Neujahrsempfang der Loge “Plato” in Wiesbaden

Festredner Dirk Reimers, Staatsrat a.D und Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Nationalstiftung im Festsaal der Loge „Plato zur beständigen Einigkeit“ Foto: Privat

Der freimaurerische Jahreswechsel erfolgt nach alter Tradion um den 24. Juni herum. Ende Juni fand der 5. Neujahrsempfang der Wiesbadener Loge „Plato zur beständigen Einigkeit“ im Festsaal des Logenhauses statt.

Wiesbaden (tf). Meister vom Stuhl Br. Richard Lewinsky begrüßte zahlreiche Ehrengäste wie beispielsweise Oberbürgermeister, Sven Gerich, die Stadtverordnetenvorsteherin und ihren Stellvertreter, den Stadtältesten, den Wiesbadener Bundestagsabgeordneten Ingmar Jung und zahlreiche weitere Gäste aus Stiftungen, Vereinen, der Casino-Gesellschaft und dem Lionsclub.

Br. Rolf Keil, stellv. DM Hessen- Thüringen, überbrachte die Grüße des Großmeisters Br. Stephan Roth-Kleyer. In seinem Grußwort stellte er die Logen als Brückenbauer für den Austausch auf kultureller und geistiger Ebene heraus. Dazu trage auch dieser bereits 5. Neujahrsempfang der Wiesbadener Loge „Plato zur beständigen Einigkeit“ bei, um die Gedanken der Freimaurerei über den Weltethos und die Humanität in die Öffentlichkeit zu tragen.

Sven Gerich, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden, bedankte sich für die erneute Einladung zu dieser Veranstaltung. Oberbürgermeister Gerich griff vorab das Thema des Festredners auf, um auf die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Tendenzen einzuwirken. Hier würdigte er das Engagement von Ehrenamtlichen und Vereinen insbesondere für die Stadt Wiesbaden. So unterstützt seit mehr als 100 Jahren die Loge Plato mit der logennahen Hempelstiftung beiuspielsweise die Wiesbadener Musik- und Kunstschule. Er dankte der Loge für ihr Öffnung und ihre Unterstützung beim Zusammenhalten des Wiesbadener Stadtlebens. Für die Zukunft wünschte er der Loge Plato, dass sie die Ziele, ethische wie humanistische, weiter verfolgt und sie ausbaut.

Der Festredner des 5. Neujahrsempfanges war Dirk Reimers, Staatsrat a.D. und Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Nationalstiftung. Der Titel der Festrede lautete „Was uns zusammenhält – die Idee der Nation in Europa“. Herr Reimers stellte kurz die Stiftung vor und ging anschließend auf den Nationenbegriff ein. Hierbei bediente er sich einer Rede von Ernest Renan aus dem Jahre 1882. „Die Nation sieht Renan als ein ‘Wir-Gefühl’, als das Ergebnis eines inneren Prozesses in den Köpfen und Herzen der Menschen, also einem ‘täglichen Plebiszit’ für oder gegen die Zugehörigkeit zu einer Nation.“ Hierbei setzt sich das „Wir-Gefühl“ aus drei Säulen zusammen:

  1. Gemeinsame Sprache für eine Kommunikation, für eine Gesellschaft und damit auch als Teilhabe an der Demokratie
  2. Mindestkenntnisse des kulturellen Erbes, wie gemeinsame Werte, Traditionen, Gebräuche
  3. Der Wille an einer gemeinsamen Zukunft mitzuwirken

Das „Wir-Gefühl“ hat ein breites Spektrum an „Wir-Gefühlen“, z.B. familiärer, weltanschaulicher Art, und unterliegt, wie alle Gefühle, Schwankungen in jede Richtung. Unsere Nation ermögliche Vielfalt. Das bedürfe einer gemeinsamen Grundlage auf der das „Wir-Gefühl“ gedeihen kann, um die Menschen zusammenzuhalten. Im Ausland seien die Deutschen bekannt, dass sie keine Deutschen sein wollen. Allerdings habe diese Ich-Schwäche Deutschlands gleichfalls die Bereitschaft gefördert, sich stärker als manch andere Nation in das Europa zu integrieren. Deutschland sei ein Einwanderungsland. Um dessen Zusammenhalt zu erreichen unter Bewahrung unserer Werte und unseres Lebensstils, sowie bei der Integration von Migranten erfolgreich sein zu wollen, bedürfe es vor allem Selbstbewusstsein. „Nur wer sich seiner selbst bewusst ist und in sich ruht, kann anderen Partner sein und weltoffen, um multilateral mit anderen gemeinsame Probleme zu lösen.“ Herr Reimers stellte klar, dass der Zusammenhalt nicht von oben verordnet werden kann. Der Zusammenhalt als Nation wächst von unten und ist mitbestimmt durch die Werte des Humanismus, das Erbe der Aufklärung, durch unseren eigenen Willen und unsere Zuversicht.

Nach dem Festvortrag von Herrn Reimers und viel Applaus, gab es zum Abschluss der Veranstaltung eine klassische Gesangseinlage von Künstlerinnen und Künstlern der Wiesbadener Musikakademie. Einmal mehr verweilten Gäste und Brüder noch lange zum gesellschaftlichen Ausklang mit Imbiss im Logenhaus. Die Gespräche rankten sich um den geachteten Festvortrag und gleichfalls um Freimaurerei durch interessierte Gäste. Kontaktdaten wurden viele ausgetauscht und einmal mehr Interesse für die nächsten Gästeveranstaltungen bekundet.

