Bruder Rolf Appel verstorben

Bruder Rolf Appel

Der bedeutende Freimaurer Br. Rolf Appel ist am 3. April 2019 im Alter von 99 Jahren in Hamburg gestorben oder, wie Freimaurer sagen: in den Ewigen Osten vorausgegangen.

Geboren wurde Rolf Appel 1920 im schleswig-holsteinischen Süderbrarup. Die weiteren 25 Jahre kann man im Grunde nur in drei Worten beschreiben: Kindheit, Schule, Krieg. Direkt nach dem Abitur wurde er an die Front eingezogen, wurde als Panzeroffizier drei Mal schwer verwundet und fand sich nach dem Krieg in der Druckerei wieder, die er von seinem Vater übernahm. 1945 war er einer der ersten Buchverleger, der von der britischen Militärführung eine Lizenz erhielt.

Schon 1948 wurde er Freimaurer. Sein Vater, dessen Unerschütterlichkeit als Freimaurer auch während der Nazizeit ihm ein großes Vorbild war, wurde sein Bürge. Neben der Freimaurerei engagierte er sich in vielen anderen Bereichen, beispielsweise in der Herrnhuter Brüdergemeine und dem CVJM, sowie beruflich in der Handelskammer, Buchhändler- und Verlegerverband u.a.

Seine Aktivitäten in der Freimaurerei sind in ihrem ganzen Umfang kaum zu benennen. Er war Meister vom Stuhl in verschiedenen Logen, Distriktmeister des Distriktes Hamburg, Zugeordneter Großmeister der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Mitbegründer der freimaurerischen Künstler- und Publizistenvereinigung “Pegasus”, er arbeitete wesentlich an der Entwicklung des bis heute gültigen Rituales unserer Großloge mit und war Ehrenmitglied etlicher Logen im In- und Ausland.

Von 1968 bis 1981 war er er Mitglied des Dialogforums zur Beratung der Katholischen Kirche und leistete einen wesentlichen Anteil zur Annäherung und Verständnis zwischen Theologie und Freimaurerei in Deutschland.

"Goethe war Freimaurer, Herder war Freimaurer, Lessing war Freimaurer, Carl von Ossietzky war Freimaurer — dann sag ich mir immer: Und Du? — Was hier und heute geschieht, das ist das Entscheidende!"

Rolf Appel

Mehr als 35 Bücher freimaurerischen Inhaltes stammen aus seiner Feder, auch sonst war er in der Freimaurerei in hohem Maße publizistisch tätig. Mit Unterbrechungen war er 44 Jahre Redakteur des “Hanseatischen Logenblattes”, war am Aufbau und der Erweiterung des Bauhüttenverlages engagiert, war Redakteur der freimaurerischen Zeitschrift “Die gelben Blätter”, der Zeitschrift “Euro Mason”, der Zeitschrift “Die Bruderschaft” und der “Humanität”.

Rolf Appel war in seinen mehr als 70 Jahren überaus tätiger Mitgliedschaft in der Freimaurerei zahllosen Brüdern Leitfigur und Vorbild, das mehrere Generationen nachhaltig prägte und weiter prägen wird. Eine Vielzahl von Preisen, Ehrungen und Ehrenmitgliedschaften sind dafür nur äußerer Ausdruck. Wichtiger ist, dass sich seinem nachhaltig positivem Eindruck kaum ein Mitglied unserer Logen entziehen kann und will.

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Wettbewerb der Gymnasien im Landkreis Nienburg

Alle Preisträger des Logenwettbewerbs

Die Nienburger Loge "Georg zum Silbernen Einhorn" und die Hoyaer Loge "St. Alban zum Æchten Feuer" vergaben gemeinsam Preise und Urkunden für die besten Facharbeiten an den Gymnasien im Landkreis Nienburg.

Nienburg. (dh) Insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler der Nienburger Gymnasien, des Gymnasiums Stolzenau und des Johann-Beckmann-Gymnasiums Hoya haben mit 18 Facharbeiten an dem bereits zum 5. Male ausgeschriebenen Wettbewerb der Freimaurerlogen „Georg zum silbernen Einhorn“ und „St. Alban zum Aechten Feuer“ teilgenommen.

Die Themen, mit denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 11. und 12. Jahrgangsstufe beworben haben, reichen von Untersuchungen der Bedeutung von Filmmusik über Auswirkungen des Massentourismus bis zur Realisierung eines Digitaltrainers für Schülerversuche oder zur Anwendung eines Drucksensors in modernen Kommunikationsgeräten.

Alles sehr anspruchsvolle Themen, für deren Ausarbeitung sich die Schülerinnen und Schüler sehr spezielle Kenntnisse angeeignet haben. Dabei mussten die nicht alltäglichen Fragen umfassend recherchiert und analysiert, fachlich korrekt beschrieben und gleichzeitig allgemein verständlich in einer Facharbeit aufbereitet werden.

Von den betreuenden Fachlehrern war zu erfahren, dass die Begeisterung und der Einsatz der Schüler jeweils überdurchschnittlich gewesen ist und deutlich über das geforderte Maß für eine Facharbeit hinausgehen. Die Freude an selbstständigem, wissenschaftlichem Arbeiten spiegelt sich dann auch eindrucksvoll in allen Arbeiten wider.

„Die Jury der beiden Logen hat sich die Entscheidungen nicht leicht gemacht“, sagte der Vorsitzender der Nienburger Loge, Dr. med. Wilhelm Cohrs. „Wir wollten in jedem Fall die Arbeit, die sich diese jungen Menschen gemacht haben, wertschätzen. Ich hoffe, dass uns das gelungen ist. Außerdem haben wir etliche Impulse für uns selbst gewinnen können – herzlichen Dank dafür!“.

Der ebenfalls anwesende Stuhlmeister der Hoyaer Loge, Andreas Jonda, wies in seiner Begrüßung auf die Bedeutung von Bildung, Wissensgewinn, Persönlichkeitsbildung und lebenslangem Lernen hin. „Stay hungry!“ ermunterte er die Schülerinnen und Schüler.

Die vierköpfige Jury aus Mitgliedern der Logen in Nienburg und Hoya hat bei der Bewertung etwas andere als nur rein schulische Maßstäbe zugrunde gelegt. Besonderes Augenmerk wurde gelegt auf einen guten Aufbau der Facharbeiten, eine klare und logische Struktur. Entscheidend war auch, ob das Thema von Bedeutung ist für die Gesellschaft und für den Leser.

„Als ein Bund mit ausgeprägter humanistischer Zielsetzung wollen die Logen bei jungen Menschen besonders auch kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit negativen Umgangsformen für unser Zusammenleben fördern“, sagte Dr. Cohrs. „Dafür öffnen sich die Freimaurerlogen auch stärker als in der Vergangenheit, denn sie wollen ihre wesentlichen Ziele, wie Toleranz und humanitäres Miteinander, einer breiten Öffentlichkeit und eben auch jungen Menschen näherbringen.“

Für die Erstplatzierten gab es jeweils 300 Euro und eine Urkunde. Die weiteren Preisträger erhielten Urkunden und Bücher. Als bestes der fünf teilnehmenden Gymnasien wurde das Johann-Beckmann-Gymnasien aus Hoya mit einer Extra-Urkunde und einem Sonderpreis geehrt.

