Großlogen unterzeichnen Unvereinbarkeitserklärung

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Aus gegebenem Anlass veröffentlichten die Vereinigten Großlogen von Deutschland — Bruderschaft der Freimaurer — am 27. November 2019 eine Unvereinbarkeitserklärung.

Die Vereinigten Großlogen von Deutschland (VGLvD) und die ihnen angehörenden Großlogen und Logen fußen auf der verfassungsrechtlichen Grundordnung unseres Landes.

Gedankengut, das dieser Ordnung und den demokratischen Grundprinzipien unseres Landes entgegensteht, ist mit den Grundgedanken, Prinzipien und Tugenden der Freimaurerei nicht vereinbar.

Dies ist insbesondere der Fall bei Erklärungen und Handlungsweisen, wie sie seit einiger Zeit seitens gewisser Gruppierungen und ihrer Sympathisanten (u.a. UNITER e.V., Reichsbürger) publiziert und praktiziert werden.

Die VGLvD und ihre Großlogen rufen ihre Logen zu erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber den beschriebenen Tendenzen und erforderlichenfalls zu personellen Konsequenzen auf.

Christoph Bosbach, Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland

Die Unvereinbarkeitserklärung wurde unterzeichnet von allen in den Vereinigten Großlogen zusammengeschlossenen Großlogen, vertreten durch die Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland, der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln, der American Canadian Grand Lodge und der Grand Lodge of British Freemasons Germany.

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Karlsruher Loge veranstaltet Themenabend Demokratie

Links der Gastredner Prof. Kirchberg, rechts der Meister vom Stuhl Michael Dietrich

Die Karlsruher Freimaurerloge "Leopold zur Treue" lud zu einem Themenabend zur Demokratie in Deutschland ein. Es ging um Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde.

Karlsruhe (md). Der renommierte Verfassungsrechtler Herr Prof. Dr. Christian Kirchberg sprach über „Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde“. Anschaulich berichtete er den interessierten geladenen Gästen, darunter auch mehrere Stadträte und ein Richter des BGH, aus der Praxis.

Die Verfassungsbeschwerde ermöglicht insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern, ihre grundrechtlich garantierten Freiheiten gegenüber dem Staat durchzusetzen. Besonders beeindruckend ist die hohe Anzahl der jährlichen Beschwerden (über 6.000), von denen nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz erfolgreich ist. Der dahinterstehende Arbeitsaufwand für das Bundesverfassungsgericht, das Gericht und Verfassungsorgan zugleich ist, ist jedoch enorm. Wird ihm damit doch eine herausragende Stellung als Hüter des Grundgesetzes zuteil zum Schutze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Viele bekannte Juristen finden sich in den historischen Mitgliederlisten der Loge. Daher beschäftig sich die Loge regelmäßig mit dem gesellschaftlichen Vermächtnis dieser Brüder. Auch dem Meister vom Stuhl, Br. Michael Dietrich ist es wichtig, dass die Freimaurerei klar Stellung bezieht für ihre Ideale: Toleranz und Menschenliebe, für Grundrechte und Demokratie sowie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Die Geschichte der Loge “Leopold zur Treue” ist eng mit der Entstehung der badischen Verfassung und den ersten demokratischen Strömungen in Deutschland verbunden. Karl Friedrich Nebenius, der Schöpfer der badischen Verfassung von 1818, deren Entstehung sich vergangenes Jahr das 200. Mal jährte, war Mitglied der Loge. Im Jahr 1813 musste er, wie alle badischen Beamten, auf Drängen von Großherzog Karl aus der Loge austreten. Im selben Jahr erfolgte das generelle Verbot. Einige Jahre später war es vor allem seinem Einsatz zu verdanken, dass die “Leopold zur Treue” unter dem Protektorat von Großherzog Leopold im Jahr 1847 wiedereröffnet werden konnte, die sich ihm zu Ehren umbenannte (von „Carl zur Einigkeit“).