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240 Jahre Loge Plato zur beständigen Einigkeit in Wiesbaden

Br. Lutz Hausberg umriss die Geschichte der Loge

Obwohl es “erst” das vierte Mal stattfand, wirkt es doch so als hätten sich die mehr als 180 erschienen Gäste daran gewöhnt, dass die Wiesbadener Loge "Plato zur beständigen Einigkeit" mitten im Sommer zum “Neujahrsempfang” einlädt, bei dem sie ganz nebenbei ihr 240-jähriges Bestehen feiert.

(Wiesbaden/pmb) Das Publikum bestand aus einer gemischten Gesellschaft von Vertretern aus Politik, Kultur und Wirtschaft, Polizei, Militär, besuchenden Brüdern, Alt-Großmeister der Vereinigten Großlogen von Deutschland und dem neuen Distriktsmeister bis hin zu einzelnen Freunden von Logenmitgliedern. Es gab auch einen guten Grund zum Feiern, nicht um sich für 240 Jahre auf die Schulter zu klopfen, vielmehr darauf aufmerksam zu machen wie aktuell und notwendig die Freimaurerei in der Gesellschaft war und ist. Die zweieinhalb Jahrhunderte durch Monarchien, Revolutionen, Republik, Diktatur und den Sieg der Demokratie überlebte die Idee. Genau diese Idee mit ihren Idealen bewegten den satzungsgemäß scheidenden Meister vom Stuhl, Dieter Börgers, damals Freimauer zu werden wie die Meister vor ihm in den 240 Jahren. So gab es herzliche Glückwünsche zum Geburtstag und die  Loge Plato zur beständigen Einigkeit freute sich in ihrer Heimat Wiesbaden, so zahlreich Gäste im Schloss zu begrüßen. Hatte sie sich doch am 6. August 1778 dortselbst unter Vorsitz des Fürsten Carl Wilhelm von Nassau konstituiert, der zudem der erste Meister vom Stuhl war.

Altdistriktsmeister  Dr. Lutz Hausberg (selbst einer der Altstuhlmeister der Plato) überbrachte die Grüße des  Großmeisters der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland, Br. Roth-Kleyer, und umriss in seinem Vortrag die wechselvolle Geschichte der Loge: In der Restauration zunächst verboten, konnte sie sich mit Hilfe Frankfurter Logen (besonders der Sokrates) Mitte des 19. Jahrhunderts neu gründen und wurde bis zum Beginn des nationalsozialistischen Regimes  in Deutschland ein tragender Pfeiler des Wiesbadener Kulturlebens mit über 200 Brüdern. Von der Gestapo 1935 aufgelöst, ab 1962 durch amerikanische Brüder reaktiviert, ist sie heute der älteste noch bestehende Verein der Landeshauptstadt.

In Vertretung des Oberbürgermeisters überbrachte Kulturdezernent und Stadtrat Axel Imholz im Rahmen seiner Ansprache die offiziellen Grüße  und wünschte der Loge auch weiterhin eine fruchtbare Arbeit, auch zum Wohle der Landeshauptstadt. Sehr dezidiert und eingehend berichtete er über sein persönliches Bild der Freimaurerei und die stets gastfreundliche Begegnung mit der Loge als Teil der Stadtkultur.

Der Hessische Kultusminister Prof. Dr. Lorz spricht zum Thema "Ethische Bildung"

Der schwungvollen Festansprache des Hessischen Kultusministers, Prof. Dr. Lorz, zum Thema „Ethische Bildung“ lauschten die Gäste voller Spannung. Ausgehend vom Begriff „Humanität“ sei Bildung die Aufgabe jeder geistigen Schulung. Hier berührten sich Freimaurerei und Schule, da die Freimaurerei sozusagen dort weiterführe, wo die allgemeine Schule ende. Es sei wünschenswert wenn die öffentlichen Bildungsstätten das große Feld der moralischen und ethischen Bildung abdecken, doch sie kann dem jungen Menschen Anregung zum selbständigen Denken geben und den Mut Fragen zu stellen. Die Freiheit der Gedanken lässt den Menschen erblühen, sowie das kantianische „Sapere aude“ – auf Horaz zurückgehend – heute genauso nötig sei wie zur Zeit der Aufklärung.

Zum Abschluss berichtete Dieter Börgers sehr einfühlsam über seine Erfahrungen in den 4 Jahren als Stuhlmeister. Das Credo seiner Amtszeit als Beispiel zu dienen und sich stets selbst in den anderen zu erkennen, beobachten und nach reiflicher Überlegung Fragen an sich selbst und dann erst an andere zu stellen. Es sei nicht selbstverständlich, dass Menschen in dieser “verrückten” Zeit unbeeinflusst bleiben, doch umso notwendiger, dass sie menschlich bleiben. Die weitere Leitung des Festaktes übernahm der neu gewählte Meister vom Stuhl Richard Lewinsky, der alle Besucher zum Umtrunk mit kleinen Köstlichkeiten einlud.

Eingerahmt und aufgelockert wurde der Festakt durch Musik von Freimaurern, darunter George Gershwin, Franz Liszt und natürlich Wolfgang Amadeus Mozart, dargeboten von Studierenden der Wiesbadener Musikakademie.

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