Jahrestreffen der „Masonic Biker Süd“

Aufstellung der Biker nach der letzten Ausfahrt

Vom 30. August bis 1. September 2019 trafen sich bei herrlichem Spätsommerwetter 35 Brüder und Schwestern in Bayreuth zum 2. Treffen der „Masonic Biker Süd“.

Die Teilnehmer kamen aus nah und fern und absolvierten ein perfekt organisiertes Touren- und Kulturprogramm. Sehr beeindruckend war die Teilnahme von elf rumänischen Brüdern, die die bei weitem längste Anreise auf sich genommen hatten. Dies zeugt von tiefer Verbundenheit mit der Idee der „Masonic Biker“ und macht deutlich, dass die Kette für die Biker-Brüder auch weit über die Landesgrenzen hinaus zu funktionieren scheint. Aber auch weit gereiste Brüder und Schwestern aus der Schweiz, Österreich und Deutschland haben das Treffen durch ihre Teilnahme bereichert. Für vorzeitig Angereiste ging es bereits am Freitag mit einem interessanten Vorprogramm los, das zunächst eine kleinere Tour in die Umgebung von Bayreuth vorsah. Mit einer Besichtigung des Freimaurer-Museums in Bayreuth unter fachkundiger Führung des Leiters, Br. Thad Peterson, und der anschließenden Besichtigung des Freimaurer-Tempels fand der erste Tag seinen Abschluss.

Am Samstag begaben sich die Teilnehmer dann auf große masonische Rundreise durch die schöne Fränkische Schweiz, die mit dem „Biker-Zeremoniell nach Kauli“ eingeleitet und auch wieder beendet wurde. Vor dem Mittagessen in einem urigen fränkischen Landgasthof führten die Biker in einer wild-romantischen Höhle ein spezielles Zeremoniell in Anlehnung an das Freimaurerritual durch, das noch einmal die brüderliche und obödienzübergreifende Verbundenheit aller Biker-Brüder bekräftigte. Atmosphärisch war das ein absolutes Highlight des diesjährigen Treffens, das wohl jeden Bruder zutiefst berührt haben mag.

Ein Stopp bei dem weithin bekannten Motorradtreff „Kathi Bräu“ in der Gemeinde Aufseß stand auch auf dem Programm. Ihren Ausklang fand die Tour mit der Besichtigung der Bayreuther Katakomben. Eine deftige fränkische Brotzeit in einem Traditionslokal beendete das Programm am Samstag. Am Sonntag verabschiedeten sich die Teilnehmer in großer Dankbarkeit und wünschten sich eine gute und unfallfreie Heimreise.

Die „Masonic Biker Süd“ sind Ende 2017 auf Initiative einiger Brüder aus Ingolstadt nach dem Ende der Aktivitäten der „Masonic Biker“ in Thüringen entstanden. 15 erfolgreiche Treffen der „Masonic Biker“ in Thüringen und die daraus entstandenen Gruppen in der Schweiz, Österreich und in vielen anderen europäischen Ländern unterstreichen die Erfolgsgeschichte dieser Idee. So sollte diese Tradition hier im Süden Deutschlands fortgeführt werden, wozu eine lokale Gruppe gegründet wurde, die sich schlicht „Masonic Biker Süd“ nennt.

Natürlich sollte das Rad dabei nicht neu erfunden werden und so setzten die Organisatoren auf der schönen Tradition der „Masonic Biker“, die von Br. Dietmar Jürgen vor etlichen Jahren ins Leben gerufen wurde, auf. Es wird dabei bewusst auf jegliche hierarchisch gegliederte Organisationsstruktur verzichtet und alles vermieden, was die „Masonic Biker Süd“ in die Nähe eines rockermäßigen Motorradclubs rücken könnte. Es gibt somit keine Funktionen und Begriffe, die der MC-Szene entlehnt sind. Entschieden wird von einem Kernteam engagierter Brüder. Die Aktivitäten beschränken sich auf den süddeutschen Raum und Ziel ist es, in jedem Jahr ein neues attraktives Reiseziel anzubieten.

Die Schwestern sind selbstverständlich immer mit dabei und verleihen den Treffen durch ihre Teilnahme einen ganz besonderen Charme. Auch der Charity-Aspekt sollte weiter in den Vordergrund rücken und so haben sich die „Masonic Biker Süd“ entschieden, das „Kinderhospiz St. Nikolaus“ im Allgäu, das sich der Begleitung von Familien mit unheilbar und lebensverkürzend erkrankten Kindern während der Krankheits-, Sterbe- und Trauerphase verschrieben hat, nachhaltig zu unterstützen. So konnten dem Hospiz im Jahre 2018 anlässlich eines Charity-Runs erstmalig 1500 Euro übergeben werden. Diese Summe konnte 2019 mit 2000 Euro sogar noch übertroffen werden.

Brüder, die mehr über die „Masonic Biker Süd“ erfahren wollen, wenden sich bitte an Br. Michael Schubert (schubox@gmx.de) oder an Br. Bernhard Dimmelmeier (bdimmelmeier@t-online.de). Das nächste und 3. Meeting der „Masonic Biker Süd“ findet vom 28. bis 30. August 2020 in Füssen/Neuschwanstein statt.

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Fürther Freimaurer spenden an Hospizverein

v.l.n.r. Eberhard Reitter, Schatzmeister Hospizverein, Dr. Roland Hanke, 1. Vorstand Hospizverein, Dr. Markus Algner, Stiftungsverwalter, Frau Kerstin Mederer-Gößwein, 1. Stellvertreterin Hospizverein, Frank Emmerich, Vorsitzender Stiftungskuratorium, Esko Fritz, Schriftführer Hospizverein. Foto: Wolfgang Klar

In einem Festakt im Logenhaus Fürth haben am Freitagabend rund 80 Gäste die Arbeit des Hospizvereins Fürth gewürdigt. Anlass war die Übergabe einer Spende in Höhe von 3.000 Euro an den Hospizverein Fürth durch die neu geschaffene Stiftung FreimaurerLoge Fürth.

Dr. Roland Hanke, Vorsitzender des Hospizvereins, betonte in seiner Dankesrede die Parallelen von Hospizarbeit und Freimaurerei. Beide stellen in einer lebensbejahenden Weise stets den Menschen in den Mittelpunkt des Handelns. Dabei soll die Würde des Menschen gewahrt werden – geleitet von Freiheit, Vernunft, Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Liebe. „Der Mensch hat in der Regel keine Angst vor dem Tod, er fürchtet sich aber vor dem Sterben“, so Hanke. Hospizarbeit setzt genau dort an. Hoffnung wird dabei nie infrage gestellt, denn in ihr liegt mehr Kraft als in jeder Medizin. Hoffnung stirbt nie.

Sowohl der Bürgermeister der Stadt Fürth, Markus Braun, als auch Franz Forman, stellvertretender Landrat Landkreis Fürth, bezeichneten den Hospizverein als würdigen Empfänger der Spende. Menschen in Würde sterben zu lassen ist ein Ausdruck humanitären Handelns und demnach eng verbunden mit dem Wesen und Wirken der Freimaurerei. Stiftungsverwalter Dr. Markus Algner verwies in seiner Ansprache auf den Kreislauf des Lebens. Dem neugeborenen Kind wird sehr viel Aufmerksamkeit und Fürsorge zuteil. Die Freude wird von der Familie nach außen getragen. Sterben hingegen ist immer noch viel zu häufig einsam und tabubehaftet. Umso wichtiger ist die „Letzte Hilfe“ durch Hospizarbeit einzuschätzen.