Seine Verfassung war die modernste seiner Zeit. Als erste demokratische Verfassung Deutschlands war sie geprägt von freimaurerischen Idealen. Insbesondere enthalten war ein Katalog von Grundrechten für alle Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht war sie noch etwas zu fortschrittlich im damaligen gesellschaftlichen Zusammenhang. So setzten bereits 1819 die Karlsbader Beschlüsse die in der Verfassung enthaltenen Grundrechte wieder außer Kraft. Bis zur Ausrufung der Republik in Deutschland sollten dann noch 100 Jahre (1918) vergehen. Die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen jährte sich letztes Jahr erst zum 70. Male. Nebenius kann aus heutiger Sicht als Vordenker, Visionär und Wegbereiter angesehen werden. Er setzte die Ideale der Freimaurerei und damit der Aufklärung um und integrierte sie in seinen Entwurf der badischen Verfassung.

Sein Ehrengrab besuchten die Brüder der Loge erst kürzlich.

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Wie viel Politik verträgt die Freimaurerei?

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Wir leben in einer Zeit, in der die Zunahme an Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Gehässigkeit spürbar ist. In einer Zeit der Überflutung von Informationen, ob wahr oder unwahr. In einer Zeit, wo Staatsmänner sich über den größeren Atomknopf öffentlich austauschen. Zeichen, die nichts Gutes verheißen.

Ein Kommentar von Ralph Meixner

Wofür steht die Freimaurerei im Jahr 1 nach 300 Jahren Freimaurer-Geschichte? Wofür stehe ich persönlich als Freimaurer? So oder ähnlich könnte die persönliche Fragestellung in diesen bewegten Zeiten lauten. “Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus”. Diese Ideale unserer Metaphern allein werden leider nichts verändern, solange keine Interaktion stattfindet.

Mir ist bekannt, dass wir auf unserem Lebensweg viel Disharmonie und vielen Dingen begegnen, die zu erklären wir nicht im Stande sind. Und obwohl wir alle die Freimaurerei zu unserer geistigen Anschauung gewählt haben, können wir nicht automatisch erwarten, dass unser Ziel, das Licht in der Finsternis zu finden, immer gelingen wird. Besser gesagt: wir werden nicht immer die Antworten auf die vielen Fragen unserer Zeit haben.

Schon bei unserer Aufnahme, durchlebten wir in den symbolischen Reisen alle Elemente, die seither auf unseren Geist einwirken sollen. Wir sind als Freimaurer berufen, der Finsternis in uns selbst und der Finsternis der Welt ernst und tapfer die Stirn zu bieten. Je ernster wir diese Aufgabe auffassen, umso größer und schöner werden die Erfolge sein. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass große Standhaftigkeit vonnöten ist, um trotz aller Schwierigkeiten und Bitternisse, die uns das Leben beschert, beständig unseren eingeschlagenen Weg weiter beschreiten zu können.

Die Aufklärung hat uns die Freiheit gebracht. Sie hat uns aber nicht gesagt, wie wir damit umgehen sollen. Das müssen wir täglich selbst herausfinden. Freiheit muss immer wieder erworben werden, sie ist nicht selbstverständlich. Es müssen vielmehr Bedingungen geschaffen werden, die Freiheit möglich machen. Das erfordert Engagement und Entschlossenheit, spätestens dann, wenn die Freiheit in Gefahr gerät.

Wir erleben eine Zeit des Umbruchs, eine Zeitenwende: Die gewohnten Strukturen beginnen zu bröckeln und die neuen sind noch nicht wirklich sichtbar. In dieser Zeit des tiefgründigen Wandels stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Freimaurerei leisten kann und welche Bedeutung sie in der Zukunft haben wird, vielleicht sogar die Frage, ob sie überhaupt eine Zukunft hat? Die Zeit des Übergangs ist immer mit einem hohen Maß an Unsicherheit und Spannung verbunden. Sie beinhaltet aber auch die Chance der Neujustierung und der Rückbesinnung auf das Wesentliche. Diese Chance sollten wir nutzen.