Preisträger, Lehrkräfte, Eltern, Freunde und Mitglieder der beiden Logen blieben noch für geraume Zeit im Nienburger Logenhaus in der Cretschmarstraße zu angeregten Gesprächen.

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Der Mann mit den vielen Leben

Audie Murphy Foto: AF archive / Alamy Stock Foto BP9E8N

Googelt man den Namen des US-amerikanischen Schauspielers Eddie Murphy und den Begriff „Freimaurer“, kommt man zu zahlreichen Ergebnissen, die einen glauben lassen, der „Beverly-Hills-Cop“-Star sei Mitglied der „North Hollywood Lodge No. 542“. Auch in den sozialen Medien geistert unter Brüdern die angebliche Mitgliedschaft Murphys als Meme herum. In den berühmten Listen noch berühmterer Freimaurer finden sich bei näherer Betrachtung zahlreiche derartige Falschmeldungen. Vielleicht als Ergebnis brüderlichen Wunschdenkens oder als verschwörungstheoretisches Outing durch selbsternannte Enthüller, die mal wieder beweisen wollen, wie einflussreich die Freimaurerei war und ist.

Ein ausgezeichneter Soldat

Im Falle von Eddie Murphy liegt jedoch eine kuriose Verwechslung vor. Mitglied der „North Hollywood Lodge No. 542“ war ein ganz anderer Murphy, nämlich der Kriegsheld, Schauspieler, Schriftsteller und Songwriter Audie Murphy. Dessen Biografie hätte gut und gerne für fünf Menschenleben gereicht. 

Geboren am 20. Juni 1925 in Texas, wuchs er in den ärmlichen Verhältnissen einer Farmerfamilie auf, als sechstes Kind von insgesamt 12 Geschwistern, von denen bereits drei im Kindesalter starben. 

Nach dem Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 und dem darauffolgenden Kriegseintritt der Vereinigten Staaten bewarb sich der 16-jährige Audie Murphy bei den Streitkräften, wurde jedoch aufgrund seines Alters abgelehnt. Daraufhin fälschte er seine Papiere, korrigierte sein Alter auf 18 und landete im Juni 1942 schließlich bei der US-Army. Von nun an schlug er zahlreiche Schlachten, bei denen er sich durch besondere Tapferkeit vor dem Feind auszeichnete. Murphy stieg innerhalb kürzester Zeit vom einfachen Soldaten zum First Lieutenant auf, was dem Dienstgrad eines Oberleutnants entspricht. Biografen behaupten, er habe bis zum Ende des Krieges 240 feindliche Soldaten getötet und sechs Panzer der Gegenseite zerstört. 

Mit 33 Auszeichnungen und Medaillen, darunter die „Medal of Honor“ als höchste militärische Ehre, die von der amerikanischen Regierung vergeben wird, gilt Audie Murphy als meistdekorierter amerikanischer Soldat des Zweiten Weltkrieges. Von 1950 bis 1966 diente er zudem in der Nationalgarde, in der er bis zum Major befördert wurde.
Auf Fotos wirkt er gar nicht, wie man sich einen Kriegshelden möglicherweise vorstellt: Gerade 1,70 Meter groß und nur 50 Kilogramm schwer, ein junger Schlaks, der kaum seine Uniform ausfüllte.

Ein unglücklicher Held

Und die Brutalität des Krieges forderte ihren Tribut von diesem jungen Mann. Audie Murphy war ein trauriger Held. Die Ereignisse hatten ihn zermürbt, er litt unter posttraumatische Belastungsstörungen, die in schwere Depressionen und eine Medikamentenabhängigkeit mündeten. Murphy engagierte sich deshalb später für die amerikanischen Militärveteranen, etwa die Heimkehrer aus den Kriegen in Korea oder Vietnam, und gab ihnen mit seiner Bekanntheit erstmals eine Lobby.
Seine Kriegserlebnisse verarbeitete er in seiner 1949 erschienenen Biografie „To Hell And Back“, für die er selbst nur wenige Seiten schrieb. Autor war im Wesentlichen sein Freund David McClure. Das Buch wurde zum Bestseller und in der Verfilmung im Jahre 1955 spielte er sich selbst in der Hauptrolle. 

Bereits 1948 war er nach Hollywood gegangen, wo er eine zweite beeindruckende Karriere hinlegte. In den folgenden 20 Jahren spielte er in fast 50 Filmen mit, deren Mehrzahl dem Genre des „Western“ zuzurechnen ist. Der Held des Krieges und des Kinos bekam sogar seinen eigenen Stern auf dem „Hollywood Walk of Fame“.

Doch damit nicht genug: Auch als Dichter und Songwriter versuchte sich Audie Murphy nicht ohne Erfolg. Etliche seiner Country- und Folksongs wurden veröffentlicht und von Interpreten wie Dean Martin, Eddy Arnold oder Roy Clark gesungen und eingespielt.

Aber auch dieser Ruhm ließ aus Audie Murphy keinen glücklichen Mann werden. Seine erste Ehe scheiterte schon nach kurzer Zeit. Aus einer zweiten Ehe gingen schließlich zwei Kinder hervor. Er verzockte ganze Vermögen am Spieltisch und mit Pferdewetten, schloss finanziell unvorteilhafte Verträge ab. Sein Leben war bestimmt vom Krieg, der ihn in seinen Albträumen quälte und verfolgte.

Auch Audie Murphys Tod war nicht gerade unspektakulär. Am 28. Mai 1971 setzte ein Flugzeugabsturz in Virginia seinem rastlosen Leben ein Ende. Das Privatflugzeug, mit dem er auf dem Weg zu einem Geschäftstreffen war, flog in dichtem Nebel gegen einen Berg, alles sechs Insassen starben. 

Begraben wurde Audie Murphy auf dem Nationalfriedhof Arlington, dort gehört sein Grab zu den meistbesuchten. Der Stein ist nicht mit Blattgold belegt, wie es für Träger der „Medal of Honor“ üblich wäre, sondern in schlichtem Weiß gehalten, wie die meisten anderen. Es nennt als Geburtsjahr das von ihm als Halbwüchsiger vordatierte Jahr 1924, so wie es in den Dokumenten der US-Army verzeichnet ist. Am 1. Mai 2000 gab die U.S.-Post eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus.

