Neujahrsempfang in Hamburg

Neujahrsempfang in Hamburg, Foto: Martin Brinckmann

In einer gemeinschaftlichen Veranstaltung begingen die Hamburger Freimaurer ihr "Neujahrsfest". Als Festredner referierte Prof. Michael Otto zum Thema "Verschwinden mit der Digitalisierung unsere Werte?"

Zur Zeit dominiert eine Fülle von Zukunftsängsten die gesellschaftspolitische Debatte, wobei neben dem vielbeschworenen Klimawandel auch das Stichwort „Digitalisierung“ die Gemüter nachhaltig bewegt. Da hat sich der Distrikt Hamburg als Ideengeber und federführend in der Vorbereitung und Ausführung des NEUJAHRSEMPFANGS am 2. September 2019 im Namen aller Freimaurerlogen in Hamburg sowie in Kooperation mit den Großlogen der Vereinigten Großlogen von Deutschland und den Alten Freien und Angenommenen Maurern von Deutschland, der Provinzialloge von Niedersachsen und der Großloge Humanitas die Auseinandersetzung mit dem Thema „Verschwinden mit der Digitalisierung unsere Werte?“ und seinem Festredner Prof. Dr. Michael Otto konstruktiv eingemischt.

Der oft unterstellte Vorwurf, die Freimaurer würden sich nur mit sich selbst – zurückgezogen in ihren eigen Mauern – beschäftigen, wurde an diesem Abend in der Tat eindrucksvoll widerlegt. Eine breite Öffentlichkeit und ein Fernsehteam von „Hamburg 1“ bekundeten neben vielen Logen ihr großes Interesse an der Veranstaltung im Logenhaus der Privinzialloge von Niedersachsen.

Als dessen Hausherr begrüßte Br. Uwe Dörger alle Anwesenden im vollbesetzten Großen Mozart-Saal, ihnen voran den Festredner, masonisch den Großmeister A.F.u.A.M., Br. (Prof. Dr.) Stephan Roth-Kleyer, den VGL-Großmeister, Br. Christoph Bosbach, und dessen Stellvertreter, B. Bernd Brauer, sowie die Großmeisterin der Großloge Humanitas, Sr. Hanna Stadler-deCubas. Anschließend ergriff zu weiterer Begrüßung Distriktsmeister Br. Thomas Stuwe das Mikrophon am Rednerpult, erläuterte dem Auditorium den „Neujahrsempfang“ im September als „freimaurerische Zeitrechnung“ mit dem Ende des ersten Maurer-Halbjahres zu Johanni, dem 24. Juni, und dem Beginn des neuen Maurer-Halbjahres am 1. September, um sich dann der Persönlichkeit des Festredners, Prof. Dr. Michael Otto, zu widmen.

„Ein Leuchttum – las ich in der Vorbereitung über Ihr Unternehmen. Digitale Information sei wie Wasser, heißt es. Irgendwie sickert durch, welche Werte eine Firma vertritt.“ richtete der Distriktsmeister seine Worte an den Festredner und fügte u. a. zwei weitere Zitate hinzu (aus einem Leserbrief in der ZEIT): „Wir Menschen sind gefordert, die im Zeitalter der Aufklärung gewonnenen Erkenntnisse und Werte zu digitalisieren, wir brauchen neue Kompetenzen in allen Lebensbereichen.” sowie aus einer Finanzzeitschrift: „Durch Outsourcing und Digitalisierung gehen zunehmend Gemeinsamkeit und Vertrautheit verloren. Rituale helfen, die Gemeinschaft wieder zu stärken.”

Das Zitat ist für einen Freimaurer-Empfang natürlich eine Steilvorlage. Schließlich ist die rituelle Arbeit unser USP.“, bekannte Br. Thomas Stuwe und fasste danach die Biographie von Prof. Otto in knappen Daten zusammen: Abitur, Banklehre, Studium der Volkswirtschaft, Promotion. 1971 Vorstand im Unternehmen des Vaters, von 1981 bis 2007 Leitung der „Otto Group“ als Vorstandsvorsitzender sowie Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hamburger Handels- und Dienstleistungsgruppe Otto. Initiator und Vorsitzender des Freundeskreises der Hochschule für bildende Künste Hamburg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Kulturkreis des BDI und Vorsitzender des Kuratoriums der Werner Otto Stiftung für medizinische Forschung. Und Br. Thomas Stuwe fuhr fort: „Ökologischen Aspekten misst Prof. Otto von jeher in der Führung seiner Unternehmensgruppe, aber auch bei seinen zahlreichen ehrenamtlichen Engagements, eine große Bedeutung bei.