Wie können wir in unserer Logenarbeit den Fragen der Welt begegnen, wo doch Politik und Religion nicht Gegenstand unserer Gespräche sind? Ich bin bei euch, diese Gespräche nicht zu führen, wenn es um Diskussionen einzelner Parteiprogramme geht. Kann Freimaurerei aber unpolitisch sein? Haben wir dann nicht schon aufgehört, in die Gesellschaft mit unseren Werten und Idealen zu wirken? Ich denke, wir müssen uns den Herausforderungen der Zeit stellen. Wenn wir das nicht tun, verschließen wir die Augen vor den großen Problemen dieser Welt. Und das wiederum widerspricht unserem gewollten Handeln, unseren Idealen.

Wir spüren, dass etwas in der Luft liegt, das noch nicht greifbar ist, oder wie Ernst Bloch es nannte, das “Noch-Nicht-Bewusste” oder das “Noch-Nicht-Gewordene”. Das ist für eine Zeitenwende typisch, in der die alte Gesellschaft vergeht und eine neue heraufkommt, aber noch nicht wirklich da ist. Das Solide, Bekannte, Vertraute ist in Frage gestellt, ein Anderes drängt dagegen an und liegt, wie Bloch es nannte, “in der Zeiten Schoß”.

Unser Deutschland ist ein Land, das einen wahrlich weiten Weg zurückgelegt hat: Vom entfesselten Nationalismus, der Krieg und Verwüstung über Europa brachte, von einer geteilten Nation im Kalten Krieg hin zu einem demokratischen und starkem Land in der Mitte Europas. Unser Weg muss ein Weg in Frieden und Freiheit mit unseren europäischen Nachbarn bleiben – es darf nie wieder ein Rückweg in den Nationalismus sein!

Wenn wir uns unserer Geschichte unseres Landes erinnern, so bemerken wir in der Gegenwart, das andere Mauern entstanden, weniger sichtbare, ohne Stacheldraht und Todesstreifen, aber Mauern, die unserem gemeinsamen „Wir“ im Wege stehen. Dabei sind Mauern zwischen unseren Lebenswelten entstanden: zwischen Stadt und Land, Online und Offline, Arm und Reich, Alt und Jung – Mauern, hinter denen der eine vom anderen kaum noch etwas wahrnimmt. Und ich meine auch die Mauern aus Entfremdung, Enttäuschung und Wut, die bei manchen so fest geworden sind, dass Argumente der Humanität nicht mehr hindurchdringen.

Hinter diesen Mauern ist tiefes Misstrauen.

Deshalb haben wir Freimaurer die Pflicht, in unseren unterschiedlichen gesellschaftlichen Funktionen diesem Misstrauen mit einer ehrlichen Erinnerungskultur zu begegnen. Ein Land, das in seinem Grundgesetz so hohe Güter wie das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, auf Leben und körperliche Unversehrtheit und die Unverletzlichkeit der persönlichen Freiheit verankert hat, kann Heimat für viele Menschen sein, die aus Elend und Not flüchten müssen.

Argumente statt Empörung brauchen wir, auch gerade bei dem Thema, das unser Land in den letzten zwei Jahren so bewegt hat wir kein anderes: Flucht und Migration. Dieses Thema spaltet unsere Gesellschaft wie kein anderes. Was für die einen kategorischer „humanitärer imperativ“ ist, wird von anderen als angeblicher „Verrat am eigenen Volk“ beschimpft. Menschlichkeit, also das Leid anderer zu sehen und zu erkennen und situationsbedingt Hilfe zu leisten, steht hinter diesem Begriff..

Die Not von Menschen darf uns Freimaurern niemals gleichgültig sein. Wie lautet es in unserem Ritual: „Geht hinaus in die Welt und bewährt Euch als Freimaurer, wehret dem Unrecht, wo es sich zeigt, kehrt niemals der Not und dem Elend den Rücken, seid wachsam auf Euch selbst“. Dies alleine sollte Auftrag genug für jeden von uns sein.