Rasche Karriere auch als Bruder Freimaurer

Anfang der 50er Jahre hatte Audie Murphy begonnen, sich für Freimaurerei zu interessieren, die zu dieser Zeit unter Hollywood-Größen recht populär war. So trat er am 14. Februar 1955 zunächst der „North Hollywood Lodge Nr. 542“ bei. Im April desselben Jahres wurde er befördert und schon im Juni zum Meister erhoben. Auch im Bruderbund absolvierte er offenkundig eine mehr als rasche Karriere. 1956 wechselte er in die „Heritage Lodge Nr. 764“, die ebenfalls ins Hollywood angesiedelt ist. Und in seiner texanischen Heimat wurde er Mitglied im Schottischen Ritus und erreichte den 32. Grad. Dieser erlaubte ihm zudem – was zu jener Zeit Voraussetzung war – in Dallas Mitglied der Shriners zu werden. Der gemeinnützige Orden von Freimaurern hat in Hollywood eines seiner Zentren. Häufig nahm Bruder Audie Murphy auch an den legendären Paraden der Shriners in Texas und Kalifornien teil. Posthum wurde ihm schließlich der 33. Grad des Schottischen Ritus verliehen.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 2-2019.

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Konzepte, Metaphern, Symbole

Foto: sveta / Adobe Stock

Sprachbilder, wie wir Metaphern üblicherweise wiederum mit einer Metapher umschreiben, sind allgegenwärtig. Sie sind in unserer Sprache sehr viel stärker präsent, als uns im Allgemeinen bewusst ist.

Vortrag auf der 55. Arbeitstagung der Forschungsloge „Quatuor Coronati“, Mannheim, 9./10. März 2019
Hans-Hermann Höhmann, Köln, Ehrenvorsitzender der Forschungsloge „Quatuor Coronati“

Wer immer nachdenkt, strukturiert den Kosmos seines Bedeutungsuniversums durch Metaphern, das heißt, er verwendet Metaphern bereits bevor er mit anderen über Inhalte und Ergebnisse seines Denkens kommuniziert. Unser gesamtes alltägliches Konzeptsystem, auf dessen Grundlage wir sowohl denken und sprechen als auch handeln, ist im Kern metaphorisch, und so wird verständlich, warum George Lakoff und Mark Johnson ihr, die neuere Metaphern-Forschung in hohem Maße inspirierendes gemeinsames Hauptwerk „Metaphors We Live By“ genannt haben, deutscher Titel „Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern“.

Metaphern in der Freimaurerei

Was bedeutet der Komplex „Metapher“ für uns Freimaurer der Gegenwart? Warum behandeln wir ihn auf einer Tagung der Forschungsloge? Welche Rolle spielt er für unsere Kommunikation mit der Öffentlichkeit?

Das sind die Fragen, die mich in meinem Vortrag beschäftigen.

lm Zentrum des Freimaurerbundes stehen für uns Ideen, Ideale und Konzeptionen, mit denen wir Wesen, Strukturen und Ziele der Freimaurerei in eine Sprache fassen, die weitgehend metaphorisch ist, und die in unseren Symbolen und Ritualen ihre Entsprechung findet. Für mich sind dies in erster Linie die Werte des Humanismus und der Aufklärung. Die wichtigsten Begriffe davon sind uns vertraut: Humanität, Brüderlichkeit, Toleranz, Freiheit, Gerechtigkeit und Friedensliebe. Wenn wir uns über Ziele, Werte und Leitvorstellungen der Freimaurerei verständigen, wenn wir in der Loge und mit der Öffentlichkeit darüber kommunizieren, dann zeigt sich immer wieder, dass auch unsere Sprache ohne Sprachbilder, ohne Metaphern nicht auskommt, ja dass im Grunde genommen der gesamte Charakter der Freimaurerei, der nicht zuletzt in der symbolischen Übertragung von Bauwerkzeugen auf die moralische Welt besteht, metaphorisch ist. Doch auch bereits vor der Entstehung der modernen Freimaurerei hatten Metaphern in der Welt der Bauhütten eine große Bedeutung, ist doch ohne die Lichtmetapher der gotische Kathedralenbau nicht denkbar.

Da die Metaphern der Freimaurerei mit ihren Konzepten zusammenhängen, können wir mit Lakoff/Johnson auch im masonischen Kontext von konzeptuellen Metaphern sprechen, die teilweise unbewussten Charakter haben, Wesen und Struktur der Freimaurerei teilweise aber auch bewusst zum Ausdruck bringen und unserer Orientierung nach innen und außen dienen. Die konzeptuellen Metaphern der Freimaurerei haben den Charakter von Frames, von Rahmen, die ganze Wissensbestände vom Herkunftsbereich der Symbolik in den Zielbereich der praktizierten Freimaurerei übertragen und dort neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten schaffen. Man kann daher auch von ihrem Brückencharakter sprechen, denn sie verbinden Konzepte mit Symbolen und sind auf diese Weise in die masonischen Rituale eingegliedert, deren Texte ja weitgehend aus Metaphern bestehen. Dauernd erfolgen Transferbeziehungen in zwei Richtungen: Einerseits führt der Weg vom Konzept zur Metapher, dann weiter über die Symbolik ins Ritual. Andererseits verbindet die rituelle Praxis Symbole mit Metaphern, die dann von Konzeptionen vermittelt zum Denken und Handeln des Freimaurers führen. Oder anders ausgedrückt: Wir beginnen mit Praxis und werden zur Praxis zurückgeführt, und das Wesen der Freimaurerei besteht weitgehend in der Dialektik ihrer symbolisch-metaphorischen und ihrer tatsächlichen Formen von Praxis.

Mythen, Metaphern und Systeme

Doch spätestens an dieser Stelle setzen Probleme ein, denn die konzeptionellen Grundlagen der Freimaurer stimmen ja – auch in diesem Kontext dürfen wir nicht daran vorbei denken – von masonischem System zu masonischem System nicht überein. Es gibt ja nicht die Freimaurerei (im Singular), sondern nur die Freimaurereien (im Plural). Dies hat verschiedene historische Ursachen und ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich die konkreten maurerischen Systeme auf dem Hintergrund divergierender Mythenstränge entwickelt haben.

Wenn wir uns die Mythen anschauen, um die herum sich die Freimaurereien in den vergangenen Jahrhunderten seit 1717 entwickelt haben, so stoßen wir insbesondere auf drei Erzählstränge, die sich zwar oft vermischt haben, die sich aber trotzdem voneinander unterscheiden, ja sich widersprechen können:

  • die hermetisch-esoterischen Erzählungen von uralter Weisheit und geheimnisvollen symbolischen Codes, die in den Logen entschlüsselt werden können,
  • die gnostisch-christlichen Erzählungen von der Nachfolge Jesu, des Obermeisters des Freimaurerordens sowie
  • die humanistisch-aufklärerischen Erzählungen vom Menschen und seinen mitmenschlichen Pflichten im hier und jetzt, die einzuhalten die Freimaurerei den Bruder lehrt.

lm Verständnis nach Innen aber auch im Auftreten der Freimaurer gegenüber der Öffentlichkeit gehen diese Erzählstränge – die ja zu sehr verschiedenen Formen von Freimaurerei im Hinblick auf Konzepte, Symbole und Metaphern geführt haben – oft unreflektiert und verwirrend durcheinander. Und dieses Durcheinander der Mythen begegnet uns dann wieder in den Geschichten, die andere über uns erzählen. Und hier liegt die Wurzel vieler unserer Probleme. Wir werden missverstanden, weil wir selber nicht so richtig wissen, wer und was wir eigentlich sind.

