Raoul Wallenberg, B‘nai B’rith Berlin, zu Gast bei der Loge Victoria

V. l. n. r.: Dr. András Kain (Präsident der Raoul Wallenberg Loge, B’nai B’rith Berlin), Kenan Yilmaz (Meister vom Stuhl der Freimaurerloge Victoria in Berlin), Lala Süsskind (Schwester der B’nai B’rith Raoul Wallenberg Loge, ehem. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V.)

Über 40 Brüder und Gäste hörten aufmerksam zu, als Dr. András Kain am 26. Februar im Logenhaus der Peter-Lenné-Str. über das humanitäre Engagement der B’nai B’rith - der „Kinder des Bundes“ - im Allgemeinen und der Berliner Raoul Wallenberg Loge berichtete.

Berlin. (ab/cmc) Der Gästeabend mit Gastvortrag des Präsidenten der B’nai B’rith Raoul Wallenberg Loge fand im Rahmen der Themenreihe der Berliner Loge “Victoria” statt, die in diesem Maurerjahr unter der Überschrift „Freimaurerei und Religion“ steht. Der Abend ermöglichte es den Anwesenden, sowohl Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen B’nai B’rith und der Freimaurer-Loge “Victoria” als auch Unterschiedliches und Trennendes kennen zu lernen.

B’nai B’rith wurde im Jahre 1843 in New York von zwölf jüdischen Freimaurern aus Deutschland gegründet und widmet sich der Förderung von Toleranz, Humanität und Wohltätigkeit sowie jüdischer Identität. Obwohl sie von Freimaurern gegründet wurde, ist B’nai B’rith keine freimaurerische Vereinigung, sondern ein “freimaurerähnlicher”, karitativ und gesellschaftspolitisch tätiger Orden. Mit seinem karitativen Schwerpunkt ist B’nai B’rith eher mit den Odd Fellows und als jüdische Organisation zur Förderung jüdischer Identität eher mit dem evangelisch-christlichen Johanniter-Orden oder dem katholisch-christlichen Malteser-Orden vergleichbar. Wie bei den Odd Fellows gibt es auch bei B’nai B’rith Männer- und gemischte Logen. Zu Letzteren gehört die Berliner Raoul Wallenberg Loge.

Die Gründung der ersten deutschen B’nai-B’rith-Loge erfolgte 1882 in Berlin. Dies geschah in einer Zeit, als der Antisemitismus, den der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm – der spätere 99-Tage-Kaiser Friedrich III. – als „Schmach des Jahrhunderts“ bezeichnete, bis in die Freimaurerei reichte und die altpreußischen Freimauererlogen keine Juden aufnahmen.

Aufgrund der beschriebenen Unterschiede zu Freimaurerlogen konnte B’nai B’rith aber jüdischen Freimaurern in Preußen keine freimaurerische Heimat bieten. Dazu bedurfte es der Öffnung der Freimaurerei in Preußen für Nichtchristen, die zehn Jahre später, im Jahre 1892, durch die Gründung der humanitären Freimaurerloge Victoria erfolgte. Durch ihre Geschichte hat die Freimaurerloge Victoria wiederum mit B’nai-B’rith mehr als nur die humanitäre Zielsetzung und die Organisation in einer Loge gemeinsam: Da die Victoria die erste Freimauerloge in Preußen war, die Juden aufnahm und auch bis 1933 zu den wenigen Berliner Logen gehörte, die Nichtchristen offenstanden, waren in ihrer Bruderschaft vor der Shoah die jüdischen Brüder in der Mehrheit. Entsprechend hart traf die Nazi-Barbarei auch die Victoria, die in der Shoah mindestens 45 Brüder verlor.

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