusammenarbeit mit der Aschaffenburger Freimaurerloge “Post Nubila Phoebus” ein interessantes Projekt durch, das beiden Seiten interessante Erkenntnisse und Erfahrungen vermittelt hat.

Erkenntnis, genauer: Selbsterkenntnis spielt für die Mitglieder von Freimaurerlogen eine zentrale Rolle, ihre geistigen und auch spirituellen Kenntnisse und Methodiken sollten den Meisterschülern Richtschnur bei der Erarbeitung der Meisterstücke sein. So hieß denn auch die Aufgabenstellung: “Überlegen Sie, welche Erkenntnis für Sie von elementarer Bedeutung ist und setzen Sie diese in ein Stein-Bronze-Objekt um!”

Zielsetzung des Projektes: Jeder Mensch, der mit offenen Augen durch die Welt geht, entwickelt sich weiter. Dabei gelangt er immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Manche davon sind situationsabhängig und eher kurzlebiger Natur, manche aber sind dauerhaft und gehen in die Tiefe. Sie sind es dann, die unsere Persönlichkeit und unser Weltbild prägen. So ist gerade auch die Meisterschule eine Zeit der Reifung. Die persönliche und berufliche Grundlage is gelegt, nun gilt es, Anderes, Neues, Ungewohntes kennen zu lernen und damit kreativ umzugehen — diesem Anliegen kommt die gestellte Aufgabe in ihrem Anspruch nach.

In unserer Zeit haben Freimaurer und Steinmetzen nicht viel miteinander zu tun, historisch sind sie jedoch eng miteinander verbunden. Die moderne Freimaurerei hat sich im Jahre 1717 aus den Steinmetzzünften heraus entwickelt, daher erklärt sich die Symbolsprache der Freimaurer, die dafür die Werkzeuge verwendet, die auch den Steinmetzen vertraut sind. Während die Steinmetzen die Werkzeuge praktisch nutzen, haben die Freimaurer sie zu geistigen Werkzeugen, Symbolen, gemacht. Diese Trennung aufzuheben, die Meisterschüler von den Freimaurern lernen und diese wiederum von den Überlegungen der Meisterschüler profitieren zu lassen, ist ein Anliegen des Projektes. “Die Aufgabe der Schule ist es, die Meisterschüler in ihrem Handwerk zu vervollkommnen, die der Freimaurer ist es, die Menschen besser zu verstehen. Das gestellte Thema ‘Mein Stein der Erkenntnis’ passt zu beidem”, so der Meister vom Stuhl der Loge und Edwin Brum, Distriktsmeister Hessen-Thüringen in ihrem Vorwort zur Projektbroschüre.

“Die Konservierungsbemühungen der Freimaurer haben”, schreibt der Distriktsredner Daniel Schleusener, “zu der einzigartigen historischen Situation geführt, dass die alten Bräuche der Steinmetzen in der Bruderschaft der Freimaurer fortlebten”, während die Steinmetzzünfte sie schlicht vergessen hätten. Beide Seiten teilten jedoch eine gemeinsame Sprache über die tatsächliche und symbolische Verwendung der gleichen Werkzeuge, was ein gegenseitiges Lernen und Verstehen ermöglicht.

Am Anfang war die verbindende Idee der Arbeit am rauen Stein, schreibt die Schulleiterin Ulrike Ader. Daraus entwickelte sich die Aufgabenstellung, Geistiges handwerklich-gestalterisch umzusetzen, eine Aufgabe, die Handwerker und Freimaurer gleichermaßen fordert. “Jeder der Beteiligten hat neue Erkenntnisse gewonnen, Gemeinschaftsgefühl hat sich entwickelt”, so Ulrike Ader.

Nachdem die Meisterschüler im Ritualraum der Aschaffenburger Freimaurerloge einen Vortrag zum Thema “Das Brauchtum der Steinmetzen als Symbolsprache der Freimaurer” gehört hatten, in der Kunstwerkstätte Gröters in Obernau die Entwicklung eines Bronzegusses verfolgen konnten und nach einem Impulsvortrag vom Distriktsredner der Freimaurer Daniel Schleusener zum Thema “Stein der Erkenntnis” Anstöße für eigene Ideen bekamen, ging es an die Umsetzung der sehr individuellen Arbeiten.

 

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