Für sein Engagement wurde Prof. Otto vielfach ausgezeichnet, unter anderen mit dem Heinz Sielmann Ehrenpreis für seine herausragenden Leistungen im Bereich Natur- und Umweltschutz sowie mit dem Walter-Scheel-Preis“. Und neben weiteren Auszeichnungen wurde ihm 2013 von der Bürgerschaft und dem Senat die Würde eines Ehrenbürgers der Freien und Hansestadt Hamburg „für seine herausragenden Leistungen als Unternehmer sowie als Stifter, der über das Notwendige hinaus wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt“, verliehen. Soweit die gekürzten Ausführungen unseres Distriktsmeisters.

Festredner Michael Otto, Foto: Martin Brinckmann

Nach einem musikalischen Intermezzo folgte nun der Vortrag von Prof. Otto unter dem Titel „Verschwinden mit der Digitalisierung unsere Werte?“ In seiner freien Rede schilderte er an der Vita seines großen Unternehmens die vielschichtige Entwicklung seiner Firmenstruktur zu einem weltweit vernetzten Konzern mithilfe einer gezielten Digitalisierung auf allen Ebenen, deren Planung und Anwendung 25 Jahre in Anspruch genommen haben. Die „Otto-Group“ hat bei dieser gigantischen Umstellung eines traditionsbewussten Konzerns in das neue digitale Zeitalter geradezu unerforschtes Terrain betreten, dessen Bewährung am eigenen Experiment erprobt werden musste – mit
allen Risiken, die eine Avangarde eingehen muss. Die „Otto-Group“ stellte sich dabei der Herausforderung, neben wirtschaftlicher Effizienz und notwendigem Erfolg den vielfältigen innovativen Maßnahmen auch die Balance der sozialen Verantwortung und der ökologischen Nachhaltigkeit zu gewährleisten, ein Vorhaben, das wahre digitale Pionierarbeit im Unternehmen erforderte.

Ergänzend sei hier der Festredner in der Zielsetzung seiner von ihm gegründeten „Umweltstiftung Michael Otto“ aus dem Internet ebenfalls zitiert: „Es geht mir bei meinem Wirken als Stifter insbesondere darum, Impulse für die Gestaltung zukunftsweisender Lösungen im Natur- und Umweltschutz zu setzen und diese in einem gesellschaftlichen Diskurs zu stärken. Wir haben deshalb die Stiftung von Beginn an auch als Dialogplattform und Brückenbauerin konzipiert.“

In seinem Festvortrag schilderte Prof. Otto eben nicht nur die Firmengeschichte der „Otto group“, sondern die damit verbundene Notwendigkeit, innovative Entwicklungen wie beispielsweise die Digitalisierung zu erkennen, anzuwenden und kritisch zu überprüfen, ob der gesellschaftliche Wertekanon dabei gewahrt bleibe, damit der Mensch den Zukunftsperspektiven nicht nur in der Arbeitswelt mit Zuversicht begegnen kann – ein echtes „Otto-Credo“! Kein Wunder, dass diese Botschaft im Auditorium kräftigen Beifall auslöste und dem „Neujahrsempfang“ eine sinnstiftende Richtung zuwies. So fügten sich auch die Schlussworte von Sr. Hanna Stadler-deCubas über das Streben der Freimaurerei nach mitmenschlicher Wertschätzung und Empathie nahtlos ein, verbunden mit der Einladung zu anregenden Gesprächen bei Fingerfood und Getränken im Kleinen Mozart-Saal. Von diesem Angebot machten viele der Anwesenden – einschließlich des Festredners – regen Gebrauch.

Bleibt unbedingt nachzutragen: Die musikalische Umrahmung besorgten in hinreißender Virtuosität die Kammermusikerin Frau Sabine Grofmeier (Klarinette) und Br. Jean Panajotoff (Konzertflügel). Beide ernteten den stürmischen Applaus eines begeisterten Publikums.

Summa summarum: Der Freimaurerbund hat mit seinem „Neujahrsempfang“ in Hamburg wieder einen Maßstab von Öffentlichkeitsarbeit angelegt, der nicht nur in der Hansestadt erneut eine anerkennende Beachtung und einen bemerkenswerten Zuspruch fand. Ein weiterer Baustein einer erfolgreichen Bewusstseinsbildung über Freimaurerei im öffentlichen Raum wurde so hinzugefügt. Und ganz nebenbei war das Gemeinschaftserlebnis unter den Beteiligten am Zustandekommen des „Neujahrsempfangs“ und dessen Unterstützung auch eine erfreuliche, motivierende Erfahrung, die man gern für weitere Aktivitäten nutzen darf.