Mit der Spende an den Hospizverein Fürth ist die neu gegründete Stiftung Freimaurerloge Fürth erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. „Dabei wird mit dieser Stiftung eine lange Stiftertradition der Fürther Freimaurerloge fortgesetzt“, erläutert Frank Emmerich, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums. Es wird wohl kaum eine Bürgerin bzw. einen Bürger Fürths geben, welcher nicht unmittelbar Assoziationen mit dem „Nathanstift“ bzw. der „Volksbildungsstätte Berolzheimeranum“ hegt. Was viele jedoch nicht wissen: Diese und auch zahlreiche weitere Stiftungen des frühen 20. Jahrhunderts gehen auf das Wirken von Freimaurern zurück. All diese Stiftungen gingen aufgrund von Inflationen oder Enteignungen durch das NS-Regime 1933 verloren. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Brüder der Freimaurerloge „Zur Wahrheit und Freundschaft“ weiterhin karitativ betätigt. So etwa im Rahmen der jährlichen Grillenbergerschen Bescherung bedürftiger Kinder oder der seit 1989 existierenden Drs.-Heinz-u.-Eva-v. Plänckner-Stiftung. Letztere verleiht aus ihren Mitteln seit 1993 den „Preis für vorbildliche Mitmenschlichkeit“.

Der Zweck der neu gegründeten Stiftung ist breit gefächert und umfasst die Bereiche Kunst und Kultur, Denkmalschutz und Denkmalpflege, Bildung und Erziehung, Heimatpflege und Heimatkunde, Völkerverständigung und allgemein mildtätige Zwecke. Die Stiftung steht als sog. „nicht rechtsfähige Stiftung“ unter Verwaltung der Loge. Die Stiftung Freimaurerloge ist gemeinnützig anerkannt. Hierdurch ergibt sich steuerlich begünstigt die Möglichkeit, Spenden und Zustiftungen zu leisten. Ein siebenköpfiges Kuratorium überwacht und kontrolliert den Stiftungsträger und bestimmt die zu fördernden Einrichtungen bzw. Organisationen. Das Kuratorium ist ebenso ehrenamtlich tätig wie der von der Loge ernannte Stiftungsverwalter. Mit Blick in die Zukunft wurde die Möglichkeit geschaffen, dass sich weitere Stiftungen unter der neuen Stiftung etablieren. Die Stiftung Freimaurerloge fungiert dabei als Dach und bietet Interessenten die Option, Vermögen oder Immobilien auf die Stiftung unter Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs zu übertragen. Auf diese Weise kann so dauerhaft unter eigenem Namen über das eigene Leben hinweg Gutes für die Gesellschaft geleistet werden“, so Emmerich.

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Lichteinbringung in Traben-Trarbach

Lichteinbringung im Blauen Gewölbe

Das „Blaue Gewölbe“ in Trarbach war als Ort der Lichteinbringung gut gewählt, denn es kamen 77 Brüder aus 30 Logen und 4 Ländern. Das erfreute alle Brüder der neu gegründeten Loge „Zum königlichen Berg“ 1090 in Traben-Trarbach.

Am 02. November 2019 erfolgte die feierliche rituelle Lichteinbringung in Anwesenheit des Großmeisters der A.F.u.A.M. Brd. Stephan Roth-Kleyer. Das Amt des Stuhlmeisters der neuen Loge übernahm Brd. Dayfdd Bullock.

Der Redner ging auf seiner Zeichnung auf die „Rückkehr des Lichtes“ ein. Denn schon von 1915 bis Mitte der 30er Jahre gab es eine „Freimaurerische Vereinigung“ in Traben-Trarbach. Am 11. Januar 2019 fand die Gründungsversammlung der Loge „Zum königlichen Berg“ statt.

Das Bijou zeigt die Ruine Grevenburg, die auf dem Berge steht, unter dem sich der Tempel befindet.
Viele Grußbotschaften wurden ausgerichtet, viele Geschenke überreicht und gute Wünsche überbracht.
Für die Schwestern gab es ein interessantes Programm.

Bei der „Weißen Tafel“ im Anschluss zur Lichteinbringung hatte die Brüder und Schwestern die Gelegenheit, sich kennenzulernen und es wurden viele interessante Gespräche geführt. Den Abschluss des Tages bildete eine Weinprobe. Am Sonntag wurden die noch anwesenden Brüder und Schwestern nach einem langen Brunch verabschiedet.

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Freimaurerische Identität – eine Ressource, ohne die es nicht geht!

Foto: Андрей Яланский / Adobe Stock

Als Kernaufgabe des Freimaurerbundes in der Gegenwartsgesellschaft kann die Suche nach einer unverwechselbaren, kraftvollen freimaurerischen Identität verstanden werden. Hinter dieser Feststellung steht die – teils gefühlte, teils bewusst gemachte – Einsicht, dass Freimaurerei ohne Wissen darum, was sie ist und sein kann, auf Dauer nicht bestehen kann.

Meistens beruft sich die Freimaurerei auf ihre Geschichte, wobei das aus heutiger Sicht Positive der Vergangenheit, insbesondere der um die Begriffe Menschlichkeit, Brüderlichkeit und Toleranz kreisende Wertekanon des Bundes, in aller Regel in den Vordergrund gerückt wird, während negative und diffuse Erscheinungsbilder verschwiegen oder verdrängt werden. Ein ethischer Bund, der sich selbst ernst nimmt und der von der Gesellschaft ernst genommen werden will, darf jedoch nicht so verfahren. Er muss sich Gedanken über sich selbst machen und sich in seiner Selbstreflexion von den hohen Maßstäben leiten lassen, die er für sich selbst beansprucht, kurz: Er muss sich auf die Tragfähigkeit seiner Identität in Konzeption und Wirklichkeit befragen lassen.

Einige Überlegungen zur freimaurerischen Identität sollen im Folgenden zur Diskussion gestellt werden.

I.

Nach Identität als einem selbstbewussten Einssein mit sich selber kann sowohl für den einzel­nen Freimaurer als auch für die verschiedenen freimaurerischen Gruppen (Logen, Großloge, Leitungs­gremien etc.) gefragt werden.

Was die individuelle freimaureri­sche Identi­tät betrifft, so hat ein Freimaurer als Maurer („by his tenure“, wie die Alten Pflichten sagen) unabhängig von seinen indivi­duellen Wertvorstellungen und seinem spezifi­schen Selbstverständnis als Mensch, Mann, Be­rufstätiger, gläubiger oder nichtgläubiger Mensch etc. dann Identität, wenn er überzeugend, fundiert, redlich und erkennbar hinter sei­nen freimaureri­schen Vorstellungen steht und wenn sich seine freimaurerischen Auffassungen auch im Alltag be­währen.

Je größer die Zahl der Brüder mit überzeugender freimaurerischer Identität ist, desto besser lassen sich die Gegenwarts- und Zukunfts­aufgaben des Bundes lösen. Wir alle müssen uns folglich um diese individu­elle maurerische Identität bemühen, auch wenn wir immer wieder scheitern und der „Raue Stein“ ein treffli­ches Symbol für uns bleibt. Über die Werkzeuge zur Identitätsfindung verfügen wir in rei­chen Maß, sei es die tolerante Mitmenschlichkeit in der Loge, sei es der kritisch-selbstkritische Dis­kurs der Brüder, sei es das Ritual, in dem es ja im Grunde um nichts anderes geht als um Be­stim­mung, Einübung und Verinnerlichung von Identität.

Unter freimaurerischer Gruppenidentität sollen Selbstverständnis und Ausdruck, Kon­zeptio­nen und Art und Weisen der Umsetzung von Konzeptionen verstanden werden, wie sie für eine Gruppe von Freimau­rern (Logen, Großloge) in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort kenn­zeichnend sind. Wie bei den ein­zelnen Freimaurern gibt es bei freimaurerischen Gruppen solche mit einer starken, überzeugenden, griffigen und solche mit einer schwachen, verschwommenen Identität.

Die Identität freimaureri­scher Gruppen setzt sich jeweils aus zwei Komponenten zusammen:

  • aus inhaltlichen Elementen wie Konzeptionen und Zielvorstellungen
  • sowie aus der Art und Weise, wie diese inhaltlichen Elemente in der Gruppenpraxis umgesetzt werden, d.h. aus der Qualität des Gruppenprozesses.

