Karlsruher Loge veranstaltet Themenabend Demokratie

Links der Gastredner Prof. Kirchberg, rechts der Meister vom Stuhl Michael Dietrich

Die Karlsruher Freimaurerloge "Leopold zur Treue" lud zu einem Themenabend zur Demokratie in Deutschland ein. Es ging um Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde.

Karlsruhe (md). Der renommierte Verfassungsrechtler Herr Prof. Dr. Christian Kirchberg sprach über „Theorie und Praxis der Verfassungsbeschwerde“. Anschaulich berichtete er den interessierten geladenen Gästen, darunter auch mehrere Stadträte und ein Richter des BGH, aus der Praxis.

Die Verfassungsbeschwerde ermöglicht insbesondere den Bürgerinnen und Bürgern, ihre grundrechtlich garantierten Freiheiten gegenüber dem Staat durchzusetzen. Besonders beeindruckend ist die hohe Anzahl der jährlichen Beschwerden (über 6.000), von denen nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz erfolgreich ist. Der dahinterstehende Arbeitsaufwand für das Bundesverfassungsgericht, das Gericht und Verfassungsorgan zugleich ist, ist jedoch enorm. Wird ihm damit doch eine herausragende Stellung als Hüter des Grundgesetzes zuteil zum Schutze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Viele bekannte Juristen finden sich in den historischen Mitgliederlisten der Loge. Daher beschäftig sich die Loge regelmäßig mit dem gesellschaftlichen Vermächtnis dieser Brüder. Auch dem Meister vom Stuhl, Br. Michael Dietrich ist es wichtig, dass die Freimaurerei klar Stellung bezieht für ihre Ideale: Toleranz und Menschenliebe, für Grundrechte und Demokratie sowie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit.

Die Geschichte der Loge “Leopold zur Treue” ist eng mit der Entstehung der badischen Verfassung und den ersten demokratischen Strömungen in Deutschland verbunden. Karl Friedrich Nebenius, der Schöpfer der badischen Verfassung von 1818, deren Entstehung sich vergangenes Jahr das 200. Mal jährte, war Mitglied der Loge. Im Jahr 1813 musste er, wie alle badischen Beamten, auf Drängen von Großherzog Karl aus der Loge austreten. Im selben Jahr erfolgte das generelle Verbot. Einige Jahre später war es vor allem seinem Einsatz zu verdanken, dass die “Leopold zur Treue” unter dem Protektorat von Großherzog Leopold im Jahr 1847 wiedereröffnet werden konnte, die sich ihm zu Ehren umbenannte (von „Carl zur Einigkeit“).

Seine Verfassung war die modernste seiner Zeit. Als erste demokratische Verfassung Deutschlands war sie geprägt von freimaurerischen Idealen. Insbesondere enthalten war ein Katalog von Grundrechten für alle Bürgerinnen und Bürger. Vielleicht war sie noch etwas zu fortschrittlich im damaligen gesellschaftlichen Zusammenhang. So setzten bereits 1819 die Karlsbader Beschlüsse die in der Verfassung enthaltenen Grundrechte wieder außer Kraft. Bis zur Ausrufung der Republik in Deutschland sollten dann noch 100 Jahre (1918) vergehen. Die Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen jährte sich letztes Jahr erst zum 70. Male. Nebenius kann aus heutiger Sicht als Vordenker, Visionär und Wegbereiter angesehen werden. Er setzte die Ideale der Freimaurerei und damit der Aufklärung um und integrierte sie in seinen Entwurf der badischen Verfassung.

Sein Ehrengrab besuchten die Brüder der Loge erst kürzlich.

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