Es wäre nun interessant zu untersuchen, wie sich die konzeptuelle Metaphorik der verschiedenen Spielarten von Freimaurerei voneinander unterscheidet. Und es wäre gleichfalls spannend, die Prozesse aufzuzeigen, durch die sich die Metaphernwelten der einzelnen Freimaureien unter dem Einfluss politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen verändert haben, wenn beispielsweise die Lichtmetapher in der völkischen Freimaurerei der späten 20er und frühen 30er Jahre weithin einen neuheidnisch-arischen Charakter angenommen hat, die einer veränderten freimaurerischen Sinnstiftung dienen sollte. Hier sind noch viele Fragen offen, und es existiert ein umfangreicher Forschungsbedarf.

Die Metaphern der Humanistischen Freimaurerei

Ich muss mich heute allerdings thematisch beschränken, und so möchte ich mich im folgenden Teil meines Beitrags mit der in der Tradition von Humanismus und Aufklärung stehenden Humanitären Freimaurerei beschäftigen, mit der ich ja in Forschung und Praxis besonders verbunden bin. Dabei möchte ich versuchen aufzuzeigen, wie es in dieser Form von Freimaurerei um die Wirkungskette Konzept – Metapher – Symbol – Ritual strukturell und inhaltlich bestellt ist.

  • Freundschaft und Geselligkeit,
  • ethische Orientierung und moralische Praxis,
  • Arbeit mit Symbolen und Ritualen,
  • Bewährung als Einübung in Lebenskunst.

Zu den bewusst gewählten konzeptuellen Metaphern der Humanistischen Freimaurerei gehören für mich in erster Linie vier Gruppen von Metaphern oder auch Metaphernfelder, die einerseits mit den Konzepten der Humanistischen Freimaurerei korrespondieren und andererseits in entsprechenden Einzelsymbolen und symbolischen Handlungen Ausdruck finden. Ich unterscheide die Metaphernfelder „Licht“, „Wandern“, „Bauen“ und „Liebe“, verweise auf die jeweilige Metaphernstruktur und versuche mitzuteilen, zu welchen Sinnstiftungen und Konzepten freimaurerischer Praxis mich diese Metaphernstruktur zurückführt. Dabei ist allerdings stets festzuhalten, dass das Ritual keine bloße Aneinanderreihung von Metaphern ist, dass die freimaurerischen Metaphern vielmehr in die performative Gesamtstruktur des Rituals eingebunden sind.

Das Metaphernfeld „Licht“

Ich beginne mit Bemerkungen zum Metaphernfeld „Licht“ mit den uns allen vertrauten Metaphern, die um Licht, Aufklärung und Erleuchtung kreisen, teils mehr rational (im Sinne von „Aufklärung“), teils mehr spirituell (im Sinne von „Erleuchtung“) konnotiert.

Es fällt nicht schwer, Metaphern des Lichts in unserem Lehrlingsritual aufzufinden:
„Wir wollen unser Herz gegen das Licht richten.“ „Lasst uns die Werkstätte völlig erleuchten, auf dass wir im klarsten Licht unsere Arbeit beginnen.“„Hüten Sie sich vor allen Lehren, welche das Licht des menschlichen Denkens nicht ertragen.“„Licht zu erlangen, sei stets Ihr tiefstes Bestreben.“„Meine Brüder, helft mir, unserem neu aufgenommenen Bruder das Licht zu geben.“

Innerhalb der freimaurerischen Symbolwelt veranschaulicht die Lichtsymbolik den transzendenten Bezug des Freimaurers, den Anker seiner Verantwortung und die Quelle seiner Hoffnung. Licht symbolisiert Lebenskraft und Lebensgrundlage, Sicherheit und vertrauenswürdige Ordnung. In allen kulturellen Systemen hat die Lichtsymbolik ihren festen Platz. Sie kennzeichnet, oft konkretisiert in den Bildern der sinnlich erfahrbaren Lichtträger – Sonne, Mond, Sterne, Blitz und Feuer – Mythen und Kulte und gelangt als zentraler Bestandteil der masonischen Bilderwelt auch in das freimaurerische Ritual.

Licht ist das wichtigste Medium der Spiritualität. Licht steht aber nicht nur für Spiritualität, sondern auch für Aufklärung, für den menschlichen Akt der Wahrheitserkenntnis, dafür, dass der Maurer – so will es das Ritual – sich vor Lehren hüten soll, die das Licht der Vernunft nicht aushalten. ln der Sprache des Rituals: „Was das Licht für die Augen, das ist die Wahrheit für den Geist des Menschen. Unwissenheit und Vorurteil verhalten sich zur Wahrheit, wie Finsternis und Dunkel zum hellen Tag.“

Es ist diese ausgreifende Bedeutung des Lichts als komplexes Symbol für Lebensquelle, Lebenskraft, moralische Wegweisung und Suche nach Wahrheit, welche die „Lichtgebung“ zum zentralen Bestandteil des Aufnahmerituals und die „Lichteinbringung“ zum Kern der rituellen Einsetzung einer Loge oder der Einweihung eines neuen Tempels macht.

Die Beziehungen zur freimaurerischen Praxis sind leicht erkennbar: Redlichkeit und Wahrhaftigkeit werden angemahnt, der Verzicht darauf, als Wahrheit auszugeben, was eigenes Vorurteil ist. Die Loge will – auch dies ist Grundlage des Rituals – „eine sichere Stätte sein für alle, die Wahrheit suchen“. Wohlgemerkt, für die, die Wahrheit suchen, nicht für die, die meinen, universelle Heilsrezepte zu besitzen und ewige Wahrheiten zu verwalten. Hier ist an ein Wort und eine Warnung Lessing zu erinnern, dass nicht die Wahrheit, sondern die Mühe der Wahrheitssuche den Wert des Menschen ausmacht, und dass „nicht der Irrtum, sondern der sektiererische Irrtum, ja sogar die sektiererische Wahrheit das Unglück der Menschen machen oder machen würden, wenn die Wahrheit eine Sekte stiften wollte“.