Hier sind menschliche Atmosphäre, in­tellektuelle und emotionale Lebendigkeit, Einsatzbereitschaft, Teamfähigkeit, Diskursqualität, Ausstrah­lung (Charisma) etc. wichtige Stichworte.

Beides, Inhalte und Gruppenqualität, muss zusammenkommen. Eine schwache Gruppen­identität (und damit unzureichende Wirkung nach innen und außen) liegt dann vor, wenn sich verschwommene Inhalte mit mäßiger oder keiner Ausstrahlung verbinden; eine starke Grup­penidentität und in­tensive Wirkung nach innen und außen kann dagegen da angenommen werden, wo klare Inhalte und über­zeugende Umsetzung vorhanden sind.

II.

In der freimaureri­schen Diskussion wird im Allgemeinen die Notwendigkeit betont, an der Profilierung der kon­zeptionellen Inhalte der Freimaurerei (Ziele, Wertvorstellungen) zu arbeiten. Auch aus meiner Sicht ist es wichtig, ein konzeptionell klares Bild des Bundes zu entwickeln. Auf der ande­ren Seite wäre es gefährlich, bei der Formulierung pro­grammatischer Plattformen zu weit zu gehen und der Gefahr einer Ideologisierung zu erliegen. Dies würde intellektuell aufgeschlos­sene Männer nur abstoßen. Diese kommen ja gerade deshalb zur Freimaurerei, weil wir bei aller Wertge­bundenheit geistig offen sind. Wer als geistig offener Mann Kontakt zur Freimau­rerei sucht, ist wohl eher an toleranten Such- und Orientierungsprozessen als an verbindlich vorgegebenen Positionen interessiert. Daher ist es so wichtig, jedem Fundamentalis­mus abzusagen, die Gruppenquali­tät der Freimau­rerei zu verbessern sowie dafür zu sorgen, dass inhaltliche Abklärungen auf jedes dog­matische Aus­formulieren verzichten und sich mit einem hohen menschlichen Niveau sowie mit intellek­tueller Redlichkeit verbinden.

Zur inhaltlichen Bestimmung freimaurerischer Identität wurden von mir einige Eckpunkte herausgearbeitet, die mittlerweile ihren Weg durch die deutsche Bruder­schaft gemacht haben und gern (mit oder ohne Nennung ihrer Herkunft) verwendet werden. Auch die Großloge der Alten, Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (GL A.F.u.A.M.) macht inzwischen auf ihrer Webseite von ihnen Gebrauch.

Mir ging es dabei darum, Anhaltspunkte dafür bestimmen, was Freimaurerei ist, und was sie nicht ist, bzw. nicht sein will, und ich habe formuliert:

  • Freimaurerei ist Freundschaftsbund, ethisch orientierte Gemeinschaft, symbolisch-initiatischer Werkbund und Schule der Lebenskunst.
  • Freimaurerei ist nicht politische Gruppierung, Interessenverband, Kirche, Religion oder Religionsersatz, Geheimbund oder Verschwörung.

III.

Obwohl mir diese Definitionen nach wie vor sehr geeignet scheinen, um nach Innen und Außen ein klares Bild der Freimaurerei zu entwickeln, möchte ich sie jetzt nicht im Einzelnen wiederholen, sondern einen anderen Ansatz wählen, der sich an das zuvor zur „Identität“ ausgeführte anschließt. Dabei interessiert mich vor allem, was aus der Sicht eines an Freimaurerei interessierten Mannes das Besondere an der Freimaurerei, das „Alleinstellungsmerkmal“ ist, das ihn veranlassen könnte, vom Interessenten zum Suchenden und schließlich zum Bruder zu werden.

Ich bin davon überzeugt, dass drei Elemente unverzichtbar sind, aber – wo vorhanden – auch mit Gewissheit zum Erfolg führen:

  • Die überzeugende Persönlichkeit von Freimaurern, die der Suchende gern zu Freunden haben möchte;
  • die Qualität einer Logengruppe, zu der – weil sie Heimat bietet – der Suchende gern gehören würde;
  • die Originalität des „Konzepts Freimaurerei“, die den Suchenden sagen lässt: „Das überzeugt mich, denn es vermittelt meinem Leben Sinn“.

Auch hier ist wieder wichtig, auf die Säulen „Freundschaft“ und „ethische Diskurse“ zu verweisen, nicht zuletzt aber ist erforderlich, sich mit dem Ritual zu beschäftigen, seine Funktionen zu verstehen und sich Möglichkeiten anzueignen, über das Ritual auch mit (noch) Außenstehenden zu sprechen und dennoch das Arkanum zu bewahren.
Im Zentrum der Freimaurerei steht das Ritual, gewiss. Doch Wirkung geht nur dann von ihm aus, wenn zunächst erst einmal sehr gründlich das Heraustreten aus dem Alltag, die Fähigkeit zur Reflexion und die Bereitschaft zur Kontemplation geübt und eingeübt werden.

Das „Öffnen der Loge“ bedeutet, einen abgegrenzten, symbolischen Raum zu schaffen und eine besondere, symbolische Zeit einzuleiten, doch vor allem geht es darum, das Bewusstsein der Brüder zu öffnen für das, was im Tempel geschieht:

  • die Vermittlung von Ordnungsvorstellungen („in Ordnung“, meine Brüder!)
  • die Teilhabe an der Initiation der Mitbrüder sowie
  • den Anstoß zu eigener Entwicklung und Veränderung.

Vermittlung von Ordnungsvorstellungen

Das Ritual soll eine dreifache Einordnung des Freimaurers bewirken und veranschaulichen:

  • in die Moralische Ordnung: Setze Werte um, erkenne Dich selbst, mach Dir und anderen nichts vor. Formel: „Schaue in Dich!“ Spezielles Symbol: das Winkelmaß;
  • in die Soziale Ordnung: Mensch und Gesellschaft, Ich und Du gehören zusammen, der „Tempelbau der Humanität“ gelingt nur Menschen, die durch Menschenliebe miteinander verbunden sind. Formel: „Schaue um Dich!“ Spezielles Symbol: Zirkel;
  • in die Kosmologische Ordnung: Die Loge ist Abbild und Metapher des Universums, die „Arbeit“ des Freimaurers dient einem höheren Sinn. Formel: „Schaue über Dich!“ Spezielle Symbole für den transzendenten Bezug des Menschen: Buch des (heiligen) Gesetzes und „Großer Baumeister aller Welten“.

Anstoß zu Entwicklung und Veränderung

Die Rituale der Freimaurer dienen der Einübung in eine wertbezogene Lebenspraxis. Sie sollen durch die symbolische Arbeit am „Rauen Stein“ eine Veränderung des mitgebrachten Habitus bewirken.

Dabei symbolisiert die Initiation die für Selbsterkenntnis, Mitmenschlichkeit und ethisches Handeln erforderliche Veränderung des Menschen.

Insoweit die Rituale der Freimaurer der „Einübung in ein das Einzeldasein transzendierendes Sinngefüge“ (Th. Luckmann) dienen, haben sie als Bestandteil der Sozialisierung und „Personwerdung“ des Menschen einen religiösen Charakter, auch wenn Freimaurerei weder Religion noch Kirche ist.

Immer kommt es darauf an, Freimaurerei („Königliche Kunst“) als „Gesamtkunstwerk“ zu verstehen, zu verinnerlichen und nach außen darzustellen. Gemeinschaft, Ethik und Ritual gehören untrennbar zusammen:

Freimaurerei ist eine Lebenskunst, die menschliches Miteinander und ethische Lebensorientierung durch Symbole und rituelle Handlungen in der Gemeinschaft der Loge darstellbar, erlebbar und erlernbar macht.

