Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland (A.F.u.A.M.v.D.)

Zuhören, zusehen, aber schweigen? Unser Menschenbild

Internet-Redaktion
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Seit Jahren beobachtet unser Autor aufmerksam das gesellschaftliche und politische Leben in Deutschland, Europa und der Welt und fühlt sich nach eigener Aussage "immer unbehaglicher".

Von Br. Erwin Lenz, Konstanz

Ja, viele Entwicklungen erlebe ich als beängstigend. Das hat dazu geführt, dass sich meine Auffassungen und Meinungen immer mehr von dem Mainstream der politischen Correctness entfernen. Und mitten drin stelle ich mir immer wieder die Frage: „Wie verträgt sich das mit meiner Rolle als Freimaurer?“ Sind wir doch zu Toleranz, Menschenliebe und Brüderlichkeit gegenüber allen Menschen aufgerufen. Keinesfalls nur gegenüber unseren Brüdern, wie von den Gegnern der Freimaurerei behauptet wird. Aber wenn ich die Wirklichkeit außerhalb unseres Tempels betrachte, sind die Menschen weit, sehr weit von diesem Ideal entfernt und entfernen sich immer mehr:

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Alle diese Beobachtungen: die fehlende Fairness all überall, dass Messen mit zweierlei Maß, der Kampf mit unlauteren Mitteln lösen in mir  Widerstand aus: Ich will mir von niemandem vorschreiben lassen, was ich zu denken und zu sagen habe. Und schon gar nicht kann ich die grassierende Intoleranz tolerieren. Gleichwohl bin ich den ethischen Idealen der Freimaurerei verpflichtet. „Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit sind der Mörtel des Tempelbaus“. Ich frage mich: Wie kann ich diesen Gegensatz auflösen? Wo sind die Grenzen der Toleranz?“

Ich habe lange darüber nachgedacht und bin zu folgenden Schlüssen gekommen:

Ich möchte daran erinnern: Von keinem totalitären Regime, egal ob „links-sozialistisch“, „rechts-faschistisch“, „muslimisch-gottesstaatlich“ oder „christlich-absolutistisch“, wird die Freimaurerei geduldet, einzige Ausnahme: Kuba.

Selbst in demokratischen Staaten grassiert eine „Masonophobie“. In der Türkei haben die Brüder große Angst und arbeiten nur noch im Verborgenen. Selbst in Italien erwägen Regierung und Parlament, öffentliche Ämter und die Mitgliedschaft in der Freimaurerei für unvereinbar zu erklären.

Ich komme damit zu meinem Titelthema zurück und fasse zusammen:

Im Dezember 2018 hatte ein Professor der Universität Siegen Thilo Sarrazin zu einem Seminar zum Thema: „Meinungsfreiheit“ eingeladen. Im Vorfeld wurde massiv versucht, auch durch die Universitätsleitung, die Teilnahme Sarrazins an der Veranstaltung zu verhindern.

Dies wurde im Fernsehsender: RTL-West, wie folgt kommentiert, Zitat:

„Eine Vorlesung zur Meinungsfreiheit wird bekämpft, weil ein Mensch auftritt, der eine Meinung hat, die er aber nicht haben darf. Und wer ihn unterstützt, ist Nazi.

Geht’s auch eine Nummer kleiner?

Wer legt eigentlich fest, was man sagen darf und was nicht, welche Meinung man haben darf und welche nicht? Solange es natürlich nicht gegen geltendes Recht verstößt.

Immer mehr Menschen fühlen sich anderen Menschen gegenüber moralisch überlegen und bekämpfen Andersdenkende, mittlerweile sogar bis aufs Blut. Wir erzeugen eine Atmosphäre der Angst und nennen es Freiheit. Wir bedrohen andere und nennen es friedlich. Wir wollen den Zusammenhalt und betreiben die Ausgrenzung. Fast immer im Namen einer toleranten Gesellschaft.

Das ist alles andere als tolerant, das ist borniert!

Das Wort Toleranz kommt aus dem Lateinischen und heißt: Ertragen, erleiden, erdulden. Tolerant kann nur sein, wer etwas ablehnt und trotzdem hinnimmt. Denn nur dann kann man es erdulden.

 … Redet miteinander, hört einander zu und hört auf, euch zu beschimpfen. Denn nicht alles, was man selbst meint, ist richtig. Und nicht alles, was der andere denkt, ist falsch.“ Zitat Ende.

Mein Fazit lautet:

Auch für uns Freimaurer ist Toleranz weder uneingeschränkt, noch unbegrenzt. Und sie ist keine Einbahnstraße. Intoleranz können und dürfen wir nicht tolerieren. Denjenigen, die für sich alle Rechte einfordern, diese aber anderen verweigern, müssen wir entgegen halten: „Wer Toleranz einfordert, muss sie auch üben!“

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