Das Metaphernfeld „Wandern“

Zweitens Bemerkungen zum Metaphernfeld „Wandern“ mit Metaphern des Wanderns, des Reisens, der Veränderung, des Übergangs: „Die Reisen, welche Sie nun unternehmen, sind Bilder des Lebens.“ „Noch ist der Suchende fern vom Ziel. Mühsam ist der Weg. Lassen Sie uns mutiger vorwärtsschreiten.“ „Der Lehrling muss lernen, im Tempel zu gehen.“ „Des Maurers Wandeln, es gleicht dem Leben.“

Die Symbolik des Wanderns veranschaulicht den besonderen Charakter der menschlichen Lebensreise. Wandermythen gehören zu den uralten Bestandteilen menschlicher Bewusstwerdung. Wanderepen wie Homers Odyssee erzählen nicht nur das Schicksal von Helden. Sie bezeugen auch die Bestimmung des Menschen, Wanderer zu sein. Auch eine moderne Filmgattung bestätigt immer wieder einen archaischen Befund: Das menschliche Leben ist ein Roadmovie. Der Mensch ist unterwegs, er muss aufbrechen, er verändert sich, er hat Altes hinter sich zu lassen und selbst, wenn er zum Ausgangspunkt zurückkehrt, ist er verändert und hat die Chance, die Veränderung produktiv an sich selbst zu erleben. Rainer Maria Rilke hat dieses „Zurückkehren, aber doch Verändertsein“ bekanntlich in die schöne Metapher vom „Leben in wachsenden Ringen“ gefasst:

„lch lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.“

Die symbolischen Reisen, die der Freimaurer als Suchender, Lehrling oder Geselle unternimmt, gehören zu den wichtigsten Formen performativen Handelns im Ritual, dessen performativer Charakter – wie der Ritualforscher Christian Wulf betont – sehr wesentlich „über die Inszenierung und Aufführung der Körper der beteiligten Menschen“ Ausdruck findet.

Freimaurerei hat mit Wanderungen vielerlei Art zu tun: der Aufnahmekandidat wandert zum Licht, der Lehrling macht „Gesellenreisen“, der Geselle wandert – konfrontiert mit der Unabänderlichkeit des Todes – auf dem Weg zur Meisterschaft, und auch für den Meister wird das „Wandern zwischen Sternen und Gräbern“ immer wieder zu Erlebnis und Anstoß.

Rahmen des Wanderns durch die sich durch Wiederholung von Mal zu Mal vertiefenden rituellen Erlebnisse ist das System der drei freimaurerischen Grade Lehrling, Geselle und Meister. Für mich lässt sich dieser Rahmen durch zusätzliche Ritual-erfahrungen nicht sinnvoll erweitern. Die Wandersymbolik hilft erkennen, dass es sich bei den Ritualen der Freimaurer nicht um Verkündigungsrituale oder Rituale der Manifestation nicht zu hinterfragender Überzeugungen handelt, sondern um Erprobungsrituale oder Rituale der Suche, die schrittweise Erkenntnis und korrigierbares Lernen verdeutlichen, was zugleich bedeutet, dass freimaurerische Rituale bei aller Konstanz ihrer Form „offene“ und keine hierarchisch vermittelten Rituale sind – oder doch sein sollten.

Leben als Wandern zu verstehen, ist auch den Gedanken und Bildern anderer Denksysteme und Ausdrucksformen von Kultur eigen. Die Anschaulichkeit und Intensität der sinnlichen Erfahrung der freimaurerischen Rituale wird allerdings nur selten erreicht. Das freimaurerische Brauchtum ist nun einmal sowohl durch eine besonders sinnreiche Ritualstruktur als auch durch eine besonders eindrucksvolle gruppendynamische Qualität des Ritualvollzugs geprägt.

Metaphernfeld „Bauen“

Nun Bemerkungen zum Metaphernfeld „Bauen“ mit Metaphern des Bauens, des Entwerfens, der Arbeit, der Praxis. Wiederum dazu in ununterbrochen metaphorischer Sprache unser Ritual: „Lasst uns an die Arbeit gehen, Brüder, und die Werkzeuge zur Hand nehmen“. „Wir bauen den Tempel der Humanität.“ „Die Bausteine, deren wir bedürfen, sind die Menschen.“ „Der rauhe Stein ist das Sinnbild des Lehrlings. Er bezeichnet die rohe Form, welche der Bildung und Veredelung bedarf.“

Die Metaphern des Bauens umreißen Inhalt und Ziel unserer Arbeit: Freimaurer bauen am Tempel der Humanität. Sie verstehen Sein und Zeit als sinnvoll zu gestaltende Bauwerke. Sie gehen davon aus, dass ihrem Bauen eine wertgebundene Bauidee zugrunde liegt, die sie – ohne jede inhaltliche Bestimmung, fern ab von der Dogmatik eines kreativen Designs und ohne, dass die Loge zur religiösen Vereinigung wird – mit dem Symbol eines universellen Großen Baumeisters umschreiben.

Gewiss, wir bauen ein Fenster zur Transzendenz, denn „über sich“ hinaus zu schauen ist eine Grundbefindlichkeit des Menschen. Doch was der Maurer sieht, wenn er durch dieses „Fenster“ blickt, ist innerhalb und außerhalb der Loge sein Geheimnis, das ihm durch seine Philosophie oder Religion und nicht durch die Freimaurerei vermittelt wird. Es wäre schamlos, den Bruder danach zu fragen, und es wäre anmaßend, am Inhalt seiner Überzeugungen Anstoß zu nehmen, so lange sie mit den im Konsens der Freimaurer gefundenen Wertvorstellungen übereinstimmen und der Bruder sie nicht selbst mit Freimaurerei vermischt und verwechselt.

Grundlegend für die freimaurerische Bausymbolik ist, dass wir uns selbst als Bausteine verstehen, deren Auftrag und Schicksal es ist, den Weg vom rauen zum behauenen Stein zu nehmen, lebenslang und unabweisbar, aber mit der Hoffnung auf Gelingen und auf der festen Grundlage eines positiv-optimistischen Menschenbildes. Wir bauen eine Heimat für Menschen, eine Heimat, die nicht nur am großen Entwurf des Tempelbaus orientiert ist, die vielmehr – wiederum metaphorisch ausgedrückt – vor allem im tagtäglichen Bemühen, um menschenwürdige Wohnverhältnisse in den Alltagsgehäusen unserer Mitmenschen ihren Ausdruck zu finden hat.

Bauen und Wohnen gehören zusammen. Philosophen ganz unterschiedlicher Ausrichtung wie Martin Heidegger, Ernst Bloch und Otto Friedrich Bollnow, aber auch philosophierende Schriftsteller wie Antoine de Saint-Exupéry haben betont, dass der Mensch wesensmäßig ein Wohnender ist, der baut, um beheimatet zu sein. Für Bloch ist „Bauen“ ein Produktions-versuch menschlicher Heimat, und Heidegger formulierte im Rahmen des vielbeachteten „Darmstädter Gesprächs“ zum Thema „Mensch und Raum“ im Jahre 1951: „Das Wesen des Bauens ist das Wohnen lassen. Der Wesensvollzug ist das Errichten von Orten durch das Fügen ihrer Räume. Nur wenn wir das vermögen, können wir bauen. Das Wohnen aber ist der Grundzug des Seins.“

Das „Nicht-Wohnen-Können“ umgekehrt, die Obdachlosigkeit, das heimatlose Asyl verletzt zutiefst die Würde der davon betroffenen Menschen, nicht nur, weil der Besitz einer Wohnung eine elementare Notwendigkeit für physisches menschliches Überleben ist, sondern auch, weil Haus und Wohnung ganz spezifische kulturelle Identitäten stiften, über die zu verfügen gleichfalls ein Grundanliegen der Menschen ist. Seitdem der Mensch Mensch ist, hat er gebaut, wenn auch das Maß des Menschlichen dabei oft verfehlt worden ist.