IV.

Doch so wichtig wohl überlegte Antworten auf konzeptionelle Fragen auch sind: Es muss immer wieder betont werden, dass für eine weitere gedeihliche Entwicklung der Freimaurerei das stete Bemühen um eine hohe Quali­tät der freimaurerischen Gruppen mindestens so wich­tig ist wie die Klarheit der Inhalte. Stets müssen wir davon aus­gehen, dass die geistigen Inhalte der Freimaurerei und das rituelle Brauchtum in Überzeu­gung und Wirkung ganz ent­scheidend davon abhängen, wie sie von den Freimaurern in den Logen praktiziert werden. Wir müssen weiter feststellen, dass zumindest ein Teil dessen, was Freimaurerei ausmacht (Ge­selligkeit, ethische Überzeugungen) auch in anderen Gruppen zu finden ist, das heißt, man sucht es bei uns nur dann, wenn wir in der Praxis der freimaureri­schen Gruppen besonders überzeugend sind. Wir sollten darüber hinaus aner­ken­nen, dass selbst das, was spezifisch freimaurerisch ist (vor allem das Ritual), nur über­zeugt, wenn es von Freiheit im Zugang und hoher menschlicher Qualität begleitet ist. Schließlich muss beachtet werden, dass die Frei­maurerei heutzutage in einer schwieri­gen Konkurrenz zu einer Fülle von (hochwertigen und weniger hochwertigen, aber dennoch attraktiven) Frei­zeitange­boten steht, in der wir wie­derum nur durch Qualität und Originalität bestehen können.

All das bedeutet, dass wir als Logen und Großlogen keineswegs durch „Freimaurerei an sich“ ausstrahlungskräftig sind, sondern nur durch eine glaubwürdige Umsetzung von Frei­mau­rerei, wozu nicht zu­letzt eine überzeugende freimaurerische Individual- und Gruppen­identität gehört. Deshalb müssen wir auf vielen Ebenen arbeiten: an der Qualität unserer Kon­zepte, an der Qualität der freimaureri­schen Gruppen und immer wieder an unserer ganz per­sönlichen freimaurerischen Integrität und Überzeugungskraft.

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70 Jahre Loge „Ver Sacrum“ – Bilanz und Auftrag

Foto: Doris Oberfrank-List / Adobe Stock

Die Loge „Ver Sacrum“ – vor siebzig Jahren als Deputationsloge der Loge „Zum Ewigen Dom“ entstanden – wollte von Anfang an junge und jung gebliebene Menschen als Brüder und Freunde in einer zukunftsorientierten Freimaurerei miteinander verbinden.

Köln. Vertreter einer einerseits durch Krieg, Niederlage und Naziherrschaft desillusionierten, andererseits dennoch hoffnungsfrohen Generation fanden sich in ihr zusammen.

Die Idee des Aufbruchs fand ihren Ausdruck auch im gewählten lateinischen Logennamen, der auf eine altrömische Legende zurückgeht: Eine Stadt wird von tödlichem Un­heil bedroht. Um verschont zu werden, versprechen die Einwohner, den Göttern die nächste Generation junger Menschen zu opfern. Die Götter verzichten auf dieses Opfer, verpflichten aber die Jugend der Stadt zum Aufbruch aus den alten Mauern und zur Errichtung einer neuen Siedlung.

Wie viele Gestaltungsvorschläge für die neue Loge geht auch der Name „Ver Sacrum“ auf den großen Anreger der Bauhütte, Br. Rudolf Jar­don zurück, der sich bei der Namenswahl vermutlich auch an der gleichnamigen Zeitschrift der Wiener Sezession orientierte, einer Vereinigung von Künstlern, die – wie die junge Loge – eigene und zugleich neue Wege gehen wollte. Auch die Gestaltung des Logenbijous durch Br. Jakob Bachem weist mit ihrem eleganten Jugendstildesign auf den Wiener Anstoß hin.

Die Loge „Ver Sacrum“ hat versucht, den mit ihrem Namen formulierten Auftrag zu erfüllen. Ihre überzeugende humanistische Konzeption und der stete Wechsel in der Logenführung, den das Hausgesetz vorsieht, vermittelte der Loge immer wieder neue Impulse für die Gestaltung ihrer Arbeit.  

Die innere Arbeit der Loge wurde und wird durch eine kreative Pflege des freimaureri­schen Rituals geprägt. Das von Br. Rudolf Jardon bereits vor Gründung der damaligen „Vereinigten Großloge von Deutschland“ auf der Grundlage bestehender Ritu­ale (vornehmlich des Rituals der Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth) erarbeitete Ritual des Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrades vermittelt auf überzeugende Weise, was ein freimau­rerischen Ritual zu leisten vermag:

  • Ruhe und Nachdenklichkeit zu fördern,
  • ethische Erziehung durch Symbole und rituelle Handlungen zu bewirken,
  • Entwicklung und Veränderung durch gemeinsamen Mitvollzug der Initia¬tion neuer Brüder und anderer „Übergangsriten“ (Beförderungen in den Gesellen- und Erhebungen in den Meistergrad) erfahrbar zu machen,
  • Impulse zur Auseinandersetzung mit menschlichen Grenzerfahrungen wie insbesondere dem Tod zu vermitteln.

Zu den Grundlagen der Loge „Ver Sacrum“ gehört auch die im Hausgesetz festgelegte Be­schränkung der Mitgliedschaft auf die alten symbolischen Grade Lehrling, Geselle und Meis­ter. Diese Entscheidung, auf der „Freimaurerischen Ordnung“ der Großloge beruhend und im Gestaltungsrecht der Loge als dem zentralen Ort der freimaurerischen Initiation begründet, behindert in keiner Weise den brüderlichen Einklang mit Brüdern und Logen, die mehrgliedrige freimaurerische Systeme bearbeiten. Die Konzentration auf die freimaureri­schen Grundgrade ist im Verständnis der „Ver Sacrum“-Brüder positiv, nicht negativ oder ab­grenzend bestimmt:

Sie ist Ausdruck der Überzeugung,

  • dass die im Lehrlings-, Gesellen- und Meistergrad thematisierten und symbolisch-drama¬tisch ausgestalteten Grundbefindlichkeiten des Menschen vom Leben bis zum Tode den symbolischen Reichtum des Bundes bestimmen,
  • dass das auf menschliche Grenzerfahrungen ausgerichtete archaische Ritualgut der drei freimaurerischen Basisgrade unverändert aktuell ist und nicht in Konflikt zu sich wandelnden Geschichtsbildern und Glaubensvorstellun¬gen geraten können,
  • dass es das „System der drei Grade“ erlaubt, ein kreatives, symbolisch und emotional verzweigtes Ritualerleben in konzentrierte, beständig wiederkehrende Formen zu fassen,
  • dass die für alle Brüder gleiche Initiationsgrundlage vom Lehrling über den Gesellen zum Meister die Homogenität der Logengruppe bewahrt und vor Konflikten schützt,
  • dass das auf den drei Basis-Graden beruhende Logensystem jederzeit als Modell für eine Ordnung gelten kann, die gemäß demokratischer und pluralistischer Maßstäbe „in der profanen Welt“, d.h. im Leben der Gesellschaft, reproduziert werden könnte.

Die praktizierte Ernsthaftigkeit des Ritualvollzugs schloss auch Gespräche im Tempel ein. Br. Rudolf Jardon führte eine Form der Tempelarbeit ein, die er damals „Collegium Masonicum“ nannte und bei der nach der Öffnung der Loge die rituelle Logenordnung aufgehoben wurde, um in fester gedanklicher Ordnung und besonnener Sprache Themen zu erörtern, die meist den rituellen Kontexten der Freimaurerei entnommen waren. Diese Praxis, jetzt „Freimaurerische Werkstatt“ genannt, wird bis heute weitergeführt.