Continue reading...

Lebendige Partnerschaft der Logen in Hoorn und Wetzlar

Miel von Wolzogen Kühr (v.l.n.r.) und Martin Marx bei der Übergabe des Gastgeschenkes

Eine fünfundzwanzigköpfige Gruppe der Wetzlarer Freimaurerloge „Wilhelm zu den drei Helmen“ nutzte ein langes Wochenende, um Brüder und Schwestern der seit den 1970er Jahren befreundeten Logen im niederländischen Hoorn zu besuchen.

Hoorn/Niederlande (mf). Das jährliche Zusammenkommen, abwechselnd in Wetzlar und Hoorn stattfindend, bot auch in diesem Jahr ein buntes Rahmenprogramm, wobei die Schwerpunkte auf einem Erfahrungsaustausch und dem mehr als geselligen Zusammensein im Kreis von guten Freunden zu finden waren.

Der als „Arbeitstreffen“ bezeichnete Programmpunkt im Verlauf des Wochenendes beschäftigte sich mit dem „Wert von Logenbesuchen“, wobei Martin Marx als Meister vom Stuhl der Wetzlarer Freimaurerloge und Roland Stallaert von der Loge „West Friesland“ mit Impulsvorträgen zur Diskussion animierten.

Eine „Weiße Tafel“ im Anschluss an eine gemeinsame Tempelarbeit nutzten die gut sechzig anwesenden Teilnehmer auch zur Übergabe eines besonderen Gastgeschenkes. Marx überreichte zwei auf einer Tafel zusammen gerahmte Originalstiche aus dem 17 Jahrhundert, die den Stadtgrundriss von Hoorn und eine Ansicht von Wetzlar zeigen, an seinen Amtskollegen Miel von Wolzogen Kühr.

Vor allem jüngere und zum ersten Mal an einem Partnerschaftstreffen teilnehmende Logenmitglieder und Partnerinnen waren sehr angetan von der herzlichen Atmosphäre und dem betriebenen Aufwand. So luden die Gastgeber nach einem Empfang am Anreisetag beispielsweise zum Abendessen nach Hause ein und der größte Teil der Besuchergruppe wurde privat untergebracht.

Man trennte sich in Vorfreude auf das Wiedersehen im kommenden Jahr, das wieder in der mittelhessischen Goethe- und Optikstadt Wetzlar stattfinden wird.

Continue reading...

Die alten Logen der Saalestadt Halle

Die alten Logen und Orden der Saalestadt Halle von Guntram B. Seidler

Mit dem Buch “Die alten Logen und Orden der Saalestadt Halle legt der Autor Guntram B. Seidler einen Einblick in die Vielfalt der ehemaligen Logen und Orden der Stadt vor. Ein kurzer Einblick in die Neuzeit rundet diese historische Schrift ab.

In der Geschichte der Saalestadt Halle haben seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis zu ihrer erzwungenen Auflösung durch die Nationalsozialisten viele freimaurerisch ausgerichtete Logen und Orden im gesellschaftlichen und kulturellen Leben eine wichtige Rolle gespielt. Eine besondere Bedeutung erlangten die fünf Freimaurerlogen mit um das Jahr 1930 ca eintausend Mitgliedern. Über die meisten der freimaurerisch geprägten Logen und Orden ist dagegen heute nichts mehr bekannt. So gab es bereits frühzeitig bedeutende akademische Logen und Studentenorden. Unter dem Deckmantel der Freimaurerei gründeten hier einige Hochstapler und Betrüger ihre meist eigenartigen Vereinigungen. Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts war die Zeit der Irrungen und Wirrungen vorbei und es entstanden seriöse Logen und Orden mit echt humanitären Zielen.

Guntram B. Seidler, Jahrgang 1941, lebt in Halle an der Saale. Seit 1997 ist er Mitglied der halleschen Loge “Zu den fünf Türmen am Salzquell”. Ab 2003 beschäftigte er sich intensiv mit der Geschichte der Freimaurerei, insbesondere der ehemaligen und heutigen halleschen Freimaurerlogen.

Guntram B. Seidler, “Die alten Logen und Orden der Saalestadt Halle”, 114 Seiten, 16,8 x 24,5 cm, Paperback. Erschienen bei druck-zuck, ISBN 978-3-940744-80-7, 15,00 €

Continue reading...