Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Von Anstand bis Zuverlässigkeit

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Man kann es allenthalben beobachten, dass Menschen mit dem Finger auf Nachbarn, Bekannte und auch auf Fremde zu zeigen, um auf angebliches Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Dabei wird vergessen, dass an der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger drei Finger auf die Person zurückzeigen.

Was bedeutet das? Im Volksmund heißt es: Jeder kehre zuerst vor seiner eigenen Tür! Ich muss mit meinem Verhalten zuerst Vorbild sein, bevor ich mich über das Verhalten anderer äußere. Wie arbeitet man an sich selbst, an seinem eigenen rauen Stein? Leitgedanken, ein Wertekatalog, eine Richtschnur helfen dabei, sich selbst und seine Defizite zu erkennen. Ein Ist/Soll-Vergleich des eigenen Verhaltens zeigt: Wie steht es mit mir? Wo kann ich mein Verhalten verbessern. Als kleines Hilfsmittel und Werkzeug habe ich eine Checkliste dafür angelegt:

Der Anstand bestimmt unsere Umgangsformen und unsere Lebensart. Unser Gefühl ist für den Begriff „Anständigkeit“ ausgeprägt. Noch präziser ist unser Urteil über „unanständiges Verhalten“.

Aufrichtigkeit im Gespräch ist der Beginn zu gegenseitigem Vertrauen. Das erwarte ich jedoch auch von meinem Gesprächspartner.

Die meisten von uns haben schon als Kinder gelernt, nicht das größte Stück vom Kuchen zu nehmen und damit auch noch zu prahlen. Das Prahlen und Herzeigen ist zwar Mode, keinesfalls aber sympathisch.

Durch besonnenes Verhalten kann man Schlimmeres verhüten. Bei überlegtem und beherrschtem Handeln behält der Verstand die Oberhand.

Wer ehrlich ist, ist gleichzeitig auch ehrenhaft. Ehrlich sind Menschen, die zu ihren Defiziten und Merkwürdigkeiten stehen und nichts beschönigen.

Die Pflege unserer emotionalen Intelligenz ermöglicht es, gut mit den eigenen Emotionen und den Wünschen sowie den Emotionen der Anderen umzugehen. Damit können wir soziale Konflikte in unserem Umfeld positiv beeinflussen.

Mit Fleiß beweisen wir unsere Zielstrebigkeit bei der Bearbeitung unserer Defizite im Gegensatz zum Müßiggang.

Gelassenheit hilft in allen Lebenslagen und ist eine wichtige Voraussetzung für ein gelingendes Zusammenleben.

Der rechte Winkel mahnt symbolisch an die Rechtschaffenheit und Geradlinigkeit in meinem Handeln.

Das ist eine uns in die Wiege gelegte Charakterhaltung. Wir sind verpflichtet, die Würde des Menschen zu schützen und dem Unrecht zu wehren.

Gewaltlosigkeit folgt der Überzeugung, dass durch Gewalt oder Gewaltandrohung Probleme nicht gelöst werden. Bekannte Vertreter dieser Denkrichtung sind Jesus und Mahatma Gandhi.

Sie beschreibt den Grad der Selbstkontrolle, Genauigkeit und Zielstrebigkeit, die einem Menschen eigen sind. Ich folge dem Rat meines Gewissens, das nicht trügt.

Gütig ist ein Mensch, der eine wohlwollende, freundliche und nachsichtige Einstellung gegenüber anderen hat. Elemente von Güte sind Gutes tun und Barmherzigkeit.

Allein ein guter Wille ist ohne Einschränkung für gut zu halten, sagt Kant.

Klug ist, wer in einer Situation angemessen und vorausschauend handelt. Klugheit gehört zu den vier Kardinaltugenden (nach Platon: Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit und Weisheit).

Beim Mitleid mit Menschen und Tieren in Not ist nicht nur unser Herz gefordert, sondern unser Handeln, um im Rahmen unserer Möglichkeiten das Leben des Anderen zu erleichtern.

Darunter versteht man eine freiwillige Selbstbeschränkung und ein Erkennen der eigenen Grenzen.

Maß zu halten ist die Mutter aller Tugenden.

Dem Wort Ordnung wurde das Wort Sinn zugefügt, um die Ordnung der Sinne anzumahnen.

Die Kurzform lautet: Die Rechte des Anderen wahren und nach Möglichkeit bedienen.

Unpünktlichkeit ist unbedingt zu vermeiden, weil sie eine Herabwürdigung des Anderen bedeutet.

In einer Gemeinschaft verhält man sich redlich durch Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Loyalität.

Der Respekt ist eine Form der Wertschätzung, der Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber anderen.

Schönheit steht für die Begriffe Ästhetik, Harmonie, Symmetrie und Würde unseres Handelns.

Das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen ist die Voraussetzung für die angestrebte Verbesserung, die Arbeit an sich selbst.

Diese Tugend hat den maßvollen Umgang mit Geld, Gütern und Natur zum Ziel. Sofern es um die eigenen Mittel geht, ist eine angemessene Großzügigkeit bei Spenden selbstverständlich.

Stark sein ist die Fähigkeit, auch mit widrigen Umständen in meinem Leben umgehen zu können.

ist eine Kardinaltugend, die wir heute mit dem Wort Zivilcourage ausdrücken.

Es ist das Bemühen um Akzeptanz des Andersdenkenden. Friedrich der Große sagte: Bei uns kann jeder nach seiner Façon selig werden.

Unbestechlich ist, wer die eigenen ethischen Werte höher einschätzt als persönliche Vorteile.

Verzeihen und Großmut ist die Fähigkeit zur Vergebung, anstatt Rache und Vergeltung zu üben.

Weise ist ein Mensch mit Verständnis von Zusammenhängen und Problemlösungen, die schlüssig und sinnvoll sind. Diese Tugend zu leben fällt naturgemäß älteren Menschen mit ihrer Lebenserfahrung leichter.

Ein guter Rat für den Alltag lautet: Öfter einmal mehr als gewohnt den Mund zu halten. In kritischen Situationen „den Mund zu halten“ oder „innezuhalten“ ist gewiss kein Zeichen von Schwäche oder Ratlosigkeit.

Zuverlässigen Menschen kann man vertrauen, ihrer Hilfe ist man auch in kritischen Situationen sicher.

Nach all diesen Punkten kann man sich die Frage stellen: Wie steht es damit bei mir? Eine redliche Antwort lautet: Nicht immer zum Besten. Es gibt noch viel zu tun.

Der Beitrag entstammt der Zeitschrift “HUMANITÄT — Das Deutsche Freimaurermagazin”, Ausgabe 6-2018.

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