Die rituelle Öffnung der Loge korrespondierte mit der Öffnung der von den Brüdern – oft in Anwesenheit von Gästen und Suchenden – vorgenommenen thematischen Öffnung der Gesprä­che für Fragen zum Zeitgeschehen und seinen materiellen, ideellen und gesellschaftlichen Grundlagen. So gab es bereits in den sechziger Jahren eine Vortragsreihe „Humanität und Unmenschlichkeit in Deutschland“, im Rahmen derer Fragen wie „Gastarbeiter oder Fremdarbeiter? – Zur Integration von Ausländern in Deutschland“, „Umweltschutz als politische Aufgabe“ und „Notstand im deutschen Gesundheitswesen“ behandelt wurden. Landtagspräsident Wilhelm Lenz, Bundesinnenminister Gerhard Baum, Staatssekretärin Katharina Focke, Bundesjustizminister Wolfgang Stammberger sowie der hessische Justizminister Johannes Strelitz (die beiden letzteren Freimaurer) sprachen über Grundfragen von Politik und freier Gesellschaft.

In einer Vortragsreihe „Freimaurerei von außen gesehen“ sollte – so hieß es in der Ankündigung – „von der üblichen freimaurerischen Selbstbestätigung abgegangen und kritischen Beobachtern außerhalb unseres Bundes (Vertretern von Wissenschaft, Presse, kulturellem Leben, Kirchen usw.) das Wort gegeben werden.“

Wie in Köln als historisch katholisch geprägter, allerdings auch bürgerlich-liberaler Stadt kaum anders vorstellbar, wurde in Vorträgen und Diskussionen wiederholt das Verhältnis zwischen Katholischer Kirche und Freimaurerei aufgegriffen. Prominente katholische Referenten, die wir bald unsere Freunde nennen durften, waren die Professoren Herbert Vorgrimler und Karl Hoheisel sowie Pater Alois Kehl, unser Wegbegleiter und Freund durch viele Jahrzehnte hindurch.

Mit der Öffnung zur Zeit verband sich stets auch die Öffnung zur Kultur: Künstler musizier­ten im Tempel, im Bankettsaal fanden Konzerte junger Sänger und Instrumentalisten statt, Brüder und Schwestern besuchten gemeinsam Opern und Schauspiele.

Viele gute brüderliche Erfahrungen hat die Loge „Ver Sacrum“ mit ihren zahlreichen Kon­takten zu anderen Logen im In- und Ausland gemacht. Gewiss, nicht alle davon hatten Bestand, einige sind inzwischen abgerissen, andere, die unterbrochen waren, wurden wiederangeknüpft.

Was jeden Bruder unserer Loge als Form gelungener Freimaurerei erfreut, ist die seit vielen Jahren praktizierte Zusammenarbeit mit der Kölner Frauenloge „Sci Viam“. Hier hat sich eine völlig entspannte Gemeinsamkeit entwickelt, die Modellcharakter für ein inspirierendes Miteinander „männlicher“ und „weiblicher“ Freimaurerei in Deutschland hat, weil sie Offenheit füreinander und Lernen voneinander mit dem gleichzeitigen Einhalten vernünftiger Grenzen verbindet.

Dass Arbeit und Bruderkreis der Loge „Ver Sacrum“ innerhalb der deutschen Freimaurerei beachtliche Resonanz fanden, zeigt die Berufung vieler „Ver Sacrum“-Brüder in Distriktslogen- und Großlogenämter sowie in Leitungsfunktionen bei der Forschungsloge „Quatuor Coronati“.

Auch den karitativen Verpflichtungen der Freimaurerei hat sich die Loge „Ver Sacrum“ gestellt, und zwar mit der aus brüderlicher und schwesterlicher Spendenbereitschaft hervorge­gangenen „Habicht-Schultheis-Stiftung“. Die gemeinnützige Stiftung hat sowohl Brüdern in materieller Bedrängnis geholfen als auch mannigfaltige Unterstützung gewährt, wenn es galt, außerhalb der Loge Not zu lindern, Jugendlichen in ihrer Entwicklung beizustehen, Obdachlosen zu helfen und Projekte in der Dritten Welt, zuletzt vor allem in Afrika, zu fördern.

Die Bruderschaft der Loge „Ver Sacrum“ – so lautet die Bilanz, die wir heute ziehen dürfen – hat auf vielfältige Weise versucht, der unverzichtbaren Einheit der drei Säulen des frei­maurerischen Tempels – Weisheit, Stärke und Schönheit – gerecht zu werden:

  • Weisheit als wertbezogener Vernunft, intellektueller Klarheit und Redlichkeit der geistigen Vermittlung;
  • Stärke als Tatkraft, als das konstruktive Vermögen, Ideen auch umzusetzen und
  • Schönheit als Gestaltungsprinzip, das ausgehend vom Ästhetischen, von der apollini-sche Dimension, hinüber reicht in Lebenskunst und Lebenskultur, worin sich ja Freimaurerei – wenn sie gelingt – als „Königliche Kunst“ vollendet.

Dass die Loge „Ver Sacrum“ mit Stolz, Freude und Bereitschaft zu weiterem Aufbruch auf die ersten siebzig Jahre ihres Bestehens zurückblickt, bedeutet nun freilich nicht, dass die Bruderschaft in jeder Phase ihres Bestehens den von ihren Gründern definierten anspruchsvollen Maßstäben vollständig hätte genügen können. Nicht alle Blütenträume konnten reifen. Von den Problemen, die für die Entwicklung vieler Gruppen in modernen (oder „postmodernen“) Gesellschaften kennzeichnend sind – abnehmende Bindungsbereitschaft der Menschen insbesondere -, blieb auch die Loge „Ver Sacrum“ nicht verschont. Auch wäre es unrealistisch anzunehmen, dass nicht auch Gruppen und ihre Leiter ihre „Durchhänger“ hätten. So gilt das Symbol des „rauhen Steins“ nicht nur für den einzelnen Maurer, sondern auch für freimaurerische Gemeinschaften, und die delphische Aufforderung „erkenne dich selbst“ ist gleichermaßen ein individueller wie ein gruppenspezifischer Appell. Doch das Ausmaß an gelungener Freimaurerei seit Gründung der Loge und die Wirkungskraft des in der Vergangenheit erarbeiteten Logenprofils erwiesen sich stets als gutes Fundament für zukünftiges Wirken, vor allem, weil sie für jene Identität bürgen, aus der heraus die Loge sich entwickelt hat und weiter entwickeln kann. Dass wir unserem Bund heute einen weiteren „freien Mann von gutem Ruf“ als Bruder zuführen konnten, ist ein überzeugender Ausdruck dafür!

Freimaurerei als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen, Freimaurerei als System ethischer Werte und Überzeugungen, Freimaurerei als Symbolbund: Dies zusammen macht Reichtum und Wesen der freimaurerischen Überlieferung aus und umschreibt auch das Funda­ment der Loge „Ver Sacrum“.

Die Brüder wissen, dass es dabei nicht um eine flächendeckende Programmatik geht oder gar um politischen Aktionismus. Die Radikalität des Freimaurers, so es denn eine gibt, ist eine stille Radikalität der Redlichkeit in die Tiefe der eigenen Seele.

Die Brüder wissen auch, dass Freimaurerei von ihren Inhalten lebt und nicht von Gruppeninteressen und obsolet gewordenen Verhaltensregeln, nicht von den Strukturen einer überholten, dysfunktionalen „Zweiten Freimaurerei“, die die eigentliche Freimaurerei des humanitären Denkens und Handelns, auf die allein es ankommt, überlagert und in den Hintergrund drängt.

Nein, meine Brüder, eine solche Freimaurerei wollen die Brüder der Loge „Ver Sacrum“ nicht!  