Nicht nur einzelne Menschen, auch Gemeinschaften sind auf Raum und Heimat, d. h. auf

Verwurzelung an festen Orten angewiesen. Für Logen gilt dies sogar in einem gesteigerten Maße. Ihre Lebenskraft, ihre rituelle, soziale und kulturelle Entfaltung, die sichere Gelassenheit, mit der sie neue Menschen anzusprechen in der Lage sind, all das hängt davon ab, ob sie Räume besitzen, die Heimat konstituieren. Und von dieser Heimat, diesem Heim her, macht es für uns Freimaurer auch heute noch Sinn, vom „Geheimnis“ zu sprechen.

Das Metaphernfeld „Liebe“

Viertens schließlich Bemerkungen zum Metaphernfeld „Liebe“ mit Metaphern der Mitmenschlichkeit, der Zusammengehörigkeit, der brüderlichen Liebe und der Universalität dieses Miteinanders: „Schöne reine Menschenliebe, Brüderlichkeit aller ist der Mörtel des Tempelbaus.“ „Der Zirkel ist Sinnbild der brüderlichen Gemeinschaft, der den Freimaurer mit allen Menschen verbindet.“ „Die Freimaurerei ist allgemein, sie erstreckt sich über den ganzen Erdboden, und alle Brüder machen nur eine Loge aus.“ „Wir bilden die Kette der brüderlichen Eintracht.“ „Vor allem übt brüderliche Liebe. Sie ist Grundstein und Schlußstein, Kitt und Ruhm unserer alten Bruderschaft.“

Die Metaphern der Liebe bringen zum Ausdruck, dass Freimaurerei menschliches Miteinander bedeutet. Und zwar – wie wir von Lessing gelernt haben – kein Miteinander von Menschen mit besonderen Seinsweisen in nationaler, ständischer und religiöser Hinsicht, sondern ein Miteinander von Menschen als „bloßen“ Menschen, Menschen, denen es – so Lessing im Nathan – „genügt ein Mensch zu sein“.

Damit sich Freimaurerei als menschliches Miteinander ereignet, ist freilich immer wieder der Mut zu einer wirklich umfassenden Begegnung erforderlich. Für den Mitmenschen Sorge tragen, Verantwortung, Respekt und Wissen um einander als Aufgaben ernst zu nehmen und tatsächlich zu praktizieren, hiervon vor allem hängt die Glaubwürdigkeit unseres Bundes ab. Andererseits: Wir geben nicht nur, wir bekommen auch. Wir gehen nicht allein, wir handeln gemeinsam, wir erfahren Rat und Hilfe von anderen. Aber es bleibt dabei: Wir müssen Acht haben auf unseren Umgang miteinander, damit es wirklich zu dem kommt, was wir mit unserem Bruder Wolfgang Amadeus so gern besingen: „Unsrer Freundschaft Harmonien dauern ewig, fest und schön.

Offene Fragen und Forschungsaufgaben

Zum Abschluss meines Beitrages einige Folgerungen und Hinweise auf offene Fragen:

Erstens: Der metaphorische Charakter der Freimaurerei erfordert gründliche Überlegungen über das, was ich als das Gestaltungsdreieck der Freimaurerei bezeichnet habe, über die Beziehungen zwischen Konzept, Metapher und Symbol. Freimaurerei ist ein Gesamtkunstwerk, das inhaltliche Ideen, sprachliche Ausdrucksformen, symbolische Abbildungen und performativen Ritualvollzug miteinander verbindet. Unsere Ideen finden Ausdruck in unseren Ritualen. Ihre Sprache steht in einem engen Zusammenhang mit unseren Symbolen und hat selbst symbolischen Charakter. Dies macht die freimaurerische Metaphorik einerseits in besonderem Maße für das im Ritual übliche performative Sprechen und Handeln geeignet, lässt andererseits aber kaum zu, dass die Metaphorik des Rituals unvermittelt und direkt in der nicht-rituellen, vor allem der öffentlichen Kommunikation eingesetzt wird. Das könnte schlicht oberflächlich, pathetisch und leer wirken. Der Freimaurer sollte daher mit seinen Metaphern wohldosiert umgehen und versuchen auf ihrer Grundlage zunächst und vor allem ein vertieftes Nachdenken zu erreichen, dessen Resultate sich nicht blamieren, wenn sie aus unseren Gedankenwelten wiederauftauchen und in unsere Diskurse Eingang finden.

Zweitens: Die Zahl sinnvoller konzeptueller Metaphern innerhalb der Freimaurerei – insbesondere in einer humanitären Freimaurerei, einer Freimaurerei, die in der Tradition von Humanismus und Aufklärung steht – ist begrenzt, und so macht es inhaltlich, aber auch im Hinblick auf ihre metaphorischen, performativen und symbolischen Sprachformen in meiner Sicht keinen Sinn, die Metaphernbereiche der Freimaurerei beliebig zu erweitern. Die Metaphern unseres Rituals sollen den Kern des Konzepts „Freimaurerei“ beschreiben, in meiner Sicht das Konzept einer humanistisch orientierten Freimaurerei. Deshalb gilt es auf die Konsistenz der freimaurerischen Metaphernfelder zu achten, und – soweit das Ritual nicht ohnehin einer solchen Konsistenz entspricht –, mit behutsamen Anpassungen der Rituale zu reagieren. Insbesondere dann sind Korrekturen erforderlich, wenn die Sprachform der Metapher nicht mehr dem zugrundeliegenden Konzept entspricht und keine überzeugende Sinnzuschreibung ermöglicht.

Drittens: Metaphern sind wesentliche Elemente der freimaurerischen Rituale, machen jedoch keineswegs ihre Gesamtheit aus. Wesentlich für das rituelle Geschehen sind vor allem auch die Körperinszenierungen, die weithin durch ihren performativen Charakter geprägt sind. Dies gilt insbesondere für die Initiationen (Aufnahmen) und die Übergänge von Grad zu Grad (Beförderungen, Erhebungen). Weiter hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die in den Ablauf des Rituals eingefügte Musik und die „Zeichnungen“, das heißt, die in das Ritual eingefügten kürzeren oder längeren Vorträge. Beides, Musik und Zeichnungen, sollten den Fluss des Rituals stützen und bereichern, nicht aber eine zu starke Eigenwirkung entfalten, ja, es wäre zu überlegen, ob nicht bei Aufnahmen, Beförderungen und Erhebungen ganz auf Zeichnungen verzichtet werden sollte. Nach meinen Beobachtungen sind diese oft zu lang, thematisch nicht stimmig und wirken sich insbesondere auf die innere Beschäftigung des Initianden mit dem rituellen Geschehen negativ aus.