Und wenn da jemand sagt „ ich fühle mich fremd im eigenen Land“, dann können wir nicht antworten: “Tja, die Zeiten haben sich halt geändert“ und wenn einer sagt: „ Ich verstehe mein Land nicht mehr“, dann gibt es etwas zu tun in unserem Land. Dann ist eine gute Erinnerungskultur gefragt. Denn bei allen Diskussionen, bei allen Unterschieden – eines ist nicht wegzudiskutieren in unserer deutschen Demokratie: das Bekenntnis zu unserer Geschichte, einer Geschichte, die für nachwachsende Generationen zwar nicht persönliche Schuld, aber bleibende Verantwortung bedeutet. Die Lehren zweier Weltkriege, die Lehren aus dem Holocaust, die Absage an jedes völkische Denken, an Rassismus und Antisemitismus, all das gehört zu Deutschland.

Wenn dieses bewusste Erinnern gelebt wird, dann werden viele wieder verstehen. Denn verstehen und verstanden werden, das will jeder, und das braucht jeder, um sein Leben selbstbewusst zu führen. Verstehen und verstanden werden – das ist Heimat. Ich bin überzeugt, wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern. Im Gegenteil: je schneller die Welt sich um uns dreht, desto größer wird die Sehnsucht nach Heimat. Dorthin, wo ich mich auskenne, wo ich Orientierung habe und mich auf mein eigenes Urteil verlassen kann. Das ist im schnellen Strom der Veränderungen für viele schwerer geworden, da es keine verbindlichen Aussagen mehr zu geben scheint. Das wiederum gibt Raum für Ängste. Und Angst ist und war nie ein guter Berater. Deshalb glaube ich, dass Heimat in eine gute Zukunft weist, jedoch nicht in die Vergangenheit. Heimat ist ein Ort, den wir als Gesellschaft gemeinsam schaffen. Heimat ist der Ort, an dem das „Wir“ Bedeutung bekommt.

Das „Wir“ muss bleiben – und das wird bleiben! Das wird bleiben, weil es nicht die Besserwisser und Meckerer sind, nicht die ewig Empörten und nicht die, die ihre tägliche Wut auf alles und jeden pflegen. Nicht diese Menschen prägen unser Land. Nein, was mich zuversichtlich macht, sind die Menschen, die den humanitären Imperativ leben und dabei anpacken, die sich für das Gelingen und den Gemeinsinn in unserem Land täglich einsetzen, denn die humanistische Idee, ist die des Strebens nach einer menschlichen und menschenwürdigen Welt, die alleine nur der Mensch schaffen kann.

Leider steht der Mensch sich dabei oft selbst im Wege. Deshalb arbeiten wir Freimaurer am rauen Stein, an uns selbst, versuchen zu verstehen und sich der ethischen Verantwortung, die wir als gestaltende Wesen haben, zu vergewissern. Aus dieser Haltung heraus sollten wir handeln und das, was wir tun, voll verantworten. Ohne Rückbindung an Werte wird der Mensch einer Zweckrationalität preisgegeben, die ihn entmenschlicht. Ohne verantwortungsvolles Handeln verkommt Gesinnung zur Pflege selbstgerechter Innerlichkeit.

Wir können aus unserer Haltung Impulse geben, können Haltung zeigen. In unseren Logen können wir einen Ort des freien Denkens, der kritischen Auseinandersetzung und eine von Respekt, ehrlichem Interesse und gegenseitigem Verständnis getragene Diskurskultur schaffen.

Die Utopie des Humanismus, ist weder an einem anderen Ort noch in ferner Zukunft zu suchen. Sie ist konkret und real als unsere innere Utopie, denn der Ort und die Zeit der Erfüllung liegen in uns selbst. Die bessere Welt liegt im Potential der Menschlichkeit. Es gibt Menschen, die Tag für Tag in Ehrenämtern Humanität leben und spüren lassen und dadurch das „Wir“ im freimaurerischen Sinne prägen, ob mit oder ohne Freimaurer-Schurz.

Treten wir für unsere Werte ein, handeln und wirken wir, wo auch immer wir für Menschen aktiv sind und sein wollen, um auch ein Teil dieses „Wir“ zu sein.

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt.

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