Doch eine Freimaurerei im eigentlichen Sinne, eine Freimaurerei der humanistischen Werte und Überzeugungen, eine Freimaurerei des freien Gedankens und des offenen Wortes, schließlich eine Freimaurerei der humanitären Praxis – für eine solche Freimaurerei wollen wir uns einsetzen und dabei helfen, sie lebendig zu halten und hineinwirken zu lassen in die Gegenwart – engagiert und ehrlich, ohne Kleinmut, aber auch ohne Überheblichkeit.

Hierin sehen wir unseren Auftrag, den Auftrag einer Loge, die sich die Geschichte eines Frühlings zum Gründungsmythos gewählt hat, zum Mythos, den die Legende als „heiligen Frühling“, als „Ver Sacrum“ überliefert hat. Und wenn „Frühling“ dabei den ständigen Ansporn zum Aufbruch meint, den Schwung auch, den man bei der Arbeit braucht, um durchzuhalten, sowie eine gehörige Portion rheinischer Heiterkeit, die immer hilft, um falschem Tiefsinn zu entgehen, dann mag das „heilig“ für die Ernsthaftigkeit und die verantwortungsbewusste Rückgebundenheit dieses Auftrags stehen.

Wir wollen unseren Beitrag zum Ringen um eine bessere Welt leisten, denn unsere Überzeugungen und Symbole fordern uns dazu auf. Dazu kommen muss freilich stets jener „unentmutigte Starrsinn“, der – so der Schriftsteller Siegfried Lenz anlässlich der Verleihung des Literaturpreises deutscher Freimaurer an ihn – „auch angesichts großer Wirkungslosigkeit nicht auf­hört, seine Fragen an die Welt zu stellen. Die alten Symbole Winkelmaß, Wasserwaage und Senkblei“ – so schloss Siegfried Lenz damals seine Dankesrede, und so schließe ich heute auch – „zeugen von der Beharrlichkeit ei­ner Hoffnung, die sich durch nichts widerlegt sehen will: Vor der etablierten Ungerechtigkeit nach Gerechtigkeit zu verlangen, in Zeiten der Ungleichheit Gleichheit zu fordern, angesichts tätiger Feindseligkeit geduldig zur Brüderlichkeit zu überreden.“

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Premiere des Mobilen Forums der Gesellen in Osnabrück

Logenhaus in Osnabrück

Einmal mehr war in diesem Herbst das Osnabrücker Lortzinghaus Ausrichtungsort eines mobilen Forums. Nachdem das Logenhaus schon 2018 Schauplatz für das erste Mobile Forum der Meister war, durften in diesem Jahr nun die Brüder Gesellen auf ihre Kosten kommen.

Von Gerwin Spalink und Thorsten Westhoff

Osnabrück. Unter der Leitung des Distriktmeisters Dr. Alexander Trettin und dem Distriktbeamten Matthias Schönfeld lud der Distrikt Niedersachsen / Sachsen Anhalt am 28. September dieses Jahres in die Bauhütte der Loge „Zum Goldenen Rade“ zum ersten mobilen Forum der Gesellen ein.

Dabei stand das Gesellenritual mit all seinen Facetten im Vordergrund. Um neben dem rituellen Teil auch eine rege und intensive Diskussionsbasis zu schaffen, war die Teilnehmerzahl begrenzt. Die teilnehmenden 21 Brüder, die nicht nur aus Osnabrück kamen, sondern auch aus den Bauhütten „Zur Morgenröthe in der Geest“ aus Wildeshausen und „Albrecht Wolfgang“ aus Stadthagen anreisten, bildeten somit eine hervorragende Gruppengröße, um mit den Distriktbeamten intensiv arbeiten zu können.

Der Samstag begann mit einem Auftaktreferat von Matthias Schönfeld, Distriktverantwortlicher für die Mobilen Foren mit dem Thema: „Symbolik des Gesellengrades“. Nach einer kurzen Kaffeepause konnte anschließend der rituelle Teil, die Instruktionsloge, beginnen. Die Erläuterungen zum Gesellenritual boten auch den erfahreneren Ritualbeamten viele neue Eindrücke. „Instruktionslogen bieten in jedem Ritual eine hervorragende Möglichkeit, sich mit Worten und Symbolen noch intensiver zu beschäftigen“, so Dr. Alexander Trettin. „Gerade für unsere jungen Brüder, die sich auf ihre Reisen begeben, haben wir so ein gutes Rüstzeug mitgegeben“, war sich auch der Meister vom Stuhl der Loge „Zum Goldenen Rade“, Reinhold Menninghaus, sicher.

Nach einer würdigen und gelungenen Arbeit stieg Distriktmeister Dr. Alexander Trettin im Anschluss seines Vortrags „Ethik im Gesellengrad“ in einen sehr lebhaften und intensiven Diskurs mit den Teilnehmern ein. Die Bedeutung eben dieser „Ethik“ wurde durch die intensiven Beiträge der Teilnehmer hervorgehoben und Dr. Alexander Trettin war begeistert über die rege Diskussion und die unterschiedlichsten persönlichen Empfindungen der Brüder. Ein tiefergehendes Verständnis für die Maurerei — und vor allem den zweiten Grad — war somit gewiss.

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Freigärtners Garten

© Daria / Adobe Stock

Von einer besonderen Gärtnerei, einer Schlange und einem versteinerten Gesicht – eine symbolträchtige Exkursion

Eine Zeichnung von Peter Stumpe von der Loge „Prometheus“ in Bonn, September 2019

Der kleine Garten muss der eines Freigärtners sein, kein Garten geschwollen zu einem Reich. Die eigenen Hände zu benutzen, nicht die Hände von anderen zu befehlen.

Tolkin-Roman „Der Herr der Ringe“

Eines „Freigärtners“ Garten? Was ist ein Freigärtner? Freigärtnerei gab es neben der frühen Freimaurerei bereits im 17. Jahrhundert in Schottland. Freigärtner arbeiten dort bis heute. Verwandtschaft sozusagen. Vereinfacht ausgedrückt arbeiten wir Freimaurer bekanntermaßen am Tempel der Humanität, also an einem Bauwerk, die Freigärtner also an einem symbolischen Paradies. Wir Freimaurer schöpfen unsere Symbolik aus der Architektur und dem Bauhandwerk, die anderen aus der Tradition der Gartenkultur.

Warum erzähle ich das? Zunächst einmal finde ich den Gedanken außerordentlich reizvoll, einen angelegten Garten als Allegorie und Symbol zu betrachten, wie es Voltaire und Rousseau im 18. Jahrhundert getan haben und die in einem solch angelegten Garten ein neues ethisches und gesellschaftliches Ideal sahen. Wobei ich das Paradies als einen ausgesprochen irdischen Garten Eden sehe, dessen wohlgeordnete und wunderschöne Pflanzen durch florale Harmonie
u. a.Menschenliebe und Frohsinn hervorrufen und nicht etwa ein Himmelreich, wie ein immer auch fantasievoll ausgemaltes religiöses Paradies gemeint sein könnte. Der religiöse „Baum des Lebens“, wie der „Baum der Erkenntnis“ sind für mich denn auch lediglich irdisch identifizierbare Symbole. Das ist mir ganz wichtig. Kein Wunder, dass der bedeutende Gartentheoretiker Friedrich Casimir Ende des 18. Jahrhunderts Freimaurer war.

Es geht mir, indem ich die Freigärtner vorstelle, in der Hauptsache um unser freimaurerisches Verhältnis zu Natur und Umwelt, welches ich in unserem Wertekanon zwar erwähnt sehe, aber für unzureichend betrachtet empfinde. Der Betrachtung notwendig in der gesamten Weltbruderkette, im jetzigen 250. Geburtsjahr von Alexander von Humboldt ganz besonders.