Viertens: Es ist meines Erachtens durchaus lohnend, die Arbeit an Konzept, Symbol und Ritual zukünftig mit einem Ausbau der bisher vernachlässigten Arbeit an der freimaurerischen Metaphorik zu verbinden. Dies ist ja ein bisher weithin brachliegendes Feld, dem sich auch das Ritualkollegium unserer Großloge bisher kaum angenommen hat. Und nichts spricht dagegen, diese Arbeit im Rahmen eines erweiterten Diskurses in Angriff zu nehmen, an dem auch die Schwestern Freimaurerinnen mehr als bisher beteiligt sind. Ich habe im Kontext Ritual und rituelle Sprache viel von meinen Schwestern gelernt und möchte ihre analytische Sensibilität auch, ja gerade beim Komplex Metapher nicht missen.

Insgesamt: Das Thema ist spannend, und es lohnt sich, analytisch auf die Reise zu gehen.

Und so schließe ich mit einem Appell des Aufbruchs, den der Genueser Weltbefahrer Friedrich Nietzsche in einer Seefahrtsmetapher verpackt hat und auf den ich bei der Lektüre von Hans Blumenbergs schönem Metaphernbuch „Schiffbruch mit Zuschauer“ gestoßen bin:

„Auch die moralische Erde ist rund“ – so der Seefahrer Nietzsche –, „es gibt noch eine andere Welt zu entdecken – und mehr als eine.

Auf die Schiffe, ihr Philosophen!“

Dies ist ein Kommentar, der die Meinung des Autors und nicht zwingend die Sichtweise der Großloge, der Redaktion oder der Mehrheit der Freimaurer darstellt. Gleiches gilt für ggf. nachfolgend abgegebene Kommentare. Die Redaktion behält sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

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Konzert mit freimaurerischen “Gebrauchsliedern” in Görlitz

"Geheimnisumwoben" — so lautete die Ankündigung zu einem Konzert des Kammerchores „Vocal Concert Dresden“. Ein öffentlicher Gästeabend der besonderen Art, zu dem die Freimaurerloge „Zur gekrönten Schlange“ Görlitz den Chor einlud.

Görlitz. (hw) Ein Konzert im Rang einer Uraufführung. Es wurden Lieder präsentiert, die für Freimaurerlogen zum Gebrauch geschaffen wurden und bisher noch nicht zu hören waren. Lieder, die zum größten Teil aus den Federn von Freimaurern stammen. Lieder, die hier mit Sicherheit vor 100 Jahren und mehr zum letzten Mal ertönten.

Haben denn nun die neun ehemaligen Dresdner Kruzianer den mehr als 60 Besuchern des Konzertes mit ihren vorgetragenen Freimaurerliedern aus dem 18. Jahrhundert eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage gegeben?

Die Reaktionen der Besucher nach dem 90-minütigem Konzert brachten ein eindeutiges Ja. Nicht nur einmal äußerten Zuschauer „Ich habe sehr viel über die Freimaurerei erfahren!“. So erklangen Lieder zur Eröffnung einer Loge, zu Wechselgesprächen innerhalb einer Tempelarbeit. Die Zuschauer konnten aber auch erleben, was bei einer festlichen Tafelloge passiert, wie bereits im 18. Jahrhundert die Freimaurer an ihre Frauen denken, denen der Zutritt zur Loge verwehrt wird und die sie Schwestern nennen: „Seid gegrüßt, verehrte Schönen, mit dem Gruß der Zärtlichkeit!“

Ein Erlebnis war für alle, dass der Chor nicht starr auf der Bühne stand, sondern sich, dem jeweiligen Anlass gerecht werdend, im gesamten Konzertsaal bewegte; eine gelungene Choreografie. Der Chor wurde begleitet von zwei Musikinstrumenten, die die Musik des 18. Jahrhunderts prägten. Der Leiter des Chores, Prof. Peter Kopp – Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle/Saale – selbst ehemaliger Kruzianer, saß am Hammerflügel. Dieser wurde von Roy Amotz (Berlin) mit seiner barocken Traversflöte hervorragend ergänzt. Dieses Holzblasinstrument, das der Vorläufer der heutigen Querflöte war, konnte man trotz der zarten Töne nicht überhören. Der Dresdner Musikwissenschaftler Dr. Kornél Magvas trug zwischen den einzelnen Liedern freimaurerische Texte des 18. Jahrhunderts vor.

Erwähnt werden soll, dass das Konzert im Evangelischen Jugendhaus „Wartburg“ selbst für den Chor ein einmaliges Erlebnis war. Die Künstler waren davon beeindruckt, dass sie in dem ehemaligen Haus der Loge „Zur gekrönten Schlange“ freimaurerische Lieder singen durften.

Ein Höhepunkt für die “Schlangen-Brüder” war es, die bereits 1786 unserer Loge gewidmete Vertonung Schillers „Ode an die Freude“ zu hören. Übrigens die weltweit zweite Vertonung. Neben der„Görlitzer“ Hymne wurden drei weitere Vertonungen von C.G. Körner, J.G. Naumann und F.F. Hurka zu Gehör gebracht.

Wir Görlitzer Brüder sind sich einig, dass alle Anwesenden einen außergewöhnlichen Logenabend erleben durften. Die szenische Präsentation von Freimaurerliedern mit ihren verschiedensten Facetten ist hervorragend geeignet, bedeutsamen maurerischen Ereignissen einen würdigen Rahmen zu geben.

All diese Erstvertonungen und 26 weitere Lieder sind auf einer CD enthalten, die bei dem Görlitzer Konzert angeboten wurde. Ein sehr informativ gestaltetes Booklet in Deutsch und Englisch (54 Seiten) informiert über den Inhalt der CD. „Berlin Classics“ plant, das Album im Herbst 2019 in den freien Handel zu geben. In begrenzter Anzahl kann das Album bereits jetzt bei unserer Loge zum Vorzugspreis von 16,00 € über mvst@loge49.de bestellt werden.

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Schottische Tradition hält Einzug in Gummersbach

Burns Supper in der Tenne des Wyndham Garden Hotel Gummersbach, Foto: Friederike Römer

Am 25. Januar veranstaltete die Loge „Zur oberbergischen Treue“ ihr erstes Burns Supper.

(Gummersbach /gl/ml) Mit dieser Veranstaltung begehen Schottlandbegeisterte und Freunde der Dichtkunst auf der ganzen Welt den Geburtstag von „Caledonias Barden“, dem schottischen Nationaldichter Robert Burns.

Was hat das ganze aber mit Freimaurerei zu tun? Nun, Robert Burns selbst ebenso wie seine Freunde, welche die Tradition ins Leben riefen, waren Freimaurer und der festgelegte Ablauf des Abends ist frei an maurerische Traditionen angelehnt. Neben schottischer Musik und echtem schottischen Haggis, natürlich präsentiert mit der Ode an diese Spezialität aus Burns eigener Feder, konnten sich die Gäste auch an mehreren Sorten Whiskey erfreuen.

Abgerundet wurde der Abend durch einige von Burns Gedichten und die Rede von Br. Roland Schultz, der den Lebensweg des Barden nachzeichnete.