So rufe ich denn in diesem Zusammenhang eine Symbolfigur unseres Bundes aus der Tierwelt auf, die nicht sehr häufig betrachtet wird: den Ouroboros. Vor einigen Jahren habe ich in der Weimarer Stadtkirche das Grab unseres Bruders
Johann Gottfried Herder (1744 — 1803) aufgesucht. Die Grabplatte trägt ein Alpha und ein Omega, umgeben von den mir in der Freimaurerei besonders am Herzen liegenden Symbolworten „Licht, Liebe, Leben“. Wobei mir, wenn ich das hier einflechten darf, das Licht gleichbedeutend ist für die Erhellung durch Aufklärung und nicht etwa ein göttliches Licht, selbst wenn als seine Herkunft das Johannesevangelium zu identifizieren ist. Zurück zur Grabplatte in Weimar: die genannten Worte „Licht, Liebe, Leben“ werden eingefasst von der Darstellung einer sich selbst verzehrenden Schlange. Warum nun wurde diese Darstellung für die Grabplatte unseres Bruders Herder genommen? Das „Licht, Liebe, Leben“ war sein Lebenswahlspruch, den ich neben dem „Sapere aude“ von Kant resp. Horaz nur zu gerne auch für mich persönlich übernommen habe.

Der Ouroboros, übersetzt aus dem Altgriechischen mit „Schwanzfresser“ ist ein bereits in der Ikonografie Ägyptens belegtes Symbol. Eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet. Für uns Freimaurer gilt diese Schlange als ein Symbol der Unendlichkeit, “die ewige Wiederkehr und die Vereinigung von Gegensätzen”. Wir sollten, so meine ich, diesem kreatürlichen Symbol mehr Bedeutung beimessen als bisher. Bedeutet es nicht mehr und nicht weniger, dass der Abschluss eines Weges oder eines Prozesses immer auch einen Neubeginn darstellt. Es ist eine starke Metapher etwa für den Kreislauf der Zeiten, der Weltuntergänge und Neuschöpfungen, des Sterbens und der Geburt. Und zwar in einem ausschließlich natur-ethischen und nicht in einem religiösen Sinne. So hege ich denn auch keinerlei religiöse Heilserwartung, um dieses zu verdeutlichen. Der Ouroboros ist eine eingängige, kreatürliche Ergänzung der auf unserem Arbeitsteppich gezeigten Lemniskate. Ich denke, dies ist auch bei der Grablegung unseres Bruders Herder am 18. Dezember 1803 maßgeblich gewesen. Unser Bruder Herder war im übrigen ein Bewunderer von Immanuel Kant, er hat bei Kant in Königsberg von 1762 bis 1764 studiert.

Was hat es sich nun mit dem im Thema meiner Zeichnung genannten “versteinerten Gesicht” auf sich?

An unzähligen Kapitellen, insbesondere sakraler Bauten des europäischen Mittelalters, finden sich, oft auch als Verzierung von Gewölbeschlusssteinen, sogenannte “green man”, “Grüne Männer” beziehungsweise “Blattmasken“; Archetypen der Erdverbundenheit wie sie in der einschlägigen Literatur genannt werden. Ein bedeutendes Beispiel in Deutschland ist die entsprechend gestaltete Stütze des Bamberger Reiters aus dem Ende des 13. Jahrhunderts. Im Bonner Rheinischen Landesmuseum befindet sich die sog. “Pfalzfelder Säule”, ein keltisches Stelenfragment, auf der ein Kopf mit Mistelblättern dargestellt ist. Die sogenannte “Marktfontaine” auf dem Bonner Marktplatz zeigt einen entsprechend gestalteten goldenen Wasserspeier von 1777. Soweit einige Beispiele.

In den meisten Abbildungen lässt der Grüne Mann die Attribute der Natur aus seinem Mund hervorquellen oder das Gesicht wird aus Blättern gebildet oder Pflanzliches wächst aus Auge, Nase, Ohr und Haut. Was wollen uns die mittelalterlichen Steinmetze mit diesen mysteriösen Arbeiten sagen? Und was können diese Arbeiten uns Angenommenen Maurern bedeuten, die wir ja die Werkzeuge dieser Steinmetze für unsere symbolische Arbeit nutzen? Ich denke, auch hier liegt ein weiteres Feld, das wir von den Steinmetzen des Mittelalters übernehmen sollten. Das Feld – wie schon angesprochen – unserer Beziehung zu Natur und Umwelt. Die bisher nicht eindeutig erklärbare Figur des “green man” scheint einen Einklang, zumindest aber eine intensive Beziehung zur Natur zu symbolisieren. Seine Darstellungen – sie sind ausgesprochen vielfältig – vermitteln den Eindruck, dass der “green man” scheu ist und sich zurückzieht , dass er selbst nur noch als Pflanze sichtbar bleibt. Wenn ihm also die äußere Welt nicht mehr entspricht, die umgebende Welt also nicht mehr den Gesetzen der Natur zu entsprechen scheint.

Was soll ein solches Gesicht, aus dem Blätter wachsen, z.B.in einer mittelalterlichen Kirche? Aus der christlichen Ikonografie leitet sich dieses versteinerte Gesicht jedenfalls nicht ab. Nehmen wir also, wie ich es tue, den mysteriösen “green man” als eine Idee innerhalb der menschlichen Vorstellungskraft, als eine mahnende Personifizierung eines Aspektes der Natur.

An dieser Stelle ist eine ergänzende Betrachtung nötig, betrifft doch eine Naturbetrachtung auch das Naturell von uns Menschen und insbesondere von uns Freimaurern. Und da bin ich auch bei Weltanschauungsfragen. Damit meine ich nicht etwa Fragen innerhalb eines Gesellschaftssystems, sondern Fragen der freimaurerischen Anschauung der Welt. Dies ist die uns Freimaurer bestimmende Art, die Welt, die Natur und das Wesen der Menschen ganz undogmatisch zu begreifen suchen.

Für unverzichtbar halte ich zunächst in diesem Zusammenhang auch in unserer Bruderschaft einen Diskurs über die Stellenwerte von Esoterik und Spiritualität, wenn sie denn auch mystische oder abergläubische Bestandteile haben können. Um es klar zu positionieren: Ich halte es für unverzichtbar, dass sich die Freimaurerei des 21. Jahrhunderts ausschließlich an den Ergebnissen sogenannter evidenzbasierter Wissenschaft orientiert. Ich nenne als Stichwort hier den unverzichtbaren Evolutionismus als die Entwicklungslehre, die sich auf alle Gebiete des Wissens erstreckt und das Wesen der Welt in einer stetigen Änderung, meist im Sinn des Fortschritts, sieht. Aber ich glaube auch dies (Zitat): “Was die Welt im Innersten zusammenhält”, was schon Goethes Faust zu hinterfragen suchte. Da bin ich dabei: mit Weisheit, Stärke und Schönheit getragen von Licht, Liebe und Leben den symbolischen Tempel der Humanität zu errichten. Dabei stehe ich aber, und ich lese dies im Freimaurerlexikon von Lennhof, Posner und Binder, auf einem agnostizistischen Standpunkt. Dort heißt es nämlich, dass die Freimaurerei “insofern auf dem Standpunkt des Agnostizismus steht, als sie selbst keine dogmatische Auffassung des Weltengrundes, also kein Wissen vom absoluten Sein, vom Ding an sich hat und es ihren Anhängern überlässt, sich darüber selbst ihre Anschauung zu bilden.“ (Zitatende). Das tue ich, betrachte aber eine auch in unserer Bruderschaft diskutierte fragwürdige freimaurerische Ökumene über die Obödienzgrenzen etwa zum Rosenkreuzertum hinweg mit großer Skepsis.

Das schließt für mich denn auch eine Esoterik aus, deren Erscheinungsformen u. a. den von Kant zu Recht gegeißelten Mystizismus, okkulte Praktiken wie z.B. in der Black-Moon-Bewegung oder etwa im Rosenkreuzertum beziehungsweise auch in einigen Hochgradsystemen, einige anthroposophische Entgleisungen unseres vormaligen Pseudobruders Rudolf Steiner, Paraphänomene oder gar eines animalischen Magnetismus bzw. Mesmerismus umfassen, wobei letzterer bis auf den heutigen Tag noch im alternativmedizinischen Bereich für wirksam gehalten wird. Für unakzeptabel, weil wissenschaftlich unhaltbar, halte ich denn auch eine Betrachtung, die der Natur neben der materiellen Wirklichkeit auch seelische und geistige Eigenschaften zuspricht. Das schließt natürlich den zwingenden Respekt vor der Natur nicht aus. So muss ich weiterhin die auch in unseren Kreisen oft eingebrachte Erkenntnis „Wie oben, so unten, wie innen, so außen, wie der Geist, so der Körper“ als exemplifizierte Grundlage aller Esoterik ablehnen. Zurückzuführen auf einen gewissen Mystiker Hermes Trismegistos , u.a.von Okkultisten im Buch Kybalon nachzulesen. Eine solche Entsprechnungsphilosophie sog. hermetischer Prinzipien erschließt sich mir nicht. Es versteht sich vor diesem Hintergrund, dass ich einer Spiritualität – wie bereits angedeutet – nur dann folgen kann, wenn sie ohne jeglichen Gottes- oder Transzendenzbezug daherkommt. Spiritualität muss für mich klar von Glaube und Religion abgegrenzt werden. Religiosität schränkt mit Blick auf die ihr innewohnende Dogmatik zu sehr ein.

Wie antwortet Goethes Faust auf die berühmte „Gretchenfrage“ was spirituelles Bewusstsein ausmache sinngemäß: kein persönlicher Gott mehr, keine Konfession, keine Glaubensgemeinschaft, keine Kirche, keine damit verbundene Weltordnung – aber das Gefühl einer Allheit und Allverbundenheit, emotionale Übereinstimmung mit dem Weltganzen, das absolute Chiffre für die Liebe. Dem möchte ich mich nur allzu gerne anschließen. Auf Spiritismus muss ich an dieser Stelle natürlich überhaupt nicht eingehen. Ich setze darauf, mir eine Symbolwelt, nicht mehr, aber auch nicht weniger, zu erschließen und nutzbar zu machen.

Das Paradies der Freigärtner, der Kreislauf der Zeiten des Ouroboros und der Grüne Mann, sie alle mögen uns allein mit ihrer Symbolkraft helfen, auch unser Verhältnis zur Natur und zur Umwelt nachdrücklich zu bestimmen und besonders in unseren Zeiten zu festigen. Mensch versus Natur und Umwelt darf sich nicht weiter verstetigen! Auch dies: das schließt selbstverständlich eine aktiv notwendige Biodiversitätspolitik mit ein, damit die Not der Natur nicht zur Not der Menschen wird, wenn ich dies als Mitglied der Bonner Alexander-Koenig-Gesellschaft einflechten darf. Der Natur- und Umweltethik im biologischen und wohlverstandenen philosophischen Sinne muss entschieden mehr Bedeutung beigemessen werden! Es geht, wie gesagt, um die Vermeidung der ökologischen Selbstzerstörung! Es geht um die planetary health in umfassendem Sinne.

Der sog.“Greta-Effekt“, benannt nach der jungen Umweltaktivistin Greta Thunberg, die nachfolgend aufgekommene „fridays for future“-Bewegung mögen vielleicht wegen des damit ausgelösten Hypes nicht immer überzeugen, müssen aber zumindest als Signal gelten. Genau so wie die jährlichen Ergebnisse am sogenannten „Erdüberlastungstag“. Dabei sollte es nicht dazu kommen dass, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 10. September schrieb, diese Klimadebatte aus dem Ruder läuft.

Im Jahre 1969, also vor 50 Jahren, gab es eine Ballade, die ich vor Kurzem im Radio wieder einmal gehört habe. Sie ging so: “In the year 2525, if man is still alive, if woman can survive.” Diese Ballade schildert einen Weltuntergang durch passive Inkaufnahme und übermäßige Abhängigkeit der Menschen von ihren übertriebenen Technologien, die – so heißt es – die Menschheit letztendlich entmenschlichen. Es ging vor allen Dingen auch um eine Kritik an grenzenloser Naturausbeutung. Vorgetragen vor 50 Jahren.

Ich denke, diese Ballade hat bis heute, auch mit Blick etwa auf das Problem der Mikroplastik in uns, um nur ein Beispiel zu nennen, nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, von dem Klimawandel ganz zu schweigen, oder von der um sich greifenden Verrohung des menschlichen Miteinanders. Möge die der Ballade inne wohnende Mahnung Eingang finden in alle Algorithmen und in die Heuristik der unaufhaltsamen Künstlichen Intelligenz, in die wir trotz der ihr in vielen Bereichen zweifellos innewohnenden Bedeutungen als physische oder kognitive Assistenzfunktionen unverändert das genannte „Sapere Aude“, also den sogenannten „Gesunden Menschenverstand“ einbringen müssen. Möge die Mahnung alle Blogger, alle Influencer, alle Sozialen Netzwerke erreichen, heißen sie Facebook, Twitter, Instagram oder Reddit, und so auf ihre Follower einwirken und vor allen Dingen sogenannte Deep Fakes verhindern. Mögen Trolle nicht noch schlimmer im World Wide Web ihr Unwesen treiben, sondern nur in der Fabelwelt der Natur Freude bereiten. Möge dabei helfen, wie es in der genannten Ballade ganz lyrisch heißt, “the twinkling of starlight” am Ende des Tunnels und die Hoffnung “maybe it’s only yesterday”. Apropos „twinkling of starlight“: müssen wir nicht auch über unsere Anschauung der Welt hinaus ins Weltall denken? Geht es nicht mittlerweile schon um Probleme planetarischer Gesundheit? Stichworte „Weltraumschrott“ bzw. „Plastik im menschlichen Organismus“.

Tun wir als Freimaurer zumindest das Unsrige, um die ganz offensichtliche Zeitenwende auf unserem ach so unglaublich kleinen und im Gefüge des Alls gänzlich unbedeutenden Planeten zu begreifen und sie in positivem Sinn
mitzugestalten, auf dass wir ihr nicht hilflos ausgeliefert werden, auf dass nicht allzu zeitnah nur noch ein “twinkling of starlight” übrig bleibt. Wirken wir einer Entwicklung entgegen, nach der etwa aus Langeweile, Einsamkeit
und Desillusionierung innerhalb der Gesellschaft Verlockungen für extreme Weltanschauungen entstehen. Moral darf nicht zu einem Schimpfwort verkommen.

Wie heißt es so treffend bei den Monisten und dem vormaligen „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“, dem ich nur zu gerne wieder nahe stehen würde (Zitat): „Das höchste Ziel der Natur- und Kulturentwicklung ist die völlige Naturkenntnis und Naturbeherrschung, vollendete Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung der Natur in ihrem Teilsystem Mensch“ (Zitatende). Hoffen wir, dass die Schwägerin unseres guten Prometheus, eine gewisse Pandora aus der griechischen Mythologie, nicht noch einmal ihre Büchse öffnet, auf dass nicht auch noch die Hoffnung entweicht.

Bei all unserer skeptischen Zukunftsbetrachtung sollten wir nicht in Pessimismus verfallen. Denken wir einfach daran, was uns an unserer Welt gefällt. Was uns guttut, was wir lieben. Das kann und sollte doch auch eine gehörige Portion Frohsinn bedeuten. Ich jedenfalls glaube daran mit großer Hoffnung. Tragen wir deshalb froh gestimmt unsere freimaurerischen Ideale und Wertvorstellungen aktiv in die uns umgebende Gesellschaft. Dies ist im allgemeinen Humanismusgefüge der Zivilgesellschaft nicht nur gerechtfertigt, sondern mit Blick auf die unübersehbare Verrohung in unserer Gesellschaft geradezu überfällig.

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