Mit über 60 Gästen war das erste Burns Supper in Gummersbach ein voller Erfolg und wird auch 2020 wieder stattfinden – dann schon als Tradition.

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Münchner Kolloquium spricht über Kultur und Identität

Teilnehmer des 8. Münchner Kolloquiums der Loge "In Treue fest"

Beim 8. Münchner Kolloquium sprach man über Identität und Kultur als Auslaufmodelle und über das Bild des Eigenen und des Fremden.

(München / hjbj) Es ist eine schwierige Frage ob die eigene Identität bzw. Kultur Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt ist. Umso mehr, wenn man – wie es in Deutschland öfter der Fall ist – konfrontativ und einseitig das Eigene ablehnend mit den Begriffen Identität und Kultur umgeht.

Im Laufe des Kolloquiums konnte erfahren werden, dass es selbst der Wissenschaft nicht eindeutig gelingt, die Konzepte über die richtige Auslegung und Verwendung der Begriffe Identität und Kultur ausreichend zu definieren. Die Schwierigkeiten bei deren Definitionen liegen auch darin, dass jede wissenschaftliche Richtung mit unterschiedlichen theoretischen Konstrukten arbeitet. Dennoch ist ein ausgewogener interdisziplinärer gegenseitiger Austausch von Begriffen und Ideen nicht zu verdammen. Aus diesen Gründen ist, nämlich anhand von Darstellungen von Thesen, Hypothesen, Analysen und sogar mit dem Einbezug persönlicher Erfahrungen Antworten auf die Fragen zu finden, was Identität und Kultur sei.

Zu Anfang stellte Dr. Hernán J. Benítez Jump in seinem Vortrag „Persönliche und kollektive Identität aus der Sicht eines Ethnologen. Zwischen Ich-Bezogenheit und kultureller Gruppenzugehörigkeit in einer GesellschaftDefinitionen zu den Fragestellungen Gruppen- und kollektive Identität, ethnische Identität, zum Bild des Eigenen und des Fremden, Kulturund Interkulturelle Kommunikation. Im Rahmen dieser Fragestellungen brachte er eigene Erfahrungen ein, die er als ehemaliger Peruaner und Kanadier, als jetziger deutscher Staatsbürger und als Ethnologe mit dem beruflichem Forschungsschwerpunkt Nordafrika und Vorderem Orient bisher gewonnen hat.

Professor Dr. Harald Schöndorf SJ, Professor für Erkenntnislehre und Geschichte der Philosophie an der Hochschule für Philosophie in München, referierte in seinem Vortrag „Gibt es überhaupt eine undifferenzierte kulturelle oder nationale Identität?“ über die Themen personale „Identität“, über Bildung als Verstärkung des Wissens um differenzierte Identität und die Identifizierung mit dem Größeren und Mächtigeren als Verstärkung des Selbstwertgefühls sowie den totalitären Missbrauch der Identität.

Der dritte Vortragende Prof. Dr. Hans-Hermann Höhmann fokussierte in seinem Vortrag: „Institutionelle und kulturelle Voraussetzungen der ‚offenen‘ Gesellschaft – die Sicht eines Freimaurers“ überwiegend auf die Frage, was eine „Offene Gesellschaft“ sei und auf die Voraussetzungen, die zu erfüllen sind, um diese verwirklichen zu können.

Dr.phil. Jörg Noller, Ludwig-Maximilians-Universität, Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft, setzte sich in seinem Vortrag: „Kultur der Identität: Jenseits von Essentialismus und Relativismus“ mit den Fragen des kritischen Begriffes kultureller Identität, Essentialismus, Relativismus und Konstruktivismus, Identität der Kultur – Kultur der Identität sowie Sprache als kulturelle Lebensform auseinander.

Eine Ausführliche Wiedergabe des Gesagten und des Referierten würde natürlich den Rahmen dieses Kurzberichtes völlig sprengen. Hier sei  als wichtige Antwort zu dem im Titel des Kolloquiums gestellte Frage, ob Identität und Kultur rückständige Auslaufmodelle in einer globalisierten Gesellschaft seien und ob die Wahrung der eigenen Identität und Kultur die Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt sei?“ eine Antwort gegeben: Ja, die Wahrung der eigenen Identität und Kultur ist Voraussetzung für die Entstehung kultureller Vielfalt. Zum Problem bei der Suche nach einer kohärenten Antwort zu den Fragen was ist Identität, bzw. was ist Kultur, führt die Tatsache vor Augen, dass die Debatten über die Perzeption von Identität und Kultur den Kulturwissenschaften natürlich nicht allein gehören. Vor allem im Bereich des öffentlich-politischen Diskurses sind die Auffassungen völlig verschieden wenn nicht sogar chaotisch. Im öffentlich-politischen Kontext wird meistens mit den Begriffen Kultur und Identität des Öfteren balanciert und zwar je nach Couleur der Parteien und Interessenslagen und zwar ohne nicht einmal versuchsweise zu definieren, was unter kulturelle Identität zu verstehen sei. Also im Grunde überhaupt ohne zu wissen, worüber eigentlich diskutiert wird.

Das diesjährige Kolloquium mit dem Thema „Identität und Kultur“, das die ehrwürdige Bauhütte „In Treue fest“ am Samstag, den 19. Januar veranstaltet hat, war ein außerordentlicher Erfolg. Nicht nur wegen der hohen Anzahl der über hundert Teilnehmer, sondern auch wegen der sehr interessanten Vorträge und der regen Diskussionsbeiträgen, die zu dem o.g. Thema gehalten wurden. Wie aus den vielen E-Mails, die dem Veranstalter erreichten, zu entnehmen ist, wollen mehrere Logen die Themen Identität und Kultur in deren ehrwürdigen Bauhütten aufgreifen und diese zur Diskussion stellen.

Distrikmeister Hannes Brach begrüßte die Anwesenden in Namen des Distrikts von Bayern und las die Grußworte des Großmeisters Prof. Dr. Stephan Roth-Kleyer vor. Der Großloge danken wir für die großzügige Unterstützung. Insgesamt waren Teilnehmer aus München, Haar, Augsburg, Starnberg, Traunstein, Kempten, Nürnberg, Lindau, Erlangen, Ulm, Hamburg, Bonn, Düsseldorf, Bad Homburg, Plauen, Lörrach, Bremen, Oxford (GB), Österreich (Wien), Griechenland (Athen) sowie aus drei femininen Bauhütten (München, Augsburg und Düsseldorf) und aus einer Gemischten Loge (München) anwesend. Die Hälfte der Zuhörer waren keine Freimaurer.

Im Rahmen der Dokumentationen der Loge „In Treue fest“ erscheint demnächst das 8. Heft mit den Beiträgen des Kolloquiums „Identität und Kultur“, das zu einer Schutzgebühr von EUR 5,00 zuzüglich Versandkosten beim Sekretär der Loge In Treue fest bestellt werden kann (sekretaer@loge-in-treue-fest.de).

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